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Dienstag, 28. November 2017

Agrarminister Schmidt zu Glyphosat: Einfach mal Ja sagen

Thema: Glyphosat

Glyphosat
Einfach mal Ja sagen

Enthaltung bei Dissens - über diesen Grundsatz hat sich Agrarminister Schmidt hinweggesetzt. Die Stimmen seiner Vertreter sorgten in Brüssel mit dafür, dass die Zulassung von Glyphosat um fünf Jahre verlängert wird. Umweltministerin Hendricks fühlt sich getäuscht.
Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Es ist eine echte Überraschung: 18 der 28 EU-Länder haben in Brüssel dafür gestimmt, dass die Zulassung für den umstrittenen Unkrautvernichter verlängert wird. Bei allen bisherigen Abstimmungen war keine ausreichende Mehrheit zustande gekommen.

Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling spricht von einem "echten Skandal". In den kommenden fünf Jahren wird es keinerlei Einschränkungen für die Verwendung von Glyphosat geben, beschwert sich Häusling, der selbst Landwirt ist.

Glyphosat könne mithin in der Vorernte verwendet werden, direkt vor dem Dreschen des Getreides. "Jeder Laie" könne sich das Herbizid im Baumarkt weiter kaufen. Dass die EU-Staaten sich nicht einmal zu sinnvollen Einschränkungen durchgerungen hätten, schimpfte Häusling, "das kann ich nun überhaupt nicht verstehen".

Minister gegen Ministerin

Dass die Mehrheitsentscheidung zustande kam, lag offenbar auch daran, dass Deutschland - anders als bislang - für die Zulassungsverlängerung von Glyphosat stimmte. Bei einer Abstimmung vor gut zwei Wochen hatte sich die Bundesregierung noch enthalten. Grund waren gegensätzliche Haltungen der zuständigen Ministerien: Das CSU-geführte Agrarministerium war für die Zulassung, das SPD-Umweltministerium dagegen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks teilte schriftlich mit, dass die Zustimmung zu Glyphosat nicht abgestimmt gewesen sei. In einer Presseerklärung heißt es, genau zwei Stunden vor Beginn der Sitzung des Berufungsausschusses habe Hendricks gegenüber Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt telefonisch eindeutig erklärt, dass sie mit einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat weiterhin nicht einverstanden sei - auch nicht unter bestimmten Konditionen.

SMS so, Weisung so

Es sei daher klar gewesen, dass Deutschland sich enthalten musste - so Hendricks. Gegen Mittag habe ihr Schmidt per SMS bestätigt, dass der Dissens bestehen bleibe. Offenbar erging zur gleichen Zeit an den Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Brüssel eine andere Weisung als die abgestimmte. Jeder, der an Vertrauensbildung zwischen Gesprächspartnern interessiert sei, könne sich so nicht verhalten, schreibt Hendricks verärgert.

Minister Schmidt verteidigte die deutsche Entscheidung für eine Verlängerung. Man habe wichtige Verbesserungen für die Artenvielfalt und den Tierschutz durchsetzen können, sagte er einem Interview mit der "Rheinischen Post".

Der Grüne Häusling kann darüber ein solches Vorgehen nur den Kopf schütteln. Er will zudem wissen, ob Schmidt eine "einsame Entscheidung" getroffen oder Bundeskanzlerin Angela Merkel das "durchgewunken" habe. Die Frage müsse man jetzt in Richtung Berlin stellen.

Quelle: Tagesschau.de

Kommentare

Hepheistos
Hurra, jetzt wissen wir ja, wem wir zukünftig unsere Krankheiten mit zu verdanken haben. Da weiß man ja auch, warum es so wichtig ist dass man über die mittelalterlichen Bestrafungen längst hinweg ist, da wurden nämlich die Brunnenvergifter ersäuft oder auch mal verbrannt. So etwas undemokratisches, unvorstellbar, ne?

pnyx
Eventuell muss man diesen Vorgang als CSU-Querschuss gegen die GroKo, bzw. gegen Merkel sehen. Jedenfalls ein unerträglicher Vorgang, sowohl formal als auch inhaltlich.

Offenbacher
Große Koalition platzen lassen Die SPD sollte die Gespräche mit der CDU über eine mögliche große Koalition nach diesem Vertrauensbruch sofort abbrechen.

collie4711
Es war ein Vertrauensbruch Das spricht gegen eine große Koalition.
Ein Minister der derzeitigen großen Koalition Koalition hat sich gegen eine Ministerin der derzeitigen großen Koalition durchgesetzt.
Wo sollte da eine Vertrauensbasis sein?

dareon09240
So Herr Schmidt jetzt kann man Ihnen herzlich ein Mahl aus Glyphosat-Behandelten-Pflanzen servieren. Mal sehen ob's Ihnen schmeckt und ob Sie es überhaupt anfassen würden...
Sagen Sie Mal, wie viel hat Bayer bezahlt? Wollen Sie nicht sagen? Macht's nicht, wir alle wissen's.

karwandler
Da hat die SPD ja schon ein Argument gegen die GroKo: keine Zusammenarbeit mit der CSU möglich.

theoretisch
Strafanzeige
Wie kann man noch gleich Strafanzeige wegen Gesundheitsgefährdung der Menschen, Umweltverseuchung, Vernichtung von Bienen und anderen Insekten und noch vieles mehr gegen einen Bundesminister stellen? Wenn ich es herausgefunden habe, mache ich es.
Geht das auch gegen Behörden oder muss ich jeden einzelnen Behördenmitarbeiter benennen (Bundesministerium für Risikobewertung)?

tagtest
Schmidt untragbar als Minister
Es ist völlig klar, dass Schmidt als Minister ausgedient hat. Der Mann ist sowohl in Bezug auf Vertrauensbildung als auch in Bezug auf Ökologie absolut unhaltbar.

Rumpelstilz
Solltes es nachweisliche Schäden in Natur und Kultur durch den Glypho-Einsatz geben, sollte man der CSU vielleicht einfach mal 20-30% der entstehenden Schadenersatzleistungen zulasten der Parteikasse zuordnen, den Rest trägt ja die "Bauernschaft", die Konzerne werde sich raus zu halten wissen. Leider passiert so etwas nie. Wenn ab und an mal ernsthaft Beträge im 2-Stelligen Mrd. Bereich eingetrieben würden, würden solche Dinge seltener vorkommen. Schon der Versuch, der natürlichen Artenvielfalt entgegen zu wi
rken sollte deutlich mehr kosten als nur 2 Stellige Summen dieser Höhe.

RoyalTramp
Wow! Selbst auf EU-Ebene macht die CSU nur eines: Politik für Bayern! Es wird zunehmend klar: Bayern passt schlicht ergreifend nicht mehr in diesen Staatenbund, denn eigene Interessen werden über das Wohl der Gesamtbevölkerung gestellt.

Witzlos2016
CDU/CSU Vertrauensbruch
Müssen das Landwirtschaftsministerium und Finanzministerium abgeben. Nur dann kann die Groko funktionieren.

Gnom
Wofür braucht die Union überhaupt eine Koalition?
Sie macht ja ohne Absprache doch was sie will! Es gilt jetzt wirklich abzuklären, ob das ein Alleingang des Landwirtschaftsministeriums war, oder eine Weisung aus München oder Berlin kam. Jedenfalls ein unmöglicher Vorgang!
Und es wirft einen schwarzen Schatten auf mögliche Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD, denn die wollte man laut Frau Merkel ja "redlich" führen.

Nordost
Ich bin einfach nur maßlos enttäuscht von unseren Politikern. Auch wenn ich die CDU glückerlicherweise nicht gewählt habe, weil sie in meinen Augen eine Lobby Politik verfolgt, bestätigt dieses Vorgehen wieder einmal meine Vorbehalte zu dieser Partei.
Sollte es sich um eine einsame Entscheidung von Herrn Schmidt handeln, müsste diese Zustimmung eigentlich zurückgenommen werden. Doch wie ich Frau Merkel kenne ist es sicher auch in ihrem Sinne, wenn Unternehmen wie Monsanto zufriedengestellt werden.

rimitino
JA NEIN JA NEIN.....
Es gibt zwei oder mehrere "Wissenschaftliche Gutachten" über dieses Mittel, die aussagen, dass es Krebserregend sein kann oder ist, dass es völlig unschädlich ist und dem Wachstum förderlich ist und der Gesundheit nicht schadet!
Streng wissenschaftlich betrachtet, ein Unding! Man stelle sich so eine Wissenschaft in der Raumfahrt vor, in der Physik oder Ing. Wissenschaft!
Und was die Entscheidungsträger im Grenzfall angeht, eine zweites Unding! Eine Kommission entscheidet im Grenzfall!
Hier handelt es sich um Milliarden von Milliarden, Krebstote Kinder und Alte interessieren die Börse dabei nicht! Wo ist die Regierung der BRD? Wo ist sie?

Dienstag, 17. Mai 2016

Glyphosat - ein unverzichtbares Gift? Es schafft nur Probleme...!

Kommende Woche soll entschieden werden, ob das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat in Europa weiter verwendet werden darf. Die Befürworter hoffen auf ein Ja, denn ein Verbot würde besonders die Bauern treffen - so das Argument. Ist Glyphosat wirklich so unverzichtbar?

Wo Glyphosat hinfällt, wächst kein Gras mehr. Das Totalherbizid tötet sämtliche Pflanzen. In Europa werden Anbauflächen vor allem im Frühling - vor dem Austrieb - damit behandelt. Landwirte müssen die sogenannten Unkräuter nicht mehr mechanisch entfernen. Das spart Zeit und Kosten. Positiver Nebeneffekt: Die Böden erodieren weniger und bleiben fruchtbarer, wie Stefan Kocher von der Monsanto Agrar Deutschland den Nutzen beschreibt: „Mit Glyphosat kann man Ackerflächen bodenschonend bewirtschaften.“

Sendungshinweise

Dem Thema Glyphosat widmet sich auch das Ö1 Dimensionen Magazin am Fr, 13.5., 19:00
Ein Beitrag in heute konkret am 12.5., um 18:30 widmet sich ebenfalls Glyphosat
Eingeführt wurde das - mit den Worten des deutschen Produktmanagers bodenschonende - Pflanzenschutzmittel Anfang der 1970er Jahre unter dem Markennamen Roundup. Heute ist der Wirkstoff - eine Organophosphorverbindung - in hunderten Produkten enthalten. Schon in den 1980er Jahren wurde es zu einem der meist verkauften Herbizide.

Siegeszug durch Gentechnik

Einen zweiten Wachstumsschub verdankt das Mittel der Gentechnik: Manche Kulturpflanzen - allen voran Mais und Soja - wurden so modifiziert, dass sie gegen das Herbizid resistent sind. Ab sofort konnte man es jederzeit anwenden, ohne dass die Ernte selbst darunter leidet.
Der Einsatz von Glyphosat ist dadurch förmlich explodiert. Seit der Markteinführung hat er sich verhundertfacht. 74 Prozent des jemals produzierten Wirkstoffs wurden allein in den letzten zehn Jahren verbraucht, wie eine Studie aus dem Februar 2016 ausgerechnet hat.
Insgesamt wurden seit den 1970er Jahren mehr als acht Millionen Tonnen Glyphosat verbraucht, in der Landwirtschaft, in Kleingärten und um Unkraut von öffentlichen Flächen zu entfernen, pro Jahr sind es Hundertausende Tonnen, in Österreich einige hundert.

Michael Hauser/Boku Wien

2002: Schulkinder in Uganda lernen, wie notwendig Roundup/Glyphosat ist
Gerade der enorme globale Umsatz sei ein wesentlicher Beweggrund dafür, den Wirkstoff auch am europäischen Markt zu halten, erklärt Helmut Burtscher von der österreichischen Umweltorganisation GLOBAL 2000: „Wenn man es verbietet, dann muss man die erlaubten Grenzwerte in Lebensmitteln runtersetzen. Dann darf man auch keine Produkte mit Rückständen importieren.“
Und das sind einige, sie kommen vor allem aus Südamerika und aus den USA, wo Gentechnik in der Landwirtschaft und somit das Herbizid Standard sind. D.h., in Österreich selbst sind gentechnische Methoden zwar verboten, dennoch landen die direkt mit Glyphosat behandelten Kulturpflanzen mitunter auf unseren Tellern oder zumindest im Futternapf unserer Nutztiere.

Eigentlich verboten

Auch eine andere weltweit übliche Methode ist hierzulande eigentlich verboten, wie Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter bei einer Pressekonferenz im April betont hat: „Wir haben in Österreich bereits das Verbot der Erntegutbehandlung.“ Bei dieser Erntegutbehandlung wird Glyphosat kurz vor der Ernte direkt auf die Kulturpflanzen gespritzt. Das Totspritzen - wie manche den Vorgang bezeichnen - erleichtert die Ernte, da Pflanzen (Kulturpflanzen und „Unkraut“) gleichmäßig absterben und das überflüssige Blattwerk schneller abfällt.

AFP PHOTO/ROMEO GACAD
Glyphosat wird zur Reifebeschleunigung direkt auf Nutzpflanzen gesprüht
Weniger bekannt: Manche Erntegutbehandlungen bzw. Spätanwendungen sind auch in Österreich erlaubt - dafür muss man allerdings das Kleingedruckte lesen. Durchsucht man das Online-Register für Pflanzenschutzmittel der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit nach glyphosathältigen Produkten, sind einige auch für die Anwendung kurz vor der Ernte empfohlen, etwa um - wie es heißt „Unkrautdurchwuchs und Zwiewuchs zur Ernteerleichterung“ zu bekämpfen.
Diese Praxis und den enormen Verbrauch kann man mittlerweile in den steigenden Rückständen sehen: Glyphosat findet sich in Getreide, Brot, Bier und vielen anderen Produkten. So landet es letztlich auch im menschlichen Körper.

Unerwartete Nebenwirkungen

Trotz der messbaren steigenden Rückstände könnte man sagen: Wo liegt das Problem? Denn das Herbizid tötet ja lediglich Pflanzen. Für Nichtzielorganismen, also Tiere und Menschen, sollte es unbedenklich sein. Glyphosat blockiert nämlich einen zentralen Stoffwechselprozess in pflanzlichen Zellen: die Pflanzen verhungern.

In tierischen Organismen kommt das entsprechende Enzym gar nicht vor, wie der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien erklärt. Erst lange nach Markteinführung habe man auch an tierischen wie menschlichen Zellen Schäden beobachtet. Am Menschen selbst gebe es wenige Studien, so Hutter.

In den wenigen, die es gibt, und in Untersuchungen an Mäusen sowie Nutztieren finden sich aber Hinweise auf eine Schädlichkeit. Der Wirkstoff könnte unter anderem das Fortpflanzungs-, das Herz-Kreislauf- sowie das Nervensystem beeinträchtigen, besonders gefährdet sind die landwirtschaftlichen Arbeiter. Verschärft wird das Problem durch die in den meisten Produkten verwendeten Beistoffe.

Expertenstreit?

Rund um die Studien zu Glyphosat bzw. deren Auslegung ist im vergangenen Jahr ein Streit entbrannt, nachdem Experten der Internationalen Krebsforschungsagentur der WHO Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft hatte. Das gerade laufende Neuzulassungsverfahren in Europa verzögerte sich, die alte läuft im Juni 2016 ab. Dennoch folgte im November 2015 eine positive Stellungnahme seitens der Europäischen Behörde für Ernährungssicherheit (EFSA), bei sachgerechter Anwendung sei mit keinem Gesundheitsrisiko zu rechnen.

Gegen die Empfehlung formierte sich internationaler Protest , die Einschätzung sei wissenschaftlich inakzeptabel. Stein des Anstoßes: die unterschiedliche Interpretation einer Handvoll Studien an Mäusen. Auch epidemiologische Untersuchungen an Menschen seien systematisch falsch ausgelegt worden, kritisierten andere Experten.

Im März dieses Jahres vertagte das für die Neuzulassung zuständige Expertengremium die Entscheidung auf Mitte Mai. Wenn es vor dem 1. Juli in Europa nicht mehr dazu kommt, rechnet Monsanto-Produktmanager Stefan Kocher aber mit einer temporären Verlängerung der Zulassung, im Sinn der Landwirte.

Wie abhängig sind Bauern?

Generell sind die Pflanzenschutzmittelerzeuger zuversichtlich, dass der Wirkstoff dem europäischen Markt erhalten bleibt. Die Bauern seien darauf angewiesen. Einer davon ist Edmund Rauchberger, Juniorbauer in Aspersdorf im Weinviertel. Auf den 80 Hektar Familienbetriebs wachsen vor allem Erdäpfel, außerdem Zuckerrüben, Getreide und Mais.

Glyphosathältige Produkte sind auch für den Kleingartenbereich zugelassen. Dennoch haben sich einige Anbieter in den letzten Monaten entschlossen, diese Unkrautvernichtungsmittel aus dem Sortiment zu nehmen, z.B. OBI, Bauhaus und Baumax.

Standardmäßig setzt er auf mechanischen Pflanzenschutz. Dabei wird das Feld entweder komplett umgepflügt oder mit einem Grubber bearbeitet, der den Boden lockert und die Schichten vermischt.

Man müsse fast für jedes Feld entscheiden, was sinnvoll ist - es hänge von der Lage, der Bodenart, den Beikräutern, der Witterung und der Kulturpflanze selbst ab. Manchmal, z.B. bei sehr empfindlichen Pflanzen wie der Zuckerrübe bzw. bei Feldern in Hanglange, die sehr erosionsgefährdet sind, greift der Erdäpfelbauer selbst zur glyphosathältigen Herbizid-Spritze. Für diese Ausnahmefälle gebe es keine chemische Alternative, sollte das Mittel in der EU tatsächlich verboten werden.

Für die Landwirtin Maria Vogt aus Obersdorf, ebenfalls im Weinviertel, wäre ein Verbot kein Problem. Im Gegenteil: Sie würde es sogar begrüßen, denn sie setzt seit fast 30 Jahren auf Biolandbau. Derzeit muss sie um Gemüsebeete Freistreifen und Blühstreifen anlegen, um nicht versehentlich das Gift vom Nachbar abzubekommen.

Die Wasserknappheit im Weinviertel sei ein Grund, warum viele Weinbauern die an sich harmlosen Kräuter chemisch entfernen. Maria Vogt gelingt das ohne Chemie: Auf den Grünstreifen zwischen den Reben kommt eine Mulchschicht, damit die Feuchtigkeit im Boden bleibt. Die Unkräuter am Fuß jedes Weinstocks entfernen sie und ihr Mann mechanisch, mit einem sogenannten Stockräumgerät.

Industrialisierung als Grundproblem

Das ist natürlich eine mühsamere Prozedur, als einfach mit einem Spritzwagen zwischen den Reben durchzufahren. Glyphosat sei in dieser östlichen Region Österreichs ein größeres Thema als im Westen, so die Landwirtin. Denn im Westen werden vorwiegend Tiere gehalten, im Osten der Acker bestellt. „Außerdem sind die östlichen Betriebe in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Viele Bauern haben aufgehört, die Flächen wurden aufgekauft. Die nötigen Arbeitskräfte fehlen“, erklärt Maria Vogt.

Das Grundproblem liege aber in der Industrialisierung der Landwirtschaft. Dabei sei die reine Wachstumsorientierung für Bauern sogar wirtschaftlich nicht sinnvoll. Wenn man immer mehr produziere, fallen höchstens die Preise. Eine Wiederzulassung von Glyphosat hält sie für ausgemacht, aus einem einfachen Grund: Damit wäre der rote Teppich für Gentechnik und nicht zuletzt für das Transatlantische Freihandelsabkommen ausgelegt.

Bahn verwendet weniger

In der österreichischen Landwirtschaft spielt Glyphosat also schon jetzt maximal eine Nebenrolle, woran vor Kurzem auch Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter erinnerte: Nur auf drei Prozent der Fläche werde es eingesetzt. Der größte Abnehmer sei die Bahn, die damit Bahndämme behandelt, so der Minister.

Die ÖBB entgegnet dazu schriftlich gegenüber science.ORF.at: Laut der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit AGES wurden 2014 in Österreich insgesamt 337,9 Tonnen Glyphosat in den Verkehr gebracht. Die ÖBB haben lediglich 9,48 Tonnen verwendet.
Wir sind auf die Verwendung angewiesen. Wir wenden es nur direkt am Gleis an, nicht auf Bahndämmen. Ein spezieller Spritzzug erkennt Vegetation und sprüht selektiv, anstatt das Mittel großflächig – wie in der Landwirtschaft – aufzubringen. Damit konnten seit 2005 etwa 75 Prozent der ursprünglichen Herbizid-Menge eingespart werden. Wir müssen die Vegetation entfernen, um Entgleisungen zu vermeiden.

Ist das System schuld?

Trotz des geringen Bedarfs in Österreich ist ein Verbot von Glyphosat in Europa nicht sehr wahrscheinlich. Denn solche Pflanzenschutzmittel sind Teil des alles dominierenden globalen Agrarsystems, wie Bernhard Freyer, Leiter des Instituts für ökologischen Landbau an der Universität für Bodenkultur erklärt: „Glyphosat wird meist bei engen Fruchtfolgen - mit nur ein, zwei oder drei Kulturen - eingesetzt. Beikräuter können sich so an die Kulturpflanzen anpassen und tauchen vermehrt auf.“


AFP PHOTO / JEAN-PIERRE MULLER

Gentechnisch modifizierter Mais
Dann müssten Chemikalien ökologische Funktionen übernehmen. Würde nicht nur Weizen, Mais und Zuckerrüben angebaut, könnte man die massenhafte Ausbreitung von Beikräutern auf natürliche Weise einbremsen und gleichzeitig Krankheiten und Schädlinge bekämpfen. „Die vermeintliche Notwendigkeit, Glyphosat in der Landwirtschaft einzusetzen, sollte man ad acta legen. Es schafft nur Probleme, keine Lösungen“, so Freyer.

Auch gentechnisch veränderte Pflanzen hätten nicht gehalten, was man sich davon versprochen hatte. Entstanden seien lediglich riesige Monokulturen. „Diese führen zu einer Explosion der Beikräuter. Es hieß, dass man mit Genmais weniger Herbizide braucht. Passiert ist genau das Gegenteil“, wie der ökologische Agrarwissenschaftler die Entwicklung beschreibt. Er wünscht sich nicht nur ein Verbot von Glyphosat, sondern eine Landwirtschaft, die generell auf abtötende Betriebsmittel verzichtet. Über die Zukunft von Glyphosat in Europa wird der zuständige Fachausschuss kommende Woche, am 18. bzw. 19. Mai., entscheiden.

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http://science.orf.at/m/stories/2773474/

Quelle: Homment.com

Freitag, 25. März 2016

EU-Parlament lehnt Glyphosat-Verlängerung ab - Niederlage für Monsanto

Thema: Politik

Niederlage für Monsanto:
EU-Parlament lehnt Glyphosat-Verlängerung ab

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat die geplante Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat abgelehnt. Folgt das EU-Parlament dem Ausschuss muss die EU-Kommission einen neuen Vorschlag vorlegen. Der Alte sah eine Verlängerung der Zulassung bis 2031 vor.

In einer eindeutigen Abstimmung hat sich der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments am Dienstag gegen den Vorschlag der EU-Kommission, die Zulassung für Glyphosat bis 2013 zu verlängern, ausgesprochen. „Solange weiter ernsthafte Sorgen über die krebserregenden Eigenschaften des Herbizids Glyphosat“, das hundertfach auf Feldern und im öffentlichen wie privaten Bereich angewendet wird, bestehen, „sollte die Europäische Kommission dessen Zulassung nicht erneuern“, so der Umweltausschuss. Das ist eine weiter Niederlage für den Hersteller Monsanto.

Quelle und weiterlesen: Deutsche Wirtschafts Nachrichten