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Mittwoch, 25. Mai 2016

EU-Parlamentspräsident attackiert Erdogan

Thema: «Ein-Mann-Staat»

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments
attackiert den türkischen Präsidenten Erdogan


Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, hat die jüngsten Entwicklungen in der Türkei als «atemberaubende Abwendung von den Werten Europas» angeprangert.

Das Land sei auf dem Weg in einen «Ein-Mann-Staat» unter der Führung Erdogans, so der EU-Parlamentspräsident. Die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan sei «nicht mit den europäischen Grundwerten vereinbar», sagte Martin Schulz dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Erdogan stelle damit «sinnvolle Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei nicht nur in Frage», sondern mache sie «faktisch unmöglich».

Schulz bekräftigte, dass die im Zuge des Flüchtlingsabkommens in Aussicht gestellte Visa-Freiheit türkischer Staatsbürger bei Reisen in die EU im Europa-Parlament nicht beraten werden könne, solange Ankara nicht alle Bedingungen erfülle. Dazu gehöre vor allem die Änderung des weit gefassten Anti-Terror-Gesetzes.

«Wir alle sind gefordert, klarzumachen, dass wir die Monopolisierung der Macht in der Hand eines Mannes nicht kommentar- und tatenlos akzeptieren», sagte Schulz. Eine Aufkündigung des EU-Türkei-Flüchtlingsabkommens wäre nach Auffassung von Schulz trotzdem falsch. «Den Preis würden am Ende die Flüchtlinge bezahlen.» Nötig sei «ein gutes Abkommen».
(afo/sda)

Mit freundlicher Genehmigung von http://www.20min.ch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

Realist
Hutab
Martin Schulz ist der einzige deutsche Politiker mit Rückgrat! Er sagt, wie es ist und kuscht nicht vor Diktator Erdogan wie alle anderen. Respekt!

Oli Dee
Bravo Herr Schulz
Herr Schulz hat vollkommen Recht und auch entsprechend Mut die Wahrheit auszusprechen.

Simba74
Türkei gehört auf die Black List
bin kein EU Fan aber da hat die EU nun mal Recht :-)
Wie immer...
... wird wieder einmal etwas " vehement verurteilt", doch es bleibt beim dementieren, unternommen wird gar nichts.

Böhmermann Fan
Ist der EU erst jetzt klar geworden, dass dieser Erdogan ein Diktator ist? Dieser Erdogan versucht dem Türkischen Volk weiss zu machen, dass er sich nicht vor der EU beugen wird, im Gegenteil, er versucht zu übermitteln, dass die EU sich zu beugen hat, und das die EU auf die Türkei angewiesen ist und nicht umgekehrt. Da meine Wurzeln auch aus diesem Land stammen, wäre ich auch für eine Aufnahme der Türkei in die EU dem Volk zugute, aber mit diesem Diktator lieber nicht.

Montag, 4. April 2016

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz richtet scharfe Worte an Erdogan

Thema: Pressefreiheit

Auslegung der Pressefreiheit
Schulz wettert gegen Erdogan: "So nicht"

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hat scharfe Worte an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen seiner Reaktion auf einen Satire-Beitrag gerichtet. Es sei "ein starkes Stück" und "nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes verlangt, dass wir in Deutschland demokratische Rechte einschränken, weil er sich karikiert fühlt", sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag" (BamS).

Schulz forderte eine klare Haltung gegenüber dem türkischen Staatschef. Er kenne Erdogan "lange und gut". "Er ist ein Mann klarer Worte. Er versteht aber auch klare Worte. Und hier muss man sagen: Lieber Herr Erdogan, Sie sind einen Schritt zu weit gegangen. So nicht", forderte der SPD-Politiker.

Schließlich sei Satire "ein Grundelement der demokratischen Kultur", mit dem Politiker zu leben hätten - "auch der türkische Staatspräsident".

Deutschen Botschafter einbestellt

Wegen eines Satire-Beitrags des NDR-Magazins "extra 3" über Erdogan hatte die türkische Regierung den deutschen Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, einbestellt und eine Löschung des Beitrags gefordert. Auch Erdmanns Anwesenheit beim Auftakt des Spionage-Prozesses gegen zwei führende Journalisten der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" hatte die Einbestellung des Botschafters zur Folge. Überdies hatte die türkische Justiz kürzlich die regierungskritische Zeitung "Zaman" unter Zwangsverwaltung gestellt.

Das Video wurde seit 17.03.2016 schon fast 6 Millionen mal angeschaut

"Wir dürfen zu Grundrechtsverletzungen in der Türkei nicht schweigen, nur weil wir in der Flüchtlingsfrage zusammenarbeiten", mahnte Schulz in der "BamS". Vielmehr müsse die EU "diese Verstöße anprangern und permanent über Meinungsfreiheit und Menschenrechtsfragen mit der Türkei diskutieren".

Türkei muss zum Friedensprozess zurückkehren

"Ein Land, in dem der Staatspräsident Diplomaten öffentlich attackiert, weil sie einen Prozess beobachten, gehört ebenfalls öffentlich angeprangert", sagte Schulz. Auch die Eskalation des Kurden-Konflikts müsse thematisiert werden. "Hier kann es keine militärische Lösung geben, die Türkei muss zum Friedensprozess zurückkehren", verlangte der Europapolitiker.

Eine Vermischung des Flüchtlingsdeals mit EU-Beitrittsverhandlungen und möglichen Visa-Erleichterungen lehnte Schulz ab. Es werde "keinen Rabatt" geben.

Zugleich verteidigte Schulz das Flüchtlingsabkommen, dessen Umsetzung am Montag starten soll. Die EU werde dadurch "nicht abhängig von der Türkei", sagte der EU-Parlamentspräsident. "In der Flüchtlingspolitik kooperieren wir mit etlichen Ländern, die nicht das Eldorado der Demokratie sind. Und wir schließen den Pakt nicht mit Herrn Erdogan, sondern mit der türkischen Republik", hob Schulz in der "Bild am Sonntag" hervor.

Quelle: t-online.de