Mittwoch, 24. September 2014

Ukraine: Warnung für europäische Steuerzahler

Thema: Ukraine

Investoren bereiten sich auf Staats-Pleite vor

Den Anlegern an den internationalen Kapitalmärkten dämmert langsam, dass die Ukraine pleite ist: Sie bereiten sich auf einen Schuldenschnitt vor. Misslich für den europäischen Steuerzahler ist die Tatsache, dass die Ukraine vermutlich mit europäischen Steuergeldern gerettet werden muss. Bundeskanzlerin Merkel sorgt sich bereits um die Gasversorgung im Winter.

Die ukrainische Anleihe mit Laufzeit bis 2023 wurde am Dienstag auf dem niedrigsten Kurs-Niveau seit Anfang Mai gehandelt. (Grafik: ariva.de)
Angesichts wachsender Zweifel an der Tragfähigkeit der Schuldenlast der Ukraine sind Anleihen des Landes unter Verkaufsdruck geraten. Ein 1,2 Milliarden Dollar schwerer Schuldtitel mit Laufzeit bis 2023 wurde am Dienstag auf dem niedrigsten Kurs-Niveau seit Anfang Mai gehandelt. Den Investoren wird nach Ansicht von Experten die schwierige Lage des Landes zunehmend bewusst. Die Wirtschaft wird 2014 Schätzungen der Zentralbank zufolge um bis zu zehn Prozent schrumpfen. Die Waffenruhe in dem von einem Separatisten-Aufstand erschütterten Osten der Ukraine könnte zugleich den Weg für eine Umschuldung frei machen, sagte Ökonom David Spegel von BNP Paribas der Nachrichtenagentur Reuters.

Ökonomen verweisen darauf, dass trotz eines Kredits des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 17 Milliarden Dollar und weiterer Kreditzusagen des Westens der Schuldenstand des Landes wegen der tiefen Wirtschaftskrise immer bedrohlicher wird. Falls es zu einem Schuldenschnitt kommen sollte, müssten private Investoren wohl stärker bluten, warnt Analyst Tim Ash von der Standard Bank. Bei einem im Fachjargon ‘Haircut’ genannten Schuldenschnitt müssen Anleger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. An den ukrainischen Anleihemärkten ist derzeit laut Analysten über alle Laufzeiten hinweg ein Schuldenschnitt in Höhe von rund 20 Prozent in den Preisen bereits vorweggenommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgt sich um die Energieversorgung in der Ukraine. Hintergrund ist der Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine. Mit Blick auf den nahenden Winter sagte sie am Dienstag beim Industrietag in Berlin: «Deshalb eilt die Zeit hier auch.» An diesem Freitag werden die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Berlin fortgesetzt. Russland und die Ukraine streiten unter anderem über den künftigen Preis, den Kiew für russisches Gas bezahlen muss. Über die Ukraine wird auch ein Großteil des russischen Exportgases nach Europa geleitet. Oettinger hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, dass die europäischen Steuerzahler die Rechnungen bei Gazprom bezahlen sollten.

Sollte es tatsächlich zu einem Schuldenschnitt der Ukraine kommen, werden die europäischen Steuerzahler vermutlich einen gut Teil der Last tragen müssen. Durch das kürzlich von der EU und der Ukraine ratifizierte Assoziierungsabkommen ist der EU eine Verpflichtung erwachsen, eine finale Staatspleite der Ukraine zu verhindern. Russlands Präsident Wladimir Putin befindet sich dagegen in der komfortablen Lage, zu wissen, dass die europäischen Steuerzahler die Rechnungen für den Staatskonzern Gazprom bezahlen dürften, um einen Crash zu verhindern.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare

Hobby-Journalist sagt:
Unsere Staatsratsvorsitzende Merkel hat sich vor den Karren der USA spannen lassen, hat ausschließlich die Interessen der amerikanischen Großkonzerne vertreten. Den Obama freut das doch, das die dummen Europäer die Zeche zahlen können. Und Russland, weil es als Kreditgeber nicht mehr einspringen muss. Hat ja alles prima funktioniert. Schlmm daran nur, dass die dummen Deutschen das Spiel wohl noch immer nicht begriffen haben, wie benutzt wir wurden und noch immer werden.

Aufgewachte sagt:
Nun ja,dürfte jetzt wohl dem/der Letzten klar sein,warum die Ukraine möglichst schnell in die EU will.
Der Menschenrechtsrat hat die Verbrechen in der Ukraine inklusive Massenmorde in Odessa bereits angeprangert und verurteilt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit,bis die Kriegstreiber incl.Merkel und Timoschenko sich vor einem Internationalen Gericht zu verantworten haben.Bei einer Firma fällt übrigens der Immunitätsschutz weg! Es dürfte übrigens auch mittlerweile bekannt sein,daß die Ankläger in Den Haag (ICC) gegen Israel aktiv geworden sind.Das war überfällig !

naturbaby sagt:
na, mit Oettinger ist ja wieder ein richtiger “Spezialist” am Werk.

tigerente sagt:
Das ging aber schnell: Bambule im Winter, Putsch im Frühjahr, Krieg im Sommer, pleite im Herbst. Wenn man doch dieses Tempo auf die gesamte EU und die NATO-Staaten übertragen könnte… Die Ukraine sollte beiden Bündnissen ganz schnell beitreten.

Erik Hofmann sagt:
Man sollte auch mal die russischen Kredite erwähnen und die Konditionen. Putin könne, wenn er wollte, auf den Knopf drücken und die Ukraine ist pleite! Da gibt es Klauseln, welche an die Wirtschafts- und Finanzkraft der Ukraine gekoppelt sind! Kann ich dann Deutschland wegen Steuerbetrug verklagen? Wenn zu Rettung der Ukraine meine Steuern herangezogen werden? Vorsätzliche Steuerverschwendung der Regierung für einen NICHT EU Staat?!

Pequod sagt:
Was hat man eigentlich anderes erwartet?
Das hätte man sich früher überlegen sollen, bevor man den Stunk auf dem Maidan angefangen hat! Jetzt darf die ‘EU’, sprich der deutsche Steuerzahler, die Ukraine sanieren, was aber nebensächlich ist, da ja die Kanzlerin die westlichen Werte in der Ukraine verteidigt. Dafür frieren wir gerne!

Herzlichen Glückwunsch sagt:
Vorher sprang der IWF noch mit 30 Milliarden ein, ausfallgefährdete Bankkredite mussten wieder einmal gerettet und verbürgt werden. Die österreichischen Banken sind äußerst stark in Osteuropa engagiert, auch in der Ukraine. Ein weiterer Fall für den ESM, der jetzt ja auch noch Banken stabilisieren, sanieren und refinanzieren muss (spanischer Weg).
Wir sind wohl wieder einmal bei einer Rettungsparty mit dabei, ökonomisch-finanzielle und politische Expansionspläne bergen einige Risiken. Vielleicht bald auch militärische. Russland will seine Schwarzmeerflotte erweitern, die Ukraine soll EU-Beitrittskandidat werden. US-amerikanische Firmen sicherten sich umfangreiche Förder- und Schürfrechte im russischen Machtbereich. Russland verkauft seine Bodenschätze gen Asien, D schaut in die Röhre.

Robert B. sagt:
Du bist ja ein Witzbold!
WIR haben den Maidan auch nicht angefangen, das waren unsere Freunde von “über dem Teich” (respektive, wie in Syrien, ein paar echte Unzufriedene die dann aufgestachelt und instrumentalisiert und “personell verstärkt” wurden. Wofür gibt es denn NGOs…).
WIR haben hinterher mur weisungsgemäss mitgespielt.


Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen