Freitag, 16. Januar 2015

Nigeria - Frau Merkel - sind Sie dort nicht auch Charlie?

Thema: Boko Haram, Nigeria
auch die Boko-Haram-Sekte sind Islamisten!
Angriff auf Wehrlose - Hunderte Tote - Wo sind die Charlies?

Die islamistische Terrororganisation Boko Haram zerstört ganze Siedlungen. Die jungen Mädchen werden verschleppt. Die Stadt Baga im Nordosten von Nigeria wird praktisch dem Erdboden gleichgemacht.
Quelle: FR-online
Die Infrarot-Satellitenaufnahmen zeigen die Siedlung Doro Baga (auch Doro Gowon genannt) vor und nach der der Zerstörung. Bäume, Büsche und andere unbeschädigte Pflanzen sind rot eingefärbt. Dächer von Gebäuden sind zu erkennen. Das untere Bild entstand nach dem Angriff. Foto: dpa

Satellitenaufnahmen haben bereits vor Tagen geäußerte Befürchtungen bestätigt, wonach Mitglieder der militanten islamistischen Boko-Haram-Sekte die nordostnigerianische Stadt Baga praktisch dem Erdboden gleichgemacht und bei einer mehrtägigen Angriffswelle zu Beginn des Monats vermutlich Hunderte von Menschen getötet haben.

Zu diesem Schluss kamen die beiden Menschenrechtsorganisationen Amnesty International (AI) und Human Rights Watch (HRW) nach der Auswertung zur Verfügung gestellter Satelliten-Aufnahmen: Die Bilder zeigten „Zerstörungen von katastrophalem Ausmaß“ in den beiden Städten Baga und Doron Baga, wobei letztere „praktisch von der Landkarte ausradiert“ worden sei, so der nigerianische AI-Sprecher Daniel Eyre.

Die Organisationen widersprechen damit den vom nigerianischen Militär verbreiteten Angaben, wonach bei den Angriffen zwischen dem 3. und 7. Januar „höchstens 150 Menschen“ – einschließlich der getöteten Boko-Haram-Kämpfer – ums Leben gekommen seien. Diese Behauptung stelle eine „grobe Untertreibung“ dar, erwiderte Adotei Akwei, AI-Direktor für Regierungsbeziehungen, am Donnerstag: Die „unmissverständlichen“ und „schockierenden“ Satellitenaufnahmen sprächen eine andere Sprache. Beim Vergleich der Bilder von vor und nach den Angriffen Anfang Januar ist nach AI-Angaben festzustellen, dass beim Überfall auf die Garnisonsstadt Doron Baga mehr als 3100 Gebäude, rund 57 Prozent der vier Quadratkilometer großen Stadt, vor allem durch Feuer zerstört worden seien.

„Sie haben sehr viele Menschen umgebracht“

Wohingegen in der wenige Kilometer entfernten Stadt Baga offenbar 620 Häuser und Hütten, rund elf Prozent der Stadt, vernichtet wurden. Damit handele es sich bei dem Überfall um den „verheerendsten Angriff“ der Sekte in ihrem sechsjährigem Kampf, urteilt AI: Auch Schulen und Krankenhäuser seien zerstört worden.

Schwieriger als die Kalkulation ruinierter Gebäude stellt sich die Bilanzierung der Totenopfer dar, die auf den Satellitenbildern nicht wahrzunehmen sind. Da die Region von der Sekte beherrscht wird und selbst telefonisch von der Außenwelt abgeschnitten ist, sind die unabhängigen Organisationen auf die Aussagen von Flüchtlingen angewiesen, die übereinstimmend von „Hunderten von Toten“ sprachen, ohne konkrete Angaben machen zu können.

„Sie haben sehr viele Menschen umgebracht“, zitiert Amnesty einen etwa 50-jährigen Flüchtling: „Ich habe in Baga mindestens hundert Tote gesehen. Und als ich in den Busch rannte, ging das Morden weiter. Ich stolperte über zahlreiche Leichen.“ Die Sektenmitglieder hätten auch Frauen und Kinder umgebracht, fügte ein anderer Zeuge hinzu: Er habe eine gebärende Frau gesehen, die während des Geburtsvorgangs von Boko-Haram-Kämpfern erschossen worden sei.

Weiteren Berichten zu Folge nahmen die Extremisten auch Gefangene. Mindestens 300 ältere Frauen, Mütter und Kinder seien zuerst in einer Schule in Baga festgehalten worden, berichtete eine Überlebende. Als die älteren Frauen und Kleinkinder schließlich freigelassen worden seien, mussten die jungen Mädchen bleiben. Tausende von Einwohnern Bagas sind offenbar auch über den Tschad-See in Richtung Tschad geflohen, wobei mehrere der überfüllten Boote auf der Flucht gekentert sein sollen. Heute soll Baga mit seinen einst mehr als 10 000 Bewohnern so gut wie menschenleer sein. Zurzeit verschanzt sich dort die Boko-Haram-Miliz, weil sie einen Gegenangriff der nigerianischen Armee erwartet.

Ortskundige erklären sich die Brutalität der Sekte gegen die Zivilbevölkerung mit der Bildung lokaler Selbstverteidigungs-Milizen, der sogenannten Civilian Joint Task Force (CJTF). Sie haben sich angesichts der Hilflosigkeit des Militärs in zahlreichen Städten und Gemeinden der Unruheregion formiert, sind aber schlecht ausgerüstet und werden oft zu Opfern der Boko Haram.

Um der Spirale der Gewalt entgegen zu wirken, rief der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan Nigerias Regierung am Donnerstag zu Gesprächen mit der Sekte aufgerufen: Die Politiker sollten sich schleunigst um eine Kontaktaufnahme mit Boko Haram bemühen.

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