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Donnerstag, 21. November 2019

USA betrachten Israels Siedlungsbau als legal


Die US-Regierung sieht im israelischen Siedlungsbau im Westjordanland keinen Verstoss gegen internationales Recht mehr – und erntet Kritik.

Die US-Regierung vollzieht eine weitere Kehrtwende in der Nahost-Politik - sie sieht im israelischen Siedlungsbau im Westjordanland keinen Verstoss gegen internationales Recht mehr.

US-Aussenminister Mike Pompeo sagte am Montag in Washington, der Bau von israelischen Siedlungen im Westjordanland «ist nicht per se unvereinbar mit internationalem Recht». Es habe den Friedensprozess im Nahen Osten nicht vorangebracht, die Siedlungen für illegal zu erklären. Der Schritt reiht sich ein in eine Serie einseitig proisraelischer Entscheidungen der Regierung von US-Präsident Donald Trump.

Pompeo sagte, die US-Position in dieser Frage habe sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach geändert. Nach eingehender Prüfung der Rechtspositionen sei man zu dem Schluss gekommen, dass es den Friedensprozess nicht vorangebracht habe, die Siedlungen illegal zu nennen. «Es wird niemals eine gerichtliche Lösung des Konflikts geben. Argumente, wer völkerrechtlich Recht hat und wer nicht, bringen keinen Frieden», sagte Pompeo. Möglich sei nur eine politische Lösung.

Lob von Netanyahu, Schelte von Palästinensern

Israel begrüsste den Kurswechsel. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sprach von der Korrektur einer «historischen Fehlentscheidung». Die Palästinenserführung warf Israel dagegen vor, mit den Siedlungen palästinensisches Land zu stehlen und das Recht auf Bewegungsfreiheit der Palästinenser einzuschränken. Nabil Abu Rudeineh, Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, sagte, die US-Regierung trage «die volle Verantwortung für jegliche Auswirkungen dieses gefährlichen Schritts».

Die US-Botschaft in Jerusalem rief US-Bürger zu erhöhter Vorsicht in Jerusalem und den Palästinensergebieten auf. Regierungsmitarbeitern wurden Reisen ins gesamte Westjordanland und Besuche in der Jerusalemer Altstadt sowie ihrer direkten Umgebung untersagt.

Die EU wird sich dem US-Kurswechsel in der Nahost-Politik nicht anschliessen. «Die Position der Europäischen Union zur israelischen Siedlungspolitik in den besetzten Palästinensergebieten ist klar und bleibt unverändert», teilte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini am Abend in Brüssel mit. Die EU rufe Israel auf, sämtliche Siedlungsaktivitäten im Einklang mit seinen internationalen Verpflichtungen als Besatzungsmacht zu unterbinden.

Israel hatte 1967 während des Sechstagekriegs unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute mehr als 600'000 israelische Siedler in mehr als 200 Siedlungen. Die Palästinenser sehen beide Gebiete als Teil eines künftigen unabhängigen Staates.

Umstrittene Siedlungspolitik

Die Siedlungspolitik Israels ist hoch umstritten. Der Uno-Sicherheitsrat hatte Israel im Dezember 2016 zu einem vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten einschliesslich Ost-Jerusalems aufgefordert. Siedlungen wurden in der Resolution 2334 als Verstoss gegen internationales Recht und als grosses Hindernis für einen Frieden in Nahost bezeichnet. Auch die Amerikaner lehnten die Erweiterung israelischer Siedlungen in diesen Gebieten bislang ab.

Der Siedlungsbau ging jedoch weiter. Israel genehmigte nach Angaben der Friedensorganisation Peace Now allein im Oktober den Bau von 2342 Siedlerwohnungen im besetzten Westjordanland. Seit Jahresbeginn sei der Bau von insgesamt 8337 Wohnungen in israelischen Siedlungen gebilligt worden - deutlich mehr als im Vorjahr.

Mit der rechtlichen Kehrtwende der Amerikaner bekommt Israel nun kraftvolle Unterstützung für die eigene Siedlungspolitik. Die Trump-Regierung hat in den vergangenen Jahren bereits eine ganze Reihe einseitig proisraelischer Entscheidungen getroffen: Sie erkannte den israelischen Anspruch auf die besetzten Golanhöhen ebenso an wie Jerusalem als Israels Hauptstadt. Sie verlegte die US-Botschaft auch dorthin.

Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil der Stadt als Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates. Die Palästinenser werfen der US-Regierung vor, vor allem die Interessen Israels zu vertreten. Deshalb lehnen sie inzwischen den Vereinigten Staaten als Vermittler im Nahost-Konflikt ab.

Politische Krise in Israel

Trumps Regierung setzt sich mit ihrer Nahost-Politik konsequent vom Kurs internationaler Partner ab. Die Entscheidung fällt nun in innenpolitisch besonders bewegte Zeiten für Israel und spielt Netanyahu in die Hände, der schwer unter Druck steht.

Israel steckt in einer politischen Krise: Nachdem Netanyahu nach der Parlamentswahl im September mit dem Versuch scheiterte, eine neue Regierung zu bilden, läuft an diesem Mittwoch die Frist zur Regierungsbildung für Ex-Militärchef Benny Gantz ab. Sollte Gantz ebenfalls scheitern, droht die dritte Wahl innerhalb eines Jahres.

Pompeo beteuerte, der Zeitpunkt der Verkündung habe keinerlei Zusammenhang mit innenpolitischen Vorgängen in Israel. Ausweichend reagierte er auf die Frage, wann die USA ihren seit langem angekündigten Nahost-Friedensplan präsentieren werden. Die Vision der US-Regierung werde vorgestellt, «wenn die Zeit reif ist». Zunächst müsse in Israel der Regierungsbildungsprozess abgeschlossen sein. (sda)

Mit freundlicher Genehmigun von 20min.ch

Donnerstag, 8. August 2013

AVAAZ: Sein Vater wurde weggeschleppt

Email von AVAAZ:

Liebe Freundinnen und Freunde,


Die Bilder des 5-jährigen Khaled, der nach seinem Vater schreit, während die israelischen Sicherheitskräfte ihn wegschleppen, ist nur schwer zu ertragen. Für Palästinenser, die im abgeschotteten Westjordanland unter Militärkontrolle leben, ist das Alltag. Doch nun entsteht dort eine gewaltfreie Bewegung, die unsere Hilfe braucht. Sagen Sie jetzt eine Spende zu, um Anwälte, Kameras und Schulungen zu finanzieren und aus dem gewaltfreien Widerstand vor Ort ein weltweites Anliegen zu machen:
es war die heißeste Woche des Jahres. Fadel Jaber wollte einfach nur ein wenig Wasser für seine Familie haben. Doch Fadel lebt im besetzten Westjordanland. Dort hat die israelische Regierung die Wasserleitungen umgelegt, um Schwimmbecken für Siedler aufzufüllen, während die Wasserhähne für Palästinenser wie Fadel trockenlaufen.

Weil er Wasser holte, wurde Fadel von den israelischen Sicherheitskräften weggeschleppt. Sein 5-jähriger Sohn Khaled war untröstlich und schrie “baba, baba” während sein Vater weggerissen wurde. Für Palästinenser, die unter dem brutalen Kriegsrecht leben, ist dies der Alltag. Die Siedler haben ihnen ihr Land und ihr Wasser genommen und sie haben keine grundlegenden Menschenrechte. Doch nach jahrelanger Gewalt und Hoffnungslosigkeit, entsteht nun eine Bewegung unter den Palästinensern. Mit gewaltfreiem Widerstand wollen sie die Dinge erreichen, die alle Israelis bereits haben: Freiheit, Würde und einen eigenen Staat.

Jahrelang haben die Medien das Augenmerk auf palästinensische Kämpfer gelegt und bis heute rücken Extremisten auf beiden Seiten eine Friedenslösung in weite Ferne. Doch bei all dem Zorn bleiben liebevolle Familien wie die von Fadel auf der Strecke, die einfach nur ein normales Leben führen wollen. Nun melden sich diese Familien zu Wort, organisieren friedliche Demonstrationen und Sitzstreiks und kämpfen gemeinsam mit israelischen Aktivisten für Gerechtigkeit und Freiheit. Daraufhin hat das israelische Militär sie verhaftet, die Organisatoren verprügelt und Kinder aus ihren Betten gezerrt.

Vor ein paar Tagen war ich im Westjordanland, um diese mutigen, friedlichen Menschen zu treffen. Als ich sagte, dass unsere Gemeinschaft ihnen helfen könnte, leuchteten ihre Augen. Sie brauchen Geld für Anwälte, wenn sie unter falschen Anschuldigungen verhaftet werden. Sie brauchen Kameras, um Misshandlungen zu dokumentieren, Schulungen zum Umgang mit verschiedenen Medien und gewaltfreien Methoden und Aktivisten vor Ort, um die örtlichen Proteste in die Welt zu tragen. Diese Familien sind unsere wirkliche Hoffnung. Sagen Sie jetzt eine Spende zu, damit die friedliche Bewegung den Extremisten die Stirn bieten kann und Khaled die Zukunft erhält, die sein Vater ihm wünscht. Avaaz wickelt die Spenden nur dann ab, wenn wir genug erhalten, um wirklich etwas zu bewirken.

https://secure.avaaz.org/de/palestine_rec_de_dn_0125/?bviusbb&v=27729

Die Besetzung besteht schon viel zu lange und die Konfliktlösungen werden schon zu lange von Extremisten auf beiden Seiten gesteuert. Doch heutzutage sind sich die meisten Menschen über einige Dinge einig: Erstens sollten sowohl die Israelis als auch die Palästinenser Anspruch auf einen Staat haben. Zweitens verstößt die Behandlung der Palästinenser in den besetzten Gebieten gegen jeglichen Sinn von Gerechtigkeit -- sei es aus Sicht des Völkerrechts oder unseres gesunden Menschenverstands. Das sagen mittlerweile selbst kompromisslose israelische Sicherheitskräfte, die nicht mehr im Dienst sind!

Doch die derzeitige israelische Regierung verschlimmert die Lage nur noch. Während sie ein Lippenbekenntnis zu Friedensverhandlungen und einer Zweistaatenlösung ablegt, baut sie weitere Siedlungen im Westjordanland und macht damit eine Zweistaatenlösung auf Dauer unmöglich. Und das israelische Militär erlegt den Palästinensern in den besetzten Gebieten völlig andere Gesetze auf als den jüdischen Siedlern, die die Gebiete besetzen. Sogar Kinder werden monatelang inhaftiert.

Diese friedliche Widerstandsbewegung lässt große Hoffnung aufkommen, dass die Ungerechtigkeiten beendet und endlich eine friedliche Lösung gefunden werden kann. So können wir helfen:
  • Lebenswichtigen Rechtsbeistand fördern, um die Anführer der gewaltfreien Bewegung zu unterstützen, damit sie sich gegen erfundene Anklagepunkte und korrupte Militärgerichte wehren können;
  • Experten für zivilen Ungehorsam aus anderen Bewegungen zu Rate ziehen, um Strategien und Taktiken mit anderen Gruppen im Westjordanland auszutauschen;
  • Medienausrüstung und Schulungen für Anführer der Bewegung zur Verfügung stellen, damit sie die Misshandlungen dokumentieren können und der Welt von dieser hoffnungsvollen, inspirierenden Bewegung berichten können;
  • Erstklassige Aktivisten vor Ort einstellen, um die Bewegung permanent zu unterstützen, Aktionen im Westjordanland auszuweiten und gemeinsam mit unserer globalen Gemeinschaft die örtliche Bewegung zu einem weltweiten Anliegen zu machen;
  • Ihre gewaltfreien Aktionen live auf unserer Internetseite übertragen und einen weltweiten Aktionstag organisieren;
Im Laufe unserer Geschichte haben wir gesehen, wie gewaltfreie Bewegungen Menschen auf der ganzen Welt in die Freiheit geführt haben -- sei es Ghandis Bewegung in Indien, Dr. Kings Bewegung in den USA oder Mandelas Bewegung in Südafrika. Wir wissen, dass es funktioniert und in diesem Fall ist es tatsächlich unsere einzige Hoffnung. Geben wir dieser inspirierenden Bewegung die weltweite Solidarität, die sie zum Erfolg benötigt. Machen Sie jetzt eine Spendenzusage -- und tragen wir gemeinsam dazu bei, den Verlauf der Geschichte zu ändern.

https://secure.avaaz.org/de/palestine_rec_de_dn_0125/?bviusbb&v=27729

Die Avaaz-Gemeinschaft hat sich auf der ganzen Welt unermüdlich für Freiheit, Gerechtigkeit und Konfliktlösungen eingesetzt. Die Besetzung der palästinensischen Gebiete durch die israelische Regierung ist heutzutage einer der größten Brennpunkte der Ungerechtigkeit auf der Welt. Doch selbst dort kommt Hoffnung auf. Gemeinsam können wir Teil der Generation sein, die zwei Völkern Freiheit und Frieden beschert -- zwei Völkern, die dies so dringend nötig haben und so oft von Regierungen hintergangen wurden. Zeigen wir, was unsere Gemeinschaft erreichen kann.

Mit Hoffnung und Entschlossenheit,

Alice und der Rest des Avaaz-Teams

WEITERE INFORMATIONEN

Video / Bestürzung eines palästinensischen Jungens über die Festnahme seines Vaters erregt internationales Medieninteresse (Haaretz) (Englisch)
http://www.haaretz.com/news/national/video-palestinian-boy-upset-by-father-s-arrest-garners-international-media-attention-1.306155

Palästina setzt auf Ghandi (Deutschland Radio)
http://wissen.dradio.de/widerstand-palaestina-setzt-auf-ghandi.33.de.html?dram%3Aarticle_id=10577

Westjordanland: Sieden gegen Siedler (Die Zeit)
http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-03/westjordanland-siedlungsbau-dorf-bab-al-karama/seite-2

Israel in Gefahr (New York Review of Books) (Englisch)
http://www.nybooks.com/articles/archives/2012/jun/07/israel-in-peril/

Wasser als Schwerpunkt der Besetzung (Harper’s Magazine) (Englisch)
http://harpers.org/archive/2011/12/drip-jordan/

Fängt hier die dritte Intifada an? (New York Times) (Englisch)
http://www.nytimes.com/2013/03/17/magazine/is-this-where-the-third-intifada-will-start.html?ref=magazine&pagewanted=all&_r=0

Der gewaltlose Widerstand im Westjordanland (TAZ)
http://www.taz.de/!46274/

2012 im Westjordanland: Das Jahr der israelischen Siedlungen (TIME) (Englisch)
http://world.time.com/2012/12/31/the-west-banks-2012-the-year-of-the-israeli-settlement/