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Donnerstag, 15. Juni 2023

Markus Krall über Planwirtschaft, Inflation und Bankenkrise im Wechselspiel

Planwirtschaft, Inflation und Bankenkrise im Wechselspiel (Markus Krall)


Marc Friedrich

11.06.2023
Mit Sätzen wie "wir müssen jetzt durch diese Krise" oder "wir stecken mittendrin in einer wirtschaftlichen Zwickmühle" hat Markus Krall seinen einstündigen, spannenden und breit gefächerten Vortrag auf meinem Event "Marc lädt ein" beendet. Wie seine Einschätzungen und Analysen zu Planwirtschaft, Inflation, anhaltender Bankenkrise und vielen weiten spannenden Themen steht, das seht ihr jetzt!


Kommentar

MRNA
Nennt mich verrückt, aber ich stehe immer noch auf Autos, Motorräder, Urlaub, Einfamilienhaus, grillen und Frauen ohne Vollbart.😂

Montag, 20. Oktober 2014

Die Folgen von Größenwahn und Duckmäusertum

Thema: Finanzkrise
Die eigenen Bürger vergessen
Merkels Illusion vom globalen Markt treibt Deutschland in die Krise

Die Rückkehr der Krisen wird Deutschland besonders hart treffen. In Deutschland hat sich als Exportnation in einer trügerischen Sicherheit gewogen. Statt die Kaufkraft der eigenen Bürger zu stärken, wurde weiter Lohn-Dumping betrieben. Das könnte sich nun rächen. Denn Deutschland ist heute anfälliger für einen Crash als noch vor wenigen Jahren.

Eigentlich hat die 2007 vor schon 7 Jahren ausgebrochene globale Krise nie aufgehört, Krise zu sein. Sie wurde nur durch einige positive Signale überschattet: China fuhr um den Preis einer stärkeren Verschuldung seine Geldversorgung hoch, ebenso die USA und Großbritannien. Deutschland schien ein stabiler Anker in der Eurozone zu sein. Griechenland und andere Krisenländer der Eurozone schienen von der EZB und den Rettungschirmen der Steuerzahler definitiv gerettet. An den Börsen ging es munter aufwärts. Doch nun entpuppen sich viele dieser Hoffnungen als Strohfeuer und damit als falsche Signale, und das alles auf einmal.

China beginnt zu wackeln. Die Wachstumsrate der Volkswirtschaft hat sich seit ihrem Gipfel in 2007 schon fast halbiert und soll weiter fallen (Abb. 08017). Der Immobilienmarkt schwächt sich deutlich ab. Die Zuwachsrate der Investitionen ging bereits von 23 % auf 15 % zurück (Abb. 08269). Die Zuwachsrate der Industrieproduktion fiel von 9,0 % im Juli auf nur noch 6,9 % im August, der Exportzuwachs im selben Zeitraum von 15,6 % auf 13,3 %. Für China sind das enttäuschende Werte.

In Deutschland fielen die Zuwachsraten von Aufträgen, Industrieproduktion und Industrieumsatz deutlich, dazu fiel der Export zurück (Abb. 17423). Die Arbeitslosigkeit steigt saisonal bereinigt wieder seit Monaten (Abb. 14925). Die Bundesregierung und die Wirtschaftsforschungsinstitute mußten die Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr deutlich senken.

Nun breitet sich auch auf den Finanzmärkten neue Unruhe aus. Der Wert des Euro gegenüber dem Dollar ist gefallen (Abb. 05171). Amerikanische Anleger ziehen Gelder aus der Eurozone ab. Bezeichnend dafür ist beispielsweise der Ablauf am 16. Oktober: Der Dax hatte sich kurz vor Börsenschluß gerade mühsam in den positiven Bereich bewegt, da drückt einer der großen Fonds oder der Banken, wahrscheinlich in USA, auf den Knopf und verkauft mal eben Aktien im Wert von 1 Milliarde Euro, was natürlich den Kurs erheblich drückt (Abb. 18524).

In Griechenland verzeichnete der Aktienmarkt mit minus 11,5 % in zwei Tagen den größten Verlust seit 2008; der Zins für 10-Jahres-Staatsanleihen stieg wieder auf schwer verdaulich 7,9 %. Griechenland verlangt nach einer neuen Kreditlinie als Rettungsleine. In Deutschland befindet sich der Aktienmarkt schon seit Juni dieses Jahres im Abstieg und hat bis jetzt etwa 14 % verloren (Abb. 18518).

Die starken Meinungsverschiedenheiten zwischen den Euroregierungen über den richtigen Kurs und auch die mit und innerhalb der EZB verstärken die neue Unruhe noch. Italien und Frankreich fahren weiter auf hohes Staatsdefizit und damit einen Anstieg der Verschuldung.

Die Krise kehrt auch zurück, weil es nicht gelungen ist, die Entschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten voranzutreiben. Sowohl in USA wie in der Eurozone hatte sich in nur acht Jahren bis zum Scheitelpunkt der Krise das Volumen der Kredite der Banken an private Haushalte verdoppelt (Abb. 18509, 18508). Es ist seitdem kaum zurückgegangen, so daß die Verschuldung bisher nur vor sich her geschoben wird. Ein großer Teil der Schulden der Banken wurde durch die Bankenrettungen auf die Staatsverschuldung übertragen. Die Gesamtverschuldung der Welt ist seit 2007 sogar noch von etwa 175 % der Weltwirtschaftsleistung auf 212 % hochgesprungen, wobei nicht zuletzt der starke Anstieg der Schulden in China eine große Rolle gespielt hat (Abb. 18511).

Der für eine wieder normale Wirtschaftsentwicklung notwendige Abbau der Schulden wird nun in doppelter Hinsicht durch die Krise selbst erheblich erschwert bis unmöglich gemacht. In einer deflationären oder fast-deflationären Situation entwerten sich die Schulden nicht mehr durch Inflation der Preise. Außerdem hat die Krise nach den neuen Untersuchungen der OECD zu einer einseitigen Belastung der schwächeren Einkommensgruppen geführt und bremst damit deren Entschuldung und damit deren Massenkaufkraft und Konsum ganz besonders. Während die Kapitaleinkommen durch die Regierungen mit der Bankenrettung zu Lasten der steuerpflichtigen Normalbürger gerettet wurden, stürzten die Arbeitseinkommen weiter ab, vor allem wo sich Arbeitslosigkeit ausbreitete. Der Anteil der Niedriglöhne liegt in vielen Ländern, darunter auch Deutschland mit fast einem Fünftel, nun relativ hoch (Abb. 18504) und ist seit 2002 weiter gestiegen (Abb. 18507), in Deutschland beispielsweise um fast einen Prozentpunkt. Nur in den Krisenländern Griechenland, Portugal und Spanien kam es zu einer Angleichung, weil hier krisenbedingt auch die Vermögensgewinne und höheren Arbeitseinkommen abstürzten.

Das Verhältnis des obersten Zehntels der Arbeitseinkommen zum untersten Zehntel stieg in den meisten Ländern, in Deutschland beispielsweise um etwas über 6 % (Abb. 18506). Für Deutschland liegt es jetzt beim 3,3-Fachen. Nach dem neuen Reichtumsbericht der Credit Suisse besitzt das oberste 1 % der Weltbevölkerung bereits fast die Hälfte des globalen Vermögens. Dabei hat sich das betreffende Vermögen seit dem Jahr 2000 um zwei Drittel erhöht und ist auch seit der Krise in 2008 noch einmal um ein Viertel gestiegen (Abb. 18526). Unter je 42 Deutschen ist inzwischen einer Millionär (in US$ ausgedrückt, Abb. 18525).

Das leichtsinnig massiv exportabhängige Deutschland wird diese neue Phase der Krise besonders zu spüren bekommen.

* * *

Joachim Jahnke, geboren 1939, promovierte in Rechts- und Staatswissenschaften mit Anschluss-Studium an französischer Verwaltungshochschule (ENA), Mitarbeit im Kabinett Vizepräsident EU-Kommission, Bundeswirtschaftsministerium zuletzt als Ministerialdirigent und Stellvertretender Leiter der Außenwirtschaftsabteilung. Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, zuletzt bis Ende 2002 als Mitglied des Vorstands und Stellvertretender Präsident. Seit 2005 Herausgeber des „Infoportals“ mit kritischen Analysen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung (globalisierungskritisch). Autor von 10 Büchern zu diesem Thema, davon zuletzt „Euro – Die unmöglich Währung“, „Ich sage nur China ..“ und „Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft“. Seine gesellschaftskritischen Analysen beruhen auf fundierter und langjähriger Insider-Erfahrung. Sein Buch über das Ende der sozialen Marktwirtschaft (275 Seiten mit 176 grafischen Darstellungen) kann unter der ISBN 9783735715401 überall im Buch- und Versandhandel für 15,50 Euro bestellt werden,
bei Amazon hier.


Mit freundlicher Genehmigung von
DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

» der Kommentar des Blogschreibers «
Vor lauter Selbstdarstellungssucht auf internationaler Bühne hat sie das eigene Volk total vergessen. Leider kann man auf das deutsche Volk nicht hoffen, dass das nach der nächsten Wahl abgestellt wird. Für mein Verständnis begann 2007 die Finanzkrise ganz gezielt und von US-Milliardären iniziiert, als Krieg Dollar gegen Euro. Merkel hat es die Jahre über verstanden, erst mit Ackermanns Hilfe, dann auf direkte Anweisung der Kanzlerinnenflüsterer aus USA, diesen Krieg bis heute am Köcheln zu halten.
Warum ermittelt keiner, wo die hunderte Milliarden Euro zur Banken-, Staaten- und sonstigen Rettungen geblieben sind.
Bedürftigen Menschen sind sie bestimmt nicht zugute gekommen, in Luft aufgelöst haben sie sich wohl auch nicht.
Sollten sie am Ende bei US-Grossbanken und damit bei den Milliardären gelandet sein, die damit auf weltweite Einkaufs- und Privatisierungstour gehen?


Kommentare

Dagmar sagt:
“Doch nun entpuppen sich viele dieser Hoffnungen als Strohfeuer und damit als falsche Signale, und das alles auf einmal.”
Welche Hoffnungen? Diese Hoffnungen hatten nur Merkel und Co, aber niemals der normale Bürger. Der als Stammtisch verschriehene Bürger hatte deutlich mehr Durchblick als die Elite.
Merkel, ich könnte dir stundenlang die Fr… polieren, denn ich arbeite im Gegensatz zu dir hart für meine 800 Euronen netto, die du und deine Kumpels dir mal eben als Diätenerhöhung monatlich genehmigt haben.
Und dank Energiewende und unbezahlbaren Mieten samt Nebenkosten, bleibt mir kaum noch etwas für Konsum. Wobei ich mich dem Konsum leider nicht entziehen kann, denn Lebensmittel brauche ich. Alles andere kaufe ich gebraucht, nicht mehr Märchensteuer als nötig!

Maus sagt:
Das haben Sie sehr gut beschrieben ! Das ist bei uns die Realität,genau so !

Boris sagt:
Machen Sie sich keine Sorgen. Es gibt auch gute Nachrichten.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/einwanderung-und-integration-fuer-wirtschaft-nutzen-a-997901.html
Das scheint wirklich eine gute Chence für Deutschland zu sein!

forelli sagt:
und dann sind da noch die europ. Target2-Salden.
Nur 3 Laender haben noch substantielle Forderungen an die EZB
D = 443 Mrd
Lux = 103 Mrd
Fin = 15 Mrd
Nl, Sl, Est = 3,5Mrd
Der Rest sind alles Schuldenkuenstler. Zusammen = 567 Mrd. mit Spanien an der Spitze
So kann eben eine gesunde Gemeinschaft und eine funktionierende Waehrungsunion nicht aussehen. An solchen Ungleichgewichten muss jede Gemeinschaft zerbrechen, insbesondere wenn sie keine Loesungen entwickelt.
Und die europ. Finanzpolitiker schauen einfach weg und schicken einen vom FED-Ansatz gepraegten und aus seinem Vorleben vorbelasteten Zentralbanker vor, der sich in seiner Politik autonom ueber die Grundsaetze und Rregeln der EZB-Gesetgebung hinwegsetzt.
Die rechtbrechende Schuldengemeinschaft aus europ. Finanz- und Geldpolitikern

Ekkehardt Fritz Beyer sagt:
Sind es wirklich nur Dr. Merkels „Illusionen“, oder treibt sie uns bewusst in die Krise?
Denn: Eigentlich hat die 2007 – vor schon 7 Jahren – ausgebrochene globale Krise nie aufgehört.
Warum?
Sicherlich liegt es nicht nur an Entscheidungen, die in Wirtschaftskreisen getroffen wurden! Sollte man nicht darüber nachdenken, ob der Westen etwa von Politikern regiert wird, die durch manipulierte Wahlergebnisse an die Macht kamen und deshalb nicht zum Wohl ihrer Völker regieren, sondern nur die eigenen Interessen und die ihrer besten Klienten durchsetzen?
Aus meiner Sicht liegt die anhaltende Krise allein an den führenden westl. Politikern, was ausmacht, dass selbst die BRICS die Welt nicht retten „können“ – noch nicht einmal Deutschland – geschweige denn die USA!

wasgehtsiedasan sagt:
Wer Deutschland in die Kriese treib, ist einzig und allein die eigene Regierung,die im Hintergrund von den USA diktiert wird,so einfach ist da zu erklären.

hayabusa sagt:
Der Kommunismus ist formal gescheitert und es ist eigentlich kein Geheimnis, dass der Kapitallismus in dieser Form faktisch auch gescheitert ist. Die o. g. Statistiken zeigen ein klares Bild.
Wir brauchen ein neues wirtschaftliches und finanzpolitisches Wertesystem, welches mehr auf die breite Schicht der Befölkerung zugeschnitten ist, als jetzt nur für rund 1%. Verstanden wird dies von den Verantwortlichen aber erst, wenn das Ganze in Tumulten und Aufständen eskaliert. Leider.

Leser sagt:
Ursächlich für die Probleme, auch wenn immer wieder vom Finanzkapital geleugnet, ist der Zinseszins. Das monetäre Boot treibt seit längerem zwischen Skylla und Carybdis und wird nun entgültig vom Mahlstrom verschlungen werden. Seit die USA Anfang der siebziger Jahre die, zumindest partielle, Golddeckung aufgehoben haben, war der Weg für eine ungehemmte Kreditexpansion frei. Ab diesem Zeitpunkt war der aktuelle Zyklus des monetären Systems in der Sterbephase. Alles was dann geschah, ist als Verängerung der Agonie anzusehen, in der sich der Patient seit 2008 ein allerletztes Mal aufgebäumt hat, um nun entgültig den Geist aufzugebe, Das Deutschland in der Eurofrage, als auch wirtschaftspolitisch einen völlig falschen Kurs eingeschlagen hat, kommt auf nationaler Ebene verschärfend hinzu.

Cleopatra sagt:
jetzt rächt sich das blinde hinter der Merkel hertrampeln, kommt von Trampel, ganz fürchterlich. Keiner hat gemeckert, alle lieben Mutti, egal was sie auch macht, selbst die Zerstörung der CDU fanden alle toll.
Man hat ja gesehen wie der Merz kaltgestellt wurde, also?


Montag, 7. Oktober 2013

Politik kapituliert vor Finanz-Eliten: Steuerzahler müssen Banken retten

Thema: Banken-Krise
 
Die Euro-Retter fürchten die Wut der Bürger bei Banken-Rettungen. Daher sollen nun still und leise, doch wieder die Steuerzahler für die Rettung von Pleite-Banken in Europa aufkommen. Das System hat Methode: Der deutsche Steuerzahler kann sich nicht wehren, wenn er enteignet wird. Die Schulden-Politiker versuchen so, ihr Scheitern zu vertuschen. Bis zum bitteren Ende.


Wolfgang Schäuble im Kreise der Experten beim Treffen der Euro-Finanzminister: Die neueste Vorlage der Banken-Rettung in Europa enthält Kleingedrucktes, das den Banken, nicht jedoch dem deutschen Steuerzahler gefallen dürfte. (Foto: dpa)

Die Blaupause von Zypern galt den Euro-Rettern als die beste Möglichkeit, die Verantwortung für Banken-Rettungen an die Bank-Kunden abzuwälzen.

Nach dem Zugriff in Zypern hatten die EU-Finanzminister Schritt für Schritt einen Plan entwickelt, im Rahmen der Banken-Union in Europa in einer „Haftungs-Kaskade“ zuerst die Inhaber von Bankaktien, Bankanleihen und Bankkunden ab einer Einlagen-Höhe von 100.000 Euro zur Sanierung oder Abwicklung einer Geschäftsbank zur Kasse zu bitten.

Doch offenbar fürchten die Politiker nach näherer Betrachtung der Materie, dass in diesem Fall ein öffentlicher Protest ausbrechen könnte, der von der Politik nur schwer zu kontrollieren ist. Denn wenn Sparer und Anleger konkret merken, wie viel Geld sie als Gläubiger bei einer Pleite ihrer Bank verlieren, sind Bank-Runs und andere Unannehmlichkeiten kaum zu verhindern.

Damit haben sie der Öffentlichkeit jedoch Sand in die Augen gestreut. Offenbar sollen die Staaten und damit die Steuerzahler auch in Zukunft für Bankenrettungen herangezogen werden.

Dazu soll Artikel 27, Absatz 2dIII eines Richtlinienentwurfs dienen. Laut dieses Richtlinienentwurfs soll es künftig Ausnahmen von den bisherigen Überlegungen geben.

Demnach soll auf „staatliche Hilfen“ so lange zugegriffen werden, bis die künftige Finanzaufsicht eine Bank als endgültig als nicht überlebensfähig einstuft, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Dies bedeutet, dass während einer Bankprüfung unbegrenzt Gelder der Steuerpflichtigen in eine Geschäftsbank fließen können.

Erst dann, wenn die Finanzaufsicht zu der einer endgültigen – womöglich in ferner Zukunft – Einschätzung kommt, dass eine Bank keine Überlebenschance besitzt, wird der Steuerzahler aus der Bankenhaftung wieder entlassen.

„Der Staat muss also nur ein bisschen früher mit der Finanzspritze kommen“, wird der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold dazu zitiert.

Laut dem Handelsblatt wurde der Richtlinien-Entwurf der europäischen Finanzminister vom deutschen Finanzministerium als zutreffend bezeichnet. Jedoch schränkt das Bundesfinanzministerium ein, Staatsbeihilfen seien nur für „gesunde Banken“ möglich.

Allerdings steht diese Aussage im krassen Widerspruch zur Feststellung in der Richtlinie, dass Banken so lange Steuergelder erhalten werden, bis die Finanzaufsicht eine „Überlebensfähigkeit“ bestätigt.

Das heißt: Die Banken müssen zunächst krank sein, damit sie der Steuerzahler retten darf.

Danach sind sie, eigentlich logisch, gesund.

Die EU-Richtlinie soll alsbald im Europaparlament verabschiedet werden.

Indessen werden der geplanten Banken-Union schwere Mängel bescheinigt. Denn noch immer ist unklar, unter welchen Voraussetzungen Bank-Gläubiger bei einer Sanierung zur Verfügung stehen müssen.

Der Präsident der European School of Management und Technology, Jörg Rocholl, wies am Mittwoch auf die verhängnisvolle Vernetzung hin: Die europäischen Banken sind zu etwa 80 Prozent in Wertpapiere investiert, die andere Banken herausgegeben hätten, wie das österreichische Portal für Wirtschaft, Geld und Politik berichtet.

Demnach sind die europäischen Banken untereinander eng verflochten. Werden bei der Sanierung einer Bank zuerst die Gläubiger herangezogen, so betrifft dies in der Folge entsprechend auch andere Banken. Dadurch würde sich die Krise noch verschärfen, sagt Rocholl.

Das von der Finanz-Industrie gesponnene Netz der Unübersichtlichkeit hält also.

Zumindest die Banken.

Die Kehrtwende der Rettungs-Politik dürfte auch damit zusammenhängen, dass die geplante Banken-Union noch schwere systemische Mängel aufweist. Denn der wichtigste Punkt, die vom IWF geforderte gemeinsame Schulden-Haftung mit angeschlossener gemeinsamer Einlagen-Sicherung, ist noch nicht beschlossen.

Für die europäischen Schulden-Politiker bietet die fortgesetzte Rettung von Banken aus Steuermitteln einen weiteren Vorteil: Der Schaden für den einzelnen Bürger ist nicht so evident wie bei einer Zwangsabgabe im Pleite-Fall. Über die Steuergelder ist eine dezente Umverteilung möglich, gegen die sich die Bürger auch mit rechtlichen Mitteln nicht wehren können. Die Folgen spüren die einzelnen Bank-Kunden nicht in konkreten Summen, sondern nur im weiteren Abwirtschaften von staatlichen Einrichtungen.

Die Banken-Rettung scheint besonders dringlich zu sein: Denn offenbar reicht die Zeit nicht, um die Zypern-Blaupause rechtzeitig umzusetzen.

Daher müssen sich die europäischen Steuerzahler darauf einstellen, dass sie über den Umweg von Steuererhöhungen und Sozial-Abbau zur Rettung des Finanzsektors geradestehen müssen.
Für die Banken, deren größte Schuldner mithin die Staaten sind, bietet die Regelung den Vorteil, dass sie den Schwarzen Peter den Regierungen zuschieben können.

Offenbar hat die Banken-Lobby in Brüssel ganze Arbeit geleistet.

Die Schulden-Politiker erweisen sich mit der neuen Finte als Sklaven ihrer eigenen schlechten Politik: Sie haben den Bürgern immer neue Geschenke gemacht, in der Hoffnung, dass sich die Probleme irgendwann von selbst lösen werden.

Nun stehen bei ihnen, wie bei US-Präsident Barack Obama, die Men in Black vor der Tür und fordert ihren Tribut (mehr hier).

Die Finanzminister reagieren, wie sie immer reagieren: Sie lassen zahlen.

Dieses System, das keine Verantwortung und keine Transparenz kennt, hat Methode.

Und es funktioniert.

In Deutschland hat dieses System bei der Bundestags-Wahl nur knapp die absolute Mehrheit verfehlt.

bis hierher mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN



Goldman Sachs - Europa - Inkasso / Vollstreckung


der Europa-Adler...
...und sein Falkner

Kommentare

mein Kommentar, siehe oben!

vigilencia sagt:
Deutschland ist verpflichtet zu retten:
John Maynard Keynes, einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jhrdts., schrieb ein Buch zu dieser Thematik.
s. wikipedia:
“Keynes war nach dem Ersten Weltkrieg als Vertreter des britischen Schatzamts Mitglied der britischen Delegation bei den Versailler Vertragsverhandlungen. Er trat kurz vor Abschluss der Verhandlungen unter Protest gegen die Vertragsbedingungen, die Deutschland auferlegt werden sollten, von seinem Posten in der Delegation zurück und schrieb 1919 das Aufsehen erregende Buch “Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages” (The Economic Consequences of the Peace), mit dem er die Deutschland auferlegten Reparationszahlungen als ökonomisch widersinnig kritisierte. Sie würden sowohl die internationalen Wirtschaftsbeziehungen destabilisieren als auch größeren sozialen Sprengstoff für Deutschland mit sich führen.”


Franz Witsch sagt:
Liebe DWN,
zunächst möchte ich sagen, dass es zur Zeit kein besseres Wirtschaftsforum als das Ihre gibt.
Dennoch habe ich beim Lesen Ihrer Texte den Eindruck, als gebe es zur Belastung des Steuerzahlers eine Alternative. Es gibt sie nicht. Denn wenn die Gläubiger ohne Wenn und Aber zur Kasse gebeten würden, würden die Zinsen in die Höhe gehen mit der Folge, so dass enorme zusätzliche Belastungen auf den Staat zu kämen, die wiederum nur durch Sozialabbau und höhere Steuern aufgefangen werden könnten. Von den Kosten eines auseinander fallenden Europas (Euros) gar nicht zu reden.
Fazit: wir stehen im Rahmen des herrschenden Wirtschaftssystems vor einer aporischen Situation, die es erfordert, endlich die Systemfrage zu stellen.


Donner und Blitz sagt:
Wir retten kein Kapital,das wird doch mit der sogenannten Rettung verramscht.
Wir retten leider gar nichts,der Fiatmoney zerstört alles!!Wir finanzieren mit unserer sogenannten Rettung ausschließlich den aufgeblähten Verwaltungs- und Beamtenstaat,dem Kapital am A….vorbeigeht.Dieses Kapital sollte ja logischerweise investiert werden,zum Nutzen aller.Unser Unternehmerjoch wird doch durch Enteignung unterhöhlt,damit Nichtsnutze ihr Ärschlein wackeln können.Das Ärschlein bewegen und die Birne anschalten ist doch für die gar nicht notwendig.Achten sie mal darauf,was so an fragwürdigen Individien mitten am Tag in der Gegend rumläuft!!!Die braucht kein Mensch,sie sind überflüssig,sonst wäeren sie ja am Arbeitsplatz.Denen müssen wir die Grundlage entziehen!!!


Hugo Rey sagt:
Wie lange geht es noch, bis der Hinterste und Letzte merkt, dass wir es hier mit den gefährlichsten Kriminellen zu tun haben, die alle sofort hinter Gitter gehören. Diese Bankster haben unsere Rechtsstaaten untergraben und manipulieren Justiz und Politik, siehe http://www.banken-arroganz.ch oder http://www.too-criminal-to-fail.ch


Danke Klaus für die zwei tollen Bilder


Dienstag, 24. September 2013

Banken-Rettung: EZB fordert Not-Kredite vom deutschen Steuerzahler

Es ist noch keine 24 Stunden her,
eine neue Regierung gibt es noch nicht, aber es geht schon wieder los:


Thema: Banken-Rettung
Aufsicht nur mit Sicherheiten 

Die Europäische Zentralbank setzt der neuen Bundesregierung ein Ultimatum: Sie werde die Banken-Aufsicht für die europäischen Banken erst beginnen, wenn die Steuerzahler Not-Kredite für Pleite-Kandidaten garantieren. Offenbar gibt es unerfreuliche Erkenntnisse aus dem neuen Stress-Test. 


Der Glanz des Wahl-Siegs ist verblasst, bald ist es wieder so weit: EZB-Chef Mario Draghi muss Angela Merkel vorrechnen, wie viel Geld die maroden europäischen Banken brauchen. (Foto: dpa)
Einen Tag nach der Bundestagswahl meldet sich die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer neuen Hiobsbotschaft – und stellt die noch nicht einmal gebildete Bundesregierung vor die Wahl: Entweder garantieren die europäischen Regierungen Not-Kredite für marode europäische Banken – oder die Heerscharen von neuen Mitarbeitern, die die EZB gerade unter Vertrag nimmt, legen die Hände in den Schoss und verweigern die Kontrolle des europäischen Banken-Systems.

Die EZB sucht für die Kontrolle der über 130 Großbanken in Europa rund tausend neue Mitarbeiter – möglicher Weise werden es sogar 2.000 Leute (hier). Spätestens im Oktober 2014 soll die neue

Banken-Aufsichtsbehörde der EZB voll funktionsfähig sein.

Doch nun gibt es – unerwartet – Schwierigekeiten.

Und neue Forderungen, die den deutschen Steuerzahler interessieren dürften.

Denn bereits jetzt sich scheint die EZB darüber im Klaren zu sein, dass die bevorstehende Bilanzprüfung, also der neue Bankenstresstest für die Großbanken in Europa, ohne vorherige finanzielle Absicherung von maroden Banken nicht gewährleistet ist.

Daher macht der Luxemburger Yves Mersch, Mitglied im Direktorium der EZB, im Hinblick auf den neuen Bankenstresstest gewaltigen Druck. „Ohne die Finanzierung vorab geklärt zu haben, könnte uns die Prüfung zurück in eine Krise stürzen. Das können wir nicht verantworten“, betonte Mersch. „Wir werden nicht anfangen, bevor die Regierungen sich nicht über Backstopps, also die Notfallfinanzierung von Kapital-Lücken geeinigt haben, die wir möglicherweise in den Bankbilanzen entdecken“, sagte er dem Handelsblatt.

Eine Notfallfinanzierung von Kapitallücken für Banken kann nichts anderes bedeuten, als die Regierungen in der Eurozone, allen voran Deutschland, bereits vor Beginn des Banken-Stresstests darauf zu verpflichten, im Vorfeld etwaige Rekapitalisierungen für marode Banken über den ESM freizugeben. Ohne Transparenz und ohne Bekanntgabe der Höhe der Bankenfinanzierungen – sozusagen als Blankoscheck.

Damit setzt die EZB auch eine noch nicht funktionsfähige neue Koalition in Deutschland unter Zugzwang.

Das lässt vermuten, dass sich bei den Stresstests, die von der EBA (European Banking Authority) in London durchgeführt wird, erhebliche Finanzierungslücken ergeben, die die EZB offenbar mit einer Freigabe von ESM-Mitteln abfedern möchte.

Der neue Bankenstresstest wurde im Mai dieses Jahres auf den September verschoben – wohlweislich, um die Bundestagswahl abzuwarten.

Bei den bereits stattgefundenen Stresstests für die Banken in den Jahren 2010 und 2011 war enorme Kritik entstanden, da das Ziel, die Märkte über die Situation der europäischen Banken zu beruhigen, nicht erreicht wurde.

Was auch nicht weiter verwunderlich ist. In den Krisenländern der Eurozone sind Banken mit faulen Krediten in Milliardenhöhe belastet. Selbst wenn Teile dieser ausstehenden Kredite in Bad-Banks bilanziert sind. Eine zuverlässige Größe, wie hoch das tatsächliche Volumen der faulen Kredite der Euro-Banken ist, gibt es aus diesem Grund nicht. Mindestens sollen es aber 720 Milliarden Euro sein.

Auch bei deutschen Banken sieht die Lage nicht unbedingt rosiger aus. Der Blick in die Bücher der Commerzbank, der Portigon und auch der NordLB bestätigen dies. Und die Deutsche Bank hat enorme Anteile risikoreicher Derivate in ihren Bilanzen (mehr hier.)

Deshalb braucht es nach Ansicht der EZB nun die „Notfallfinanzierung von Kapitallücken“ und die Zusicherung der Regierungen, dass entsprechende Finanzmittel für marode Banken zur Verfügung gestellt werden.

Schnell, unbürokratisch – und intransparent.

Die neue Schulden-Union ist nun, nachdem die Bundestagswahl gelaufen ist, auf einem „guten Weg“.

Das bedeutet: Die deutschen Steuerzahler müssen für die Leichen im Keller Sicherheiten hinterlegen – und zwar vorher, bevor die Leichen gefunden wurden.

Aus Sicht der EZB ist das absolut verständlich.

Schließlich ist sich jeder in diesem Spiel der nächste.

Wenn man mal vom deutschen Steuerzahler absieht.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare


Wo war Herr Draghi früher? Goldman-Sachs?
Na bitte, ohne den dazwischen geschalteten Ackermann
Ihre Befehle kommen jetzt direkt aus der Kommandozentrale!
Die Realität ist manchmal spannender als jede Verschwörungstheorie. LINK


Empörter sagt:
Ich habe gestern mit Erst- und Zweitstimme die AfD gewählt, damit ich meinen Kindern später nicht erklären muss, warum wir diesen Euroirrsinn nicht gestoppt haben, der unser Land in die Pleite treiben wird und dass nur, weil man uns eine Gemeinschaftswährung aufgedrückt hat, die keiner haben wollte. Über 2 Mio Bürger haben sich mir angeschlossen, wir haben uns nichts vorzuwerfen. Für alle anderen Wähler habe ich kein Verständnis und sagen Ihnen: Tragt die Konsequenzen und zahlt!


Boxer sagt:
Das ging aber Ruck-zuck-zack-zack….
Noch keine 24 Stunden seit der Wahl und schon kommen die Forderungen :mrgreen:
Da werden die Merkel Anhänger noch auf die Welt kommen…. wenn massiv Steuererhöhungen kommen und die Sparkonten leergeräumt werden.
Nun ja, selber schuld. Es gab eine Alternative….


HeSchi sagt:
“Der Glanz des Wahl-Siegs ist verblasst, bald ist es wieder so weit: EZB-Chef Mario Draghi muss Angela Merkel vorrechnen, wie viel Geld die maroden europäischen Banken brauchen.”
Man muß sich das mal langsam auf der Zunge zergehen lassen “wie viel Geld die maroden europäischen Banken brauchen”. Fr. Merkel muss sich vorrechnen lassen! Wer ist dieser Draghi eigentlich? Als wäre das Geld ganz einfach aus der privaten Schatulle von Frau Merkel. Dieser Mensch macht sich keine Gedanken darüber, dass eine Nation dieses Geld erwirtschaftet, aber nicht, um es anderen in den Rachen zu werfen, die nicht wirtschaften können.
Leider hat Deutschland bei der Wahl seine Chance vertan, das Ruder noch irgendwie herumreißen zu können. Bleibt nur: Armes Deutschland!


Peter G. sagt:
Mit stillschweigendem Einverständnis gerade der deutschen Regierung wurde der GS-geführten EZB die vornehmlich gegen das “reiche Deutschland” gerichtete Geldpolitik der EU übertragen. Jetzt werden die Folgen, in Form weiterer finanzieller Belastungen, aber auch massiven Demokratieverlustes sichtbar. Das kommt davon, wenn politische Opposition, Medien, Schulen ihrem Auftrag zur Information und staatsbürgerlichen Bildung nicht nachkommen, sondern sich als Erfüllungsgehilfen der “Rettungspolitik” der Regierung sehen. Wir dürfen gespannt sein, wie dies alles dem Bürger verkauft werden soll.


HeSchi sagt:
Das Wahlvolk hat gewählt! Das Stimmvieh will es nicht anders!
Also: Mutti Angie wird das erarbeitete Volksvermögen schon sicher nach Brüssel schaukeln mit allen deutschen Vollmachten, denn ein vergemeinschaftetes Europa ist ihre Vision.

Deutschland Ade, auch der Letzte in diesem Land wird es irgendwann kapieren, dass Europa Vorrang hat, dass es dann kein Deutschland mehr geben wird. Das heißt, dass das was in diesem unserem Land erarbeitet wird, andere davon die Nutznießer sind: Überhöhte Gehälter der Bankster, wahnsinnige hohe Boni, Dividenden usw. usw. Warum geht denn die Schere Arm vs. Reich immer weiter auseinander? Weil von unten nach oben geschaufelt wird.
Hinzu kommt noch der enorm sich vergrößernde Politik-Wasserkopf. Ständig kommen neue Ämter hinzu mit Diäten, die kaum in der Wirtschaft heute mehr zu erzielen sind. Nicht nur das, sondern auch die Pensionen, die festgeschrieben sind und irgendwann bezahlt werden müssen.

Der Zahltag wird kommen! Dann werden die Schuppen von den Augen derer fallen, die heute noch an das vereinigte Europa glauben. Kein europäischer Staat will seine Souveränität aufgeben. Alle schauen sie nach Deutschland, auf das Geld der Deutschen, DAS wird Europa genannt. Wacht auf!

Ist es nicht verrückt, wir erarbeiten das deutsche Volksvermögen und dann wird es uns abgenommen und an andere gegeben. Nicht an die Staaten, sondern den Banken dieser Staaten. Denn es müssen dort die Verträge mit den Vorständen und Managern eingehalten werden, auch wenn sie auf Millionenbeträge festgeschrieben sind, benso die Dividenden und Zinsen. Bei uns zerfallen Schulen, Straßen, Renten werden gekürzt, Rentenalter hochgesetzt, Lohndumping und vieles mehr, damit es den anderen Staaten besser geht als uns. Im Bild ausgedrückt so: Ich gehe arbeiten und fahre einen maroden Kleinwagen, damit mein Nachbar von meinem Geld eine goldene Luxuskarosse fahren kann.

Jedes Gerede von „Staaten“ retten ist eine Farce. Die Banken werden gerettet, damit die Reichen noch reicher werden vom Geld der einfältigen Steuerzahler.
“Meine Damen und Herren, nach der vertraglichen Regelung gibt es keine Haftung der Gemeinschaft für Verbindlichkeiten der Mitgliedsstaaten und keine zusätzlichen Finanztransfers.”
Zitat Bundeskanzler Helmut Kohl am 23. April 1998 in der Debatte des Deutschen Bundestages über die Einführung des Euro

VERRATEN UND VERKAUFT VON UNSEREN POLITIKERN!

Nachfolgend nett geschriebener Artikel
http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-deutsche-biedermeierstube-1.18153768



Mittwoch, 21. August 2013

Deutsche Industrie fordert Zwangsvollstreckung für Schulden-Staaten

Thema: Eurovisionen

Der Bundesverband der Deutschen Industrie will eine Lösung der Euro-Krise durch den Zugriff auf die nationalen Vermögen erreichen. Die Vermögen sollen gegen einen Erlass der Schulden in einen Super-ESM eingebracht werden. Dieses „Euro-Schatzamt“ soll dann die Staatsvermögen unabhängig von der Politik privatisieren. Der Vorschlag zeigt: Die Politik in Europa steht kurz davor, von der Finanz-Industrie entmündigt zu werden.


BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber will, dass in der Euro-Zone Schulden gegen Volksvermögen eingetauscht werden: „Staatsvermögen gibt es in allen Not leidenden Staaten im dreistelligen Milliardenbereich.“ (Foto: DWN/Jakob Reinhardt)
Nach der Bundestagswahl wird es vermutlich zu weitreichenden Maßnahmen kommen, um die Schulden-Krise in Europa zu beenden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat mit seinem Haushalt zunächst die Weichen gestellt, um über Steuererhöhungen etwas Zeit zu gewinnen (hier).

Offenbar gibt es jedoch Überlegungen, die Schuldenmacherei der Staaten noch viel grundsätzlicher zu beenden.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, hat, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der die Finanz-Architektur in Europa vollständig verändern würde.

Kerber präzisiert in einer Email an die Deutschen Wirtschafts Nachrichten seine Idee, die er am Mittwoch in Berlin erstmals vorgetragen hat. Kerber:
 „Meine Idee wäre: Wenn Privatisierungen auf nationaler Ebene so langsam vorangehen wegen der politischen Ökonomie in Nationalstaaten: Warum übertragen wir nicht nationales Staatsvermögen auf den ESM und machen den ESM dann zu einem Euro-Schatzamt? Und dann kann man schuldrechtliche Ansprüche dagegen verrechnen. Staatsvermögen gibt es in allen Not leidenden Staaten im dreistelligen Milliardenbereich. Das ist für die nationalen Regierungen nicht so einfach, aber das ist ein Ausweg für die Länder, die vielleicht geben wollen oder geben müssen.“ 

Kerber greift damit ein Konzept des BDI aus dem September 2011 auf, mit welchem die Deutsche Industrie ihre Frustration über die aktionistischen Maßnahmen zum Ausdruck brachte. Der BDI sieht die wirkungsvollste Lösung der Schuldenkrise in Europa in der Ausgliederung der Fiskalpolitik aus der nationalen Kompetenz, wenn der Haushalt in einem Land aus dem Ruder läuft.
Damals war das Konzept noch in die Zukunft gerichtet.

In dem Konzept des BDI heißt es:
„Die institutionelle Architektur der Eurozone muss … substanziell weiterentwickelt werden. Aus Sicht der deutschen Industrie ist es unverzichtbar, die Instrumente des EFSF bzw. ESM zu einem politisch unabhängigen Europäischen Fiskalfonds (EFF) weiterzuentwickeln, um die gegenwärtigen Ad-hoc Rettungsmaßnahmen durch ein langfristig tragfähiges Konzept abzulösen. Der EFF bietet in Bedrängnis geratenden Mitgliedstaaten und Banken der Eurozone „Hilfe in der Not“ und stellt darüber hinaus eine letzte Instanz dar bei der Durchsetzung fiskalischer Disziplin. Der EFF gewährt dem hilfesuchenden Land auf Antrag Kredite gegen Sicherheiten und strikte wirtschaftspolitische Auflagen. Die Sicherheiten dienen nicht nur als Pfand für den EFF und dessen Sicherungsgeber im Falle der Zahlungsunfähigkeit eines Empfängerlandes. Das Erfordernis der Sicherheitsleistung stellt außerdem einen Anreiz für Empfängerländer dar, finanzielle Hilfen nur in Anspruch zu nehmen, wenn sie davon ausgehen, dass sie die Kredite vollständig zurückzahlen können.“ 

Der damalige BDI-Präsident Hans-Peter Keitel sagte damals dem DLF:
„Wir können nicht jeden Tag über neue Notmaßnahmen diskutieren, sondern wir müssen einmal in aller Klarheit sagen, wohin uns Europa führen soll, wie weit es in Europa mit einer Gemeinsamkeit gehen soll, und dafür müssen wir dann schleunigst aber wirklich die Strukturen schaffen, die dann auch unabhängig von der Politik dafür garantieren können, dass bei uns die Währung stabil bleibt, dass die Wirtschaften, dass die öffentlichen Haushalte sich an die Regeln halten.“

Konkret bedeute dies:
„Wir brauchen eine Weiterführung der Stabilitätsfonds in Richtung eines europäischen Fiskalfonds, der unabhängig von der Politik, ähnlich wie der Internationale Währungsfonds, die Sicherheit der Haushalte, die Disziplin in den Haushalten garantiert und im Notfall Hilfen gegen Gegenleistung anbietet. Wir müssen wegkommen von den politischen Notmaßnahmen, hin zu langfristigen stabilen Maßnahmen, die unabhängig sind von Wahlterminen und politischen Farben.
Dazu müssten nicht die traditionellen EU-Institutionen wie die Kommission oder das EU-Parlament gestärkt werden. Die EU-Verträge müssten geändert werden. 

Als Problemlöser sah Keitel damals nämlich nicht die Politik:
„Und wenn wir dann mit Bedacht die Möglichkeit nutzen, eben auch unabhängig von der Politik Stabilität einzuführen, wenn das dann eine Ergänzung von Verträgen bedarf, was ich heute nicht übersehen kann im einzelnen, dann müssen wir den Weg gehen, in der Bevölkerung dafür zu werben, diesen Weg auch zu gehen. Das wird kurzfristig nicht möglich sein, aber wir müssen Schritt für Schritt nach vorne gehen und der Bevölkerung und uns allen sagen, wo das wirklich hinführen soll. Wir müssen das Ziel erkennbar machen.“ 

Es ist bemerkenswert, dass Kerber nun diesen Vorschlag aufgreift und ihn nicht mehr nur als Lösung für eine ferne Zukunft präsentiert, sondern als Ausweg aus dem unweigerlichen Schuldenschnitt für die Krisenländer Griechenland, Portugal, Zypern und Irland.

Kerber ist als Lobbyist der Industrie nicht bloß ein Vordenker für Lösungen in der Euro-Krise (wie er sie schon vor einiger Zeit hier dargelegt hatte). Kerber ist politisch eng vernetzt. Er ist ein Berater von Angela Merkel, mit der er auch privat gute Kontakte unterhält. Er war Abteilungsleiter für finanzpolitische und volkswirtschaftliche Grundsatzfragen unter Wolfgang Schäuble. Zuvor hatte er unter anderem für die S. G. Warburg und die Deutsche Bank in London gearbeitet. Für beide Banken kümmerte er sich um den Bereich der Private Equity Markets, also jener Branche, deren Kerngeschäft die Privatisierung sowie der Kauf und Verkauf von Unternehmen ist.

Die Idee hinter dem europäischen Schatzamt ist, dass Privatisierungen in den Schuldenstaaten erzwungen werden sollten. Griechenland hat beispielsweise keinerlei Anstalten gemacht, größere Staatsunternehmen zu privatisieren – obwohl dies Teil der Vereinbarungen mit der Troika war und von der Troika auch immer wieder vergeblich gefordert wurde.

Für die Politik käme eine solche neue Struktur der Entmündigung gleich, wenn sie mehr Schulden macht, als sie wirklich bedienen kann.

Die Zuweisung des Staatsvermögens an eine von „der Politik unabhängige“ Finanzinstitution – wie es der EFF wäre – entspricht dem Konzept des Europäischen Stabilitäts Mechanismus ESM: Auch der ESM agiert vollständig unabhängig von der Politik. Seine Gremien sind niemandem verantwortlich, unterliegen keiner demokratischen Kontrolle und sind zu keinerlei Transparenz verpflichtet.

Die Idee einer Art Euro-Zwangsvollstreckung zeigt, welch fatale Folgen die hemmungslose Schuldenpolitik hat. Die Nationen werden über kurz oder lang von ihren Gläubigern – den Banken – zur Rückzahlung ihrer Schulden gezwungen werden. Die Banken mussten in den vergangenen Jahren auf Geheiß der Politik massiv Staatsanleihen kaufen – und haben im Gegengeschäft erreicht, dass es zu keinen wesentlichen Regulierungen des Bankensektors gekommen ist.

Benoît Lallemand von Finance-Watch sagte kürzlich in einem Interview, dass die globale Finanzkrise vor allem deshalb so gefährlich sei, weil „von der fundamentalen Reform, die uns versprochen wurde, nichts zu sehen ist“:

„Die Finanzinstitute sind enorm gewachsen in Größe und in Bedeutung. Sie kontrollieren den Regulierungsprozess auf allen Ebenen. Von den G20 bis zu den nationalen Regulatoren hängen alle Politiker von der Expertise der Banken ab, weil zu wenig Geld in den Aufbau einer starken Regulierung gesteckt wurde. Der Reformprozess muss sich kaum demokratisch rechtfertigen.“
In den vergangenen Monaten hat jedoch ein Umdenken eingesetzt. Man könnte das auch einen brutalen Verteilungskampf nennen, der zwischen den Banken und der Politik entbrannt ist. Den Banken fehlen neue Geschäftsmodelle, weil sie selbst die Risiken kaum noch übersehen können, die in ihren Bilanzen lauern.

Da käme ein solcher Vorschlag einer europäischen Variante des IWF gerade recht. Der IWF verfolgt seit vielen Jahren auf globaler Ebene die Strategie der umfassenden Privatisierung von Staatsvermögen. Joseph Stiglitz, der als Chefökonom im IWF gedient hat, hat in einem bemerkenswerten Interview die Strategie des IWF offengelegt (mehr dazu hier).

Mit dem ESM gibt es in Europa schon einen Vorboten einer von der Politik abgekoppelten Finanz-Institution.

Das nun von Kerber vorgeschlagene „Schatzamt“ ist die logische Folge der außer Kontrolle geratenen Staatsschulden.

Die Politiker in der Euro-Zone werden bald merken, dass es nicht an ihnen liegt, was mit ihren gigantischen Schulden geschieht.

Es ist kein Raum mehr in Europa für die gescheiterte „politische Ökonomie“, wie BDI-Mann Kerber das politische Versagen nennt.

Sehr bald werden nur noch die Zahlen sprechen.

In seinem Konzept lässt der BDI keinen Zweifel daran, worum es geht:
„Sobald die vereinbarten Bedingungen nicht mehr eingehalten werden oder die Schuldentragfähigkeit nicht mehr gegeben ist, müssen die Zahlungen eingestellt werden. Einen Haftungsverband ohne Gegenleistung darf es nicht geben. Eine Insolvenzordnung muss unabdingbarer Bestandteil des EFF sein.“
Zwangsvollstreckung, Einstellung der Zahlungen, Insolvenz.
 
Das sind die Worte, die die Politiker im Endstadium der Schulden-Krise zu hören bekommen werden. Aus der schönen Idee eines vereinten Europa ist ein nüchterner Haftungsverband geworden.

Das Geben und Nehmen soll in Europa neu definiert werden.

Die Alternative hat ein anderer Schäuble-Berater ebenfalls dieser Tage aufgezeigt: Austritt Deutschlands aus dem Euro (hier).

Hinter den Kulissen ist viel Bewegung.

Nach der Wahl werden Entscheidungen fallen.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare


Ja klar werter Herr Kerber, das ist es doch!
Sagen S i e es aber den Politikern, dass sie kein Mensch mehr braucht, dass die Wirtschaft, Industrie und Banken ganz offiziell die Regierung direkt übernehmen, ohne die dazwischen geschalteten, von Ihnen aber ferngesteuerten Politmarionetten.
Viel zu lange schon schielen die Geldsäcke sehnsüchtig auf die vom Steuerzahler finanzierte Infrastruktur.
Ihrer Vorstellung nach, Herr Kerber, wäre alles ruck-zuck in privaten Händen, zum Schnäppchenpreis versteht sich.
Der Steuerzahler soll wohl weiterhin für den Unterhalt aufkommen, der Profit ginge natürlich Richtung Privatwirtschaft.

Mit "Schuldenstaaten" meinen Sie doch sicherlich auch Deutschland, oder?

Wie lange hat es allein in Deutschland gedauert bis alles - mit vereinten Kräften erwirtschaftet - so aufgebaut war, wie es jetzt ist? Obwohl so mancher Industriemagnat seine Wünsche schon immer von den Augen abgelesen bekam und sie ihm meist auch auf Steuerzahlers Kosten erfüllt wurden, hat das ganz gut geklappt. Obwohl die Reichsten der Reichen schon immer die meisten Steuern hinterzogen haben, konnte im Laufe der Zeit Gemeinschaftseigentum geschaffen werden.

Wie vieler "Politiker" bedarf es noch, um das Volk restlos enteignet und sein gesamtes Eigentum an private Nutzniesser zu verhökern zu haben?
Die Sozialkassen wurden stillschweigend und parteiübergreifend mehrmals von Regierungen geplündert. Das war sogar eine Enteignung von zweckgebundenen Mitteln.

Das Abmelken im ganz großen Stil begann mit der Telekom, die Bahn sollte folgen ... dazwischen gedrängt haben sich noch die Mautabzocker...


Schämen Sie sich eigentlich gar nicht Herr Kerber?
Sind Sie stolz auf Ihre Forderungen?




Die Gedanken sind frei ! sagt:
Wir müssen nur lesen, mit wem dieser Kerber vernetzt ist – u.a. hat er für die Warburg-Bank gearbeitet – dann wissen wir, aus welcher Ecke er kommt und wohin der Hase laufen soll. Und wir können davon ausgehen, daß unsere `BRD`-`Elite` mit der selben Clique verbandelt ist, das ist ja inzwischen ein Allgemeinplatz. Die endgültige Plünderung Europas wird nun eingeläutet. An ein aufgeklärtes Wahlverhalten der deutschen Bevölkerung demnächst glaube ich nicht mehr.


Öko-Gnom sagt:

Ja, so funktioniert das und so ist es geplant:

Die neoliberalen Raubritter wollen selbst das Land beherrschen.Sie brauchen keine Politik mehr, denn sie haben ja Banken.

Die Nationen, Länder und Kommunen und Gemeinden sollen In einer Art Schuldknechtschaft leben. Wenn der Schuldknecht nicht zahlen kann, dann muss er halt seine Filetstücke (Gemeindewald, Wasserversorgung, Historische Gebäude, Schlösser, Burgen und Seen, Ackerland und Seen) verschachern.
Ich muss kotzen, wenn ich so etwas sehe.

Dieser Mann zeigt, wie eng die Banken, die Wirtschaft und die Politik miteinander verflochten/verfilzt sind. Man könnte fast von einer Art Privatklub sprechen, die darüber beraten, wie jetzt die Beute aufzuteilen.

Das hat alles nichts mehr, und ich betone es noch einmal, garnichts mehr, mit irgendeinem Parteiprogramm zu tun.

Es ist nicht höchste Zeit, den SEM auf eine neue Basis zu stellen, sondern es ist Zeit, allerhöchste Zeit, die Politik von solchen Kreaturen zu befreien.

Der Durchschnitts CDU Wähler weiß überhaupt nicht, was wirklich gespielt wird. Die Überzeugungen die er hat und die er umgesetzt sehen will, werden mit Füßen getreten und zugunsten einer neoliberalen, und ich muss es ganz deutlich sagen, absolut undemokratischen Plutokratie regelrecht verhöhnt.
Unter Merkel, Schäuble & Co. hat sich die CDU in eine Partei verwandelt, die wesentlich mehr dem ultra-neoliberalen Flügel der FDP ähnelt, und nur noch ein Schatten ihrer selbst als Volkspartei ist. Ich nenne das Segeln unter falscher Flagge.

Was man auch merken sollte ist, dass mittlerweile die Bedeutungen heimlich still und leise umgemünzt werden: Zumindest was Deutschland betraf gab es keine Staatenkrise, sondern es gab eine Krise von Banken die sich schamlos verzockt hatten, und dann anschließend vom Staat “gerettet“ werden wollten. Das aber ist keine staatliche Aufgabe! Jetzt plötzlich hat der Start überhöhte Schulden, und der eigentliche Teil des Raubzuges kann beginnen.

Momentan findet ein Angriff auf die Grundfesten der Demokratie statt. Und keiner merkt es. Es ist zum weinen.

Gerade in der momentanen Zeit finde ich es erschreckend, wenn Personen, die bei Goldman-Sachs, Stanley Morgan, Warburg, Deutsche Bank, Bank of America und so weiter, plötzlich überall in der Politik auftauchen.

Das ist kein Zufall!


cashca sagt:
Schulde eintreiben gegen volksvermögen..
Na dan, mal los..
Deshalb hat man sie doch in die Totalverschuldung getrieben, um an das Volksvermögen zu kommen. Also , zupacken, bevor es andere wegschnappen….
Die Gier ist eine unheilbare Krankheit, deshalb stecken wir alle da, wo wir sind…. kurz vor dem Zerfall in jeder Hinsicht.
Unsere macher kennen weder skrupel noch moral, es geht nur noch um hAben und profit, ob man andere dabei regelrecht vernichten mu. ist egal. Hauptsache das ziel wird erreicht, , noch mehr und mehr und mehr…….man verleibt sich ganze Staaten ein genau über diese Schuldenfalle.

Und keiner schämt sich…..das ist war die Alte.. das ist die Neue und die aktuellle Politik.Der Größenwahn hat schon immer in der Geschichte alles wieder vernichtet, er wird es auch heute wieder tun.


Öko-Gnom sagt:

Und noch etwas:

Nachdem man eine Bankenkrise in den Augen der Öffentlichkeit In eine Staatsschuldenkrise umgewandelt hat, braucht man ja gar nicht mehr darüber zu diskutieren, wie denn letztendlich die Banken reguliert werden sollen, damit diese nicht wieder ins Chaos abrutschen.

Es wird auch gar nicht mehr darüber gesprochen, wie die Kriterien zur Kreditvergabe an einen Staat oder eine Kommune aussehen soll.

Man vergibt freigebig, und ohne besonders strikt zu prüfen, Kredite an Entitäten, die überhaupt nicht kreditwürdig sind.

Hintergrund davon ist, das es ein Überangebot an leistunglos geschöpftem Geld gibt, welches zwecks Zinsgenerierung regelrecht verliehen werden muss. Da spielt die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers nur eine untergeordnete Rolle, solange dieser den Status hat, nicht pleite gehen zu können, oder noch etwas Tafelsilber (Infrastruktur in Form von Straßen, Brücken, Gemeindewäldern, Wasserversorgung, Parks, Hafenanlagen, historische Gebäude wie etwa Schlösser, Burgen oder Seen muss.) hat, welches man sich unter den Nagel reißen kann, obwohl es eigentlich Allen gehört. Und genau darauf haben es die Herrschaften jetzt abgesehen.

Es geht nicht darum, Kredite verantwortungsvoll zu vergeben und im Zweifelsfall auch zu verweigern , sondern es geht um den Zugriff auf das Tafelsilber. Und wenn alles Tafelsilber eingesammelt ist, dann beherrscht man das Land, denn dann braucht man keine Politik und keine Demokratie mehr. So einfach ist das. Manche scheinen es nicht zu begreifen.

Die Banken wollen nicht die Verantwortung für die, von Ihnen vergebenen, faulen Krediten übernehmen, sondern sich anstelle dessen an der Gesellschaft bereichern und auch noch nebenbei die Demokratie aushebeln. Wenn das kann Wahnsinn ist!

Deshalb sage ich immer: Sowohl die Kreditnehmer als auch die Kreditgeber haben unverantwortlich gehandelt, und müssen jetzt die Folgen tragen.

Mit folgenden Dogmen muss endgültig aufgeräumt werden:



  • Staaten, Länder und Kommunen können nicht pleite gehen
  • Banken, da “systemrelevant“ dürfen nicht pleite gehen

  • Folgende Mindestforderungen müssen für die Zukunft erfüllt werden:



  • Trennung von Kredit- und Investmentbanken
  • Limitierung von einzelnen Bankhäusern auf eine Maximalgröße
  • Es darf nur dem erlaubt werden etwas zu “hedgen“, der auch ein tatsächliches wirtschaftliches Interesse daran hat, weil er das Produkt herstellt
  • Wesentliche Erhöhung der Eigenkapitalquote die Banken mindestens aufzuweisen haben. (Damit wird der Hebel verkleinert)
  • Geschöpftes Giralgeld muss mit Zentralbankgeld hinterlegt werden.
  • Verbesserte Kontrolle von Lobbyismusaktivitäten, um besser zu kontrollieren, wie der Staat zu Investitionen verleitet wird, die im wesentlichen nur der Großindustrie und den Banken nützen, den Steuerzahler aber belasten und die Staatsverschuldung noch oben treiben.





  • Mittwoch, 17. Juli 2013

    Zwangsabgabe: Ab 1. August steigt das Risiko für Bank-Kunden erheblich

    Banken-Krise
    EU schreibt Zugriff auf Sparer vor

    Vielen Banken in Europa spekulieren auf Teufel komm raus mit dem Geld der Sparer und weigern sich, die Risiken offenzulegen. Alle hoffen unverändert auf die Rettung durch den Steuerzahler. Doch die EU hat nun still und leise ein Gesetz beschlossen, demnach ab 1. August die Bank-Kunden als erste enteignet werden müssen, wenn eine Bank in die Krise gerät.

    José Manuel Barroso, Martin Schulz, Herman Van Rompuy und ein unbekanntner EU-Mitarbeiter beim Studium ihrer Konto-Auszüge im EU-Privat-Jet. Sie prüfen, ob am Montag noch alles drauf ist, was am Freitag auf dem Konto gewesen ist. (Foto: consilium)
    Allein im Euroraum gibt es 6.400 Banken. Viele davon sind Großbanken, die durch das Prädikat „too big to fail“ vom Steuerzahler geschützt werden. Durch immer mehr Zusammenschlüsse und gegenseitige Aufkäufe wuchsen die sogenannten „systemrelevanten“ Banken zu immer größeren, unüberschaubaren Konglomeraten. Stets im Bewusstsein, dass bei möglichen Schieflagen der Staat oder der Steuerzahler einspringen würde.

    Die gesamten Verbindlichkeiten der Banken der Eurozone betragen 250 Prozent des BIP der Eurozone.

    250 Prozent all dessen, was die Euro-Bürger in einem Jahr schaffen, ist von den Banken bereits verwettet.

    Das sind unerfreuliche Zahlen.

    Daher hat die EU-Kommission nun in aller Stille eine Verordnung erlassen, die für die Steuerzahler einen gewissen Schutz bieten sollen – die aber in voller Härte den Bank-Kunden treffen können.
    Diese Verordnung ist deshalb von Bedeutung, weil für Inkrafttreten nicht mehr die Zustimmung der nationalen Parlamente erforderlich ist, in denen die Banken über Lobbying die Regelung noch weiter verwässern könnten.

    Es handelt sich um eine Vorschrift, die am 1. August 2013 in Kraft tritt.
    Mit diesem Tage sollten sich Bank-Kunden genau überlegen, welcher Bank sie ihr Geld anvertrauen.
    Die EU-Kommission verlangt zu diesem Zeitpunkt:
      „Banken mit einer ausgewiesenen Kapitallücke müssen dafür sorgen, dass Anteilseigner wie auch Inhaber nachrangiger Schuldtitel einen angemessenen Beitrag zur Deckung des Kapitalbedarfs leisten, bevor sie staatliche Rekapitalisierungen oder Maßnahmen zum Schutz ihrer wertgeminderten Vermögenswerte in Anspruch nehmen können. Auf diese Weise werden gleiche Wettbewerbsbedingungen für ähnliche Banken mit Sitz in verschiedenen Mitgliedstaaten geschaffen und der Fragmentierung des Finanzmarkts vorgebeugt. Ausnahmen sind möglich, wenn die Finanzstabilität auf dem Spiel steht oder wenn eine Bank bereits einen großen Teil des Kapitalbedarfs selbst aufgebracht hat und der Restbetrag, der mit staatlichen Mitteln gedeckt werden soll, im Vergleich zu der Bilanzsumme der betreffenden Bank gering ist.“
    Das bedeutet: Banken müssen künftig zuerst ihre Kunden und Aktionäre zur Kasse bitten, bevor sie den Staat in Anspruch nehmen können. Die Inhaber „nachrangiger Schuldtitel“ sind im Grunde alle Bank-Kunden, weil ihre Guthaben bei den Banken Klein-Kredite sind, für die die Kunden von der Bank nichts anderes erhalten als das Recht, für Dienstleistungen der Bank saftige Gebühren zu bezahlen.

    Ob die Einlagensicherung für Einlagen unter 100.000 Euro etwas wert ist, kann niemand sagen.
    Vorrangige Gläubiger sind in der Regel offizielle Institutionen wie die KfW oder die EZB, die sich ihre Kredite von den Banken in der Regel besichern lassen.

    Die EU-Regel ist natürlich schwammig. Es ist keine strenge Vorschrift zur Beteiligung, sondern eher die Einführung eines Procedere.

    Und dieses entspricht der Zwangs-Angabe in Zypern: Die Bank-Kunden müssen beteiligt werden. Die EU zieht damit vor allem die Lehren aus dem fortgesetzten Griechenland-Desaster und dem für die Bevölkerung besonders verheerenden Irland-Desaster.

    Konkret bedeutet die Regel: Wenn eine Bank in Schieflage gerät, muss sie die Guthaben ihrer 
    Kunden als Pflicht-Element in den Topf werfen, um einen Deal mit der Bankenaufsicht, der nationalen Regierung und der EU zu erreichen.

    Die ab 1. August gesetzlich zwingend vorgeschriebene Beteiligung der Bank-Kunden war notwendig geworden, weil die Banken in den vergangenen Jahren nichts unternommen haben, um ihre Risiken abzubauen.

    Tatsächlich haben sich nämlich viele Institute durch Verluste im risikoreichen Investmentbanking selbst in Krisen gestürzt. Und die Staaten haben bereits Milliardenbeträge in die Rettung von Zombiebanken investiert. Eine Zombiebank wird definiert als ein Institut, das eigentlich insolvent ist, jedoch weiterhin Bankgeschäfte ausübt.

    Im Jahr 2008, als die sogenannte Finanzkrise hochkochte, gingen der damalige Finanzminister Steinbrück und Kanzlerin Merkel vor die Mikrophone und sicherten der Bevölkerung zu, alle Einlagen in den deutschen Banken seien sicher. Hätte es dennoch einen „Bank-Run“ gegeben, hätten Merkel und Steinbrück ihre Zusage natürlich nicht einhalten können (hier).

    In Deutschland wurde im November 2008 ein Bankenrettungsfonds (SoFFin) gegründet, ausgestattet mit 500 Milliarden Euro. Fünf deutsche Banken wurden aufgefangen: Die Commerzbank, die DZ Bank und die Landesbanken NordLB, Helaba und WestLB.

    Indessen wurde der Bankenrettungsfonds SoFFin bis Ende 2014 verlängert, um damit „einen nahtlosen Übergang zu einem Rettungsfonds auf europäischer Ebene ermöglichen“, wie es damals noch etwas unbestimmt hieß.

    Auf europäischer Ebene, insbesondere in der Peripherie, gibt es nach wie vor die Möglichkeit eines Bank-Runs. Deshalb laufen nun die verschiedenen Maßnahmen auf EU-Ebene an, um eine Bankenunion zu gründen, wobei insbesondere der Abwicklungsmechanismus SRM („Single Resolution Mechanism”) hoch umstritten ist.

    Ebenfalls geplant ist ein gemeinsamer Einlagensicherungsfonds, der jedoch wegen der bevorstehenden Bundestagswahl aufgeschoben ist (hier).

    Tatsache ist: Nach wie vor ist der Bankensektor im Euroraum zu groß und risikoreich, die Banken verfügen über zu wenig Eigenkapital und berechnen dazu noch ihre Eigenkapitalquote häufig falsch (Details hier).

    Die Gesamtverbindlichkeiten der Banken in der Eurozone betragen 250 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Faule Kredite werden verlängert, anstatt sie abzuschreiben. Verbindlichkeiten sind höher als vermeintliche Assets (Vermögenswerte).

    Doch die Forderungen, die konkreten Zahlen der Altlasten der Banken offenzulegen, sind halbherzig und verhallen immer wieder schnell.

    Aus gutem Grund: Wären die Fakten bekannt, käme es womöglich zu einem Bank-Run, bevor der gemeinsame Einlagensicherungsfonds steht. Es drohte ein Crash, der befürchtete Domino-Effekt wäre die Folge.

    In Spanien sind die harten Realitäten der Banken längst offenbar. Überschuldungen durch Ausfälle von nicht rückzahlbaren privaten und öffentlichen Krediten. Die Immobilienblase machte aus Banken alsbald marode Banken. Ein Großteil der Hypothekendarlehen wird daher in den Bilanzen über die EZB finanziert. Doch „auf die billige (Re-) Finanzierung der Zentralbank angewiesen zu sein, ist kein tragfähiges Geschäftsmodell“, schreibt Daniel Gros auf dem Blog des „Project-Syndicate“.

    Auch in Italien, Portugal und Griechenland sind die Anteile der „faulen Kredite“ in den Bankbilanzen angestiegen. Griechenlands Banken halten sich nur noch mit Notkrediten der EZB über Wasser. Sie betrugen Ende Juni 61,14 Milliarden Euro.

    Italien hatte Ende April 133 Milliarden Euro faule Kredite in den Büchern, Spanien etwa 200 Milliarden Euro.

    Zwar soll Anfang 2014 eine Bankenaufsicht etabliert werden, die die tatsächlich vorhandenen Assets der Banken im Euroraum überprüfen soll. Ob diese Aufsicht auch die Überlebensfähigkeit der einzelnen Institute einschätzen kann, bleibt fraglich. Zudem werden sich die Banken gegen zu strikte Auflagen zur Wehr setzen. Und welche nationale Behörde (die mit am Verhandlungstisch sitzen wird) kann eingestehen, dass eine ihrer systemrelevanten Bank an kein zukunftsfähiges Modell besitzt? Und wie viele Banken wird man – je nach nationalem Interesse – als „systemrelevant“ einstufen? Um damit wiederum faule Kredite in Büchern zu belassen und verlängern?

    Bis der gemeinsame Einlagensicherungsfonds kommt?

    Denn die EZB wird diese Herausforderung alleine nicht meistern.

    Deshalb wurde eine – bisher – gedeckelte Summe von 60 Milliarden zur (Re-) Kapitalisierung für Banken aus dem ESM beschlossen.

    Ferner soll ein Bankenabwicklungsfonds gegründet werden, der über zehn Jahre hinweg durch Einzahlungen der Banken im Euroraum pro Jahr etwa fünf Milliarden einsammeln soll. Dabei ist ein Zeitrahmen von zehn Jahren angedacht, um auf eine Summe von 50 Milliarden Euro zu kommen.
    Das ist bei weitem zu wenig, um eine in Bedrängnis geratene Großbank zu retten. Außerdem haben die Banken Widerstand angekündigt: Sie wollen nicht in einen solchen Fonds einzahlen, weil sie der Meinung sind, dass sei keine weiteren Belastungen mehr übernehmen können.

    Tatsächlich erleben wir einen Wettlauf mit der Zeit: Die Banken wissen, dass sie nur eines retten kann: Das Prädikat „Too big to fail“. Deshalb betreiben jene Banken, die die Politik beraten, einen radikalen Konsolidierungskurs. Es soll weniger Banken in Europa geben, die sollen größer sein und systemrelevant (mehr zu diesem bemerkenswerten Vorgang – hier).

    Denn eines ist allen Beteiligten klar: Wegen der gigantischen Risiken können weder die Staaten die Banken noch die Banken sich selbst retten.

    Daran haben die ganzen hektischen „Rettungs“-Bemühungen der vergangenen Monate nichts geändert, im Gegenteil: Das einzige, was Banken und Politiker retten wollen, ist ihre eigene Haut.

    Der Sparer hat, im Unterschied zum Steuerzahler, zwei Vorteile: Er kann die Bank wechseln, während der Steuerzahler in der Regeln den Staat nicht wechseln kann. Und der Sparer weiß nun, dank des EU-Gesetzes, dass er ab dem 1. August 2013 höllisch auf der Hut sein muss. Sein Risiko, über Nacht enteignet zu werden, steigt dramatisch an.

    Das ist keine gute Nachricht.

    Aber wenigstens eine, auf die man reagieren kann.

    Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


    Kommentare


    fan sagt:
    DWN, ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie für mich, vielleicht auch für alle anderen, ein Rätsel auflösen könnten:
    Kann Brüssel, egal wer dort auch immer, einfach unsere BRD-Gesetze und sogar unser Grundgesetz außer Kraft setzen und als nicht-existent ansehen..?
    Und wer hat diese Brüsseler Typen eigentlich gewählt und gegen uns Wähler legitimiert..? Hier findet doch eine gewaltige Rechts-Beugung statt, was ist hier los in Deutschland..?
    Eine Merkel oder ein Herr Gauck, die hier nicht eingreifen und damit Aktionen gegen Deutschland absegnen, können doch nur Hochverräter sein..!? Was macht eigentlich der Verfassungs-Schutz, wenn er unsere Verfassung gar nicht schützt..?
    Sind wir als Bürger mittlerweile nur noch Frei-Wild, frei gegeben zur willkürlichen und Recht-losen Behandlung..?


    Renate Schmitt sagt:
    ich kann nicht anders, auch wenn ich jetzt emotional werde: Danke den DWN. Ist das jetzt echt die einzige Institution, die noch die Wahrheit verbreitet? Wo ist der Journalismus dieser Tage? Nachrichten auf anderen Blättern: Die Deutschen im Konsumrausch (die meinen wohl die Renter, die wie die Weltmeister Pfandflaschen aus den Mülleimern sammeln) traurig genug. Der Export läuft super, Blase, ach nee, jetzt läuft es wieder schlecht, aber nur dezent vermeldet. Nachrichten ohne Sinn und ohne Gehalt. Aber Michel denkt ja nur von der Wand bis zur Tapete. Wie weit das ist, sieht man an den Umfragen für Sonnenkönigin und Hofnarren, der PD und den Grünen. Das S muss man weglassen, von christlich rede ich erst gar nicht. Bilderberger lassen von allen Parteien und Teilnehmern herzlich grüßen!
    Einfach abwählen am 22.09. Ich wähle die AfD. Schlimmer kann es nicht kommen und es ist schon nach 12!
    Was muss denn noch alles passieren? Ach ja, verstehe, die Deutschen haben andere Probleme als ihre Zukunft und die ihrer Kinder und Enkel. Steht der Gartenzwerg auch gerade, fährt mein Nachbar ein dickeres Auto als ich, quacken die Frösche zu laut? Sorry, ob dieser Naivität und Dummheit meiner Mitmenschen, aber ich habe kein Mitleid mehr. Sie wollen es so und sie kriegen es und wir leider auch, weil wir in der Minderheit sind. Nachrichten gerade: Fußball Frauenmannschaften, Extremisten MAD, USA Todeskandidat, aber nix von EU-Ausverkauf der Bürger und den Konsequenzen…


    Karsten sagt:
    Ich habe alle meine Sparverträge gekündigt, die Schuldscheine von der Bank geholt und sie in glänzendes Metall getauscht. Eins ist sicher, die Enteignungswelle ist längst angelaufen, noch sind es nur unsere Steuergelder, sie wollen alles und sie werden es sich holen!


    BerndM sagt:
    Und niemand, der am 22.9. noch einer der Altparteien seine Stimme gibt, wird dann ein Recht haben, sich darüber zu beklagen, dass all seine Ersparnisse, seine Altersvorsorge, seine Renten- und Pensionsansprüche, seine Lebensversicherungen und überhaupt alle seine Geldforderungen immer schneller entwertet werden.
    Wer jetzt nicht sein Erspartes außerhalb der EU in Sicherheit gebracht hat dem ist nicht mehr zu helfen.




    Dienstag, 16. Juli 2013

    Schäuble zweifelt erstmals an Griechenland-Rettung

    Eurovisionen

    Wolfgang Schäuble will den deutschen Steuerzahlern nicht garantieren, dass sie ihr Geld für die Griechenland-Rettung jemals wiedersehen. Mit einem bemerkenswerten Zwischenton will der Finanzminister die Deutschen offenbar zum ersten Mal darauf vorbereiten, dass die Steuergelder weg sein könnten.



    Einkehr des Realismus: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist sich nicht mehr sicher, dass sein Fleiß reichen wird, um die Euro-Krise zu beenden. (Foto: consilium)
    Bisher hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Frage der Griechenland-Rettung immer einen unmissverständlich optimistischen Kurs gefahren: Man sei in Athen auf einem guten Weg, und selbstverständlich werde der deutsche Steuerzahler seine Kredite wiedersehen.
    Schäuble hat dem deutschen Steuerzahler noch nie gesagt, dass die Kredite nicht an die notleidenden Griechen, sondern zu 80 Prozent an die Banken gehen, die sich mit aberwitzigen Finanz-Produkten verspekuliert haben.

    Die Legende, die die Euro-Retter ihren Bürgern auftischen, hat einen anderen Spin: Die Reichen sollen den Armen geben, damit die Armen wieder auf die Beine kommen. Danach werden die Armen hart arbeiten, damit sie ihre Schulden bei den Reichen wieder auf Heller und Pfennig begleichen können.

    Dass er sich mit den Armen nicht so leicht tut, hat Schäuble schon öfter gesagt – etwa, wenn er die Griechen vor einer weiteren Tranche etwas unter Druck setzen wollte. Dann sprach Schäuble von einem „Fass ohne Boden“.

    Solche Unmutsäußerungen kamen bisher jedoch stets vor der Auszahlung einer Tranche.
    Nun hat sich Schäuble erstmals nach der Genehmigung einer Milliarden-Rate pessimistisch geäußert.
    Schäuble macht so etwas natürlich nicht so plump, in dem er sagt: „Leute, das Geld ist weg. Vergesst es, ihr seht es nie wieder. Tut mir echt leid – aber wie sollen die Griechen über 100 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen? Geht nicht – Ende, Schluss, aus.“

    So etwas sagt Schäuble nicht, weil er dann die Märkte in Panik versetzen würde. Und dann wären die hunderten Milliarden an über Griechenland laufenden Banken-Rettungsgelder wirklich vergeblich geflossen.

    Schäuble sagt so etwas erst recht nicht wenige Wochen vor einer Bundestagswahl. Er hält es immer noch für denkbar, dass den Deutschen auffallen könnte, dass sie um richtig viel Geld gebracht wurden.

    Doch Schäuble weiß: Es ist an der Zeit, die Deutschen langsam auf die bittere Wahrheit vorzubereiten.

    Die Bild-Zeitung hat ihm folgende einfache Frage gestellt: „Geben Sie den Bundesbürgern die Garantie, dass auch nach der Bundestagswahl kein deutsches Steuergeld für Griechenland abgeschrieben werden muss?“

    Vor zwei Jahren hätte Schäuble geantwortet:
      „Selbstverständlich gebe ich Ihnen diese Garantie. Wir geben diese Kredite als Investment, weil wir wissen, dass wir es in Griechenland mit einer Konjunktur-Delle zu tun haben. Daher erwarten wir nicht nur, dass wir das Geld zurückbekommen. Das ist ein ganz normaler Prozess. Wir werden unser Geld mit Profit zurückbekommen.“

    Vor neun Monaten hätte Schäuble geantwortet:
      „Ja, diese Garantie kann ich geben. Wir wissen, dass es länger gedauert hat als erwartet, aber das hängt mit der globalen Rezession zusammen, die die hervorragenden Anstrengungen unser griechischen Freunde und Partner etwas behindert hat. Aber jetzt befinden wir uns auf einem guten Weg, wie auch die neuesten Prognosen des IWF zeigen. Sie können also ganz beruhigt schlafen in Deutschland.“

    Am Freitag veröffentlichte die Bild-Zeitung folgende Antwort auf die Frage:
      Ich garantiere, dass ich alles tun werde, dass das Programm erfolgreich sein wird. Erste Erfolge sind ja auch schon sichtbar. Griechenland hat wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Das Land ist wieder wettbewerbsfähiger und saniert seinen Haushalt.“

    Damit schlägt Schäuble eine ganz neue Tonart an. Man muss zu solchen Interviews wissen, dass sie nicht dem entsprechen, was wirklich gesprochen wurde. Ein solches Interview wird in Deutschland vom Team des Finanzministers „autorisiert“. Das heißt: Die Mitarbeiter von Schäuble schreiben jene Antworten, die für den Minister politisch opportun sind.

    Hier wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt.

    Hier zählt jede Nuance.

    Wegen der Märkte.

    Wegen der Wahlen.

    Und ein ganz klein wenig wegen der Wahrheit. Die wird nämlich immer dann angedeutet, wenn klar ist, dass sie irgendwann zu rauskommt.

    Das bedeutet: Schäuble will ausdrücklich nicht garantieren, dass die deutsche Steuerzahler ihr Geld wiedersehen. Die Frage hatte ja nicht gelautet: „Garantieren Sie den Bundesbürgern, dass Sie mehr arbeiten werden?“

    Wenn ein Politiker bei einem solchen Interview in der Autorisierung ausdrücklich eine ausweichende Antwort gibt, dann muss es schlimm stehen um Griechenland. Schon etwas weiter vorher hat Schäuble in dem Interview auf die Frage nach weiteren Krediten für Griechenland eine ausweichende Antwort gegeben. Auf die Frage, ob Deutschland Griechenland „noch mehr Geld geben“ müsse, sagte Schäuble, dass „weitere Unterstützung“ nach 2014 geprüft werde.

    Von allem rhetorischen Brimborium abgeschminkt sagt Wolfgang Schäuble den Deutschen damit folgendes:

    „Ich habe keine Kontrolle mehr über die Lage in der europäischen Schuldenkrise. Wir müssen uns das jetzt schönreden, weil es sonst zum Crash kommt und/oder Angela Merkel und ich die Wahl verlieren. Aber ich werde solange weiter das Geld der deutschen Steuerzahler einsetzen, bis wir die Lage unter Kontrolle haben. Das zumindest wollen wir jetzt versuchen, weil wir im Grunde nicht mehr zurückkönnen.“

    Das sind keine guten Nachrichten.

    Auch wenn sie geschickt verpackt sind.

    Allein: Die Rettungspakete zerfallen.

    Die Retter ergrauen.

    Die Talfahrt geht weiter.

    Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

    Kommentare


    The veritas valebit sagt:

    Herr Schäuble, diese Chronik lässt sich noch weiterführen, wer Ihnen noch glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 13.07.13
    Schäuble zweifelt erstmals an Griechenland-Rettung
    Wolfgang Schäuble will den deutschen Steuerzahlern nicht garantieren, dass sie ihr Geld für die Griechenland-Rettung jemals wiedersehen. Mit einem bemerkenswerten Zwischenton will der Finanzminister die Deutschen offenbar zum ersten Mal darauf vorbereiten, dass die Steuergelder weg sein könnten.

    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 19.03.13
    Wolfgang Schäuble: Der gefährlichste Mann EuropasDie Banken Zwangs-Abgabe in Zypern war kein Betriebsunfall. Sie ist der erste Baustein in dem Plan, wie Europa künftig regiert werden soll. Autoritär, ideologisch und undemokratisch. Das Vorbild für den finanztechnischen Teil zur Lösung der Schuldenkrise ist die deutsche Wiedervereinigung. Der Architekt des Plans: Wolfgang Schäuble. Das verheißt nichts Gutes.
    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 29.06.12

    Frank Schäffler: Die Tinte ist im Bundestag beim ESM-Vertrag noch nicht trocken, schon werden die Regeln erneut geschleift. Die angekündigten Maßnahmen – Veränderung des Gläubigerstatus, Direkthilfen an Banken – sind rechtswidrig. Die Anleihenfinanzierung des ESM ist der Einstieg in die Banklizenz und das Perpetuum mobile über die EZB.
    Deutsche Mittelstands Nachrichten | 29.03.12

    Heimliche Grundgesetz-Änderung:
    Bürger soll nicht mehr in Karlsruhe klagen können
    CDU: Schäuble darf ESM aufstocken
    Aus Kreisen von Verfassungsrechtlern haben die Deutschen Mittelstands Nachrichten erfahren, dass es bei den Parteien CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bestrebungen gibt, den Gang ans Karlsruher Bundesverfassungsgericht für Privatpersonen zu erschweren. Offiziell, um die Überlastung des Gerichts einzudämmen. Angeblich wenden sich mittlerweile zu viele Bürger an das Gericht – und dieses könne die Überlastung nicht mehr bewältigen. Ob die neue restriktive Politik mit möglichen Klagen gegen den Rettungsschirm ESM zusammenhängt, wollte am Donnerstag in Berlin niemand bestätigen. Von der Regierung ist bisher dazu nichts veröffentlicht worden.

    DiePresse.com : 05.07.2012
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/1262402/TopOekonomen-warnen_Wir-sitzen-in-der-Falle?_vl_backlink=/home/index.do
    Hans-Werner Sinn schart prominente Ökonomen um sich. Sie wollen an die deutsche Kanzlerin appellieren und die Bürger zum Protest gegen die geplante Bankenunion aufrufen.
    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 15.08.12, 13:57

    Rechtsprofessor warnt Karlsruhe vor uferlosen Folgen des ESM
    Die Haftungen Deutschlands für eine umfassende Eurorettung würden 3,7 Billionen Euro betragen. Wird der ESM vom Bundesverfassungsgericht für zulässig erklärt, würde dieser Betrag Deutschland massiv belasten, warnt der Mitkläger gegen den ESM, Markus Kerber.
    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 03.09.12

    Schäuble: Karlsruhe wird den ESM durchwinken
    Bundesfinanzminister Schäuble erwartet die Zustimmung von Karlsruhe zu ESM und Fiskalpakt. In Straßburg sagte Schäuble, er sei sicher, dass es keine Blockade geben werde. Bislang war es in Deutschland Usus, dass es einen gewissen Grundrespekt vor der Gewaltenteilung gab.
    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 06.09.12

    EZB: Weidmann hat offenbar gegen Draghi gestimmtBundesbankpräsident Jens Weidmann scheint die einzige Gegenstimme gegen Mario Draghis Ankaufprogramm von Staatsanleihen gewesen zu sein. Draghi deutete ziemlich unmissverständlich darauf hin, was man als nicht gerade freundliche Geste betrachten kann.
    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 10.09.12

    Deutschland: ESM gerät immer stärker ins VisierKurz vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Eilanträge bezüglich EMS und Fiskalpakt wächst der Unmut in Deutschland. Peter Gauweiler reicht einen Eilantrag ein – noch heute will das Gericht darüber beraten – und ein neues Gutachten warnt vor Verletzungen des Budgetrechts. Deutschlands Regierung gerät immer mehr zwischen die Fronten.
    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 05.10.12

    Schäuble gibt Entwarnung: „Komme mit guten Nachrichten zum IWF“
    Bundesfinanzminister Schäuble sieht das Ende der Euro-Krise kommen. Er fahre mit guten Nachrichten zum Herbsttreffen des IWF nach Tokio. Schäuble sieht den europäischen Patienten auf dem Weg der Genesung: „Die Behandlung wirkt!“


    elli sagt:
    hier eine detaillierte Aufstellung des ifo Instituts:
    http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/policy/Haftungspegel.html
    Bei Zahlungsunfähigkeit der GIIPS+Z Länder gilt für D die rechte Säule 655 Mrd.
    Dieser Zahl liegt zugrunde, dass der Haftungsanteil Ds 27% beträgt, d.h. die anderen Geberländer noch zahlungsfähig sind.
    Die Zahl von der viele reden (1.8 Billionen Säule 3) ist die Summe aller in der Eurozone vereinbarten Stützungsmaßnahmen.
    Verbleibt D als letztes zahlungsfähiges Land in der Eurozone, gilt die Säule 2 1270 Mrd. Das wäre der worst case, der in der Presse häufig zitiert wird.
    Aber die richtig dicken Brocken kommen ja noch, wenn es erst mit der Bankenrettung losgeht nach der BTW
    Die Zahl, wenn nur D aus dem Euro geht, habe ich nicht gefunden. Der Verlust hängt sehr davon ab, ob das Eurosystem danach noch existiert oder inwieweit der Euro abwertet. Die Forderungen bleiben bestehen, allerdings ob die je eingebracht werden können ist höchst fraglich.
    Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende


    Hans Reuter sagt:
    Ackermann sagte doch schon bei der ersten “Rettung” von Griechenland, sehr zum Missfallen von Merkel, dass Deutschland von dem Geld nichts wiedersieht. Merkel versprach natürlich damals vollmundig das Geld würde zurückgezahlt und die “Rettung” sei einmalig. Solange das Hauptproblem, die gemeinsame Währung und eine EZB für 17 Länder nicht beseitigt ist, wird dieses Problem nie gelöst werden sondern es wird ständig schlimmer. Da nutzen weder Sparprogramme noch Verschleierungstaktiken wie ESM oder Bankenunion etwas. Wer so etwas aufrechterhalten will unter dem Motto “koste es was es wolle” ist ein fanatischer Ideologe und wird den gleichen Zerfall wie bei der Sowjetunion erleben. Dier Druck auf die Menschen wird dabei ständig erhöht, kann aber letztlich ein solch marodes System auch nicht retten.


    Henry sagt:
    Es geht doch bei allen Mittelmeeranreinern, besonders bei den östlichen nur um eines: Destabilisieren, um an die Öl- und Gasvorkommen heranzukommen. Gaddaffi, so despotisch er sein Land regiert haben mag, er wollte den Golddinar einführen: massakriert, Tunesien, Ägypten, Syrien, Türkei, Zypern und Griechenland. Die beiden Letzten: EU-Staaten. Hier hat man den Weg über Goldman Sachs gewählt. Das Ergebnis sieht man. Wenn es stimmt, was Dirk Müller sagt, und davon gehe ich aus, wollten die Nordischen Staaten Griechenland gegen Beteiligung an den Gasvorkommen schuldenfrei stellen. Das wurde verhindert. Griechenland soll so pleite werden, dass die Gasvorkommen komplett von gewissen Banken gepfändet werden können. In der Zwischenzeit werden die Europäischen Staaten noch abkassiert.


    Oeconomicus sagt:
    Hoffentlich hat unser geschätzter Finanzminister nicht ganz plötzlich Albträume und erinnert sich an eine öffentliche Anhörung zum Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetz (WFStG) vom 5. Mai 2010.
    Dort gab der als Experte geladene damalige BaFIN-Chef Jochen Sanio zu Protokoll:
    “..Es geht grundsätzlich um die Frage, wie wir damit umgehen wollen, dass der Staat wegen des Arguments „too big to fail“ einspringen muss.
    Wir alle sind uns einig:
    Der Staat hat das einmal getan und soll das nicht ein zweites Mal tun.
    Sonst kommen die Steuerzahler und hängen uns alle auf.
    Das möchten wir nicht. Wir müssen nach Lösungswegen suchen, um das zu vermeiden. Wir brauchen – das alles ist auf dem Weg – ein neues Restrukturierungs- und Abwicklungsrecht anstelle eines Insolvenzrechts, das nicht passt..”
    http://oconomicus.wordpress.com/2013/07/13/dustere-vorahnung-eines-crashs/