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Freitag, 19. Februar 2016

Erklärung der Kampagne Stopp Ramstein

Thema: Ramstein Aktionen

Erklärung zur Vorbereitung der Ramstein Aktionen

Am 15.02. tagte in Frankfurt a.M., der Organisationsausschuss Ramstein 2016. Nach einer intensiven Diskussion wurde einheitlich der folgende Beschluss gefasst.

Erklärung:

Die Welt ist aus den Fugen. Millionen Menschen fliehen vor Krieg und Verfolgung, wirtschaftlicher Ausbeutung und Perspektivlosigkeit.  Der Teufelskreis von Krieg, Terror und Flucht muss unterbunden werden. Das erfordert eine Politik des Friedens und der Abrüstung, der Solidarität und der friedlichen Lösung internationaler Konflikte. Eine andere Politik erfordert Informationen und Aktionen, erfordert eine starke und handlungsfähige Friedensbewegung, die, wie u.a. in den achtziger Jahren, Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen kann.

Die Friedensbewegung war und ist vielfältig. Sie agiert in unterschiedlichen Formen aus unterschiedlichen Anlässen. Gleichmacherei ist den friedensbewegten Menschen fremd. Das Verständnis untereinander und füreinander ist prägend.

Die Vielfalt endet dort, wo wesentliche Ziele der Friedensbewegung, wie Abrüstung, friedliche Konfliktlösung, Solidarität sowie Ablehnung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, missachtet oder missbraucht werden. Versuche, die Friedensbewegung zu spalten, sind zurückzuweisen. Montagsdemonstranten sind an ihrer Haltung vor Ort zu messen und nicht an dem, was sie tun oder lassen könnten. Niemand wird sich zu einer gesinnungspolitischen Überprüfung hingeben wollen. Aber Menschen und Gruppen, die den Zielen der Friedensbewegung entgegenstehen, sollten nicht zum Mitmachen eingeladen werden.

Es gibt eine lebendige, vielfältige Friedensbewegung. Eine Aufspaltung in alte und neue Friedensbewegung ist falsch und trägt nicht zum Verständnis füreinander bei. Während der gesamten Nachkriegszeit wurde der Parlamentarismus durch friedensbewegte Menschen mal mehr oder weniger wirksam kritisch begleitet. Die Wirkung war dann größer, wenn Menschen aus Organisationen wie  Gewerkschaften und Kirchen mitmachten. Das setzt voraus, dass die jeweiligen Ziele klar sind und in einigender Absicht formuliert werden.

Gemeinsame Friedensaktivitäten setzen eine breite basisorientierte Vorbereitung und Durchführung voraus. Das mag manchmal zeitraubend sein, ist aber unerlässlich. Zahlreiche und zusätzliche Motivation sind positive Ergebnisse.
Die Friedensbewegung hat keine Führungszirkel, wohl aber intensive Diskussionen, Absprachen, offene Gespräche und handlungsorientierte Planungen.

Die gemeinsamen Diskussionen, auch mit den Kritikern, sollte fortgesetzt werden, mit dem Ziel eines verstärkten gemeinsamen Handelns.

Weitere Aktionen:

Die Vorbereitungsaktionen werden mit der Veranstaltung „Die Air Base Ramstein“ in Kaiserslautern am 29.02.2016 fortgesetzt. Das Programm und weitere Informationen auf der Webseite: www.ramstein-kampagne.eu.
Geplant ist des Weiteren ein „Runder Tisch Konversion“ am 10.05. in Kaiserslautern u.a. mit Roland Vogt und Horst Schmitthenner.
Die Route der Menschenkette kann auf der Webseite eingesehen werden. Mit viel Kreativität und Engagement werden ab jetzt TeilnehmerInnen für die verschiedenen Abschnitte der Strecke geworben. Genaue Informationen auf der Webseite www.ramstein-kampagne.eu/menschenkette-2016/.
Vereinbart wurde, angesichts der Vielfalt der Vorbereitungsaktivitäten und der Notwendigkeit eine basisorientiert Vorbereitung zu gewährleisten, den Organisationsauschuss zur Vorbereitung zu erweitern.

Dem Ausschuss gehören jetzt an:

  • Roland Blach, Stuttgart
  • Connie Burkert-Schmitz, Kaiserslautern
  • Reiner Braun, Berlin
  • Klaus Hartmann, Frankfurt
  • Bruno Kramm, Berlin
  • Anne Kowalke, Berlin
  • Ekkehard Lentz, Bremen
  • Pascal Luig, Berlin
  • Jürgen Lutterkordt, Dortmund
  • Karl-Heinz Peil, Frankfurt
  • Hannelore Philippi, Saarbrücken
  • Elsa Rassbach, Berlin
  • Pedram Shahyar, Berlin
  • Johanna Pfeffer, München
  • Konni Schmidt, Kaiserslautern
  • Horst Trapp, Frankfurt
  • Renate Wanie, Heidelberg
  • Roland Vogt, Pirmasens
  • Gunda Weidmüller, Hamburg

Berlin/Frankfurt, den 16.02.2016
Organisationsausschuss Kampagne Stopp Ramstein

Aktionsbüro Ramstein-Kampagne
Marienstraße 19/20
10117 Berlin
Tel.: 030 20 65 48 57
Fax: 030 31 99 66 89
info@ramstein-kampagne.eu
www.ramstein-kampagne.eu

Dienstag, 15. Dezember 2015

Ein Syrer erzählt seine Fluchtgeschichte

Thema: Syrien

Ein Flüchtling, der eigentlich ein Reisender war
"Krieg ...? Wir wurden von Euch eingeladen!"

Der Zufall bringt manchmal die interessantesten Geschichten zum Vorschein. Ein junger Syrer aus Damaskus schildert einem Reporter seine Gründe zur Flucht, oder besser, zur Reise nach Deutschland. Heraus kam: Er fühlte sich schon vor über einem Jahr durch die Bundesregierung eingeladen ...

Ein Reporter der "Huffingtonpost" traf zufällig einen jungen Syrer an der Supermarktkasse. Da die Verkäuferin nicht ausreichend Englisch verstand, konnte sie die Fragen des jungen Mannes hinsichtlich Handy-Karten nicht beantworten. Der Reporter, Ramin Paymani, half aus und kam mit dem Migranten ins Gespräch über seine Ausreisemotive – und er erlebte sein blaues Wunder. Nur ein Einzelfall?

Ein Gespräch mit erstaunlichen Wendungen

Nach einem freundlichen Einstieg über das "Woher?" und "Seit wann?", ging das Gespräch mit dem Syrer, der ein Jahr lang im Gießener Asylheim lebte, dieses nach seiner Anerkennung verlassen musste und nun bei Freunden wohnt, näher auf die Hintergründe seiner "Flucht" ein.

Seine Mutter lebe in Amerika, sein Vater sei schon lange tot und die Schwester ist noch in Syrien. Eine Flucht? Nein, keiner von ihnen musste fliehen. Das Assad-Regime sei zwar grausam und ungerecht, aber man könne durchaus in Syrien leben, wenn man sich nicht mit ihnen anlege. Auch der IS war für diesen Syrer, der aus Damaskus kam, wie die meisten seiner Landsleute im Camp, kein Problem. Der IS sei eher in Richtung Irak zu finden, so der Syrer.

An dieser Stelle kommt Ramin Paymani zu einer entscheidenden Frage:

"Willst Du damit sagen, die meisten Syrer fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung?"

Die Antwort des jungen Mannes ist genauso verblüffend, wie der wahre Grund seiner Reise nach Deutschland. "Ja. Meine Freunde und ich sind gegangen, weil wir nicht zur Armee wollten. Und weil es eben in Europa leichter ist, einen guten Beruf zu bekommen und Geld zu verdienen." Nun, vielleicht ist ja das Assad-Regime schlimmer geworden, was den ansteigenden Flüchtlingsstrom ausgelöst haben könnte, so die nächste Frage. Doch Fehlanzeige.

"Nein. Er ist ja schon einige Jahre an der Macht. Er ist grausam und lässt Regime-Gegner umbringen, aber meine Familie und ich hat das nicht betroffen. Auch nicht meine Freunde", erläutert der junge Mann und kommt sogleich zum wahren und fast unglaublichen Grund: "Im Sommer haben wir im Internet gesehen, dass Deutschland Menschen sucht, die dort leben wollen. Wir wurden von Euch eingeladen, hier her zu kommen. Und es hieß, der Staat würde für uns sorgen und wir würden hier eine Arbeit finden. Aber ich finde keine."

Aus dem "Flüchtling" wird ein "Reisender"

Der syrische "Reisende" kam über die Türkei, wo er einige Zeit gelebt hatte, nachdem die Mutter zu Verwandten in die USA ausgewandert sei. Er wäre auch dorthin gegangen, habe aber kein Visum bekommen, trotz der Green Card der Mutter. Der Reporter fragt nochmal ungläubig nach, ob er wenigstens in die Türkei wegen des Krieges geflohen sei. Jetzt reicht es dem jungen Mann, er lacht. "Nein", er sei mit Freunden dorthin, weil sie dachten, dort Arbeit zu finden. Aber in der Türkei habe es ihnen nicht gefallen.

Nun mag man denken, es gibt doch tatsächlich Krieg in Syrien. Das stimmt. Aber damit leben die Menschen dort. Die Bomben, der Krieg - das gehöre zu ihrem Leben, keiner wäre deswegen aus Syrien weggegangen, zumindest keiner, den er kenne. Zwei Wochen habe er in die Türkei gebraucht. Er wollte nach Deutschland, weil man da bleiben kann. Ramin Peymani zweifelt immer noch ein wenig: "Ist Deine Geschichte typisch für die Menschen, die aus Syrien weggehen?"

Dann antwortete der junge Syrer, dessen Geschichte vielleicht manchem nicht repräsentativ genug sein mag, jedoch aus erster Hand stammt: "Ich denke, die meisten gehen aus demselben Grund wie ich. Alles Männer in meinem Alter, die eben woanders besser leben wollen. Auf der Bootsüberfahrt nach Griechenland saß eine Frau mit einem Kind mit im Boot. Das war etwas besonderes für uns. Aber keiner hat sie angefasst, da hat einer der Männer aufgepasst. In Gießen habe ich dann einige Familien getroffen, aber die kamen wie ich aus Damaskus und sind nach Deutschland gekommen, weil man hier besser leben kann." (sm)

Mit freundlicher Genehmigung von Epoch Times