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Donnerstag, 9. Oktober 2014

Der große Deal Geheimakte Freihandelsabkommen

Thema: TTIP

Wir sind mit dem EU-Handelskommissar Karel de Gucht verabredet. Wir wollen mit ihm über TTIP reden, das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Wir haben eine Studie über die Auswirkungen von TTIP auf die Wirtschaft dabei - von de Gucht selbst in Auftrag gegeben. Er ist der Chefunterhändler für das Freihandelsabkommen und behauptet öffentlich, dass das Abkommen 120 Milliarden Euro zusätzliches Wirtschaftswachstum bringen wird. Eine stolze Zahl? Als wir ihn im Interview darauf hinweisen, dass seine Studie gerade mal 0.05% Steigerung der Wirtschaftsleistung pro Jahr durch TTIP errechnet hat, bricht er das Interview erstmal ab. Der Kommissar rechnet nach, dann wird er unwirsch: "Let's not argue with numbers. Ich sage ihnen, wir werden die meisten Handelshemmnisse abschaffen."



TTIP und CETA degradieren den Bundestag zu einer Folklore-Veranstaltung

Die aktuelle Diskussion um TTIP und CETA ist ein gewaltiges Ablenkungsmanöver: Tatsächlich leitet die juristische Form der neuen Freihandelsabkommen das Ende der Mitwirkung der nationalen Parlamente in der Frage des Schutzes der Konsumenten ein. Künftig können zentrale Fragen der Gesellschaft von der demokratisch nicht legitimierten EU-Kommission behandelt werden. Die Bürger werden mit dem Hinweis auf den Schutz für „Steirisches Kernöl“, „Schwarzwälder Schinken“ oder „Thüringer Rostbratwurst“ hinters Licht geführt.

Nach CETA und TTIP werden sie die wesentlichen Entscheidungen für die Deutschen treffen: Die von niemandem gewählten Präsidenten des EU-Rats und der EU-Kommission und der unter massivem Lobby-Einfluss stehende US-Präsident. Demokratie sieht eigentlich anders aus. (Foto: dpa)
Bei der Debatte um das Freihandelsabkommen zwischen Kanada und der EU handelt es sich um ein Ablenkungsmanöver. Während die Öffentlichkeit über Details wie die Investitionsschutzklauseln streitet, hat die EU bereits ihr Ziel erreicht: Die Zentralisierung der Bürokratie in Europa und die Aushebelung der nationalen Parlamente und Regierungen.

Wenn man betrachtet, welch weitreichende Wirkung die Selbst-Entmachtung der EU im Falle der Sanktionen-Russlands hat, kann man sich vorstellen, welch untergeordnete, ja folkloristische Funktion die nationalen Parlamente künftig spielen werden. Es ist kein Zufall, dass US-Vizepräsident Joe Biden die EU auffordert, das TTIP zügig fertigzustellen. Er tut dies just in derselben Rede, in der er Angela Merkel und die anderen EU-Regierungschefs bloßstellt: Biden gibt nämlich offiziell bekannt, dass die EU die Sanktionen nicht wollte – und von der US-Regierung gezwungen wurde, Schaden in Kauf zu nehmen für geopolitische Pläne, die ausschließlich im Interesse Washingtons und der dort tätigen Industrie-Lobbyisten liegen.

Mit Inkrafttreten des Lissabonner Vertrag 2009 wurde der EU die alleinige Kompetenz für den Beschluss von Freihandelsabkommen übertragen, insbesondere mit Bezug auf Dienstleistungen, geistiges Eigentum und Auslandsdirektinvestitionen.

In dem Zeitraum zwischen 1959 und heute haben EU-Mitgliedstaaten mit Drittstaaten fast 1.400 Investitionsschutzabkommen verhandelt. Diese wurden dann jeweils von den nationalen Parlamenten der Vertragsparteien ratifiziert. Laut der EU-Kommission müssen diese 1.400 Staatsverträge aber nun nach und nach neu verhandelt werden, und zwar von der EU-Kommission selbst.

Das CETA ist der erste wirkliche Ausdruck einer neuen Wirtschaftsordnung. Obwohl die Kommission angeblich versteht, dass ein für alle gleicher „Universalstaatsvertrag“ weder machbar noch wünschenswert sei, ist das CETA genau das: eine simplifizierte Einheitslösung die auf nationaler Ebene verhandelte Abkommen mit einem Schlag komplett überflüssig macht.

Das CETA ist bereits unterzeichnet. Die Titelseite bestätigt: „Der Text in diesem Dokument ist das Resultat der von der EU-Kommission geführten Verhandlungen. [Nach einen juristischen Überprüfung] wird das Dokument an den europäischen Rat und das Europaparlament zur Ratifizierung übersandt.“

Die EU-Kommission führte die Verhandlungen. Der europäische Rat und das Europaparlament sollen den Staatsvertrag ratifizieren. Dann wären alle 28 EU-Mitgliedstaaten an die völkerrechtlichen Normen darin gebunden. Sieben EU-Mitgliedstaaten haben bereits Investitionsschutzverträge mit Kanada geschlossen. Diese wären dann mit einem Mal überholt. Die demokratischen Institutionen der Mitgliedstaaten entmachtet.

Möglich gemacht wurde dieser „power grab“ durch den am 1. Dezember 2009 in Kraft getretenen Lissabonner Vertrag. Laut Paragraf 207 hat nun die EU die alleinige Kompetenz über die „Änderung von Zollsätzen, für den Abschluss von Zoll- und Handelsabkommen, die den Handel mit Waren und Dienstleistungen betreffen, und für die Handelsaspekte des geistigen Eigentums, [sowie] die ausländischen Direktinvestitionen“.

Seitdem diskutieren Akademiker und Wirtschaftsakteure über das genaue Ausmaß dieser neugewonnenen Kompetenz. Die EU lässt keinen Zweifel aufkommen. Sie sieht sich als alleinigen Verhandler für Freihandelsverträge mit Drittstaaten.

Im August diesen Jahres zum Beispiel erließ das Europaparlament eine Verordnung, welche die finanzielle Verantwortung der Mitgliedstaaten reguliert. Laut dieser Verordnung müsste ein Mitgliedstaat bei einem Verstoß gegen CETA in der Regel Schadenersatz leisten, obwohl dieses von der EU ausverhandelt wurde. Einzige Ausnahme ist wenn der Verstoß eines Mitgliedstaates direkt der EU zuzuschreiben ist, zum Beispiel durch eine EU-Verordnung. Dann würde der Schadenersatz aus dem EU-Etat bezahlt. Für Deutschland bleibt also einzig die Entscheidung ob eine Strafe vom jeweiligen Bundesland oder vom Bund selbst bezahlt werden soll.

Der Inhalt vom CETA ist brisant. Aber nicht weil kanadische Unternehmen dadurch die Möglichkeit bekämen, Verstöße der Vereinbarung vor unabhängigen Schiedsgerichten zu beklagen. Sondern weil die 512 Seiten des Vertragsentwurfes eine beispiellose bürokratische Zentralisierung nach Brüssel eingeläutet haben.

Man nehme zum Beispiel Paragraf X.08. Dieser Absatz regelt die Wasserressourcen der Vertragsparteien. Laut Absatz 1 ist natürliches Wasser kein Gut und kein Produkt und wird prinzipiell von dem Abkommen ausgeschlossen. Absatz 2 bestätigt, dass jede Vertragspartei das Recht hat, seine jeweiligen Wasserressourcen zu schützen und zu erhalten. Wenn eine Vertragspartei die kommerzielle Nutzung einer bestimmten Wasserquelle erlaubt, muss dies laut Absatz 3 „im Einklang mit diesem Abkommen“ erfolgen.

Aber wer sind jetzt nun die „Vertragsparteien“? Sind es die EU und Kanada? Oder sind es die Mitgliedstaaten der EU und Kanada? Natürlich haben nur die Staaten selbst die Entscheidungshoheit über ihre Wasserquellen, nicht aber die EU. Daran kann und darf es keinen Zweifel geben. Trotzdem scheint diese Klausel die Grenzen zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten zunehmend zu verwischen.

Ein weiterer interessanter Aspekt des CETA ist das Konsultationsverfahren in Artikel X.18, Kapitel 10, Investitionen. Laut dieser Klausel sollen Streitparteien bei Investitionsschutzstreitigkeiten mindestens 60 Tage lang eine Einigung verhandeln. Bei diesen Streitigkeiten steht in der Regel ein Staat auf der einen, und ein Unternehmen oder eine Privatperson auf der anderen Seite.

Sobald eine Streitigkeit einer Maßnahme der EU „berührt“, sollen Verhandlungen über eine Einigung in Brüssel stattfinden. Nur wenn die Maßnahme eines Mitgliedstaates „ausschließlich“ die des Mitgliedstaates ist, sieht das CETA Verhandlungen in der Hauptstadt dieses Mitgliedstaates vor. Die Mehrzahl der Streitigkeiten berühren mit großer Wahrscheinlichkeit EU-Maßnahmen. Brüssel wird also zunehmend an Relevanz gewinnen.

Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, haben sich die Verhandler das CETA etwas Nettes ausgedacht. Ungefähr 200 der mehr als 1.200 geschützten europäischen Produktbezeichnungen sind durch die eigentumsrechtlichen Normen des CETA geschützt, berichtet die FAZ. Abgesehen davon, dass also 1.000 europäische Produktbezeichnungen nicht mehr geschützt sind, wird den staunenden Bürgern als großer Erfolg der EU die groteske Tatsache verkauft, dass Kanadische Unternehmen ihre Produkte nicht „Steirisches Kernöl“, „Schwarzwälder Schinken“ oder „Thüringer Rostbratwurst“ nennen dürfen.

Die europäische Demokratie ist im CETA ausdrücklich nicht als schützenswertes Gut aufgeführt.


Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare

Gast sagt:
Degradiert den Bundestag?
Der Bundestag ist Folklore in Reinkultur – zu sehen auf Phoenix. Leider hat dieser Bundestag keinen souveränen Staat unter sich, womit er natürlich nur eine Veranstaltung ist. Ob Folklore, Comedy oder Berliner Puppenkiste bleibt jedem selbst überlassen. Solange die USA hier Regie führen kann der Bundestag sein was er will.
Da die noch fragwürdigere EU in Brüssel hier immer mehr nicht vorhandene Kompetenzen übernimmt, ist der Bundestag bald nur noch politischer Stammtisch.

khaproperty sagt:
Wieso “degradieren”?
Sie werten den Bundestag drastisch auf – nach all den offenbar unüberlegten Zustimmungen um Euro, ESM, EEG und militärische Auslandseinsätze konnte man ihn doch eher noch unter Sandkastenniveau verorten.

Klaus sagt:
Es gibt doch die Altenative Austritt aus der EU; dann wäre zumindest Deutschland den CETA und TTIP Schrott los, den den hätte ja die EU ohne Information der betroffenen Bürger sich aufdokrinieren lassen.
Doch dazu ist Merkel und Co zu feige, treibt aber mit dieser Haltung die radikalen Parteien, wie AfD nach vorn.
Sollte diese TTIP oder CETA tatsächlich uns aufgezwungen werden könnte der über- oder überübernächste Kanzler von der AfD sein und dann?

Peter G. sagt:
Besetzt sind wir ja schon, oder wie soll man die Anwesenheit von 70.000 uS-Soldaten in D. nennen? Aber auch die rechtlichen Voraussetzungen für ein evtl. Eingreifen der West-)Alliierten nach dem Besatzungsrecht bestehen nach wie vor, sollte sich die BRD unbotmäßig verhalten.
Gregor Gysi bestätigt am 8.8.2013 in einem Interview auf Phönix, dass das Besatzungsstatut immer noch gilt.
Helmut Schmidt: “Wir müssen noch 100 Jahre, eher aber 200 Jahre für die begangenen Verbrechen bezahlen.”
Wolfgang Schäuble hat betont, dass die Deutschen seit 1945 niemals souverän gewesen sind. Sigmar Gabriel hat Anfang 2011 geäußert, Frau Merkel sei die Geschäftsführerin einer Nichtregierungsorganisation.

Detlev G. Pinkus sagt:
Ich gehe mal davon aus, dass das was die DWN hier veroeffentlicht der realen Sachlage entspricht. Dann muss man nicht mehr lange warten bis die Menschen in Europa auf die Strasse gehen. Denn die Menschen wurden politisch und demokratisch entwaffnet. Die Demokratie hat sich dann in Europa aufgeloest. Dann ist die EU zu einem Bundesstaat der USA mutiert, und das wollten die Menschen nicht, schon gar nicht in Europa.
Und die Menschen in Europa gehen auf die Strasse, weil die Politiker wie Angela Merkel, Hollande, etc. schwach, erfolglos, ohne Visionen und ohne Strategie sich nur durchschlaengeln.
Mich wundert nur, dass die Deutsche Wirtschaft sich nicht erhebt, denn fuehlen jetzt bereits die negativen Auswirkungen der unbegruendeten Sanktionen gegen Russland.

Gino sagt:
Habe ich mich auch gefragt, aber nach der Rede von Biden ist es doch wohl glasklar.
Die werden eiskalt gedroht haben die EU zu sanktionieren wenn diese nicht die Russen sanktioniert. So, und ist man nun z.B. BMW fragt man sich wohin man mehr Autos verkauft und schon ist die Entscheidung klar.
Ich nenne so etwas Erpressung und ein Land oder eine Ländergruppe wie die EU die sich erpressen lassen werden diese Knute nie wieder verlassen können.


Sonntag, 14. September 2014

EU und Russland einigen sich auf Fahrplan zu Ukraine-Freihandel

Thema: Freihandel

In die Verhandlungen um das Freihandelsabkommen der Ukraine mit der EU ist offenbar Bewegung gekommen: Russland und die EU bestätigten, dass man sich auf einen Fahrplan für die Verhandlungen geeinigt habe. Die EU hatte Russland nicht in die Pläne einbezogen und damit die aktuelle Krise um die Ukraine ausgelöst.

Die Hoffnung dieser Studenten in Mariupol auf Frieden (bei einem Flashmob am Freitag) dürfte durch die Einigung zwischen der EU und Russland über das weitere Vorgehen im umstrittenen Freihandelsabkommen etwas gestärkt werden. (Foto: dpa)
Mit dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Ukraine hatte die aktuelle Ukraine-Krise ihren Ausgang genommen: Die EU hatte versucht, die Ukraine ohne Konsultationen mit Moskau zu einer raschen Unterschrift zu bringen – mit dem klaren Ziel, den Beitritt der Ukraine zur von Putin geplanten Eurasischen Zollunion zu verhindern.

Am Mittwoch hatte Putin erstmals signalisiert, dass er einer Verhandlungslösung trotz der Brüskierung von Brüssel interessiert sein. Ria Novosti berichtete:
    Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Regierung beauftragt, bei den anstehenden Beratungen zur Assoziierung der Ukraine mit der Europäischen Union Flexibilität an den Tag zu legen und nach Kompromissen zu suchen. Nach Putins Angaben wird Russland durch die geplante EU-Assoziierung Kiews mehr als zwei Milliarden Euro verlieren. „Wir werden darauf hoffen, dass auf Ministerebene Kompromisse erzielt werden, die für alle verwickelten Parteien – sowohl für die EU als auch für die Ukraine als auch für Russland – annehmbar sind“, sagte Putin am Mittwoch in Moskau in einer Regierungsberatung. Er beauftragte die zuständigen Regierungsvertreter damit, „nach Kompromissen zu suchen und gewisse Flexibilität an den Tag zu legen – jedoch innerhalb bestimmter Grenzen, über die wir nicht gehen können, um unseren Produzenten und unserer Wirtschaft nicht zu schaden“.
Die EU hat es Putin jedoch leicht gemacht, nun Großherzigkeit zu zeigen: Durch das Vorpreschen in Kiew sind die europäischen Steuerzahler auf einmal in die unangenehme Position gerutscht, sich mit der desaströsen Wirtschaft der durch Korruption angeschlagenen Ukraine zu beschäftigen. Eine bisher unbekannte Klausel bei den von Russland erworbenen Staatsanleihen macht es Putin möglich, der EU mit der sofortigen Staatspleite zu drohen. Putin kann in gewisser Weise agieren wie die US-Hedgefonds in Argentinien – mit dem für die EU unangenehmen Nebeneffekt, dass die EU für die Verhinderung des Staats-Bankrotts zuständig ist.

Nun soll das Abkommen später in Kraft treten als geplant. «Wir haben vereinbart, die provisorische Anwendung bis zum 31. Dezember nächsten Jahres zu verzögern», sagte EU-Handelskommissar Karel De Gucht am Freitag in Brüssel nach Gesprächen mit dem russischen Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew und dem ukrainischen Außenminister Pawel Klimkin. Der EU-Ministerrat müsse diesem Vorschlag aber noch zustimmen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte zuvor in Kiew angekündigt, das Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und der Ukraine solle am 1. November in Kraft treten. Der Freihandelspakt ist ein wichtiger Bestandteil des Partnerschaftsabkommens.

De Gucht sagte weiter, die EU wolle wegen der Verschiebung ihre einseitig eingeräumten Handelsvorteile für die krisengeschüttelte Ukraine bis Ende nächsten Jahres verlängern. Die Union hatte alle Einfuhrzölle für ukrainische Waren gestrichen. Diese Vorteile sollten eigentlich zum 1. November diesen Jahres auslaufen. Auch dieser Schritt müsse noch von den EU-Institutionen abgesegnet werden, so De Gucht.

Uljukajew sagte Laut Ria Novosti, dass die drei Verhandlungspartner in dieser Zeit nach Möglichkeiten suchen werden, Risiken für die russische Wirtschaft infolge der Assoziierung von Kiew und Brüssel aus dem Weg zu räumen. „Auch nach seiner Ratifizierung bleibt das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU bis 31. Dezember 2015 nicht wirksam“, sagte der Minister.

Klimkin zeigte sich zufrieden: «Ich bin überzeugt, dass wir ein Gleichgewicht gefunden haben, das eine effektive Liberalisierung des Handels mit der EU ermöglicht.»

«Ich denke, dass es keine unlösbaren Probleme gibt», sagte De Gucht. «Wir haben nun 15 Monate Zeit.»

Der Belgier sagte, der Prozess der Billigung (Ratifizierung) des Abkommens solle ungeachtet der Verschiebung weitergehen. «Sowohl die Ukraine als auch das Europaparlament werden nächste Woche ratifizieren.» Die Billigung des sogenannten Assoziierungsabkommens in Kiew und in Straßburg ist für den Dienstag geplant. Auch Ria Novosti bestätigte, dass die Ratifizierung am 16. September stattfinden werde. Offenbar hat es von russischer Seite keine Ende dagegen gegeben.

Die kommenden 15 Monate geben laut De Gucht Raum, um mit der Ukraine und Russland zu sprechen. Das Freihandelsabkommen sieht eine weitgehende Öffnung der Märkte der EU und der Ukraine und eine Anpassung der Standards vor. Moskau befürchtet eine Gefährdung seines eigenen Handels. Die EU hat bereits in mehreren Runden mit technischen Experten versucht, diese Sorge zu entkräften.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare

@joki sagt:
Waren 100te Toten und tausende Flüchtlinge dieses Abkommen wert?
Eine Schande für eine zivilisierte Gesellschaft ...

Erich Schlapphut sagt:
Na ja, Kriegstreibern sind viele Tote und Leidende so ziemlich egal, nur ihr Ziel ist ihnen wichtig und eigenes Leid mögen sie überhaupt nicht. Um eigenes Leid und Machtverlust zu verhindern müssen andere ihren Kopf dafür hinhalten. Das war schon immer so und wird auch so bleiben.

Beobachter sagt:
Sehr zu begrüßen, die EU sollte sich generell auf Stabilität konzentrieren und erst Denken, dann passend Handeln. Geht doch, warum nicht gleich so.

ronja w. sagt:
Es sieht ja so aus, als ob sich die Wogen langsam glätten. Spielt die drohende Staatspleite eine Rolle? Was nun garnicht passt, sind die neuen, vor allem von Merkel, eingeforderten Sanktionen. Vielleicht ist es ja auch nur wieder die Ruhe vor dem Sturm und man sucht schon wieder nach Gründen um Russland zu diskreditieren. Was nicht stimmt ist, dass die EU auf Russland zugeht. Es ist Russland, das trotz der westlichen Aggressionen, immer noch freundlich und verhandlungsbereit bleibt.

Wolfgang Schneider sagt:
Da hätten sie sich den Krieg doch sparen können, wenn die EU vorzeitig Russland mit einbezogen hätte. All die vielen Toten, schrecklich. Totales Versagen der Politik.
Plötzlich und unerwartet gibt es Verhandlungen mit Russland.
Und damals, im Februar, waren Vertreter der EU auf dem Maidan. Frei nach dem Motto: Das Zeitfenster nutzen - was Russland davon hält interessiert uns nicht. Entweder Freihandelsabkommen mit uns (der EU) oder mit Russland. Beides sei nicht miteiander vereinbar.
Und siehe da: es geht doch!

Delinix sagt:
„Eine bisher unbekannte Klausel bei den von Russland erworbenen Staatsanleihen macht es Putin möglich, der EU mit der sofortigen Staatspleite zu drohen.“
So etwas nennt man Boomerang.
Von jetzt ab wird VERSCHOBEN, erstmal bis zum 31.12.2015, danach irgendwie immer weiter ...
Die wirtschaftliche Pleite der Ukraine, das mehr oder weniger ungelöste Tschernobyl-Problem ... ist wohl ein bisschen viel auf einmal.
Wenn es nicht so traurig wäre, wie dämlich unsere Politiker agieren, könnte man sich glatt totlachen.
Zieht die Konsequenzen. Morgen sind Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg!
Für mich gilt: AfD wählen. Was sonst.