Mittwoch, 11. Januar 2017

Die deutschen Medien akzeptieren die Wahl Trumps immer noch nicht

Thema: WikiLeaks

Demütigung der Geheimdienste
Assange und Trump: eine merkwürdige Allianz

Es gab Zeiten, da nannte Donald Trump die Enthüllungen von Julian Assange eine "Schande", für die es die Todesstrafe geben müsse. Mittlerweile wird der WikiLeaks-Macher vom Trump-Lager hofiert. Was versprechen sich beide Seiten davon?

Julian Assange hat sich schick gemacht. Blaue Krawatte, dunkler Anzug. Vor ihm sitzt Sean Hannity, einer der führenden Scharfmacher in den USA. Nein, nein, sagt Assange. Von wegen Russland. "Unsere Quelle ist kein staatlicher Akteur", beteuert er. Mehr könne er aber leider nicht preisgeben: "Wir stehen im Ruf, unsere Quellen zu schützen."

Assange ist gerade sehr gefragt. Lange galt der 45-Jährige in den USA als Staatsfeind und Verräter. Aber seit er über seine Enthüllungsplattform WikiLeaks Tausende E-Mails von Hillary Clintons Chefstrategen John Podesta veröffentlichte und damit den Wahlkampf der Demokratin massiv störte, wird er von der politischen Rechten wie ein Held hofiert. Hannity reiste eigens nach London, um ihn eine Stunde lang zu interviewen.

Republikaner kommen ins Schwärmen

Er glaube ihm "jedes Wort", schmeichelte der "Fox"-Mann seinem Gesprächspartner vor einem Millionenpublikum.

Die konservative Schwärmerei für Assange geht weit über Hannity hinaus. Sarah Palin, die schrille Ex-Gouverneurin von Alaska, lobt ihn dafür, Amerikanern mit den Clinton-Enthüllungen "die Augen geöffnet" zu haben. Rudy Giuliani, New Yorks ehemaliger Bürgermeister, hält WikiLeaks für "erfrischend". Und selbst Donald Trump verbündete sich am Mittwoch mit Assange. "Julian Assange hat gesagt, ein 14-Jähriger hätte Podesta hacken können", twitterte der Republikaner.

Die Botschaft: Glaubt nicht den Geheimdiensten und ihrer These, der Angriff auf Clinton wurde von Cyberkriegern aus dem Kreml gesteuert. Glaubt Assange.

Trump 2010: Assanges Agieren eine "Schande"

Die Allianz, die sich im Wahlkampf bereits angedeutet hatte, ist erstaunlich. Vielen Amerikanern ist noch allzu gut in Erinnerung, wie Assange die USA 2010 international blamierte, indem er vertrauliche Botschaftsdepeschen und Militärgeheimnisse veröffentlichte und sich als Kämpfer gegen amerikanische Kriegsverbrechen inszenierte.

Noch erstaunlicher ist die Allianz, wenn man sich die Meinungen in Erinnerung ruft, die Trump und Co. damals von Assange hatten. Eine "Schande" sei dessen Agieren, so Trump 2010: "Ich finde, es sollte dafür so etwas wie die Todesstrafe geben." Assange führe "Krieg" gegen die USA und gehöre ins Gefängnis, meinte Hannity. Und heute? Vergessen, vergeben. Die Wahlkampf-Enthüllungen haben Assange zu einem Freund werden lassen.

Offener Konflikt mit Geheimdiensten

Das gilt längst nicht für alle in der Partei. Unter traditionellen Republikanern sorgt besonders die Kehrtwende Trumps für Empörung. "Ich vertraue unseren Geheimdienstbeamten wesentlich mehr als Menschen wie Julian Assange", sagt etwa Tom Cotton, Senator aus Arkansas, in Richtung des künftigen Präsidenten.

Tatsächlich dürften sich beide etwas von ihrer Allianz versprechen - Trump und Assange. Der nächste Präsident steht in einem offenen Konflikt mit seinen Geheimdiensten. Deren These, die russische Regierung habe ihm zum Wahlsieg verholfen, ist für Trump unangenehm, droht sie doch einen Schatten auf seine Amtszeit zu werfen. Öffentliche Demütigung

Jeder, der dabei hilft, Zweifel an der Spur nach Moskau zu streuen und den Eindruck zu verstärken, das Hacking-Rätsel könne ohnehin nie wirklich gelöst werden, ist dem 70-Jährigen herzlich willkommen. Dass er die Dienste öffentlich demütigt, indem er Assange zu einer Autorität in der Debatte erhebt, nimmt der Milliardär dabei gerne in Kauf. Von der CIA und ihren Partnerbehörden hält Trump ohnehin nicht viel.

Was sein eigenes Image angeht, könnte Assange ebenfalls hilfreich sein. Indem Trump sich mit einem Aktivisten solidarisiert, der von vielen immer noch im linken Lager verortet wird, untermauert er seine vermeintliche Unabhängigkeit.

Für Assange ist Trump ein Schutzschild

Assange wiederum kann die neue Umarmungsstrategie aus dem Trump-Lager dringend gebrauchen - zuletzt war es immer einsamer geworden um den 45-Jährigen. Seit mehr als vier Jahren sitzt der Australier nun in einer Wohnung in London fest, die als Botschaft Ecuadors dient - zuletzt kappten ihm seine Gastgeber zwischenzeitlich gar die Internetverbindung. Und die Amtszeit seines Schutzpatrons, Ecuadors linkem Präsidenten Rafael Correa, läuft im Frühjahr aus. Was wird dann aus Assange?

Der Australier war vor einem europäischen Haftbefehl aus Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen in die Botschaft geflüchtet. Er bestreitet die Vorwürfe, befürchtet aber, dass er von der britischen Polizei verhaftet und über Schweden an die USA ausgeliefert werden könnte.

Dort wird gegen WikiLeaks seit den Veröffentlichungen zu den Kriegen in Afghanistan und Irak sowie den Depeschen ermittelt. WikiLeaks' Irak-Whistleblowerin Chelsea Manning wurde zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt, ihre Strafe sitzt sie teilweise in Einzelhaft ab. Assange müsste Ähnliches fürchten. Wenn ihn also der künftige US-Präsident adelt und ihn andere Konservative nicht länger als Verräter bezeichnen, schadet das zumindest nicht.

WikiLeaks in der Krise

Außerdem haben die Veröffentlichungen der Demokraten-E-Mails seinem kriselnden Portal endlich wieder substanzielle Schlagzeilen verschafft. In den vergangenen Jahren hatte es heftige Kritik an der Leistung von WikiLeaks gegeben. Assange waren die Helfer ausgegangen, die mit Material umgehen können, das in anderen Sprachen als Englisch verfasst ist. Auch deshalb arbeitete WikiLeaks wiederholt unsauber - und gefährdete dabei womöglich Quellen und Unbeteiligte.

Die Publicity des Fox News-Gesprächs nutzte Assange nun auch für ein neues Manöver: Er forderte die IT-Administration der US-Regierung dazu auf, Kopien von Dateien anzufertigen, bevor diese von der ausziehenden Obama-Regierung womöglich gelöscht werden könnten. Assange erlaubt das, sich weiter als Kämpfer gegen amerikanische Geheimniskrämerei zu inszenieren. Zugleich weiß er, dass diese Forderung den künftigen Präsidenten der USA wohl kaum verärgern dürfte.

Quelle: T-online.de

Kommentare

PeppoKurzsocke
Sorry, aber die EU ist auch eine merkwürdige Allianz!

Phoenix25
Warum hätte eigentlich Putin Trump unterstützen sollen?
Obamas, vom persönlichen Hass auf Putin geprägte Konfrontationspolitik, hat Putin doch letztendlich eine überwältigende Popularität in Russland verschafft.

Gegenlicht
Die deutschen Medien wollen die demokratische Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten einfach nicht akzeptieren. Sie hören nicht auf, ihm am Zeug zu flicken, "Berüchte" über ihn zu verbreiten, ihn zu diffamieren und zu stigmatisieren. Wieso tun sie das, wer hat Interesse daran? Sogar die US-Medien haben die demokratische Wahl mittlerweile akzeptiert, die Wellen glätten sich. Nur die deutschen Mainstream-Medien muten uns immer noch ihre täglichen Anti-Trump-Propaganda zu, so wie sie es schon monatelang im Wahlkampf getan haben. Sie können nicht aufhören. Sie weigern sich zu begreifen, dass die Wahl vorbei ist und dass "ihre" Hillary verloren hat. Es ist aber so, wirklich. Der neue Präsident heißt Trump und verdient wie jeder Präsident eine Chance - auch wenn euch das gar nicht gefällt.

ulligast
Julian Assange ist ein Held! Er zeigt die Lügen der Machtklasse auf! Dumm gelaufen für diese Lügner,,, alles kommt raus und das ist gut so. Soll die Menschheit etwa von Kriegstreibern verblödet werden?? Nein !!

lemuren
ich frage mich, warum die deutschen Medien sich auf die Seite von Clinton schlagen und gegen Russland sind. In wieviele Länder ist Russland in den letzten 50 Jahren einmarschiert? Und die USA? Trump ist der Erste, von dem man Frieden zwischen den Großmächten erwarten darf. Und was macht Deutschland? hetzen, wo es nur geht. Ich verstehe das nicht.

1 Kommentar :

  1. Wenn man sich mit Wikileaks beschäftigen will, sollte man auch berichten, was der Sinn von Wikileaks ist und was sich die Gründer überhaupt gedacht hatten, mit dieser Plattform öffentlichkeitswirksam ins Netz zu gehen.
    Wikileaks ist doch vereinfacht dargestellt nur ein „ Briefträger“, der Nachrichten und Informationen verbreitet. Die gleichen Medien, die im Zusammenhang mit dem Wahlausgang in den VSA zu Gunsten Trumps nun gegen Wikileaks und Assange zu Felde ziehen, haben aber auch schon Wikileaks in den Himmel gehoben. Nur damals verbreitete Wikileaks Vorgänge in Russland, China, der Türkei und anderswo, was den Regierenden dort nicht passte und zum zeitweiligen Sperren der Enthüllungsplattform führte.
    Egal was man persönlich über den Wahlausgang in den VSA denkt, man muss ganz einfach froh sein, dass es solche Enthüllungsplattformen überhaupt noch gibt.
    Für die Inhalte der geleakten Mails sind einzig und allein die Verfasser derselben verantwortlich und da sind doch die Quellen von Wikileaks vollkommen sekundär.Auch in den Fällen, als Wikileaks über Russland und China veröffentlichte, blieben die Quellen anonym.
    Ob die Veröffentlichung der geleakten Mails den Wahlausgang tatsächlich beeinflusst haben, bleibt nach meiner Auffassung eher spekulativ.Ich schließe mich da eher der Gruppe Menschen an, die den Etablierten einen Denkzettel verpassen wollten, oder drastisch ausgedrückt, diesmal haben sie sich eben für die Pest und gegen die Cholera entschieden. Ob das richtig gewesen ist, wird die Zukunft zeigen.
    Wenn ich an die Bundestagswahlen denke, bin ich tief beunruhigt. Im Gesprächen mit ganz normalen rechtschaffenen Mitbürgern, erlebe ich immer mehr, dass diese Menschen sich von den etablierten Parteien, auch von den Linken, abwenden und zur AfD tendieren.
    Für mich auch klar eine Protesthaltung gegenüber den Etablierten.
    Anstelle sich mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen, haben unsere Politiker nichts anders zu tun, Putin schon vorab die Schuld für diese Tendenz zu geben.
    Natürlich darf beabsichtigte Zensur nicht fehlen, wenn auch noch im Neusprech verpackt.
    Aktuelles Beispiel:
    Angesichts der Manipulationsvorwürfe gegen Russland hat der Vorsitzende des NSA-Untersuchungsausschusses, Patrick Sensburg (CDU), dazu aufgerufen, gefälschte Internetseiten kenntlich zu machen oder sogar zu sperren: „Bei staatlich organisierter Propaganda sollten wir strafrechtlich tätig werden und im äußersten Fall Webseiten blocken“und weiter
    „Da wird ein Punkt überschritten, da muss der Staat handlungsfähig bleiben“.
    Es werde eine Stimmung geschaffen, in der seriösen Medien und der Politik nicht mehr vertraut werde. „Das Ziel der hybriden Kriegsführung ist nicht, die SPD oder die Union zu schwächen, sondern die Destabilisierung einer ganzen Gesellschaft. Das ist der Punkt, der mir Sorge macht“, betonte Sensburg.
    Nun sollte Sensburg mal erklären, was sind seriöse Medien und zum Anderen, warum die Menschen solchen Politikern, wie auch Sensburg nicht vertrauen. NSA Untersuchungsausschuss wäre doch schon mal ein Ansatzpunkt.


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