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Mittwoch, 17. Juli 2013

Zwangsabgabe: Ab 1. August steigt das Risiko für Bank-Kunden erheblich

Banken-Krise
EU schreibt Zugriff auf Sparer vor

Vielen Banken in Europa spekulieren auf Teufel komm raus mit dem Geld der Sparer und weigern sich, die Risiken offenzulegen. Alle hoffen unverändert auf die Rettung durch den Steuerzahler. Doch die EU hat nun still und leise ein Gesetz beschlossen, demnach ab 1. August die Bank-Kunden als erste enteignet werden müssen, wenn eine Bank in die Krise gerät.

José Manuel Barroso, Martin Schulz, Herman Van Rompuy und ein unbekanntner EU-Mitarbeiter beim Studium ihrer Konto-Auszüge im EU-Privat-Jet. Sie prüfen, ob am Montag noch alles drauf ist, was am Freitag auf dem Konto gewesen ist. (Foto: consilium)
Allein im Euroraum gibt es 6.400 Banken. Viele davon sind Großbanken, die durch das Prädikat „too big to fail“ vom Steuerzahler geschützt werden. Durch immer mehr Zusammenschlüsse und gegenseitige Aufkäufe wuchsen die sogenannten „systemrelevanten“ Banken zu immer größeren, unüberschaubaren Konglomeraten. Stets im Bewusstsein, dass bei möglichen Schieflagen der Staat oder der Steuerzahler einspringen würde.

Die gesamten Verbindlichkeiten der Banken der Eurozone betragen 250 Prozent des BIP der Eurozone.

250 Prozent all dessen, was die Euro-Bürger in einem Jahr schaffen, ist von den Banken bereits verwettet.

Das sind unerfreuliche Zahlen.

Daher hat die EU-Kommission nun in aller Stille eine Verordnung erlassen, die für die Steuerzahler einen gewissen Schutz bieten sollen – die aber in voller Härte den Bank-Kunden treffen können.
Diese Verordnung ist deshalb von Bedeutung, weil für Inkrafttreten nicht mehr die Zustimmung der nationalen Parlamente erforderlich ist, in denen die Banken über Lobbying die Regelung noch weiter verwässern könnten.

Es handelt sich um eine Vorschrift, die am 1. August 2013 in Kraft tritt.
Mit diesem Tage sollten sich Bank-Kunden genau überlegen, welcher Bank sie ihr Geld anvertrauen.
Die EU-Kommission verlangt zu diesem Zeitpunkt:
    „Banken mit einer ausgewiesenen Kapitallücke müssen dafür sorgen, dass Anteilseigner wie auch Inhaber nachrangiger Schuldtitel einen angemessenen Beitrag zur Deckung des Kapitalbedarfs leisten, bevor sie staatliche Rekapitalisierungen oder Maßnahmen zum Schutz ihrer wertgeminderten Vermögenswerte in Anspruch nehmen können. Auf diese Weise werden gleiche Wettbewerbsbedingungen für ähnliche Banken mit Sitz in verschiedenen Mitgliedstaaten geschaffen und der Fragmentierung des Finanzmarkts vorgebeugt. Ausnahmen sind möglich, wenn die Finanzstabilität auf dem Spiel steht oder wenn eine Bank bereits einen großen Teil des Kapitalbedarfs selbst aufgebracht hat und der Restbetrag, der mit staatlichen Mitteln gedeckt werden soll, im Vergleich zu der Bilanzsumme der betreffenden Bank gering ist.“
Das bedeutet: Banken müssen künftig zuerst ihre Kunden und Aktionäre zur Kasse bitten, bevor sie den Staat in Anspruch nehmen können. Die Inhaber „nachrangiger Schuldtitel“ sind im Grunde alle Bank-Kunden, weil ihre Guthaben bei den Banken Klein-Kredite sind, für die die Kunden von der Bank nichts anderes erhalten als das Recht, für Dienstleistungen der Bank saftige Gebühren zu bezahlen.

Ob die Einlagensicherung für Einlagen unter 100.000 Euro etwas wert ist, kann niemand sagen.
Vorrangige Gläubiger sind in der Regel offizielle Institutionen wie die KfW oder die EZB, die sich ihre Kredite von den Banken in der Regel besichern lassen.

Die EU-Regel ist natürlich schwammig. Es ist keine strenge Vorschrift zur Beteiligung, sondern eher die Einführung eines Procedere.

Und dieses entspricht der Zwangs-Angabe in Zypern: Die Bank-Kunden müssen beteiligt werden. Die EU zieht damit vor allem die Lehren aus dem fortgesetzten Griechenland-Desaster und dem für die Bevölkerung besonders verheerenden Irland-Desaster.

Konkret bedeutet die Regel: Wenn eine Bank in Schieflage gerät, muss sie die Guthaben ihrer 
Kunden als Pflicht-Element in den Topf werfen, um einen Deal mit der Bankenaufsicht, der nationalen Regierung und der EU zu erreichen.

Die ab 1. August gesetzlich zwingend vorgeschriebene Beteiligung der Bank-Kunden war notwendig geworden, weil die Banken in den vergangenen Jahren nichts unternommen haben, um ihre Risiken abzubauen.

Tatsächlich haben sich nämlich viele Institute durch Verluste im risikoreichen Investmentbanking selbst in Krisen gestürzt. Und die Staaten haben bereits Milliardenbeträge in die Rettung von Zombiebanken investiert. Eine Zombiebank wird definiert als ein Institut, das eigentlich insolvent ist, jedoch weiterhin Bankgeschäfte ausübt.

Im Jahr 2008, als die sogenannte Finanzkrise hochkochte, gingen der damalige Finanzminister Steinbrück und Kanzlerin Merkel vor die Mikrophone und sicherten der Bevölkerung zu, alle Einlagen in den deutschen Banken seien sicher. Hätte es dennoch einen „Bank-Run“ gegeben, hätten Merkel und Steinbrück ihre Zusage natürlich nicht einhalten können (hier).

In Deutschland wurde im November 2008 ein Bankenrettungsfonds (SoFFin) gegründet, ausgestattet mit 500 Milliarden Euro. Fünf deutsche Banken wurden aufgefangen: Die Commerzbank, die DZ Bank und die Landesbanken NordLB, Helaba und WestLB.

Indessen wurde der Bankenrettungsfonds SoFFin bis Ende 2014 verlängert, um damit „einen nahtlosen Übergang zu einem Rettungsfonds auf europäischer Ebene ermöglichen“, wie es damals noch etwas unbestimmt hieß.

Auf europäischer Ebene, insbesondere in der Peripherie, gibt es nach wie vor die Möglichkeit eines Bank-Runs. Deshalb laufen nun die verschiedenen Maßnahmen auf EU-Ebene an, um eine Bankenunion zu gründen, wobei insbesondere der Abwicklungsmechanismus SRM („Single Resolution Mechanism”) hoch umstritten ist.

Ebenfalls geplant ist ein gemeinsamer Einlagensicherungsfonds, der jedoch wegen der bevorstehenden Bundestagswahl aufgeschoben ist (hier).

Tatsache ist: Nach wie vor ist der Bankensektor im Euroraum zu groß und risikoreich, die Banken verfügen über zu wenig Eigenkapital und berechnen dazu noch ihre Eigenkapitalquote häufig falsch (Details hier).

Die Gesamtverbindlichkeiten der Banken in der Eurozone betragen 250 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Faule Kredite werden verlängert, anstatt sie abzuschreiben. Verbindlichkeiten sind höher als vermeintliche Assets (Vermögenswerte).

Doch die Forderungen, die konkreten Zahlen der Altlasten der Banken offenzulegen, sind halbherzig und verhallen immer wieder schnell.

Aus gutem Grund: Wären die Fakten bekannt, käme es womöglich zu einem Bank-Run, bevor der gemeinsame Einlagensicherungsfonds steht. Es drohte ein Crash, der befürchtete Domino-Effekt wäre die Folge.

In Spanien sind die harten Realitäten der Banken längst offenbar. Überschuldungen durch Ausfälle von nicht rückzahlbaren privaten und öffentlichen Krediten. Die Immobilienblase machte aus Banken alsbald marode Banken. Ein Großteil der Hypothekendarlehen wird daher in den Bilanzen über die EZB finanziert. Doch „auf die billige (Re-) Finanzierung der Zentralbank angewiesen zu sein, ist kein tragfähiges Geschäftsmodell“, schreibt Daniel Gros auf dem Blog des „Project-Syndicate“.

Auch in Italien, Portugal und Griechenland sind die Anteile der „faulen Kredite“ in den Bankbilanzen angestiegen. Griechenlands Banken halten sich nur noch mit Notkrediten der EZB über Wasser. Sie betrugen Ende Juni 61,14 Milliarden Euro.

Italien hatte Ende April 133 Milliarden Euro faule Kredite in den Büchern, Spanien etwa 200 Milliarden Euro.

Zwar soll Anfang 2014 eine Bankenaufsicht etabliert werden, die die tatsächlich vorhandenen Assets der Banken im Euroraum überprüfen soll. Ob diese Aufsicht auch die Überlebensfähigkeit der einzelnen Institute einschätzen kann, bleibt fraglich. Zudem werden sich die Banken gegen zu strikte Auflagen zur Wehr setzen. Und welche nationale Behörde (die mit am Verhandlungstisch sitzen wird) kann eingestehen, dass eine ihrer systemrelevanten Bank an kein zukunftsfähiges Modell besitzt? Und wie viele Banken wird man – je nach nationalem Interesse – als „systemrelevant“ einstufen? Um damit wiederum faule Kredite in Büchern zu belassen und verlängern?

Bis der gemeinsame Einlagensicherungsfonds kommt?

Denn die EZB wird diese Herausforderung alleine nicht meistern.

Deshalb wurde eine – bisher – gedeckelte Summe von 60 Milliarden zur (Re-) Kapitalisierung für Banken aus dem ESM beschlossen.

Ferner soll ein Bankenabwicklungsfonds gegründet werden, der über zehn Jahre hinweg durch Einzahlungen der Banken im Euroraum pro Jahr etwa fünf Milliarden einsammeln soll. Dabei ist ein Zeitrahmen von zehn Jahren angedacht, um auf eine Summe von 50 Milliarden Euro zu kommen.
Das ist bei weitem zu wenig, um eine in Bedrängnis geratene Großbank zu retten. Außerdem haben die Banken Widerstand angekündigt: Sie wollen nicht in einen solchen Fonds einzahlen, weil sie der Meinung sind, dass sei keine weiteren Belastungen mehr übernehmen können.

Tatsächlich erleben wir einen Wettlauf mit der Zeit: Die Banken wissen, dass sie nur eines retten kann: Das Prädikat „Too big to fail“. Deshalb betreiben jene Banken, die die Politik beraten, einen radikalen Konsolidierungskurs. Es soll weniger Banken in Europa geben, die sollen größer sein und systemrelevant (mehr zu diesem bemerkenswerten Vorgang – hier).

Denn eines ist allen Beteiligten klar: Wegen der gigantischen Risiken können weder die Staaten die Banken noch die Banken sich selbst retten.

Daran haben die ganzen hektischen „Rettungs“-Bemühungen der vergangenen Monate nichts geändert, im Gegenteil: Das einzige, was Banken und Politiker retten wollen, ist ihre eigene Haut.

Der Sparer hat, im Unterschied zum Steuerzahler, zwei Vorteile: Er kann die Bank wechseln, während der Steuerzahler in der Regeln den Staat nicht wechseln kann. Und der Sparer weiß nun, dank des EU-Gesetzes, dass er ab dem 1. August 2013 höllisch auf der Hut sein muss. Sein Risiko, über Nacht enteignet zu werden, steigt dramatisch an.

Das ist keine gute Nachricht.

Aber wenigstens eine, auf die man reagieren kann.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare


fan sagt:
DWN, ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie für mich, vielleicht auch für alle anderen, ein Rätsel auflösen könnten:
Kann Brüssel, egal wer dort auch immer, einfach unsere BRD-Gesetze und sogar unser Grundgesetz außer Kraft setzen und als nicht-existent ansehen..?
Und wer hat diese Brüsseler Typen eigentlich gewählt und gegen uns Wähler legitimiert..? Hier findet doch eine gewaltige Rechts-Beugung statt, was ist hier los in Deutschland..?
Eine Merkel oder ein Herr Gauck, die hier nicht eingreifen und damit Aktionen gegen Deutschland absegnen, können doch nur Hochverräter sein..!? Was macht eigentlich der Verfassungs-Schutz, wenn er unsere Verfassung gar nicht schützt..?
Sind wir als Bürger mittlerweile nur noch Frei-Wild, frei gegeben zur willkürlichen und Recht-losen Behandlung..?


Renate Schmitt sagt:
ich kann nicht anders, auch wenn ich jetzt emotional werde: Danke den DWN. Ist das jetzt echt die einzige Institution, die noch die Wahrheit verbreitet? Wo ist der Journalismus dieser Tage? Nachrichten auf anderen Blättern: Die Deutschen im Konsumrausch (die meinen wohl die Renter, die wie die Weltmeister Pfandflaschen aus den Mülleimern sammeln) traurig genug. Der Export läuft super, Blase, ach nee, jetzt läuft es wieder schlecht, aber nur dezent vermeldet. Nachrichten ohne Sinn und ohne Gehalt. Aber Michel denkt ja nur von der Wand bis zur Tapete. Wie weit das ist, sieht man an den Umfragen für Sonnenkönigin und Hofnarren, der PD und den Grünen. Das S muss man weglassen, von christlich rede ich erst gar nicht. Bilderberger lassen von allen Parteien und Teilnehmern herzlich grüßen!
Einfach abwählen am 22.09. Ich wähle die AfD. Schlimmer kann es nicht kommen und es ist schon nach 12!
Was muss denn noch alles passieren? Ach ja, verstehe, die Deutschen haben andere Probleme als ihre Zukunft und die ihrer Kinder und Enkel. Steht der Gartenzwerg auch gerade, fährt mein Nachbar ein dickeres Auto als ich, quacken die Frösche zu laut? Sorry, ob dieser Naivität und Dummheit meiner Mitmenschen, aber ich habe kein Mitleid mehr. Sie wollen es so und sie kriegen es und wir leider auch, weil wir in der Minderheit sind. Nachrichten gerade: Fußball Frauenmannschaften, Extremisten MAD, USA Todeskandidat, aber nix von EU-Ausverkauf der Bürger und den Konsequenzen…


Karsten sagt:
Ich habe alle meine Sparverträge gekündigt, die Schuldscheine von der Bank geholt und sie in glänzendes Metall getauscht. Eins ist sicher, die Enteignungswelle ist längst angelaufen, noch sind es nur unsere Steuergelder, sie wollen alles und sie werden es sich holen!


BerndM sagt:
Und niemand, der am 22.9. noch einer der Altparteien seine Stimme gibt, wird dann ein Recht haben, sich darüber zu beklagen, dass all seine Ersparnisse, seine Altersvorsorge, seine Renten- und Pensionsansprüche, seine Lebensversicherungen und überhaupt alle seine Geldforderungen immer schneller entwertet werden.
Wer jetzt nicht sein Erspartes außerhalb der EU in Sicherheit gebracht hat dem ist nicht mehr zu helfen.




Freitag, 12. April 2013

EU-Gesetz: Zugriff auf Bank-Einlagen wird konkret
die Verschleierung in Deutschland geht weiter

Top-Themen der deutschen Mainstreammedien 11.04.2013:
Abteilung Wirtschaft:

Spiegel: Kirch-Anwälte gegen Deutsche Bank: Tag der Rache

Stern: Schuldenkrise, Zypern braucht 5,5 Milliarden Euro zusätzlich

Focus: bei Focus gibt es keine Abteilung "Wirtschaft", stattsessen "Finanzen" Zypern braucht 23 statt 17,5 Milliarden. EuroNikosia gibt zu: Brauchen noch mehr Milliarden.
Zyprer ohne Perspektive: „Sie haben panische Angst vor der Zukunft“

FR-Online: Zypern will 23 Milliarden Euro

FAZ: Schuldenkrise Zyperns Finanzbedarf steigt auf 23 Milliarden Euro

Sueddeutsche: Wolfgang Schäuble zu Offshore-Geschäften "Wir werden nicht warten, bis die letzte Karibikinsel ihr Verhalten ändert"

nirgends ist was vom Zugriff auf Bank-Einlagen zu lesen.

nur hier:
Bank-Einlagen
Deutsche Wirtschafts Nachrichten
 Veröffentlicht: 11.04.13, 02:40  |  Aktualisiert: 11.04.13, 10:22  |

Die EU-Kommission hat einen Entwurf vorgelegt, wie Banken-Rettungen künftig aussehen sollen. Der Kern des Papiers: Alle müssen bluten. Neu an dem Papier: Auch die Kredite, die sich Banken untereinander gewährt haben, werden rasiert. Über die Höhe der Beteiligung der kleinen Sparer müssen sich die Finanzminister noch einigen.

Jeder Bank-Kunde hat mit einer auch noch so geringen Einlage ein Ticket zum Tanz auf dem Vulkan gelöst.
Wenn sich die EU-Finanzminister am Freitag in Dublin treffen, werden sie über einen Gesetzes-Entwurf der EU-Kommission diskutieren. Diese regelt, wie in Zukunft die Banken gerettet werden. Das Modell folgt dem Experiment, welches die EU in Zypern durchgeführt hat: Alle müssen bluten.

Die Reihenfolge dürfte, wie Reuters berichtet, etwas so aussehen:
Großanleger und Aktionäre der Banken werden als erste rasiert. Als nächste werden auch die anderen Banken Verluste hinnehmen müssen. Denn der Entwurf sieht vor, dass auch die Interbanken-Kredite einen Haircut erleiden. Am Ende schließlich werden alle Bank-Guthaben über einer bestimmten Grenze gekürzt.
Diese Grenze ist noch Gegenstand der Diskussion: Offiziell gilt eine 100.000 Euro-Grenze als „heilig“, wie EU-Kommissar Olli Rehn neulich sagte (hier).
Doch dabei muss es nicht bleiben:
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte gesagt, dass man die Einlagen unter 100.000 Euro schonen möchte, wenn möglich (hier).

Wenn jedoch die Beiträge der großen Einleger nicht reichen, dann wird diese Grenze mit Sicherheit fallen. Ihre Garantie ist ohnehin rein theoretischer Art: Denn die Staaten können Einlagen – egal in welcher Höhe – nur garantieren, wenn sie sich das Geld für diese Garantie vom Steuerzahler holen. In beiden Fällen ist das ein Griff in Taschen der Bürger – mit dem einzigen Unterschied, dass die Bürger den Banken entfliehen können, den Steuern nicht.
Das Gesetz soll 2015 in Kraft treten. Der erste Entwurf wird nun im Europa-Parlament und auf der Ebene der Finanzminister diskutiert.

Dass nun auch Kredite, die sich die Banken gegenseitig gewährt haben, von den Verlusten betroffen sein sollen, ist neu. Es wird dazu führen, dass der Interbanken-Markt nie wieder zum Leben erwacht. Sehr zum Bedauern von EZB-Chef Mario Draghi ist dieser Markt seit der Finanzkrise klinisch tot.
Aus gutem Grund: Denn niemandem trauen die Banken weniger als anderen Banken. Die gigantische Derivatenblase, von der praktisch alle Banken bedroht sind (hier), hat das Misstrauen unter den Banken gewaltig erhöht. In der Vergangenheit haben sich die Banken auch gegenseitig mit den Derivaten ausgetrickst: Die älteste Bank der Welt, die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) wurde von der Deutschen Bank und der Normura über den Tisch gezogen und geriet durch diese Geschäfte an den Rand der Pleite (hier).
Weil in der EU wegen der komplizierten Entscheidungen kein Entwurf schnell umgesetzt werden kann, dürfte die EZB gezwungen sein, bis zum Inkrafttreten der neuen Regelungen massiv Geld zu drucken.

Formal hatte Draghi angekündigt, dies über die sogenannten OMTs zu machen: Das sind im Grunde kleine Bailouts, weil es Geld aus diesem Topf nur zu harten Spar-Auflagen geben wird. Daher hat bisher niemand davon Gebrauch gemacht, weil kein Land die Sparkommissare der Troika (Men in Black) über die Grenze lassen will.

Daher ist zu erwarten, dass sich die EZB nach den LTROs und OMTs irgendwelche andere Mechanismen einfallen lassen wird, wie sie leichter Geld in die Märkte pumpen kann.

Frankreich und Italien haben bereits gegen den Haircut im Interbanken-Geschäft protestiert. Sie dürften es schwer haben, sich durchzusetzen: Italien ist seit der Wahl handlungsunfähig, Präsident Francois Hollande kämpft, kaum im Amt, bereits ums Überleben.

Das Konzept ist klar: Die Staaten wollen sich von den Banken abkoppeln, weil die Beispiele Zyperns, Sloweniens, Frankreichs und Italiens zeigen, dass die Banken selbst den Überblick verloren haben.

Die Strategie erklärt auch, warum der Banken-Crash in Zypern bisher vergleichsweise geringe Auswirkungen auf den Finanzmärkten ausgelöst hat. Wie sich jetzt herausstellt, haben vor der Einführung der Kapitalverkehrskontrollen 6.000 Anleger Guthaben über 100.000 Euro außer Landes gebracht. Die europäischen Banken waren schon viel früher gewarnt worden und kommen mit einem blauen Auge davon (hier).

Damit sollten die Sparer in ganz Europa beruhigt werden.

Die EU hat Zypern als kleines Land dazu verwendet, um den Ernstfall einmal durchzuspielen. Das hat, aus Sicht der EU, gut funktioniert. George Soros sagte in seiner Rede in Frankfurt, mit Zypern habe Angela Merkel einen glänzenden Sieg errungen, weil ihr nun niemand in Europa widersprechen werde. Wolfgang Schäuble soll am Tag nach der Banken-Schließung in Zypern sehr zufrieden gewesen sein.

Die offiziellen Schlupflöcher haben verhindert, dass es einen Bank-Run gegeben hat. Damit wurden die Sparer in Deutschland und in den anderen europäischen Ländern eingelullt: Es wurde ihnen vorgegaukelt, dass es sich um eine ganz und gar harmlose, aber eben notwendige Maßnahme handelt. Angela Merkels Aussage, dass die Aktion unvermeidbar gewesen sei, um die Verursacher der Krise zu treffen, ist ihr von der deutschen Öffentlichkeit dankbar abgekauft worden und hat die Beliebtheit der Kanzlerin weiter gesteigert.

Dass die Opfer des nächtlichen Zugriffs die einfachen zypriotischen Krankenschwestern, Rentner und kleinen Unternehmen sind, wurde in Europa nicht mehr zur Kenntnis genommen.

Im Gegenteil: Durch eine „zufällig“ ausgerechnet jetzt veröffentlichte Studie der EZB, der zufolge die Zyprioten viel reicher sein sollen als die Deutschen (hier), wurde der Neidfaktor sehr raffiniert bedient. Tatsächlich ist die Studie wertlos, weil sie Äpfel mit Birnen vergleicht. Unter Vermögen versteht man in jedem Euro-Land etwas anderes, externe Faktoren wie Preistreiberei durch Blasenbildung wurden naturgemäß ausgeblendet.

Für den einfachen Bank-Kunden ist es gut, dass die Form der europäischen Banken-Rettung immer konkretere Formen annimmt: Er kann nämlich handeln und sein Geld von der Bank holen. Zwar ist es wegen der umfassenden Manipulationen der Zentralbanken einigermaßen seriös, andere Anlageformen zu finden. Der Bank-Kunde in Deutschland hat aber vermutlich bis zur Bundestagswahl im September Zeit, Maßnahmen für seine persönliche Vorsorge zu treffen.
Die Härte, mit der die EU nun die Banken-Rettung durchziehen will, hat einen weiteren Vorteil: Der einfache Bank-Kunde kann spätestens jetzt erkennen, dass er in dem Moment, in dem er sein Geld auf die Bank bringt, keinerlei Rechtsanspruch mehr besitzt, dass er das Geld wiederbekommt (mehr dazu hier).

Angesichts der Zockerei der Banken bei den Derivaten war es nämlich bisher schon so: Wenn man heute einer Bank 500 Euro gibt, ist es nicht anders, als würde man die 500 Euro einem Drogensüchtigen im fortgeschrittenen Stadium zu getreuen Händen überlassen – mit der Bitte, das Geld doch sicher aufzubewahren und damit keine Dummheiten zu machen. Das ist vielleicht keine schöne Erkenntnis.

Aber sie erklärt dem einzelnen, dass der Tanz auf dem Vulkan keine Party an der Wall Street ist, sondern jeder einzelne mit seinen Bank-Einlagen das Ticket zur Spaziergang auf der Lava gelöst hat.
Wenn es schließlich zu den ersten Crashs kommt, kann keiner mehr sagen, er wäre nicht gewarnt worden.

...und dann noch dies:
Da will man nicht den Retter spielen
Deutsche Bank gefährdet alle: 48 Billionen Euro in riskanten Wetten
Die Deutsche Bank könnten den Deutschen schon bald Sorgen bereiten. Mit 48 Billionen an riskanten Wetten steht die Bank wegen ihres geringen Eigenkapitals nicht besonders solide da. Experten warnen seit langem vor den Gefahren.