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Sonntag, 1. Dezember 2013

Die ersten Auswirkungen des Koalitionsvertrags

Thema: Pickerl-Streit eskaliert

Vignette in Österreich: Die Maut-Falle schnappt zu

Abendzeitung München:


Ab hier wird Wegezoll kassiert: Am Sonntag herrscht erstmals auch auf dem sechs Kilometer langen Stück bis Kufstein-Süd Pickerl-Pflicht - Ski-Ausflügler müssen zahlen oder abfahren. Foto: dpa
Ab Sonntag erheben die Österreicher ab der Staatsgrenze Mautgebühren. Zum Auftakt blockieren Bayern und Tiroler die Inntalautobahn. Das Drehbuch zur Pickerl-Posse – ein Trauerspiel

Der Streit um die Vignettenpflicht auf der Inntalautobahn droht zu eskalieren: Ab Sonntag wollen die Österreicher auf dem kurzen Streckenabschnitt hinter der Grenze Maut kassieren.

Bayern und Tiroler kämpfen Seite an Seite gegen Wien und drohen mit einer (Macht-)Demonstration: Am Sonntag ab 9 Uhr gehen die Anwohner der Bürgerinitiative „Keine Maut ab Grenze“ auf die Straße – genauer gesagt auf die A93.

Es ist die die erste Demo auf einer Autobahn in Bayern. Auf österreichischer Seite wollen die Tiroler beide Fahrspuren bis nach Mittag blockieren. Die Asfinag – das österreichische Straßenkonsortium – hat eine Ausweich-Empfehlung herausgegeben. In letzter Minute versuchte die CSU mit einem gewagten Vorstoß gegen die Maut, das Schlimmste zu verhindern – ergebnislos.

Bayern und Tiroler zusammen gegen Wien, die CSU gegen die Maut, eine bayerische Autobahn als Kundgebungsplatz - wie konnte es so weit kommen?

Der AZ zeigt Ihnen das Drehbuch zur Pickerl-Posse:

Der Schauplatz: Die malerische Inntalautobahn A12 beginnt direkt im Anschluss an die deutsche A93 an der deutsch-österreichischen Grenze bei Kiefersfelden/Kufstein. Etwa 25000 Menschen lebten bisher friedlich in den Orten um die Inntal-Autobahn, eingelullt vom fernen Rauschen der Ausflügler-Autos, die in Richtung Kitzbühler Alpen und Wilder Kaiser fahren.
Nach Kitzbühel via Autobahn kostet jetzt 8,50 Euro

Die Akteure: Die Bayern lieben ihre Tiroler Nachbarn und fahren in die Sommerfrische oder zum Brettlsport mal schnell über die Grenze. Dort galt sechzehn Jahre lang eine Sonderregelung, für knapp sechs Kilometer musste sich keiner ein Pickerl an die Windschutzscheibe kleben.

Lesen Sie hier: Preise und Verkaufsstellen der Vignette in München

Jetzt sollen die Ausflügler für die kurze Autobahnstrecke bis Kufstein-Süd 8,50 Euro zahlen. Wenn sie ohne Pickerl erwischt werden, droht eine Strafe von 120 Euro. Der gewitzte Bayer wird also künftig auf Fernstraßen ausweichen, um der Maut zu entgehen. Das wiederum bringt die Tiroler rund um Kufstein auf die Palme. Sie fürchten einen Verkehrskollaps.

Weil sie aber in diesem speziellen Fall Verständnis für den Geiz der Ausflügler haben, haben sie sich mit den Bayern gegen die österreichische Bundesregierung in Wien verbündet. Die will nämlich zusammen mit der privatisierten Betreibergesellschaft der Autobahnen in Österreich, der Asfinag, das Pickerl ab dem 1.Dezember – und zwar ohne Ausnahmen.

Auf die Seite der alliierten Bayern und Tiroler haben sich der ADAC und sein österreichischer Partner-Club ÖAMTC geschlagen. Der deutsche Automobilclub warnte vor den ab Sonntag anstehenden Kontrollen der Asfinag unter dem Titel „Die Mautfalle schnappt zu.“

Diese Alliierten fordern Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) auf, die Kontrollen auszusetzen, bis ein länderübergreifendes Verkehrskonzept stehe, „das Rücksicht nimmt auf die Interessen und die Gesundheit der von den Verkehrsverlagerungen belasteten 25 000 Anrainer“.

Erster Akt. Am 4. Juli dieses Jahres streicht Wien den Deutschen ein Privileg: Bisher konnten Durchreisende von Bregenz in die Schweiz das kurze Autobahnstück durch den Pfändertunnel mit einem Ein-Tages-Pickerl befahren, das zwei Euro kostete. Jetzt müssen sie eine Zehn-Tage-Vignette für 8,50 Euro kaufen oder über Ausweichstrecken wie Lindau fahren. „Staatlich lizensierte Wegelagerei“ nannte der Lindauer Landrat Elmar Stegmann (CSU) dies.

Doch nun kommt es noch dicker: Bis Ende 2013 soll auch die letzte Ausnahmeregel Inntalautobahn Geschichte sein.

Zweiter Akt: Bayern und Tirol trafen sich Freitag zu einem „Verkehrsgipfel“ in Kufstein, um eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung zu erwirken. „Der Freistaat Bayern hat niemals in Frage gestellt, dass Österreich das Recht hat, eine Maut zu erheben und Vignettenkontrollen durchzuführen. Allerdings fordern wir gemeinsam mit Tirol eine weitere Aussetzung der Mautkontrollen zwischen der Landesgrenze und Kufstein-Süd bis Sommer 2015, wenigstens aber bis Ende 2014, damit wir wirksame Maßnahmen zum Schutz der Anwohner vor Ausweichverkehren konzipieren und umsetzen können“, sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Weder ihm noch seinem Berliner Amts- und Parteikollegen Peter Ramsauer war der Termin sonderlich wichtig, der eine schickte seinen Staatssekretär, der andere seinen Ministerialdirektor. Das erwartete Ergebnis am Nachmittag: Wien bleibt hart – ab Sonntag wird kassiert.

Der ADAC unterstützt die EU-Klagen der Nachbarländer

Dritter Akt: Erboste Bayern und Tiroler wollen am Sonntag die Autobahn blockieren. Das Landratsamt in Rosenheim hat die Protestaktion der Bürgerinitiative „Keine Maut ab Grenze“ auf der A93 Richtung Süden zugelassen und sperrt die A93 von 9 bis 13 Uhr. Auch Tiroler wollen in beide Richtungen blockieren. Das könnte ein Vorgeschmack auf die Blechlawinen-Kolonne sein, die künftig Wochenende für Wochenende zwischen Kiefersfelden und Oberaudorf durch die Straßen rollt.

Auch politisch sorgt die Pickerl-Posse für ganz neue Allianzen: Der ADAC kündigte am Freitag an, die angekündigten Klagen von Österreich und den Niederlanden vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die von der CSU in den Koalitionsvertrag geschriebene Pkw-Maut in Deutschland zu unterstützen.

mit freundlicher Genehmigung der Münchner Abendzeitung

Sonntag, 15. September 2013

Bayern-Wahl könnte für Merkel zum Problem im Wahlendspurt werden

Thema: Landtagswahl in Bayern

CDU zittert vor Seehofer-Sieg
schreibt t-online am 13.09.2013


Angela Merkel blickt beunruhigt, während Horst Seehofer optimistisch auf die bayerischen Landtagswahlen vorausblickt. (Quelle: dpa)
Eine Woche vor der Bundestagswahl sorgt die Bayern-Wahl bei der Bundes-CDU für erhöhtes Herzklopfen. Schließlich könnte der Ausgang der Wahl im Freistaat für ein Wimpernschlag-Finale am 22. September sorgen. Schafft Horst Seehofer mit der CSU die absolute Mehrheit und scheitert die FDP auf Landesebene an der Fünf-Prozent-Hürde, könnte dies zum herben Dämpfer für die CDU im Wahlendspurt werden.

In Bayern sind am Sonntag 9,5 Millionen Bürger zur Wahl eines neuen Landtags aufgerufen. Fünf Jahre nach dem Verlust ihrer Jahrzehnte- langen Alleinregierung kann sich die CSU von Ministerpräsident Seehofer laut Umfragen Hoffnungen machen, in Zukunft wieder alleine zu regieren.

CDU zittert vor FDP-Zweitstimmenkampagne

Bei der Landtagswahl 2008 war die CSU auf 43,4 Prozent der Stimmen abgestürzt. Sie regiert seitdem mit der FDP. Seehofer gab als Wahlziel eine Fortsetzung der Koalition aus. In den Umfragen der vergangenen Wochen rangierten die Christsozialen bei Werten, die ihnen sogar eine absolute Mehrheit der Sitze bringen würden. Die FDP hingegen muss nach ihrem Rekordwert von acht Prozent vor fünf Jahren diesmal um den Wiedereinzug ins Maximilianeum zittern. Auf Bundesebene blicken alle Parteien deshalb Richtung Süden. Von der Landtagswahl erhoffen sie sich vor allem Rückenwind. Der CDU könnten die Ergebnisse allerdings als kalter Wind direkt ins Gesicht blasen. Denn: Schafft die FDP nicht den Sprung in den Landtag, fürchtet die Union im Bund eine Zweitstimmenkampagne der Freidemokraten zu Ungunsten von CDU und CSU in der letzten Wahlkampfwoche. "Dann wird es eine Woche lang ein Trommelfeuer der Liberalen für die Zweitstimmen geben", zitiert die "Süddeutsche-Zeitung" einen Merkel-Stellvertreter.

"Bayern-Wahl wird uns Probleme bereiten"

Die Sorgen innerhalb der CDU-Parteiführung sind nicht unbegründet. Zuletzt präsentierte die FDP ein Großplakat, welches Spitzenkandidat Rainer Brüderle mit der Aufforderung "Zweitstimme FDP" zeigt. Zudem unterstützte erst am Wochenende Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl Brüderle im Wahlkampf in Ludwigshafen. Der FDP winkt bei einem Scheitern in Bayern ein Stimmenzuwachs im Bund. "Mitleidseffekt", beziehungsweise "Mobilisierungseffekt" nennen das die Demoskopen.

Bei der CDU droht genau das Gegenteil. Denn kommt es zu einer absoluten CSU-Mehrheit in Bayern, würde dies Unionswähler im Glauben lassen, dass die Wahl am 22. September schon zugunsten der CDU gewonnen sei. Zuletzt warnte das Institut für Demoskopie Allensbach, dass CDU-Wähler derzeit "einzuschlafen" drohten. Ein Scheitern der FDP bei der Bayern-Wahl könnte deshalb die Gewichte in der Koalition dramatisch zugunsten der Freidemokraten verschieben.

Umfragen deuten Kopf-an-Kopf-Rennen an

Es sieht nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus: In den jüngsten Umfragen liegen mal CDU und FDP, mal das Oppositionslager aus SPD, Grünen und Linken einen Prozentpunkt vorn. Die CDU kommt als stärkste Partei auf 39 bis 40 Prozent, die Freidemokraten auf 5 bis 6. Die SPD schwankt zwischen 25 und 28 Prozent, die Grünen als ihr Wunsch-Koalitionspartner zwischen 9 und 11. Die Linke erreicht in den Umfragen zur Zeit 8 bis 11 Prozent.


Ganz ähnlich sieht man das bei der Münchner Abendzeitung:

Seehofer hat keine Vision für Bayern.
Er will als Rückeroberer der Alleinherrschaft in die Geschichte eingehen


Seehofer mir Heiligenschein?
So sehen ihn seine Anhänger am liebsten.
Foto: dpa
München - Bayern ist die Pforte zum Paradies. Das hat Horst Seehofer von morgens bis abends gepredigt. Natürlich geht’s Bayern gut. Aber selbst der reiche Freistaat hat seine Schattenseiten.
Wer von denen spricht, wird vom CSU-Chef heruntergeputzt wie ein Vaterlandsverräter, der sein schönes Land schlecht redet. Eine Vision für Bayern aber hat Seehofer nicht. Ihn treibt nur ein Ziel, seit er 2008 als Retter von Berlin nach Bayern kam: Nach vielen Höhen und Tiefen zum Ende seiner politischen Karriere doch noch in die Geschichte einzugehen – als Rückeroberer der Alleinherrschaft.

Sein Credo: I bin i. Sein neuer bayerischer Weg war: Schnell die Seite wechseln. Seine Partei hat er mit Zuckerbrot und Peitsche domestiziert zur Mitmach-Partei. Inzwischen macht die CSU tatsächlich alles mit, was er will, weiß aber nicht mehr, für was sie steht. Geändert hat sie sich dabei nicht: Schmutzeleien, Verwandten-Affäre, raffgierige Abgeordnete, deren Outing noch über die Wahl gerettet wurde.

Nicht zu vergessen Seehofers Attacken auf kritische Journalisten. Die Entscheidung liegt nun bei den Wählern, ob sie Seehofer und seiner CSU das weiterhin durchgehen lassen und ihn zum König Horst krönen.

Oder ob auch in Bayern nach 56 Jahren CSU-Regierung die Demokratie vom Wechsel lebt. Kann Seehofer seine Mission erfüllen, wird er das zelebrieren. Darauf kann sich ganz Bayern und die CSU einstellen. Jeden Muckser, der ihm nicht passt, wird er abstrafen.


Kommentare

Wie sagte noch seine Hoheit 2011 so treffend im ZDF bei Pelzich?

Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt und diejenigen die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden

Wer alles zum Thema wissen will sollte hier http://wahlen-bayern.de/ klicken, dort hat man alles und kann bestimmt weiterhelfen.



GGG,
King Horst
Dier AZ hat die Lage voll erkannt, King Horst und viele Andere mühern sich ab um nicht nur Kohle zu verdienen sondern auch um Anerkrennung einzuheimsen, das ist das Ziel des Wahlkampfs, - wäre ja traurig wenn jeder seiner Zukunft so Leidenschaftslos gegenüber stehen würde wie A.B.



Prognose zur Landtagswahl in Bayern AZ-Leser: CSU bei 44 Prozent, FDP knapp drin

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.prognose-zur-landtagswahl-in-bayern-az-leser-csu-bei-44-prozent-fdp-knapp-drin.925a1e70-fc32-4adf-a6f0-cf94a5e77379.html

... übrigens, Wahlwerbung kann auch lustig sein:



und hier zum Thema Familienpolitik ... die Partei