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Dienstag, 20. Oktober 2015

Das globale Finanzsystem: Die Titanic auf Kollisionskurs

Diesmal kein Beitrag zur Anne-Will Sendung, drei Kommentare stehen unter Dies und Das

Thema: Finanzsystem

Das globale Finanzsystem:
Die Titanic auf Kollisionskurs

Posted by Maria Lourdes - 12/10/2015
Ernst Wolff – freiberuflicher Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF- Chronik eines Raubzugs“, ist der Meinung: “…Vergleicht man die Phase, in der sich die Weltwirtschaft und das globale Finanzsystem derzeit befinden, mit der letzten Fahrt der Titanic, so lässt sich feststellen: Die Kapelle spielt und die Passagiere tanzen, aber das Schiff ist dem Eisberg bereits so nah, dass auch das kühnste Manöver des Kapitäns den Aufprall nicht mehr verhindern kann…”

Das globale Finanzsystem: Die Titanic auf Kollisionskurs – Ein Artikel von Ernst Wolff – Mein Dank sagt Maria Lourdes!

Sich im Gestrüpp der unendlich vielen widersprüchlichen Wirtschafts- und Finanzmeldungen zurechtzufinden, ist zurzeit so gut wie unmöglich. Entweder wird die Apokalypse beschworen oder es heißt, die Welt sei in bester Ordnung und es gebe keinen Grund zur Beunruhigung.

Auch die Ökonomen der verschiedensten Richtungen sind ratlos, weil keine der herkömmlichen Theorien die Entwicklung an den Märkten mehr erklären kann. Aktienkurse steigen, während die Realwirtschaft stagniert oder gar schrumpft. Der Goldpreis fällt, obwohl das Geld in nie dagewesener Weise entwertet wird. Trotz einem immer schneller wachsenden globalen Schuldenberg werden Investoren vor allem in Schwellenländern zu immer größerer Schuldenaufnahme animiert.

Eine Orgie der Spekulation

Was steckt dahinter? Ganz einfach: Spekulation und Manipulation. Die großen Finanzinstitutionen nutzen ihre Einstufung als „too big to fail“, um hemmungsloser denn je zuvor am Rad des Casino-Kapitalismus zu drehen. Unter Einsatz riesiger Geldsummen, die ihnen von den Zentralbanken zu Nahe-Null-Zinsen zur Verfügung gestellt werden, manipulieren sie die Märkte mittlerweile nach Belieben.

Aktienkurse schießen nicht etwa deswegen in die Höhe, weil Unternehmen wirtschaftliche Erfolge vorweisen, sondern weil das Management billiges Geld einsetzt, um eigene Aktien zurückzukaufen und ihren Kurs so in die Höhe zu treiben. Der Preis von Staatsanleihen und ihr ihr Zinsniveau spiegeln nicht einmal annähernd den wirtschaftlichen Zustand des Ausgeberlandes wider, da sie von den Zentralbanken ohne Rücksicht auf Verluste zur Stabilisierung des Systems blind aufgekauft werden. Auch der Preis von Edelmetallen entspricht nicht einmal entfernt ihrem wahren Wert, da sie überwiegend nicht in physischer Form, sondern in Papierform und damit in einem Volumen, das um ein Zigfaches über ihren tatsächlichen Bestand hinausgeht, gehandelt werden.

An den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten sind auf Grund der Geldschwemme riesige Blasen entstanden, die jederzeit platzen können. Statt sich diesem Trend durch eine Erhöhung der Zinsen entgegenzustemmen, schieben die Zentralbanken – allen voran die US-Zentralbank Federal Reserve – eine Zinsanhebung seit Jahren vor sich her. Warum? Weil es gar nicht anders möglich ist.

Selbst die geringste Anhebung hätte fatale Konsequenzen fürs Gesamtsystem, da das Volumen zinsgebundener Derivate (Wetten auf steigende oder fallende Zinssätze) nach Informationen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich inzwischen den unvorstellbaren Betrag von über 500 Billionen US-Dollar erreicht hat. Um die Dimension zu verdeutlichen, von der hier die Rede ist: Auf dem Höhepunkt der Subprime-Hypothekenkrise genügten ganze 1,2 Billionen solcher Derivate, um das globale System an den Rand des Abgrunds zu treiben!

Ein Trommelfeuer an Hiobsbotschaften

Und das ist noch nicht alles. Während die finanzielle Zeitbombe im Derivate-Sektor vor sich hin tickt, erlebt die wegen der ausufernden Finanzspekulation immer stärker austrocknende Realwirtschaft im siebten Jahr nach 2008 ein Trommelfeuer an Hiobsbotschaften: Der Abschwung in China, die anhaltende Stagnation in den USA, der Rückgang der Rohstoffpreise, gewaltige Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern, die nachlassende Nachfrage nach Investitionsgütern und ein immer schwächerer Konsum sind nur einige der Faktoren, die schon bald weitere Maßnahmen zur Stützung des Systems erforderlich machen werden. Das aber wird mehr als schwierig, denn von den wichtigsten der bisherigen Maßnahmen zeigt die eine – das Gelddrucken – immer weniger Wirkung, während die andere – die Senkung des Leitzinses – fast ausgereizt ist. Hierzu ein Blick auf Europa:

Obwohl die EZB seit März 2015 pro Tag 2 Milliarden Euro aus dem Nichts schöpft und ins System pumpt, um ein Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen, lag die jährliche Inflationsrate im September bei minus 0,1 Prozent. D.h.: Trotz der bis zum Herbst 2016 vorgesehenen Geldspritze in Höhe von insgesamt 1,2 Billionen Euro rutscht Europa derzeit in eine Deflation – bei einer Schuldenlast von insgesamt 9,4 Billionen Euro eine verheerende Entwicklung, denn Deflation bedeutet: Die Einnahmen von Staat und Unternehmen sinken, während Schulden und Zinsen auf ihrem hohen Niveau verharren.

Nicht viel besser sehen die Handlungsmöglichkeiten im Bereich der Zinsen aus: Bei einem derzeitigen Eurozonen-Leitzins von 0,05 Prozent bleibt den Verantwortlichen nur noch der Griff zu Null- oder Negativzinsen. Negativzinsen aber führen, wie das Beispiel Schweiz momentan zeigt, zur Verteuerung von Krediten und Hypothekenzinsen und schwächen so die Wirtschaft. Außerdem müssten Negativzinsen, wenn sie den Euro betreffen, durch Maßnahmen begleitet werden, die eine Massenflucht aus der Währung verhindern. Hierzu wird derzeit auf breiter Front die Abschaffung des Bargeldes vorangetrieben (in Frankreich liegt die die Obergrenze für Barzahlungen seit dem 1. September 2015 bei 1.000 Euro), doch die flächendeckende Umsetzung der Maßnahme kostet Zeit und die läuft den Verantwortlichen im Augenblick davon…

Die Vorkehrungen für den Notfall laufen auf Hochtouren

Sind Finanzindustrie und Politik also am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen? Steht der Crash unmittelbar bevor? Die Vorbereitungen sind jedenfalls getroffen: So ist inzwischen fast überall das Prinzip des Bail-In gesetzlich verankert. Mit ihm sollen Finanzinstitutionen nicht mehr wie beim Bail-out durch Steuergelder, sondern durch das Heranziehen der Vermögen von Anlegern, Sparern und Aktionären gerettet werden.

Was aber, wenn die vorhandenen Summen nicht ausreichen, um die betroffenen Institute zu stützen? Wenn die Zentralbanken selbst ins Wanken geraten? Auch für diesen Fall gibt es bereits ein Krisen-Szenario. In ihm spielt der Internationale Währungsfonds als mächtigste globale Finanzorganisation und Kreditgeber letzter Instanz die entscheidende Rolle.

Seit dem Ende der Sechziger Jahre verfügt der IWF mit den Sonderziehungsrechten (SZR) über eine Reservewährung, die – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – bereits 2009 im Umfang von ca. 250 Mrd. Dollar zur Rettung des Systems eingesetzt wurde. Bei den SZR handelt es sich um eine nicht frei handelbare Währung, die der IWF einzelnen in Schwierigkeiten geratenen Ländern zuteilen und mit der er Liquiditätsengpässe in diesen Ländern beheben und die Inflation anheizen kann. Angesichts der gigantisch anschwellenden Schuldenlawine, die auf die Welt zukommt, müsste dieses Mittel aber in einem erheblich größeren Ausmaß als 2009 eingesetzt werden und würde mit Sicherheit in einer Hyperinflation münden.

Die Wirklichkeit lässt sich nicht überlisten

Außer diesem Einsatz der SZR käme nach jetzigem Stand der Dinge nur noch die (vom IWF bereits 2013 ins Gespräch gebrachte) direkte Enteignung von Bürgern mittels einer einmaligen „Vermögensabgabe“ als Maßnahme in Frage. Sie wäre allerdings kaum ohne schwere soziale Verwerfungen durchzusetzen, da sie mit Sicherheit auf großen Widerstand in der Bevölkerung stieße.

Doch selbst wenn dieser Widerstand gebrochen würde, bliebe dennoch die Tatsache, dass beide Maßnahmen – der Einsatz der SZR oder die kalte Enteignung der Bürger – den Zusammenbruch schlussendlich auch nur aufschieben, nicht aber aufhalten oder gar abwenden können.

Man kann es drehen und wenden, wie man will, die Wirklichkeit lässt sich nicht überlisten. Vergleicht man die Phase, in der sich die Weltwirtschaft und das globale Finanzsystem derzeit befinden, mit der letzten Fahrt der Titanic, so lässt sich feststellen: Die Kapelle spielt und die Passagiere tanzen, aber das Schiff ist dem Eisberg bereits so nah, dass auch das kühnste Manöver des Kapitäns den Aufprall nicht mehr verhindern kann…

Quelle: lupocattivoblog.com

Sonntag, 26. Januar 2014

Martin Schulz macht Europa-Wahlkampf gegen Draghi

Thema: Europa-Wahlen
Der Europa-Kandidat der SPD Schulz wirft der EZB vor, mit billigem Geld die „nächste Spekulationsblase“ zu befeuern. Sobald ihn die Europäer zum Präsidenten der EU-Kommission gewählt haben, will er die Zentralbank darum bitten, ihre Politik zu ändern.

Der Präsident der EU-Parlaments, Martin Schulz, hat die Geldpolitik der EZB kritisiert.

Schulz macht den EZB-Chef Mario Draghi für die Kreditklemme in der Realwirtschaft verantwortlich. (Foto: dpa)
„Es kann nicht angehen, dass Banken für 0,25 Prozent Zinsen Geld von der EZB bekommen und dieses Geld dann nicht in die Realwirtschaft investieren“, sagte der SPD-Politiker am Sonntag auf einem Sonderparteitag in Berlin. Teilweise seien dies Banken, die durch Steuergelder gerettet worden seien und nun in die nächsten Blasen spekulierten.

„Wenn ich EU-Kommissionspräsident werde, werde ich den Chef der EZB bitten: Macht damit Schluss!“, sagte Schulz. Billiges Geld sei in Ordnung für Entwicklung und Investitionen, aber „nicht für das Befeuern der nächsten Spekulationsblase“.

Schulz war zuvor mit 97,3 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten der SPD für die Europawahl am 25. Mai gewählt worden. Auf dem SPD-Sonderparteitag attackierte Partei-Chef Sigmar Gabriel AfD und Linkspartei scharf. Die SPD werde Europa gegen die „neunmalklugen Professoren“ und die „Linksradikalen“ verteidigen (mehr hier).

Die sozialdemokratischen Parteien in Europa wollen Schulz am 1. März zu ihrem gemeinsamen Spitzenmann bestimmen. Da sich der EU-Kommissionspräsident künftig der Wahl im EU-Parlament stellen muss, rechnet sich Schulz Chancen auf den Posten aus.

Bereits Ende November vollzogen Europas Sozialisten einen radikalen Schwenk in ihrer Wahltaktik für das EU-Parlament. Um den Euro-Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, wollte die Partei „Europa in seiner jetzigen Form nicht mehr verteidigen“ (mehr hier).

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

Kommentare

» der Kommentar des Blogschreibers«

Hört, hört - er will bitten!

Deutsche Wirtschafts Nachrichten vom 19.12.2013
Martin Schulz fordert mehr Macht für die EU-Kommission bei Banken

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz will dafür sorgen, dass die Banken-Union in der geplanten Form nicht umgesetzt wird: Schulz ist der Auffassung, dass die Nationalstaaten zu viel Macht haben - er will mehr Macht für die EU-Kommission.

Er fordert genau das, was die meisten EU-Bürger nicht haben wollen.

Mehr Macht für die demokratisch nicht legitimierte EU-Kommission bedeutet gleichzeitig weniger Macht für die Nationalstaaten - oder soll die künftige Wahl des Kommissionspräsidenten vom EU-Parlament so was wie eine Ersatzlegitimation darstellen?
Es ist wieder das Gleiche! Wie immer vor Wahlen wird gelogen was das Zeug hält! Ergänzung 27.01.2014
Wer einmal das "Demokratieverständnis eines Herrn Schulz sehen möchte:
https://www.youtube.com/watch?v=Oq1wwk06Tbw#t=1m35s


Schulz ist noch schlimmer als Barroso sagt:
Martin Schulz hat Jahre lang Zeit gehabt um gegen diese von der EU unterstütze Politik vor zu gehen.
Das was Schulz absondert ist nur billiger Populismus um seine Pfründe zu sichern. Nach der Wahl verschwindet wieder alles in der Schublade. Ich kann nur warnen so einem auf den Leim zu gehen.
Schulz ist von der SPD und diese SPD will eine Vergemeinschaftung der Schulden aller EU Staaten mit Hauptzahler Deutschland! Nein Herr Schulz die EU hat uns fünf Jahre angelogen, eine Politik gegen die Bürger präsentiert – und Staaten zerstört. Sie hatten Ihre Chance wenn wir die Politik von Ihnen die letzten fünf Jahre anschauen dann stockt einem der Atem.

Ein EU Parlament durchsetzt von vielen Handaufhalter und Lobbyisten mit Kommisaren die von uns nicht demokratisch legitimiert wurden, eine EU die vom IWF am Nasenring gehührt wird und immer mehr in eien Diktaur abdriftet. Ein geplantes Freihandelabkommen mit Canada und den USA die unser Rechtsystem aushebeln kann – und den Bürger verheimlicht wird.
Die EU verkauft die Rechte der Bürger auf dem Altar der Geldkonzerne!
Eine EU die, die Büregr mit immer mehr von Lobbyistenhand geführten Richtlinien gängelt und entmündigt!
So eine EU die eine Europa der Miitelmäßigkeit und Entmündigung will und ein Einheitsbrei in Europa vorschwebt angerichtet für Konzerne und Banken – so eine EU muss bekämpft werden.

Eine EU die völlig ungeniert darüber debattiert wie man den Bürger enteignen kann, wie sonst ist der Zugriff auf unsre Sparkonten sonst zu erklären. Oder die gewollte Inflationspolitik mit Mikrozinsen der EZB unter Draghi.
Die EU und die Politik vom Bundestag mit den beiden Blockparteien CDU und SPD haben als Hauptverantwortliche diese unverantwortliche Situation durch eine unverantwortliche Souveränitsübertragung an die EU erst ermöglicht.

Wir sind Europäer, wir sind für Europa aber ein Europa der Pluralität, der gegenseitigen Freundschaft und des gegenseitigen Respekts, des gegenseitigen Handelns und Achtung der Einzelstaaten – und für ein Europa der unterschiedlichen Kulturen!
Kurz, alles das was die EU bekämpft!

Gast sagt:
Ich kann nicht anders. Ich bin Politiker. Ich muss lügen um auch weiterhin nach der Pfeife der Banken tanzen zu können, was besser ist als HartzIV.

52 Jahre sagt:
Mit diesen Äusserungen könnte man doch Herrn Schulz als Populisten bezeichnen, und Populisten sind doch nicht Wählbar.

Gala Man sagt:
„Wenn ich EU-Kommissionspräsident werde, werde ich den Chef der EZB bitten: Macht damit Schluss!“, sagte Schulz. Er wird ” bitten “….. ooooch, und die EZB wird der Bitte natürlich nachkommen, wie süss.
Ich glaube, sogar der blödeste Michl wird diesmal nicht darauf reinfallen….oder doch?

Michael K. sagt:
Er will Draghi BITTEN? Wie niedlich, wer soll da denn glauben, daß das ernst gemeint wäre… Abgesehen davon, daß man dem so oder so nichts glauben darf.