Samstag, 12. Dezember 2015

Mutter identifiziert dritten Attentäter vom Bataclan

Thema: Terror in Paris

Knapp einem Monat nach der Terrorserie von Paris ist auch der dritte Angreifer auf die Konzerthalle Bataclan identifiziert worden. Den entscheidenden Hinweis gab seine Mutter.

Ein junger elsässischer Dschihadist mit Syrien-Bürgerkriegserfahrung ist der bislang unbekannte dritte islamistische Angreifer auf die Pariser Konzerthalle Bataclan. Die Ermittler identifizierten den 23-jährigen Foued Mohamed-Aggad als einen der Selbstmordattentäter, wie Premierminister Manuel Valls am Mittwoch bestätigte.

Er konnte nach einem Hinweis seiner Mutter durch DNA-Spuren identifiziert werden. Sein Vater äusserte sich entsetzt über die Beteiligung seines Sohnes an den Anschlägen.

Drei Selbstmordattentäter hatten bei der Attacke auf das Bataclan während eines Rockkonzerts am 13. November 90 Menschen getötet. Während zwei der toten Angreifer rasch identifiziert wurden, blieb die Identität des dritten Islamisten zunächst unklar.

Ende November bekam Foued Mohamed-Aggads Mutter dann nach Angaben ihrer Anwältin eine SMS von seiner Frau aus Syrien mit der Nachricht: «Dein Sohn ist mit seinen Brüdern am 13. November als Märtyrer gestorben.» Die alarmierten Behörden konnten die Identität Ende vergangener Woche anhand von DNA-Spuren bestätigen.

Mohamed-Aggad, der in der in der elsässischen Gemeinde Wissembourg aufwuchs, war den Sicherheitsbehörden wegen seiner islamistischen Radikalisierung bekannt. Auch bei der internationalen Polizeiorganisation Interpol war er gemeldet.

Reise zu Islam-Fanatikern nach Syrien

Er reiste Ende 2013 zusammen mit seinem Bruder und einer Gruppe von Freunden aus dem Strassburger Immigrantenviertel La Meinau nach Syrien. Einige flogen zunächst von Frankfurt aus in die Türkei und überquerten dann die Grenze in das Bürgerkriegsland.

Aus der Gruppe wurden zwei Brüder im Kampf an der Seite der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet, die sich zu den Anschlägen von Paris bekannt hat. Sieben weitere Mitglieder der Gruppe reisten Anfang 2014 nach Frankreich zurück. Sie wurden im Mai desselben Jahres in Strassburg festgenommen, ihnen soll der Prozess gemacht werden.

«Ich hätte ihn vorher getötet»

Foued Mohamed-Aggad blieb zunächst als einziger in Syrien. Unklar war zunächst, wie und wann er nach Frankreich zurückgekehrt ist.

Der Vater des 23-Jährigen zeigte sich am Mittwoch überrascht und entsetzt über die Beteiligung seines Sohns an den Anschlägen von Paris mit insgesamt 130 Toten. Wenn er von den Plänen seines Sohnes gewusst hätte, «hätte ich ihn vorher getötet», sagte er vor seinem Haus im Strassburger Vorort Bischheim zu Journalisten.

«Ich wusste, dass er vor zwei Jahren nach Syrien gegangen, aber nicht, dass er zurückgekehrt war», sagte Said Mohamed-Aggad. Er habe mit seinem Sohn immer wieder telefoniert und ihn dabei vergebens zu einer Rückkehr nach Frankreich aufgefordert.

Die Eltern des Attentäters sind geschieden. Foued Mohamed-Aggad lebte einem Nachbarn zufolge bis zu seiner Ausreise nach Syrien bei seiner Mutter in Wissembourg.

Damit ist nun klar, dass alle drei Angreifer auf das Bataclan sich zuvor in Syrien aufgehalten hatten: Auch der 28-jährige Samy Amimour aus dem Pariser Vorort Drancy und der 29-jährige Omar Ismail Mostefai aus dem Pariser Vorort Courcouronnes waren in das Bürgerkriegsland gereist.

Bislang wurden sechs der Angreifer von Paris identifiziert, unter ihnen der belgisch-marokkanische Islamist Abdelhamid Abaaoud. Die Leichen von drei Angreifern konnten noch niemandem zugeordnet werden.

Mit freundlicher Genehmigung von http://www.20min.ch

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