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Dienstag, 20. Dezember 2016

Wer brauch die UNO noch?

Thema: Vereinte Nationen

Braucht es die UNO noch?

von Ann Guenter - Sitzungen, Schuldzuweisungen, Stagnation: Die UNO macht im Syrienkrieg keine gute Falle. Wieso sie zurzeit nur scheitern kann – ein Gespräch mit Andreas Zumach.


Angesichts solcher Bilder aus dem syrischen Aleppo mag sich so manch einer fragen: Was tun die Vereinten Nationen eigentlich, wieso kann die UNO diesen Krieg nicht beenden? Foto: AFP/Ameer Alhalbi
Herr Zumach, was macht die UNO in Syrien falsch?
Die UNO ist nur so gut, wie es ihre Mitglieder zulassen. Wir haben mit dem Sicherheitsrat ein politisches Gremium, das den Generalsekretär und seine Topdiplomaten mit der Vermittlung eines Friedens beauftragt. Doch hinter dem Rücken des Generalsekretärs betreiben die wichtigsten Mitgliedsstaaten im Sicherheitsrat eine gegensätzliche Politik: Die einen unterstützen die Assad-Regierung, die anderen islamistische Oppositionsgruppen. So können die UNO und all ihre Vermittler nur scheitern.

Täuscht der Eindruck, dass die UNO zunehmend handlungsunfähig ist?
Diese Wahrnehmung ist schon richtig: Spätestens seit Anfang 2014 hat eine Reihe von Konflikten auf dieser Welt – Syrien, Irak, das Vordringen des IS, die Ukraine, die Ebola-Krise – den Eindruck verstärkt, dass die UNO weitgehend machtlos ist, nichts bewirken kann und noch nicht mal überlebende Opfer, vor allem Flüchtlinge, ausreichend versorgen kann – dies, weil die Mitgliedstaaten nicht die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen.

Andreas Zumach, deutscher Journalist und Publizist, arbeitet als internationaler Korrespondent für verschiedenen Printmedien und Radiostationen bei den Vereinten Nationen in Genf. Mit der Arbeit der UNO beschäftigt er sich seit über zwei Jahrzehnten.
Inwiefern hat sich die UNO ihr schlechtes Image selbst zuzuschreiben? Stichworte: Papiertiger, Wasserkopf-Bürokratie, versickernde Millionen.
Nein, also Millionen versickern da nicht. Aber schauen wir uns einmal die Relationen an: Das gesamte UNO-System kostet derzeit jährlich 15 Milliarden US-Dollar. Das sind pro Kopf der Weltbevölkerung umgerechnet 2 Dollar. Im Vergleich dazu geben die Regierungen 125 Dollar pro Kopf der Weltbevölkerung für ihr Militär aus. Und: Die UNO hat weltweit 44'000 Mitarbeiter in ihren Hauptquartieren in Genf und New York, den 40 Sonderorganisationen wie etwa die Weltgesundheitsorganisation oder das Flüchtlingshochkommissaritat UNHCR mitsamt ihren Regionalbüros. Dazu kommen derzeit 160'000 Blauhelmsoldaten. Zum Vergleich: Der US-Bundesstaat Wyoming mit seinen 700'000 Einwohnern hat 50'000 öffentliche Bedienstete. Solche Relationen muss man berücksichtigen. Und zum Vorwurf des Papiertigers: Die UNO produziert in einem Jahr so viel Papier wie die «New York Times» in einer Sonntagsausgabe. Aber wie in jeder Bürokratie gibt es auch in der UNO Verschwendung, das ist überhaupt keine Frage. InfoboxAndreas Zumach, deutscher Journalist und Publizist, arbeitet als internationaler Korrespondent für verschiedenen Printmedien und Radiostationen bei den Vereinten Nationen in Genf. Mit der Arbeit der UNO beschäftigt er sich seit über zwei Jahrzehnten.

Porsche-UNO-Autos vor Luxushotels in Kriegs- und Krisengebieten werfen schon die Frage auf, wieso die UNO-Mitarbeiter gerade dort absteigen müssen
Die Unterbringungskosten sind nicht die entscheidenden Kosten. Aber ja, einige Standards der UNO sollten verändert werden. Doch wie gesagt: Alles, was wir an übertriebenen Standards für die UNO-Mitarbeiter sehen, ist das Ergebnis der Wünsche der Mitgliedstaaten. Das Dilemma beginnt ja bereits da: Die UNO muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen können, damit die Leute ins Feld gehen. Und das gilt nicht nur für Krisengebiete. Auch die UNO-Zentren in Genf und New York sind für die jungen Diplomaten nur attraktiv, wenn die Bedingungen stimmen.

Das heisst auch ein Stück weit, dass bei der UNO nicht unbedingt die Qualifikationen der Mitarbeiter im Zentrum stehen.
Ja, diese Kritik gibt es schon länger. Regierungen wollen, aus welchen Gründen auch immer, oft Leute loswerden und zur UNO abschieben. Die beste Qualifikation ist nicht immer das Kriterium, um bei der UNO zu arbeiten. Aber noch einmal, auch wenn es banal klingen mag: Alles, was man bei der UNO zu Recht bemängeln kann, ist das Ergebnis der Entscheidungen und des Willens der Mitgliedstaaten.

Wo gibt es Bedarf für Reformen?
Die Finanzierungsbasis darf nicht mehr abhängig vom guten oder schlechten Willen der Mitgliedstaaten sein: Von den 30 Milliarden Dollar des Doppelhaushaltjahres der UNO kommen gerade einmal sechs Milliarden durch die Pflichtbeiträge der Mitgliedstaaten herein – das sind gerade einmal 20 Prozent der benötigten Gelder. Die übrigen 24 Milliarden sind abhängig von freiwilligen Überweisungen. Es bräuchte also eine UNO-Steuer, die nach dem Bruttosozialprodukt eines Staates pro Kopf seiner Einwohner bemessen ist. Das wären so um die 0,001 Prozent des BIP, eine verkraftbare Summe. Die zweite Reform: Die UNO braucht eine gemeinsame Truppe, eine unabhängige und ständige Truppe. Denn bei den zusammengewürfelten UNO-Missionen, die aus Kontingenten von Mitgliedstaaten bestehen, ist die Gefahr gross, dass nationale Interessen durchschlagen. Die dritte Reform betrifft den Sicherheitsrat. Die derzeitige Zusammensetzung mit den ständigen Sitzen der fünf Vetomächte Russland, China, USA, Frankreich, Grossbritannien ist überholt. Doch dafür müsste die UNO-Charta verändert werden, und dafür braucht es eine Zweidrittelmehrheit in der Generalversammlung. Diese Mehrheit kriegt man sicher, das Dilemma ist nur: Auch die fünf Staaten, die das Veto-Privileg haben, müssten zustimmen, und das tun sie nicht. Damit beisst sich die Katze immer wieder in den Schwanz.

Wer kann denn überhaupt Reformen anstossen?
Das kann nur durch Druck von unten geschehen. So wurde etwa die Reform des UN-Menschenrechtsrates von einem Schweizer Völkerrechtler initiiert – obwohl die Schweiz damals noch nicht UN-Mitglied war. Doch kleine Länder können in der UNO durchaus Grosses bewirken, oft gegen den Willen der mächtigen grossen Mitglieder.

Holzhammerfrage: Braucht es die UNO noch?
Aber selbstverständlich! Bei aller notwendigen Kritik, darf man drei Dinge nicht vergessen: Ohne UNO hätten wir in den letzten 70 Jahren noch viel mehr Gewaltkonflikte gehabt als die etwa 230, die es gegeben hat – und einige wären ohne die UNO mit nuklearen Waffen ausgetragen worden. Dann: Dank den humanitären UNO-Organisationen konnten die überlebenden Opfer dieser Konflikte sowie von Naturkatastrophen versorgt werden, wenn mitunter auch unbefriedigend. Hunderte Millionen von Menschen wären ohne UNO umgekommen. Und: Es hat ein ganzes Bündel von völkerrechtlich verbindlichen Verträgen und Vereinbarungen gegeben – zu Menschenrechtsfragen, zu Rüstungskontrollen, zu Umweltfragen, Klima und Artenschutz. Ohne UNO wäre die Welt in einem schlechteren Zustand, als sie es heute ist.

Spielen wir auf den Mann. Wer war Ihrer Meinung nach der erfolgreichste UNO-Generalsekretär?
Der Schwede Dag Hammerskjöld, der unter unklaren Umständen bei einer Beobachtermission im Kongo umkam, und der Ghanaer Kofi Annan. Grundsätzlich ist der Generalsekretär mehr Sekretär als General. Deswegen ist die Persönlichkeit dieser Person umso wichtiger. Es ist eine Frage des Rückgrats.

Und der jetzt gewählte António Guterres hat Rückgrat?
Ja, er ist ein anderes Kaliber als der blasse Ban Ki-moon. Guterres hat in seiner Zeit als Hochkommissar für Flüchtlinge bereits Profil bewiesen und gezeigt, dass er bereit ist, sich mit mächtigen Mitgliedsstaaten anzulegen. Doch die Rahmenbedingungen, unter denen er antritt, sind die schwierigsten, die es je gegeben hat.

Wagen wir noch einen Blick in die Zukunft: Wie sieht die UNO in zehn Jahren aus?
Sie wird nach dringend benötigten Reformen hoffentlich ein solideres Finanzsystem haben. Und mehr Mitgliedstaaten, die sich an die einmal vereinbarten Verträge und Normen halten, darunter auch gerade die mächtigen Ländern. Und sie wird hoffentlich eine grössere Fähigkeit haben, um auf die globalen Herausforderungen wie etwa die Klima-Erwärmung sowie auf Gewaltkonflikte besser zu reagieren.

Mit freundlicher Genehmigung von 20min.ch

Freitag, 16. Dezember 2016

Nahostexperte: Der Westen will in Aleppo seine Todfeinde retten

Thema: Syrien

Nahostexperte:
«Der Westen will in Aleppo seine Todfeinde retten»

von Ann Guenter - Was bedeutet der Fall Aleppos für den Syrienkrieg? Der Nahostexperte Abdel Mottaleb el Husseini im Interview.

Die Kämpfe in Aleppo gehen weiter, die Waffenruhe ist gescheitert, der vereinbarte Abzug der Rebellen ebenso. Gleichsam ist die Einnahme der Stadt durch die Truppen von Bashar al-Assad besiegelt. Der Nahostexperte Abdel Mottaleb el Husseini erklärt, wieso das noch lange kein Ende des Syrienkriegs bedeutet, in was für einem Dilemma der Westen steckt und was die wenigen Optionen sind, die er noch hat.

Abdel Mottaleb el Husseini Der Nahostexperte und Publizist Abdel Mottaleb el Husseini wurde 1949 im Libanon geboren und lebt heute in Deutschland. Er beschäftigt sich mit der politischen Landschaft der arabischen Welt und den Beziehungen der Golfstaaten zum Westen. Seine Beiträge sind unter anderem in der «Frankfurter Rundschau», der NZZ, dem WDR oder der Deutschen Welle erschienen.
Herr Husseini, inwiefern ist die Eroberung Aleppos ein Wendepunkt im Syrienkrieg?
Ich bin froh, dass Sie die Eroberung Aleppos auch als solche bezeichnen – und nicht als Befreiung, wie das syrische Regime es darstellt. Die Eroberung bedeutet nicht automatisch das Ende des Krieges, doch der symbolische Stellenwert ist sehr hoch: Denn Aleppo ist nicht nur die zweitgrösste Stadt und das Wirtschaftszentrum im Land, es ist auch ein sunnitisches Zentrum. Für die Jihadisten, namentlich die al-Nusra-Front, die dort die Oberhand hatten, war die Stadt ein befreites Gebiet. Jetzt aber beherrscht das Assad-Regime diese wieder – ein harter Schlag für die Assad-Gegner nicht nur in Syrien, sondern auch in der Region: für Saudi Arabien, für die Türkei. Assad kann sich jetzt erholen und hat eine starke Position am Verhandlungstisch. Und natürlich ist die Eroberung Aleppos auch ein grosser Erfolg für die Russen, die jetzt endgültig die Herren im Land sind.

Alle reden von den in Ost-Aleppo eingeschlossenen Rebellen. Sind das noch die Regimegegner von 2011/12?
Nein. Die grösste Gruppierung der Rebellen, die in Aleppo auch die Überhand hat, ist die al-Nusra. Mittlerweile heisst sie Dschaisch al-Fatah, Eroberungsarmee auf Arabisch. Sie ist letztlich ein Teil von al-Qaida. Dann gibt es noch die Überreste der Freien Syrischen Armee und andere jihadistische Gruppierungen. Aber man muss klar sehen: Der bewaffnete Arm der gemässigten Opposition hat in Syrien schon lange keinen Einfluss mehr. Also: In Ost-Aleppo dominieren die Extremisten der al-Nusra-Gruppe. Es ist manchmal frustrierend zu sehen, wie das international heruntergespielt wird, obwohl diese Organisation aus Aleppo, aus ganz Syrien, vertrieben werden muss.

Also macht sich der Westen in Ost-Aleppo für Terroristen stark?
Es ist ein Dilemma sondergleichen. Die Amerikaner und der Westen haben in der Region das grosse Problem, keine Gesprächspartner mehr zu haben. Im Gegensatz zu den Russen, die von Anfang an ihre Ziele, ihre Verbündeten und das syrische Regime als Basis in der Region hatten. Das ist das Dilemma: Wenn die USA und der Westen jetzt Druck machen, um diese Rebellen in Aleppo zu retten, dann retten sie in Wahrheit ihre Todfeinde. Diese Organisationen terrorisieren nicht nur Syrien, sie sind eine Gefahr und eine Bedrohung für die ganze Welt.

Es gibt aber auch Tausende eingeschlossene Zivilisten.
Natürlich! Sie sind mehrheitlich die Opfer der Extremisten. Die Zivilbevölkerung hat enorm unter der Herrschaft der Jihadisten gelitten. Denn diese haben die säkularen, oppositionellen Kräfte ausgeschaltet – mit der Unterstützung von Saudi Arabien und Qatar und der Hilfe dort ansässiger Organisationen. Das alles hat dazu geführt, dass die gemässigte, weltliche Opposition in Syrien schon lange so gut wie keinen Einfluss mehr hat. Natürlich haben die Rebellen auch Anhänger unter der Zivilbevölkerung. Die Mehrheit aber will endlich ein Ende des Schreckens und kein Schrecken ohne Ende. Wichtig wäre jetzt also die Regelung des freien Geleites für die bewaffneten Rebellen und ihre Anhänger in die Rebellengebiete im Nordosten des Landes, denn sie haben verloren.

Besiegelt das nicht gleichzeitig die Teilung Syriens?
Ja. Faktisch ist Syrien längst zwischen den Gebieten des Regimes und der Opposition geteilt, die Grenzen von Sykes-Picot zerfallen. Niemand weiss, wie es weitergeht. Kommt dazu, dass diese Krise sehr internationalisiert ist und es viele versteckte Spielchen gibt. Das syrische Regime ist jedenfalls nicht mehr in der Lage, das gesamte Land zu kontrollieren, auch wenn es nach seinem so genannten Sieg in Aleppo die wichtigsten Gebiete, die Grosstädte, beherrscht.

Kommt mit einer Teilung denn der Friede?
Davon gehe ich nicht aus. Es kommt allerdings auch sehr auf die regionalen Mächte an, ob sie in der Lage sind, die Rebellen weiter zu unterstützen. Es sieht nicht danach aus. Saudi Arabien sitzt bis zum Hals im Jemen im Dreck, mit Verlaub. Auch die Türkei hat mit dem Kurdenkonflikt grosse Probleme. Das heisst, die Gegner Assads haben mehr Schwierigkeiten am Hals als Assad selbst.

Ist jetzt der Zeitpunkt für Verhandlungen des Westens mit Assad gekommen?
Unbedingt. Das Kräfteverhältnis hat sich längst verändert. Der Westen muss klare, realistische Ziele definieren. Es gibt keine Alternative. Assad muss Teil der Lösung für Syrien sein, denn er weiss immer noch eine starke Basis hinter sich. Realistischerweise muss der Westen vor allem einen Konsens mit Assads Herren, etwa Russland und Iran, finden. Nur so kann Assad seinen Krieg nicht weiter führen. Es geht nicht anders. Der Westen beweint jetzt die Menschen in Aleppo. Aber tatsächlich ist im Westen niemand an einer politischen Lösung der Krisen in der Region interessiert. Moralisch schwingt man die Keule und ist gleichzeitig politisch untätig. So wird auch die Flüchtlingskrise nicht gemeistert, das sollte man im Westen wissen.

Mit freundlicher Genehmigung von 20min.ch

Sonntag, 8. September 2013

G20 Gipfel - Europäer hängen Merkel ab - Gemeinsame Syrien-Erklärung

Thema: Syrienkrieg - G20 Gipfel

t-online schreibt am 07.09.2013, 07:43 Uhr | AFP, dpa, t-online.de
 

Von den Ereignissen überrascht: Angela Merkel auf dem G20-Gipfel in St. Petersburg (Quelle: dpa)
Zehn Länder haben beim G20-Gipfel in einer Erklärung den Kurs von US-Präsident Barack Obama gestützt. Als einzige Europäerin stellte sich Kanzlerin Angela Merkel dagegen. Angeblich war es nicht ihre Absicht. Offenbar wurde sie von den Ereignissen überrascht.


Und 6 Stunden später:

07.09.2013, 13:55 Uhr | AFP

Deutschland will nun doch unterzeichnen

Deutschland will die Erklärung des G20-Gipfels zu Syrien nachträglich unterzeichnen. Die Bundesregierung habe erst abwarten wollen, bis die EU eine gemeinsame Position finde, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) beim Treffen der EU-Außenminister in Vilnius. 

Hieß es am Morgen noch:

Das Papier, das am Rande des G20-Gipfels in St. Petersburg verabschiedet wurde, trägt elf Unterschriften: Die von US-Präsident Barack Obama und zehn weiteren Staats- und Regierungschefs. Die Signatur von Bundeskanzlerin Angela Merkel findet sich nicht darauf.
Als einziger europäischer G20-Staat hat Deutschland die Erklärung nicht unterzeichnet, in der eine entschlossene internationale Reaktion auf den Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg gefordert wird. Aber: So allein dazustehen, hatte die Kanzlerin wohl nicht geplant.

Offenbar hatte Merkel erwartet, dass auch andere Europäer nicht unterschreiben würden. Sie will zunächst eine gemeinsame Haltung der Europäischen Union finden, so heißt es aus der Bundesregierung.

Vorfestlegung vermieden

Darum bemühten sich derzeit die EU-Außenminister bei ihrem informellen Treffen in Wilna. "In Absprache mit dem Präsidenten des Europäischen Rates Herman van Rompuy hat die Bundeskanzlerin deswegen eine Vorfestlegung vermieden."

In der Erklärung von St. Petersburg heißt es, die Beweislage deute eindeutig darauf hin, dass die syrische Regierung verantwortlich für den Einsatz von Chemiewaffen am 21. August sei. "Wir fordern eine starke internationale Antwort auf diese schwerwiegende Verletzung internationalen Rechts."
Diese solle deutlich machen, dass sich derartige Gräueltaten nicht wiederholen dürften, heißt es in der Erklärung. "Diejenigen, die diese Verbrechen begangen haben, müssen zur Verantwortung gezogen werden." Eine Militäraktion, wie die USA sie anstrebt, wird nicht erwähnt.

Syrien-Frage spaltet die Gemeinschaft

Nach Angaben des US-Präsidialamts unterstützten unter anderem Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien die Erklärung. Weitere Unterschriften stammen aus Kanada, Australien, den USA, Japan, Südkorea, Saudi-Arabien und der Türkei. Allerdings sind das gerade mal gut die Hälfte der Vertreter auf dem G20-Gipfel. Somit brachte das Treffen Obama seinem Ziel nicht näher.

Im Gegenteil: In St. Petersburg hat sich die Spaltung der internationalen Gemeinschaft in der Syrien-Frage zementiert. Doch Obama bleibt dabei: "Die Welt kann nicht tatenlos zusehen", sagte er am Freitag nach dem Gipfeltreffen. Er kündigte an, sich am Dienstag in einer Rede an die US-Bevölkerung zu wenden und seine Syrien-Strategie zu erläutern.

Zwar trafen sich Obama und Gipfelgastgeber Wladimir Putin auch zu einem 20-minütigen Vier-Augen-Gespräch. Doch habe dabei jeder "seine eigene Meinung beibehalten", sagte der russische Präsident. Russland lehnt genauso wie China eine harte Reaktion des UN-Sicherheitsrats gegen Damaskus ab. Obama sprach von einer "offenen und konstruktiven Unterhaltung", die charakteristisch für das Verhältnis der beiden Politiker sei. Gegensätze blieben aber. "Ich habe nicht erwartet, dass wir übereinstimmen", sagte Obama.

"Schwierige Entscheidung"

Obama macht Syriens Machthaber Baschar al-Assad für den mutmaßlichen Giftgasangriff vom August nahe Damaskus verantwortlich und will Assad dafür mit einem Militärschlag bestrafen. "1400 Menschen wurden vergast", sagte Obama. Darunter seien 400 Kinder gewesen.

Obama räumte ein, dass die Staaten mehrheitlich ein Mandat des Weltsicherheitsrats für ein militärisches Eingreifen wünschten. Er selber setzt offenbar nicht mehr darauf. Entsprechend äußerte sich seine Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power. Ihre Regierung werde sich in der Frage eines Militärschlags gegen die Führung in Damaskus nicht um eine Zustimmung bemühen.

"Es gibt eine Zeit, in der wir schwierige Entscheidungen treffen müssen", sagte Obama. Er wolle weiter im Kongress und international um Unterstützung für einen US-Militärschlag gegen Syrien werben. Ob er auch im Falle eines Neins des Kongresses an seinen Angriffsplänen festhält, wollte er nicht offenlegen.
Frankreich will vor einem militärischen Eingreifen in den Syrien-Konflikt die Entscheidung des US-Kongresses und den Bericht der Uno-Inspekteure abwarten. Das sagte Präsident François Hollande am Freitag in St. Petersburg. Dann werde Frankreich, das die Angriffspläne von US-Präsident Obama unterstützt, entscheiden.
07.09.2013, 07:43 Uhr | AFP, dpa, t-online.de

so folgte 6 Stunden später

Am Freitag hatten die USA und zehn weitere Teilnehmerstaaten des G20-Gipfels in Russland in einer gemeinsamen Erklärung eine "starke internationale Antwort" auf den Giftgaseinsatz in Syrien gefordert. Deutschland war das einzige europäische G20-Land, das sich zunächst nicht an der Aktion beteiligt hatte.

Politischer Prozess steht im Vordergrund

Westerwelle begrüßte "aus vollem Herzen" die gemeinsame Haltung der Europäer, die beim Außenministertreffen in Vilnius gefunden worden sei. Sie setze auf einen "politischen Prozess" und auf die Notwendigkeit, den UN-Chemiewaffeninspekteuren die Gelegenheit zu geben, "ihre Erkenntnisse wirklich vorzulegen". Deshalb hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und er entschieden, "dass wir uns der gestrigen Erklärung, die in St. Petersburg abgegeben wurde, anschließen können".

US-Außenminister John Kerry hat seinen EU-Kollegen jedoch nicht versprochen, dass Washington mit einem Militärschlag gegen Syrien bis zur Vorlage des Berichts der UN-Inspekteure wartet. Er habe aber Verständnis für den Wunsch der Europäer gezeigt, sagte Westerwelle. "Wir gehen davon aus, dass er das jetzt auch mit dem amerikanischen Präsidenten berät." Der Wunsch nach einem Abwarten bis zu der Vorlage des UN-Berichts sei "ja keine Angelegenheit, zu der der amerikanische Außenminister sich in Anbetracht einer unmittelbaren Debatte äußert".

Zu den Unterzeichnern der Syrien-Erklärung gehören neben den USA unter anderen Großbritannien, Frankreich, Italien, die Türkei und Japan. Unterzeichnet hat auch Spanien, das offiziell kein G20-Mitglied ist, aber als ständiger Gast an den Gipfeln teilnimmt. Die G20 bestehen aus 19 Ländern und der EU.

Obama beschwört US-Kongress

US-Präsident Barack Obama drängte unterdessen den Kongress erneut, einem Militärschlag in Syrien zuzustimmen. "Wir können unsere Augen nicht vor Bildern verschließen, wie wir sie aus Syrien gesehen haben", sagte Obama in seiner wöchentlichen Radioansprache. Die Mitglieder des Kongresses müssten aufstehen für die "Art Welt, in der wir leben wollen". Der Kongress kommt am Montag aus der Sommerpause zurück. Am Dienstag will Obama sich in einer Ansprache an die Nation zu den Angriffsplänen äußern.

Obama wirft dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad vor, am 21. August beim Einsatz von Chemiewaffen bei Damaskus hunderte Menschen getötet zu haben. Der US-Präsident sprach am Samstag von einem "direkten Angriff auf die Menschenwürde" und von einer "ernsten Bedrohung für unsere nationale Sicherheit". Als Oberbefehlshaber habe er die Entscheidung für einen Angriff getroffen, doch wolle er die Zustimmung des Kongresses haben, da "unser Land stärker sein wird, wenn wir gemeinsam handeln".

Eine militärische Intervention in Syrien stößt bei vielen Senatoren und Abgeordneten auf Ablehnung. Laut einer Umfrage der "Washington Post" lehnen 224 der 433 Mitglieder des Repräsentantenhauses einen Einsatz ab, 184 sind unentschlossen, während bisher nur 25 einen Militärschlag eindeutig befürworten. Während der Senat wahrscheinlich schon kommende Woche abstimmt, wird das Repräsentantenhaus laut dem republikanischen Mehrheitsführer Eric Cantor innerhalb der nächsten zwei Wochen dazu eine Entscheidung fassen.
07.09.2013, 13:55 Uhr | AFP

Deutsche Wirtschaftsnachrichten schreibt um 15:59 Uhr:

Merkel knickt ein und unterschreibt Obama-Papier

Deutschland will die Forderung nach einer „starken internationalen Antwort“ auf den angeblichen Chemiewaffen-Einsatz durch Syrien nun doch unterzeichnen. Bundesaußenminister Westerwelle sagte, man habe erst abwarten wollen, bis die EU eine gemeinsame Position findet. Die EU verlangt jedoch ein UN-Mandat für einen Militärschlag gegen Syrien. US-Präsident Obama hat dies erneut abgelehnt.

Deutschland will die Erklärung von elf G20-Staaten zur Syrienkrise nachträglich nun doch unterzeichnen. Darin wird die syrische Regierung für den Einsatz von Chemiewaffen am 21. August verantwortlich gemacht.

Deutschland schließt sich nun doch einer Forderung nach einer „starke internationalen Antwort“ auf den angeblichen Giftgaseinsatz Syriens an, berichtet die SZ. Kanzlerin Merkel hatte das Papier zunächst nicht unterzeichnet.

Die Bundesregierung habe erst abwarten wollen, bis die EU eine gemeinsame Position findet, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Samstag beim Treffen der EU-Außenminister in Vilnius. Diese fordern nun einhellig eine „klare und starke“ Antwort auf den angeblichen Einsatz von Chemiewaffen.

Westerwelle begrüßte die gemeinsame Haltung der EU „aus vollem Herzen“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und er hätten nun entschieden, „dass wir uns der gestrigen Erklärung, die in St. Petersburg abgegeben wurde, anschließen können“.

Am Freitag hatten elf Staaten am Rande des G20-Gipfels in St. Petersburg eine „starke internationale Antwort“ auf den Giftgaseinsatz am 21. August in Syrien gefordert.

Unterzeichnet wurde die Forderung, in der Syrien für den Chemiewaffen-Einsatz verantwortlich gemacht wird, etwa von den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, der Türkei und Japan. Darin heißt es, es müsse eine „klare Botschaft“ ausgesandt werden, dass sich diese Art von Grausamkeit nie mehr wiederholen darf.

Die EU-Länder sind jedoch geteilter Meinung darüber, ob der Westen den angeblichen Giftgaseinsatz Syriens militärisch beantworten soll. Frankreich liegt auf der Linie der USA und befürwortet einen Angriff auf Syrien auch ohne UN-Mandat. Doch eine Reihe von anderen Staaten steht einem Militärschlag skeptisch gegenüber. Sie wollen zuerst einen UN-Bericht zu dem Chemiewaffen-Einsatz abwarten.

Auch Deutschland gehört nun zu den EU-Staaten, die den UN-Bericht abwarten wollen. Noch vor knapp zwei Wochen wäre die Bundesregierung mit einigermaßen schlüssigen Beweisen der Amerikaner zufrieden gewesen (hier).

US-Präsident Barack Obama will auch weiterhin nicht auf einen UN-Bericht warten, um Syrien anzugreifen. Doch ein Bericht der New York Times über die Terror-Verbindungen der Rebellen hat seine Glaubwürdigkeit in den USA tief erschüttert. Verzweifelt sucht er nach Argumenten für den Krieg (mehr hier).

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare

Na ja, eigentlich nicht verwunderlich, nicht bei dieser Pirouetten - Kanzlerin.
Von wegen Umfallerpartei SPD. Die CDU kann es genauso gut.

Jetzt sehen wir wie mächtig die mächtigste Frau der Welt wirklich ist.

Ich hoffe, dass sich ihre Wähler alle daran erinnern, wenn sie ihr Kreuz machen.

"Soweit ich mich erinnern kann, einer der ganz seltenen Fälle bei dem ich mit der Kanzlerin übereinstimme, wenn nicht gar der erste Fall." hatte ich heute morgen geschrieben und zu hoffen gewagt, dass sie tatsächlich mal ernst macht. Leider nur eine sehr kurze Hoffnung.

Der Grund ihrer Ablehnung war aber mit Sicherheit nicht in ihrer Überzeugung begründet, sie wird auch nicht überrascht worden sein sondern für diese kühl kalkulierende, schwäbische Hausfrau liegt der wahre Grund am Datum: 22.09.2013. Sie will ganz einfach wiedergewählt werden.
Sie weiß, dass die Mehrheit der Deutschen, ja sogar die Mehrheit der ganzen Welt, gegen diesen, von den kriegsgeilen Machthabern sehnlichst herbeigewünschtem, Krieg ist.

Jetzt hat sie doch noch für einen US-Einsatz in Syrien unterschrieben, da kann Westerwelle schwafeln und schwadronieren was er will.
Es wird für eine neuerlichen Koalition mit der FDP verdammt eng.

Ihr feiner Spürsinn für Konkurrenten um ihr Amt und Volkes Meinung hätte ihr eigentlich davon dringenst abraten müssen und sie hätte ihr wahres Krieger-Gesicht besser bis zum 22.09. um 18:00 Uhr verbergen sollen.


slowi
Deutschland rühmt sich gerne damit, das sich der Völkermord wie sie in der NS Zeit vorkam zu verurteilen. Jedes Jahr werden Gedenkveranstaltungen Medienwirksam mit Erschütternden Politiker in Szene gesetzt um uns zu sagen wie schlecht wir sind.
Wenn es aber darum geht gegen den Völkermord in anderen Ländern mal Flagge zu zeigen, kommt das übliche blablabla.
Unsere Politik sollte nicht vergessen das dieses "wegschauen" dazu geführt hat das die NS damals an die Macht kam. Wenn man schon sein eigenes Volk mit der Vergangenheit knechtet, soll man auch da Flagge zeigen wo es nötig ist.


Buerger67
Da wir bis dato nicht vollständig souverän sind, bis dato keinen Friedensvertrag haben und die Bevölkerung aus dem 2. WK gelernt hat ("NIE wieder Krieg!"),hat jeder deutsche BK einen Krieg zu verhindern und nicht zu unterstützen,insbesondere wenn es sich hierbei um den dann 5. völkerrechtswidrigen der USA handelt (nacn Vietnam, Irak, Afghanistan und Lybien), mit dem islamistische Terroristen unterstützt werden,anstatt sie im Hinblick auf den Nato-Bündnisfall ("Patriot Act", angeblicher Grund für NSA-Überwachung) zu bekämpfen!
Sollte Herr Obama wirklich einen 3. WK einleiten, müssen wir sofort aus der Nato austreten,die Besatzung unseres Landes endgültig beenden und die US-Truppen des Landes verweisen!


Poison
Obama bleibt dabei: "Die Welt kann nicht tatenlos zusehen"
Wem oder was bezeichnet denn er als Welt? Amerika ist nicht der Mittelpunkt der selben.Also führt euch nicht auf wie die Barbaren. Ist ja Bemitleidenswert wie Obama bei den anderen Länder um Zustimmung bettelt. Statt das ganze Geld,was nun womöglich verballert wird,sollte er in seinen eigenen Land investieren.Die ja wohl Probleme genug. Und es steht nirgends wo geschrieben,das der Krieg tatsächlich nur die ausgegebene Dauer beträgt. Ich gehe sowieso davon aus das der Angriff nicht vor den 22.9. statt findet.Dann hat er sogar die Zustimmung der Merkel,sollte sie die Wahl gewinnen.