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Montag, 13. Juli 2020

Corona Satire in BR3 - Wie ein Virus alle Vernunft zerstört

Wie ein Virus alle Vernunft zerstört | Corona-Virus | quer vom BR
Sendung vom 30.01.2020
Das Corona-Virus hat Deutschland erreicht. Bisher verläuft die Krankheit bei den Infizierten harmlos. Bei Verschwörungstheoretikern und Populisten steigt die Fieberkurve hingegen steil an.


quer
Das Corona-Virus hat Deutschland erreicht. Bisher verläuft die Krankheit bei den Infizierten harmlos. Bei Verschwörungstheoretikern und Populisten steigt die Fieberkurve hingegen steil an.

Ein Paradebeispiel dafür, wie ein Sender der "Öffentlich Rechtlichen" Fake-News verbreitet. Das hat sich der arogante Spinner wohl nicht träumen lassen, dass nur kurze Zeit später die von ihm "Verschwörungstheorien" benannten Aussagen zur Realität mutieren.

Er sagt tatsächlich: "China ist eine Diktatur, eine freie Presse gibt es dort nicht..."
"Wir haben eine freie Presse und die wiederum besthet aus ehrgeizigen Menschen ..."
Irgendwann wird auch er den Knall hören, ob es dann zu spät ist?

Die ganze Sendung gibt's hier

Kommentare

Antje Fingerhut
Erst ist man Verschwörungstheoretiker wenn man Panik und Angst verbreitet und jetzt ist man Verschwörungstheoretiker wenn man es verharmlost. Zum Totlachen! 😋

Bushpilot Udo
Tja- hat sich ja genau das alles bestätigt , Herr Süß, was sie ab ca 9.30 min den bösen, hinterlistigen rechten AfD Leuten als hirnlose Spinnerei anhängen wollten. .... Eigentor !

Christian Rochat
Ah, zum Glück ist Corona nur eine Verschwörungstheorie von paranoiden Rechtsextremisten und der bösen AfD, da bin ich aber beruhigt! Danke, lieber Staatsfunk, dass du mich so gut informierst! Hinweis: Ich habe diesen Kommentar am 14.05.2020 geschrieben, also mehr als 3 Monate nach Austrahlung der Sendung. Wie gut diese Sendung gealtert ist, kann jeder selbst entscheiden.

Ba YanTse
Ab 9:10 - 10:30 Selten hat sich ein Hofnarr so treffend selbst karikiert wie dieser seit damals. (heute: 14.Mai 2020)

Andy M
Dass die rechten Trolle aber auch immer Recht haben müssen... so ein Mist 😅

Michael Mann
Zitat Christoph Süß: "WIR haben eine freie Presse". Hat das auch nicht mal "Sudel-Ede" im "Schwarzen Kanal" (DDR-Fernsehen) behauptet? Aber auch ohne diesen Spruch sind erstaunliche Ähnlichkeiten vorhanden: Karl-Eduard von Schnitzler hat auch den Zuschauer wissen lassen wie er gefälligst zu denken hat. Noch ein Zitat vom Herrn Süß am 30. Januar: "Was wäre wenn wir die Grenzen schließen würden? [...] Das Desaster". Tja, Herr Sudel... äh... Süß, willkommen im Desaster :) Kritik an denen, die diese Grenzschließung angeordnet haben? Fehlanzeige! Danke, soviel zur Glaubwürdigkeit ihrer Sendung...

Cristiano Morais
Wow, sehr unabhängiger und objektiver Journalismus....

Sabine Saline
Ich lach mich schlapp.....so ein Wendehals🤪🤪🤪🤪🤪 was sagt denn der Depp jetzt so zur Massenpanik in Deutschland

Blutmond
Ahja.........rechte Verschwörungstheorien 🤣

qwertz poiuztrew
Der labert was von Verschwörungstheorien 🤢🤢🤢 ls Windkraftbetreiber nicht einfach die Gemeinden die zu nah dran sind, verlagern? Beim Kohleabbau wirds doch aus so gemacht.


Samstag, 18. April 2020

Bild - Chefredakteur Julian Reichelt gegen China

Bild-Zeitung vs. China:
Chefredakteur Julian Reichelt schreibt sich faktenfrei in Rage

Er schreibt an Chinas Staatschef:

Sie gefährden die ganze Welt


Schlagabtausch zwischen der Bild-Zeitung und der chinesischen Botschaft: Die Zeitung möchte Peking die Kosten für die Corona-Pandemie in Rechnung stellen, was die Botschaft nicht unkommentiert stehen lassen wollte. Nun kontert Bild-Chefredakteur Reichelt – mit hanebüchenen Vorwürfen.

von Sebastian Range

Für gewöhnlich hält sich die chinesische Botschaft zurück, wenn es darum geht, innerdeutsche Debatten zu kommentieren. Doch mit der diplomatischen Zurückhaltung war es vorbei, nachdem die Bild-Zeitung am Mittwoch Peking eine "Corona-Rechnung" im dreistelligen Milliardenbereich unter der Losung "Was China uns jetzt schon schuldet" präsentierte.

"Es wird eine Zeit geben, in der die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden!", leitete die Bild ihren Artikel mit einem Zitat des US-Außenministers Mike Pompeo ein. Die US-Regierung ist schon seit Wochen bestrebt, China für ihr eigenes Versagen im Umgang mit der Corona-Pandemie verantwortlich zu machen. Noch Ende Februar hatte Präsident Donald Trump angedeutet, dass die Grippe gefährlicher als das Corona-Virus sei. Dass Trump die Krise über lange Zeit beharrlich geleugnet und sich durch Nichtstun ausgezeichnet hat, wird von US-Medien immer lauter kritisiert.

Doch Bild macht nicht Washington oder andere westliche Regierungen, die sich erst spät zu einem entschlossenen Handeln bewegt hatten, für die schwerwiegenden Folgen der Corona-Pandemie haftbar, sondern die chinesische Führung, die "wichtige Informationen wochenlang unterdrückte".
Experten und Politiker weltweit fordern Konsequenzen für Peking – bis hin zu Schadensersatz-Klagen!", so das Springer-Blatt.
Die chinesische Botschaft wies die Vorwürfe in einem offenen Brief zurück. Ohne auf die darin genannten Fakten einzugehen, verfasste Bild-Chefredakteuer Julian Reichelt daraufhin einen "Brief" an den chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

In fünf Punkten äußert sich Reichelt zu den Vorwürfen der Botschaft, die den Bild-Bericht als "infam" bezeichnet hatte, der "nicht nur ganz wesentlicher Fakten und genauer Zeitabläufe, sondern auch einem Mindestmaß an journalistischer Sorgfaltspflicht und Fairness" entbehre.

Bild-Chef fabuliert von Fledermaus-Suppen

Seine Replik leitet Reichelt mit folgendem Punkt 1 ein:
Sie regieren durch Überwachung. Ohne Überwachung wären Sie nicht Präsident. Sie können alles überwachen, jeden Ihrer Bürger, aber Sie weigern sich, die hoch seuchenriskanten Tiermärkte in Ihrem Land zu überwachen. Jede kritische Zeitung oder Internetseite machen Sie dicht, aber nicht die Buden, an denen Fledermaussuppe verkauft wird. Sie überwachen Ihr Volk nicht nur, Sie gefährden es auch – und damit die ganze Welt.
Der Bild-Chef spielt hier auf eine Legende an, die von der britischen Daily Mail in die Welt gesetzt wurde und an deren Fortbestehen sein Blatt infolge mit Aussagen wie "Futtert uns China in die nächste Pandemie" fleißig mitgestrickt hat. Demnach nahm das Virus durch den Verzehr von Wildtieren wie Fledermäusen auf einem sogenannten "Wet Market" ("Nassmarkt") in Wuhan seinen Lauf in die Welt.

Die Daily Mail hatte ein Video veröffentlicht, das laut Beschreibung eine "Fledermaus-Suppe auf dem Markt in Wuhan zeigt, der in Verbindung zum Corona-Ausbruch steht". Stutzig macht bereits die Überschrift, laut der es sich um eine Fledermaus-Suppe handelt, von der "angenommen wird, dass sie in Hongkong verkauft wurde".
"Es gab nur ein Problem", berichtete Foreign Policy daraufhin:
Das Video wurde überhaupt nicht in Wuhan gedreht, wo Fledermäuse keine Delikatesse sind. Es kam nicht einmal aus China. Stattdessen zeigte es Wang Mengyun, Moderatorin einer Online-Reiseshow, wie sie in Palau ein solches Gericht isst.
Die Moderatorin entschuldigte sich anschließend. Palau ist laut dem Travel Food Atlas übrigens Ursprungsort von Fledermaus-Suppen. Auch in Mikronesien, Guam und Afrika habe sich die Suppe zu einer Delikatesse entwickelt. Von China ist dort nicht die Rede. Auch andere aus Palau stammende Videos sind im Umlauf, die fälschlicherweise China zugeordnet werden.

Correctiv hatte die Aussagen der Daily Mail und der Bild zum Markt in Wuhan einem Faktencheck unterzogen. Fazit: Dass der Markt Ausgangspunkt der Verbreitung des Corona-Virus ist, ist nicht belegt. Ob Fledermäuse das Virus ursprünglich ausgebrütet haben, ist eine (noch) nicht bestätigte Theorie. Belege dafür, dass die Säugetiere in Wuhan im Suppenformat angeboten wurden, gibt es demnach nicht. Und selbst wenn: "Menschen infizieren sich nicht, indem sie gekochtes Fleisch essen", zitiert Correctiv den WHO-Experten David Heymann.

Der US-Sender CNN räumte jüngst auch mit einem weit verbreiteten Missverständnis zu den "Wet Markets" auf, die nun in aller Munde sind:
Wenn Sie schon einmal in einer Einkaufszone waren, in der Metzgereien und Lebensmittelgeschäfte frische Produkte direkt vom Bauernhof verkaufen, dann waren Sie schon einmal auf einem Markt, der in manchen Teilen der Welt als Nassmarkt bezeichnet wird. Das mag überraschen – denn in letzter Zeit ist der Begriff Nassmarkt für einige Leute im Westen fast zum Synonym für COVID-19 geworden. (...)

Aber nasse Märkte sind im Gegensatz zu trockenen Märkten, auf denen nicht verderbliche Waren wie Getreide oder Haushaltsprodukte verkauft werden, einfach Orte, die eine große Auswahl an frischen Produkten anbieten. Einige, aber nicht alle, verkaufen auch lebende Tiere.
Der Bericht weist auch darauf hin, dass solche Märkte kein chinesisches, sondern ein in Asien generell weit verbreitetes Phänomen sind. Doch mit solchen Details hält sich ein Bild-Chefredakteur nicht auf.

China – ein Land bestiehlt die Welt

In seinem zweiten Punkt erklärt er China zu einem Land der Räuber:
Überwachung führt zu Unfreiheit. Wer nicht frei ist, ist nicht kreativ. Wer nicht innovativ ist, erfindet nichts. Deswegen haben Sie Ihr Land zum Weltmeister im Diebstahl von geistigem Eigentum gemacht. China bereichert sich an den Erfindungen anderer, statt selber zu erfinden. (...) Der größte chinesische Exportschlager, den keiner haben wollte, aber der trotzdem um die Welt gegangen ist, ist Corona.
Man fragt sich, hinter welchem Mond der Verfasser dieser Zeilen wohnt. Kein Land hat im vergangenen Jahr so viele Patente angemeldet wie China. Was Hochtechnologien wie 5G oder künstliche Intelligenz betrifft, hat der asiatische Staat den Rest der Welt schon längst abgehängt. Aber solche Tatsachen sind zu Reichelt offensichtlich noch nicht durchgedrungen, die Filterblase lässt grüßen!

Im Einklang mit Donald Trump

An dritter Stelle erneuert der Chefredakteur den Vorwurf des Bild-Artikels vom Mittwoch, China habe die Welt absichtlich im Dunkeln gelassen, "wichtige Informationen wochenlang unterdrückt" und "seine Informationspflichten gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verletzt".

In ihrer Erwiderung verwies die Botschaft auf die von der WHO bestätigte Zeitabfolge, laut der chinesische Behörden bereits am 31. Dezember 2019 die WHO "über Fälle von Lungenentzündung unbekannter Ursache in Wuhan informiert" haben. Und mit welchen belastbaren Fakten versucht nun Reichelt, die Chinesen zu widerlegen? Er behauptet einfach:
Ihre Top-Experten sind nicht ans Telefon gegangen, haben keine Mail beantwortet, als westliche Forscher wissen wollten, was da bei Ihnen in Wuhan los ist.
Was dort los war, war der Welt spätestens seit dem 23. Januar bekannt, als die Großstadt abgeriegelt und für ihre Bewohner eine Ausgangssperre verhängt wurde. In Deutschland oder auch Großbritannien wurden Ausgangsbeschränkungen erst am 23. März verhängt, also geschlagene zwei Monate später.

Sogar Christian Stenzel, Mitverfasser des diplomatische Wellen schlagenden Bild-Artikels, musste in seinem vor Demagogie nur so strotzenden Machwerk vom 12. März, in dem er China unterstellt, seit 2.500 Jahren den Rest der Welt zu belügen, eingestehen, dass Deutschland "wochenlang" zugeschaut und "Chinesen munter und ungehindert" einreisen ließ. Also doch nicht alles Chinas Schuld?

Selbst laut einer Recherche von Associated Press (AP), die chinesischen Behörden vorwirft, die heimische Öffentlichkeit nicht rechtzeitig informiert zu haben, ist keine Rede von einer "wochenlangen" Informationsunterdrückung, sondern von einem Zeitraum von sechs Tagen. AP zitiert in diesem Zusammenhang den US-Epidemiologen Zuo-Feng Zhang:
Hätten sie sechs Tage früher gehandelt, hätte es viel weniger Patienten gegeben und die medizinischen Einrichtungen wären ausreichend gewesen. Wir hätten den Zusammenbruch des medizinischen Systems von Wuhan vermeiden können.
Es geht hier wohlgemerkt um etwaige Konsequenzen auf lokaler Ebene, nicht auf globaler. Und auch was die Situation in Wuhan betrifft, teilen nicht alle Experten die Ansicht von Zhang. So heißt es in dem AP-Bericht:
Andere Gesundheitsexperten sagten jedoch, dass die Regierung angesichts der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen fernab der Öffentlichkeit entschlossen gehandelt habe. 'Sie hat vielleicht nicht das Richtige [gegenüber der Öffentlichkeit] gesagt, aber sie tat das Richtige', sagte Ray Yip, pensionierter Gründungsleiter des Büros der U.S. Centers for Disease Control in China. 'Am 20. [Januar] hat sie Alarm für das ganze Land geschlagen, was keine unangemessene Verzögerung ist.'
Wenn nun jemand wie Donald Trump China und der WHO vorwirft, nicht rechtzeitig genug über die Corona-Gefahr informiert zu haben, dann handelt es sich um ein durchschaubares Manöver, mit dem der US-Präsident von seiner langandauernden Untätigkeit ablenken will. Ein Manöver, an dem sich der Chef des transatlantisch eingefärbten Springer-Blattes nur zu gern beteiligt.

Corona-Virus aus einem Labor entwischt?

Als nächstes, in Punkt 4, kommt Reichelt noch einmal auf die Fledermaus zurück und zieht in seiner ihm so eigenen sachlichen Art eine Verbindung zwischen dem Corona-Ausbruch und einer virologischen Forschungseinrichtung in Wuhan:
Die 'Washington Post' berichtet, dass Labore in Wuhan an Corona-Viren in Fledermäusen geforscht haben, ohne höchste Sicherheitsstandards einzuhalten. Warum sind Ihre toxischen Labore nicht so abgesichert wie Ihre Gefängnisse für politische Gefangene? Wollen Sie das den trauernden Witwen, Töchtern, Söhnen, Ehemännern, Eltern der Corona-Opfer in aller Welt vielleicht einmal erklären?
Tatsächlich hatte die Washington Post am Dienstag berichtet, dass in zwei Depeschen der US-Botschaft in China aus dem Jahre 2018 davor gewarnt wurde, dass die Sicherheitsvorkehrungen im Wuhan-Institut für Virologie (WIV), das eng mit US-Forschern kooperiert, nicht ausreichend seien. Die Zeitung schreibt:
Die chinesischen Forscher am WIV erhielten Unterstützung vom Galveston National Laboratory der Medizinabteilung der University of Texas und anderen US-Organisationen, aber die Chinesen baten um zusätzliche Hilfe. Die Depeschen empfahlen, dass die Vereinigten Staaten das Labor in Wuhan weiter unterstützen sollten.
Ob sich die Sicherheitsvorkehrungen im Laufe dieser zwei Jahre verbessert haben, darüber verliert die US-Zeitung kein Wort. Dass Mitarbeiter der US-Botschaft die Forschungseinrichtung regelmäßig besuchen konnten, spricht aber für Transparenz seitens Chinas.

Was Reichelt zudem nicht erwähnt: Die Washington Post widmete sich dem Thema zwei Tage später erneut in einem Artikel. Darin heißt es, dass die Forschung an Fledermäusen am WIV "nicht beweist, dass an dem neuartigen Corona-Virus jemals in Wuhan geforscht wurde oder dass es [aus dem Labor] entwichen ist".

Und laut der New York Times konnten US-Geheimdienste "keine Alarmzeichen innerhalb der chinesischen Regierung registrieren, die laut Analysten mit dem versehentlichen Austreten eines tödlichen Virus aus einem Regierungslabor einhergehen würden".

Was Reichelt hier insinuiert, dass nämlich Fledermäuse mit dem neuartigen Corona-Virus aus einem Labor in Wuhan ausgebrochen sind, um anschließend als Suppe auf einem örtlichen Nassmarkt verspeist zu werden, was dann zur globalen Pandemie geführt habe, weshalb man deren Folgekosten Peking in Rechnung stellen müsse, entbehrt jedweder Belege.

Es geht dem Bild-Chefredakteur aber nicht um Fakten, sondern um eine Botschaft an die deutsche Bevölkerung: China soll die Suppe gefälligst selbst auslöffeln, die es uns – vermeintlich – serviert hat.

Was im Reich der Mitte so alles getuschelt wird

Im seinem letzten Punkt des Briefes an den chinesischen Präsidenten unterstreicht Reichelt sein äußerst eigenwilliges Verhältnis zur Realität:
n Ihrem Land tuschelt man bereits über Sie. Ihre Macht bröckelt. Sie haben ein undurchschaubares, intransparentes China geschaffen, das erst für einen unmenschlichen Überwachungsstaat stand und nun für die Verbreitung einer tödlichen Seuche steht.
Was auch immer in China nach Ansicht des Chefredakteurs getuschelt wird, der große Rest der Welt sieht in China ein Land, das die tödliche Seuche erfolgreich eingedämmt hat. Und die allermeisten Chinesen dürften froh sein, dass ihre Regierung so resolut gehandelt hat, sodass das Land nun wieder zu einer gewissen Normalität übergehen kann.

Dass China nun in der Lage ist, die halbe Welt mit medizinischer Schutzausrüstung zu versorgen, nachdem es im Januar noch selbst auf dem Weltmarkt diese Güter im großen Stil aufgekauft hat, dem kann Reichelt nichts Positives abgewinnen. Im Gegenteil:
Ich nehme an, Sie betrachten es als große 'Freundschaft', wenn Sie jetzt großzügig Masken um die Welt schicken. Ich nenne das nicht Freundschaft, sondern lächelnden Imperialismus.
"Sie wollen", unterstellt Reichelt abschließend Xi Jinping, "China stärken durch eine Seuche, die von China ausging".

China nutzt das Corona-Virus also als Waffe, um den Rest der Welt in die Knie zu zwingen! Was soll man zu solch verschwörungsideologischem Unsinn noch sagen? Im Grunde hat die chinesische Botschaft es in ihrem offenen Brief bereits gesagt:
Wer so aufrechnet, schürt Nationalismus, Vorurteile sowie Fremden- und Chinafeindlichkeit.
Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.
Quelle:   RT-Deutsch.de
RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.
Hinweis der Redaktion: Inzwischen hat die chinesische Botschaft zu Reichelts Brief Stellung bezogen.

Die beiden Briefe der Chinesischen Botschaft kommen heute um 12:00 Uhr


Mittwoch, 15. April 2020

Kabinett Merkel und das Versagen in der Corona-Krise

Reif für die Abwahl:
Kabinett Merkel und das Versagen in der Corona-Krise

Eine an die Öffentlichkeit gelangte Studie des Innenministeriums offenbart die Unfähigkeit der Bundesregierung während der Corona-Krise. Statt konsequent zu handeln, beschwichtigte sie lieber die Bevölkerung. Nach der Pandemie ist eine politische Generalabrechnung fällig.

von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Die Studie des Innenministeriums "Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen" sollte geheim bleiben ("Verschlusssache, VS"). Inzwischen ist sie Gegenstand harter Kritik an der Bundesregierung und wilder Spekulationen über deren Absichten. Obwohl sogar die Tagesschau kurz über das Papier berichtete, blieben sein Urzweck und die daraus abzuleitende Bankrotterklärung weitgehend unbeachtet: Das "Geheimpapier" dokumentiert ungewollt, dass das bundesweite Ausgehverbot samt schwerwiegenden Folgen vermeidbar gewesen wäre.
Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigen sich gut gelaunt vor einer Pressekonferenz, bei der Merkel verkündete, dass sich zwei Drittel der Deutschen mit dem Corona-Virus infizieren könnten.

Die Studie hatte darlegen sollen, wie man der Bürgermehrheit schmerzliche und äußerst kostspielige Solidarität mit der von der Virusepidemie überdurchschnittlich gefährdeten "Risikogruppe" abfordern könnte und wie man diese Maßnahmen "kommunizieren" müsse. Klartext: abgenötigte Solidarität mit Rentnern, Behinderten, Vorerkrankten und Schwachen. Das sind 30 Millionen Menschen. Von wegen "Gruppe"!

Der erste COVID-19-Fall in Deutschland wurde am 28. Januar gemeldet. Bei sofortigen Massentests und strikter Isolation der Infizierten wie in Südkorea hätte das Alltagsleben bei uns ebenfalls ohne wesentliche Einschränkungen weitergehen können. Dazu fehlten hierzulande jedoch nicht nur die materiellen Voraussetzungen. Es gab keinen politischen Willen dazu.

Südkorea hatte die "Vorwarnzeit" nach dem Ausbruch der Epidemie in der Volksrepublik China umgehend genutzt. In Deutschland wurde sie verbummelt. Die Kanzlerin war dem Alltag entschwebt, der Gesundheitsminister damit beschäftigt, für den CDU-Vorsitz zu antichambrieren; seinen Kandidaturverzicht teilte Spahn erst am 25. Februar mit. Er hätte in den Wochen zuvor wahrhaftig Wichtigeres zu tun gehabt, als seinen Karriereabsichten zu frönen.

Es fehlte an allem

Seit Anfang Januar war unübersehbar, dass COVID-19 in der Bundesrepublik auf ein unvorbereitetes Gesundheitswesen treffen würde: neoliberal heruntergeschrumpfte personelle und materielle Kapazitäten, ungenügende Krankenhausversorgung und zu wenig Potential für Intensivpflege. Die Abwehrkonzepte in Fernost wurden weder beachtet noch gar Vergleichbares für Deutschland erwogen: rigorose Quarantäne und Schutzmaßnahmen (VR China), "flächendeckende" Suche nach Infizierten und deren strikte Isolation (Südkorea) sowie Kombinationsformen beider Konzepte (Singapur, Hongkong, Taiwan).

In einer Regierungserklärung hatte Spahn noch am 4. März erklärt, die Ansteckungsquelle ("im Ausland") sei erkannt, alle betroffenen Deutschen sowie ihre Kontaktpersonen seien in Quarantäne genommen worden.
So ist es uns über Wochen hinweg gelungen, eine Ausbreitung zu verhindern.
Wer es gewohnt ist, die Machtapparatur einer Regierung kritisch im Auge zu halten, konnte es erkennen: Bundesinnenminister Horst Seehofer wusste längst, dass Spahn "über Wochen hinweg" Zeit verplempert hatte und mit seinem "weiter so" nichts mehr zu verhindern war. Schließlich war Seehofer selbst einmal Gesundheitsminister gewesen.

Substanziell Unerlässliches geschah nicht. Das Kabinett Merkel hatte den Kopf in den Sand gesteckt und beließ ihn da.

Am 18. März schließlich erteilte Seehofer ohne Rücksicht auf Spahns Zuständigkeiten einen Eilauftrag: Sofort zusammenstellen, mit welchen Maßnahmen das Tempo der Masseninfektion zu drosseln wäre. Die Studie "Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen" entstand binnen weniger Tage mithilfe des Robert Koch-Instituts und weiterer Fachleute, auch von ausländischen Universitäten. Einige ihrer Vorschläge dürften bereits am 23. März den ersten weitergehenden Maßnahmen – Ausgangsbeschränkungen, Abstandsgebot – zugrunde gelegen haben.

"Im schlimmsten Falle ..."

Die Expertengruppe ging – methodisch konsequent – vom zwar unwahrscheinlichen, aber denkbar schlimmsten Ausmaß der Epidemie aus, falls man die Dinge einfach laufen ließe: von bis zu 1,2 Millionen Toten. Alle mindernden Abwehrkonzepte werden in dem Papier erörtert und ihre Effizienz gegen die sozialen und ökonomischen Risiken abgewogen. Folgerichtig empfahlen die Experten der Bundesregierung das Südkorea-Modell:
Dort wurden mit minimalen Ausgangsbeschränkungen, vor allem durch effizientes Testen und Isolieren, die verschiedenen Ausbrüche erfolgreich unter Kontrolle gebracht.
Warum klappte das in Deutschland nicht? Warum mussten hierzulande umfassende Ausgangsbeschränkungen verhängt und die rigorose Schließung von Betrieben und Geschäften mit viel Publikumsverkehr verhängt werden – zwar bei Weitem keine so strikte Quarantäne wie in China, aber ausreichend Anlass für Verunsicherung, öffentlichen Streit über Berechtigung, Angemessenheit und Zweckmäßigkeit? Für ins Absurde abgleitende Debatten, bis hin zu abenteuerlichen Spekulationen über Absichten und Ziel dieser Ersatzhandlungen?

Die kaum zu fassende Antwort darauf ergibt sich aus zwei so entscheidenden wie verschnörkelten Sätzen in dem Strategiepapier:
In der jetzigen Phase der Epidemie können wir (hoffentlich) davon ausgehen, dass die Testkapazität sehr schnell hochgefahren werden kann. Davon ausgehend ist es besser, eine sehr scharfe, aber kurze Periode der Ausgangsbeschränkungen zu haben, nur bis die Maßnahmen zu Testen und Isolieren greifen.
Mit anderen Worten: Die Bundesregierung hat wochenlang weitergeschlafen, statt schon Ende Januar die "Testkapazität sehr schnell hochzufahren". Sie konnte dem südkoreanischen Vorbild nicht folgen, weil die deutschen Kapazitäten noch Anfang März erst für 7.000 Tests pro Tag reichten.

Inzwischen sind sie zwar auf knapp 100.000 ausgebaut worden, geplant ist eine Verdopplung. Eine Rechnung ohne den Wirt. "Staatsvirologe" Christian Drosten ließ am 7. April wissen, dieses Ziel sei nicht erreichbar, es stünden "bestimmte Reagenzien" für die Testkits nicht zur Verfügung. Im Skat würde man dem Mitspieler Spahn sagen: Hosen runter.

Die Regierung sah sich gezwungen, die verplemperte Zeit aufzuholen. Eine rasante Ausbreitung der Infektion war nur noch mit massiven Ausgangssperren und Kontaktverboten zu bremsen. Gute Vorbereitung und sofortiges Handeln wie in Südkorea hätten das wahrscheinlich überflüssig gemacht. Das ganze Gerede drumherum diente dem Zweck, das politische Versagen zu verschleiern. Deshalb sei hier noch einmal daran erinnert, dass Minister Spahn am 22. Januar verkündet hatte:
Falls das Virus in Europa auftaucht, gibt es entsprechende Pläne.
Wichtig sei, schnell herauszufinden, wo sich der Infizierte angesteckt haben könnte, und dann alle Betroffenen rasch zu informieren.
Dazu ist unser Gesundheitssystem in Europa inzwischen in der Lage", sagte Spahn.
Noch Anfang März, Konsequenz der Rat- und Tatenlosigkeit, redeten die Verantwortlichen in Berlin die Gefahren klein, obwohl es schon 8.000 Infizierte in Deutschland gab. Zur Beschwichtigung der aufkommenden großen Unruhe dienten Lügen, Ausreden und Ablenkungsmanöver. Die Massenmedien wurden eingespannt wie üblich, Jens Spahn törnte von einer Pressekonferenz zur nächsten.

Bundeskanzlerin Merkel, ersichtlich ungenügend im Bilde, sagte im März noch voraus, die Ansteckung werde 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung erfassen; sie setzte offenkundig darauf, dass das kontrolliert werden könne und sich parallel eine "Herdenimmunisierung" entwickle. Wusste sie nichts, oder war sie falsch beraten?

Die Nase voll

Aus dem "Geheimdokument" lässt sich schließen, dass Seehofer spätestens Mitte März vom Herumlavieren der Kanzlerin und ihres Gesundheitsministers die Nase voll hatte: Die Bevölkerung müsse jetzt mittels äußerster Dramatisierung zu der Einsicht gedrängt werden, dass es zum rigorosen Regierungshandeln "keine Alternative" mehr gebe.

Aussichtslos die Hoffnung, man könne nach kurzer Allgemein-Quarantäne zu den in Südkorea erprobten Methoden übergehen und Deutschland aus der Malaise führen. Virologe Drosten am 23. März:
Die in Südkorea vorhandene Personaldecke ist in Deutschland nicht vorhanden.
In die Scheinwelt des Gesundheitsministers drang er damit augenscheinlich nicht vor. Der tönte noch am 26. März auf einer Bundespressekonferenz von der Nützlichkeit des Südkorea-"Trackings", von der Auswertung von Handydaten zur Ermittlung von Bewegungsprofilen und Kontaktpersonen Infizierter sowie von über 500.000 bereits durchgeführten Testungen bei uns – hierzulande also alles paletti ...

Die laut dem Autor und Verleger Egon W. Kreutzer "unfähigste Regierung seit 1949" inszenierte sich, wie wir sie kennen: verstrickt in Widersprüchen, mit fehlender Transparenz und mit Durcheinandergerede ihrer Minister sowie deren Spitzenbeauftragten. Dazwischen zwei Ansprachen der Kanzlerin im Gestus der omnipotenten Mutti der Nation.

Und die Tagesschau? Der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatte das Strategiepapier des Innenministers entdeckt. ARD-aktuell berichtete darüber kurz und indifferent in ihren Fernsehnachrichten, ausführlicher auf tagesschau.de. Die Redaktion ließ aber offen, wie die Studie des Innenministeriums politisch einzuschätzen und zu interpretieren sei: Erklären, aufklären, sichtbar machen, dass da ein politischer Offenbarungseid geleistet worden war? Fehlanzeige. Stattdessen der für Staatsfunker typische Verlautbarungsjournalismus unter Beachtung des Interesses der Bundesregierung.

Wann endet der Albtraum? Die Kanzlerin hat auch auf ihrer Pressekonferenz am 6. April abgelehnt, die Regierungsstrategie offenzulegen. Fragen nach den Kriterien, nach Gestalt und Termin eines Exits aus dem Anti-Pandemie-Regime wich sie aus oder lehnte eine Antwort ab. Das weitere Vorgehen hänge "von der Entwicklung der Infektionszahlen" ab.

Von der Kanzlerin muss man erwarten, dass sie konkrete Vorstellungen über die Beendigung des Ausnahmezustands hat, über die Rückführung in den Normalzustand. Merkels sture Heimlichtuerei und ihr Herumdrucksen strapazieren das Verständnis einer wachsenden Zahl von Bürgern.

Die Schickeria

Derweil zeigen die Spitzen von Politik und Gesellschaft bedrückenden Mangel an Solidarbewusstsein im Hinblick auf den Alltag von Millionen armer Menschen, auf das Leben der "Hartzer", Armutsrentner, Behinderten, Tafelbesucher und anderen "Prekären": keine Reisen, kein Shoppen nach Lust und Laune, keine Soireen, keine "angesagten" Restaurants, keine Besuche in Opernhäusern und Bordellen, kein üblicher gesellschaftlicher Luxus – kurzum, den Verzicht auf ihre Dolce Vita wollten sich mehr und mehr "Bessergestellte" schon nach 14 Tagen nicht länger zumuten lassen.

Als das schändliche Hartz-IV-Regime verfügt und Millionen sozial Schwachen die Würde und sogar die bescheidensten Altersrücklagen genommen wurden, war das dieser Schickeria egal. Jetzt plärren die Betuchten und pochen auf ihre "Grundrechte".

Bekannte Fürsprecher dieser Linie gibt es zuhauf. Der Ökonom Thomas Straubhaar setzt auf "kontrollierte Infizierung", Selektion und "Schutz" der Risikogruppe. Wie das mit 30 Millionen Schutzbedürftigen gehen soll, lässt er freilich offen. Boris Palmer, Tübinger Oberbürgermeister und Aushängeschild der Grünen, assistiert:
Menschen, die über 65 Jahre alt sind, und Risikogruppen werden aus dem Alltag herausgenommen.
Die ehemalige Verfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff sagte dazu:
Ich denke, es wird über kurz oder lang darauf hinauslaufen müssen, dass die einschneidenden Restriktionen sich auf Ruheständler und andere spezielle Risikogruppen konzentrieren.
Falls die Bundesregierung bezweckt hatte, die Bevölkerung von Restbeständen ethischer Grundsätze zu befreien, so kann sie erste Erfolge verbuchen. Auch die Tagesschau gibt sich als Podium dafür her.

Absolut Unvergleichbares wird in diesem "Diskurs" bedenkenlos gegeneinander abgewogen: zuallererst das Grundrecht auf Leben und Gesundheit gegen das Grundrecht auf Eigentum. Natürlich ohne jeden Gedanken daran, den Geldadel bezahlen zu lassen, ihn zur Entlastung der Armen und sozial Isolierten heranzuziehen – obwohl er über Netto-Geldvermögen von mindestens 6 Billionen Euro verfügt, die sich auf fiskalische Präferenzen stützen, wie sie dem "kleinen Mann" niemals zuteil werden.

Die Bundesregierung verfügt über alle medialen und exekutiven Machtmittel zur Manipulation der Massen und wendet sie längst an. Auch jetzt, wie der Inhalt der Seehofer-Studie und der Umgang mit derselben zeigen. Nach dem Abflauen der COVID-19-Pandemie müssen diese Offenbarung regierender Unfähigkeit und deren bleibende Schäden wieder auf den Tisch kommen.
Quelle:  RT-Deutsch

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Das Autoren-Team:

Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.

Volker Bräutigam, Jahrgang 1941, Redakteur. 1975 bis 1996 Mitarbeiter des NDR, zunächst in der Tagesschau, von 1992 an in der Kulturredaktion für N3. Danach Lehrauftrag an der Fu-Jen-Universität in Taipeh.

Anmerkung der Autoren:

Unsere Beiträge stehen zur freien Verfügung,nichtkommerzielle Zwecke der Veröffentlichung vorausgesetzt. Wir schreiben nicht für Honorar, sondern gegen die "mediale Massenverblödung" (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden vom Verein "Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtlicher Medien e.V." dokumentiert: https://publikumskonferenz.de/blog