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Montag, 19. September 2016

Privatermittler: Ganze Staaten und ihre Geheimdienste mauern im Fall MH-17

Thema: Ukraine

MH-17 Ermittler Resch
Der BGH "bringt mich in Lebensgefahr"

Josef Resch erforschte als Privatermittler den Abschuss der Passagiermaschine MH-17 über der Ukraine. Jetzt droht ihm der Bundesgerichtshof (BGH) mit Ordnungshaft, sollte er sein Wissen nicht preisgeben. Doch Resch schweigt - er fürchtet um sein Leben.

Die Richter wollen Resch und seine Mitarbeiter zu einer Zeugenaussage zwingen. Bislang vergebens. "Der Rechtsstaat bringt uns akut in Lebensgefahr", sagt Resch in einem Interview mit der Zeitschrift "Capital".

"Die Ermittlungsrichter am BGH verlangen von uns, dass wir unsere Erkenntnisse zu dem Abschuss von MH-17 preisgeben. Tun wir das, sind wir aber geliefert. Das wäre reiner Selbstmord", so Resch.

Eine Mauer des Schweigens

Bei dem Absturz am 17. Juni 2014 in der Ukraine starben alle 298 Insassen, unter ihnen auch vier Deutsche. Für Belege, die zu den Verantwortlichen des Abschusses führen, hatte Resch zunächst 30 Millionen Euro geboten. Später erhöhte er diese Summe um weitere 17 Millionen Euro.

Für einen anonymen Auftraggeber sichtete Resch hunderte Hinweise, hatte etliche Treffen mit Informanten. Schließlich war er sicher: Eine bestimmte Person ist der Schlüssel zur Aufklärung der Hintergründe. Resch brachte die Person mit seinem Auftraggeber zusammen.

"Es ging nicht darum, wer den Abzug gedrückt hat. Sondern darum, was nach dem Abschuss geschehen ist", fasst Resch den Inhalt des Gesprächs zusammen.

Offenbar ist niemand an einer Identifikation der Täter interessiert. Ganze Staaten und ihre Geheimdienste mauern, berichtet der Ermittler in "Capital". Genau das habe auch der Informant bis ins Details geschildert. Für Resch war damit sein Auftrag beendet.

Informationen, die den Abschuss-Bericht widerlegen könnten?

Der Bundesgerichtshof ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts eines Kriegsverbrechens. Mittlerweile haben deutsche Behörden bei Resch eine Hausdurchsuchung vorgenommen sowie ein Schweizer Schließfach öffnen lassen. Warum diese hartnäckigen Nachforschungen?

Resch hat dafür seine ganz eigene Theorie: Ende September wollen die internationalen Ermittler in Den Haag einen Bericht veröffentlichen, der sich mit den strafrechtlichen Konsequenzen der Tragödie um MH-17 auseinandersetzt. Was ist, wenn seine Informationen den offiziellen Bericht in Frage stellen oder gar widerlegen?

"Anstiftung zur Falschaussage"

Angeblich, so schildert es Resch gegenüber "Capital", hätten ihm die Behörden nahegelegt, seine Informationen als erfundene Marketing-Aktion für sein Buch auszugeben. "Das wäre in meinen Augen eine klare Falschaussage."

Doch Resch lehnt eine Zusammenarbeit ab - und beruft sich auf sein Aussageverweigerungsrecht. "Der ganze Fall MH-17 ist hochpolitisch", sagt er. Damit dürfte der Ermittler nicht ganz unrecht haben. Schließlich bietet der Bundesgerichtshof ihm und seinen Mitarbeitern bei einer Aussage die Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm an. Es besteht also wohl tatsächlich eine Gefahr für Leib und Leben.

Für Resch ergibt sich daraus nur eine Konsequenz: "Wir müssen öffentlich klarstellen, dass wir nicht aussagen werden. Damit wir sicher sind."

Quelle: t-online.de

Freitag, 19. September 2014

Was ist das für eine Welt, in der man für die Wahrheit bezahlen muss?

T-Online.de
Thema: MH17
30 Millionen Dollar für die Wahrheit

Noch immer ist unklar, wer für den Absturz von Flug MH17 in der Ostukraine verantwortlich ist. Jetzt soll der deutsche Privatermittler Josef Resch das herausfinden. Seine Auftraggeber kennt er nicht, sagt er.

Josef Resch hat viele Fragen. Wer hat Flug MH17 von Malaysia Airlines am 17. Juli über der Ostukraine abgeschossen? Wer gab den Auftrag, wer deckt die Täter, wer ist für den Tod von 298 Insassen der Maschine verantwortlich?

Resch ist Privatermittler, die Antworten auf die Fragen sind seinen Auftraggebern 30 Millionen Dollar wert. So steht es in einem Aufruf, der am Mittwoch auf der Website von Reschs Firma Wifka veröffentlicht wurde und über den zuerst die Zeitschrift "Capital" berichtete.

Angeber sind leicht herauszufiltern

Resch soll mit seinem Team Antworten finden, das Geld soll Informanten anlocken. "Erfahrungsgemäß melden sich viele Leute, auch viele, die sich profilieren möchten, mit dummem Zeug", sagt Resch "Spiegel Online". "Aber Angeber lassen sich leicht herausfiltern."

Mindestens ein finanziell offenbar gut gestellter Auftraggeber wendet sich an Resch, um eine politisch hochbrisante Sache aufzuklären - das hört sich an wie der Plot eines Politthrillers. Aber Resch verneint energisch, dass es sich um einen Scherz handeln könnte.

"Es könnte gefährlich werden"

Resch, 65, arbeitet seit Jahrzehnten in der Branche. So einen Auftrag hat er noch nicht erlebt. Er brauchte Bedenkzeit, sagte nicht sofort zu. "Ich musste mit meiner Familie sprechen." Die Sache sei schließlich "kein Pipifax, es könnte gefährlich werden, aber das hat man abgewogen".

Hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, er habe aber keine Angst, so Resch. Er argumentiert, dass ein Angriff auf ihn ohnehin nichts ändern würde. "Wenn mir etwas zustößt, bleibt der Aufruf trotzdem im Internet." Und für alle Fälle hat er "Mossi", einen ehemaligen Marinetaucher, an seiner Seite.

Drei Treffen mit Mittelsmännern

Wem ist die Aufklärung des Absturzes 30 Millionen Dollar wert? "Manche unterstellen mir, dass ich die Auftraggeber kenne, sie aber nicht preisgebe, um mich zu schützen", sagt Resch. Tatsächlich wisse er nicht, um wen es sich handle. Es muss jemand sein, der in der Lage ist, Informanten notfalls eine neue Identität zu verschaffen - das wird in dem Aufruf zugesichert.

Wer kann so etwas? Das habe er auch gefragt, sagt Resch. Ihm sei mitgeteilt worden, das werde schon alles richtig geregelt.

Kontakt hatte er lediglich zu Mittelsmännern. Laut Resch gab es drei Treffen. Eines in einem Hotel in Lübeck, eines in einem Hotel in Hamburg, eines in der Schweiz. Die Zusammenkünfte fanden im August und September statt, genauer will Resch es nicht sagen. Sie hätten nicht viel länger als eine halbe Stunde gedauert. Small Talk sei bei solchen Anlässen nicht üblich.

"Man ist immer eine Marionette"

Auch die Identität der Mittelsmänner, mit denen er sprach, kennt Resch nicht. "Das ist auch besser so", sagt er. Wenn überhaupt, seien in seiner Branche gefälschte Namen üblich. Sein Gesprächspartner in Hamburg habe mit einem Schweizer Akzent gesprochen.

Resch weiß nicht, für wen er arbeitet - und welche Ziele der oder die Auftraggeber haben. Angesichts der politischen Dimension des Falles - prorussische Separatisten und die Ukraine schieben sich gegenseitig die Schuld für den Absturz zu - liegt der Gedanke nahe, dass Resch Teil eines Machtspiels mit unbekannten Teilnehmern ist.

"Man ist in dem Sinn immer eine Marionette", sagt er. "Dass man da benutzt wird, weiß ich - aber für was? Für die Aufklärung eines Unglücks, einer Straftat, eines Verbrechens."

Die Sache sei so schwerwiegend, "da hat jeder Interesse, das aufzuklären". Und Resch findet, dass jeder den Mumm haben sollte, bei der Aufklärung mitzumachen - ein Appell an potenzielle Informanten. Der 65-Jährige rechnet mit gezielt gestreuten Informationen, die ihn in ein gewisses Licht rücken sollen. "Man wird mich loben, man wird mich schlecht machen, um vom Wesentlichen abzulenken."

Jeder ist käuflich

Und nun? Macht sich Resch mit seinen Leuten an die Arbeit. Mit der Verbreitung des Aufrufs sollen die 30 Millionen den Personen bekannt werden, die über entscheidende Informationen verfügen. Reschs Erfahrung nach funktioniert das. "Bislang hat eine Belohnung immer zum Erfolg geführt", sagte er "Capital". "Jeder ist käuflich, es ist nur eine Frage der Summe. Ab einem gewissen Betrag neigen selbst die besten Freunde zum Verrat."

Wie hoch die Belohnung ist, zeigt ein Vergleich: Auf der aktuellen "Most Wanted"-Liste des FBI ist maximal eine Million Dollar als Belohnung ausgesetzt. Selbst bei den meistgesuchten Terroristen beträgt die höchste Belohnung 25 Millionen Dollar - für Hinweise zu al-Kaida-Anführer Aiman al-Sawahiri.

2012 setzte Resch im Namen anonymer Auftraggeber 1,5 Millionen Dollar aus, um den mit einem Millionenvermögen untergetauchten Fondsmanager Florian Homm zu fassen zu kriegen. Homm - inzwischen wieder aufgetaucht - bezeichnete das als "extrem menschenverachtend". Resch ficht das nicht an, sein Aufruf steht bis heute auf YouTube.


Kommentare aus dem T-Online-Forum

d-lohmeier
Dieser Aufruf kann für die Mitwisser dieses Verbrechens das Todesurteil bedeuten.

Weltbuerger7
Ich finde es gut, dass wegen solcher Verbrechen auch privat ermittelt wird. Man darf nicht alles den Politikern überlassen. Denn die Tote waren auch Privatleute. Die leidenden Hinterbliebenen auch Privatleute. Die Politiker kochen ihre eigenen Süppchen. Ich nehme ihnen nicht ab, dass sie nicht wissen, was passiert ist.

ADACO2002
klasse. super idee.
ich halte jede wette, dass sich ein mitwisser dieses geld verdienen wird.
hoffentlich erlebt er die geldübergabe,...je nachdem wer die maschine abschoss...

Jiskoko
private aufklärung scheint mir der einzige weg zu sein die wahrheit ans licht zu bringen. verlässt man sich auf die politik und experten wird man ewig drauf warten müssen, das hat der zwischenbericht mittlerweile kalr bewiesen. aufklärung im politischen interesse zur zeit nicht möglich!

Gunzel Als Privatmann gegen Staaten vorzugehen geht häufig nicht gut aus.

Jiskoko
es geht gar nicht um gegen staaten vorzugehen, es geht um die wahrheit. snowden ist auch nicht gegen die usa vorgegangen, sondern hat nur die wahrheit publik gemacht.

BertPavel
Finde ich gut! Die ewigen Schuldzuweisungen sind Verschleierungstaktiken beiderseiten.
War es die durch den Westen beflügelte Ukraiinische Armee, oder die Separatisten mit russischer Unterstützung. Aufklärung tut Not!

Automat
Wir leben in einer bescheidenen Welt wenn man dafür Geld bez. muß die Wahrheit zu finden...traurig ,traurig ,aber sinnvoll.

BW2014
@Automat
Genau richtig. Ein Privatmann gegen das System - traurig und lustig gleichzeitig. Am Ende kann das ein Erdbeben für mehrere Regierungen bedeuten. Auf jeden Fall ist das ein Signal dafür, dass man in dieser Welt nicht alles aus politischen Gründen verschweigen kann.

KRISHPALLA
Wenn die Separatisten dieses Flugzeug abgeschossen hätten ,dann wären die Untersuchungen schon längst abgeschlossen ! Aber das Ergebnis der Untersuchungen ist nicht im Sinne der EU und der NATO und wird daher nicht veröffentlicht