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Mittwoch, 15. Juli 2020

Von jedem verdienten Euro bleiben dem Arbeitnehmer nur 47,9 Cent


Der Bund der Steuerzahler hat errechnet, dass einem Arbeitnehmer von jedem verdienten Euro nur 47,9 Cent zur freien Verfügung bleiben. Deshalb hat der Bund einen 3-Punkte-Plan veröffentlicht, der die Mittelschicht und die Arbeitnehmer steuerlich entlasten soll.

Dem Bund der Steuerzahler (BdSt) zufolge liegt die Einkommensbelastungsquote für einen durchschnittlichen Arbeitnehmer-Haushalt im aktuellen Jahr bei voraussichtlich 52,1 Prozent. „Von jedem verdienten Euro bleiben also nur 47,9 Cent zur freien Verfügung“, so der BdSt. Ein durchschnittlicher Haushalt müsse somit mehr als die Hälfte des Einkommens als Steuern und Sozialabgaben an den Staat abführen.

Tatsächlich machen die Sozialabgaben den größten Anteil in der Abgaben-Rechnung des BdSt aus: 30,9 Cent vom jedem Einkommens-Euro fließen an die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung - mehr als alle Steuern zusammen, die sich auf 21,2 Cent von jedem Euro summieren.

Deshalb hat der Präsident des BdSt, Reiner Holznagel, der Bundesregierung einen 3-Punkte-Plan vorgelegt. Aus dem Plan gehen folgende Forderungen hervor:
  • Der Solidaritätszuschlag muss komplett und für alle abgeschafft werden – dies sollte sogar rückwirkend zum 1. Januar 2020 der Fall sein! Schließlich hat die Politik den Soli immer mit dem Solidarpakt für den `Aufbau Ost´ verknüpft, der schon am Jahresende 2019 auslief. Das wäre der erste Schritt einer dringend nötigen Steuersenkung, die unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit bewahrt.
  • Die Mittelschicht in Deutschland ist durch die Einkommensteuer sehr hoch belastet. Es ist absolut indiskutabel, dass selbst Durchschnittsverdiener knapp unter dem Spitzensteuersatz liegen. Deshalb schlagen wir als Bund der Steuerzahler eine grundlegende Reform für den Einkommensteuertarif mit einem später greifenden Spitzensteuersatz vor.
  • Durch die Corona-Krise rücken auch für Arbeitnehmer Fragen zum Steuerabzug für das Homeoffice oder das Kurzarbeitergeld stärker in den Fokus. Neben den wichtigen und richtigen Hilfsmaßnahmen für Selbstständige und Betriebe dürfen die vielen Arbeitnehmer nicht vergessen werden. Deshalb fordern wir zum Beispiel einen Werbungskostenpauschbetrag fürs Homeoffice.
Bei seinen Prognosen stützt sich der Steuerzahlerbund auf repräsentative Haushaltsumfragen des Statistischen Bundesamtes. Trotzdem sind sie umstritten. Kritiker weisen darauf hin, dass Arbeitnehmer von gezahlten Steuern und Sozialabgaben auch selbst stark profitieren. Ohne diese müssten sie viel Geld etwa für die Krankheitsvorsorge ausgeben - was der Steuerzahlerbund in seiner Berechnung aber nicht berücksichtige.

Zwar sei es richtig, dass auch durch Sozialabgaben eine Umverteilung stattfinde, doch die Zahler erhielten auch eine Gegenleistung in Form einer Versicherung, argumentieren Wirtschaftswissenschaftler. Höhere Einzahlungen in die Rentenkasse führten auch zu einer höheren Rente, das Geld fließe also zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die Tasche der Bürger. Daher dürfe man maximal die Hälfte der Sozialabgaben wie Steuern in die Berechnung mit einbeziehen.

Quelle: Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Montag, 20. Mai 2019

Presseclub - 19.05.2019 - Politisches Erdbeben in Österreich – ein Geheimvideo und seine Folgen


So. 19. Mai 2019, 12.03 - 13.00 Uhr

Politisches Erdbeben in Österreich –
ein Geheimvideo und seine Folgen



Bild: Screenshot

Moderation:
Jörg Schönenborn
NDR-Fernsehdirektor
Mitglied Atlantik Brücke e.V.

Ein heimlich aufgenommenes Video hat die österreichische Regierung aus ÖVP und FPÖ zum Platzen gebracht. Darin hatte der inzwischen zurückgetretene Vizekanzler Strache einer angeblich reichen Russin Staatsaufträge als Gegenleistung für Wahlkampfhilfe in Aussicht gestellt. Gestern Abend zog Bundeskanzler Sebastian Kurz die Reißleine und kündigte die Koalition mit der FPÖ. Jetzt soll es bald Neuwahlen geben.

Ein zwei Jahre altes Video aus dem Jahre 2017 hat in Wien eine Staatskrise ausgelöst. Der heimliche Mittschnitt legt die Vermutung nahe, dass die FPÖ-Führung nicht vor Korruption zurückschreckt, um sich die politische Macht zu sichern. In seiner Rücktrittserklärung räumte Strache katastrophale und ausgesprochen peinliche Äußerungen ein, erklärte aber zugleich, sie seien unter Alkoholeinfluss entstanden. Er habe sich nichts Illegales vorzuwerfen. Das Video bezeichnete er als politisches Attentat. Wer der Urheber dafür ist, ist zurzeit noch unklar. Es war der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel zugespielt worden. Ob daraus juristische Konsequenzen folgen, wird noch zu klären sein.

Der Mitschnitt hat nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland für heftige Reaktionen gesorgt. In Deutschland warnt CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer vor einem weiteren Erstarken der Rechtspopulisten in Europa. Keinen Anlass, auf Distanz zur FPÖ zu gehen, meint dagegen AfD-Chef Jörg Meuthen: Er spricht von einer singulären Angelegenheit.

Wie kann ein Geheimvideo eine solche Krise auslösen? Wer steckt dahinter? War es richtig, dass sich Sebastian Kurz überhaupt auf eine Koalition mit der FPÖ eingelassen hat? Was zeigt der Politskandal über die Rechtspopulisten in Österreich? Ist es eine alpenländische Spezialität oder lässt sich daraus generell die Masche europäischer Rechter ablesen?

Links
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Linktipps

Ergänzung am 21.05.2019 um 17:42
Presseclub:
Zuschauer stellen unangenehme Fragen zu Strache, Österreich, Ibizagate, Ibizavideo


Kommentare

Abel Bach schreibt 19.05.2019, 13:00 Uhr :
Hoffentlich zeigt sich noch viel öfter, wie ganze rechte Gesockse versuchen wird, den Staat auszunehmen, wenn sie es denn an die Fleischtöpfe schaffen.

    Manfred Becker 19.05.2019 um 13:14 - - - ZENSIERT - - -
    Interessant ihr Wunsch, denn das ganze linke Gesockse ist ja schon fleißig dabei den Staat und die Bürger auszunehmen.

Renate Meile schreibt 19.05.2019, 12:58 Uhr :
Der Unterschied zu Deutschland: Strache ist zurückgetreten, der Kanzler hat Verantwortung übernommen und es gibt Neuwahlen. In Deutschland undenkbar, da ist das Pattex am Popo der Politiker stärker. Hier tritt keiner zurück und hier übernimmt auch niemand Verantwortung.

Name unterdrückt (Netiquette-Verstoß) schreibt am 19.05.2019, 14:49 Uhr :
Schon mal was von VETTERNWIRTSCHAFT in Deutschland gehört - oder schon "vergessen"?
Ich kann mich auch noch gut erinnern, daß es "notwendig" wurde, einen Antikorruptionskommissar in der EU zu berufen! Zeitungsartikel vom 20.11.1999: Größter Schaden in Mitgliedsstaaten - Anti-Betrugseinheit der EU legt ihren Jahresbericht vor. BRÜSSEL: ".....Mißstände in der EU-Verwaltung, die schließlich zum Rücktritt der gesamten Kommission führten, wurden Anfang diesen Jahres ausgiebig in den Medien behandelt. ...Daß die Kommission versuchte, sie intern und ohne Öffentlichkeit zu regeln, wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Und das war auch einer der Gründe dafür, UCLAF in eine von der Kommission unabhängigen Behörde unter der Abkürzung OLAF umzuwandeln...." Welche "Erfolge" erzielte sie bis heute?
Wird die Öffentlichkeit informiert?
Was brachte der BÜROKRATIEABBAU unter Regie von Edmund Stoiber?

Erin Guerot schreibt am 19.05.2019, 14:35 Uhr :
Die Chronologie der Ereignisse, zb., der Falter hatte schon vor einem Jahr vom Ibiza-Video (ohne Inhalte) erfahren, Böhmermann vor 3 Monaten, Spiegel und SZ vor Wochen, Böhmermanns Hinweis auf das Video auf der Romy Verleihung vor 2 Wochen, und lt. Angaben von Spiegel und SZ wurde Strache am Montag den 13. Mai mit dem Video konfrontiert, und nur Kanzler Kurz will vom Video nichts gewußt haben, ist überrascht, entsetzt und erklärt 24-Stunden nach der Veröffentlichung des Videos Neuwahlen???

MariA schreibt am 19.05.2019, 14:20 Uhr :
Was muss den Junckers und Merkels und Öttingers und Webers der A. auf Grundeis gehen, um zu solchen Mitteln zu greifen?!! Ein leicht zu durchschauender Versuch, die geistig weniger Gesegneten zu veranlassen, doch bitte, bitte wieder die "alteingesessenen" Lobbyisten-Vertreter zu wählen und nicht mehr die bösen "Populisten"! Die des unbetreuten Denkens Fähigen wir man damit sicher nicht manipulieren können...

Nora H. schreibt am 19.05.2019, 14:17 Uhr :
In Deutschland kann man - wenn Gras über die Sache gewachsen ist - nach einem handfesten Spendenskandal Finanzminister und Bundestagspräsident werden.

    Antwort von Thomas Schmitz , geschrieben am 19.05.2019, 14:28 Uhr :
    Treffer, versenkt.... :) Da gibts noch viele, viele andere Beispiele in Deutschland.

Paul Liesner schreibt am 19.05.2019, 13:37 Uhr :
Natürlich ist das, wie Herr Strache selbst zugibt, dumm von ihm gewesen. Für mich ist die Kernfrage: Warum taucht dieses Video aus dem Jahr 2017 (!) erst so kurz vor den EU-Wahlen auf??? Da steckt doch viel mehr dahinter. In Brüssel scheint langsam eine gewisse Panik zu herrschen. Leider wurde die Frage über die Urheber dieses Videos viel zu wenig diskutiert. Das ist es doch was viele Wähler ganz besonders interessiert. Vermutlich werden die Journalisten es uns nie erzählen. Aber das ist doch absolut im öffentlichen Interesse so kurz vor den Wahlen, oder sehen Sie als Journalisten das anders. Was ich ebenfalls äußerst seltsam finde ist die Tatsache, dass ein Herr Böhmermann einen Tag vor der Veröffentlichung dieses Videos in seiner ZDF-neo Sendung auf eine Frage aus dem Publikum wortwörtlich sagt: "Kann sein, dass morgen Österreich brennt. Lassen Sie sich einfach überraschen." Wie stehen Sie als Journalisten dazu?

MariA schreibt am 19.05.2019, 13:46 Uhr :
Zu #362 "Name unterdrückt (Netiquette-Verstoß)" heute, 12:56 Uhr, schreibt: "(...) Putin wurde oft genug provoziert in letzter Zeit, doch er hat sich zurückgehalten. Kann man das von den USA auch sagen? Wer schickt eher mal Soldaten in andere Länder und wirft Bomben?" --- Und plötzlich werde Schiffe an der Straße von Hormuz beschädigt... "Sabotage" und niemand weiß, von wem... Da fällt mir doch sogleich der Tonkin-Zwischenfall ein, oder die verdeckten Operationen der CIA z.B. beim Sturz Mossadeqs im Iran. Oder irakische Massenvernichtungswaffen, oder ... Da brat mir doch einer 'nen Storch! Die Flugzeugträger und Bomberstaffeln sind schon unterwegs, den Angriffsgrund kriegen wir schon hin – wie immer! Wirklich ärgerlich, dass der Iran sich partout nicht zu einer Kurzschlusshandlung provozieren lassen will...

Claus Baumann schreibt am 19.05.2019, 13:32 Uhr :
Unglaublicher Vorgang, der gegen alle Regeln des Datenschutzes und des Persönlichkeitsrechts verstößt. Und unsere linksrotgrüne Medienlandschaft schreit ihren Jubel über diese kriminelle Begebenheit noch frei heraus! Das Spiegel-Abo kündigte ich bereits vor 2 Jahren, jetzt kommt auch noch das SZ-Abo dran. Leider kann ich den Staatsfunk nicht kündigen - das ist ja eine Zwangsabgabe

Gustl schreibt am 19.05.2019, 13:32 Uhr :
Nach einer Flasche Rotwein wird Hr. Juncker mit Rücken auch so ins plaudern geraten, dass es jedem Demokraten Angst und Bange werden kann. Wetten!

Hager schreibt am 19.05.2019, 13:26 Uhr :
Im Grunde geht es bei der Causa Strache um die Frage der Neutralität der Medien. Meines Erachtens ist diese in Deutschland in keinster Weise gewährleistet, insbesondere nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen. Man muss sich nur einmal verdeutlichen, wie die Medien über die verschiedenen politischen Richtungen berichten: Über die etablierten Parteien wird in aller Regel wohlwollend und unkritisch berichtet. Man denke z.B. an die Flüchtlingspolitik. Anstatt sich kritisch mit der Regierung auseinanderzusetzen, was die Aufgabe der Medien wäre, wird die Politik der Regierung wohlwollend und unkritisch begleitet. Dagegen sehen die Medien offensichtlich ihre Hauptaufgabe darin, die AfD und andere EU-kritische Parteien zu diffamieren, z.B. als "Nationalisten", "Rechtsradikale" etc. Die Sorge um die Neutralität der Medien in Österreich ist wenig glaubhaft, wenn die Medien in Deutschland sich ganz überwiegend selbst nicht parteipolitisch neutral verhalten!

Frauke Heger schreibt am 19.05.2019, 13:23 Uhr :
Klar, der Presseclub und heute Abend Anne Will springen auf dieses Video auf. Und natürlich alles im Namen von angeblich unabhngiger Presse! Wie unubhängig sind denn ARD und ZDF? Wer sitzt denn in den Rundfunkräten? Wie unabhängig sind denn Journalisten der Springergruppe bzw. Der Funke Mediengruppe? Wie unabhängig ist z.B. das Ressort Außenpolitik in Spiegel, FAZ, Süddeutsche oder Josef Joffes Die Zeit? Und das dieses Video ausgerechnet vom Relotius-Spiegel bzw. Russlandhetzblatt veröffentlicht wird, passt in die heutige Zeit von journalistischen Verwerfungen. Dass jetzt ein sogenannter böser Rechtspopulist als willkommener Blitzableiter für eigenes politisches Totalversagen eine Woche vor der EU-Wahl breit inszeniert wird, sagt den nicht manipulierten Bürgern erneut, in welchem Zustand viele sogenannte Etablierte - Politiker und Journalisten - sich befinden. Immerhin kam im Presseclub nachgefragt ein Anrufer durch, der Schönborn mutig insistierend das eigene Spiegelbild zeigte.

    Antwort von Bliesheim , geschrieben am 19.05.2019, 13:57 Uhr :
    Das wird so hochgezogen , damit man nicht darüber reden muss , das täglich über 500 Migranten nach Deutschland gebracht werden. Teilweise sogar mit Flugzeugen. "Wir schaffen das ja" Was sagen die Medien dazu? Nichts, die zeigen lieber rechtswidrig erstellete Videos. Vor Gericht sind diese Dinge verboten.

    Antwort von Annabelle U. , geschrieben am 19.05.2019, 14:00 Uhr :
    Uns muss klar sein: Presse ist nicht unabhängig und war wohl niemals unabhängig ...


Montag, 22. September 2014

SPD macht Weg für TTIP frei - Gabriel trickst die Kritiker aus

Thema: TTIP
Über den Tisch gezogen
Sigmar Gabriel hat die SPD-Linke ziemlich raffiniert ausgetrickst: Er gewann deren Zustimmung zum umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP, indem er Änderungen am Abkommen mit Kanada (CETA) versprach. Doch diese Änderungen kann es nicht geben: Die Bundesregierung hat das fertig verhandelte CETA mit Kanada an die Bundesländer bereits mit dem Hinweis verschickt, „umfassende Änderungsanträge“ seien „nicht mehr zielführend“.

Im Streit über das geplante Freihandelsabkommen (TTIP) der EU mit den USA hat SPD-Chef Sigmar Gabriel seine Partei-Linken mit einem ziemlich leicht durchschaubaren Trick über den Tisch gezogen.

Ein kleiner Parteitag mit über 200 Teilnehmern beauftragte Gabriel am Samstag in Berlin bei sieben Gegenstimmen und drei Enthaltungen, die Verhandlungen auf Grundlage eines mit dem DGB verfassten Forderungspapiers fortzuführen. Es sei darüber “sehr froh und dankbar“, sagte Gabriel. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb in ihrer wöchentlichen Videobotschaft für die TTIP-Verhandlungen.

Bei dem Parteikonvent lagen Anträge vor, die auf eine Unterbrechung der TTIP-Verhandlungen zielten eine für den ehemaligen VW-Lobbyisten bei der EU Gabriel nicht ganz ungefährliche Situation. Kritiker auf der Parteilinken waren erts auf Gabriels Linie eingeschwenkt, nachdem in der Beschlussvorlage ergänzt worden war, dass die TTIP-Forderungen gleichermaßen für das bereits beschlossene Freihandelsabkommen mit Kanada (CETA) gelten sollen. “Da ist ein deutliches Stoppschild aufgestellt worden”, sagte Berlins SPD-Chef Jan Stöß. SPD-Vizechef Ralf Stegner sprach von “klaren Verbesserungen zu TTIP und CETA im Parteikonvent”. Der Parteivorstand sprach sich unmittelbar vor dem Parteikonvent einstimmig für die TTIP-Fortführung aus.

Das Problem: Das Stoppschild hat nur in der SPD-Parteitaktik Bedeutung. Denn das CETA läuft wie weiland die Bankenrettung in der Disziplin “alternativlos”. Eine Mitwirkung durch die nationalen Parlamente ist nicht vorgesehen. Die Ratifzierung ist ein reiner Formalakt. Die EU-Kommission schreibt auf ihrer Website:
    “Zu einem späteren Zeitpunkt bedarf dieses Abkommen der Zustimmung des Europäischen Rats und des Europäischen Parlaments.
Denn am CETA können weder Gabriel noch die SPD irgendetwas ändern. Das CETA ist fertig verhandelt und seit Monaten zwischen den Anwälten hin- und hergegangen. Alle Verhandlungen liefen auf Englisch. Bis zum heutigen Tag liegt nur eine englische Version vor.

Wie sehr Merkel und Gabriel aufs Tempo drücken und offenbar verhindern wollen, dass sich die demokratisch legitimierten Gremein mit dem CETA beschäftigen, beschreibt die ehemalige Bundesjustizminister Herta Däubler-Gmelin in einem Beitrag für die IPG:

Vor einigen Tagen wurde zudem noch bekannt, dass die Bundesregierung den CETA-Entwurf an die Bundesländer weitergeleitet hat, in deren Zuständigkeit und Rechte CETA ja gravierend eingreift. Sie hat die Frist für eine Rückmeldung auf Ende August (!) beschränkt und die Bemerkung hinzugefügt, “umfassende Änderungsanträge” seien “nicht mehr zielführend”.

Damit ist klar: Sigmar Gabriel hat der SPD-Linken etwas versprochen, was er nicht halten kann. Interessant dabei ist, dass Gabriel offenbar ein Doppelspiel treibt: Denn die Aussendung des Entwurfs stammt von der Bundesregierung. Es ist unwahrscheinlich, dass der Vizekanzler nicht weiß, welche Dokumente seine eigene Regierung verschickt.

Däubler-Gemlin schreibt in ihrem Beitrag, dass die einzige Chance gegen das CETA in einer Klage bestehe:
    Auch CETA ist in der jetzigen Form nicht zustimmungsfähig. Notfalls werden auch hier die zuständigen Gerichte angerufen werden. Dabei kommt – wegen des “gemischten” Rechtscharakters beider Handel – und Investitionsabkommen – sowohl der Weg zum Europäischen Gerichtshof wie auch – im Rahmen des deutschen Ratifizierungsverfahrens – der Weg zum Bundesverfassungsgericht in Betracht.
Gabriel versuchte, den Genossen die formal unerhebliche Ratifizierung als rechtliche Hürde zu verkaufen: “Ich halte das schlicht für ausgeschlossen”, sagte Gabriel. Bundestag und Bundesrat würden sich für die Beratungen sehr viel Zeit nehmen. Gabriel kündigte für kommende Woche die Vorstellung zweier Gutachten an. Demnach handele es sich bei Ceta eindeutig um ein gemischtes Abkommen, das der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat bedürfe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel warb am Samstag erneut für das Handelsabkommen TTIP. Die zwei größten Wirtschaftsräume könnten “nur voneinander gewinnen, wenn sie die ganzen Handelshemmnisse, seien es Zollschranken oder aber auch nicht-tarifäre Handelshemmnisse, abbauen”, sagte sie in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft. Das werde Arbeitsplätze schaffen. “Es ist für uns ganz klar, dass wir durch ein solches Freihandelsabkommen weder den Verbraucherschutz noch den Umweltschutz einschränken wollen”, erklärte die CDU-Vorsitzende.

Besonders bitter für die kritischen Genossen dürfte sein, dass Gabriel mit seinem Manöver der einstigen Arbeiterpartei in einem sehr wesentlichen Punkt Sand in die Augen gestreut hat: Die Arbeitnehmerrechte werden offenkundig ausgehöhlt. Däubler-Gmelin schreibt:
    Der CETA -Entwurf verstärkt jedoch zusätzlich Zweifel daran, dass die Sicherung bzw. Vereinbarung hoher gemeinsamer Standards gewollt oder möglich wäre. Diese Probleme weisen nahezu alle betroffenen Regelungsbereiche auf, besonders deutlich jedoch die häufig zugesagten Sicherung hoher Arbeitsstandards. Doch gerade die ist ja erforderlich um zu verhindern, dass die Freizügigkeit von Waren und Dienstleistungen in eine Abwärtsspirale führt. Maßstab dafür ist die verbindliche Vereinbarung zumindest der bekannten Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. CETA sieht deren Garantie jedoch nicht vor. Vielmehr wird schlichtweg akzeptiert, dass Kanada nicht alle Kernarbeitsnormen ratifiziert hat und damit geringere Standards voraussetzt. Auch in diesem für Vergaberecht und Wettbewerb zentralen Bereich bleibt somit die verbindliche Vereinbarung hoher Standards schlicht auf der Strecke.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare

Nichtwähler sagt:
Zu oft wurden wir angelogen, nach dem Motto vom bayrischem Franz-Josef:
“Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.”
Mutti verspricht, was jeder weiß, dass sie es gar nicht beabsichtigt, daran zu halten: “Es ist für uns ganz klar, dass wir durch ein solches Freihandelsabkommen weder den Verbraucherschutz noch den Umweltschutz einschränken wollen”.
Es kommt der Tag, da werden sie ihre Vergehen bereuen. Ganz sicher.

Jo ausBW sagt:
Das war der Adenauer!

Jan sagt:
TTIP ist nicht nur in der jetzigen Form nicht zustimmungsfähig, sondern auch ganz allgemein. Das Freihandelsabkommen würde den VSA einen noch größeren Einfluß auf den deutschen Lebensstil verschaffen und somit die ohnehin schon bedrohte deutsche Kultur endgültig zerstören. Denn der “American way of life” ist ja wahnsinnig schick und die amerikanische “Kultur” das Nonplusultra der westlichen Welt. Das jedenfalls wollen uns die Medien täglich weismachen und setzen die Menschen unter Druck, auf jeden Ami-Zug aufzuspringen (siehe Eiskübelwettbewerb etc.)

ruth sagt:
Hier mehr Hintergrundinformation – auch die dortigen Links sind lesenswert:
http://politropolis.wordpress.com/2014/08/10/weltweite-demokratie-umgehung-politik-wasche-freihandelsabkommen-und-digitale-rechte/
Nachdem die Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands gefälscht wurde – siehe diverse Videos im Netz – kommt nun die Behandlung des Menschen als blosses Handelshindernis via Freihandelsverträge.
Umwelt- und Sozialstandards werden geschleift, es gibt ein paralleles Rechtssystem durch Lobbyanwälte per Schiedsgerichte und einen “Investitionsschutz” für Konzerne, der uns Bürgern faktisch jedes politische Handeln unmöglich macht. Die Regierung der Konzernherrscher täuscht das Volk massiv. Wie viel braucht es noch, bis die Völker Europas auf die Strasse gehen?

11.Oktober sagt:
Wer sich auf die SPD verlässt, der ist verlassen. Hoffentlich geht sie bald den Weg der FDP. Wir müssen unsere Interessen selbst verteidigen, statt uns auf gekaufte Aparatschiks zu verlassen! Am 11.10. ist europaweiter Aktionstag.
http://www.attac.de/startseite/teaser-detailansicht/news/europaeische-buergerinitiative-gegen-ttip-und-ceta-aktionstag-11-oktober/?no_cache=1&cHash=809c80cc2be90f1a4a897f16e680a47b

D. Z. sagt:
Das Sigmar Gabriel so tickt wundert mich nicht. Dass aber die überwältigende Mehrheit der oberen SPD-Vertreter (incl. der DGB-Spitzenvertreter) dem ganzen Zustimmen, wohlwissentlich, dass die Basis dem (gelinde gesagt) deutlich kritischer gegenübersteht, ist schon etwas traurig :(
Basisdemokratie wird also nur erwähnt wenn Wahlkampf ist. Wenn es mal drauf ankommt trifft man sich eben (wie bisher) hinter verschlossenen Türen, die Demokratie bleibt außen vor.
Also liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: erinnert euch das nächste mal dran beim Gang in die Wahlkabine!

G.N. sagt:
Am 18. Oktober 2013 verkündeten EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der kanadische Premierminister Stephen Harper feierlich den Abschluss eines umfassen- den Freihandelsabkommens zwischen der EU und Kanada.
In einem solchen Abkommen geht es meist um weitreichende Rechte, die Staaten einander gewähren. Es beschneidet in der Regel die Rechte der Konsumenten und begünstigt internationale Konzerne. Selbst einen Monat später wollte die EU-Kommission nicht sagen, was nun eigentlich beschlossen wurde.
Gleichzeitig bekamen die großen Anwaltskanzleien, die die Interessen der Unternehmen vertreten, ausreichend Zeit, um die Vereinbarungen gegen möglichen Widerstand aus der Bevölkerung abzusichern. Die Verhandlungen über das noch weiter reichendere Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) werden unter strengster Geheimhaltung geführt. Die Bürger sollen nicht erfahren, welche ihrer Werte geschützt bleiben und welche verhökert werden.

bluesbower sagt:
TTIP, CETA und TISA sind nichts anderes als die Fortführung des Klassenkampfes von oben!
Wenn auch nur eines der drei Freihandelsabkommen verabschiedet wird, kann man sich in Deutschland von den Resten des Sozialstaates und von gewerkschaftlichen Rechten und ökologischen Standards endgültig verabschieden.
Die SPD beweist wieder einmal, dass sie die Verräterin der Arbeiterklasse ist und nichts anderes als der verlängerte Arm der Kapitalisten.

Schachmatt der Menschheit sagt:
Wenn wir das zulassen, haben wir verloren! Die Schlinge zieht sich immer weiter zu. Wie lange warten wir denn noch, bis man uns noch die Luft zum Atmen abstellt?
Das Zitat des Multimilliardärs Warren Buffett stimmt: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen”
Wenigstens die jungen Menschen sollten aktiv werden, die Alten haben ihr Leben gelebt und leider oftmals kein wirkliches Interesse mehr an Veränderung. Dies spiegelt sich auch in den Wahlergebnissen wider, wenn diese überhaupt noch den Realitäten entsprechen! Viele erhoffen sich nur noch, ihren eigenen Status Quo erhalten zu können, sind sich aber nicht bewusst, was sie den nachfolgenden Generationen damit antun, oder es ist ihnen schlichtweg egal!

Ulle sagt:
Ich glaube nicht, dass es den Alten egal ist was passiert. Ich denke eher:
  1. Viele sind nicht politisch interessiert, wie viele Junge auch.
  2. Es fehlt den älteren Generationen, nach Jahrzehnten besonnener deutscher Politik, einfach die Fantasie, dass unsere Politiker gegen das Volk regieren.
  3. Viele haben keine anderen Informationen als durch Presse und ARD und ZDF.
  4. Also müssen wir sie informieren.

Daniel H. sagt:
“Wenigstens die jungen Menschen sollten aktiv werden, die Alten haben ihr Leben gelebt und leider oftmals kein wirkliches Interesse mehr an Veränderung.”
Um aktiv werden zu können, sollte man aber in der Lage sein, sinnerfassend lesen und schreiben sowie komplex denken und verstehen zu können. Leider sind immer weniger Menschen unter 40 dazu in der Lage, der durchschnittliche IQ sinkt in den Industrienationen um 2 Punkte jährlich. Sehe ich Gleichaltrigen bzw. Jüngeren dabei zu, wie sie sich per Smartphone durch ihren Alltag stümpern, wird mir schlecht. Gespräche führe ich lieber mit älteren Menschen, denn die sind eher zu komplexen Gedankengängen in der Lage und brauchen nicht für jeden Mist ein Smartphone.
Ich bin übrigens 37 Jahre alt.