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Montag, 20. Oktober 2014

Die Folgen von Größenwahn und Duckmäusertum

Thema: Finanzkrise
Die eigenen Bürger vergessen
Merkels Illusion vom globalen Markt treibt Deutschland in die Krise

Die Rückkehr der Krisen wird Deutschland besonders hart treffen. In Deutschland hat sich als Exportnation in einer trügerischen Sicherheit gewogen. Statt die Kaufkraft der eigenen Bürger zu stärken, wurde weiter Lohn-Dumping betrieben. Das könnte sich nun rächen. Denn Deutschland ist heute anfälliger für einen Crash als noch vor wenigen Jahren.

Eigentlich hat die 2007 vor schon 7 Jahren ausgebrochene globale Krise nie aufgehört, Krise zu sein. Sie wurde nur durch einige positive Signale überschattet: China fuhr um den Preis einer stärkeren Verschuldung seine Geldversorgung hoch, ebenso die USA und Großbritannien. Deutschland schien ein stabiler Anker in der Eurozone zu sein. Griechenland und andere Krisenländer der Eurozone schienen von der EZB und den Rettungschirmen der Steuerzahler definitiv gerettet. An den Börsen ging es munter aufwärts. Doch nun entpuppen sich viele dieser Hoffnungen als Strohfeuer und damit als falsche Signale, und das alles auf einmal.

China beginnt zu wackeln. Die Wachstumsrate der Volkswirtschaft hat sich seit ihrem Gipfel in 2007 schon fast halbiert und soll weiter fallen (Abb. 08017). Der Immobilienmarkt schwächt sich deutlich ab. Die Zuwachsrate der Investitionen ging bereits von 23 % auf 15 % zurück (Abb. 08269). Die Zuwachsrate der Industrieproduktion fiel von 9,0 % im Juli auf nur noch 6,9 % im August, der Exportzuwachs im selben Zeitraum von 15,6 % auf 13,3 %. Für China sind das enttäuschende Werte.

In Deutschland fielen die Zuwachsraten von Aufträgen, Industrieproduktion und Industrieumsatz deutlich, dazu fiel der Export zurück (Abb. 17423). Die Arbeitslosigkeit steigt saisonal bereinigt wieder seit Monaten (Abb. 14925). Die Bundesregierung und die Wirtschaftsforschungsinstitute mußten die Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr deutlich senken.

Nun breitet sich auch auf den Finanzmärkten neue Unruhe aus. Der Wert des Euro gegenüber dem Dollar ist gefallen (Abb. 05171). Amerikanische Anleger ziehen Gelder aus der Eurozone ab. Bezeichnend dafür ist beispielsweise der Ablauf am 16. Oktober: Der Dax hatte sich kurz vor Börsenschluß gerade mühsam in den positiven Bereich bewegt, da drückt einer der großen Fonds oder der Banken, wahrscheinlich in USA, auf den Knopf und verkauft mal eben Aktien im Wert von 1 Milliarde Euro, was natürlich den Kurs erheblich drückt (Abb. 18524).

In Griechenland verzeichnete der Aktienmarkt mit minus 11,5 % in zwei Tagen den größten Verlust seit 2008; der Zins für 10-Jahres-Staatsanleihen stieg wieder auf schwer verdaulich 7,9 %. Griechenland verlangt nach einer neuen Kreditlinie als Rettungsleine. In Deutschland befindet sich der Aktienmarkt schon seit Juni dieses Jahres im Abstieg und hat bis jetzt etwa 14 % verloren (Abb. 18518).

Die starken Meinungsverschiedenheiten zwischen den Euroregierungen über den richtigen Kurs und auch die mit und innerhalb der EZB verstärken die neue Unruhe noch. Italien und Frankreich fahren weiter auf hohes Staatsdefizit und damit einen Anstieg der Verschuldung.

Die Krise kehrt auch zurück, weil es nicht gelungen ist, die Entschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten voranzutreiben. Sowohl in USA wie in der Eurozone hatte sich in nur acht Jahren bis zum Scheitelpunkt der Krise das Volumen der Kredite der Banken an private Haushalte verdoppelt (Abb. 18509, 18508). Es ist seitdem kaum zurückgegangen, so daß die Verschuldung bisher nur vor sich her geschoben wird. Ein großer Teil der Schulden der Banken wurde durch die Bankenrettungen auf die Staatsverschuldung übertragen. Die Gesamtverschuldung der Welt ist seit 2007 sogar noch von etwa 175 % der Weltwirtschaftsleistung auf 212 % hochgesprungen, wobei nicht zuletzt der starke Anstieg der Schulden in China eine große Rolle gespielt hat (Abb. 18511).

Der für eine wieder normale Wirtschaftsentwicklung notwendige Abbau der Schulden wird nun in doppelter Hinsicht durch die Krise selbst erheblich erschwert bis unmöglich gemacht. In einer deflationären oder fast-deflationären Situation entwerten sich die Schulden nicht mehr durch Inflation der Preise. Außerdem hat die Krise nach den neuen Untersuchungen der OECD zu einer einseitigen Belastung der schwächeren Einkommensgruppen geführt und bremst damit deren Entschuldung und damit deren Massenkaufkraft und Konsum ganz besonders. Während die Kapitaleinkommen durch die Regierungen mit der Bankenrettung zu Lasten der steuerpflichtigen Normalbürger gerettet wurden, stürzten die Arbeitseinkommen weiter ab, vor allem wo sich Arbeitslosigkeit ausbreitete. Der Anteil der Niedriglöhne liegt in vielen Ländern, darunter auch Deutschland mit fast einem Fünftel, nun relativ hoch (Abb. 18504) und ist seit 2002 weiter gestiegen (Abb. 18507), in Deutschland beispielsweise um fast einen Prozentpunkt. Nur in den Krisenländern Griechenland, Portugal und Spanien kam es zu einer Angleichung, weil hier krisenbedingt auch die Vermögensgewinne und höheren Arbeitseinkommen abstürzten.

Das Verhältnis des obersten Zehntels der Arbeitseinkommen zum untersten Zehntel stieg in den meisten Ländern, in Deutschland beispielsweise um etwas über 6 % (Abb. 18506). Für Deutschland liegt es jetzt beim 3,3-Fachen. Nach dem neuen Reichtumsbericht der Credit Suisse besitzt das oberste 1 % der Weltbevölkerung bereits fast die Hälfte des globalen Vermögens. Dabei hat sich das betreffende Vermögen seit dem Jahr 2000 um zwei Drittel erhöht und ist auch seit der Krise in 2008 noch einmal um ein Viertel gestiegen (Abb. 18526). Unter je 42 Deutschen ist inzwischen einer Millionär (in US$ ausgedrückt, Abb. 18525).

Das leichtsinnig massiv exportabhängige Deutschland wird diese neue Phase der Krise besonders zu spüren bekommen.

* * *

Joachim Jahnke, geboren 1939, promovierte in Rechts- und Staatswissenschaften mit Anschluss-Studium an französischer Verwaltungshochschule (ENA), Mitarbeit im Kabinett Vizepräsident EU-Kommission, Bundeswirtschaftsministerium zuletzt als Ministerialdirigent und Stellvertretender Leiter der Außenwirtschaftsabteilung. Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, zuletzt bis Ende 2002 als Mitglied des Vorstands und Stellvertretender Präsident. Seit 2005 Herausgeber des „Infoportals“ mit kritischen Analysen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung (globalisierungskritisch). Autor von 10 Büchern zu diesem Thema, davon zuletzt „Euro – Die unmöglich Währung“, „Ich sage nur China ..“ und „Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft“. Seine gesellschaftskritischen Analysen beruhen auf fundierter und langjähriger Insider-Erfahrung. Sein Buch über das Ende der sozialen Marktwirtschaft (275 Seiten mit 176 grafischen Darstellungen) kann unter der ISBN 9783735715401 überall im Buch- und Versandhandel für 15,50 Euro bestellt werden,
bei Amazon hier.


Mit freundlicher Genehmigung von
DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

» der Kommentar des Blogschreibers «
Vor lauter Selbstdarstellungssucht auf internationaler Bühne hat sie das eigene Volk total vergessen. Leider kann man auf das deutsche Volk nicht hoffen, dass das nach der nächsten Wahl abgestellt wird. Für mein Verständnis begann 2007 die Finanzkrise ganz gezielt und von US-Milliardären iniziiert, als Krieg Dollar gegen Euro. Merkel hat es die Jahre über verstanden, erst mit Ackermanns Hilfe, dann auf direkte Anweisung der Kanzlerinnenflüsterer aus USA, diesen Krieg bis heute am Köcheln zu halten.
Warum ermittelt keiner, wo die hunderte Milliarden Euro zur Banken-, Staaten- und sonstigen Rettungen geblieben sind.
Bedürftigen Menschen sind sie bestimmt nicht zugute gekommen, in Luft aufgelöst haben sie sich wohl auch nicht.
Sollten sie am Ende bei US-Grossbanken und damit bei den Milliardären gelandet sein, die damit auf weltweite Einkaufs- und Privatisierungstour gehen?


Kommentare

Dagmar sagt:
“Doch nun entpuppen sich viele dieser Hoffnungen als Strohfeuer und damit als falsche Signale, und das alles auf einmal.”
Welche Hoffnungen? Diese Hoffnungen hatten nur Merkel und Co, aber niemals der normale Bürger. Der als Stammtisch verschriehene Bürger hatte deutlich mehr Durchblick als die Elite.
Merkel, ich könnte dir stundenlang die Fr… polieren, denn ich arbeite im Gegensatz zu dir hart für meine 800 Euronen netto, die du und deine Kumpels dir mal eben als Diätenerhöhung monatlich genehmigt haben.
Und dank Energiewende und unbezahlbaren Mieten samt Nebenkosten, bleibt mir kaum noch etwas für Konsum. Wobei ich mich dem Konsum leider nicht entziehen kann, denn Lebensmittel brauche ich. Alles andere kaufe ich gebraucht, nicht mehr Märchensteuer als nötig!

Maus sagt:
Das haben Sie sehr gut beschrieben ! Das ist bei uns die Realität,genau so !

Boris sagt:
Machen Sie sich keine Sorgen. Es gibt auch gute Nachrichten.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/einwanderung-und-integration-fuer-wirtschaft-nutzen-a-997901.html
Das scheint wirklich eine gute Chence für Deutschland zu sein!

forelli sagt:
und dann sind da noch die europ. Target2-Salden.
Nur 3 Laender haben noch substantielle Forderungen an die EZB
D = 443 Mrd
Lux = 103 Mrd
Fin = 15 Mrd
Nl, Sl, Est = 3,5Mrd
Der Rest sind alles Schuldenkuenstler. Zusammen = 567 Mrd. mit Spanien an der Spitze
So kann eben eine gesunde Gemeinschaft und eine funktionierende Waehrungsunion nicht aussehen. An solchen Ungleichgewichten muss jede Gemeinschaft zerbrechen, insbesondere wenn sie keine Loesungen entwickelt.
Und die europ. Finanzpolitiker schauen einfach weg und schicken einen vom FED-Ansatz gepraegten und aus seinem Vorleben vorbelasteten Zentralbanker vor, der sich in seiner Politik autonom ueber die Grundsaetze und Rregeln der EZB-Gesetgebung hinwegsetzt.
Die rechtbrechende Schuldengemeinschaft aus europ. Finanz- und Geldpolitikern

Ekkehardt Fritz Beyer sagt:
Sind es wirklich nur Dr. Merkels „Illusionen“, oder treibt sie uns bewusst in die Krise?
Denn: Eigentlich hat die 2007 – vor schon 7 Jahren – ausgebrochene globale Krise nie aufgehört.
Warum?
Sicherlich liegt es nicht nur an Entscheidungen, die in Wirtschaftskreisen getroffen wurden! Sollte man nicht darüber nachdenken, ob der Westen etwa von Politikern regiert wird, die durch manipulierte Wahlergebnisse an die Macht kamen und deshalb nicht zum Wohl ihrer Völker regieren, sondern nur die eigenen Interessen und die ihrer besten Klienten durchsetzen?
Aus meiner Sicht liegt die anhaltende Krise allein an den führenden westl. Politikern, was ausmacht, dass selbst die BRICS die Welt nicht retten „können“ – noch nicht einmal Deutschland – geschweige denn die USA!

wasgehtsiedasan sagt:
Wer Deutschland in die Kriese treib, ist einzig und allein die eigene Regierung,die im Hintergrund von den USA diktiert wird,so einfach ist da zu erklären.

hayabusa sagt:
Der Kommunismus ist formal gescheitert und es ist eigentlich kein Geheimnis, dass der Kapitallismus in dieser Form faktisch auch gescheitert ist. Die o. g. Statistiken zeigen ein klares Bild.
Wir brauchen ein neues wirtschaftliches und finanzpolitisches Wertesystem, welches mehr auf die breite Schicht der Befölkerung zugeschnitten ist, als jetzt nur für rund 1%. Verstanden wird dies von den Verantwortlichen aber erst, wenn das Ganze in Tumulten und Aufständen eskaliert. Leider.

Leser sagt:
Ursächlich für die Probleme, auch wenn immer wieder vom Finanzkapital geleugnet, ist der Zinseszins. Das monetäre Boot treibt seit längerem zwischen Skylla und Carybdis und wird nun entgültig vom Mahlstrom verschlungen werden. Seit die USA Anfang der siebziger Jahre die, zumindest partielle, Golddeckung aufgehoben haben, war der Weg für eine ungehemmte Kreditexpansion frei. Ab diesem Zeitpunkt war der aktuelle Zyklus des monetären Systems in der Sterbephase. Alles was dann geschah, ist als Verängerung der Agonie anzusehen, in der sich der Patient seit 2008 ein allerletztes Mal aufgebäumt hat, um nun entgültig den Geist aufzugebe, Das Deutschland in der Eurofrage, als auch wirtschaftspolitisch einen völlig falschen Kurs eingeschlagen hat, kommt auf nationaler Ebene verschärfend hinzu.

Cleopatra sagt:
jetzt rächt sich das blinde hinter der Merkel hertrampeln, kommt von Trampel, ganz fürchterlich. Keiner hat gemeckert, alle lieben Mutti, egal was sie auch macht, selbst die Zerstörung der CDU fanden alle toll.
Man hat ja gesehen wie der Merz kaltgestellt wurde, also?


Dienstag, 31. Dezember 2013

Die perverse Angst der Deutschen

Thema: Euro Rettung

Draghi räumt erstmals schleichende Enteignung der deutschen Sparer ein

EZB-Chef Mario Draghi ist überzeugt, dass seine Rettungsmaßnahmen den Euro stabilisiert haben und ein Zerfall der Währungsunion dank seines entschiedenen Einschreitens endgültig gebannt sei. Erstmals räumt Draghi jedoch ein, dass die Deutschen durch die niedrigen Zinsen enteignet werden. Schuld daran sei jedoch nicht die EZB.


Die Euro-Retter Mario Draghi und Jeroen Dijsselbloem: Die Deutschen werden mit den niedrigen Zinsen der EZB enteignet, damit die Rechnung am Ende aufgeht. (Foto: dpa)
Für EZB-Präsident Mario Draghi ist die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Währungsunion weitgehend gebannt. Die Krise sei noch nicht überwunden, aber es gebe viele ermutigende Zeichen, sagte Draghi in einem Interview mit dem Spiegel.

Draghis Euphorie ist auffällig. Sie ist um eine Spur zu laut geraten: Wenn nämlich alles so gut ist, warum muss Draghi dann überhaupt noch vom Euro-Crash reden?

In der Europäischen Zentralbank gibt es offenbar einen knallharten Richtungsstreit, bei dem die Protagonisten nun zur offenen Wortschlacht übergegangen sind. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte der Bild nämlich das genaue Gegenteil: Der Euro sei in der „Reha“. Dort brauche es Ausdauer und einen starken Willen, andernfalls bestehe Rückfallgefahr. Die Ruhe an den Finanzmärkten könne sich als „trügerische Sicherheit“ erweisen. Weidmann: „Die Krise kann wieder auflodern. Jeder muss sich seiner Verantwortung für eine stabile Basis im eigenen Land und im gesamten Euro-Raum bewusst sein.“

Draghi zeigt sich dagegen ausgesprochen zufrieden mit der Lage in der Euro-Zone. Die Wirtschaft erhole sich in vielen Ländern, die Ungleichgewichte im europäischen Handel nähmen ab und die Haushaltsdefizite sänken, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank: „Das ist mehr, als vor einem Jahr zu erwarten war.“ Der erfolgversprechende Weg sei, die laufenden Staatsausgaben zurückzufahren und Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt einzuleiten. In Griechenland und Frankreich müsse dies noch geschehen.

Wie immer bei Draghi ist das maximal die halbe Wahrheit: Die Arbeitslosigkeit ist in Europa im Verlauf des Jahres weiter gestiegen und hat in einigen Ländern historische Höchsstände erreicht. Alle Euro-Staaten sind heute stärker verschuldet als vor einem Jahr.

Draghi führte die seiner Meinung nach gute Lage auf seinen umstrittenen Kurs zurück, die Banken mit zusätzlicher Liquidität auszustatten, der vor allem in Deutschland auf Widerstand gestoßen war: „Jedes Mal hieß es, um Gottes willen, dieser Italiener zerstört Deutschland. Es gab diese perverse Angst, dass sich die Dinge zum Schlechten entwickeln.“ Passiert sei aber das Gegenteil. „Die Inflation ist niedrig, und die Unsicherheit hat sich verringert.“

Das ist Chuzpe: Die Inflation ist niedrig, weil die Banken die Gratis-Gelder der EZB nicht an die Unternehmen weiterreicht. Wie panisch die europäischen Regierungschefs immer noch sind, zeigte der jüngste EU-Gipfel, bei dem Angela Merkel vor dem Untergang von Euro-Land warnte und die Lage sogar mit dem Endstadium der UdSSR und der DDR verglich (mehr dazu hier).

Den Vorwurf, die Niedrigzins-Politik gehe zu Lasten der europäischen Sparer, beantwortet Draghi mit einem überraschenden Geständnis: Dass die Rendite entsprechender Anlagen teilweise nicht einmal die Inflation ausgleiche, sei nicht die Schuld der EZB. „Insbesondere in den vergangenen Jahren konnten wir die langfristigen Zinsen gar nicht kontrollieren, weil die Investoren wegen der Euro-Krise hochgradig verunsichert waren“, verteidigte er sich. Stattdessen würden die langfristigen Kapitalrenditen auf den globalen Finanzmärkten bestimmt.

Das ist eine Schutzbehauptung: Die Zinsen für die Eurozone bestimmen Signore Draghi und die Südfraktion in der EZB, unter aktiver Duldung der machtlosen Deutschen.

Doch es ist klar, warum Draghi das sagt.

Denn erstmals räumt der EZB-Chef mit dieser Aussage ein, dass die Deutschen durch seine Zinspolitik einer schleichenden Enteignung unterworfen sind. Der ehemalige Goldman-Banker weiß, dass er in diesem Punkt auf sehr dünnem Eis tanzt – weil die Stimmung in den nordeuropäischen Staaten bereits am Kippen ist. Daher schiebt Draghi die Schuld auch weit von sich – und macht die anonymen „globalen Finanzmärkte“ für das Desaster verantwortlich.

Weil er um die Brisanz des Themas in Deutschland weiß, versucht Draghi sein deutsches Publikum zu beruhigen und versichert, dass „im Moment“ keine Zinserhöhung geplant sei: „Im Moment sehen wir keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.“ Derzeit könne auch von einer Deflation keine Rede sein: „Wir haben keine japanischen Verhältnisse.“

Da hat Draghi allerdings recht: Wir haben europäische Verhältnisse.

Und die sind deutlich gefährlicher als die japanischen, weil im Bond-Markt nicht die Bürger Europas die Staatsanleihen halten, sondern die Pleite-Regierungen, die, um an der Macht zu bleiben, keinen schmutzigen Trick auslassen werden.

Die nun erstmals offiziell eingeräumte Enteignung der deutschen Sparer ist nur ein erster Schritt.

Es werden weiter folgen.

Am Ende wird keine perverse Angst mehr herrschen.

Sondern die blanke Wut.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare

» der Kommentar des Blogschreibers «


Banken in die Schranken! sagt:
Stellen Sie sich einmal vor, es gäbe eine Vermögenssteuer. Diese Vermögenssteuer sei gestaffelt nach Vermögen, und zwar so, dass jemand, der zwei Millionen Euro hat, mehr Einnahmen aus dieser Steuer bekommt, als jemand, der nur eine Million Euro hat. Auf der anderen Seite muss jemand, der kein Vermögen hat, jedes Jahr 10.000 Euro Vermögenssteuer bezahlen.
Verrückt? Nein, so funktioniert das derzeitige System.
http://www.banken-in-die-schranken.org/geld-und-geldsystem/umverteilung-durch-zinsen

franz sagt:
Ich möchte keinen Goldmann Sachs Banker in der EZB.
Aber er ist da. Sicher kein Zufall.
Ich möchte, dass Deutschland entsprechend seiner Bevölkerungsstärke in der EZB repräsentiert ist, aber das ist nicht der Fall. Sicher kein Zufall.
Ich möchte, dass Deutsche Exporte abgesichert werden, wie früher, aber das ist nicht der Fall. Sicher auch kein Zufall.
Ich möchte keine FED-Politik, aber das ist leider der Fall. Das ist sicher auch kein Zufall.

Ich möchte nicht, dass unsere Renten baden gehen durch die EZB-Politik, aber das ist leider der Fall, wenn es bleibt wie es ist (und das bei der Demographie). Deutschland sitzt in vielerlei Gründen in der Falle: Euro zu niedrig, Einkommen reicht nicht um Familie zu ernähren, wir exportieren und zahlen den Export selbst, wir haben eine Währung, die uns schleichend enteignet, für die Südländer ist der Euro zu stark und sie verschulden sich immer weiter und Deutschland haftet bis Alle in der Schuldenfalle sitzen; das ist gewollt, denn dann können wir uns nicht mehr wehren.

Das Einzige was ich Herrn Draghi zugute halte: was soll er machen, solange der Euro so bleibt wie er ist (bis zum bitteren Ende).

Die Aussage mit den Schulden stimmt nach meiner Kenntnis nicht, die Schulden in der Eurozone steigen um sage und schreibe 100 Mio EUR/Stunde!
NA WENN DAS KEIN COUNT DOWN IST.

Adlerauge sagt:
“Enteignung der Deutschen”?
Das ist doch schon lange bekannt:
http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/niedrigzinsen-nicht-der-staat-geht-pleite-sondern-seine-buerger/9150174.html

Adlerauge sagt:
…gehört auch noch dazu (must see!):
http://www.youtube.com/watch?v=QgDjpQbG6_A&feature=c4-overview&list=UUOBeUW5srwoc_bS5CYcWMIQ

Silvia79 sagt:
Dies sagen die beiden Ökonomen (Propheten) schon sehr lange – sehr lesenswert:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/12/21/raubzug-autoren-der-crash-wird-durch-eine-kettenreaktion-kommen/

http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/niedrigzinsen-nicht-der-staat-geht-pleite-sondern-seine-buerger/9150174.html

http://www.youtube.com/watch?v=QgDjpQbG6_A&feature=c4-overview&list=UUOBeUW5srwoc_bS5CYcWMIQ

Der Eurodreck muss weg sagt:
Draghi hat sein Ziel doch erreicht. Die Enteignung der Deutschen klappt prima.
Und die Deutschen wehren sich nicht einmal gegen Ihren Untergang.



Samstag, 26. Oktober 2013

ZDF erzählt Märchen über einen „Boom“ in Spanien

Thema: die Lügen der Öffentlich-Rechtlichen
 
Das ZDF berichtet: In Spanien boomt die Wirtschaft. Die Tatsachen belegen das Gegenteil. Doch offenbar sollen die Nachrichten, die als Pausenfüller für die sündhaft teure Champions League gepresst werden, den Deutschen nicht die Laune verderben. Das System hat den Begriff der Grundversorgung in sein Gegenteil verkehrt.


In Spanien wird alles gut, behauptet das ZDF. Die Wirklichkeit hat mit dem, was der GEZ-Sender meldet, nichts zu tun. (Screenshot: ZDF)
Wer am Mittwoch das ZDF-Heute Journal (hier in der Mediathek, ab 7:40) gesehen hat, konnte staunen: In einer Meldung über Spaniens Wirtschaft wurde freudig verkündet, dass die spanische Wirtschaft boomt. Exporte und Tourismus boomen. Das Land komme mit einem Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent aus der Rezession und wachse damit, wenn auch nur ganz leicht.

Das ist pure Propaganda.

Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache.

Eine ganz andere Sprache.

Im dritten Quartal gibt es zwar insgesamt mehr Jobs. Doch es sind vor allem schlecht bezahlte Teilzeit-Jobs. Die Zahl der Vollzeit-Stellen ist erneut massiv eingebrochen.

Insgesamt hatten im dritten Quartal 16,8 Millionen Spanier einen Job, berichtet die spanische Statistikbehörde INE. Das sind circa eine halbe Million weniger Arbeitslose als noch ein Jahr zuvor.

Die Arbeitslosenquote ist auf 26 Prozent gefallen.

Zwar ist die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum zweiten Quartal um 40.000 gestiegen. Doch dieser Anstieg bei der Beschäftigung betrifft vor allem die befristeten Verträge (+170.000). Die Zahl der Festanstellungen fiel in nur einem Quartal um 150.000. Heute gibt es nur noch 10,4 Millionen unbefristete Jobs. Das sind 400.000 weniger als noch vor einem Jahr.

Besonders dramatisch ist der Rückgang bei den Vollzeit-Stellen. Im dritten Quartal arbeiteten nur 14,2 Millionen Spanier in Vollzeit. Das sind 200.000 weniger als im zweiten Quartal. Im dritten Quartal 2012, also nur ein Jahr zuvor hatten noch 14,8 Millionen Spanier einen Vollzeit-Job.

Der Rückgang der Vollzeit-Jobs um 600.000 in nur einem Jahr zeigt die tatsächliche Entwicklung auf dem spanischen Arbeitsmarkt deutlicher als die offiziellen Zahlen, welche die vollen und halben Stellen gleichbehandeln. Dieselbe statistische Verzerrung findet sich auch in den Arbeitslosen-Zahlen der US-Behörden.

Die Zahl der Vollzeit-Jobs ist innerhalb nur eines Jahres um 600.000 eingebrochen. Dies wird in den offiziellen Zahlen verschleiert. (Grafik: DWN, Daten: INE)

Unter dieser Entwicklung leiden vor allem die jungen Leute. Die Zahl der arbeitslosen Spanier im Alter von 16 bis 24 Jahren ist im dritten Quartal auf 943.000 gestiegen. Das ist ein Anstieg um 9.800 in nur einem Quartal.

Während der spanische Arbeitsmarkt sich weiter verschlechtert, steigen die Schulden des Staates. Im kommenden Jahr dürfte der Schuldenberg die eine Billion-Euro-Marke erreichen (mehr hier). Zwar explodiert der spanische Aktienmarkt. Doch die Wirtschaft des Landes hat sich nie vom Platzen der Immobilienblase im Jahr 2007 erholt.

Man fragt sich, warum die Öffentlich-Rechtlichen Sender einen Zwangsbeitrag von 8 Milliarden Euro jährlich einstreifen, wenn sie all diese Fakten in einer einzigen kurzen Meldung ignorieren können.

Die Antwort ist einfach: Das Heute-Journal war an diesem Abend nur in Kurzform zu sehen – als Pausenfüller in der Halbzeitpause des Fußballspiels Bayern München gegen Pilsen.
ZDF und ARD haben für viel, viel Geld die Rechte an der Champions League gekauft, weil Fußball nach Ansicht des Staatsfernsehen zur Grundversorgung zählt.

Dorthin geht das Geld.

Die klassischen Redaktionen müssen sparen.

Information zählt nicht zur Grundversorgung in diesem System.

Sie ist Teil der Unterhaltung.

Und da ist kein Raum für schlechte Nachrichten.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare



Hicki sagt:
Ich lebe in Spanien. Spanien ist in einer hoffnungslosen und katastrophalen ökonomischen Situation, insbesondere die Jugend!! Die brutalen Lügen, die insbesondere Herr Schäuble über den guten Weg Spaniens verbreitet sind unfassbar, wie auch die deutsche Presse immer von der “drittgrössten” Volkswirtschaft in Europa spricht. Völliger Unsinn. Spanien ist ein Agrarland und in seinem Immobiliensumpf unrettbar versackt. Die Gelder, die die spanischen Banken “verdienen” stehlen sie der südamerikanischen Bevölkerung mit dortigen “Kreditgeschäften”. Die Oberschicht und die Bankerfamilien haben sich am Euro und den Subventionen für Spanien durch die EU mehr als gesund gestossen. Der normale Spanier ist wegen Schäuble, Merkel und der Politoligarchie in Spanen am ausbluten!!!

Gerhard Koppermann sagt:
Es wird alles so wie in Deutschland,nach der Ära Schröder.Wenn jetzt Schwarz/rot kommt,geht es noch einen Schritt weiter nach unten.
Spanien muss von Deutschland lernen und wir haben von den Amerikanern gelernt. Hier werden den Menschen unglaubliche Dinge aufgetischt,nur um sein eigenes Schärflein ins Trockene zu bringen.

Mona Lisa sagt:
Lügen-TV tue ich mir schon seit 2 Jahren nicht mehr an. Und die jungen Spanier mit Rucksack kann man in den deutschen Bahnen nicht übersehen. So schwappt das spanische “Wachstum” zu uns rüber. Die steuern die spanischen Restaurants der Großstädte an, kassieren Sozialknete und jobben für 3 oder 4 Euro pro Stunde (mit etwas Glück). Denen kann man das nicht übel nehmen. Aber im großen Ganzen verantwortungslose Politik unserer “EU-Eliten”. Wir sind der rettende Hafen mit unseren schwachen Kräften. Es kommen nicht nur Spanier, auch Peruaner, es kommt der arabische Frühling komplett, es kommen Leute aus Asien. Man kann nur staunen über soviel “Wachstum”. Wer hätte das gedacht.

bauagent sagt:
Ein Trauerspiel:

Die Banco Espana schätzt das Wirtschaftswachstum des 3.Quartals auf sage und schreibe 0,1 %, was praktisch nicht schätzbar und somit erst noch bestätigt werden muss. Darin enthalten ist ein Anstieg der PKW Produktion von über 18 %, weil die europäischen Produzenten das Lohndumping nutzen und die Produktion von anderen Standorten nach Spanien verlagern.

Etwa 100.000 Arbeitswillige sind mittlerweile aus der Statistik herausgefallen, weil sie keine ” Stütze ” mehr bekommen und die gemeldete Suche eingestellt haben.

Die Schuldenquote zum BIP dürfte Ende des Jahres die 100 % Schwelle überschreiten und das Defizit ist das höchste in der EU mit über 10 %, höher als Griechenland oder Portugal.

Neben der Bankenrettung müssen jetzt die privaten Autobahnbetreiber gerettet werden. Hierzu soll eine ” national Autiobahngesellschaft ” gegründet werden und hierfür 4 Milliarden Euro rekrutiert werden. Woher?

Die Zementindustrie ist um 92 % eingebrochen und faktisch pleite. Die Immobilien sind im Gegensatz zu den Mainstreamveröffentlichungen weiter im freien Fall.

Die Banken halten sich nur im Bilanztricks wie fehlende Abschreibungen über Wasser. Hier sind mindestens 300 Mrd. im Feuer.

Dabei hatte Spanien in dieser Tourismus – Saison noch Glück, weil besonders viele Urlauber sich aus Sicherheitsgründen aus der Türkei, Tunesien und Ägypten nach Spanien zurückzogen. Nach Saisonende werden wir einige 100.000 Jobber wieder in der Statistik finden.

Fazit: Spanien ist chancenlos wie Griechenland und Portugal und mittelfristig Italien. Es wird Zeit, dass diese Länder die Reissleine ziehen und den Euro verlassen. Sollen sie die Bundesbank auf ihren Target Forderungen sitzen lassen. Schließlich muss auch der Kreditgeber auf die Solvenz des Kreditnehmers achten.



Montag, 27. Mai 2013

Zugriff auf deutsche Sparer: Vorbereitungen laufen mit Hochdruck

Schuldenkrise

Die Euro-Zone kann ihre Schulden nicht mehr durch Wachstum abbauen. Daher wird es nach der Bundestags-Wahl zu einer Umschuldung kommen, die in einer Transfer-Union mündet. Eine umfassende Neuordnung der Euro-Zone hat begonnen. Wichtigstes Element der verschiedenen Maßnahmen: Der Zugriff auf den deutschen Sparer muss sichergestellt werden.


Deutschland wird in der Euro-Zone hofiert (hier Angela Merkel mit dem Belgier Elio di Rupo): Kein Wunder – man braucht gute Stimmung beim größten Gläubiger, um den Schulden-Transfer durchzusetzen (Foto: consilium)
Umschuldungen in den Krisenstaaten, Bankenunion, Eurobonds, Umverteilungs- und Transferunion, Finanzspritzen für Zombiebanken: Das sind die Eckpfeiler der neuen europäischen Wirtschafts-Ordnung, an der derzeit hinter den Kulissen hektisch gearbeitet wird.

Für Deutschland wird diese Neuordnung gravierende Folgen haben.

Willem Buiter, Chefökonom der Citigroup, schreibt in der FT, die Eurozone befinde sich in einer Bilanzrezession, die durch die Zombie-Banken verursacht sei.
Anders als in früheren volkswirtschaftlichen Episoden gelänge ein Schuldenabbau jedoch nicht durch Wachstum, sondern wirtschaftliches  

Wachstum könne in der Eurozone nur dann generiert werden, nachdem die Entschuldung abgeschlossen sei.
Nach Meinung Willem Buiters blieben die bisherigen Interventionen der EZB wirkungslos. Daher listet er eine Reihe von Maßnahmen auf: Für den Schuldenabbau in der Peripherie seien Schuldenrestrukturierung (Schuldenschnitte), Einführung von Eurobonds sowie eine Bankenrekapitalsierung (Bankenunion) notwendig. Anderenfalls drohe die Eurozone zu implodieren.

Mit anderen Worten:
Ohne eine massive Umschuldung zerbricht die Euro-Zone.
Das wirft ein Schlaglicht auf die Frage, wie die Entschuldung der Euro-Krisenstaaten ablaufen soll, wer die Nutznießer sein werden, wer die Kosten hierfür trägt und welche Instrumente hierfür in Brüssel, Berlin und Paris bereits in den Schubladen liegen.

Bankenunion


Die Pläne für eine Bankenunion liegen seit langem auf dem Tisch, dennoch soll sie nun im Schnellverfahren realisiert werden (hier). Bereits beim bevorstehenden Juni-Gipfel der EU sollen die Pflöcke dafür eingeschlagen werden. Offenbar ist höchste Eile geboten.

Allein Spaniens Zombie-Banken drohen die gesamte Eurozone in den Abgrund zu reißen. Spanische Banken sitzen auf faulen Krediten im Wert von 200 Milliarden Euro (hier).

Bekanntlich betragen die Bankschulden im Euro-Raum in etwa das dreifache sämtlicher Staatsschulden der Euroländer. Welchen Risiken die Bürger mit ihren Spareinlagen bei einer Bankenunion ausgesetzt sind, vermag niemand auch nur annähernd zu benennen. Bei diesem Thema hütet sich die Politik (Regierungskoalition wie auch die verlängerte Regierungsbank namens Opposition) davor, dem Bürger reinen Wein einzuschenken. Auch im Wahlkampf darf dieses Thema keine Rolle spielen.

Denn das wichtigste Element der Bankenunion ist eine gemeinsame europäische Einlagensicherung: Die deutschen Sparer müssen für die Pleite-Banken in Europa haften.

Das ist beim besten Willen kein geeignetes Wahlkampf-Thema.

Schuldenschnitte


Seit langem ist klar, dass Griechenland einen zweiten Schuldenschnitt bekommen wird. Die Regierung in Athen rechnet für 2014 mit einem Schuldenstand von 191,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch ist sich die griechische Regierung gewiss, nach der Bundestagswahl das Thema auf die Agenda setzen zu können. Beim ersten Schuldenschnitt mussten bereits die privaten Anleger (Banken, Versicherer und Pensionsfonds) bluten. Den zweiten Schuldenschnitt wird der Steuerzahler begleichen müssen.Selbstverständlich wird auch dieses Thema kein Gegenstand der Wahlkampf-Auseinandersetzung in Deutschland sein.
In den anderen Peripherie-Ländern sehen die Zahlen ebenfalls miserabel aus. Der ermittelte voraussichtliche Schuldenstand für das Jahr 2014 beträgt in Italien 132 Prozent, in Portugal 124 und in Zypern ebenfalls 124 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts. In Spanien beträgt der Schuldenstand derzeit 87,8%. Ende 2013 dürfte die 100 Prozent-Marke erreicht werden.
Sollte also die Schuldentragfähigkeit der Länder erhalten bleiben (debt sustainability), werden Schuldenschnitte auch für die genannten Länder alsbald Realität.

Eurobonds


Noch Ende Juni 2012 während einer Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion schloss Angela Merkel Eurobonds kategorisch aus. Nach der Bundestagswahl könnte sich Merkels Position ändern. Eine weitreichende, gemeinsame Schuldenhaftung gibt es bereits in Form des ESM, EFSF und EFSM. Selbst die angestrebte Bankenunion entspricht bereits indirekt den Eurobonds.

Fiskalunion


Die Fiskalunion ist nicht identisch mit dem Fiskalpakt. Letzterer soll die Euroländer zu strikten Sparmaßnahmen anhalten. Finanzminister Schäuble versprach in einer Bundestagsrede im letzten Jahr, dass sogar Frankreich die Bedingungen des Fiskalpakts in die Verfassung scheiben werde. Letztlich wurde daraus nur ein einfaches Gesetz, das die französische Nationalversammlung verabschiedete.
Unter der Fiskalunion wird jeweils unterschiedliches verstanden, je nach Beliebigkeit und Wunschdenken. Darunter beispielsweise die Einführung von Eurobonds oder eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung in der EU bzw. in den Euroländern. Dieses Vorhaben stand bereits auf der Tagesordnung während eines Meetings zwischen dem französischen und dem deutschen Finanzminister im Februar dieses Jahres. Es würde den Steuerzahler jährlich etwa 40 Milliarden Euro kosten.

Grundsätzlich bedeutet eine Fiskalunion jedoch eine Transfer-Union, ähnlich wie dem Länderfinanzausgleich zwischen den Bundesländern in Deutschland. Auch ein gemeinsamer europäischen Schuldentilgungsfonds wird seit einiger Zeit gefordert, insbesondere in Deutschland von den Grünen und der SPD.
Tobias Schmidt, Chef der EuroRating Services zieht in der WirtschaftsWoche das Fazit: “Wir kommen nicht umhin, eine Fiskalunion zu entwickeln. Das schließt Transfers ein.”
Obwohl die Fiskalunion derzeit offenbar nur in politischen Hinterzimmern diskutiert wird – und der Öffentlichkeit weitgehend verschwiegen – nach der Bundestagswahl kommen Bankenunion und Fiskalunion auf die politische Agenda, mitsamt der Rechnung, die das politische Projekt Euro dann noch kosten wird.


Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

Wie viele werden jetzt fluchen, sich nicht früher mit dem ESM beschäftigt zu haben. Jetzt ist es zu spät.

Kommentar

Das Wort zum Montag sagt:
Es wird buchstäblich jeden Tag schlimmer mit dem Versager-Euro. Jetzt verlangt der Chef der OECD, dass die EZB sämtliche Bremsen löst, alle Ventile öffnet und massenhaft Geld erzeugt (was sie ja sowieso schon tut). Aber jetzt soll Geld, Geld, Geld gedruckt, gedruckt, gedruckt werden! Unaufhörlich fließen dann die (virtuellen) Scheinchen in die marode EU… Und der Wert des Euro wird – nach seinem gegenwärtigen verzweifeltem Aufbäumen – durch die Geldschwemme platt gemacht werden. Zinsen? Nullkommanix.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/euro-krise-oecd-chef-ruft-ezb-zu-laxerer-geldpolitik-auf/8256580.html
Außerdem (hihihi!) planten Merkel & Schäuble heimlich schon wieder ein neues Rettungsschirmchen, natürlich mit gutem deutschem Steuergeld. Jetzt fühlt sich die deutsche Regierung plötzlich zuständig für die Mittelständler in anderen Ländern. Die lahmen Firmen sollen aus Deutschland Steuergeld kriegen, damit ihre Geschäfte besser laufen. Die eigenen Regierungen sind leider pleite und können ihren Mittelständlern nichts mehr geben. Das liegt natürlich am Euro. Aber der muss auf Teufel komm raus gerettet werden! Die deutschen Steuergelder müssen dagegen nicht gerettet werden. Wir haben’s ja, gelle – oder doch nicht?

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/medienbericht-bundesregierung-plant-hilfsprogramm-fuer-krisenlaender/8256724.html

Dienstag, 9. April 2013

Die Euro-Krise ist voll in Gang - das sind die nächsten Opfer

Das sind die nächsten Opfer der Euro-Krise schreibt t-online am
07.04.2013, 16:08 Uhr | t-online.de - sia, dpa-AFX

Griechenland, Portugal, Irland, Zypern und Spanien sind bereits unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft - schon bald aber bitten womöglich die nächsten Euro-Staaten bei der Währungsgemeinschaft um Hilfe. Ein Experte hat vier Länder ausgemacht, die in die Krise schlittern könnten - darunter auch eine Deutschland nahe stehende Nation.
Für die "Welt" hat Thomas Mayer, Ex-Chefökonom der Deutschen Bank, die Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion unter die Lupe genommen und ihre Krisenanfälligkeit analysiert. In Mayers Bewertung flossen dabei die außenwirtschaftliche Leistungsbilanz der Länder, ihr Budgetsaldo, die jeweilige Staatsverschuldung sowie die Größe des Finanzsektors ein.

Belgien und Malta wanken
Dass Italien zu den Krisenkandidaten zähle, überrasche wenig - schließlich stehe es unter erheblichem Druck der Märkte, erklärt Mayer in seinem Bericht. Aber auch Belgien und Malta wanken seiner Ansicht nach: Belgien sei durch einen hohen Schuldenstand und sein anhaltendes Haushaltsdefizit belastet.
In Malta liegt die Arbeitslosigkeit zwar lediglich bei sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent gedrückt werden - und damit sogar unter das Drei-Prozent-Limit der EU. Doch der kleine Inselstaat im
Mittelmeer leide unter einem andauernden Haushaltsminus sowie einem aufgeblähten Finanzsektor, betont Mayer.

Frankreich trödelt bei Reformen
In Mayers Liste der gefährdeten Euro-Länder steht aber auch Frankreich ganz oben. Die Grande Nation schneide bei allen Indikatoren für Krisenanfälligkeit schlecht ab. Der Grund für das Desaster: Das Land habe kaum wirtschaftliche und finanzielle Reformen umgesetzt, bemängelt der Ökonom.
Wie das französische Finanzministerium Ende März meldete, lag das Defizit des Landes im Jahr 2012 bei 4,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Und der Gesamtschuldenstand Frankreichs erreichte den Rekordwert von 90,2 Prozent des BIP, rund 1,834 Billionen Euro.

Konjunkturprognose gesenkt
Und eine Verbesserung scheint nicht in Sicht: Finanzminister Pierre Moscovici hat jetzt auch die Konjunkturprognose für dieses und das kommende Jahr deutlich gesenkt. Demnach wird es 2013 nur ein Miniwachstum von 0,1 Prozent geben, für das Jahr 2014 werden 1,2 Prozent erwartet. Ursprünglich war ein Wachstum von 0,8 Prozent für dieses und 2,0 Prozent für das nächste Jahr angepeilt worden.

Grande Nation profitiert von Deutschland
Seine Bewertung der Situation Frankreichs decke sich allerdings nicht mit der Einschätzung des Finanzmarktes, betont Mayer. Frankreich profitiere am Markt von seiner politischen Nähe zu Deutschland. Doch gerade das habe keine positiven Auswirkungen für den Staat: Der Druck, Reformen in Angriff zu nehmen, fehle.

Experte sieht "erheblichen Nachholbedarf"
Um nicht endgültig ins Trudeln zu geraten, sollten Italien und Belgien Mayer zufolge vor allem ihre Staatsverschuldung senken - und ihre Haushalte sanieren. Darüber hinaus müsse Malta seinen Bankensektor schrumpfen. Frankreich habe "erheblichen Nachholbedarf in beinahe allen Bereichen" - außer der Größe seines Finanzsektors.
Und auch Mayers Prognose klingt nicht übermäßig optimistisch: Alle Länder unter dem Rettungsschirm hätten "noch eine gute Wegstrecke vor sich", bevor sie wieder das Vertrauen der Märkte genießen könnten.
Quelle: t-online.de - sia, dpa-AFX