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Donnerstag, 4. April 2019

Großstädte in NRW werden zu Hartz-IV-Kolonien

Thema: Teufelskreis der Armut

Raus aus der Kohle – rein in die Armut:
Großstädte in NRW werden zu Hartz-IV-Kolonien
Von Reinhard Werner

Während sich die Großstädte im Osten Deutschlands erholen, geraten in westlichen Krisenregionen wie dem Ruhrgebiet immer mehr Menschen geradezu in einen Teufelskreis der Armut. Vor allem in den stark von der Kohle geprägten Großstädten steigt der Anteil der Hartz-IV-Empfänger deutlich an.

Die Bertelsmann-Stiftung hat sich mit der Entwicklung von Armut in deutschen Städten und Gemeinden befasst. Ihren Erhebungen zufolge sei der Anteil an Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, in Teilen Deutschlands innerhalb der letzten zehn Jahre weiter gestiegen.

Während deutschlandweit 10,1 Prozent der Bevölkerung auf Sozialhilfe angewiesen ist, sind es in den Großstädten noch deutlich mehr. Im Jahr 2016, aus dem die jüngsten Daten stammen, auf die man vonseiten der Forscher zurückgreifen konnte, lag der Anteil der Armen in Großstädten bei 14 Prozent.

Das Phänomen urbaner Armut zeigt sich vor allem in den alten Bundesländern – im Osten sind die ärmsten Regionen, etwa Uecker-Randow oder die Altmark, hauptsächlich ländlich strukturiert. Die Städte hingegen holen wirtschaftlich auf und nähern sich zum Teil sogar an Lebensverhältnisse wohlhabender Regionen des Westens an. Ursprüngliche Krisenstädte weiter in die Krise geraten

Westdeutsche Großstädte, die bereits zuvor arm waren, haben sich seit Mitte der 2000er Jahre weiter verschlechtert oder sogar in einen regelrechten Teufelskreis des Abstiegs hineingeraten. Im Gespräch mit der „Welt“ fordert der Präsident des Deutschen Städtetags, Markus Lewe, eine deutliche Ausweitung der Mittel für die „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.
Der Anteil von Menschen, die Sozialleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II erhalten (Hartz IV), ist in den kreisfreien Städten und Stadtstaaten etwa doppelt so hoch wie in den Landkreisen“, gibt Lewe zu bedenken.
Berlin habe mehr SGB-II-Bezieher als ganz Bayern.

Von den zehn Städten mit dem höchsten Anteil an Hartz-IV-Empfängern liegen acht im Bundesland NRW, von den ersten 18 sind es 13. An der Spitze liegt Gelsenkirchen, wo sich der Prozentsatz an Sozialhilfeempfängern von 21 im Jahr 2007 auf 26 gesteigert hat.

In Essen, das auf Platz drei liegt, wuchs der Hartz-IV-Bezieher-Anteil von 18 auf 21 Prozent, in Dortmund und Duisburg jeweils von 18 auf 20, in Herne von 16 auf 20, in Mönchengladbach von 18 auf 20, in Wuppertal und Recklinghausen jeweils von 16 auf 18. Die einzigen Städte in den Top 10 der Armutswertung, die nicht in NRW liegen, sind Saarbrücken (22 Prozent, ein Plus von drei) und Bremen (19 Prozent statt 17 wie im Jahr 2007).

In allen 13 Ruhrgebiets-Großstädten mehr Hartz-IV-Empfänger

Henrik Riedel von der Bertelsmann-Stiftung spricht gegenüber der „Welt“ von 37 Kommunen, in denen in den zehn Jahren des Auswertungszeitraum der Anteil der Bezieher von Sozialleistungen gestiegen sei. Dies entspreche 46 Prozent der 80 deutschen Großstädte – also aller Städte mit mindestens 100 000 Einwohnern. Darunter finden sich alle 13 Großstädte des Ruhrgebiets. In 27 Kommunen sei die Armut zurückgegangen. In den übrigen 16 sei sie weitgehend gleichgeblieben.

Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den letzten Jahren legt den Schluss nahe, dass sich auch nach 2016 die Situation in den betroffenen Kommunen nicht zum Positiven gewendet habe. Im Saarland gab es im Vorjahr sogar einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent. Zudem seien die Auswirkungen der Flüchtlingskrise noch nicht vollständig eingepreist. Im Jahr 2018 war bereits ein gutes Drittel aller Sozialhilfeempfänger Ausländer – wobei der Anteil seit 2015 in drastischem Ausmaß zugenommen habe.

Die Forscher sprechen unisono vom „Strukturwandel“, der die betroffenen Regionen heimgesucht habe und der „noch nicht vollständig bewältigt“ sei, wie es auch Riedel formuliert. Es sei „noch nicht abzusehen […], ob neue Unternehmen und Branchen die Arbeitsplatzverluste in den alten Wirtschaftszweigen wettmachen können“.

Die Zahlen sprechen dagegen: Von den offiziell 12,5 Prozent registrierten Arbeitslosen in Gelsenkirchen sind 40 Prozent bereits länger als ein Jahr ohne Job. Auch in anderen Kommunen wird die Arbeitslosigkeit zunehmend zum Dauerschicksal. SoVD will mehr staatliche Leistungen, AfD ein Aus für den Kohleausstieg

Andere Städte klagen über steigende Mieten. Dieses Problem betreffe allerdings eher wohlhabende Städte – eine Ausnahme bildet Berlin, das sowohl ein Armuts- als auch ein Mietenproblem hat. Wo die Mieten steigen, so äußerte sich der Sozialverband Deutschland (SoVD) gegenüber der „Welt“, treffe das Armutsrisiko allerdings zunehmend auch Berufstätige, vor allem kinderreiche Familien.

Während SoVD-Präsident Alfred Bauer mehr öffentliche Ausgaben für Beschäftigung, Infrastruktur und Kinderbetreuung fordert sowie einen höheren Mindestlohn, wollen andere an die Wurzel des Problems gehen und neben einer Entlastung der Immobilienmärkte durch Zuzugsbegrenzung auch eine Kehrtwende in der Energiepolitik einleiten.

Erst im Januar hatte sich die AfD im Landtag von NRW als einzige Fraktion gegen den geplanten „Kohleausstieg“ gewendet. Zudem forderte die Fraktion, wie die „Welt“ damals berichtete, die Landesregierung dazu auf, sich dafür einzusetzen, das über eine Milliarde Euro teure, moderne Steinkohlekraftwerk Datteln IV doch noch ans Netz zu bringen.

Mit freundlicher Genehmigung von EpochTimes.de
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

Dienstag, 18. Oktober 2016

Deutschland geht es gut, und das ist ein Grund zur Freude - wirklich?

Thema: Deutschland

Heimplatz oft nur mit Sozialhilfe

41 Prozent aller Pflegebedürftigen in Dcutschland können den Eigenanteil der stationären Pflegekosten nicht bezahlen. Bertelsmann-Stiftung stellt Studie vor.

Hagen/Berlin. Vielen alten Menschen fehlt das Geld, um sich im Pflegeheim stationär versorgen zu lassen. Bundesweit müssen 41 Prozent der Pflegebedürftigen Sozialhilfe beantragen, um den Platz zu finanzieren. Das geht aus einer Studie hervor, die die Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt hat. „Ist das Geld zu knapp für die Versorgung im Heim, hat das zur Folge, dass Angehörige einspringen oder Pflegebedürftige zusätzliche Sozialleistungen beantragen“, sagt Dr. Stefan Etgeton, Projektleiter der Bertelsmann-Stiftung. Nach seinen Erkenntnissen ist die Entscheidung zur heimischen Pflege oder zur Versorgung im Heim nicht immer so frei wie vermutet, „sondern ist eng mit der Höhe des Einkommens der Pflegbedürftigen gekoppelt“. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird nach der Studie von heute 2,6 Millionen Menschen auf 3,4 Millionen im Jahr 2030 anwachsen.

Eine besonders große Kluft gibt es zwischen den Kosten für die stationäre Pflege und dem Einkommen der Betroffenen vor allem in NRW, Baden-Württemberg und dem Saarland. Bundesweit reiche das durchschnittliche Einkommen in 62 Prozent der ausgewerteten Kommunen der über 80-Jährigen für die Zuzahlung im Ptlegeheim nicht aus.

Professionelle Pflege kostet in den Heimen den Angaben zufolge zwischen 88 und 153 Euro am Tag. Im Hochsauerlandkreis sind es 135 Euro, im Kreis Olpe und im Kreis Siegen-Wittgenstein 141 Euro, in Hagen 134 Euro, im Märkischen Kreis 139 Euro und im Ennepe-Ruhr-Kreis 138 Euro.

In den ostdeutschen Bundesländern decken sich in der Regel die Einkünfte der Senioren mit den stationären Pflegekösten. Grund sei die schlechtere Bezahlung der Fachkräfte dort, so die Studie. Im Westen und Süden Deutschlands sei das Einkommen der Pflegekräfte fast deppelt so hoch. Die Bruttogehälter lagen demnach zwischen monatlich 1.714 und 3.192 Euro. Etgeton: „Altenpflegekräfte müssen leistungsgerecht bezahlt werden, ohne die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu überfordern.“

Kommentar

Wenn wir am Ende unserer Tage nur noch eine Last sind
Joachim Karpa - WP 13.10.2016

Blättem Sie nicht weiter. Das ist ein Thema, das jeden betrifft. jeden Tag hinterlässt es mehr Spuren. Selbst Verdrängungskünstler aller Art und von Schönheitschirurgen verjüngte Figuren holt es ein: das Alter. Spätestens nach dem Berufsleben wird es jedem bewusst. Und jetzt? Sicher, nach der Arbeit. heißt noch lange nicht vor dem Tod. Das Ende unserer Tage darf sich gerne Zeit lassen. Trotzdem: Wir haben viele Vorläufer. Eltern, Omas und Opas, die sich für immer von uns verabschiedet haben.

Auf welche Weise? Würdig? Angemessen? Mit Zuwendung? Oder abgeschoben? 41 Prozent der Pflegebedürftigen in unserem reichen Land kann den Eigenanteil für den kostspieligen Heimplatz nicht aufbringen. Von personeller Unterbesetzung und mangelhafter Betreuung in vielen Heimen, nicht zu reden.

Wen kümmert es? Die Alten haben keine Lobby, sie gelten als ökonomische Belastung. Sie alle kennen die Begriffe: Rentenlast. Pflegelast. Versicherungen und Banken sprechen gar vom Langlebigkeitsrisiko. Wirtschaftlich gesehen. Die Wegwerfgesellschaft wuchert in den Köpfen und treibt seltsame Blüten.

Wohin mit den Menschen, die am Lebensabend Pflege und Nähe brauchen? Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich im Umgang mit seinen schwächsten Mitgliedern. Wie es um sie, die Gesellschaft. steht, wird uns täglich vorgeführt. Die Würde ist im Umgang mit den Alten auf der Strecke geblieben. Sie wissen nicht, wovon die Rede ist? Ein Besuch im Altersheim klärt Sie auf. Schwarzmalerei? Mitnichten. Auch wenn Sie nichts davon wissen wollen, schon gar nicht beim Frühstück. auch Ihr letztes Stündlein wird kommen. Dann ist es auch lhr Thema und Sie selbst können nichts mehr tun.

Quelle Artikel und Kommentar: gedruckte Westfalenpost 13.10.2016

» der Kommentar des Blogschreibers «

Man muss schon ein ziemlicher Realitätsverweigerer sein, um angesichts solcher Berichte zu behaupten: "Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude". Auch wenn diese Aussage schon etwas her ist, die Verhältnisse waren damals schon bekannt.
Wenn man allerdings hauptsächlich in Kreisen von Bankdirektoren und Wirtschaftskapitänen verkehrt und nur zu wenigen Anlässen in die Niederungen des Alltags herabsteigt, dann bekommt man die Probleme des Volkes nicht mit. Dann ist man natürlich auch total überrascht, wenn einem, wie zum 3. Oktober, nicht unbedingt zugejubelt wird.
War diese Frau jemals die "Bundeskanzlerin aller Deutschen", die sie doch sein wollte oder war das das gleiche Geschwätz wie "Klimakanzlerin", "Bildungskanzlerin" u.s.w.?

Samstag, 17. September 2016

Kinderarmut in Deutschland wächst trotz guter Wirtschaftszahlen

Thema: Kinderarmut

Kinderarmut wächst auch in Südwestfalen
Trotz guter Wirtschaftszahlen sind mehr Kinder auf Hartz IV angewiesen

Hagen. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist gut, die Arbeitslosenquote niedrig – und doch ist die Zahl der Kinder, die in Armut leben, in den vergangenen Jahren gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung aus Gütersloh. Auch in Südwestfalen sind immer mehr Kinder betroffen.

Der Studie zufolge haben im vergangenen Jahr bundesweit annähernd zwei Millionen Kinder in Familien gelebt, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen waren. Das ist gegenüber dem Jahr 2011 ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte. Noch deutlicher fällt die Steigerung in Nordrhein-Westfalen aus (+ 1,6 Prozentpunkte).

Dabei bestehen zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten in NRW zum Teil erhebliche Unterschiede. Besonders betroffen sind hier Städte im Ruhrgebiet wie Gelsenkirchen mit einer Armutsquote von 38,5 Prozent. In der Stadt Hagen ist der Anteil der armen Kinder in den vergangenen Jahren laut Bertelsmann-Stiftung sogar um 4,7 Prozentpunkte in die Höhe geschnellt.

Im ländlichen Südwestfalen liegt die Quote weitaus niedriger. So verzeichnet der Kreis Olpe in Nordrhein-Westfalen die zweitniedrigste Hartz-IV-Quote – hinter dem Kreis Coesfeld. Doch auch in Südwestfalen ist, obwohl hier doch mancherorts annähernd Vollbeschäftigung herrscht, der Anteil der armen Kinder in allen Landkreisen in die Höhe gegangen.

Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung sei aber die Zahl der Langzeitarbeitslosen nicht gesunken, erklärt Franz Schrewe, Landesvorsitzender des Sozialverbandes NRW aus Brilon, die zunehmende Kinderarmut. Ein weiterer Grund für den flächendeckenden Anstieg: Die Zahl der Alleinerziehenden nehme zu, sagt Christina Kruse von der Bertelsmann-Stiftung. Die Hälfte aller armen Kinder lebe bei einem alleinerziehenden Elternteil. Besonders betroffen seien zudem Kinder mit mehreren Geschwistern.

Als Mittel gegen Kinderarmut fordert Christina Kruse von der Bertelsmann-Stiftung, bei der Existenzsicherung stärker die Teilhabeaspekte zu berücksichtigen, also zum Beispiel die Teilnahme am Vereinsleben, an Bildung und Kultur. Nina Grunsky

Quelle: Westfalenpost.de

» der Kommentar des Blogschreibers «

Wäre es nicht auch Aufgabe einer Bundeskanzlerin, ihre Wähler darüber aufzuklären, woher das mit der wachsenden Kinderarmut kommt, anstatt immer wieder die gleichen, inhaltslosen Floskeln wie "Deutschland geht es gut", "Deutschland ist ein reiches Land" herunter zu beten?

Werte Frau Bundeskanzlerin,
bitte erklären Sie uns doch einmal wen Sie mit "Deutschland", dem es gut geht, meinen.

Sie wollen doch "die Kanzlerin aller Deutschen" sein und nicht nur die der Konzerne. Dann erklären Sie ihrem Volk auch einmal die ungleiche Verteilung des Vermögens und warum durch Ihre Politik die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.
Das zu erfahren wäre doch sicher für alle interessant.