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Mittwoch, 24. September 2014

Ukraine: Warnung für europäische Steuerzahler

Thema: Ukraine

Investoren bereiten sich auf Staats-Pleite vor

Den Anlegern an den internationalen Kapitalmärkten dämmert langsam, dass die Ukraine pleite ist: Sie bereiten sich auf einen Schuldenschnitt vor. Misslich für den europäischen Steuerzahler ist die Tatsache, dass die Ukraine vermutlich mit europäischen Steuergeldern gerettet werden muss. Bundeskanzlerin Merkel sorgt sich bereits um die Gasversorgung im Winter.

Die ukrainische Anleihe mit Laufzeit bis 2023 wurde am Dienstag auf dem niedrigsten Kurs-Niveau seit Anfang Mai gehandelt. (Grafik: ariva.de)
Angesichts wachsender Zweifel an der Tragfähigkeit der Schuldenlast der Ukraine sind Anleihen des Landes unter Verkaufsdruck geraten. Ein 1,2 Milliarden Dollar schwerer Schuldtitel mit Laufzeit bis 2023 wurde am Dienstag auf dem niedrigsten Kurs-Niveau seit Anfang Mai gehandelt. Den Investoren wird nach Ansicht von Experten die schwierige Lage des Landes zunehmend bewusst. Die Wirtschaft wird 2014 Schätzungen der Zentralbank zufolge um bis zu zehn Prozent schrumpfen. Die Waffenruhe in dem von einem Separatisten-Aufstand erschütterten Osten der Ukraine könnte zugleich den Weg für eine Umschuldung frei machen, sagte Ökonom David Spegel von BNP Paribas der Nachrichtenagentur Reuters.

Ökonomen verweisen darauf, dass trotz eines Kredits des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 17 Milliarden Dollar und weiterer Kreditzusagen des Westens der Schuldenstand des Landes wegen der tiefen Wirtschaftskrise immer bedrohlicher wird. Falls es zu einem Schuldenschnitt kommen sollte, müssten private Investoren wohl stärker bluten, warnt Analyst Tim Ash von der Standard Bank. Bei einem im Fachjargon ‘Haircut’ genannten Schuldenschnitt müssen Anleger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. An den ukrainischen Anleihemärkten ist derzeit laut Analysten über alle Laufzeiten hinweg ein Schuldenschnitt in Höhe von rund 20 Prozent in den Preisen bereits vorweggenommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgt sich um die Energieversorgung in der Ukraine. Hintergrund ist der Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine. Mit Blick auf den nahenden Winter sagte sie am Dienstag beim Industrietag in Berlin: «Deshalb eilt die Zeit hier auch.» An diesem Freitag werden die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Berlin fortgesetzt. Russland und die Ukraine streiten unter anderem über den künftigen Preis, den Kiew für russisches Gas bezahlen muss. Über die Ukraine wird auch ein Großteil des russischen Exportgases nach Europa geleitet. Oettinger hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, dass die europäischen Steuerzahler die Rechnungen bei Gazprom bezahlen sollten.

Sollte es tatsächlich zu einem Schuldenschnitt der Ukraine kommen, werden die europäischen Steuerzahler vermutlich einen gut Teil der Last tragen müssen. Durch das kürzlich von der EU und der Ukraine ratifizierte Assoziierungsabkommen ist der EU eine Verpflichtung erwachsen, eine finale Staatspleite der Ukraine zu verhindern. Russlands Präsident Wladimir Putin befindet sich dagegen in der komfortablen Lage, zu wissen, dass die europäischen Steuerzahler die Rechnungen für den Staatskonzern Gazprom bezahlen dürften, um einen Crash zu verhindern.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare

Hobby-Journalist sagt:
Unsere Staatsratsvorsitzende Merkel hat sich vor den Karren der USA spannen lassen, hat ausschließlich die Interessen der amerikanischen Großkonzerne vertreten. Den Obama freut das doch, das die dummen Europäer die Zeche zahlen können. Und Russland, weil es als Kreditgeber nicht mehr einspringen muss. Hat ja alles prima funktioniert. Schlmm daran nur, dass die dummen Deutschen das Spiel wohl noch immer nicht begriffen haben, wie benutzt wir wurden und noch immer werden.

Aufgewachte sagt:
Nun ja,dürfte jetzt wohl dem/der Letzten klar sein,warum die Ukraine möglichst schnell in die EU will.
Der Menschenrechtsrat hat die Verbrechen in der Ukraine inklusive Massenmorde in Odessa bereits angeprangert und verurteilt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit,bis die Kriegstreiber incl.Merkel und Timoschenko sich vor einem Internationalen Gericht zu verantworten haben.Bei einer Firma fällt übrigens der Immunitätsschutz weg! Es dürfte übrigens auch mittlerweile bekannt sein,daß die Ankläger in Den Haag (ICC) gegen Israel aktiv geworden sind.Das war überfällig !

naturbaby sagt:
na, mit Oettinger ist ja wieder ein richtiger “Spezialist” am Werk.

tigerente sagt:
Das ging aber schnell: Bambule im Winter, Putsch im Frühjahr, Krieg im Sommer, pleite im Herbst. Wenn man doch dieses Tempo auf die gesamte EU und die NATO-Staaten übertragen könnte… Die Ukraine sollte beiden Bündnissen ganz schnell beitreten.

Erik Hofmann sagt:
Man sollte auch mal die russischen Kredite erwähnen und die Konditionen. Putin könne, wenn er wollte, auf den Knopf drücken und die Ukraine ist pleite! Da gibt es Klauseln, welche an die Wirtschafts- und Finanzkraft der Ukraine gekoppelt sind! Kann ich dann Deutschland wegen Steuerbetrug verklagen? Wenn zu Rettung der Ukraine meine Steuern herangezogen werden? Vorsätzliche Steuerverschwendung der Regierung für einen NICHT EU Staat?!

Pequod sagt:
Was hat man eigentlich anderes erwartet?
Das hätte man sich früher überlegen sollen, bevor man den Stunk auf dem Maidan angefangen hat! Jetzt darf die ‘EU’, sprich der deutsche Steuerzahler, die Ukraine sanieren, was aber nebensächlich ist, da ja die Kanzlerin die westlichen Werte in der Ukraine verteidigt. Dafür frieren wir gerne!

Herzlichen Glückwunsch sagt:
Vorher sprang der IWF noch mit 30 Milliarden ein, ausfallgefährdete Bankkredite mussten wieder einmal gerettet und verbürgt werden. Die österreichischen Banken sind äußerst stark in Osteuropa engagiert, auch in der Ukraine. Ein weiterer Fall für den ESM, der jetzt ja auch noch Banken stabilisieren, sanieren und refinanzieren muss (spanischer Weg).
Wir sind wohl wieder einmal bei einer Rettungsparty mit dabei, ökonomisch-finanzielle und politische Expansionspläne bergen einige Risiken. Vielleicht bald auch militärische. Russland will seine Schwarzmeerflotte erweitern, die Ukraine soll EU-Beitrittskandidat werden. US-amerikanische Firmen sicherten sich umfangreiche Förder- und Schürfrechte im russischen Machtbereich. Russland verkauft seine Bodenschätze gen Asien, D schaut in die Röhre.

Robert B. sagt:
Du bist ja ein Witzbold!
WIR haben den Maidan auch nicht angefangen, das waren unsere Freunde von “über dem Teich” (respektive, wie in Syrien, ein paar echte Unzufriedene die dann aufgestachelt und instrumentalisiert und “personell verstärkt” wurden. Wofür gibt es denn NGOs…).
WIR haben hinterher mur weisungsgemäss mitgespielt.


Samstag, 12. Oktober 2013

Das Ende einer Weltmacht: China ruft Obama zur Ordnung

Thema: Macht und Geld

USA müssen Schulden zahlen

Der chinesische Premier Li Keqiang hat den Amerikanern die gelbe Karte gezeigt: Die Amerikaner müssen ihre Schulden an China pünktlich bezahlen. Das ist eine diplomatische Ohrfeige für Barack Obama, der plötzlich so klein erscheint wie die griechischen Kaninchen vor der Schlange der Finanz-Eliten. Die großen Schlachten werden symbolisch geschlagen. Der Gesichtsverlust für die USA ist die Höchststrafe, die China zu vergeben hat.

Der chinesische Premier Li Keqiang fordert von den Amerikaner die pünktliche Bezahlung der Schulden. China ist der größte Gläubiger der USA – und führt den Schulden-Präsidenten nun regelrecht vor. (Foto: dpa)


Der chinesische Premier Li Keqiang hat sich am Donnerstag mit einer deutlichen Botschaft an US-Außenminister John Kerry gewandt: Li sagte, dass „China dem Thema der amerikanischen Schulden-Obergrenze große Aufmerksamkeit“ widme. Die Aussagen wurden auf der Regierungs-Website veröffentlicht.

Diese Wortmeldung, so kurz sie sein mag, wirft ein Schlaglicht auf die Verhältnisse der Weltmächte: Die Amerikaner haben sich massiv verschuldet – und müssen nun nach der Pfeife der Chinesen tanzen. China hat etwa 60 Prozent seiner ausländischen Investments in US-Assets. Für Peking stehen also 2 Billionen US-Dollar auf dem Spiel.

Schon zu Beginn der Woche hatte der chinesische Vize-Finanzminister Zhu Guangyao die Amerikaner aufgefordert, „die Sicherheit der chinesischen Investments zu gewährleisten“. Für den Fall, dass die USA die Schuldenobergrenze nicht erhöhen können, müssten die Amerikaner zuerst ihren Schuldendienst an den Inhabern von Staatsanleihen leisten, sagte Zhu.

Tatsächlich ist das Risiko einer technischen Pleite gering – wie Goldman Sachs ermittelt hat: Diese würde sich an den Kreditversicherungen (CDS) orientieren, welche mit insgesamt 23 Milliarden Dollar und 3,3 Milliarden Dollar mit einer Fälligkeit per Ende September. Diesen „Kredit-Event“ würde die ISDA ausrufen, die internationale Sammelstelle für Kreditversicherungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist gering, erklärt Goldman auf Business Insider.

Tatsächlich erinnert der Vorgang an Griechenland: Auch die Griechen stecken in der Schuldenfalle - nicht, weil die Bürger in Saus und Braus leben, sondern weil der hochverschuldete Staat seine Schulden nicht bedienen kann.

Bereits in Griechenland war zu sehen, warum die eigentlich überfällige Staatspleite nicht erfolgte: Die Banken mussten sicherstellen, dass das Geld, das sie in ihren Bilanzen in Form von Schuldscheinen stehen haben, irgendwie über das Schneeball-System des globalen Finanz-Systems aufgebracht wurde. So hat sich die groteske Situation ergeben, dass Griechenland in einem Fort Geld von der EU bekommt – nicht, um den Euro zu retten, sondern um den Banken dem Staat den Schuldendienst mit europäischen Steuergeldern zu finanzieren. Das Geld geht dann, wie bei jedem guten Schneeball-System, wieder in die Taschen derjenigen, die es eigentlich gegeben haben: Im Falle Griechenlands ist das die EZB. Die Zinslast führt jedoch dazu, dass die Schulden immer höher werden.

Das nennt man Drogenabhängigkeit im Weltfinanz-System.

Auch im Fall der USA werden die Chinesen den Teufel tun und den Amerikanern das Messer an den Hals setzen. Denn auch im Fall der US-Pleite ist längst derselbe Prozess im Gang wie in Europa: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kauft wie verrückt US-Staatsanleihen. Damit zieht die Fed das Geld aus den Märkten und zwingt die US-Steuerzahler dazu, die Haftung für die US-Schuldenpolitik zu übernehmen. Genau dasselbe ist in Griechenland passiert: Die Banken haben durch Schuldenschnitt und rechtzeitigem Abzug all ihre Schrottpapiere auf die europäischen Steuerzahler übergewälzt.

Und die zahlen nun auf Jahrzehnte hinaus.

Genauso werden die amerikanischen Steuerzahler zahlen.
Die Ohrfeige der Chinesen für Obama entspricht ebenfalls dem griechischen Modell: Regierungschefs aus Athen werden in Brüssel behandelt wie schlechte Schuldner eben behandelt werden: Man bringt sie nicht um, weil man sie noch braucht – schließlich schadet der Totalausfall dem Gläubiger genauso wie dem Schuldner. Doch man demütigt sie, etwa, indem man ihnen jeden Monat die Men in Black (Troika) vorbeischickt.

Eine Troika wird bei Präsident Obama nicht auftauchen.

Der Ordnungsruf aus Peking, der früher als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ ganz und gar undenkbar gewesen wäre, ist eine härtere Maßnahme als ein paar Bürokraten zum Geldeintreiben.

Er macht den Gesichtsverlust deutlich.

Das ist in Asien die Höchststrafe.

Die großen Schlachten verliert man nicht bei einem Waffengang, sondern in Symbol-Handlungen, die klar machen, wer oben und wer unten ist.

Die USA haben mit dem hemmungslosen Schulden-Wahn ihren Nimbus verloren.
Amerika – das Ende einer Weltmacht.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare


Selbstdenker sagt:
Angriff von allen Seiten. Die ersten “Erfüllungsgehilfen” stellen Fragen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-pressefreiheit-obamas-regierung-schafft-ein-klima-der-angst-a-927001.html


Joachim sagt:
Ich frage mich, warum so viele Kommentare ihre Schadenfreude gegenüber den USA so offen zeigen? Es dürfte schon klar sein, dass die Kolonie BRD von den USA noch stärker gemolken und ausgeblutet wird , damit die USA ihre Schulden bedienen können. Freuen Sie sich also, dass Sie demnächst hier für 2,39 Euro arbeiten gehen dürfen und 26 % MwSt. bezahlen dürfen?


Dragon11 sagt:
Hahaha…Gesichtsverlust ..Kreditausfall..shut down…blabla..
Ich habe das ungute Gefühl ,dass auch China nur eine Rolle im weltweit aufgeführten Trauerspiel NWO spielt, genau wie alle anderen überall…
Die “Eliten” sind überall gleich und haben sich Staatswesen und Macht mehr oder weniger offen und für alle zu erkennen , unter den blutigen Nagel gerissen.
Egal ob USA , EU , China oder Russland…alle spielen ihre Rolle , sowie von Autor und Regisseur Rothschild und Co. vorgesehen.( selbst die Sowjetunion , Kommunismus , Warschauer Pakt ..nur ein weiterer Spielplatz der Götter des Mammon…)
Die Marionettenherrscher überall haben am meisten zu verlieren und werden bis zum Ende auf der Bühne bleiben zu unser aller Ungunsten weltweit.
Nur wer von den Darstellern aus der Reihe schert kriegt dann halt mal Besuch vom US MC , muss sich bis zur Hinrichtung durch den Strang im Erdloch verkriechen oder wird in der nordafrikanischen Wüste mit einer Eisenstange vergewaltigt.
Schöne Aussichten für Aussteiger , so was beeindruckt schon mal und fördert das Nachdenken in die richtige Richtung.
Keiner steigt aus der größten Pokerrunde der Welt aus , mit den größten Einsätzen die es je auf dem Tisch gab.
Es geht um nichts weniger als ….die ganze Welt…alternativlos…gute Nacht zusammen !



Samstag, 17. August 2013

Angela Merkel orientiert sich neu und geht auf Distanz zu Brüssel

so hieß es am 15.08.2013 bei DWN
zum Thema: Ernüchterung in der Euro-Krise
und wieder beginnt das "Fähnlein Merkel" sich zu drehen

Angela Merkel verabschiedet sich offenbar von der Illusion einer tieferen Integration der EU. Sie schlägt plötzlich vor, dass Kompetenzen von Brüssel an die Nationalstaaten zurückgegeben werden. Der Grund: Merkel fürchtet, dass Investoren den Staaten kein Geld mehr leihen könnten. Dann ist der Sozialstaat nicht mehr zu halten. Merkels wirtschaftliche Gedanken offenbaren, dass der Politik das Heft des Handelns längst aus der Hand genommen worden ist.



Angela Merkel, melancholisch: „Welche Lösungsmöglichkeit hat eigentlich nationale Politik heute noch in einer globalen Welt?“
In einem Sommerinterview mit dem DLF und Phönix hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erstaunlich distanzierte Töne über eine weitere Integration in der EU verlauten lassen.
Das ist mit Sicherheit zu einem guten Teil Wahltaktik.
 Merkel weiß, dass die Deutschen der Euro-Rettung sehr skeptisch gegenüberstehen, wie erst neulich eine Studie sehr drastisch belegt hat (hier).

Merkel möchte auch der euro-kritischen Alternative für Deutschland (AfD) etwas Wind aus den Segeln nehmen. Die AfD hat zwar den offiziellen Umfragen zufolge sehr bescheidende Werte. Doch diese Umfragen sind gerade bei neuen Parteien in der Regel sehr unzuverlässig und der Wahlkampf hat noch nicht begonnen. Merkel als alte Taktikerin weiß, dass jede Stimme zählt. Es ist für sie wichtig, dass sie der AfD keine Flanke offenlässt, weil sonst die CDU geschwächt würde.

Merkel macht in dem Interview nicht den Eindruck, dass sie am grundsätzlichen Wahlerfolg ihrer Partei zweifelt. Sie geht davon aus, dass sie wieder Bundeskanzlerin wird – in diesem Punkt dürften die Umfragen wegen des desaströsen Zustands der SPD nicht falsch liegen.
Doch das Deutschland, das sie regieren wird, wird ein anderes sein.

Daher macht sich Merkel melancholisch Gedanken darüber, wie es weitergehen wird, wenn sie nach dem 22. September ihre nächste Periode im Bundeskanzleramt antreten wird.
Und da gibt es mehrere grundlegende Probleme, zu deren Lösung die EU nach Merkels Einschätzung offenbar nicht beitragen kann, im Gegenteil: Sie zeigt sich genervt über die vielen nächtlichen Marathon-Sitzungen, bei denen am Ende nichts herauskommt.

Merkel sieht Europa als einen Wirtschaftsraum. Sie hat keine politische Vision von Europa. Ihre Positionen sind deutlich davon bestimmt, was Banken und Wirtschaftsführer ihr erzählen. Und offenbar hat sie gesteckt bekommen, dass sich der Wind gerade dreht.

Das betrifft vor allem eine Illusion: dass nämlich die Zentralbanken die Arbeit der Politik übernehmen könnten, indem sie einfach so viel Geld drucken, dass alle Probleme weggeschwemmt werden. Die FT berichtet, dass es bei den internationalen Investoren erstmals Anzeichen zu erkennen seien, den Ankündigungen der Zentralbanken nicht mehr zu glauben.

Wenn dies stimmt, haben alle Schuldenstaaten ein riesiges Problem.
Auch Deutschland ist in diesem Sinn ein Schuldenstaat. Das Sozialsystem ist nur auf Pump aufrechtzuerhalten.

Und die Investoren wollen nicht mehr leihen. Erst kürzlich hat der größte Pensionsfonds der Welt aus Norwegen bekanntgegeben, seine Bestände an Staatsanleihen zu reduzieren.
Der Grund für diese Trendwende: Die Zinsen für britische, deutsche und amerikanische Staatsanleihen steigen. Die Investoren äußern deutliche Zweifel, dass die Instrumente der Zentralbanken wirklich greifen. Denn tatsächlich hat sich trotz der gigantischen Summen an gedrucktem Geld an der realen Wirtschaftslage in der EU nichts geändert: Die Arbeitslosigkeit ist in den meisten Ländern viel zu hoch. Die Unternehmen stellen keine Leute ein, sondern versuchen, die Produktivität dadurch zu steigern, dass die bestehenden Mitarbeiter zu noch mehr Effizienz angetrieben werden. Die Kredite de EZB und der Bank of England wie auch der Fed kommen nicht bei der Wirtschaft an.

Merkel hat eine klare Vorstellung davon, dass die Politik der Wirtschaft hoffnungslos unterlegen ist. Sie sieht daher die zentrale Aufgabe der Politik darin, der Wirtschaft zu dienen. Sie sagt: „Der Bedeutungsverlust (von Europa) kommt auch daher, dass wir in bestimmten wirtschaftlichen Bereichen nicht mehr an führender Stelle sind…. Der Bedeutungsverlust hängt sehr stark auch mit der ökonomischen Stärke zusammen.“

Merkel weiß: Wenn die Wirtschaft nachlässt, dann werden die Gläubiger ungemütlich: „Wenn wir mehr ausgeben als wir dienen, dann steigt die Staatsverschuldung und dann gibt es plötzlich keine Investoren mehr, die Interesse haben, Staatsanleihen bestimmter Länder zu kaufen.“

Merkel ist sich offenbar im Klaren darüber, dass die Regierungen in Europa nicht sparen werden, weil sie wegen der hohen Schulden gar nicht mehr sparen können.

Die vielen mehr oder weniger erfolglosen Euro-Rettungsaktionen haben offenbar bei Merkel eine erste Ernüchterung ausgelöst. Trotz aller Gremien und Sitzungen sei – drei Jahre nach Ausbruch der Euro-Krise – „dringend Eile geboten, dass Europa an seiner verbesserten Wettbewerbsfähigkeit arbeitet“.

Die Wettbewerbsfähigkeit ist Merkels Kern- und Angelpunkt.
Zitate:
„Ich glaube, dass wir uns in Europa im Augenblick einmal darum kümmern müssen, dass wir enger unsere Wettbewerbsfähigkeit abstimmen und dazu muss ich nicht alles nach Brüssel geben.“
„Wenn Sie wettbewerbsfähig sein wollen, dann müssen die Lohnstück-Kosten in Europa vergleichbar sein. Wenn sie in einem Land viel höher sind, hat das zur Folge, dass das Land seine Produkte nicht mehr verkaufen kann und daher die Arbeitslosigkeit steigt.“
„Die Reformen, die wir jetzt verabredet haben, teilweise über die Rettungsprogramme, teilweise freiwillig, haben zur Folge, dass die Lohnstückkosten sinken.“

Das sind die Sonntagsreden.
Doch Merkel weiß, dass das im Grunde nicht durchsetzbar ist.
Merkel:
„Jedes Land hat eine eigene Form der Lohnfindung.“
„Das Bundesverfassungsgericht hat uns gesagt: Die Sozialsysteme sind ein Kernbestandteil des Nationalstaates. Die kann ich nicht einfach nach Brüssel verlagern. Jedes Land hat eine eigene Tradition.“
Und deshalb ist Merkel plötzlich der Meinung, dass es besser ist, wenn die Dinge in den Nationalstaaten gelöst werden.
So oft wie in diesem Interview hat Merkel noch nie das Wort „Nationalstaaten“ in den Mund genommen.
Selbst wenn das alles nur Wahlkampf-Getöse ist – es ist sehr auffällig, dass Merkel nicht mehr davon träumt, eines Tages die Vereinten Staaten von Europa anzuführen, sondern plötzlich davon spricht, dass man in Zukunft nicht nur darüber nachdenken solle noch mehr „an Kompetenzen nach Europa“ zu geben, sondern dass „man vielleicht eines Tages auch wieder mal was zurückgeben“ könne.
In der ihr eigenen, etwas verklausulierten Form malt Merkel dann ein Bild von Europa, das sich gar nicht mehr mit dem deckt, was die CDU bisher verkauft hat. Merkel spricht von der EU als einer losen Verbindung von Staaten, die freiwillig zusammenarbeiten.
Merkel:
„Mehr Europa ist mehr als nur die Verlagerung einer Kompetenz vom Nationalstaat nach Europa, sondern ich kann auch mehr Europa haben, indem ich mich in meinem nationalen Handeln strenger und intensiver darauf einlasse, das mit anderen zu koordinieren. Das ist eine andere Form von mehr Europa.
Wir werden darüber reden: Brauchen wir noch mehr Kompetenzen für Europa. Wir können auch überlegen: Geben wir wieder einmal was zurück? Die Niederländer diskutieren im Augenblick gerade darüber und diese Diskussion werden wir nach der Bundestagswahl auch führen. Oder machen wir es durch mehr Kompetenzen für die Kommission eben auch dadurch, mit den Nationalstaaten bestimmte Dinge zu verabreden. Das ist mehr Europa.“
Natürlich gibt sie den Zentralismus nicht vollständig auf – das wäre dann doch zu gewagt. Aber das Hintertürchen, welches sie offenhält, ist doch ein sehr kleines Türchen, mit jeder Menge Gestrüpp und vielen Dornenranken, die man erst einmal überwinden muss, wenn man wirklich durchgehen will.
Merkel:
„Aber man kann darüber reden – und deshalb arbeiten wir an Vereinbarungen mit der Europäischen Kommission – wo die Kommission als Beobachter sagt: In dem Land läuft’s schief, in dem Land läuft’s besser – und ich möchte gerne, dass auch wir Deutschen uns dann verpflichten, wenn die Kommission sagt, bei euch läuft das wieder aus dem Ruder in irgend einem Bereich, dass wir dann verpflichtend uns an die Empfehlungen auch halten, die uns da gegeben werden. Das ist zum Beispiel eine der Weiterentwicklungen, an der wir jetzt auch ganz konkret arbeiten. Das brauche ich gar nicht ins Wahlprogramm zu schreiben. Das bedeutet, dass wir als Nationalstaaten – und das gilt für jeden Nationalstaat in der Europäischen Union – nicht mehr einfach nur das machen können, was wir gerade mal für richtig halten, sondern dass wir verstehen, dass alles was wir tun auch Auswirkungen auf alle Nationalstaaten im Währungsverbund hat.“
In diesem Kontext spricht Merkel vom Euro auch nicht mehr als einem politischen Projekt, für das zu kämpfen es sich lohne. Der Euro ist eine Hilfsmittel für den Wirtschaftsraum: „Ich glaube, dass die Deutschen verstehen, dass der Euro als solches ein großer Vorteil für uns als Exportnation ist.“
Merkels Vision für Deutschland besteht darin, dass Deutschland als Exportnation erfolgreich bleibt.
Das kann mit dem Euro sein.
Das muss aber nicht nur mit dem Euro möglich sein.
Denn Merkel weiß, dass sie die Deutschen nicht die gesamten in Europa angehäuften Schulden begleichen kann. Sie hat daher kein Problem, als Zuchtmeisterin Europas bezeichnet zu werden. Sie verstärkt dieses Bild sogar:
„Ich werde darauf achten, dass diese Solidarität auch zu Ergebnissen führt. Es hat doch keinen Sinn, wenn sich strukturell nichts verändert, wenn ich meine Solidarität dafür ausgebe, dass wir jetzt einfach mal schön solidarisch miteinander sind. Wenn die Wirtschaftssysteme nicht effizient sind, können wir alle so lange solidarisch sein, bis wir alle gemeinsam schwach sind.“
Und wenn die Solidarität nicht zu Ergebnissen führt?
Merkel schwadroniert zwar etwas abgehoben von den Vorteilen Europas, etwa, indem sie den absurden Vorschlag macht, „dass es in zwanzig, dreißig Jahren selbstverständlich ist, dass jeder junge Mensch, und nicht nur die Studenten, sondern auch jeder Facharbeiter, eine zweite Fremdsprache kann und dass man dann auch Teile seines Lebens woanders arbeiten kann“.

Diesen Zustand wird es auch in hundert Jahren nicht geben, weil nicht nur die Facharbeiter damit überfordert wären, sondern vor allem, weil ein gigantisches technokratisches Umsiedlungsprogramm in Europa zur sozialen Explosion führen würde. Der für einen funktionierenden gemeinsamen Wirtschaftsraum unerlässliche gemeinsame Arbeitsmarkt ist in Europa nicht möglich, weil dazu den Menschen alle regionalen, kulturellen und sprachlichen Eigenheiten geraubt werden müssen.
Merkel sagt, es wäre schön, wenn es ein „völlig anderes europäisches Bewusstsein“ gäbe, „wenn man weiß, worüber in Schweden diskutiert wird, in Finnland, in Spanien, in Portugal“.
Kein Mensch in Deutschland hat auch nur den Hauch einer Ahnung, was in Finnland oder in Portugal diskutiert wird.

Was die Nationalstaaten Europas erwartet, ist, dass sie aus der Schuldenfalle, in die sie die verantwortungslosen Politiker aller Nationen getrieben haben, nur mit großen Schmerzen herauskommen werden. Selbst das wird nicht gelingen – wie man in Griechenland, Portugal oder Irland sieht: Alle diese Länder sind nach den „Rettungsprogrammen“ noch verschuldeter als davor.
Merkels Auftritt zu Beginn des Wahlkampfs manifestiert sich in einem Satz, der einer Kapitulation gleichkommt: „Welche Lösungsmöglichkeit hat eigentlich nationale Politik heute noch in einer globalen Welt?“
 
Es ist gut denkbar, dass Merkel nach der Wahl ganz anders reden wird.
Fest steht jedoch: Die Bundestagswahl wird eher folkloristischen Charakter haben.
Die Entscheidungen fallen anderswo.
Welche „Lösungsmöglichkeiten“ den Deutschen und den Europäern nach dem 22. September präsentiert werden, werden andere bestimmen als der Deutsche Bundestag.
Der Schulden-Wahn fordert seinen Tribut.
Die Bundeskanzlerin wird nicht regieren.
Sie wird ausführen.
Der Wahlkampf – ein Abgesang

... und schon einen Tag später wird verbreitet:
Freundin der Industrie: Top-Manager hoffen auf Merkels Wiederwahl


Deutschlands Rolle in der Eurokrise ist groß. Den weltweiten Top-Managern zufolge hat Angela Merkel diese Rolle gut ausgefüllt. Denn die Wirtschafts-Elite hofft auf eine Wiederwahl Merkels, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Merkels Nähe zur Finanzindustrie und den Top-Unternehmern Deutschlands macht sie beliebter als Steinbrück.

Die Unternehmens-Freundlichkeit Merkels wird auch in anderen Länder sehr geschätzt (Foto: EU-Commission).

Fragt man ausländische Unternehmensmanager nach ihrem ganz persönlichen Favoriten für die kommende Bundestagswahl, bestätigt sich ein weiteres Mal die ausgeprägte liberal-konservative Konzern-Affinität. Schwarz-Gelb wird von den Wirtschaftskapitänen dieser Welt als für ihr Geschäftsmodell günstigste Koalition angesehen.

Herausgefunden hat dies der Global Business Barometer des Economist und der FT. Diese quartalsweise durchgeführte Studie soll globale Wirtschaftstrends aufzeigen und basiert auf der Befragung von 1.500 Managern in aller Welt.

Eine Wiederwahl von Kanzlerin Merkel würde für die überwiegende Mehrheit von ihnen die ökonomischen Aussichten der Eurozone stärken. 60 Prozent denken so, wohingegen nur 16 Prozent meinen, ein solches Wahlergebnis würde die Aussichten verschlechtern. Der Rest der Befragten machte keine Angaben.

Die Selbstverständlichkeit, mit der die internationalen Führungskräfte eine Regierung aus Union und FDP mit einer wirtschaftlichen Erholung in Verbindung bringen, ist vielsagend. Die Big Player in der globalen Wirtschaft können von deren Industrie-freundlicher Politik nur profitieren.

Insgesamt sehen die Top-Manager dieser Welt die größten Gefahren für ihr Geschäft jedoch nicht in politischen, sondern in ökonomischen und Markt-Risiken. Ein Drittel der Befragten äußerte sich besorgt über die Konjunktur-Abschwächung in China. Nach dem jüngsten Krisen-Hype haben sich die Ängste um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt aber schon wieder etwas gelegt. Fast die Hälfte sieht keine negativen Auswirkungen auf ihr Unternehmen.

Beide Artikel:
Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN
und (hier)


Kommentar


Die Frau schreckt aber auch vor gar nichts zurück um an der Macht zu bleiben.
Sie muss ein empfindsames Gespür für Volkes Stimme haben. Neigt sich die Volksmeinung auch nur minimal, beginnt sie sich sofort zu drehen.

"Ich will Deutschland dienen" hat sie gesagt.
Was versteht sie unter "Deutschland"?
Den "normalen" Bürger wohl nicht, eher schon die parteispendenstarken Industriebetriebe und die "rettungsbedürftigen" europäischen Banken.

Im eigenen Land kann alles noch so marode sein, egal! Das sieht sie nicht! Banken mussten gerettet werden! Was hat sie nicht alles versprochen, unsere Rettungskanzlerin?

Auch ihre Pirouette kürzlich war bezeichnend für sie: Erst alle Hebel bezüglich Klimaschutz in Bewegung setzen und dann als Lobbyistin der Autoindustrie die Verwirklichung ihrer eigenen Forderungen unmöglich machen.

Ihr Konkurrenzspürsinn, der schon so vielen ihrer Parteikollegen die politische Karriere gekostet hat, hat eine andere Partei gewittert. Aus Angst, es könnten einige ihrer Wähler abwandern und weil wohl einige begonnen haben über o.g. nachzudenken, beginnt sie sich zu drehen ... genau wie das Fähnlein im Wind ... wie immer ... Merkel eben.

Natürlich muss auch ihr Image noch weiter aufpoliert werden.
Die Ouvertüre trommeln "Top-Manager". Später übernimmt das Regierungsorgan.

Sie hoffen alle, dass der durch das Geklapper und Getrommel vorbereitete Wähler, beeindruckt von dieser überall anerkannten, mächtigsten Frau der Welt, sein Kreuz an der richtigen Stelle macht.


General-Investigation sagt:
Merkel ist und bleibt eine Heuchlerin, die nur sagt was ihre Wiederwahl an schubsen könnte.
Hoffentlich haben unsere Wähler endlich begriffen was da abläuft, bevor sie Mutti noch einmal auf den Thron setzen.


Lynn sagt:
Da hat RA Lutz Schaefer wohl in’s Schwarze getroffen… :-)
RA Lutz Schaefer: Wendenakrobatik im real existierenden Merkelismus
Lebe Leser, liebe Wutbürger und,
das kommt mir gerade so in den Sinn, lieber Herr G.W. aus M. oder E. oder W., ich hoffe doch sehr, daß Sie, als einer meiner fleißigsten Leser, allen meinen bisherigen Ansichten und Stellungnahmen folgen konnten, frei nach dem Motto ‘every dog has its day’…
Den heutigen DWN-Nachrichten war zu entnehmen, `daß sich Frau Merkel neu orientiert und auf Distanz zu Brüssel geht`. Näheres bitte ich an entsprechender Quelle nachzulesen.
Das ist mir einen Brief an Frau Merkel durchaus wert:
http://brd-schwindel.org/ra-lutz-schaefer-wendenakrobatik-im-real-existierenden-merkelismus/


Mohr sagt:
http://www.focus.de/politik/videos/pfiffe-fuer-die-kanzlerin-merkel-werden-ausgebuht-aber-das-macht-ja-nichts_vid_40196.html


Fatson sagt:
Der Occupy Bewegung wurde im Jahr 2011 als sie entstand auch in die rechte Ecke gesteckt. Und dann kam noch eins obendrauf, dass diese Bürgerbewegung von der Finanzindustrie gesponsert wird.
Ein totaler Schwachsinn.
Ich denke das gleiche passiert jetzt mit der AfD.
Die etablierten Parteien bekommen Schiss und Bertelsmann, Springer und Co. sollen es durch irgendwelche Behauptungen wieder richten.
Deswegen eigene Meinungen bilden und die Mainstreammedien kritisch hinterfragen.
Eines wissen wir doch ganz genau, die etablierten Parteien belügen uns doch nach Strich und Faden.
Aber scheinbar macht das den Bürgern nichts aus.
Denn heute morgen wurde im Flimmerkasten wieder verkündet. Schwarz – Gelb wäre wenn heute gewählt würde, zweifelsohne wieder die Favoriten.
Ja doe Propagandamaschine kennt keine Gnade !!