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Mittwoch, 20. November 2019

Kein Ende der Verbraucherabzocke in Sicht

Diesmal trifft es wieder die Stromkunden

Wie ich der Tageszeitung am 18.11.2019 entnehmen konnte hat Verivox, ein Vergleichsportal, ermittelt, dass in NRW von 108 Grundversorgern bereits 28 angekündigt haben, ihre Strom-Tarife für private Kunden zum 1. Januar 2020 um 5,9% zu erhöhen.
Das bedeutet für eine Familie mit einem Durchschnittsverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, dass sie sich auf Mehrkosten von 72 Euro im Jahr einstellen muss.

Aber nicht nur in NRW wird der Strompreis erhöht, bundesweit ist das so. In diesen Tagen werden noch Viele eine Überraschung erlebt haben, denn die Frist für eine Ankündigung zum Jahreswechsel lief am 20.11. ab.

Und was ist mal wieder der Grund für die Erhöhung?

Die alte Leier.
Gestiegene Netzgebühren, gestiegene EEG-Umlage mit der der Ausbau der "erneuerbaren Energien" finanziert wird.
Die EEG-Umlage steigt zum Jahresende um rund fünf Prozent auf 6,756 Cent pro Kilowattstunde und hat einen Anteil von rund 22% am Strompreis, ein weiteres Viertel entfällt auf die Netzgebühren.

Alleine in NRW sind von den bereits bekannten Preiserhöhungen mehr als 430.000 Haushalte betroffen, schätzt man bei Verivox.
Nach deren Angaben haben in Deutschland bislang 177 Versorger Erhöhungen angekündigt, wobei Konkurrent Check24 auf 186 angekündigte oder seit August vorgenommene Erhöhungen mit einem durchschnittlichen Anstieg um 5,3 Prozent kommt.

Was kann man dagegen tun?

Wie Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher sagt, hält er die Preiserhöhungen wieder einmal für überzogen:
„Umlagen und Netzgebühren mögen gestiegen sein aber nicht so, dass sich solche Erhöhungen begründen lassen“,
sagte Peters. Er rät Stromkunden, ihre Marktmacht zu nutzen und zu wechseln
„aber auch nicht zum allerbilligsten Anbieter“.
Grundsätzlich werde noch viel zu wenig gewechselt, meint der Verbraucherschützer. Bei Preiserhöhungen gebe es ein Sonderkündigungsrecht.

Quelle: WP vom 18.11.2019

Montag, 7. Januar 2019

Ist es wirklich froh, das "Frohe Neue Jahr"?

Thema: Neues Jahr

Frohes Neues Jahr?

Feuerwerk - Foto: Pixabay CC0
was gibt es da eigentlich zu feiern und anzustoßen auf das Neue Jahr? Da fällt einem ehrlich gesagt nichts ein.

Spätestens, wenn man die neuen Gesetze ab 1.1.2019 studiert und sich verinnerlicht, dann weiß man, daß harte Zeiten auf die Bürger und Steuerzahler zukommen werden. Hier ein Auszug:
  1. Erweiterung des Dieselfahrverbotes in diversen Städten
  2. Strompreise und Gaspreise steigen ins Unermessliche
  3. Die Stein- und Braunkohle wird wesentlich teurer, da sie aus dem Ausland importiert wird, während die letzte Zeche in Deutschland vor wenigen Tagen endgültig geschlossen wurde.
  4. Verschärfung der Regeln bei der Hauptuntersuchung/Abgasuntersuchung "im Sinne der Umwelt", während rund um den Globus die Chinaböller, Stickstoffoxide, Feinstaub und den CO2-Ausstoß ins Unermessliche ansteigen lassen und Umwelt und Tierwelt stark belasten.
  5. Und das "Beste" zum Schluss: Die Regierung Merkel ist immer noch im Amt!
Dazu kommt noch der Brexit im März und die Europawahlen im Mai, sowie anschließend die wohl quälende Suche nach einer neuen europäischen Regierung, sprich EU-Kommission, welche alle nichts Gutes hoffen lassen.

Für 2019 zu wünschen sind mehr Gelassenheit in der deutschen Politik und im Umgang mit neuen, zeitgeistigen Strömungen. Desweiteren zu wünschen sind ein deutliches Mehr an staatsbürgerlichem Bewusstsein aller (Macher und Nehmer), insbesondere mehr Verantwortungsbewusstsein einerseits sowie andererseits Zivilcourage i.S. "sozialer Gerechtigkeit".

eingestellt von Blogger auch unter Torpedo - kritischer Gesellschafts- und Politik-Blog
Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise des Blogbetreibers widerspiegeln.

Montag, 3. Juli 2017

Strom wird im Westen künftig deutlich teurer

Thema: Stromkosten

Bundestagsbeschluss
Netzentgelte werden deutschlandweit angeglichen

Strom ist in Ost- und Norddeutschland teurer als im Süden und Westen. Das liegt daran, dass dort Ökostrom produziert und deshalb das Stromnetz ausgebaut wird. Jetzt hat der Bundestag beschlossen, die Netzentgelte deutschlandweit anzugleichen, damit alle zu gleichen Teilen am Wandel zum Grünen Strom beitragen. Im Osten dürfte Strom bald billiger werden.

Union und SPD haben sich doch noch auf eine Angleichung der bisher unterschiedlichen Netzentgelte verständigt. Die Reform soll 2019 in Kraft treten und dann in Jahres-Schritten greifen, so dass Anfang 2023 bundesweit ein einheitliches Niveau erreicht wird.

Das Netzentgeltmodemisierungsgesetz (Nemog) könne noch in dieser Woche verabschiedet werden, hieß es gestern aus Berlin „Mit bundesweiten Übertragungsnetzentgelten 'verringern wir regionale Kostenunterschiede und sorgen für eine bessere Verteilungsgerechtigkeit bei den Stromkosten“, sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries.

Grüner Strom überlastet Netze

Mit der Angleichung der Netzentgelte werden wesentliche Kosten der Energiewende für alle Bürger in Deutschland gleich sein. Die Abgaben für die Netze machen für Haushalte rund ein Viertel des Strompreises aus und werden auf der Rechnung ausgewiesen. Für die Industrie ist der Anteil noch höher. Auf die privaten und gewerblichen Stromkunden in NRW und den Südwesten Deutschlands kommen nach der vollständigen Nivellierung jährliche Mehrkosten von 800 Millionen Euro zu.

Sie sind vor allem in Ost- und Norddeutschland hoch, weil dort viel Ökostrom produziert wird, die Netze aber unzureichend ausgebaut sind. Die neuen Bundesländer hatten entsprechend auf einheitliche Netzentgelte gedrängt.

Insgesamt fallen jährlich Kosten für das gesamte Stromnetz in Deutschland von weit über 17 Milliarden Euro an. Wegen des Ausbaus im Zuge der Energiewende steigt die Summe in den nächsten Jahren weiter.

Das träfe den durchschnittlichen Privathaushalt mit rund 20 Euro pro Jahr, erklärte der in Dortmund sitzende hiesige Netzbetreiber Amprion dieser Zeitung.

Für lndustriekunden würden die Netzentgelte deutlich steigen laut Amprion je nach Verbrauch um 40 bis 60 Prozent. Da ab gewissen Verbrauchsmengen Rabatte auf die Netzentgelte gewährt werden. sind die Auswirkungen auf die lndustriestrom-Endpreise sehr unterschiedlich.

Insgesamt fallen jährlich Kosten für das gesamte Stromnetz in Deutschland von weit über 17 Milliarden Euro an. Wegen des Ausbaus im Zuge der Energiewende steigt die Summe in den nächsten Jahren weiter.

Quelle: Westfalenpost vom 28.06.2017 und MDR

Samstag, 21. Dezember 2013

Deutschlands De-Industrialisierung hat begonnen

Thema: Teurer Strom und Klimawandel

19.12.2013, 09:35 Uhr | dpa, t-online.de

Die Verbraucher stöhnen über immer weiter steigende Strompreise, doch für die Industrie sind die Folgen offenbar noch gravierender. Wegen der teuren Energie habe in Deutschland bereits ein schleichender Prozess der De-Industrialisierung begonnen, resümiert eine Studie der Deutschen Bank. Energieintensive Branchen hielten sich bereits seit Jahren mit Investitionen in Deutschland zurück. In immerhin 15 der letzten 17 Jahre hätten die Abschreibungen höher gelegen als die Investitionen.

In der Folge sei der Wert des Nettoanlagevermögens der energieintensiven Betriebe um mehr als elf Prozent gesunken, während es in den übrigen Branchen zu einem Wachstum von fünf Prozent gekommen sei. Bei weiter überproportional steigenden Energiepreisen sei mit Umsatzverlusten zwischen fünf und 16 Milliarden Euro im Jahr zu rechnen.

Teurer Strom vertreibt Industrie

Der deutsche Strompreis für Industriekunden sei um über ein Viertel höher als der EU-Durchschnitt. Gegenüber den USA sei der Kostennachteil sogar noch größer. In Deutschland seien die Strompreise seit 2007 um knapp 48 Prozent gestiegen, in der EU jedoch nur um 38 Prozent.

Die energieintensiven Branchen in Deutschland würden deshalb jährlich etwa drei bis zehn Millionen Tonnen CO2 weniger ausstoßen. Jedoch deuteten gestiegene Auslandsinvestitionen darauf hin, dass die Emissionen des klimaschädlichen Gases durch deutsche Unternehmen im Ausland zunähmen. Global steige der Ausstoß ohnehin weiter.

China jetzt größter Klimasünder

Während weltweit 1974 die energiebedingten CO2-Emissionen noch bei etwa 14 Milliarden Tonnen lagen, waren es 2010 bereits mehr als 31 Milliarden Tonnen jährlich. Größter Emittent ist inzwischen China mit einem weltweiten Anteil von rund einem Viertel - zuvor waren es jahrzehntelang die USA gewesen. Deutschlands Anteil am Kohlendioxid-Ausstoß lag dagegen 2011 nur noch bei 2,4 Prozent und hat sich damit seit den 80er Jahren halbiert.

Da es sich beim Klimawandel um ein globales, bei den Energiepreisen jedoch um ein nationales Problem handele, empfehlen die Studienautoren der deutschen Energie- und Klimapolitik, diese Zusammenhänge zu berücksichtigen. Deutschland solle sich entweder international für ein schnelleres Vorankommen und strengere Ziele einsetzen oder das eigene Tempo drosseln. Die energieintensiven Betriebe bräuchten "ohne Zweifel" weiterhin Ausnahmeregeln, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. CO2 sparen könne Deutschland dagegen mit einer weiteren Verbesserung der Energieeffizienz bei Immobilien.
19.12.2013, 09:35 Uhr | dpa, t-online.de


» der Kommentar des Blogschreibers «

Was ist eigentlich aus der Klimaerwärmung geworden?
Jahrelang wurden Schreckensbilder von absaufenden Urlaubsparadisen gemalt und seit kurzer Zeit hört man nur noch "Klimawandel", von "Klimaerwärmung" spricht keiner mehr.
Was ist passiert? - Was ist aus unserer "Klimakanzlerin" geworden?

Hatte sie nicht zu Zeiten des Klimagipfels in Kopenhagen das Klima zur Chefsache erklärt? Hatte sie nicht in Brüssel auf einer Reduzierung des Co2-Ausstosses bei KFZ bis 2020 um 20% bestanden?
Schon am 12. Juni 2012 schrieb die Süddeutsche:

    Klimakanzlerin verzichtet auf ihren Titel
    Absurd und peinlich ist der Versuch Deutschlands, möglichst viele Energiespar-Vorschriften schon im Entwurf zu kippen. Das Land galt einst als Hoffnungsträger der Energiewende. Doch was auf dem Papier gut aussieht, verpufft in der Realität.
Und jetzt in 2013 auch noch das: Konnte BMW die Kanzlerin mit ihrer Parteispende an die CDU so beeinflussen, dass sie das Inkrafttreten ihrer eigenen Beschlüsse blockierte und über Nacht zur Autolobbyistin mutierte?
Dann ist sie ja ihrer Linie treu und folgt ihrem Ruf als Wende-Kanzlerin gegen das eigene Volk, aber mit offenen Ohren für alle Forderungen der Industrie, der Banken und der Wirtschaft. Deren Wünsche erfüllt sie umgehend auf Kosten der Steuerzahler.

Wir können uns glücklich schätzen, dass es so Hofberichterstatter wie t-online und den Rest der Mainstreammedien gibt, sonst würden uns solche wichtigen Informationen vorenthalten und wir würden denken, dass es der Industrie in Deutschland gut gehe, da ein Teil der Löhne vieler Mitarbeiter schon vom Steuerzahler übernommen werden. Was bleibt ihnen also anderes übrig als in Länder auszuwandern wo die Energiekosten billiger sind als in Deutschland?
Je höher der Profit umso besser, denn nur darum geht es!
Die Quartalszahlen müssen stimmen, dann stimmt auch das weit überdimensionierte Gehalt der Geschäftsleitung!


Ich glaube allerdings nicht, dass der Energiepreis für den Verbraucher sinken wird, auch wenn alle zu subventionierenden, im Wettbewerb mit ausländischen Unternehmen stehenden Industriebetriebe ausgewandert sind.

PS: ach ja, das mit den energieintensiven Golfplätzen, Manager-Magazin vom 23.12.2012:
    Die mögliche Ausnahmeregelung für Golfplätze hatte immer wieder für Kritik gesorgt. Das Wirtschaftsministerium verwies dem Bericht zufolge darauf, dass die Ausnahmeregelung auf ein Gesetz der damaligen SPD/Grüne-Regierung von 2005 zurückgehe. "Rot-Grün hat für Golfplätze die Möglichkeit geschaffen, sich von den Stromnetzentgelten befreien zu lassen. Das machen wir jetzt rückgängig."


Kommentare bei t-online

doc_smitty
Aufwachen. Hier wird wieder Angst erzeugt. Und das, obwohl es eigentlich wurscht ist. Warum wird denn weniger investiert? Ganz einfach: Das einzige regulativ ist die Steigerung der Rendite. Wenn das nicht mehr passt, dann wird abgebaut. Und daher geschieht dies auf jeden Fall. Ggf. nur etwas eher. Diese, unsere gesellschaft läßt dies schließlich zu, und von der EU wird dies zusätzlich befördert. Da gibt es für die Verlagerung von Arbeitsplätzen auch noch jede Menge Zuschüsse, die wir selbst zahlen. Dieser Idiotismus wird erst dann ein Ende haben, wenn definitiv Alles am Boden liegt, keinen Tag eher.

Bristol
Spannend, dass diese Studie genau zu dem Zeitpunkt aus der Schublade gezaubert wird, als uns die EU vorwirft, die Strompreise für energieintensive Industrien zu hoch zu subventionieren. Und auch interessant, dass hier vor kurzem zu lesen war RWE müsse auf Grund gesunkener Kurse an der Strombörse mit geringeren Gewinnen rechnen und, um die Dividenden zu halten, Personal reduzieren. Das passt doch alles irgendwie nicht zusammen....

Freudt
Ja, da kommt der Morgenthauplan durch. Doch ihr Schlafschafe tut alles mit Verschwörungstheorien ab. Ist ja auch zu einfach. Mit einem Wisch ist alles weg. Ihr Deppen! Wir werden als EU-Außenlager eingesetzt. Unsere Aufgaben werden auf die Einwanderungspolitik begrenzt. Als Strafe für die geführten Kriege. Und wir hatten nicht mal allein schuld.

thomas-veitenhansl
Das ist wieder einmal das endlose Hetzen der "Großindustrie". In den 60er Jahren "ist schon die Welt untergegangen", wenn man den Arbeitern und Angestellten eine Mark in der Stunde mehr bezahlen musste.

rghey
Die Regierung hat den Schwachsinn der Vergütung eigeführt. Muß man Geld scheffeln auf Kosten der Allgemeinheit. Beispiel Rheinbraun (rheinenergie) Der Rheinernergiekonzern liefert den Strom, verkauft ihn weiter an die EVL Leverkusen, diese weiter an die Belkaw und landet dann beim Kunden, abgelesen wird er aber von der Rheinenergie?????
Wie die Linken sagen, Versorger von GAS, Wasser,Strom gehören in des Volkes Hände, Plus-minus Null und Rücklage bilden dann hätten wir faire Strompreise auch für die Industrie.
Und Menschen, die Jammern weil eine Stromleitung ihre Fernsicht versperrt und deswegen zig Jahre prozessieren keinen Strom oder Wasser liefern ......

Rolfschippers
Vor lauter Umwelt geht uns die Existenzgrundlage unserer Realwelt verloren. Diese umweltbessenen Volpfosten(innen), die jeden Tag neue leere Feldhamsterbauten auf der Pfanne haben, sorgen dafür, daß hier das Land der armen Leute entsteht. Ob in der Politik, im Fernsehen, den Printmedien oder Internet, überall sondern die gebetsmühlenartig ihren zur Religion erhobenen Schwachsinn ab. Die immer mehr verdreckten Städte scheinen sie nicht zu stören, denn für sie ist nur das "Wesentliche" wichtig.

vonFaltin
Hauuptsache , wir bleiben Gutmenschen. Auch wenn unsere Nachkommen in Slums wohnen werden. Während China zum Mond fliegt, lassen wir Wirtschaftsflüchtline und millionenfache Einwanderung in unser dekadentes Sozialsystem zu. Der Ast wird gerade abgesägt, auf dem wir sitzen. Von den eigenen Ideologen und weltfremden Spinnern. Das Ziel der Grünen ist dann erreicht. Deutschland hat dann endlich mit Zentralafrika gleichgezogen.

Montag, 9. September 2013

Es geht nicht um die Griechen – Es geht um ihr Land

Warum Griechenland im Euro bleiben muss: Es geht um eine Pipeline

Thema: Eurovisionen
Erdgas für den Kontinent

Die Griechenland-Rettung ist kein politisches Projekt. Es geht um Erdgas. Die EU will sich aus der Abhängigkeit vom russischen Erdgas befreien und baut deshalb eine Pipeline, die von der Türkei über Griechenland nach Italien führt. Um das Projekt nicht durch einen Kollaps in Griechenland zu gefährden, wird Griechenland im Euro gehalten. Die bittere Wahrheit für die Griechen: Es geht um ihr Land, nicht um die Menschen.

Günther Oettinger, José Manuel Barroso, Herman Van Rompuy: Griechenland muss im Euro bleiben, weil die EU eine Pipeline bauen will, die zu zwei Dritteln durch das Land führt. Da kann man keinen Crash gebrauchen. (Foto: consilium)
Immer wieder fragt man sich: Warum pumpt die EU Milliarden an europäischen Steuergeldern nach Griechenland? In Griechenland gibt es kein Öl, keine Industrie – nichts, was die Europäer wirklich brauchen. Im Urlaub könnten die Europäer in Griechenland auch mit Drachmen zahlen.
Warum also diese Nibelungentreue?

Die Antwort findet man dort, wo man immer Antworten findet, wenn viel Geld im Spiel ist: In der Energiepolitik.
Europa hat sich in eine missliche Lage manövriert: Die EU ist komplett abhängig von Russland. Der vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler beratene Gazprom-Konzern hat die Lizenz zum Gelddrucken – weil Russland der größte Gaslieferant für Industrie und Wohlstand in der EU ist.
Diese Abhängigkeit ist ein Problem für die EU: Die Russen können machen, was sie wollen – über Gazprom beherrschen sie den europäischen Markt.

Davon will, davon muss sich die EU befreien.

Daher haben EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der deutsche Energie-Kommissar Günther H. Oettinger am 28. Juni 2013 ganz außerordentlich gefreut, als Aserbaidschan bekannt gab, seine Erdgas-Vorkommen von Shah Deniz II über die Trans-Adriatische-Pipeline (TAP) nach Europa zu liefern. Dies sei ein großer „Erfolg für Europa und ein Meilenstein zur Energie-Sicherheit unserer Union“, sagte Barroso.

Oettinger, der zuvor noch zwischen dem von Joschka Fischer beratenen Nabucco-Projekt und TAP laviert hatte, sagte: „Wir haben nun einen neuen Partner für Gas, und ich bin zuversichtlich, dass wir in Zukunft mehr Gas erhalten werden.“

Das kann die EU dringend brauchen, denn auch eine andere Quelle ist im Moment in Bedrängnis: Aus Syrien kommt nichts, weil dort keine Pipeline gebaut werden kann – und die EU sich politisch eingegraben hat und seit einiger Zeit ein Erdöl-Embargo verhängt hat, um Assad zur Vernunft zu bringen.

Um das Gas zu erhalten, braucht Brüssel Griechenland: Denn die Pipeline geht über weite Strecken durch Griechenland: Zwei Drittel der ganzen Pipeline laufen über griechisches Territorium. Die Griechen werden 1,5 Milliarden Euro an Investments für den Bau erhalten. Genau dieser Betrag fehlt den Griechen, weil sie die Privatisierungen nicht wie von der Troika aus EZB, EU und IWF durchgeführt haben. So haben die Griechen verhindert, dass der staatliche Gaskonzern DEPA in private Hände wandert. Offizieller Grund: Niemand hat einen vernünftigen Preis geboten.

Tatsächlich wissen die Griechen: Das Erdgas wird ihnen in den kommenden Jahren gewaltige Erlöse in die leeren Kassen spülen.

Und sie wissen, dass die Entscheidung für TAP ihre Freikarte im Schuldendienst ist.

Denn die EU kann und wird es nicht riskieren, Griechenland ins Chaos zu stürzen. Im Gegenteil: Ein Teil der Schönfärberei des Zustands der griechischen Wirtschaft liegt in den eigenen energiepolitischen Zwängen der EU begründet. Wenn das Land kollabiert, ist der Bau der Pipeline gefährdet. Die EU wäre in ihrem Bestreben, sich aus der Umklammerung von Russland zu befreien, zurückgeworfen. Das Magazin Forbes schreibt: „Die Unterstützer des Projekts würden sich kaum so massiv für Griechenland einsetzen, wenn sich das Land nicht als sichere Wette für die Zukunft erweisen würde.“

Natürlich nutzt das Projekt auch der Industrie. Mit dem Gas ist enormes Geld zu verdienen. Das Scheitern der Energiewende in Deutschland macht die Deutschen besonders abhängig von konventionellen Energieformen. In der Atomindustrie kommt die EU überhaupt nicht voran. Abgesehen von den Folgen des GAUs in Fukushima und der damit zusammenhängenden, latenten Unsicherheit er Kernenergie sind es vor allem bürokratische Probleme. So ist ein Konsortium, das sich mit den Möglichkeiten der Kernfusion als alternativer Methode befassen soll, vor allem damit beschäftigt, über Kompetenzen und Zuständigkeiten zu streiten. Ein Zukunftsprojekt wird daraus, anders als in den USA, nicht.

Daher setzt die Energiewirtschaft auf TAP. Die Anteilseigner des Projekts sind nach Angaben von TAP: BP (20%), Socar (20%), Statoil (20%), Fluxys (16%), Total (10%), E.ON (9%) und Axpo (5%).

An TAP verdienen somit neben den Norwegern, Belgiern und Aserbaidschan vor allem Frankreich (Total) und Deutschland (E.ON).
Besonders engagiert bei TAP ist der Energieriesen BP. BP ist der Öffentlichkeit noch in der Erinnerung wegen der verheerenden Umweltkatastrophe, als im April die Plattform Deepwater Horizon den Golf von Mexiko zerstörte. BP feilscht gerade mit den US-Behörden um die Strafe für das Desaster: Die Amerikaner wollen 17,6 Milliarden Dollar, BP will nur 5 Milliarden zahlen. Man wird sich irgendwo in der Mitte einigen – anders als für das Öko-System im Golf von Mexiko geht das Leben schließlich für BP und die US-Administration weiter.

Und da mischt BP nun auch bei der Energieversorgung Europas an entscheidender Stelle mit.
Dem Energie-Konzern kommt dabei zugute, dass er seit jeher glänzende Beziehungen zu Brüssel unterhalten hat.

Dies wird durch eine Personalie deutlich, die ausgerechnet in Griechenland spielt: TAP-Chef für Griechenland ist seit 2011 der Schwede Rikard Scoufias. Er arbeitete für BP und war an maßgeblicher Stelle zuständig, als BP 1998 versuchte, sein Image in der Öffentlichkeit zu korrigieren. „Beyond Petroleum“ nannte sich BP damals. 2009 wurde Scoufias Lobbyist in Brüssel: Gemeinsam mit Shell, J&J, Unilever, Micrsosoft und IBM versuchte sein Think Tank der EU zu erklären, wie globales Denken und die Rolle der Wirtschaft in der Gesellschaft am besten zu gestalten sei.

Zwei Drittel der für Europa wichtigen Trans-Adriatic-Pipeline gehen über griechisches Territorium. Die EU kann es sich daher nicht leisten, dass Griechenland im Chaos versinkt und den Bau der neuen, energiepolitischen Lebenslinie gefährdet. Daher muss das Land im Euro bleiben, koste es, was es wolle. (Fotomontage: www.moneypost.gr)
Die führenden Leute von TAP sind auch in Richtung USA bestens vernetzt. So ist der Chef von TAP, der Norweger Kjetil Tungland, gern gesehener Referent beim Energie-Gipfel des Atlantic Councils, einer Lobbygruppe der Amerikaner in Europa, deren Leitung unter anderem ein gewisser Chuck Hagel angehörte. Chuck Hagel ist heute US-Verteidigungsminister und muss sich um den Krieg in Syrien kümmern. Auch dort geht es um eine Erdgas-Pipeline, die von Beobachtern als der wahre Grund für das Interesse der Amerikaner an Syrien gesehen wird (mehr hier).

Noch viel wichtiger für den Griechenland-Chef von TAP ist jedoch ein anderer Kontakt, den er aus seinen BP-Zeiten hat. Der für das Desaster von Deepwater Horizon verantwortliche damalige BP-Chef Tony Hayward spielt, nachdem er bei BP als Bauernopfer gefeuert wurde, in der europäischen Energiepolitik eine entscheidende Rolle.

Ende Juli 2013 verkündete Hayward in seiner neuen Rolle einen bahnbrechenden Erfolg: Als Chef des Energiekonzerns Genel Ernergy war Hayward in der teilautonomen Region Kurdistan im Norden des Irak auf gigantische Erdgas-Vorkommen gestoßen. Die Erdgas-Felder von Miran und Bina Bawi enthalten so viel Gas, dass die Region damit zum einem wichtigen Exporteur von Erdgas werden wird.

Hayward kündigte an, dass der Abbau der Gasvorkommen so schnell als möglich beginnen soll. Davon wird vor allem die Türkei profitieren. Doch es gibt offenbar so viel Gas, dass ein Teil auch exportiert werden soll. Dazu will der ehemalige BP-Manager eine Pipeline durch die Türkei bauen. Und diese könnte dann an die europäische Pipeline TAP angeschlossen werden.

Wie gut, dass die Amerikaner unter der fachkundigen Leitung des Erdöl-Experten Dick Cheney vor einigen Jahren vorsorglich den Irak von seinem Diktator Saddam Hussein befreit haben. Denn nun können die Öl- und Gaskonzerne dort frei schalten und walten. Zwar hat die Regierung in Bagdad gegen die Ausbeutung ihres eigenen Territoriums durch einen US-Konzern protestiert und die Verträge der Kurden mit Genel als verfassungswidrig bezeichnet.

Doch hat die Regierung in Bagdad in diesem Spiel wirklich etwas mitzureden?

Schließlich geht es um wirtschaftliche und, was die EU betrifft, handfeste geostrategische Interessen.

TAP könnte nämlich, wenn alles so läuft wie geplant, nicht nur mit dem Erdgas aus Aserbaidschan, sondern auch mit den Vorkommen aus Kurdistan gespeist werden.

Die europäische Energieversorgung soll damit eine neue Lebenslinie bekommen.

Für diesen übergeordneten Zweck wird Griechenland in der Euro-Zone gehalten. Zwar versprechen die Betreiber, dass die Pipeline in Griechenland auch Arbeitsplätze schaffen wird.

Doch für die meisten Griechen wird TAP keine wirkliche Verbesserung der Lebensbedingungen bringen.

Sie werden weiter mit „Austeritäts“-Programmen beschäftigt werden . Die Eliten in Athen werden dagegen in jedem Fall profitieren – so wie sie es seit hundert Jahren verstanden haben, ausländische Gelder auf ihre Konten zu schaufeln, ohne das Land über den Status eines Entwicklungslandes zu bringen.

Die Deutschen werden jedoch den Ausbau indirekt zu bezahlen haben – indem sie weitere Not-Kredite nach Griechenland schicken, auf ihre Forderungen verzichten und einen Schuldenschnitt zähneknirschend akzeptieren müssen.

Die Griechenland-„Rettung“ ist vor allem für die Energie-Konzerne ein fantastisches Geschäft. Zwar ist das Geschäft durchaus riskant. Die Schweizer Axpo hat daher ihren Anteil von ursprünglich 42,5% deutlich reduziert. Die Schweizer sind vorsichtig: Das Projekt TAP soll 4 Milliarden Euro kosten. Ob es wirklich funktioniert, ist ungewiss.

Für die EU ist es jedoch eine Überlebensfrage, dass es diese Pipeline gibt. Die soll sich der europäische Steuerzahler eben etwas kosten lassen.

Daher spekulieren die Energiekonzerne damit, dass auch TAP, wenn es wirklich schiefgeht, als „too big to fail“ eingestuft wird, ein systemrelevantes Projekt – bei dessen Scheitern eben die europäischen Steuerzahler aufkommen müssen.

Schließlich sind es ja die Bürger, die das Gas brauchen – und nicht die Konzerne.
Die Deutschen müssten, bei sauberer Berechnung, jetzt schon die Euro-Rettungs-Milliarden auf den Strompreis aufschlagen.

Denn sie zahlen dafür, dass Griechenland nicht in die Anarchie abgleitet und die EU dort ihren Einfluss verliert.

Man sieht also: Es geht bei der Euro-Rettung um einen höheren Zweck.

Es geht um den Zugang zu Rohstoffen, damit der Wohlstand in Europa nicht gefährdet wird.

Die Griechen werden gerettet, weil die EU ihr Land braucht.
Nicht ihre Menschen.


Der Verlauf der Pipeline von Aserbaidschan bis Italien. Die orange Linie zeigt das gescheiterte Projekt Nabucco. (Karte: TAP)

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare


NICF-Nettie sagt:
Vielleicht sollte es Anlass zur Sorge geben.

Wenn man sich von Russland löst, wird man sich noch dreistere Töne gegen Russland seitens Deutschland erlauben, wie jetzt im Falle Syrien. Steffen Seibert ging ja dreist zur Sache kürzlich.

Es ist schon abenteurlich, das die Steuerzahler all diesen Wahnsinn bezahlen sollen. Öl und Gas muss man trotzdem extra bezahlen, vermutlich sogar mehr um das alles wieder reinzufahren was man jetzt verschleudert. Man sollte Leute wie Schäuble persönlich haftbar machen!


Endgame sagt:
Geht es nicht eher darum:

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europastaaten/567627_Obama-zu-Samaras-Wollen-helfen-so-gut-wir-koennen.html

“Dabei geht es um viel Geld: Allein die Gasvorkommen in griechischen Gewässern werden auf ein Volumen von 4,7 Billionen Kubikmeter geschätzt, wie jetzt in Washington bekannt wurde. Dazu kommen weitere 4,5 Billionen Kubikmeter an Gasvorkommen in Zypern und Israel. Experten zufolge könne damit mehr als die Hälfte der Nachfrage in der EU für die nächsten dreißig Jahre gedeckt werden.”

Die Medien verschweigen hartnäckig, dass Griechenland und Zypern selber auf enormen Gasvorkommen sitzen, blauäugig erzählt man uns “.In Griechenland gibt es kein Öl, keine Industrie – nichts, was die Europäer wirklich brauchen.”

Mittlerweile muss man aber die Augen sehr fest zumachen, um so einen Satz zu schreiben.


AJD sagt:

So langsam lüftet sich der Vorhang.
Eben deshalb ist es aus Sicht der EU wichtig, dass sie das Land wo die Pipeline verlaufen soll, günstig kaufen (enteignen) können. Deshalb der Angriff von Goldmann Sachs auf Griechenland. Vermutlich laufen die mafiösen Banker in der Gegend herum und kaufen das Land der pleitegegangenen Griechen für einen Spottpreis zusammen. In Italien wird es vermutlich ähnliche Szenarien geben. Man sollte da ein Auge drauf haben.

Wie ich es an anderer Stelle schon gesagt habe, die Türkei kommt vermutlich auch noch dran, wie alle Länder entlang der Pipeline. Oder Erdoğan kauft sich frei, indem er bei dem kommenden Syrien/Libanon Krieg ganz vorne mitkämpft. Ich denke die Demonstrationen vor ein paar Monaten gegen ihn, waren ebenso inszeniert, wie die in Libyen usw.

Syrien muss vermutlich nicht wegen der Aserbaidschan-Pipeline dran glauben, sondern wegen einer geplanten saudischen und katarischen Pipeline. Und oder es geht darum, damit sich die EU und Israel/Türkei das zypriotische Gas/Öl alleine krallen können.

Wie von vielen richtig vermutet, ging es in den Kriegen der letzten Jahrzehnte um Ressourcen. Um die Verteilung der Ressourcen (Pipelines, Kanäle).


J.P. MoreGun sagt:

“…In Griechenland gibt es kein Öl…” (?) Also schon 1974 soll im Fach Magazin “Oil and Gas Journal” gestanden haben, dass das gesamte Ölvorkommen in der Ägäis vermutlich bedeutender sei als das von Alsaka und Malaysia. Angeblich soll die Handelsorganisation “Scandic Org” den Griechen auch schon attraktive Fördeprogramme angeboten haben, nur gab man den Norwergern angeblich zu verstehen, dass sie sich da mal schön raushalten sollen. (Angeblich seien die Fänge schon ausgeworfen und der Kuchen bereits verteilt. Man warte also noch auf einen attraktiven Übernahmepreis im Zuge der Griechenlandpleite.)

Auch wenn dies alles mal wieder sehr nach “Verschwörungstheorie” klingt würde es mich doch sehr wundern, wenn der liebe Gott an den Grenze zu Lybien sein Fallbeil eingeschlagen hat und das Öl nun ausgerechnet an der Grenze zu griechischen Gewässern enden würden.
Die Zeit wird die Wahrheit ans Licht bringen….


bauagent sagt:

Zitat:
“Für diesen übergeordneten Zweck wird Griechenland in der Euro-Zone gehalten.”

Das ist m.E. nicht richtig. Griechenland ist das Bindeglied zwischen Orient und Okzident und spielt selbstverständlich für die Freibeuter dieser Welt auch in den klassischen geostrategischen Disziplinen eine wichtige Rolle.

Die Signalwirkung eines Austritts aus dem Euro ( nicht EU ) wäre für die Protagonisten in EU und Griechenland ein verheerendes Signal. Schließlich hat man Jahre daran gearbeitet das Land auf Kosten der europäischen Steuerzahler auszuschlachten und die Erlöse unter sich aufzuteilen.

Die Pipeline TAP dürfte auch für 15 % der gesamten weltweiten Vorkommen in Katar eine wichtige Rolle spielen, da dieses GAS günstiger zu bekommen ist als das von GAZPROM. Hier wäre eine zu bauende Pipeline über Syrien / Türkei erforderlich, da der Seeweg den Preisvorteilrelativiert.

Hoppla.

Haben wir jetzt den Grund, warum Syrien vor dem Iran auf der Agenda steht und Russland im Gegensatz zu den vorherigen Invasionen der USA/NATO mit dem Säbel rasselt?

GAZPROM / RUSSLAND als mit Abstand weltgrößter Lieferant hat die EU fest im Griff und wird kaum kampflos die marktbeherrschende Stellung aufgeben.

Das macht die derzeitige Eskalation in Syrien so brisant. Ergo.

Es gibt genug Rohstoffe auf dieser Welt ( Gas mindestens 200 Jahre ) um in den nächsten Jahren alternative Energien, wie die kalte Fusion zu erforschen und serienreif zu machen. Da hier befürchtet wird, dass die Hochfinanz und Industrieoligarchie durch Produkte die autark machen, ihre Macht und Geld verlieren, wird gebombt. Denn nicht die Politiker entscheiden über einen III. WK sondern die Gier dieses Systems.

http://www.xing.com/net/berlin-dubai/news-158500/neues-gasvorkommen-in-qatar-entdeckt-43726791


Sonntag, 28. Juli 2013

"Mythen der Energiewende": Warum Merkel beim Strompreis irrte

t-online.de

Selten legt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel genau fest. Aber bei der Ökostrom-Umlage hat sie es einst getan - und dürfte es inzwischen bereuen. Denn der eine Satz verfolgt Merkel: "Die EEG-Umlage soll nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen. Heute liegt sie bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde." Das sagte die Kanzlerin im Juni 2011 im Bundestag. Inzwischen ist die im Strompreis enthaltene und im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankerte Umlage auf 5,3 Cent gestiegen. 2014 werden es 6 bis 6,5 Cent sein - fast schon das Doppelte.

angela-merkel-2011-im-bundestag-die-eeg-umlage-ist-seitdem-stark-gestiegen-und-hat-den-strom-verteuert
Angela Merkel 2011 im Bundestag: Die EEG-Umlage ist seitdem stark gestiegen und hat den Strom verteuert (Quelle: dpa)
Statt 122 Euro sind es inzwischen 185 Euro, die ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden nur für die Ökostrom-Umlage im Jahr berappen muss. Im Schnitt zahlt so ein Haushalt nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft 83,80 Euro im Monat für Strom, 2011 waren es mit 73,59 Euro zehn Euro weniger. Auf das Jahr hochgerechnet kommt für viele die 1000-Euro-Marke in Sicht - vielerorts wird sie sogar bereits überschritten.

Was die EEG-Umlage nach oben treibt

Warum eigentlich ist die angeblich so billige Energiewende zu einem Mythos geworden?

Punkt 1: Der starke Solarzubau. Allein 2010 bis 2012 wurden über 22.000 Megawatt an neuer Leistung installiert, trotz mehrerer Förderkürzungen treibt das die Umlage.

Punkt 2: Immer mehr Rabatte für energieintensive Unternehmen bei Umlage und Netzentgelten, die die Verbraucher mitzahlen.

Punkt 3: Eine gewisse Flickschusterei. So wurde eine neue Umlage eingeführt, um Schadenersatz für Netzprobleme bei See-Windparks auf die Strompreise abzuwälzen. Auch zwangsweise am Netz gehaltene Kraftwerke schlagen zu Buche. Der Staatsanteil beim Strompreis liegt inzwischen bei über 50 Prozent.

Punkt 4: Ein nicht mehr funktionierender Strommarkt, der Preissteigerungen begünstigt.

Für einkommensschwache Haushalte wird die Lage schwieriger, Wohlfahrtsverbände warnen vor Hunderttausenden Stromsperren durch die Auswirkungen der Energiewende. Die Preisdebatte leidet aber unter einseitigen Argumentationen. Wenn etwa Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) einen Stopp für neue Windräder und Solaranlagen als ein Allheilmittel sieht, greift das zu kurz. Denn die Umlage - es ist die Summe aus den auf 20 Jahre garantierten festen Vergütungen und Industrierabatten - würde auch ohne ein neues Windrad steigen.

Ausbaustopp stoppt nicht den Anstieg des Strompreises

Wie bitte? Ja, es zeigt sich in diesem Jahr ein Phänomen, das auch SPD-Chef Sigmar Gabriel nicht auf dem Zettel hatte, als er als Bundesumweltminister in der großen Koalition mit der Union eine neue Berechnungsgrundlage für die Ökostrom-Umlage auf den Weg brachte. Gezahlt wird seitdem die Differenz zwischen dem für den Wind- und Solarstrom an der Strombörse - also im Einkauf - erzielten Preis und der festen Einspeisevergütung.

Die einfachste Sparmaßnahme wäre ein Wechsel. In der Studie heißt es, dass der Kunde bei einem Wechsel aus der Grundversorgung im Schnitt 190 Euro pro Jahr sparen kann, "wobei beim Maximalwert bis zu 482 Euro erreicht werden". Doch gerade Ereignisse wie die Insolvenz des Anbieters Flexstrom oder die Debatte um Care Energy könnten die Wechselbereitschaft einschränken, betonen die beiden Analysten.

Anfang September sickert die Hiobsbotschaft durch

Umweltschützer und Opposition fordern mehr Druck auf die Anbieter, Ersparnisse durch die preissenkenden Wirkungen des Ökostroms an der Börse weiterzugeben. Alle Parteien wappnen sich mit argumentativer Munition, wenn Anfang September die Höhe der Umlage für 2014 durchsickern wird. Denn wegen des Leitungsausbaus werden auch die Netzentgelte als weiterer Teil des Strompreises wohl steigen.

Umweltminister auf verlorenem Posten

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) versuchte es mit einer "Strompreisbremse". Doch eine nachträgliche Förderkürzung für bestehende Anlagen war schon in der Union nicht vermittelbar - dieser Batzen macht über 90 Prozent der Umlage aus. Angesichts des Rekords bei den Rabatten für die Industrie will er zumindest diese um 700 Millionen Euro kappen - denn allein 2013 haben 2367 Unternehmen von den anderen Stromverbrauchern zu zahlende Nachlässe beantragt.

Aber eine echte Bremse wäre auch das wohl kaum. Angesichts der davon galoppierenden Kosten hat er die Regierungsschätzungen drastisch nach oben korrigiert: Ohne Gegensteuern könne die Energiewende eine Billion kosten. Aber das könnte wiederum auch etwas übertrieben sein.
Quelle: dpa


Kommentare

 
uds schrieb:
Wann bekommen die Leute endlich mit, dass die Frau Merkel die größte Schleimerin ist die wir haben. Immer lächeln, aber nichts richtige sagen und versprechen, wie früher im Osten.

bevdie schrieb:
Wie konnte man denn die Energie in Private Hände der Konzerne legen da liegt das Problem.
Und das die Konzern Nadelstreifen Anzugträger nur an den Profit für ihre Taschen denken dürfte ja mittlerweile jedem bekannt sein.
Was damals so hinter die Kulissen der Politik von statten ging seht ihr heute in eurer Tasche.
Alles was der Mensch zum Leben und zur Versorgung seines Ich s braucht gehört Verstaatlicht wie vorher auch.
Aber aufregen braucht ihr euch absolut nicht ihr habt diese Politik Gewählt und werdet es bald wieder tun.

ADK65 schrieb:
Eine Schande und Schweinerei wie wir bei dem täglichen Energiebedarf von Strom, Benzin (Diesel) und Gas beschissen werden. Wir können wählen wen wir wollen, Deutschland hat sich Kaputtregiert.

Hanspeter schrieb:
Die Energieversorger kommen vor lachen nicht mehr in den Schlaf und können die ganzen Gewinne gar nicht mehr zählen. Damit die Preise schön oben bleiben wird sogar der überschüssige Strom ins Ausland verschenkt. Der deutsche Michel wird abrasiert. Ist ja auch so einfach.

lorentius schrieb:
Habt ihr schon vergessen ,das sie in diesem Jahr die Rentner mit der Erhöhung der Renten West betrogen hat mit 0,25 Brutto Rentenerhöhung.
Warum wählen die Otto Normalverbraucher eigentlich diese Frau die nur für
Reiche sorgt. Ich sehe noch im Fernsehen wie sie den Steuerbtrüger Höneß
sehr Freundlich mit Handschlag im Stadion begrüß hat. Hätte ein normaler Bürger dieses Volksverbrechen begangen würde er in Haft sitzen. Denn Steuerhinterziehung ist ein Verbrechen am Volk. Oder etwa nicht. Im September beginnt der Prozeß abe heut weiß man Schon wie die Richter urteilen . Das ist doch sonderbar.

And68 schrieb:
Jeder der sich mit der Energiegewinnung etwas auskennt, konnte schon damals sehen, das die Berechnung getürckt war. Die Lobbyisten hatten ganze Arbeit geleistet und auch noch Kosten für den Netzerhalt auf den Verbraucher abgewälzt, die er eigentlich schon gezahlt hatte.

Nickel schrieb:
So ist es immer, wenn sich Mutti mal festlegt. Letztes Beispiel: Prism bei der US-Armee und der Bundeswehr ist ein anderes, zweites Spionage-Programm und hat mit Prism der NSA nichts zu tun. Wieder falsch. Die Dame hat keine Ahnung oder sie will die Menschen für dumm verkaufen. Deshalb gilt: wenn Du geschwiegen hättest, wärest Du ein Philosoph geblieben ! Wir glauben Ihnen nichts, Frau Bundeskanzler.

sv98 schrieb:
Wir wurden schon immer belogen, aber so viel wie von dieser Frau noch nie. Sie trifft keine Entscheidungen. Sie sitzt alles aus, (NSA). Sie will ganz Europa helfen und denkt nicht an Deutschland.


Donnerstag, 18. Juli 2013

EEG-Umlage: Firmen sparen auf Kosten privater Haushalte

t-online schrieb am 12.07.2013

Noch mehr zahlen für Strom? Wenn sich immer mehr Unternehmen von der EEG-Umlage befreien lassen, wird das passieren
(Quelle: imago/McPHOTO)
Immer mehr Unternehmen in Deutschland wollen nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ihre hohen Stromkosten loswerden. Für 2014 hätten so viele Betriebe wie noch nie eine Befreiung von der EEG-Umlage beantragt, schreibt das Blatt und beruft sich dabei auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Das Ende vom Lied: Die Privatverbraucher werden vermutlich noch mehr für den Strom zahlen müssen.

Zum Stichtag am 1. Juli seien Anträge von 2367 Unternehmen eingegangen, heißt es in der Antwort auf die Grünen-Anfrage. Im vergangenen Jahr profitierten 1691 Unternehmen mit insgesamt 2262 Abnahmestellen. In den aktuellen Zahlen sind aber nur elektronische Anträge berücksichtigt. Wenn auch die Eingänge per Post erfasst sind, könnte die Zahl also weiter steigen.
Nahrungsindustrie mit den meisten Anträgen zur EEG-Umlage
Die meisten Anträge stellte das Ernährungsgewerbe (565), dann folgen die Kunststoffbranche (447), der Chemiesektor (323) und die Metallindustrie (235). Da für jede Abnahmestelle, die über der Verbrauchsgrenze liegt, ein eigener Antrag gestellt werden kann, reichen manche Unternehmen mehrere Anfragen ein.

Befreien können sich Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Dazu muss an einer Abgabestelle der Jahresverbrauch mindestens eine Gigawattstunde (GWh) betragen, die Kosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung ausmachen. Für den Verbrauch bis einer GWh ist die volle Umlage fällig, ab dann nur noch zehn Prozent. Ab 10 GWh sind es ein Prozent der Umlage, ab 100 GWh lediglich noch 0,05 Cent pro Kilowattstunde (kWh).
Deutsche Industrie zahlt im europäischen Vergleich sehr hohe Strompreise
Mit der Regelung sollen stromintensive Betriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen, von den Stromkosten entlastet werden. Deutsche Unternehmen haben im europäischen Vergleich die vierthöchsten Stromkosten, was aber vor allem am großen Anteil der Steuern und Abgaben liegt.
 
Kritik hatte es allerdings immer wieder gegeben, weil etwa auch Schlachthöfe oder Backfabriken begünstigt wurden, bei denen der internationale Konkurrenzkampf fraglich ist. Über die Anträge entscheidet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Für Privathaushalte ist eine Abgabe von derzeit 5,3 Cent pro Kilowattstunde (kWh) fällig. Allein durch den Zubau an Solar- und Windkraftanlagen soll die Umlage im kommenden Jahr auf 6,5 Cent pro kWh steigen.
Volumen der Ausnahmen könnte fünf Milliarden Euro erreichen
Kommen die Unternehmen mit ihren Anträgen durch, müssten die Lasten der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im nächsten Jahr auf immer weniger Schultern verteilt werden, schreibt die Zeitung. Deshalb könne der Strompreis für private Haushalte erneut steigen. Schätzungen zufolge werde das Volumen der EEG-Ausnahmen 2014 auf rund fünf Milliarden Euro anwachsen und ebenfalls einen neuen Rekordstand erreichen.
Quelle: t-online.de, dpa-AFX
 

Kommentare

GruppenfeuerNNO  schrieb:
Die Firmen sind hier ebenso wenig anzuprangern wie der Illegale, dem man bei offenen Grenzen lebenslang Hartz4& Vollversorgung verspricht und der dann zu Hundertausenden auf der Matte steht.
Es sind die politischen Nieten, die Bürgerfeinde in den Altparteien, also in erster Linie die käuflichen €/EU-Jubelperser mit ihrem CO2-Hexenwahn, welche das ehemals bewährte System BRD so schamlos ruinieren aus niederen Beweggründen.
 

Persil schrieb:
Welche Nachteile im internationalen Wettbewerb?Wir haben die Besten Produkte, die höchste Produktivität und die niedrigsten Löhne. Wir verkaufen wie verrückt, und da brauchen Sie noch eine EEG Befreiung?
Die unmoralischen Unternehmer sollten sich schämen, von wegen, die starken Schultern ..........
 

chrisi schrieb:
Egal welche Klientel bei den Polits an der Macht , es sind alles Lügner und Betrüger. Die Lobby haben die Konzerne, und denen kriechen sie alle , egal welche Partei es ist , in den Allerw.... Hoffentlich wacht das deutsche Volk endlich auf, und jagt diesen ganzen Haufen zum Teufel. Aber eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, es ist ja bald Wahl und da braucht man ja die Spendengelder von den Halsabschneidern und da wird eben das gemacht , was die wollen. Dann wird ja auch noch gedroht den Firmensitz ins Ausland zu verlagern, und schon ist die Hörigkeit von den Politfuzzis wieder OK. Der Normalo ist mal wieder der Dumme. Es ist ja gar nicht nachzuvollziehen, dass diejenigen die sich den Sack vollstopfen, sprich die Großkonzerne, auch noch den Strom billiger bekommen und die Umlagen nicht bezahlen wollen. Schickt denen doch mal den Gerichtsvollzieher ,oder stellt denen mal den Saft ab. Beim kleinen Mann wird es doch auch gemacht. Ich sage nur ein "Sauhaufen" 1. Klasse. Pfui!
 

Sapere-Aude schrieb:
Ich wähle auch die Anti-Euro Partei AfD. Raus aus dem Euro und ESM Dreck. Meine Zweitstimme bekommt entweder die Linke oder die Piraten, da bin ich mir noch nicht schlüssig. Aber auf keinen Fall schwarz/gelb/rot/grün
 

segestes schrieb:
Wir Deutschen sind einfach nur zu doof, wir lassen es doch mit uns machen. Da lob ich mir den Franzosen. Da würden schon die ersten Straßenbarrikaden brennen, und die ersten im Museum das Fallbeil wieder schleifen. Da würd keine Regierung so einen Mist durchkriegen. Und hier?? Das blöde Wahlvolk frisst schon alles. Man muss es Ihnen nur lang genug vorkauen. Wir sind doch alle nur noch Waschlappen.