Mittwoch, 4. April 2018

Fall Skripal: Keine Beweise für russische Gift-Herkunft gefunden

Thema: Fall Skripal

Labortest im Fall Skripal
Keine Beweise für russische Gift-Herkunft
Stand: 03.04.2018 18:34 Uhr

Im Fall des Anschlags auf den Ex-Spion Skripal hat das britische Militärlabor keine "präzise Quelle" für das eingesetzte Gift herausfinden können. Ob es wirklich aus Russland kommt, sei unklar.

Das Forschungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums hat nach eigenen Angaben keine Beweise dafür gefunden, dass das bei dem Anschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal verwendete Nervengift in Russland hergestellt wurde.

"Wir haben seine präzise Quelle nicht identifiziert", sagte der Leiter des Laboratoriums der Forschungsanlage Porton Down, Gary Aitkenhead, dem Sender Sky News. Man könne zum jetzigen Zeitpunkt auf Basis der wissenschaftlichen Untersuchungen nicht eindeutig sagen, aus welcher Quelle der Kampfstoff stammt. Dies zu ermitteln, sei aber auch nicht die Aufgabe des Labors, so Aitkenhead.

Substanz Nowitschok nachgewiesen

Die Wissenschaftler hätten aber festgestellt, dass es sich um das Präparat Nowitschok gehandelt habe, ein zur militärischen Verwendung gedachtes Nervengift. Sie hätten ihre Informationen an die Regierung weitergegeben, die dann "unter Verwendung anderer Quellen die Schlussfolgerungen zusammensetzte, zu denen man gelangte". Nowitschok wurde vom sowjetischen Militär in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelt.

Porton Down ist dem britischen Verteidigungsministerium zugeordnet. Aitkenhead sagte, dass wahrscheinlich nur ein staatlicher Akteur einen Angriff mit Nowitschok durchführen könne.

Diplomatische Krise mit Russland

Die britische Regierung wirft der Regierung in Moskau vor, hinter dem Anschlag auf den Ex-Spion und dessen Tochter zu stecken. Russland weist dies zurück und wirft London vor, die Schuld voreilig Russland zugeschoben zu haben. Auf russischen Antrag hin gehen Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) am Mittwoch bei einem Treffen dem Vorwurf Großbritanniens nach, dass Russland hinter dem Giftanschlag stecke.

Russland stellte unter anderem in dem Raum, dass der Kampfstoff aus den Labors von Porton Down gekommen sein könnte. Das sei unmöglich, erklärte Aitkenhead. Das Labor unterliege der höchsten Sicherheitsstufe, ein solch hochgefährlicher Stoff könne daher die vier Wände der Einrichtung nicht verlassen haben.

Der frühere russische Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Beide kamen in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus, inzwischen ist die Tochter auf dem Weg der Besserung. Skripal selbst befindet sich in einem stabilen aber weiter kritischen Zustand.

Der Fall führte zu einer schweren Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten. Als Konsequenz aus dem Anschlag wiesen Großbritannien und mehr als 20 Partnerländer wie Deutschland, Frankreich und die USA Dutzende russische Diplomaten aus. Russland wies daraufhin seinerseits Dutzende Diplomaten aus.

Mit Informationen von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/skripal-laborbericht-101.html

Kommentare

Am 03. April 2018 um 18:42 von dreikäsehoch
tja, und nun? Wie war das mit der Unschuldsvermutung? Ich schäme mich für die Regierung Deutschlands :(

Am 03. April 2018 um 18:42 von Thomas Wohlzufrieden
Entschuldigungen sind jetzt fällig
Endlich wird es klipp und klar gesagt: Für eine russische Herkunft des Giftes gibt es keinerlei Beweise. Somit kann es auch jedes andere Land gewesen sein, das für diesen Mordanschlag verantwortlich ist. Ich denke, das damit umfassende Entschuldigungen gegenüber Russland von jenen fällig werden, die Russland ohne jeden Beweis völlig Grundlos beschuldigt haben.

Am 03. April 2018 um 18:44 von AK47
OPCW-Dringlichkeitssitzung
Die OPCW kommt auf russischen Antrag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.
Bei den Briten wurde mittlerweile die nächste Story des Tathergangs in Umlauf gebracht. Das brit. Labor widerspricht nun der Regierung.
Da hat sich Fr. May nun aber tüchtig in die Nesseln gesetzt. Und der dt. Aussenminister noch dazu.
Am 03. April 2018 um 18:45 von winstonsmith2014
Nix weiß Man außer : Putin wars. Wie plapperte die Raute nach,
wir wissen selber nix, aber wir stehen auf Seiten Englands.
Und getreu diesem Motto folgten fast alle NATO Staaten und der Rest der Welt schaut staunend zu.

Am 03. April 2018 um 18:45 von Karl Napf
oje
muss jetzt unser kleiner maasanzugträger wieder ins boot klettern und zurück rudern? rücktritt wäre besser für deutschland!

Am 03. April 2018 um 18:45 von O. Müller
Es geht immer mehr in die Richtung false flag
Die Geschichte geht immer mehr in Richtung false flag! Merkel ist schon einmal einem solchen Schwindel aufgesessen und zwar, als die USA ihre Lügengeschichten (P. Wolfowitz in der Washington Post) über irakische Massenvernichtungswaffen verbreiteten! Wenn sich auch hier wieder eine ähnliche Geschichte anbahnt, muss Merkel gehen!
Im Übrigen gehört lt. Aitkenhead die ermittelte Probe zur Familie der Novitschoks!

Am 03. April 2018 um 18:48 von sonderbar
Na sowas aber auch. Eine "beispielose" Aktion hat die EU aber hinbekommen.
Beispiellos eben, selbst für die EU....

Am 03. April 2018 um 18:49 von dirkcoe
Grenzenlose Blamage
Nun sieht es wohl so aus, die Briten etwas voreilig waren mit ihren Vorwürfen gegen Russland. Und alle anderen Staaten, die glaubten solidarisch sein zu müssen sind bis auf die Knochen blamiert. Es hat schon einen Guten Grund, das in einem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung gilt.

Am 03. April 2018 um 18:49 von rimo19
Und wir weisen aufgrund dessen ..
..russische Diplomaten aus ?
Peinlich

Am 03. April 2018 um 18:50 von Dr. eg Sak
May-Day, Frau May
war nicht eine ähnlich vorschnelle Behauptung der Briten ausschlaggebend, in damals in den Irak einzumarschieren?

1 Kommentar :

  1. Und sie mauern weiter:

    https://de.sputniknews.com/politik/20180403320180079-experten-blockieren-herkunft-quelle-ablehnen/

    Allerdings leben wir heute in einer aufgeklärten Welt, die das Tricksen und Lügen einfach satt hat.
    Wer will schon Krieg zwischen den Großmächten? Entscheidungen dieser Machteliten, werden wir alle tragen müssen.
    Massive Aufrüstung zur Aufrechterhaltung der "Wirtschaft" und dadurch bedingte steigende Armut, weil diese "Steuergelder" an allen anderen Ecken für ein humanes Leben fehlen.
    Gut! Es ist nur Geld, Zahlen auf Papier, was ein anderes Thema ist.
    Macht, Macht, bis zur Ohnmacht!
    Ein "dickes Ende" würde Alle betreffen.
    Alles andere ist eine Illusion.

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