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Montag, 11. April 2016

Presseclub - So. 10.04.16 - Chaos und Uneinigkeit - wie löst Europa das Flüchtlingsdilemma?

Thema: Presseclub


Chaos und Uneinigkeit -
wie löst Europa das Flüchtlingsdilemma?

Presseclub - So. 10.04.16, 12.00 - 13.00 Uhr
Es war ein weiterer, wohl vergeblicher Versuch: Mit neuen Vorschlägen hat die EU-Kommission am Mittwoch versucht, die nicht funktionierende „Dublin"-Regelung zur Verteilung von Flüchtlingen zu reformieren. Sie sieht bisher vor, dass Flüchtlinge in dem Staat Asyl beantragen müssen, den sie zuerst erreicht haben. Nach den neuen Vorschlägen der EU-Kommission sollen Flüchtlinge aber fairer verteilt und die Asylverfahren europaweit vereinheitlicht werden.

Zu Gast:

  • Bascha Mika (Frankfurter Rundschau)
  • Reinhard Müller (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
  • Roland Tichy (Publizist)
  • Ursula Weidenfeld (freie Journalistin)

  • Moderation: Jörg Schönenborn
    Fotos: Screenshots

    Flüchtlinge könnten entweder nach einem permanenten Verteilungsschlüssel umverteilt werden. Oder es könnten Staaten an den EU-Außengrenzen durch einen „Fairness-Mechanismus" entlastet werden. Doch prompt regt sich Widerstand: Unter anderem Estland, die Slowakei und Tschechien haben sich entschieden gegen die Vorschläge ausgesprochen. Ein dauerhafter Mechanismus zur Verteilung von Flüchtlingen sei „vollkommen inakzeptabel", hieß es aus Prag.

    Nach der Schließung der Balkanroute warnt die Bundesregierung allerdings bereits vor neuen Flüchtlingswellen über Libyen. Die nächsten großen Herausforderungen stehen der EU also bevor.

    Wie will die Europäische Union da schnell eine Lösung finden? Ist ein Kompromiss vor allem mit den osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten noch denkbar? Und wie weit müsste Deutschland dafür von seiner bisherigen Position abrücken?

    Kommentare

    Sabine von Breitenbach, 09.04.2016, 15:32 Uhr:
    Mit den ersten vier Kommentaren ist alles gesagt. Dieses überteuerte Konstrukt gehört aufgelöst. Nach dem Referendum in den Niederlanden konnte man von einigen EU-Diätenempfängern hören, was sie von Demokratie halten und wie ihre Meinung dazu ist. Hier genannt ein Herrn Appeldorn oder ähnlich oder auch ein FDP-Graf aus Neuland. Dieses Sytem hat sich selbst ad absurdum geführt. Gurken gehören in den Salat, nicht jedoch in ein Parlament. Zu teuer und antidemokratisch, dazu lobbygesteuert und gefährlich für den Frieden. Guten Tag.

    Iris Leidenberger, 09.04.2016, 15:43 Uhr:
    Ein wohlhabender Kontinent von 500 Millionen Einwohnern muss in der Lage sein, fünf bis zehn Millionen Neuankömmlinge in seiner Mitte aufzunehmen, ohne seine Identität zu verlieren. Die Propaganda macht uns glauben, Flüchtlinge und der IS seien die Bedrohung Europas. Gleichzeitig zeigen die Panama-Papiere, dass es nicht die Kriegsflüchtlinge sind, die uns bedrohen, sondern die Steuerflüchtlinge. Solange wir immer wieder unsoziale Vermögensverteilung selber wählen (CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE) und internationale Waffenexporte und geopolitische Kriege zulassen, werden wir Kriege haben, und damit auch Flüchtlinge.

    Miodrag Ljubojevic, 09.04.2016, 16:06 Uhr:
    Wer Flüchtlingsdilemmas suggeriert, will Politikdilemmas schönreden. Migration ist eine Lebensform, besonders in Europa. Aber im Prinzip kann es nur nationalstaatliche Lösungen geben & keine europäischen. „Dem Nationalstaat darf man ein langes Leben prophezeien, weil er das einzige politische Großgebilde ist, das bis zur Stunde halbwegs funktioniert.“ (Sloterdijk Cicero) Ursachen aktueller Flüchtlingsströme basieren auf nationale Politiken zb USA- Umsturz Lybien/Nordafrika. Der EU-Flüchtlings-Verteilungsschlüssel basiert ebenso auf nationalstaatliche Gegebenheiten. Gerade in EU-Ostländern, die mit EU-Geldern ein Antirussisches Bollwerk aufbauen mussten, führten diese Subventionen in diesen Ländern zu sozialen Ungleichheiten & bei den negativ betroffenen zu „Ausländerfeindlichkeit“- EU-Seilschaften hingegen profitierten. Die GRÜNE Fraktionschefin Harms kürzlich, „sie ist ohnehin dagegen“, Nationalstaaten/Bürger über Fragen abstimmen zu lassen, die die EU insgesamt betreffen.

    Egon W. Kreutzer 09.04.2016, 17:19 Uhr:
    Die Frage im Titel der Sendung ist unglücklich gestellt. "Wie löst Europa das Flüchtlingsdilemma?", das ist keine zielführende Fragestellung, zumal dieses "Dilemma" ein politisch-ideologisches Konstrukt ist, das der Lösung der durch Massenzuwanderung entstehenden (lösbaren) Probleme als größtes Hindernis im Wege steht, weil es sie hinter der falschen Alternative "Humanität" oder "Totschießen" versteckt. Eine sehr viel bessere Frage wäre gewesen: "Welche Argumente sprechen immer noch gegen ein Zuwanderungsgesetz?" Mit einem Zuwanderungsgesetz könnte das kleine Problem, das durch humanitäre Hilfe für Asylbewerber entsteht, nämlich von den großen Problemen, die durch eine vollkommen unregulierte Zuwanderung ausgelöst werden, getrennt diskutiert und ohne jede Aufregung gelöst werden. Solange Politik und Medien jedoch jeden Grenzübertritt als ein schicksalhaftes Ereignis im Leben eines Flüchtlings "vermarkten" und dabei suggerieren, jeder solche Grenzübertritt sei durch das Grundrecht ...

    Wolfgang 09.04.2016, 17:01 Uhr:
    Das einzige, was man feststellen kann, ist, dass die EU immer noch keine "europäische Lösung" hat. Jede Sitzung des europäischen Rates wird uns Deutschen als Durchbruch Merkels verkauft. Dabei ist es nur heiße Luft. Merkel will der EU ihre europäische Lösung aufzwingen und immer wieder gibt es Länder, die sich dgegen wehren. "Weiche" Beschlüsse am Ende einer Sitzung, in denen sich alle wiederfinden, sind kein Ergebnis.

    Harald 10.04.2016, 11:37 Uhr:
    Die Frage der Sendung ist falsch gestellt, denn die EU wird die Fluechtlingskrise gar nicht loesen, weil sie sie zusammen mit den Amerikanern ausgeloest hat.

    Karin Mayer 10.04.2016, 14:38 Uhr:
    Frau Mika gehört nicht in die Runde. Es sind doch nicht "Alles Flüchtlinge" die kommen. Wir brauchen doch die Flüchtlinge für die vielen Betten, Herde, Angestellten, leer geräumten Hallen, Zelte, Kontäner usw. Die ganze Industrie die da entstanden ist kostet so viel Geld unfassbar. Jeder verdient doch mit. Der doofe Deutsche verdient 8,50€, zahlt brav seine Steuern und bekommt nichts. Wir bekommen keine Wohnung gestellt, nee wenn man was gegen (Flüchtlinge) Nachbarn mit 6-10 Kindern und Besuch was sagt, na dann ist man aber ein schlechter Mensch. Frau Mika, wir wollen auch keine Flüchtlinge mehr. In Polen gehts auch. In Holland wird die Bevölkerung auch gefragt, warum nicht in Deutschland.

    Emma W. 10.04.2016, 14:48 Uhr:
    Die anderen EU-Staaten müssten, die Bürger müssten … das hört sich noch immer an wie die Gestaltung eines Kindergeburtstags … lieber Topfschlagen oder Blindekuh? Und inzwischen kommen immer mehr Menschen nach Europa. Die Probleme aller notleidenden Menschen der Welt können wir nicht lösen. Und schon gar nicht in Europa. So anmaßend kann man gar nicht sein. Wären alle Deutschen so fähig und willig, wie von allen Seiten in D eingefordert wird, dann hätten wir in keiner Familie und sonst wo in unserem Land Notleidende. Die Politiker haben reichlich zu tun, wenn sie alle Not in unserem Land beheben wollen, dafür wurden sie gewählt. Und sie haben reichlich zu tun, wenn sie unsere Gesellschaft nicht spalten wollen, sondern, das, was wir über Jahrzehnte mit größtem Einsatz aufgebaut, erhalten und gefördert haben, nicht für gering achten, sondern wertschätzen. Der gesellschaftliche Frieden ist unser höchstes Gut. Dafür braucht es Gerechtigkeit.

    Alle Kommentare findet man (hier)

    Montag, 4. April 2016

    Presseclub - So. 03.04.16 - Der Pakt mit Erdogan - kann diese Türkei Europas Partner sein?

    Thema: Türkei


    "Der Pakt mit Erdogan -
    kann diese Türkei Europas Partner sein?

    Presseclub - So. 03.04.16, 12.00 - 13.00 Uhr
    Es klingt vollkommen absurd: Ein satirisches Lied im deutschen Fernsehen über den türkischen Präsidenten sorgt für ernste diplomatische Verwicklungen. Recep Tayyip Erdogan lässt den deutschen Botschafter einbestellen und verlangt, der Film der ARD-Sendung „extra 3“ dürfe nicht mehr gezeigt werden. Selbst harmlose Formen von „Majestätsbeleidigung“ werden in der Türkei offenbar nicht mehr geduldet.


    Fotos: Screenshots
    Zu Gast:

  • Cerstin Gammelin (Stellv. Leiterin d. Parlamentsbüros der Süddeutschen Zeitung)

  • Ahmet Külahçi (Deutschlandkorrespondent, Hürriyet)

  • Hasnain Kazim (Auslandskorrespondent des Spiegel)

  • Eric Bonse (EU-Korrespondent in Brüssel, taz. die tageszeitung)

  • Moderation: Volker Herres


    Der Zwischenfall zeigt nicht nur, wie dünnhäutig der türkische Präsident mittlerweile auf Kritik reagiert. Er ist auch ein Zeichen für ein geändertes Rechtsstaatsverständnis. So werden kritische Zeitungen geschlossen, prominente Journalisten angeklagt und Demonstrationen gewaltsam aufgelöst. Zudem wird der wieder entflammte Krieg gegen kurdische Gruppen von der Armee mit aller Härte geführt. Viele Menschenrechtsgruppen und Oppositionelle klagen, das Land bewege sich in Richtung einer autoritären Quasi-Monarchie.

    Trotzdem bleibt die Kritik aus Deutschland und Europa auffällig leise – zu sehr brauchen Europas Politiker offenbar die Hilfe der Türkei bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. Seit den verschärften Grenzkontrollen und dem Schließen der Balkanroute ist der Flüchtlingsstrom beinahe gestoppt. An diesem Montag tritt der Pakt zwischen der EU und der Türkei vollständig in Kraft. Dann sollen alle Flüchtlinge, die in Griechenland ankommen, wieder in die Türkei abgeschoben werden – solange ihnen dort keine Verfolgung droht.

    Lässt Europa sich zu viel gefallen, weil die Türkei die Flüchtlinge stoppt? Ist der der Flüchtlingspakt eine sinnvolle Lösung? Und wie steht es um Menschenrechte und Rechtsstaat in der Türkei?


    Kommentare

    Gerda Fürch, 03.04.2016, 12:25 Uhr:
    Der Pakt mit dem selbstherrlichen Erdogan ist eindeutig ein erbärmlicher, abscheulicher und verlogener Menschenhandels-Pakt! Das wissen doch alle Verantwortlichen, benennen aber es nicht so.

    Holger Mairoll, 02.04.2016, 15:58 Uhr:
    Dieser Pakt mit Erdogan ist m.E. für die EU, die ja für Menschenrechte, Demokratie und ehtische Werte steht, unwürdig! Ist die EU nicht in der Lage das Flüchtlingsproblem auch nur halbwegs alleine zu lösen? Braucht sie dazu den Menschenverachter und selbstherrlichen Despoten Erdogan? Ist Herr Juncker nicht in der Lage von den 28 Kommissaren den Verantwortlichen zu benennen? Das bestärkt mich wieder einmal , daß in der Kommission nur 3.- und 4.-klassige, in den nationalen Parlamenten unerwünschte Politiker sitzen! Hat Frau Merkel darum mit diesem türkischen Diktator verhandelt? Die EU hat sich von vorne herein diesem Sultan von eigenen Gnaden angebiedert und ist ihm sprichwörtlich in den A... gekrochen! Ist die EU nicht fähig in eigener Regie Schiffe in die Ägäis zu senden und die Seegrenze zu überwachen? Fragen über Fragen. Die EU kommt mir in diesem Fall, fast hätte ich gesagt, wie ein Saustall vor, möchte aber die Tiere nicht beleidigen.

    Anita Volkenrath, 02.04.2016, 17:02 Uhr:
    In 2017 sind Wahlen im Merkelland. Ich hoffe, die letzten unter dieser Bild-Springer-GEZ-Königin. Wo bleibt die neueste Regierungserklärung dieser Rauten-Kaiserin von Europa. Die Probleme, die seit 11 Jahren geschaffen wurden, müssen andere Länder ausbaden. Geht es Deutschland "gut" weil es anderen Ländern schlechter geht? Nur, wem geht es gut in Schland ? Gut, dass dieser Merkel-Spuk bald ein Ende findet! An eine Juniorpartnerschaft sollten sich diese lobbyistenhörigen, us-hörigen Parteien aus Sozen, Chrtistdemokraten und Grünlingen gewöhnen. Die schwarze Null ? Armut ? Infrastruktur ? gefakte Arbeitsamtzahlen ? Bildung ? Wer Waffen in alle Welt exportiert darf sich nicht wundern, wenn dadurch a u c h Flüchtlingsströme importiert werden.

    Esther F., 02.04.2016, 17:24 Uhr:
    Die Süddeutsche berichtete am 21.3.16, dass, falls der Deal mit der Türkei den Flüchtlingsstom reduziert dann Punkt 4 der Vereinbrung in Kraft tritt, unter dem Merkel versichert, 500.000 Syrer direkt aus der Türkei nach Deutschland umzusiedeln.

    Kali Bayer 03.04.2016, 10:33 Uhr:
    >>> Nur weil Erdogan Merkels herbeigerufene Flüchtlinge ihr vom Halse halten soll biedert sich Merkel derart an bei diesen Erdogan und plötzlich sind ihr Menschenrechte völlig egal gegen die Erdogan mit seinen Schergen verstößt, man fragt sich hat Merkel Null Anstand und Stolz in der Seele??? <<<

    Schmidt 03.04.2016, 11:12 Uhr:
    Bekanntlich ist in Deutschland freie Presse nur gut, wenn sie links ist. Siehe wieder mal Zusammensetzung des Presseclubs heute. Was also ist passiert? Die Türkei hat eine konservative Regierung gewählt: na so was. Die Regierung ist demokratisch gewählt worden, weil wirtschaftlich erfolgreich: vernachlässigbar. Erdogan will in der Türkei keine griechischen Verhältnisse: schade? Erdogan läßt sich nicht in innere Angelegenheiten reinreden: Das ist bei uns glücklicherweise ganz anders hi...hi...hi

    Nele 03.04.2016, 12:03 Uhr:
    Das Ziel von Fr. Merkel sich mit unseren Steuergeldern ihren Friedensnobelpreis zu kaufen, wird nicht funktionieren. Denn die Entscheider in Oslo sehen sehr genau, wie viel Elend "wir schaffen das" inzwischen ausgelöst hat. Man hat den Flüchtlingen vorgelogen, das sie hier willkommen sind. Werbewirksam ein paar jubelnde Menschen an die Bahnhöfe gestellt. Das hier nicht das Paradies auf sie wartet, haben die Angekommenen wahrscheinlich längst gemerkt. Aber da die wahren Zustände totgeschwiegen werden, wollen immer noch alle nach Deutschland.

    Rolf B. 03.04.2016, 12:22 Uhr:
    Ich stelle mit erheblichere Beunruhigung fest, dass die EU und leider auch die deutsche Bundesregierung in zunehmendem Maße intensiver mit despotischen Regimes zusammen arbeitet. Ich denke da auch an Saudi Arabien. Aber auch die Türkei widerspricht den viel gepriesenen europäischen Werten. Zusätzlich sei darauf hingewiesen, dass die Türkei nachgewiesenermaßen die Terroristen des IS unterstützt hat. Meines Erachtenbs müsste die Türkei sofort aus der NATO ausgeschlossen werden, doch leider ist die NATO selbst sehr verbandelt mit antidemokratischen Systemen. Damit werden wichtige Positionen bezüglich der Menschenrechte aufgegeben. Die Bundesregierung hat sich hinsichtlich der Verteidigung demokratischer Werte am Beispiel der Türkei völlig unglaubwürdig gemacht. Das macht mir Angst.

    Schmitt 03.04.2016, 12:41 Uhr:
    Danke Herr Herles, übersetzt "wir brauchen die Türkei als Frontstaat gegen Russland." das gibt wieder Pluspunkte oder einen schönen Journalistenpreis

    Bernd L. , 03.04.2016,13:13 Uhr:
    Einfache Antwort NEIN. Die Türkei gehört nicht zu Europa (weder geographisch, kulturell, geschichtlich, von den Werten.

    Alle Kommentare gibt es hier: Presseclub Gästebuch

    Montag, 15. Februar 2016

    Merkel steht in der Flüchtlingsfrage alleine da

    Thema: Flüchtlingskrise

    Kurz vor dem EU-Gipfel
    Merkel steht in der Flüchtlingsfrage alleine da

    In wenigen Tagen findet in Brüssel der EU-Gipfel statt. Kanzlerin Angela Merkel musste jedoch schon am Wochenende feststellen, dass sie im Streit um Flüchtlingskontingente zunehmend isoliert ist.

    Frankreichs Premierminister Manuel Valls sagte am Rande der Sicherheitskonferenz in München, er sei "nicht dafür", einen festen Verteilungsmechanismus einzuführen. Auch aus Osteuropa bekam Merkel Gegenwind: Der slowakische Außenminister Miroslav Lajcak lehnte Kontingente ebenfalls ab, die Visegrad-Staaten planen laut "Spiegel" die Abriegelung der Balkanroute für Flüchtlinge.

    Merkel setzt sich dafür ein, dass Kontingente für die Verteilung von Flüchtlingen in der EU festgelegt werden. Verbunden mit einer besseren Sicherung der EU-Außengrenzen soll so der Zuzug der Schutzsuchenden kontrolliert vonstatten gehen. Zudem soll dies zur Entlastung der Türkei beitragen, die bereits 2,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien beherbergt.

    Valls will keine Flüchtlinge mehr aufnehmen

    Valls sagte am Samstag, die EU müsse die Botschaft aussenden, "dass wir keine Flüchtlinge mehr aufnehmen". "Wir sind nicht für einen dauerhaften Umverteilungsmechanismus", wandte er sich gegen Merkels Vorstellungen.

    Es sei vielmehr an der Zeit, Beschlüsse umzusetzen - nämlich Hotspots für die Erstregistrierung der Flüchtlinge und die Kontrolle der Außengrenzen der EU. Außerdem stehe zunächst die von den EU-Staaten vereinbarte Umverteilung von 160.000 Flüchtlingen zur Entlastung Griechenlands und Italiens an.

    Ablehnung auch aus der Slowakei

    Auch der slowakische Außenminister äußerte sich ablehnend zu Merkels Idee. "Kontingente erhöhen nur die Anreize für Migration", sagte Lajcak dem "Spiegel". Zusammen mit den anderen drei Visegrad-Staaten Ungarn, Polen und Tschechien will die Slowakei die Abriegelung der sogenannten Balkanroute voranbringen, auf der Flüchtlinge von Griechenland nach Nordwesten weiterreisen.

    "Solange eine gemeinsame europäische Strategie fehlt, ist es legitim, dass die Staaten auf der Balkanroute ihre Grenzen schützen", sagte Lajcak dem "Spiegel". "Dabei helfen wir ihnen."

    Bei einem Treffen am Montag wollen die vier Staaten demnach besprechen, wie sie etwa Mazedonien bei der Schließung der Grenze zu Griechenland unterstützen können. Er wolle keine Konfrontation mit Merkel, sagte Lajcak. Aber es sei falsch, es der Türkei zu überlassen, die Probleme Europas zu lösen.

    Zu dem Appell aus Österreich an Mazedonien, die Grenze zu Griechenland notfalls komplett für Flüchtlinge abzuriegeln, äußerte sich wiederum der niederländische Außenminister Bert Koenders kritisch.

    Eine "effiziente Kontrolle" sei wichtiger als eine Schließung der Grenze, sagte er am Sonntag in Skopje. Die EU-Staaten müssten an dieser Stelle kooperieren. Sein Land werde mit Österreich, Mazedonien und Griechenland zusammenarbeiten und nach einer "effizienten Lösung" suchen.

    Kerry sieht "nahezu existenzielle Bedrohung"

    US-Außenminister John Kerry nannte die europäische Flüchtlingskrise eine "nahezu existenzielle Bedrohung" für Europa. Die USA wollten Europa dabei nicht allein lassen, sagte er in München. Deshalb wolle Washington die Nato bei der Überwachung der Außengrenze unterstützen.

    Kerry lobte Merkel zudem für ihren "großen Mut", so vielen Flüchtlingen inmitten der "schlimmsten humanitären Krise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg" zu helfen.

    Unterdessen berichtete das Portal "Spiegel Online" über eine vorsichtige Abkehr in Teilen der Bundesregierung vom bisherigen Kurs zur Reisefreiheit im Schengen-Raum. Demnach befürworten Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD) in einem Brief an Parteifreunde in der EU einen stärkeren Schutz der EU-Binnengrenzen, um den Flüchtlingszuzug besser zu kontrollieren.

    Eine Sicherung der Binnengrenzen müsse jedoch von allen EU-Staaten im Konsens beschlossen werden, betonten Gabriel und Steinmeier dem Bericht zufolge. Zugleich zeigten sie sich bereit, die Hilfen für Griechenland und andere Staaten mit EU-Außengrenzen im Mittelmeerraum "substanziell zu verstärken". Grenzschließungen durch einzelne Staaten lehnten sie strikt ab.

    Die CSU sah hingegen nach der Absage von Valls an Merkel ihre Forderung nach einem Kurswechsel bestätigt. Damit sei eine europäische Lösung der Flüchtlingsfrage "faktisch gescheitert", erklärte der Vizechef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans Michelbach. Die Bundesrepublik müsse nun den Zuzug begrenzen.

    Quelle: t-online.de