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Dienstag, 11. Februar 2014

« Die EU tut, als würden wir zu ihr gehören »

... liest man bei 20min.ch

von J. Büchi
SVP-Stratege Christoph Blocher legt dar, wie der Bundesrat aus seiner Sicht den Zuwanderungs-Entscheid umsetzen muss. Wichtigste Botschaft: Die Schweiz ist kein EU-Land.


Der schweizer Alt Bundesrat Christoph Blocher: «Der Bundesrat darf auf keinen Fall selber verhandeln.» (Bild: Keystone/Walter Bieri)
Herr Blocher, es muss ein gutes Gefühl sein, schon wieder als Sieger aus einer solch richtungsweisenden Abstimmung hervorgegangen zu sein.
Ob ich glücklich darüber bin oder nicht, ist nicht entscheidend. Aber die Schweiz kann aufatmen, dass das Volk so mutig Stellung zur Selbstentscheidung bezogen hat – und das, obwohl man den Leuten im Abstimmungskampf dermassen Angst gemacht hat. Jetzt gilt es, die Handlungsfreiheit in Sachen Zuwanderung wieder zu erlangen. Mit der Annahme der Zuwanderungsinitiative steht jetzt in der Verfassung, dass die Schweiz die Zuwanderung selbst steuert. Wir sind nicht Mitglied der EU und wollen es nie sein.

Behauptet denn heute jemand, dass wir das sind?
Ja. Zumindest die EU tut so, als würden wir zu ihr gehören und der Bundesrat akzeptiert dies – trotz klarem EWR-Nein von 1992. Ebenso die Mehrheit des Parlaments. Die Verantwortlichen haben die Europäische Union bis heute im Glauben gelassen, dass die Schweiz der EU zumindest beitreten wolle. Und die EU hat es geglaubt. Deshalb haben wir jetzt einen solchen Salat! Mit der Übernahme der Personenfreizügigkeit hat die Schweiz ihre Unabhängigkeit faktisch preisgegeben. Jetzt ist das korrigiert.

Dass sich das Volk für eine Neuverhandlung der Personenfreizügigkeit ausgesprochen hat, muss für Sie ein ähnlicher Triumph wie das EWR-Nein 1992 sein.
Der Entscheid gegen den EWR-Beitritt war natürlich viel umfassender. Aber wie 1992 hat das Volk auch gestern realisiert, dass die Unabhängigkeit unseres Landes auf dem Spiel steht. Die Bevölkerung, die unter den Folgen der explosiven Zuwanderung leidet, hat ihre Stimme erhoben, während die Classe politique und der Bundesrat die Gefahr nicht ernst nahmen.

Der Bundesrat ist es aber, der nun für die Umsetzung verantwortlich ist.
Ja, weil er sich als Regierung wählen liess, um den Auftrag der betroffenen Bürger zu erfüllen. Und wenn er das nicht kann, muss man ihn auswechseln. Sicher ist, dass der Bundesrat keine Strategie hat, wie er der EU entgegentreten soll. Er weiss ja nicht einmal selber, was er will. Seit dem 9. Februar 2014 sollte er aber wissen, was er muss.

Wie sollte seine Strategie denn aus Ihrer Sicht aussehen?
Es ist doch ganz einfach! Zuerst – nun sag ich es noch einmal – ist der EU endlich klar mitzuteilen, dass die Schweiz nicht Mitglied ist und auch nicht werden will. Sie ist ein ausserhalb der Europäischen Union liegendes Land. Für sie gilt die Rechtsordnung der Schweiz und nicht der EU. Die schweizerische Unabhängigkeit ist in Artikel 2 der Schweizerischen Bundesverfassung festgeschrieben. Darum ist endlich das Beitrittsgesuch von 1992 für gegenstandslos zu erklären. Und die dritte Botschaft ist: Die Schweiz ist auch kein Mitglied des Europäischen Binnenmarktes und will es auch nicht sein. Sonst müssten wir nämlich alle EU-Regelungen übernehmen – in der Steuerpolitik, in der Aussenpolitik, bis hin zur Währung.

Die FDP hat ja bereits vorgeschlagen, dass Sie die Verhandlungen mit der EU führen sollen. Wären Sie dazu bereit?
Ich danke natürlich vielmals für den grosszügigen Vorschlag einer eher hilflosen FDP. Es ist aber schon ein wenig merkwürdig, dass man der grössten Partei, die bei wichtigen Fragen über 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint, keinen zweiten Bundesratssitz zugestehen will. Und dann deren Hilfe will, wenn man selbst in der Tinte sitzt. Aber auch ein fähiger Diplomat kann nur gute Resultate erzielen, wenn er Verhandlungs-Vollmacht hat, und wenn auf keinen Fall der Bundesrat selber verhandeln will!

Weshalb soll der Bundesrat nicht selber verhandeln?
Der Bundesrat hat ja das Gefühl, er müsse immer sagen, was die EU hören will. Dabei macht das kein normaler Mensch: Mit jemandem verhandeln, der die gleiche Meinung vertritt. Es braucht Diplomaten, die hart auftreten können. Wenn sie keine Einigung mit der EU erzielen können, können sie immer noch sagen: «Ich habe zu Hause einen Chef, der will das so, ich kann Ihnen nicht weiter entgegenkommen.» Der Bundesrat hingegen kann das nicht.

Diese Theorie gehört ja quasi zum kleinen Einmaleins der Diplomatie. Weshalb glauben Sie, dass der Bundesrat das nicht weiss?
Bis in die 80er-Jahre wusste das unsere Landesregierung. Der Bundespräsident ging prinzipiell nie ins Ausland, weil er sich nicht auf die Forderungen einlassen wollte. Heute scheint von diesem Bewusstsein nichts mehr übrig zu sein. Dabei wäre es so einfach: Wenn man sich nur auf diesen eisernen Grundsatz zurückbesinnen würde, wäre man mit der EU viel erfolgreicher. So oder so: Die anstehenden Verhandlungen sind kein Zuckerschlecken, aber wir sind in einer starken Position. Die EU ist die Bittstellerin: Sie hat ein Interesse daran, dass wir in der Unternehmensbesteuerung, in Energiefragen oder bei der Zinsbesteuerung, im Datenaustausch und so weiter mit ihr zusammenarbeiten.

Sie gehen davon aus, dass die Schweiz ein attraktiver Handelspartner bleibt. Die Gegner Ihrer Initiative befürchten aber ein wirtschaftliches Tief in der Schweiz, wie wir es nach dem EWR-Entscheid schon einmal erlebt haben.
Das EWR-Nein hat uns keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten beschert, das ist dummes Zeug. Am Tag nach der Abstimmung ist die Börse und der Franken gestiegen. Auch die Zinsen haben positiv nach unten reagiert, die Leute wollten also mehr Geld anlegen. Der Punkt ist, dass die Abstimmung mitten in einer Rezession stattgefunden hat. Die Immobilienkrise, die grosse Teuerung und Steuererhöhungen sind dafür verantwortlich, dass die 90er-Jahre wirtschaftlich schwierig waren, nicht das EWR-Nein.

Dieses Mal ist die Situation anders. Es wäre keine bestehende Krise schuld, sollte die Umsetzung Ihrer Initiative zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen.
Natürlich kann es in den nächsten Jahren wieder zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kommen, die Situation in ganz Europa ist alles andere als stabil. Aber ich sage Ihnen etwas: In einer solchen Situation stünde die Schweiz mit dem Kontingentssystem besser da als mit der Personenfreizügigkeit, wie wir sie heute haben. Mit der Personenfreizügigkeit bleiben die Ausländer – und es kommen erst noch zusätzliche – nämlich auch, wenn es im Land Probleme gibt. In einem Kontingentsystem gehen die meisten dagegen wieder nach Hause, wenn es sie nicht braucht. Vielleicht wird der gesamte Kuchen mit dem Kontingentssystem etwas kleiner, aber die einzelnen Stücke werden grösser.

Dann hat künftig jeder Schweizer ein fettes Tortenstück auf dem Teller?
Zuerst muss die Initiative umgesetzt werden. Aber dann gibt es für jeden ein dickeres Kuchenstück, ja.

Mit freundlicher Genehmigung von http://www.20min.ch


und was liest man in Deutschland?

Volksentscheid: EU-Funktionäre prügeln auf die Schweiz ein
Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Der mehrheitliche Auftrag der Schweizer Bürger an ihre Regierung, die Regeln für Personenfreizügigkeit künftig wieder national zu gestalten, hat bei Politikern auf EU-Ebene eine bemerkenswerte Reaktion ausgelöst: Die Schweiz wird bedroht, es wird der Schweiz vorgehalten, dass sie nicht einfach Regeln ändern könne – und wenn, dann müsse sie die Konsequenzen in aller Härte tragen.

Die Franzosen sind schon mal vorgeprescht und kündigen eine Überprüfung der bilateralen Beziehungen an (mehr dazu hier).

Der SP-Mann Ralf Stegner hat den Schweizern gleich kollektiv den Vogel gezeigt (mehr hier).

Die EU-Kommission hält sich noch bedeckt und ließ am Montag lediglich ausrichten, dass man die Lage „sorgfältig prüfen“ werde. Das heißt im EU-Jargon: Man wird hektisch herumtelefonieren, um zu sehen, woher und vor allem wohin der Wind bläst.

Die deutlichsten Worte kamen von EU-Parlamentariern, die seit vielen Jahren im Parlament eine Art politischen Vorruhestand genießen (mehr zu den Gagen hier). Diese Leute haben kaum Kontakt zur Basis, und erst recht nicht zu anderen Völkern. Sie werden von ihren Parteien nach Straßburg geschickt, weil die Parteien sie – meist wegen mangelnden Erfolgs – nicht mehr auf der Payroll haben wollen. Daher muss der europäische Steuerzahler für diese Politiker aufkommen.

Diese Politiker sind vor allem Meister der Selbstüberschätzung: So sagte der österreichische Sozialdemokrat Hannes Swoboda laut Euractiv: „Für uns ist die Beziehung zur Schweiz eine Paketlösung. Wenn die Schweiz die Einwanderung aus der EU stoppt, dann wird sie nicht auf all die anderen Wirtschafts- und Handels-Vorteile zählen können, die sie gegenwärtig genießt. Wir werden kein Rosinen-Picken erlauben.“

Der CDU-Mann Elmar Brok, der in den vergangenen Wochen dadurch aufgefallen war, dass er der Ukraine andauernd gute Ratschläge gab und – auf Steuerzahler-Kosten – in der Ukraine ein Fact-Finding-Mission betrieben hat, sagte dem Kölner Stadt Anzeiger, dass offene Grenzen für Arbeitnehmer zu den „Prinzipien des Binnenmarktes gehören“ und die Schweiz sich an diese Regeln zu halten habe. Brok zum Schweizer Entscheid: „Wir können das nicht widerspruchslos hinnehmen.“

Brok und Swoboda zeigen damit deutlich, wo der fundamentale „Konstruktionsfehler“ dieser EU liegt: Diese Politiker sind nicht Vertreter eines Volkes, sondern Sprecher des „Binnenmarktes“, die dafür sorgen, dass die internationalen Konzerne „Wirtschafts- und Handels-Vorteile“ haben.

Auch aus der ideologischen Ecke kamen seltsame Töne: Der Linken-Parteichef Bernd Riexinger forderte im Handelsblatt die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. Er sagte: „Die Schweiz kann sich nicht ernsthaft auf den Standpunkt stellen, dass sie sich gegen Zuwanderer abschotten kann, und gleichzeitig das Steuerfluchtgeld aus ganz Europa mit offenen Armen empfängt.“

Die Schweiz hat schon einmal eine Voll-Integration abgelehnt und vor einigen Jahren gegen den Beitritt zum EWR gestimmt. Norwegen hat schon zweimal gegen den EU-Betritt gestimmt. Beide Nationen haben deutlich bessere Entwicklungen genommen als die EU-Südstaaten, in denen seit der Einführung des Euro nur eine Kurve nach oben zeigt: die der Arbeitslosigkeit, insbesondere bei der Jugend.

Das kommt daher, dass ihre politische Eliten sich nicht mehr als Vertreter des Souveräns fühlen, sondern als willfährige Vollstrecker von undurchsichtigen Lobby-Interessen.

Der Schweizer SVP-Mann Christoph Blocher hat noch am Sonntag in einem TV-Interview all die möglichen Drohungen bereits in das Land der Märchen verwiesen. Er sagte, dass die EU am meisten von der Schweiz profitiere, etwa, in dem die Schweiz Straße und Schiene durch die Alpen zu Spott-Preisen für den EU-Güterverkehr geöffnet habe.

Die Schweizer Politiker reagierten am Sonntagabend betroffen über das Votum der Bevölkerung. Doch räumten alle ein – zumindest verbal – dass sie sich dem Entscheid selbstverständlich verpflichtet wissen (interessante Diskussion dazu beim SFR). Denn die Schweizer Politiker wissen genau: Wenn sie nun versuchen sollten, sich dem Willen der Bürger zu widersetzen, dann werden sie bei der nächsten Wahl abgewählt.

So einfach kann Demokratie sein.
So einfach muss Demokratie sein.

Die Reaktionen der EU-Funktionäre und der Ideologen offenbart ein massives Demokratie-Defizit bei Leuten, die vom Steuerzahler leben. Sie wollen nicht, dass die Bürger in Europa selbständig denken und entscheiden. Sie können nicht respektieren, dass basisdemokratische Entscheidungen nicht Müll sind, den man schnell in die Tonne treten sollte, sondern Ausdruck des Wählerwillens, der den Berufspolitikern eine verbindliche Richtlinie vorgibt.

Der Schweizer Entscheid wird möglicher Weise für die EU nachhaltigere Folgen zeigen als für die Schweiz: Wenn die EU-Funktionäre in ihrer abgehobenen, undemokratischen Rhetorik verfangen bleiben, dann werden sie unfreiwillig zu den Totengräbern des Systems, das sie um jeden Preis retten wollen – weil es sie so großzügig ernährt.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

» der Kommentar des Blogschreibers «

Herzlichen Glückwunsch Herr Stegner,
das ist Ihnen ja wieder toll gelungen, sich noch ein Stück unsympatischer zu machen. Meinen Sie, jetzt wo die Umfallerpartei SPD das Erbe der FDP komplett übernommen hat, nicht nur als der kleinere Part im Ensemble der Regierungsdarsteller sondern auch als abgehobene Parlamentclowns, da dürften Sie sich aus dem Norden melden und die Bürger eines Landes beleidigen, das nicht zur korrupten EU gehört und auch nicht später dazu gehören will?
Fühlen Sie sich für alle Länder Europas zuständig?
Fragen Sie doch einmal das deutsche Volk, nicht nur die Funktionäre und Ideologen, die von der Realität schon lange nichts mehr mitbekommen, wie es entscheiden würde.
Wie man lesen konnte, droht die "Euro-Kanzlerin" sogar der Ukraine mit Sanktionen wenn sie sich nicht merkelkonform entscheidet.
Für wie wichtig und mächtig hält sich diese kleine Schar Abgehobener, die sich selber "Elite" nennen weil es sonst keiner tut?
Die Hanseln einer Partei, die nur durch Lügerei und falsche Versprechen in den Regierungszirkus gekommen sind, sollten doch etwas mehr Zurückhaltung üben, wenn es um eine Demokratie geht, die es im eigenen Land noch nie gegeben hat.
Was sagen denn eure transatlantischen Fernsteuerer dazu, wenn ihr ungefragt solche Äußerungen von euch gebt? Müsst Ihr deshalb immer wieder so schnell zurückrudern, Sie und auch die Kanzlerin?


Kommentare

Rousseau sagt:
Liebe Eidgenossen,
das ist Demokratie und das passt den EU-Heuchlern und ihren willfährigen Medienkommentatoren natürlich nicht. Ich würde völlig relaxt dem Untergang dieser EUdSSR zusehen: Bis der Volksentscheid umgesetzt wird, wird Farage UK dominieren und die Briten werden 2015 austreten. Ende Gelände für das Brüssler Kasperltheater.
Man muss nur lange genug am Ufer des Flusses sitzen bleiben……..dann kommen irgendwann alle Feinde tot vorbeigeschwommen.

J. R. sagt:
Geht’s noch? – Soweit ich mich erinnere, ist die Schweiz ein souveräner Staat in Europa!
Die Haßtiraden der EU-Diktatoren gegen demokratische Entscheidungen des Schweizer Volkes zeigen uns eindeutig, wie gestört das Verhältnis dieser EU-Politmafiosi gegenüber demokratischen Entscheidungsprozessen ist: PFUI TEUFEL !
Die EU in ihrer jetzigen Form muß sofort zerstört werden und durch ein Europa der Vaterländer ersetzt werden.

Burckhard sagt:
Der Volksentscheid hatte auch noch einen Nebeneffekt. Europäische “Demokraten” outen sich, allen voran die rote Socke Ralf Stegner.

Resi sagt:
Die Schweiz ist nicht in der EU, also kann sie sehr wohl selbst entscheiden, was für das Land gut ist. Was bilden sich diese Damen und Herren der EU eigentlich ein, der Schweiz Vorschriften zu machen? Ich finde es einfach nur noch skandalös, was hier abgeht.
Liebe Schweizer, ich bewundere euch und würde mir für Deutschland auch so eine Abstimmung wünschen….
Außerdem hat die Schweiz nicht gegen jede Zuwanderung gestimmt, sondern für eine geregelte Zuwanderung!!!

Klaus sagt:
Nicht Europa ist schockiert,
sondern diese EU mit ihren weltfremden Politikern.
Ganz im Gegenteil, Europas Völker sehen mit sehr viel Genugtuung dass die Schweiz sich der EU-Krake ( Blutsauger ) durch gelebte Demokratie zumindest teilweise entzieht.
Es weckt Hoffnung in mir.
Die EU ist nicht Europa, sondern ein nicht gewähltes etwas was Europa aussaugt und zerstört.


Montag, 10. Februar 2014

Schweizer Referendum verärgert deutsche Politiker

Thema: Volksabstimmung in der Schweiz
Vor der Abstimmung
t-online: "Es ist einfach schäbig"

Schweizer Referendum verärgert deutsche Politiker

07.02.2014, 21:49 Uhr | Von Cordula Niederelz, t-online.de
Alles blanker Populismus oder eine ernste Bedrohung europäischer Abkommen? Deutsche Politiker reagieren verärgert über die Volksabstimmung "Gegen Masseneinwanderung", die in der Schweiz am Sonntag zu Ende geht. "Es ist einfach schäbig, wie Rechtspopulisten wie die SVP Kampagnen auf Kosten von Zuwanderern machen", sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour im Gespräch mit T-Online.de.


Mit diesem Plakat wirbt die Schweizerische Volkspartei für ihre Initiative. (Quelle: dpa)
Das Referendum, das bei den Eidgenossen schon seit Monaten für reichlich Zündstoff sorgt, erregt jetzt auch die Gemüter beim großen Nachbarn Deutschland. Die Schweizerischen Volkspartei (SVP) will mit Einwanderungsquoten den Zuzug von Ausländern eindämmen. Der Erfolg der Abstimmung wird wahrscheinlicher, je mehr sie ihrem Ende entgegen geht. Dabei geht es auch um deutsche Zuwanderer, die in der Schweiz nach den Italienern die zweitgrößte Gruppe darstellen. Als vor einigen Wochen in der Nähe des Vierwaldstättersees ein Schweizer Kampfjet abstürzte und dabei ein deutscher Militärarzt ums Leben kam, twitterte der SVP-Politiker Christoph Mörgeli: "Warum arbeiten Deutsche als Fliegerärzte der Schweizer Armee? Sorry, hier hat's einfach Grenzen!"

Das Vorgehen der Schweizer SVP sei nicht neu, ärgert Nouripour aber trotzdem. Gerade Parteien hätten eine besondere Verantwortung, zum friedlichen Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft beizutragen. "Die SVP entzieht sich dieser Verantwortung, weil sie sich Profit erhofft von populistischen Kampagnen", erklärte der Außenpolitik-Experte. Er halte sehr viel davon, Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen, die Parteien müssten aber nüchtern über Risiken und Potenziale der Einwanderung sprechen.

Brok wirft SVP Korinthenpickerei vor

Auch der EU-Abgeordnete Elmar Brok (CDU) reagiert im Gespräch mit T-Online.de verstimmt auf die Zuwanderungs-Initiative. "Sie widerspricht den Vereinbarungen, die die Schweiz mit der Europäischen Union hat, und könnte sicher zu Problemen mit der EU führen." Das Ganze wirke ein bisschen wie Korinthenpickerei, bei der man sich nur die guten Dinge heraussucht.

Konkret geht es um das Abkommen zur Personenfreizügigkeit. Sollte die Initiative Erfolg haben, müsste Bern in Brüssel auf Änderung dieses Abkommens dringen und wieder Obergrenzen für die Zuwanderung aus der EU festlegen.

"Kein Anlass, neue Verhandlungen anzubieten"

Solche Nachverhandlungen scheint die EU zum jetzigen Zeitpunkt aber auszuschließen. "Das Abkommen zur Personenfreizügigkeit ist völkerrechtlich verbindlich vereinbart, und wir sehen von uns aus keinen Anlass dazu, neue Verhandlungen anzubieten", sagte Brok.

Die Schweiz wolle Mitglied des europäischen Binnenmarktes sein, und dessen Kernpunkte seien die vier Freiheiten des Kapital-, Dienstleistungs-, Waren- und Personenverkehrs. "Da kann die Schweiz nicht einseitig sagen, sie kündigt eine dieser Freiheiten auf. Ich glaube, dass ein entsprechendes Ergebnis der Volksabstimmung erst einmal eine Krise auslösen würde", erklärte der EU-Außenpolitik-Experte. Er gehe allerdings davon aus, dass die Initiative abgelehnt werde.

Zuwanderung nicht verkraftbar?

Rund 23 Prozent der gut acht Millionen Einwohner der Schweiz sind Ausländer. "Rund 80.000 Personen wandern jährlich mehr in unser Land ein als aus", rechnet die SVP vor.

Die heutige Zuwanderung sei für die Schweiz weder kulturell noch mengenmäßig verkraftbar. Die SVP malt den Teufel wie folgt an die Wand: überfüllte Züge, verstopfte Straßen, Umweltschäden, überforderte Sozialsysteme sowie die Gefahr von Lohndumping.

Wilhelm-Tell-Kultur ist passé

Omid Nouripour kann diese Argumente nur schwer nachvollziehen. Natürlich müsse die Zuwanderung verkraftbar bleiben, sagt er - "es ist aber ja nicht so, dass die Schweizer vom Aussterben bedroht sind".

Was ihn am meisten ärgert, sei das Kultur-Argument: "Die SVP hat eine immens statische Definition von Kultur und tut so, als hätte sich die Kultur des Landes seit Wilhelm Tell nicht mehr verändert", sagt Nouripour.

Kulturen seien immer Einflüssen von außen ausgesetzt. Man solle nicht so tun, als sei das per se ein Problem und als könne man sich dagegen abschotten. Auch die Vorbehalte, die viele Schweizer speziell gegenüber Deutschen haben, versteht der Grünen-Politiker nicht: "Die Aussage 'Die Deutschen sind alle arrogant' ist genauso pauschal wie 'Die Schweizer essen alle Käse'".
07.02.2014, 21:49 Uhr | Von Cordula Niederelz, t-online.de

Kommentare

» der Kommentar des Blogschreibers«
Es ist doch bekannt, dass gerade die sich selbst "Elite" Nennenden in Berlin nichts von Volksabstimmungen halten, noch nie gehalten haben und alles dafür tun, dass es nicht zu Volksabstimmungen kommt. (Schäuble wollte ja sogar den Artikel 146 still und heimlich aus dem Grundgesetz streichen lassen).
Nur ohne Volksabstimmungen können sie sich auf ihren Posten halten, mit Volksabstimmungen würde es weder bankengesteuerte Politikerdarsteller noch einen Euro als alleiniges Zahlungsmittel in Deutschland geben und das Antikorruptionsgesetz wäre längst in Kraft gesetzt.

Herr Noripour was meinen Sie, darf eine Partei, mit nicht mal 9% Zustimmung aller Wähler, Deutschland zum Einwanderungsland ohne Beschränkung erklären?
Sollte man die Einwohner nicht besser selbst entscheiden lassen wer als neuer Mitbürger willkommen ist und wer nicht? Ihr Multi-Kulti-Verein würde ja am liebsten Jeden reinlassen, ohne Sprach-, Kultur- oder Glaubens-Unterschiede zu berücksichtigen.
Erkundigen Sie sich mal bei echten Einwanderungsländern z.B. USA, Australien oder Kanada wie so was geht.
Da haben die Schweizer uns Einiges vorraus Herr Nouripour, ob ihnen das nun passt oder nicht.
Vielleicht sind aber auch deren Politiker einfach nur demokratischer als die deutschen Politikerdarsteller.


zylomr
Tja,Herr Nouripour,dass ihnen diese Abstimmung nicht passt und auch warum nicht ist klar.Wie wäre es,wenn sie sich um die Problemein dem Land dem sie entstammen kümmern würden.Wir in Deutschland haben auch die Nase davon voll,unser Land mit den sogenannten Kulturen der sodenannten Emigranten überschütten zu lassen.Mindestens 70 Prozent der Straftaten werden von diesen Leuten begangen,Der größte Teil dieser Leute ist nicht integrationdwillig sondern nur auf das Geld scharf,was man in dieser Form auch nur bei den dummen Deutschen abgreifen kann.DEswegen bravo Schweiz,machs nach Deutschland.

Fafnir
Diese pseudodeutschen Volkszertreter tun so, als ginge es hauptsächlich gegen Deutsche, aber in Wirklichkeit geht es gegen Überfremdung an sich und da könnten wir von den Schweizern sicher noch einiges lernen! Übrigens sind mindestens ein Drittel des Schweizer deutsche, wenn auch schweizerdeutsche!

berni_11
Ich bin der Meinung:
Das Einzige was unseren Politikern Sorgen bereitet ist die mögliche Ansteckung solcher Initiativen in Deutschland. Wenn hier eine Abstimmung anstehen würde, würde die Regierung ihr blaues Wunder erleben.
Es kann nicht sein, dass es hier noch immer kein Regelwerk zur Einwanderung gibt und davon gefaselt wird, dass Deutschland auf Grund der Geburtenrate dringend Einwanderung braucht.
Vielleicht sollten diese Damen und Herren mal familienfreundlichere Politik machen, dann klappt es auch mit dem Nachwuchs. Es kann nicht sein, dass Zugezogene hier bestimmen können wie z.B. das Essen in Kindereinrichtungen sein darf (Schweinefleisch), unsere Gesetze zu Gunsten ihrer Traditionen zurechtgestutzt werden (Schächten).
Zuwanderer können hier gern Gast sein, aber sie haben sich an unsere Gesetze zu halten-ohne wenn und aber und ohne doppelte Staatsbürgerschaft.
Übernahme von kulturellen Dingen müssen wachsen und lassen sich nicht per Gesetz überstülpen.

rainer-vitzthum
Ich bin eigentlich nicht Ausländerfeindlich nur was sich in den Großstädten abspielt gefällt mir gar nicht mehr. Ich komme aus Nürnberg und sehe selbst wie diese Stadt durch zu viele Einwanderer langsam den Bach runtergeht. Leider gibt es viel zuviele Menschen die vor diesen Problemen die Augen verschließen. Wir haben ziemlich viele Freunde bei der Polizei was die alles so mit machen. Sie dürfen leider nicht pviel zu diesen Problemen sagen. Wir werden auf jeden Fall noch unser blaues Wunder erleben und das haben viele Schweizer eben auch schon erkannt

Wirtschaftler
Was uns TO wieder mal verschweigt. Das Wirtschaftsinstitut Capital Economics, genießt weltweit einen sehr guten Ruf. Dort hat Geert Wilders eine Studie in Auftrag gegeben. Was wäre, wenn die NL aus der EU austritt. Das Ergebnis: NL spart glatt 13 Mrd € p a. Durch den Wegfall der EU Zwänge, gibt es in den nächsten Jahren einen Wirtschaftsaufschwung von 10-13 %. Hat die CH eine ähnliche Studie vorliegen?

Chatnoir01
Ich wünsche mir in Deutschland die Schweizer Demokratie mit Volksabstimmung usw. Im Irak, in Mali oder an anderen Kriegsschauplätzen sind keine Schweizer zu finden. Das ist vorbildlich!
Die Schweizer brauchen uns nicht aber wir die Schweizer.

Karl
Die Schweizer haben recht,aber in unserer sogenannten Demokratie,gibt es keine Volksabstimmung,sonst hätten wir auch keinen Euro.

Nach der Abstimmung
t-online:

SPD-Vize Stegner: "Die spinnen, die Schweizer"

Den Vogel hat auf jeden Fall SPD-Vize Ralf Stegner abgeschossen. "Die spinnen, die Schweizer", twitterte der schleswig-holsteinische Politiker übers Internet, nachdem sich die Eidgenossen in ihrer Volksabstimmung knapp für die Begrenzung der Zuwanderung ausgesprochen hatten. Um dann richtig vom Leder zu ziehen: "Geistige Abschottung kann leicht zur Verblödung führen."

Ansonsten fielen die Reaktionen aus dem Schweizer Ausland zwar mehrheitlich enttäuscht, aber deutlich sachlicher aus. Applaus für den Erfolg der Schweizer Rechtspopulisten gab es erwartungsgemäß von anderen rechtslastigen Bewegungen in Europa.

Die Europäische Union, deren Bürger von dem Votum betroffen sein werden, hat das Schweizer Votum "bedauert". Das Votum "verletzt das Prinzip des freien Personenverkehrs zwischen der Europäischen Union und der Schweiz", erklärte die EU-Kommission. Sie kündigte an, sie werde nun die Folgen "für die Gesamtbeziehungen zwischen der Union und der Schweiz" analysieren. In diesem Zusammenhang werde auch die Haltung der Schweizer Regierung zum Abstimmungsergebnis "berücksichtigt werden".

Schäuble: "Unbehagen ernst nehmen"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht den Ausgang der Schweizer Volksabstimmung auch als Signal für die deutsche Politik. "Es zeigt natürlich ein bisschen, dass in dieser Welt der Globalisierung die Menschen zunehmend Unbehagen gegenüber einer unbegrenzten Freizügigkeit haben. Ich glaube, das müssen wir alle ernst nehmen", sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". "Wir bedauern diese Entscheidung. Das wird eine Menge Schwierigkeiten für die Schweiz verursachen."

In den deutschen Medien werden vor allem die Auswirkungen auf die Alpenrepublik selbst thematisiert. "Die Schweiz mit ihrer sinkenden indigenen Bevölkerung ist ohne Arbeitskräfte von außen kaum funktionabel zu halten", kommentiert das "Offenburger Tageblatt". "Und was ist das überhaupt für eine Botschaft an die Welt? Die lautet seit gestern: Leute, bleibt bloß weg!"

Es wird jedoch auch um Verständnis für die Schweizer Entscheidung geworben: "Wer sich indes über die Angst vor Überfremdung mokiert, sollte bedenken, dass in der Schweiz der Ausländeranteil an der gesamten Wohnbevölkerung mit 23 Prozent fast dreimal höher ist als in Deutschland", schreibt der "Kölner Stadt-Anzeiger". "Und was die Fremdbestimmung betrifft, machen sich die Schweizer zu Recht sorgen. Immer mehr Verordnungen und Gesetze, die in Brüssel beschlossen werden, müssen sie schlicht übernehmen."

Europas Rechte feiert

Die Hannoveraner "Neue Presse" gibt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) Recht, der versuchte, die Schärfe aus dem drohenden Streit herauszunehmen. "Weil er genau weiß: Die Rechtspopulisten in ganz Europa werden diesen Sieg feiern, es wird ihnen ein gefährlichen Aufschub für die Europawahl geben."

Und das stimmt: "Gut gemacht, Schweiz!", twitterte kruz nach Bekanntwerden des Ergebnisses der Vize-Chef der rechtextremen französischen Partei Front National. "Eine echte Demokratie", urteilte Florian Philippot über den Kurznachrichtendienst im Internet. Unter den Gratulanten auf der Facebook-Seite der Schweizer Volkparetei (SVP) ist auch die NPD aus Niedersachsen, die sich in ihrem Post direkte Demokratie auch in Deutschland wünscht, "vor allem zu Themen wie Masseneinwanderung".

Ralf Stegner musste sich ürbigens nach seinen harschen Sätzen via Twitter mit einigen kritischen Kommentaren auseinandersetzen. "Ich war auch nicht dafür, aber oberschlaues deutsches Palaver ist nur Wasser auf die Mühlen der Befürworter", entgegnete zum Beispiel ein Internet-User namens Urs Kaufmann.
09.02.2014, 20:35 Uhr | je, dpa, AFP

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Kommentare

Antonia1
da kann man die Schweizer Bürger, zur kontrollierte Einwanderung und zur gelungenen Volksabstimmung nur gratulieren. Das ist gelebte Demokratie, und keine Schein-Demokratie wie in Deutschland. Die Schweiz gibt ihren Bürger wenigstens die Chance, durch Volksabstimmungen, ein zufriedenes Volk zu sein !!!

ManniB
Ich bin für eine Einwanderung nach Amerikanischem Australischen Kanadischem Vorbild. Ohne Geld oder Facharbeiter oder von einem Unternehmer angeforderten Einwanderer bekommt man in diesen Ländern keine Arbeitsgenehmigung
B R A V O Schweiz

koelscheschwob
...dann zeig ich halt in Zukunft wieder meinen Personalausweis an der Grenze, ist doch mir egal. Ich habe viele Freunde in der Schweiz, und wenn ich auf dem Bodensee in die Schweiz segle stört sich daran kein Mensch. Wenn ich das schon höre, alles was nicht so denkt wie die europäische Politikerkaste, die allesamt Lobbyisten sind, wird hier in die rechte Ecke gestellt. Einfach lächerlich ist das. Ich möchte nur zu gerne wissen, wer ein Interesse daran hat, ein wenig Patriotismus zu unterdrücken. Auf der anderen Seite schreien die gleichen Leute, wenn man behauptet man mag Deutschland nicht, man sei ein Kommunist oder noch schlimmer Terrorist. Ja was denn nun liebe Lobbyisten, passte es euch nicht in den Kram, wenn die Menschen nicht so funktionieren wie ihr wollt, und anfangen selber zu denken?