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Sonntag, 15. September 2013

Banken-Rettung: Der große Zugriff auf die Sparer wird konkret

Thema: Sparguthaben

"Der Euro ist ein installiertes Betrugssystem" sagt Christoph Hörstel
(Video unter Kommentare)
Bitte das Video ansehen, es ist wichtig vor der Wahl

In Vilnius konkretisieren die Finanzminister der Euro-Zone den Modus, wie die Sparer und Steuerzahler künftig Pleite-Banken retten werden. Die Beteiligung von Gläubigern und Einlegern ist fix – darüber wird im Grundsatz nicht einmal mehr debattiert. Klar ist ebenfalls, dass die Banken Beiträge zu einem Rettungsfonds einzahlen müssen. Diese werden sie sich von den Bank-Kunden über höhere Gebühren zurückholen. Offen ist lediglich die Frage, in welcher Form die Steuerzahler zu Kasse gebeten werden sollen.

Wolfgang Schäuble und sein ehemaliger Mitarbeiter Jörg Asmussen in Vilnius: Jeder spielt sein Rolle im großen Enteignungs-Theater. (Foto: dpa)
Bei ihrem zweitägigen Treffen in Vilnius erhält die künftige Form der Banken-Rettung Kontur. Es wird in jedem Fall bei Pleite-Banken das Modell „Zypern“ geben: Aktionäre, Gläubiger und Einleger mit ungesicherten Einlagen werden enteignet werden. Der Direktor des Brüsseler Think Tanks Bruegel, Guntram Wolff, sagte der Webiste centralbanking.com, dass die Enteignung der genannten Gruppen – offizielle Sprachregelung: „bail-in“ – „kommen wird, trotz verwirrender Entwicklungen“.

Der Zugriff auf die Vermögen der Bank-Kunden dürfte, wenn es einmal konkret wird, auf Widerstand der Kunden stoßen. Denn die betroffenen Gruppen – Gläubiger und Aktionäre – sind wichtige Player der Finanz-Wirtschaft: Andere Banken und Pensionsfonds sind durch die enorme Verflechtung teilweise massiv in Banken investiert. Sie werden sich mit Sicherheit rechtlich wehren. Gerade eben haben die Banken in London das noch vor wenigen Monaten mit viel Pathos angepriesene Verbot des Short-Sellings zu Fall gebracht (hier). Die eigenen Juristen haben der EU in einem Gutachten bescheinigt, dass die als große regulatorische Errungenschaft gelobte Finanz-Transaktions-Steuer als nicht gesetzeskonform entzaubert (hier). In Griechenland haben sich Banken und Hegde-Fonds weitgehend aus dem Schulden-Chaos bei den griechischen Instituten verabschiedet. Die Schulden wurden elegant auf die „öffentlichen Gläubiger“ abgewälzt – heute sitzt vor allem die EZB auf den Schrottpapieren. Dies ist über den Umweg der Bundesbank immer zu 27 Prozent der deutsche Steuerzahler.

Weil die rechtlichen Risiken unabsehbar sind, muss ein „einheitlicher Abwicklungsmechanismus“, der sogenannte SRM geschaffen werden. Dieser soll den Rest der Verluste einer Pleite-Bank zahlen, wenn die Enteignung der Kunden aus rechtlichen oder politischen Gründen nicht ausreichend möglich ist. Über die rechtliche Ausgestaltung des SRM diskutieren die Finanzminister in Vilnius. Diese Debatte ist jedoch keine, in der grundsätzliche Widersprüche aufeinander prallen. Es geht um das übliche Feilschen um Kompetenzen, welches im Streit der EU-Gremien zwingend notwendig ist. Einen solchen Schaukampf haben wir in dieser Woche zwischen der EZB und dem EU-Parlament erlebt (hier).

Die Debatte darüber gibt vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Gelegenheit, sich kurz vor der Bundestags-Wahl noch einmal als Hardliner zu profilieren. Um das Schauspiel entsprechend zu orchestrieren, wird ein Machtkampf zwischen Brüssel und Berlin in Szene gesetzt – den es in Wahrheit gar nicht gibt.

Schäuble hat auch, entgegen der geschickt lancierten öffentlichen Wahrnehmung, eingeräumt, dass die bereits beschlossene Bankenaufsicht durch die EZB (hier) in einer Grauzone spielt.

Schäuble sagte im DLF:
    „Die einzige Grundlage im Vertrag für eine europäische Bankenaufsicht ist nun mal der Artikel – ich glaube, es ist 127 im Vertrag -, wonach der EZB im Zusammenhang mit der Bankenaufsicht durch einstimmigen Ratsbeschluss Aufgaben übertragen werden können. Wir hätten lieber eine begrenzte Vertragsänderung gehabt… Aber eine begrenzte Vertragsänderung braucht Zeit und deswegen haben wir uns darauf verständigt, als ersten Schritt machen wir jetzt eine Bankenaufsicht bei der EZB, schaffen aber eine klare Trennung innerhalb der EZB und auch durch die Konstruktion der Bankenaufsicht bei der EZB, dass die Verantwortung für Geldpolitik und die Verantwortung für Bankenaufsicht streng getrennt wird und dass es nicht zu einer Interessenkollision kommen kann.“
 
Für eine dauerhafte, gemeinsame europäische Banken-Rettung braucht es nach heutiger Einschätzung von Schäuble, eine Änderung des Lissabon-Vertrages.

Schäuble:
    „Wir hätten lieber eine eindeutige Rechtsgrundlage im Vertrag, aber dazu brauchen wir eine begrenzte Vertragsänderung. Wir können aber … mit der Schaffung einer europäischen Bankenaufsicht als wichtigem Schritt auf dem Weg zu einer europäischen Bankenunion nicht warten, bis wir eines Tages eine Vertragsänderung – die braucht nun mal seine Zeit, weil alle Mitgliedsstaaten zustimmen müssen; das geht nur einstimmig -, bis wir die haben. Deswegen: In der Politik muss man immer den nächsten Schritt tun, auch wenn man die hundertprozentige Lösung nicht erreicht.“
Schäuble ist ein Befürworter einer Vertragsänderung:
    „Unsere Position ist, dass wir sagen, solange wir nicht eine Vertragsänderung erreichen – wir sind ja für eine solche Vertragsänderung, um eine Rechtsgrundlage zu schaffen -, müssen wir einen Board schaffen, in dem die nationalen Aufsichtsinstitutionen, also bei uns die BaFin, auch die Bundesbank, letzten Endes zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen, jedenfalls die der betroffenen Länder bei einer grenzüberschreitenden Bank, und da kann die Kommission dann mitwirken.“
Schäuble kann sich nach den unfallfreien Abstimmungen im Deutschen Bundestag zur
Abgabe von SouveränitätBanken- und Euro-Rettung über den ESM sicher sein, dass der Bundestag einen „einwandfreien Rechtsgrundlage“, wie Schäuble das nennt,  zustimmen wird. Nachdem es zu diesem Thema im Bundestag außer der Linken eine breite Mehrheit gibt, muss Schäuble in diesem Punkt keine Ablehnung fürchten. Eine Befragung des Volkes ist zu dem Thema nicht vorgesehen.

Der SRM soll durch Beiträge der Banken finanziert werden und nach zehn Jahren etwa in der Größenordnung von einem Prozent der gesicherten Einlagen aller in der Banken-Union vereinten Banken bestehen. Die Banken werden sich diesen „Beitrag“ selbstverständlich bei den Kunden in Form von höheren Gebühren holen: Ein Prozent von allen Konten, die bei den Banken liegen, scheint eine zumutbare Größenordnung für die die Kunden zu sein.

Bis die rechtliche Grundlage dieses Teils der Banken-Rettung steht, könnte der ESM einspringen. EZB-Direktor Jörg Asmussen schlug vor, dass der ESM dem unvollendeten SRM Steuergelder leihen soll, bis die Banken ihren Beitrag eingezahlt haben. Der Vorschlag stieß vordergründig auf Ablehnung. Asmussens Idee entspricht jedoch der Euro-Praxis, wie sie einmal vom damaligen Euro-Gruppenführer Jean Claude Juncker skizziert wurde: Man wirft eine Idee in den Raum, wartet, was passiert, und zieht das Ganze dann durch. Die Methode zieht sich durch die ganze Schuldenkrise, wie die Chronologie der gebrochenen Versprechen belegt (hier).

Der große Zugriff auf die Sparer nimmt also konkrete Gestalt an. Mit dem ESM ist ein wichtiges Puzzle-Teil bereits unwiderrufliche Realität: 700 Milliarden Euro können – ohne demokratische Legitimation, ohne Transparenz, ohne Widerspruch durch die Parlamente eingesetzt werden.

Die einzige offene Frage ist, ob die Euro-Retter die Rettung noch schaffen: „Das ist immer auch ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagte Schäuble dem DLF.

Nicht berücksichtigt in den Crash-Abwehr-Szenarien sind die Billionen-Risiken, die sich aus den Derivaten ergeben werden.

Dafür reichen weder ESM noch SRM.

Platzt die Schulden-Blase wegen der immer abenteuerlicheren Manipulationen vorher, bleibt den Schulden-Königen in den Nationalstaaten, der EZB und der EU nur noch der Mittelfinger.

Peer Steinbrück hat schon mal die Pferde gesattelt.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare


Ein ganz wichtiges Video, 23 Minuten, Christopf Hörstel im Gespräch mit KenFM



Dies ist der Link zum angesprochenen Video von ARTE "Staatsgeheimnis Bankenrettung"



khaproperty sagt:
Zu unterscheiden ist zunächst die Bankenunion in der EU (mit langem Horizont) und die Abwicklungen in der Währungsunion (mit ganz kurzer Lunte).

Bis der bei aktuellen Bankinsolvenzen in der Währungsunion noch zu findende Fonds (in D existiert schon ein nationaler) mit auf etliche Jahre angelegten regelmäßigen Zahlungen der Banken befüllt sein wird, besteht eine Finanzierungslücke für zu rettende Banken, nachdem Eigner und Gläubiger bereits rasiert wurden – und das Risiko der Insolvenz.

Deswegen möchte Kommission, EZB und Asmussen den ESM zur Lückenschließung heranziehen, was unzulässig ist, weil damit hintenherum der Steuerzahler (über die Gewährträgerhaftung für den ESM, welche unbegrenzt ist) herangezogen werden kann, vornehmlich der deutsche, was verfassungsrechtlich in Karlsruhe noch in der Hauptsache auf Zulässigkeit geprüft wird.

Darum geht im Wesentlichen der Streit.
Er kann gegenwärtig nicht entschieden werden.

Klar hingegen ist bei einer Insolvenz immer schon nach geltendem Recht, daß Eigner und Gläubiger (das sind auch Sparer) komplett rasiert werden (mit Ausnahme der 100 tausend-Garantie).

An die 90% der Banken in der EU und Währungsunion könnten gefahrlos Pleite gehen. Eigner und Gläubiger/Sparer verlören Geld – bis auf die o.a. Garantie – und alle anderen sonstwie Beteiligten ebenso, wie etwa andere Banken pp.

Diskutiert wird nur die Rettung systemrelevanter Institute – dazu braucht es dann jedenfalls gegenwärtig doch wieder frisches Geld vom Steuerzahler.
Und nicht zu knapp.
Kippt eine systemrelevante Bank mangels Hilfe, haben wir eine Neuauflage von Lehman. Ob das schlecht wäre, ist einer anderen Diskussion vorbehalten.


Gast sagt:
Es ist doch immer wieder gut zu wissen daß der Sinn des Lebens nicht jener ist der uns täglich suggeriert wird. Politiker und Banker stehen in erster Reihe der Sinnlosigkeit und sind unbedeutend für das Leben. Sie wissen es nur nicht daß es so ist. Schade drum Leben so zu verschwenden anstatt mit seinem Leben der Menschheit zu dienen. Sie dienen nur sich selbst und ihrer eigenen Sinnlosigkeit.


Selbstdenker sagt:
Die geheimen Studien der Bundesregierung zum Euro-Ausstieg.
Irgendwann ist Schluss mit “geheim”!
http://www.geolitico.de/2013/09/14/afd-chef-lucke-spricht-von-geheimen-euro-studien/








Freitag, 12. April 2013

EU-Gesetz: Zugriff auf Bank-Einlagen wird konkret
die Verschleierung in Deutschland geht weiter

Top-Themen der deutschen Mainstreammedien 11.04.2013:
Abteilung Wirtschaft:

Spiegel: Kirch-Anwälte gegen Deutsche Bank: Tag der Rache

Stern: Schuldenkrise, Zypern braucht 5,5 Milliarden Euro zusätzlich

Focus: bei Focus gibt es keine Abteilung "Wirtschaft", stattsessen "Finanzen" Zypern braucht 23 statt 17,5 Milliarden. EuroNikosia gibt zu: Brauchen noch mehr Milliarden.
Zyprer ohne Perspektive: „Sie haben panische Angst vor der Zukunft“

FR-Online: Zypern will 23 Milliarden Euro

FAZ: Schuldenkrise Zyperns Finanzbedarf steigt auf 23 Milliarden Euro

Sueddeutsche: Wolfgang Schäuble zu Offshore-Geschäften "Wir werden nicht warten, bis die letzte Karibikinsel ihr Verhalten ändert"

nirgends ist was vom Zugriff auf Bank-Einlagen zu lesen.

nur hier:
Bank-Einlagen
Deutsche Wirtschafts Nachrichten
 Veröffentlicht: 11.04.13, 02:40  |  Aktualisiert: 11.04.13, 10:22  |

Die EU-Kommission hat einen Entwurf vorgelegt, wie Banken-Rettungen künftig aussehen sollen. Der Kern des Papiers: Alle müssen bluten. Neu an dem Papier: Auch die Kredite, die sich Banken untereinander gewährt haben, werden rasiert. Über die Höhe der Beteiligung der kleinen Sparer müssen sich die Finanzminister noch einigen.

Jeder Bank-Kunde hat mit einer auch noch so geringen Einlage ein Ticket zum Tanz auf dem Vulkan gelöst.
Wenn sich die EU-Finanzminister am Freitag in Dublin treffen, werden sie über einen Gesetzes-Entwurf der EU-Kommission diskutieren. Diese regelt, wie in Zukunft die Banken gerettet werden. Das Modell folgt dem Experiment, welches die EU in Zypern durchgeführt hat: Alle müssen bluten.

Die Reihenfolge dürfte, wie Reuters berichtet, etwas so aussehen:
Großanleger und Aktionäre der Banken werden als erste rasiert. Als nächste werden auch die anderen Banken Verluste hinnehmen müssen. Denn der Entwurf sieht vor, dass auch die Interbanken-Kredite einen Haircut erleiden. Am Ende schließlich werden alle Bank-Guthaben über einer bestimmten Grenze gekürzt.
Diese Grenze ist noch Gegenstand der Diskussion: Offiziell gilt eine 100.000 Euro-Grenze als „heilig“, wie EU-Kommissar Olli Rehn neulich sagte (hier).
Doch dabei muss es nicht bleiben:
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte gesagt, dass man die Einlagen unter 100.000 Euro schonen möchte, wenn möglich (hier).

Wenn jedoch die Beiträge der großen Einleger nicht reichen, dann wird diese Grenze mit Sicherheit fallen. Ihre Garantie ist ohnehin rein theoretischer Art: Denn die Staaten können Einlagen – egal in welcher Höhe – nur garantieren, wenn sie sich das Geld für diese Garantie vom Steuerzahler holen. In beiden Fällen ist das ein Griff in Taschen der Bürger – mit dem einzigen Unterschied, dass die Bürger den Banken entfliehen können, den Steuern nicht.
Das Gesetz soll 2015 in Kraft treten. Der erste Entwurf wird nun im Europa-Parlament und auf der Ebene der Finanzminister diskutiert.

Dass nun auch Kredite, die sich die Banken gegenseitig gewährt haben, von den Verlusten betroffen sein sollen, ist neu. Es wird dazu führen, dass der Interbanken-Markt nie wieder zum Leben erwacht. Sehr zum Bedauern von EZB-Chef Mario Draghi ist dieser Markt seit der Finanzkrise klinisch tot.
Aus gutem Grund: Denn niemandem trauen die Banken weniger als anderen Banken. Die gigantische Derivatenblase, von der praktisch alle Banken bedroht sind (hier), hat das Misstrauen unter den Banken gewaltig erhöht. In der Vergangenheit haben sich die Banken auch gegenseitig mit den Derivaten ausgetrickst: Die älteste Bank der Welt, die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) wurde von der Deutschen Bank und der Normura über den Tisch gezogen und geriet durch diese Geschäfte an den Rand der Pleite (hier).
Weil in der EU wegen der komplizierten Entscheidungen kein Entwurf schnell umgesetzt werden kann, dürfte die EZB gezwungen sein, bis zum Inkrafttreten der neuen Regelungen massiv Geld zu drucken.

Formal hatte Draghi angekündigt, dies über die sogenannten OMTs zu machen: Das sind im Grunde kleine Bailouts, weil es Geld aus diesem Topf nur zu harten Spar-Auflagen geben wird. Daher hat bisher niemand davon Gebrauch gemacht, weil kein Land die Sparkommissare der Troika (Men in Black) über die Grenze lassen will.

Daher ist zu erwarten, dass sich die EZB nach den LTROs und OMTs irgendwelche andere Mechanismen einfallen lassen wird, wie sie leichter Geld in die Märkte pumpen kann.

Frankreich und Italien haben bereits gegen den Haircut im Interbanken-Geschäft protestiert. Sie dürften es schwer haben, sich durchzusetzen: Italien ist seit der Wahl handlungsunfähig, Präsident Francois Hollande kämpft, kaum im Amt, bereits ums Überleben.

Das Konzept ist klar: Die Staaten wollen sich von den Banken abkoppeln, weil die Beispiele Zyperns, Sloweniens, Frankreichs und Italiens zeigen, dass die Banken selbst den Überblick verloren haben.

Die Strategie erklärt auch, warum der Banken-Crash in Zypern bisher vergleichsweise geringe Auswirkungen auf den Finanzmärkten ausgelöst hat. Wie sich jetzt herausstellt, haben vor der Einführung der Kapitalverkehrskontrollen 6.000 Anleger Guthaben über 100.000 Euro außer Landes gebracht. Die europäischen Banken waren schon viel früher gewarnt worden und kommen mit einem blauen Auge davon (hier).

Damit sollten die Sparer in ganz Europa beruhigt werden.

Die EU hat Zypern als kleines Land dazu verwendet, um den Ernstfall einmal durchzuspielen. Das hat, aus Sicht der EU, gut funktioniert. George Soros sagte in seiner Rede in Frankfurt, mit Zypern habe Angela Merkel einen glänzenden Sieg errungen, weil ihr nun niemand in Europa widersprechen werde. Wolfgang Schäuble soll am Tag nach der Banken-Schließung in Zypern sehr zufrieden gewesen sein.

Die offiziellen Schlupflöcher haben verhindert, dass es einen Bank-Run gegeben hat. Damit wurden die Sparer in Deutschland und in den anderen europäischen Ländern eingelullt: Es wurde ihnen vorgegaukelt, dass es sich um eine ganz und gar harmlose, aber eben notwendige Maßnahme handelt. Angela Merkels Aussage, dass die Aktion unvermeidbar gewesen sei, um die Verursacher der Krise zu treffen, ist ihr von der deutschen Öffentlichkeit dankbar abgekauft worden und hat die Beliebtheit der Kanzlerin weiter gesteigert.

Dass die Opfer des nächtlichen Zugriffs die einfachen zypriotischen Krankenschwestern, Rentner und kleinen Unternehmen sind, wurde in Europa nicht mehr zur Kenntnis genommen.

Im Gegenteil: Durch eine „zufällig“ ausgerechnet jetzt veröffentlichte Studie der EZB, der zufolge die Zyprioten viel reicher sein sollen als die Deutschen (hier), wurde der Neidfaktor sehr raffiniert bedient. Tatsächlich ist die Studie wertlos, weil sie Äpfel mit Birnen vergleicht. Unter Vermögen versteht man in jedem Euro-Land etwas anderes, externe Faktoren wie Preistreiberei durch Blasenbildung wurden naturgemäß ausgeblendet.

Für den einfachen Bank-Kunden ist es gut, dass die Form der europäischen Banken-Rettung immer konkretere Formen annimmt: Er kann nämlich handeln und sein Geld von der Bank holen. Zwar ist es wegen der umfassenden Manipulationen der Zentralbanken einigermaßen seriös, andere Anlageformen zu finden. Der Bank-Kunde in Deutschland hat aber vermutlich bis zur Bundestagswahl im September Zeit, Maßnahmen für seine persönliche Vorsorge zu treffen.
Die Härte, mit der die EU nun die Banken-Rettung durchziehen will, hat einen weiteren Vorteil: Der einfache Bank-Kunde kann spätestens jetzt erkennen, dass er in dem Moment, in dem er sein Geld auf die Bank bringt, keinerlei Rechtsanspruch mehr besitzt, dass er das Geld wiederbekommt (mehr dazu hier).

Angesichts der Zockerei der Banken bei den Derivaten war es nämlich bisher schon so: Wenn man heute einer Bank 500 Euro gibt, ist es nicht anders, als würde man die 500 Euro einem Drogensüchtigen im fortgeschrittenen Stadium zu getreuen Händen überlassen – mit der Bitte, das Geld doch sicher aufzubewahren und damit keine Dummheiten zu machen. Das ist vielleicht keine schöne Erkenntnis.

Aber sie erklärt dem einzelnen, dass der Tanz auf dem Vulkan keine Party an der Wall Street ist, sondern jeder einzelne mit seinen Bank-Einlagen das Ticket zur Spaziergang auf der Lava gelöst hat.
Wenn es schließlich zu den ersten Crashs kommt, kann keiner mehr sagen, er wäre nicht gewarnt worden.

...und dann noch dies:
Da will man nicht den Retter spielen
Deutsche Bank gefährdet alle: 48 Billionen Euro in riskanten Wetten
Die Deutsche Bank könnten den Deutschen schon bald Sorgen bereiten. Mit 48 Billionen an riskanten Wetten steht die Bank wegen ihres geringen Eigenkapitals nicht besonders solide da. Experten warnen seit langem vor den Gefahren.