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Mittwoch, 8. Juli 2020

Rubikon - Wir streiken!

Politik und Medien erklären den Ausnahmezustand zur „neuen Normalität“ und setzen auf die Gewöhnung an den totalitären Wahn — da machen wir nicht mit.
von Roland Rottenfußer

Der Rubikon hat mit vielen seiner Analysen und Warnungen der vergangenen Monate recht behalten. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er auch recht bekommt. Während sich immer stärker die Umrisse eines gewaltigen Betrugsmanövers, einer manipulativen Angstkampagne oh­ne­glei­chen abzeichnen; während auch die psychosozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen durch die „Corona-Eindämmungsmaßnahmen“ zunehmend drastisch zutage treten, pflegen die erstarrten Exponenten der alten Welt ihre Machtrituale und längst widerlegten Verdummungsnarrative. Im Abwehrkampf gegen lästige Wahrheiten haben auch die Massenmedien den Tonfall gegenüber Abweichlern verschärft. Diese Zeit des aufreibenden publizistischen Kampfes ist auch am Rubikon-Team nicht spurlos vorbeigegangen. Wir machen deshalb erst einmal eine kleine Pause. Standesgemäß nennen wir diese natürlich nicht „Urlaub“, sondern „Streik“ — auch wenn die Notwendigkeit, sich mit aller Kraft für die Freiheit einzusetzen, leider in keiner Weise kleiner geworden ist. Doch keine Sorge: Wir treten nicht zurück, sondern nehmen nur neu Anlauf.

Fast jeder spürt sie in diesen Tagen: die große Erschöpfung.
Wir sind es müde, auf allen Kanälen ungefragt über die neuesten Untaten „des Virus“ unterrichtet zu werden; müde, Corona andauernd unsere Reverenz erweisen zu müssen; müde, über Corona-Regeln belehrt zu werden; müde, beim Betreten jedes Geschäfts, jeder Tankstelle, jeder Stadtbücherei und jedes Regionalzugs schon durch den Anblick der Maskierten darauf gestoßen zu werden, dass jetzt „alles ganz anders“ ist — schlimmer und unfreier. Müde vielleicht auch der Warnungen von „Corona-Skeptikern“, wonach eine Diktatur, der Impfzwang und eine große Rezession drohen — müde selbst dann, wenn wir ahnen, dass diese Gefahren durchaus real sind.

Dabei sind Menschen, die die vom Rubikon vertretene eindeutig kritische Haltung zu den Corona-Maßnahmen teilen, noch im Vorteil. Sie können ihre Energie auf ein Ziel bündeln. Für alle anderen ist dies auch eine Zeit innerer Kämpfe. Zerrissen zwischen mindestens zwei Seelenregungen — dem Wunsch, den Erzählungen der Herrschenden doch ein bisschen glauben zu können, und dem Antrieb, sich einem drohenden Gesundheitstotalitarismus entgegenzustellen — fühlen sich manche selbst dann erschöpft, wenn sie äußerlich betrachtet weniger zu tun haben als „vor Corona“.

Ermüdend vor allem ist auch die Auseinandersetzung mit „Corona-Andersgläubigen“, denen man überall begegnen kann: selbst im engsten Freundes- und Kollegenkreis und in der Familie. Jede Begegnung mit einem alten Bekannten wird bereits zur Zitterpartie, weil man nie weiß, ob die betreffende Person nicht von massiver Medienpropaganda der Art „Christian-Drosten-Corona-Update“ umgedreht wurde — über Nacht verwandelt in einen konformen, freiheitsvergessenen Menschen, der einem im Grunde fremd geworden ist.

Wer sich selbst nach drei Monaten dieses organisierten Wahnsinns psychisch noch halbwegs stabil fühlt, wird genug damit zu tun haben, sich die desaströsen Corona-Geschichten seiner Mitmenschen anzuhören, zu trösten, zu helfen und mitzuleiden:

Die Geschichte der alleinerziehenden Mutter, die komplett überfordert ist, weil ihr der Staat ihr Kind zur monatelangen Ganztagsbetreuung vor die Tür gekarrt hat — Schule geschlossen. Die psychische Belastung durch völlig desorientierte, demente alte Menschen, die in ihren Zimmern eingeschlossen wurden und denen man am Telefon jedes Mal neu erklären muss, dass man nicht kommen kann, weil man nicht kommen „darf“. Die befreundeten kleinen Ladeninhaber und auftretenden Künstler, denen ihre ganze Existenz wegzubrechen droht, für die ein lapidares „zu frühe Lockerungen wären fahrlässig“ aus dem Mund ihrer Kanzlerin das berufliche Todesurteil bedeuten kann. Die Einsamen, ohnehin zur Depression und zur Angststörung Neigenden, deren mühsam im Zaum gehaltenen Symptome angetriggert werden und wieder ausbrechen.

Schließlich ein Phänomen, das ich „Diktatur-Depression“ genannt habe: das Gefühl ohnmächtiger Wut und fast vollständiger Machtlosigkeit; der Eindruck, sich innerlich halb abgestorben unter Fremden in einem fremden Land zu bewegen; das Gefühl, dass einem fast alles Liebgewordene unter den Händen zerrinnt und sich das Gift der Despotie selbst in die kleinste alltägliche Verrichtung geschlichen hat.
Wir dürfen uns nichts vormachen: Wir leiden — fast alle. Und wir sollten uns nicht mehr scheuen, die Zusammenhänge zu erkennen und die Täter zu benennen.
Diese Regierung hat Millionen von Menschen aus nichtigem Anlass psychisch schwer misshandelt. Sie hat Millionen von Menschen gedemütigt und ihrer Rechte beraubt. Die meisten wollen dieser Tatsache nur deshalb nicht klar ins Auge schauen, weil sie sich verzweifelt einreden, dass die „Eindämmungsmaßnahmen“ der Regierung vielleicht doch auch ein bisschen notwendig gewesen sein könnten; dass all das einen Sinn ergibt: den Schutz von Leben; und dass sie selbst als Helden einer großen nationalen Kraftanstrengung aus dieser Krise hervorgehen werden.

Sich einzugestehen, dass dem nicht so ist, dass man auf beispiellose Weise betrogen worden ist, dass das ganze Leid umsonst war, dass man durch Duldung gar zum Mitgestalter der rapiden Verwandlung unserer Realität in ein beklemmend-dystopisches Zerrbild von „Demokratie“ geworden ist — dies kann sehr schmerzhaft sein, zu schmerzhaft für viele. Daher halten sie sich an den narrativen Konstruktionen der Mächtigen fest wie an einer Holzplanke, um nicht mit dem Strudel des sinkenden Schiffs Freiheit nach unten gezogen zu werden. Corona-Opportunismus schützt vor schmerzlicher Selbsterkenntnis, schützt auch vor den Mühen und Gefahren des Kampfes gegen einen übermächtig erscheinenden Gegner.

Die meisten kämpfen auch jetzt noch nicht. Und viele Linke investieren ihre verbleibenden Kräfte, um Widerstand gegen die ohnehin viel zu wenigen Widerständigen zu leisten, indem sie innerhalb der Protestbewegung gegen die Corona-Maßnahmen dunkle Gestalten auszumachen meinen:
„Impfgegner, Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Rechtsradikale“...
So simpel die Diffamierungsmuster der Gegner auch sein mögen — bei vielen Menschen haben sie verfangen. Auch weil tatsächlich nicht wenige Menschen mit AfD-Mentalität auf den Zug der anfangs anschwellenden Proteste aufgesprungen sind und deren ursprüngliche Absichten — die Bewahrung der Grundrechte — in ihrem xenophoben Sinn umgefärbt haben.

Vielleicht haben manche Protestler den Fehler mangelnder Abgrenzung gegenüber „rechten“ und definitiv zu wirren Theorien begangen. Aber auch viele Linke haben sich vorschnell und zu radikal von den Protesten distanziert, haben einen Teil (rechte Mitläufer) für das Ganze genommen und sich auf die sichere Seite einer vermeintlich gemäßigten „Mitte“ geflüchtet. Ein „Antifaschismus“, der sich seine Feinde tragischerweise ausgerechnet bei den aktiven Gegnern des grassierenden Gesundheitstotalitarismus und der Zerstörung unserer Grundrechte sucht.

Dies geschieht in den allermeisten Fällen, ohne eine echte Alternative anzubieten — also zum Beispiel linke Proteste unter Ausschluss fragwürdiger Trittbrettfahrer zu organisieren. Die Linke hat durch ihr Versagen in der Corona-Krise viele, die aus gutem Grund nicht nach rechts wandern wollen, in die politische Heimatlosigkeit verjagt. Wohin all diese desorientierten, verstörten Menschen — denen zugleich schwere seelische und finanzielle Misshandlung widerfahren ist — in der Phase „nach Corona“ driften werden, bleibt abzuwarten.

Der gegenwärtige Akt des großen Corona-Dramas — die Phase „vorsichtiger Lockerungen“ — ist also durch dreierlei Entwicklungen gekennzeichnet:
  1. Viele Menschen haben sich an die „neue Normalität“ mittlerweile gewöhnt und sind zu routinierten Mitspielern bei der Entrechtung der Bürger — auch ihrer eigenen — geworden. Sie freuen sich auf jede kleine Erleichterung, die ihnen von oben gnädigerweise, jedoch fein dosiert, gewährt wird. Die Tatsache, dass sie jetzt wieder relativ viel von ihrem alten Leben realisieren können — sie quasi mit Atemmaske wieder zur Atemtherapie gehen dürfen —, hat ihrem Widerstandsgeist jedoch den Wind aus den Segeln genommen. Die Lage jetzt ist ja „erträglich“. Gefürchtet wird allenfalls eine „zweite Corona-Welle“, die von den Scharfmachern um Christian Drosten dienstbeflissen an die Wand gemalt wird. Geradezu herbeigesehnt wird die Massenimpfung — die Pharmaindustrie arbeitet „mit Hochdruck“ daran —, die ein neues säkulares messianisches Zeitalter einläuten soll. Dann wäre „wieder alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“. Man müsste nur noch der wenigen unverantwortlichen „Impfverweigerer“ Herr werden.
  2. Gleichzeitig werden die Negativfolgen der „Eindämmungsmaßnahmen“ — privat wie kollektiv — immer deutlicher. Ein Wegschauen wird schwieriger, ein Beschönigen durch die Betreiber medialer Gehirnwaschanlagen auch. Denn die Menschen leiden. Sie sehen zum großen Teil nur die Zusammenhänge nicht. Oder sind — wenn sie sie ahnen — nicht bereit zu kämpfen. Denn Kämpfen ist immer schwer. Die Peiniger zu idealisieren und anzunehmen, sie hätten das alles nur „gut gemeint“, erspart die schwierige und angstbesetzte Aufgabe, sich mutig verhalten zu müssen.
  3. Öffentlich Widerstand zu leisten oder zum Widerstand aufzufordern, ist in vieler Hinsicht schwerer geworden als in der ersten Phase nach dem Corona-Schock. Der Gegenschlag des Corona-Establishments war geschickt und wirkungsvoll, man denke etwa an den pauschal-pejorativen Gebrauch des Worts „Verschwörungstheorie“, der in den vergangenen Wochen auf allen Kanälen unaufhörlich in die Köpfe geprügelt wurde. Manche, die begonnen haben zu verstehen und die bereit gewesen wären, zu kämpfen, haben sich wieder zurückgezogen — schlicht aus Angst, der zu befürchtende Gegenwind könne ihnen die berufliche und soziale Existenz kosten. Man muss also Mut haben und in der Kritikerszene über ein stabiles Unterstützerumfeld verfügen, um jetzt weiter zu kämpfen. Und dies trifft leider nicht für alle zu.
Zusammen mit der grassierenden „Corona-Müdigkeit“ ergibt sich daraus eine schwierige Gemengelage. Verständlicherweise wollen viele Menschen jetzt einfach so wenig wie möglich von Corona hören. Sie sind „wegen Corona“ müde, sind aber auch speziell der endlosen Corona-Debatten überdrüssig. Diese Entwicklung hilft leider jenen Kräften, die offenbar nicht müde werden, die Verwandlung unserer ohnehin alles andere als perfekten Demokratie in einen autoritären Überwachungsstaat — gestützt auf soziale Kontrolle und gesundheitsbezogenen Tugendterror — mit aller Macht voranzutreiben.

Während der Zulauf zu den Demonstrationen rückläufig ist und die Angst davor grassiert, zu den Buhfrauen und Buhmännern der „rechten Verschwörungsszene“ gerechnet zu werden, arbeiten einflussreiche Kräfte an der Perpetuierung der jetzt eingeübten diktatorischen Maßnahmen, an der Bargeldabschaffung, an einem politisch motivierten Digitalisierungsamoklauf und an einer weitgehenden „Durchimpfung“ der Bevölkerung.
Mindestens auf eine „On-Off-Diktatur“ haben wir uns einzustellen, also auf das Damoklesschwert von „Shutdown“-Maßnahmen, die jederzeit wieder aktiviert werden können, wenn das Auftauchen bekannter oder unbekannter Viren dies nahelegt. Und es muss sich dabei — wie gesehen — keinesfalls um eine reale Gefahr handeln.
Wir erleben zugleich Wochen, in denen sich mehr und mehr erweist, dass der vom Rubikon im März 2020 spontan eingeschlagene Weg der richtige war. Wir glauben, mit mittlerweile mehreren hundert Beiträgen — auch von ausgewiesenen medizinischen Experten — nachgewiesen zu haben,
  • dass das Coronavirus weitaus weniger gefährlich ist, als das herrschende Narrativ behauptet;
  • dass massiv mit Zahlen manipuliert wurde und wird;
  • dass wir mithin Opfer einer beispiellosen Angstkampagne und eines seit 1933 nie dagewesenen Angriffs auf unsere Grund- und Bürgerrechte geworden sind;
  • dass schließlich durch den massiven Angriff auf die soziale, psychische und wirtschaftliche Integrität von Millionen Menschen Leid in einem Umfang verursacht wurde und wird, das durch die tatsächlichen Corona-Toten und -Infizierten nicht zu rechtfertigen ist.
Einige Zusammenhänge konnten wir zwar noch nicht eindeutig beweisen, werden jedoch durch unsere Recherchen sehr nahegelegt: Es gibt eine Agenda hinter den Kulissen, und diese wird international vorangetrieben. Mindestens zwei Branchen profitieren massiv von diesen Vorgängen: Die Pharmaindustrie, die in der Pandemie-Panik die historische Chance auf eine unabsehbare Erweiterung ihres Geschäftsfelds sieht — den erzwungenen Zugriff auf die Körper von Millionen gesunden Menschenund die IT-Industrie, die die Ausweitung ihrer Marktmacht im Verein mit einem ausgeklügelten System der Überwachung, Kontrolle und Verhaltenssteuerung im Schatten der Corona-Hysterie vorantreiben will.

Schließlich kommt die derzeitige Dynamik auch den Wünschen vieler Regierenden entgegen, staatliche Machtbefugnisse auf Kosten der Bürgerrechte Schritt für Schritt weiter ausdehnen, demokratische Reststrukturen wie ein lästiges Korsett abstreifen und im Sinne von Eliteinteressen auf der Weltbühne wie befreit aufspielen zu können.

An diesen Vorgängen ist so viel faul, dass den Tätern — um ihre Machenschaften zu verschleiern — nichts Besseres einfiel, als das Wort „Verschwörungstheorie“ selbst mittels einer massiven Kampagne zu dämonisieren. Das ist teilweise gelungen. Und dies obwohl selbst der Dümmste einsehen müsste, dass zwar die Theorie einer „jüdischen Weltverschwörung“ falsch, perfide und gefährlich ist, dass damit aber über den Wahrheitsgehalt anderer „Verschwörungstheorien“ nichts, aber auch gar nichts ausgesagt ist: dass es also durchaus Hintergrundabsprachen zwischen Mächtigen zum Schaden der Bevölkerungsmehrheit geben kann, immer gegeben hat und immer geben wird; dass der Versuch der Aufdeckung solcher Absprachen somit als ein Akt der Bürgerselbstverteidigung legitim bleibt.

Mag auch mancher dieser „Theoretiker“ mal daneben langen oder mangels verfügbarer Hintergrundinformationen notgedrungen lückenhaft arbeiten, was zählt, ist die humane und emanzipatorische Absicht dahinter. Dies schließt gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit — zum Beispiel die Theorie eines beabsichtigten „Bevölkerungsaustauschs“ — aus, libertäre Aufklärungsarbeit, die immer gegen die unangemessene Selbstaufblähung von Machtapparaten gerichtet ist, jedoch ausdrücklich mit ein.

So sehr der Rubikon mit seinen Analysen und Warnungen auch in den vergangenen Monaten recht behalten hat — es ist in der nahen Zukunft nicht zu erwarten, dass er überall recht bekommt. Wir haben uns auf einen harten, langen und zähen Kampf einzustellen, auch auf eine Reihe von Rückschlägen aufgrund der geschickten Vorgehensweise des „Gegners“: endlose und sinnlose Verlängerungen von „Maßnahmen“ wie die der demütigenden Maskenpflicht; Drohungen mit einer zweiten und dritten Corona-Welle; ein inszeniertes Wiederaufflammen der Hysterie mit dem Nahen der herbstlichen Grippesaison; den Versuch, die schon spürbaren wirtschaftlichen Verwerfungen rhetorisch zu verschleiern und die Folgen durch exzessive Schuldenmacherei hinauszuschieben; den permanenten Versuch, den Einsatz für Grundrechte zu delegitimieren und zu dämonisieren; immer neue Vorschläge zur Perfektionierung der Gesundheitsüberwachung, die mit einer Strategie massiver Angstmache verkauft werden.

Sind wir gerüstet für diesen Kampf? Ich gebe es im Namen der gesamten Rubikon-Mannschaft zu: Ja, auch wir sind erschöpft. Wir sind vor etwa drei Jahren angetreten, um politisch etwas zu verändern und durchaus auch, um als alternatives Webmagazin groß zu werden. Wir haben uns nach einem Raketenstart auf gutem Niveau behauptet — mit Themen wie Krieg, Zensur und Medienmanipulation. Wir haben unsere Strukturen ausgebaut und eine Reihe guter und zuverlässiger Mitarbeiter an uns gebunden.

Nichts und niemand konnte uns aber darauf vorbereiten, dass wir uns unversehens als publizistische Speerspitze in einem historischen Kampf um unsere Grundrechte wiederfinden würden — in einer Zeit, in der die demokratische und freiheitliche Substanz unseres Gemeinwesens in einem in der Nachkriegsgeschichte einzigartigen Ausmaß bedroht wird. Mit unseren Leserzahlen ist geschehen, was über die Corona-Infiziertenzahlen nur behauptet wurde: Sie sind exponentiell gewachsen — auf heute mehr als eine Million Zugriffe Pro Monat. Was dagegen nicht exponentiell gewachsen ist, ist die Anzahl unserer einsatzfähigen Mitarbeiter, sind auch unsere persönlichen Kraftreserven und Zeitbudgets.

Dies führte notwendigerweise dazu, dass wir alle seit Monaten am Limit arbeiten. Neben der schieren Quantität der Arbeit, die sich durch einen größeren „Ausstoß“ an Artikeln ergibt, haben wir auch mit psychischen Folgen der niederdrückenden, empörenden Corona-Maßnahmen zu kämpfen — einschließlich der Anfeindungen, die wir öffentlich wie teilweise auch privat erleben, weil wir uns in journalistischer Verantwortung entschieden haben, den Weg von „Corona-Dissidenten“ zu gehen.

Da unsere Kräfte sich somit dem Ende entgegen neigen, die Probleme, die mithilfe dieser Kräfte bewältigt werden müssten, dagegen aber weiterbestehen, haben wir uns quasi als Erste Hilfe zu drei Maßnahmen entschlossen:
  1. Wir machen vom 27. Juni 2020 bis zum 6. Juli 2020 eine Pause, einen vollkommenen Rubikon-Lockdown, der allen Mitarbeitern eine Regenerationspause ermöglicht. Denn wenn bei kaum vorhandener Personaldecke für einen abwesenden Mitarbeiter immer andere einspringen müssen, mildert das den Grad der Erschöpfung in Summe nicht. Auf keinen Fall soll diese Pause von unseren Leserinnen und Lesern als ein „Aufgeben“ verstanden werden. Wir kommen wieder, keine Frage. Und haben dann wahrscheinlich bessere Chancen, die im Spätsommer und Herbst anstehenden Herausforderungen zu meistern.
  2. Wir streben mittelfristig den Aufbau einer erweiterten Rubikon-Mannschaft an, mit dem Ziel, dass die personelle Kapazität mit unserer gewachsenen Bedeutung und den gewachsenen Herausforderungen Schritt hält.
  3. Wir bitten unsere Leserinnen und Leser, uns finanziell zu unterstützen — soweit es möglich ist, sogar in stärkerem Umfang als bisher. Eine Spende für den Rubikon ist zugleich eine politisch wirksame Aktion, weil sie die Widerstandsbewegung gegen den im Ausbau befindlichen Gesundheitstotalitarismus stärkt. Sie helfen uns damit, dass wir nicht nur die geplante Pause materiell unbeschadet überstehen. Sie ermöglichen es uns auch, für unsere strapazierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßige Regenerationspausen zu organisieren, indem Vertretungen eingestellt werden und das Personaltableau insgesamt erweitert werden kann. So können wir unsere wichtige Arbeit auch langfristig sicherstellen. Helfen Sie mit, damit sich das Anwachsen unserer Leserzahlen um rund das Fünffache wenigstens teilweise auch in einem größeren Spendenvolumen widerspiegelt. Auch wenn viele jetzt eben wegen Corona finanziell abrutschen, es wäre viel gewonnen, wenn alle, die es können, für unsere gemeinsame Sache ein bisschen spenden. Diejenigen, denen es finanziell noch gut geht, vielleicht auch ein bisschen mehr.
Ein Trost noch zum Schluss: Wer in diesen Tagen Filme mit Christian Drosten, Markus Söder und anderen Akteuren des Corona-Establishments angeschaut hat, der spürt: Auch sie sind erschöpft.
Auch sie wirken nach Monaten der Mehrarbeit und der harten, vermeintlich notwendigen Entscheidungen angeschlagen. Und bei ihnen kommt — im Gegensatz zu uns — noch eines hinzu: Es kostet Kraft, immer eine Maske zu tragen — und nicht nur in der U-Bahn und im Supermarkt. Es kostet Energie, etwas vertreten zu müssen, an was man, wenn man ehrlich zu sich ist, eigentlich selbst nicht mehr glauben kann.

Lassen wir also die Hoffnung zu, dass sich der Wind durchaus noch stärker in unsere Richtung drehen kann als bisher. Und dass wir alle mit Mut und Beharrlichkeit jeder auf seinem Platz dazu beitragen können. Wo Rettung ist, wächst das Gefährliche auch. Aber es ist nicht unüberwindlich. Je mehr Menschen den Herrschenden ihre Masken vom Gesicht reißen, desto eher finden wir einen Ausweg aus dieser bedrückten und maskierten Gesellschaft.
Wir danken im Voraus für Ihren Zuspruch, Ihre Unterstützung und Ihre Spenden.
Zum Abschluss noch einmal der aktuelle Sachstand zu Covid-19 von Swiss Policy Research für Sie — eine Übersicht dessen, was zum Thema belegt und wirklich beweisbar ist:
  1. Laut den neuesten immunologischen und serologischen Studien liegt die Letalität von Covid-19 (IFR) bei insgesamt circa 0,1 Prozent und damit im Bereich einer starken Influenza (Grippe).
  2. In Ländern wie den USA, Großbritannien und auch Schweden (ohne Lockdown) liegt die Gesamtmortalität seit Jahresbeginn im Bereich einer starken Grippesaison; in Ländern wie Deutschland und der Schweiz liegt die Gesamtmortalität im Bereich einer milden Grippesaison.
  3. Das Sterberisiko für die Allgemeinbevölkerung im Schul- und Arbeitsalter liegt selbst in den weltweiten „Hotspots“ zumeist im Bereich einer täglichen Autofahrt zur Arbeit. Das Risiko wurde zunächst überschätzt, da Personen mit milden oder keinen Symptomen nicht erfasst wurden.
  4. Bis zu 80 Prozent aller testpositiven Personen bleiben symptomlos. Selbst unter den 70- bis 79-Jährigen bleiben rund 60 Prozent symptomlos. Mehr als 95 Prozent aller Personen zeigen höchstens moderate Symptome.
  5. Bis zu 60 Prozent aller Personen verfügen bereits über eine gewisse zelluläre Hintergrundimmunität gegen Covid-19 durch den Kontakt mit bisherigen Coronaviren, also Erkältungsviren. Die ursprüngliche Annahme, es gebe keine Immunität gegen Covid-19, war nicht zutreffend.
  6. Das Medianalter der Verstorbenen liegt in den meisten Ländern — inklusive Italien — bei über 80 Jahren und nur circa 4 Prozent der Verstorbenen hatten keine ernsthaften Vorerkrankungen. Das Sterbeprofil entspricht damit im Wesentlichen der normalen Sterblichkeit.
  7. In vielen Ländern ereigneten sich bis zu zwei Drittel aller Todesfälle in Pflegeheimen, die von einem allgemeinen Lockdown nicht profitieren. Zudem ist oftmals nicht klar, ob diese Menschen wirklich an Covid-19 starben oder an wochenlangem Stress und Isolation.
  8. Bis zu 30 Prozent aller zusätzlichen Todesfälle wurden nicht durch Covid-19 verursacht, sondern durch die Folgen von Lockdown, Panik und Angst. So ging etwa die Behandlung von Herzinfarkten und Hirnschlägen um bis zu 60 Prozent zurück, da sich Patienten nicht mehr in die Kliniken wagten.
  9. Selbst bei den sogenannten Covid-19-Todesfällen ist oftmals nicht klar, ob sie an oder mit Coronaviren (das heißt an ihren Vorerkrankungen) starben oder als „Verdachtsfälle“ gar nicht getestet wurden. Die offiziellen Zahlen reflektieren diese Unterscheidungen jedoch oftmals nicht.
  10. Viele Medienberichte, wonach auch junge und gesunde Personen an Covid-19 starben, stellten sich als falsch heraus: Viele dieser jungen Menschen starben entweder nicht an Covid-19, waren bereits schwer vorerkrankt (zum Beispiel an Leukämie) oder waren beispielsweise 109 statt 9 Jahre alt. Die angebliche Zunahme der Kawasaki-Krankheit bei Kindern war ebenso eine Falschmeldung.
  11. Regional stark erhöhte Sterblichkeiten können entstehen, wenn es zu einem infektions- oder panikbedingten Kollaps der Alten- und Krankenpflege kommt oder zusätzliche Risikofaktoren wie starke Luftverschmutzung bestehen. Fragwürdige Vorschriften zum Umgang mit Verstorbenen führten teilweise zu zusätzlichen Engpässen bei Bestattungen und Kremierungen.
  12. n Ländern wie Italien und Spanien sowie teilweise Großbritannien und den USA haben auch Grippewellen bereits bisher zu einer Überlastung der Krankenhäuser geführt. Derzeit müssen zudem bis zu 15 Prozent der Ärzte und Pfleger auch ohne Symptome in Quarantäne.
  13. Die oft gezeigten Exponentialkurven mit „Coronafällen“ sind irreführend, da auch die Anzahl der Tests exponentiell zunahm. In den meisten Ländern blieb das Verhältnis von positiven Tests zu Tests insgesamt (sogenannte Positivenrate) konstant bei 5 bis 25 Prozent oder nahm nur leicht zu. Der Höhepunkt der Ausbreitung war in den meisten Ländern bereits vor dem Lockdown erreicht.
  14. Länder ohne Ausgangssperren, wie zum Beispiel Japan, Südkorea, Weißrussland und Schweden, haben keinen negativeren Verlauf als viele andere Länder erlebt. Schweden wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO sogar als vorbildliches Modell gelobt und profitiert nun von einer hohen Immunität.
  15. Die Angst vor einer Knappheit an Beatmungsgeräten war unberechtigt. Laut Lungenfachärzten ist die invasive Beatmung (Intubation) von Covid-19-Patienten, die teilweise aus Angst vor dem Virus geschah, zudem oftmals kontraproduktiv und schädigt die Lungen zusätzlich.
  16. Entgegen ursprünglicher Vermutungen zeigten verschiedene Studien, dass es für die Verbreitung des Virus durch Aerosole, also in der Luft schwebende Partikel, oder durch Schmierinfektionen etwa durch Türklinken und Smartphones keine Evidenz gibt. Die Hauptübertragungswege sind direkter Körperkontakt und Tröpfchen beim Husten und Niesen.
  17. Für die Wirksamkeit von Atemschutzmasken bei gesunden oder symptomlosen Personen gibt es ebenfalls keine wissenschaftliche Grundlage. Experten warnen vielmehr, dass solche Masken die Atmung beeinträchtigen und zu „Keimschleudern“ werden. Mehr dazu hier.
  18. Viele Kliniken in Europa und den USA blieben stark unterbelegt und mussten teilweise sogar Kurzarbeit anmelden. Millionen von Operationen und Therapien wurden abgesagt, darunter auch zahlreiche Krebsuntersuchungen und Organtransplantationen.
  19. Mehrere Medien wurden dabei ertappt, wie sie die Situation in Kliniken zu dramatisieren versuchten, teilweise sogar mit manipulativen Bildern. Generell bewirkte die unseriöse Berichterstattung vieler Medien eine Maximierung der Angst in der Bevölkerung.
  20. Die international verwendeten Virentestkits sind fehleranfällig und können falsche positive und falsche negative Resultate ergeben. Der offizielle Virentest wurde aus Zeitdruck zudem nicht klinisch validiert und kann auch auf andere Coronaviren positiv reagieren.
  21. Zahlreiche international renommierte Experten aus den Bereichen Virologie, Immunologie und Epidemiologie halten die getroffenen Maßnahmen für kontraproduktiv und empfehlen eine rasche natürliche Immunisierung der Allgemeinbevölkerung und den Schutz von Risikogruppen.
  22. Für die Schließung von Schulen gab es zu keinem Zeitpunkt einen medizinischen Grund, da das Erkrankungs- und Übertragungsrisiko bei Kindern äußerst gering ist. Auch für Kleinklassen, Masken oder Abstandsregeln in Schulen gibt es keinen medizinischen Grund.
  23. Die Behauptung, nur (starkes) Covid-19 könne, im Unterschied zur Influenza, Thrombosen und Lungenembolien verursachen, ist nicht zutreffend, denn seit 50 Jahren ist bekannt, dass auch eine starke Influenza das Risiko für Thrombosen und Embolien stark erhöht.
  24. Mehrere Experten bezeichneten forcierte Impfstoffe gegen Coronaviren als unnötig oder sogar gefährlich. Tatsächlich führte etwa der Impfstoff gegen die sogenannte Schweinegrippe von 2009 zu teilweise schweren neurologischen Schäden und Klagen in Millionenhöhe. Auch bei den Tests von Corona-Impfstoffen kam es bereits zu gravierenden Komplikationen.
  25. Eine globale Grippe- oder Corona-Pandemie könnte sich theoretisch durchaus über mehrere Saisons erstrecken, doch viele Studien zu einer „zweiten Welle“ basieren auf sehr unrealistischen Annahmen, wie zum Beispiel einem konstanten Erkrankungs- und Sterberisiko über alle Altersgruppen.
  26. Mehrere Krankenschwestern, zum Beispiel in New York City, beschrieben eine oft tödliche Fehlbehandlung von Covid-Patienten aufgrund fragwürdiger finanzieller Anreize und ungeeigneter Methoden.
  27. Die Anzahl an Menschen, die aufgrund der Maßnahmen an Arbeitslosigkeit, Depressionen und häuslicher Gewalt leiden, hat weltweit Höchstwerte erreicht. Mehrere Experten gehen davon aus, dass die Maßnahmen wesentlich mehr Leben fordern werden als das Virus selbst. Laut UNO sind weltweit 1,6 Milliarden Menschen vom akuten Verlust ihrer Lebensgrundlagen bedroht.
  28. NSA-Whistleblower Edward Snowden warnte, dass „Corona“ für den permanenten Ausbau weltweiter Überwachungsinstrumente genutzt wird. Der renommierte Virologe Pablo Goldschmidt sprach von einem „globalen Medienterror“ und „totalitären Maßnahmen“. Der britische Infektiologe Professor John Oxford sprach von einer „Medien-Epidemie”.
  29. Mehr als 600 Wissenschaftler haben vor einer „beispiellosen Überwachung der Gesellschaft“ durch problematische Apps zur Kontaktverfolgung gewarnt. In einigen Ländern wird diese Kontaktverfolgung bereits direkt vom Geheimdienst durchgeführt. Weltweit kam es zur Überwachung der Zivilbevölkerung durch Drohnen und teilweise massiver Polizeigewalt.
  30. Eine WHO-Studie von 2019 zu Maßnahmen gegen Grippepandemien ergab, dass „Kontaktverfolgung“ aus medizinischer Sicht „unter keinen Umständen zu empfehlen“ ist. Dennoch wurden Tracing-Apps in mehreren Ländern bereits teilweise obligatorisch.


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Roland Rottenfußer Roland Rottenfußer, Jahrgang 1963, war nach dem Germanistikstudium als Buchlektor und Journalist für verschiedene Verlage tätig. Von 2001 bis 2005 Redakteur beim spirituellen Magazin connection, später für den „Zeitpunkt“. Aktuell arbeitet er als Lektor, Buch-Werbetexter und Autorenscout für den Goldmann Verlag. Seit 2006 ist er Chefredakteur von Hinter den Schlagzeilen.
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Der Artikel ist erschienen bei :Rubikon-News

Dienstag, 9. Juni 2020

Rubikon-News - Der Elefant im Raum

Eine Einordnung der aktuellen Sonderauswertung zu den Sterbefallzahlen des Jahres 2020 für Deutschland ist notwendig.
von Johannes Kreis

Inzwischen liegen genug Daten zu COVID-19 vor. Doch je mehr Daten es gibt, desto weniger wird darüber berichtet. Dennoch lässt sich die entscheidende Frage, ob sich etwas über das saisonale Maß hinaus Gefährliches verbreitet hat, inzwischen beantworten.

Was ist groß, grau, hat große Ohren, einen langen Rüssel und steht mitten im Zimmer?
Bundesamt für Statistik, „Sonderauswertung zu Sterbefallzahlen des Jahres 2020“
Wo bleiben die „dimensionierenden Erläuterungen des wissenschaftlichen Kontextes“ dieser Daten durch die Edelschreiber der Kultur- und Wissensressorts, wie vor kurzem von der Zeit eingefordert (1)?
Soll das die Punktlandung der Regierungsmaßnahmen sein? Es mutet verzweifelt an, wie das Bundesamt für Statistik versucht aus statistischem Rauschen ein Signal zu generieren. Und hier sind noch die Folgen der Lockdown-Maßnahmen rauszurechnen, also mehr als 50.000 verschobene Operationen, 40 Prozent weniger Herzattacken und Schlaganfälle in den Ambulanzen, vorschnelle künstliche Beatmung, Stress und Angst bei Über-80-Jährigen, fehlende Pflegekräfte usw.

Naja, der politische Druck, aber auch der wissenschaftliche Druck, wird groß genug sein. Es geht um viel. Doch egal was man macht, am Ende reicht es so gerade für die Hitzewelle von 2018, falls man überhaupt daran glaubt, dass Viren sich von Masken und 1,5 Meter Mindestabstand abschrecken lassen. Bis Mitte März sind mehr als 10 Millionen Pendler zweimal täglich mit Bus und Bahn gefahren, oben ohne!

Eine residuale Minimalst-Übersterblichkeit, die genau zu Beginn des Lockdowns einsetzt? Und das bei einem mutmaßlichen Killervirus, der mindestens seit Ende 2019 in Europa war? In vielen Ländern wird man den Beginn der positiven Tests zurückdatieren müssen, so in Frankreich (2), den USA (3) und Indien (4).

Der bislang früheste Nachweis von SARS-CoV-2 in Frankreich datiert auf Dezember 2019:

„Moreover, the absence of a link with China and the lack of recent foreign travel suggest that the disease was already spreading among the French population at the end of December 2019“ (2).

War der Virus immer nur genau dort, wo man nachgemessen hat? Bei einer Infektion, bei der 97 Prozent der Betroffenen keine oder nur milde Symptome zeigen?

Wie passt das zu einer mutmaßlichen, virusbedingten Übersterblichkeit im April?

Wie passt das alles zu der Zoonose-Hypothese und einem mutmaßlich brandneuen Erreger im Dezember 2019 auf dem Fischmarkt in Wuhan, um unter Berücksichtigung der Inkubationszeit die ersten Fälle dort im Januar erklären zu können?

Und wo ist der Aufschrei zu den vielen mit oder an COVID-19 Verstorbenen in Pflegeheimen? Wo ist Herr Lauterbach?

Offensichtlich haben die Schutzmaßnahmen in den meisten Staaten eklatant versagt. In Kanada etwa waren 82 Prozent aller mit oder an COVID-19 Verstorbenen in Pflegeheimen. In Belgien und Frankreich waren es 51 Prozent, in den USA 41 Prozent und für Deutschland werden 37 Prozent angegeben (5).
Die vielen Toten in den Pflegeheimen sprechen klar dagegen, dass die Lockdown-Maßnahmen eine schützende Wirkung hatten.
Hier geht es schon lange nicht mehr um die Interpretation wissenschaftlicher Daten. Hier geht es nur noch um einen gesellschaftlichen Konsens dazu, nicht einmal mehr einen wissenschaftlichen Konsens, den es so auch nie gegeben hat.

Und das ist auch schon die Kernqualifikation des Herrn Dr. Drosten, des Herrn Dr. Kekulé, der Frau Dr. Protzer und auch des Herrn Dr. Streeck — das Verharren im allgemeinen Konsens zur Pathogenität mutmaßlich neuer Erreger zoonotischen Ursprungs, unabhängig davon, was die Daten sagen.
Das ist konform. Das wird belohnt. Aber es ist keine Wissenschaft.
Vorzeige-Ethiker mit meterlangen Titeln vor dem Namen wie ein Univ.-Prof. Dr. Dr. med. habil. Dr. phil. Dr. theol. h. c. Eckhard Nagel nehmen für sich in Anspruch, dass allein ihre eigenen Titel qualifizierend seien (6). Der Verweis eines Dr. Wodarg oder eines Dr. Bhakdi auf die eigene berufliche Qualifikation sei dagegen missbräuchlich.

Es erfordert wohl ein gerütteltes Maß an Borniertheit, den Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Ärzteschaft in den letzten Jahren auf die COVID-19-Kritiker zu schieben. Ruhe ist die erste Ärztepflicht? Das haben wir bei Glyphosat erlebt.

Soll es Vertrauen schaffen, wenn Veröffentlichungen (7), die auf Vorerkrankungen von im Median 76 Jahre alten Menschen herumreiten, jeder mit mindestens einer Vorerkrankung, 77 Prozent mit mindestens 2 Vorerkrankungen, es auf 15 (!) conflicts of interest bringen, darunter auch der weltgrößte Hersteller von Dialyse-Geräten in einer Veröffentlichung zu angeblichen viral-verursachten renalen Zusatzschäden?

Nur bei 2 von 27 Verstorbenen wurden erhöhte Proteinwerte als Zeichen eines Nierenschadens im Urin überhaupt nachgewiesen. Und das in der Mehrzahl bei Patienten mit Bluthochdruck und Diabetes. Unterstellte Zusatzbeiträge eines neuen Erregers lassen sich da gar nicht separieren.

Es gibt ausreichend viele akademisch gebildete Menschen und auch Naturwissenschaftler in der Bevölkerung, die lesen können.
Für wie dumm halten Herr Nagel und seine diensteifrige Stichwortgeberin die Bevölkerung?
Wo sind denn die Beweise zur Zoonose-Hypothese des Dr. Drosten? Wie steht es denn um die Qualität dieser Behauptung? Warum führt ein neuer, brandgefährlicher Erreger mutmaßlich zoonotischen Ursprungs zu einer Pflegeheim-Epidemie (Kanada 82 Prozent) bei Über-80-Jährigen (8)?
Der Altersmedian der mit oder an COVID-19 Verstorbenen ist in Deutschland 82 Jahre, in der Schweiz und in Frankreich 84 Jahre, in Italien bei Frauen 85 Jahre, in der Schweiz und Italien 97 Prozent beziehungsweise 96 Prozent mit mindestens einer Vorerkrankung, in Italien 60 Prozent mit 3 oder mehr Vorerkrankungen.
Wo ist die Auseinandersetzung des Herrn Nagel mit den Daten? Mut und Stärke und vor allem Dominanz zeigt dieser Herr wohl nur gegenüber denjenigen, die mit der geballten Kraft der instrumentalisierten öffentlichen Meinung an den Rand der Gesellschaft geschoben werden sollen. Bei mutmaßlichen Randgruppen wird auch ein Herr Nagel mutig? Neben der sozialen Ächtung sollen Kritiker auch beruflich vernichtet werden. Das soll Vertrauen in die Ärzteschaft schaffen?

Wo ist die Stellungnahme des Herrn Nagel zu den negativen Folgen vorschneller künstlicher Beatmung? Der Erkenntnisgewinn der Medizin in den letzten Wochen war für die meisten Betroffenen nicht mehr relevant (9).

Aber es lohnt nicht, sich über das Gejammer selbsternannter Wissenschaftswächter in Stichwort-Interviews ohne jede kritische Rückfrage aufzuregen. Diese Menschen, in der Pose erstarrt, trauern in der Mehrzahl vergangener Glorie nach und träumen von den Tagen als das Wort des Arztes noch Gesetz war. Mit den entsprechenden Folgen, von denen aber nie jemand etwas erfahren hat.

Nur die Natur entscheidet über den Ausgang des Experimentes. Niemand sonst. Keine Titel, keine Auszeichnungen, keine Liste vergangener Heldentaten auf der eigenen Webseite spielen dabei irgendeine Rolle.

Vor aller Augen, vor der gesamten Welt wurde das Experiment gemacht. Und die Natur hat anders entschieden. Die Theorie des neuen Erregers zoonotischen Ursprungs, ohne Beweis unterstellt aufgrund des genetischen Abstands zu früher gefundenen viralen Gensequenzen, der aufgrund seiner Neuheit eine gegenüber der saisonalen Virenwelle erhöhte Pathogenität besitzen soll, ist in der Natur nicht realisiert.

Die Konsequenzen für die Virologie sind, unabhängig von jedem Lockdown, verheerend. MERS, SARS1, Vogelgrippe, Schweinegrippe, da hat keiner so richtig hingeschaut — außer Dr. Wodarg, der den Schweinegrippe-Fake entlarvt hat. Aber jetzt betrifft es alle. Und die Wissenschaft, insbesondere die Virologie, steht nackt da.

Trotzdem wird es die nächsten Jahre bändeweise Zeitschriftenartikel und hitzige Debatten zu Infektionszahlen, der Testqualität und dem Sinn des R-Wertes oder dem aus dem Test-Rauschen abgeleiteten Unsinn zu Hotspots oder Super-Spreadern geben.

Es werden unzählige Artikel zu fehlinterpretierten Symptomen von Vorerkrankungen bei alten Menschen oder zu mutmaßlichen molekularen Vorgängen auf Zellmembranen und zu Zellrezeptoren verfasst werden, neben zahllosen Analysen zu den Phantomzahlen zu der durch PCR bestimmten Viruslast und der Unabhängigkeit derselben von allen anderen Parametern.

Das Gleiche gilt für die jetzt schon in die hunderte gehenden Medikamenten- und Impfstudien. Einzelstudien, Metastudien, Kongresse, Preise und Auszeichnungen, Promotionen, Habilitationen. Man kennt das.

Ja, kann man so machen. Ist aber teuer und bringt nichts. Die allein entscheidende Frage ist im Experiment beantwortet: Gibt es seit Dezember 2019 eine zusätzliche Pathogenität, die über das saisonale Maß hinausgeht? Und die Antwort ist:
Nein.
Quellen und Anmerkungen:
(1) Johannes Schneider, Carolin Ströbele: „Auf dem Boulevard der Wissenschaft“, zeit.de, 26. Mai 2020
(2) Deslandes et al.: „SARS-CoV-2 was already spreading in France in late December 2019“, 3 May 2020, 106006
(3) CDC: „Evidence for Limited Early Spread of COVID-19 Within the United States, January–February 2020, Early Release“, MMWR 69, May 29, 2020
„Known Cases in Persons with No Relevant Travel History Before February 26
Two notable cases of COVID-19 occurred in Santa Clara County, California: one in a woman who became ill on January 31 and died on February 6 and another in an unrelated man who died at home between February 13 and 17. Neither had traveled internationally in the weeks preceding their deaths. SARS-CoV-2 RNA was detected by RT-PCR testing at CDC from postmortem tissue specimens from these patients. These deaths were certified by a medical examiner as COVID-19–associated deaths. Investigation of these cases is ongoing.“
(4) Syed Akbar: „Scientists estimate Covid may have entered India in November-December“, Times of India, Jun 4, 2020
„While the first confirmed Covid-19 case in India was registered on January 30 in Kerala, the most recent common ancestor (MRCA) of Indian strains with roots in China was in circulation as early as November 2019.“
(5) Comas-Herrera et al.: „Mortality associated with COVID-19 outbreaks in care homes: early international evidence“, updated 21 May 2020
(6) Eckhard Nagel: „Das ist gerade eine Art paralleler Pandemie“, FR, 04.06.2020
(7) Puelles et al.: „Multiorgan and Renal Tropism of SARS-CoV-2“, NEJM DOI: 10.1056/NEJMc2011400, May 13, 2020
(8) Tages und Wochenberichte aus Österreich, Dänemark, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien (Pandemie bedeutet gleicher Virus) mit Daten zu dem Altersmedian der mit oder an COVID-19 Verstorbenen sowie deren Vorerkrankungen.
Es ist nicht davon auszugehen, dass sich noch wesentliche Veränderungen in den Daten ergeben werden. Die Schweiz, Dänemark und Österreich sind seit Mitte April im Wesentlichen offen und es ist nicht das geringste Anzeichen für eine 2. Welle zu sehen.
Österreich
Gesundheitsministerium: „Amtliches Dashboard COVID19 – Epidemiologische Kurve“
Dänemark
Sundhedsstyrelsen: „2.2 Testede og bekræftede COVID-19 smittede opgjort pr. dag“,
Deutschland
RKI: „Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)“, 5.6.2020,
„Der Altersdurchschnitt liegt bei 81 Jahren (Median: 82 Jahre). Von den Todesfällen waren 7.403 (86%) Personen 70 Jahre und älter.“
Schweiz
BAG: „Situationsbericht zur epidemiologischen Lage in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein“, Stand 5.6.2020,
„Von den Verstorbenen waren 58% Männer und 42% Frauen. Die Altersspanne betrug 0 bis 108 Jahre, wobei der Altersmedian bei 84 Jahren lag.“
„Von den 1575 verstorbenen Personen, für welche vollständige Daten vorhanden sind, litten 97% an mindestens einer Vorerkrankung. Die drei am häufigsten genannten Vorerkrankungen bei verstorbenen Personen waren Bluthochdruck (63%), Herz-Kreislauferkrankungen (57%) und Diabetes (26%).“
Frankreich
Santé Publique: „COVID-19: point épidémiologique du du 4 juin 2020“, du 4 juin 2020,
„L’âge médian au décès est de 84 ans et 90% avaient 65 ans et plus.“
„Des comorbidités sont renseignées pour 7 085 décès, soit 66% des certificats de décès. Une mention d’hypertension artérielle est indiquée pour 25% de ces décès et une mention de pathologies cardiaques pour 34% de ces décès.“
„Sur l’ensemble des décès certifiés électroniquement, 3% des personnes décédées ne présentent pas de comorbidité et sont âgées de moins de 65 ans.”
[„Das mittlere Todesalter beträgt 84 Jahre und 90% waren 65 Jahre und älter.”
„Komorbiditäten werden für 7.085 Todesfälle oder 66% der Sterbeurkunden gemeldet. Eine Erwähnung von Bluthochdruck ist für 25% dieser Todesfälle und eine Erwähnung von Herzerkrankungen für 34% dieser Todesfälle vorhanden.”
„Von allen elektronisch zertifizierten Todesfällen haben 3% der Verstorbenen keine Komorbidität und sind jünger als 65 Jahre.”]
Italien
ISS: „Characteristics of COVID-19 patients dying in Italy — Report based on available data on June 4th , 2020“, 4.6.2020,
„Mean age of patients dying for SARS-CoV-2 infection was 80 years (median 82, range 0-100, IQR 74 -88).“
„Women dying for SARS-CoV-2 infection had an older age than men (median age women 85 - median age men 79).“
„Data on diseases were based on chart review and was available on 3,335 patients dying in-hospital for whom it was possible to analyse clinic charts. Mean number of diseases was 3.3 (median 3, SD 1.9). Overall, 4.1% of the sample presented with a no comorbidities, 14.8% with a single comorbidity, 21.5% with 2, and 59.7% with 3 or more.”
„Deaths under the age of 50 years
As of June 4th, 365 out of the 32,448 (1.1%) positive SARS-CoV-2 patients under the age of 50 died. In particular, 84 of these were less than 40 years (53 men and 31 women), age range between 0 and 39years. For 8 patients under the age of 40 years no clinical information is available; out of the remaining ones, 62 had serious pre-existing pathologies (cardiovascular, renal, psychiatric pathologies, diabetes, obesity) and 14 had no major pathologies.“
(9) Sharon Begley: „New analysis recommends less reliance on ventilators to treat coronavirus patients“, statnews, April 21, 2020


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Johannes Kreis Johannes Kreis schreibt eigentlich gar nicht für Rubikon, macht von dieser Regel aber gelegentlich eine Ausnahme. Sein Motto lautet: Es kommt nicht darauf an, wer etwas sagt, sondern was gesagt wird.


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Erschienen ist der Beitrag bei Rubikon.News

Donnerstag, 21. Mai 2020

Rubikon - Die Zahlenmystiker - Wie falsche Zahlen die Weltwirtschaft in die Knie zwingen

Das von der Politik exekutierte Katastrophenszenario beruht auf falschen Daten und hat verheerende Folgen.
von Hans Springstein

Mittlerweile haben es auch Wissenschaftler festgestellt: Die Anti-Corona-Maßnahmen sind Teil eines der „verheerendsten Sozialexperimente in der Geschichte der Menschheit“. Auch ein Regierungsbeamter warnt mittlerweile vor dem Missbrauch von Zahlen. Zu jedem Experiment gehören Modellrechnungen, Kennziffern und Messwerte. Sie sind jedoch immer nur ein Versuch, die Realität einzufangen und geben diese oft nur höchst unzureichend wieder. Im Fall des Virus Sars-Cov 2 und der Krankheit Covid-19, die laut Weltgesundheitsorganisation WHO von dem Virus ausgelöst wird, ist neben der Zahl der Infizierten die sogenannte Reproduktionsrate R von Bedeutung. Sie ist — ebenso wie die Zahl der Angesteckten, die behandelt wird, als entspreche sie der Zahl der tatsächlich Erkrankten — aber nachgewiesenermaßen nicht geeignet, um die Entwicklung im Zusammenhang mit Corona einzuschätzen oder gar vorherzusagen. Doch genau dafür wird sie von der Politik und ihren Beratern benutzt — mit verheerenden Folgen.

In der von der etablierten Politik und ihren Beratern gezielt geschürten Corona-Hysterie spielt ein statistischer Wert eine große Rolle: Die sogenannte Reproduktionszahl, kurz R. Sie soll angeben, wie viele Menschen von einer von einem Krankheitserreger infizierten Person angesteckt werden. Ganz einfach formuliert: Steckt ein Infizierter nur einen anderen Menschen an, dann liegt die Zahl bei 1. Diese Zahl wird unter anderem benutzt, um die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen zu rechtfertigen, die das gesellschaftliche Leben massiv eingeschränkt haben. Die wurden zwar inzwischen etwas gelockert, aber immer noch wird mit einer möglichen zweiten Corona-Welle gedroht, die unter anderem von R angezeigt werden soll.

Das tonangebende Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin beruft sich in seinen täglichen Situationsberichten zum Virus Sars-Cov 2 und der Krankheit Covid-19, die laut Weltgesundheitsorganisation WHO von dem Virus ausgelöst wird, immer noch auf diese Zahl. Am 3. April erklärte der Tiermediziner Lothar Wieler, der das dem Bundesgesundheitsministerium unterstehende RKI leitet, auf einer Pressekonferenz:

„Wenn diese Zahl unter 1 gedrückt wird, dann lässt die Epidemie langsam nach. Wir haben die Zahl schon auf 1 gedrückt durch die Maßnahmen, das wissen wir und wir hoffen, dass wir sie weiter herunterdrücken. (…) Wir müssen unter 1 kommen.“

Wieler sagte dabei nicht, dass Grundlage für die Zahl die täglich gemeldeten Fallzahlen sind. Darauf machte das Online-Magazin „Multipolar“ Anfang April aufmerksam. Autor Paul Schreyer stellte fest, dass die Zahl manipulativ eingesetzt wird.

Angstmache mit einer Zahl

In seinem aktuellen Situationsbericht vom Samstag gibt das RKI die Zahl mit einem Wert von 0,88 an. Dazu heißt es erklärend:

„Der bisherige R-Wert, der heute berichtet wird, bildet also das Infektionsgeschehen vor etwa einer bis zwei Wochen ab.“

Der Regierungsberater und Chef-Virologe der Berliner Charité Christian Drosten hatte bereits am 2. März in einer Regierungspressekonferenz erklärt:

„Gefährlichkeit ist keine Zahl.“

Er sagte dabei ebenso, dass es „kaum ein gutes Maß für die Geschwindigkeit der Ausbreitung“ des Virus gebe. Diese einzuschätzen, sei „ganz schwierig“, erklärte er. Dabei werde die Reproduktionszahl R zu Hilfe genommen, erklärte Drosten den anwesenden Journalisten.

Er ging damals von einem geschätzten durchschnittlichen Wert von 3 aus und ergänzte:

„Alle diese Zahlen sind ungenau.“

Es komme darauf an, „weniger als einen Folgepatienten in einem Übertragungsgang“ zu haben, als R auf unter 1 zu bekommen. „Dann hört es auf“, fügte Drosten hinzu und meinte, das sei alles ganz einfach zu verstehen. Er wandte sich außerdem gegen Horrorszenarien aufgrund von Modellrechnungen. Doch genau die werden an die Wand gemalt, von Regierung und Behörden, seit die WHO am 11. März die Pandemie ausrief. Dabei machen beratende Wissenschaftler aktiv mit — selbst Drosten, der anfangs vor übereilten Schlüssen warnte.
Die Zahl R ist neben der Zahl der Infizierten, die einfach und falsch mit der Zahl der Erkrankten gleichgesetzt wird, eines der Mittel, mit denen die etablierte Politik und ihre Beratern den Menschen Angst machen und gehorsames Verhalten erzwingen
Mit dem Mythos dieses Wertes hat sich der Physiker Patrick Grete in einem Beitrag für „Multipolar“ auseinandergesetzt, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Er warnte davor, diese statistische Zahl für verschiedene Zwecke zu instrumentalisieren.

„Das reicht von Sensationslust über Angsterzeugung bis hin zum ‚Abkürzen‘ einer Debatte der politischen Maßnahmen.“

Der Autor erklärt ausführlich, wie R errechnet wird und verweist darauf, dass in der Corona-Pandemie die effektive Reproduktionszahl R(eff) im Mittelpunkt stehe, im Unterschied zum Durchschnittswert R einer Krankheit. Neben der Zahl der von einem Infizierten angesteckten weiteren Personen gehe es noch darum, in welcher Zeit das geschieht:

„Ist R=2, so steckt im Mittel jeder Infizierte innerhalb der Generationszeit 2 weitere Menschen an. Dies ist der gefürchtete ‚exponentielle Verlauf‘, da nach jeder Generationszeit, die Neuerkranktenzahlen doppelt so hoch sind: 2, 4, 8, 16, 32, 64.“

Wenn R unter 1 liege, sinkt laut Grete die Zahl der Neuerkrankten.

„Die Reproduktionszahl spielt in der Debatte um den Umgang mit der Coronakrise eine entscheidende Rolle“, stellt der Autor fest.

„Erst seit R unter 1 gefallen ist, erscheint es politisch möglich, über Lockerungen zu sprechen.“

Die Zahl werde vom RKI in den Lageberichten seit dem 8. April genannt.

„Als mit dem 13.4. R auf 1 sank und sich die Regierenden zu Konsultationen trafen, wollte keiner ‚unvernünftig‘ sein, alle Beschränkungen sollten bestehen bleiben, um den gerade erst erreichten Erfolg nicht zu gefährden. Schulen blieben auch danach noch geschlossen, Kontaktverbote oder Ausgangssperren in Kraft und viele Menschen verharrten in Anspannung oder Angst ob der verkündeten schlimmen Lage einer andauernden und sich noch verschlimmernden Pandemie in Deutschland.“

Manipulation mit Daten

Der Physiker warnt in seinem Beitrag wie zuvor Schreyer vor dem manipulativen Einsatz der Zahl. Er erinnert daran, dass der täglich vom RKI gemeldete Wert nur eine „grobe Schätzung“ ist. Bis jetzt würden nicht die nach Wochen vorliegenden tatsächlichen Reproduktionszahlen auf Grundlage der realen Fallzahlen veröffentlicht. Und er betont, das der Wert abhängig ist von der Anzahl der durchgeführten Corona-Teste:

„Wenn plötzlich Testkapazitäten erhöht werden, wird man R systematisch überschätzen, wie auch das RKI andeutet.“

Die steigende Zahl bedeute aber nicht automatisch eine kritische Situation.

Grete hebt hervor, dass die Zahl R nur eine „Modellgröße für eine Pandemie“ ist, mit der sich „rückblickend sehr gut“ ein Pandemieverlauf beschreiben und analysieren lasse — wenn die zugrundeliegenden Zahlen mehr oder minder feststehen.

„Der prognostische Wert im Hier und Jetzt ist hingegen sehr begrenzt, denn R lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht hinreichend präzise bestimmen. Daher lässt sich am aktuell ermittelten R auch nicht der Beginn einer neuen Welle ablesen.“

Er spricht sich dagegen aus, mit Hilfe der Teste, die bis heute nicht in einer repräsentativen Studie eingesetzt werden, die Zahl der Infizierten zum Maßstab zu machen. Stattdessen müsse die Zahl der Erkrankten und der in Intensivbehandlung in den Blick genommen werden.

„Wer nur mit dem aktuell gemeldeten R allein argumentiert, handelt unredlich und macht sich der Panikmache (oder unangebrachter Beschwichtigung) verdächtig.“

Ebenso hätten lokale Ausbrüche von Covid-19 zwar nur begrenzte reale Wirkung, würden aber sofort wieder die Zahl R für ganz Deutschland ansteigen lassen, obwohl keine bundesweite kritische Situation gebe. Die Reproduktionszahl sage nicht viel mehr aus als die täglich gemeldeten Zahlen der neu Infizierten. Damit ließen sich aber die Entwicklung und die Folgen nicht einschätzen.

Verschwörungsetikett für Kritiker

Wie der Wert eigentlich geschätzt wird, das sei erst seit Anfang Mai bekannt, so Grete. Bis dahin diente nach seinen Worten „R in Debatten eher als Totschlagargument, das Angst erzeugte“. In der Zwischenzeit hätten verschiedene Unklarheiten zu Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des RKI und möglicher politischer Beeinflussung seiner Meldungen geführt. Diese frühzeitig von Kritikern angeführten Zweifel seien erst spät von den Mainstream-Medien aufgegriffen worden, nachdem diese zuvor berechtigte Fragen ignoriert hätten.

„Jeder, der das aber öffentlich anmerkte, wurde von etablierten Medien ignoriert oder in die Verschwörungsecke gestellt, jedoch ohne dass die Rechnungen einmal nachvollzogen wurden. Jemand, der kritisch nachrechnet und inkongruente Ergebnisse infrage stellt, ist jedoch kein Verschwörungstheoretiker, sondern er oder sie macht seinen Job.“

Ein Beitrag vom 17. April auf der Website des Wissenschaftsmagazins Spektrum fragte:

„Was verrät die Reproduktionszahl R wirklich?“

Eine klare Antwort konnte Autor Christian Honey nicht geben, dafür brachte er interessante Aussagen des RKI-Wissenschaftlers Matthias an der Heiden, Infektionsepidemiologe des Instituts. Der verwies ebenfalls auf die verschiedenen Faktoren, die die Reproduktionszahl R beeinflussen. Bei den Angaben des RKI zu dem Wert gehe es „mehr um einen Trend, das heißt, die Anzahl der Neuinfektionen über die Zeit in gleicher Weise zu ermitteln“, wurde an der Heiden zitiert. Am schwierigsten sei es, die sogenannte Generationszeit zu schätzen, bestätigte er.

Ein Beitrag in der Frankfurter Rundschau vom 14. Mai sprach direkt vom „Rätselraten“ um die Reproduktionszahl und bestätigte die Einschätzungen des Physikers Grete. Die Zahl gebe „nicht den aktuellen Stand der Dinge wieder, sondern den von ca. vor zwei Wochen“, hieß es da unter Berufung auf RKI-Vizepräsident Lars Schaade. „Doch davon nicht genug“, hieß es weiter:

„Die Reproduktionszahl schwankt nämlich gern und viel.“

Unsichere Daten als Grundlage

Immerhin wurde festgestellt, dass der R-Wert „vielmehr einen War- statt einen Ist-Zustand darstellt“. Das Blatt zitierte außerdem den Medizinstatistiker Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität Berlin. Dieser habe betont, „dass die Reproduktionszahl nur eine grobe Schätzung und von vielen Faktoren abhängig ist“. Das mache es für die Politik „nicht gerade einfacher zu entscheiden, wann denn nun Lockerungen angemessen sind — und wann nicht“, hieß es in der Frankfurter Rundschau. Neu ist das nicht:
Die politisch Verantwortlichen stützten sich in der von ihnen erzeugten Krise erwiesenermaßen die gesamte Zeit bereits auf unsichere Daten.
Auswertungen der Daten des RKI ergaben, dass der R-Wert schon vor dem am 22. März von Kanzlerin Angela Merkel verkündeten einschneidenden Beschränkungen wie dem Kontaktverbot bei etwa 1 lag. Kritiker schlossen daraus, dass diese Maßnahmen nicht notwendig gewesen seien. Das wiederum versuchten Mainstream-Medien wie die Zeitung „Der Tagesspiegel“ damit zu kontern, dass die Daten ja erst Anfang April vorgelegen hätten. In einem Beitrag vom 24. April wurde eine RKI-Sprecherin zitiert, „dass R bereits am 22. März auf etwa 1 gesunken ist, wusste das RKI halbwegs zuverlässig frühestens Anfang April“.

Es wird bestätigt, dass die Reproduktionszahl sich nur im Nachhinein zuverlässig bestimmen lässt und wenig taugt, um den Ist-Zustand zu beschreiben und die weitere Entwicklung vorherzusagen. Das führt aber nicht dazu, dass im Tagesspiegel etwa der Wert der RKI-Aussagen über die jeweils aktuelle Lage in Frage gestellt wird. Stattdessen werden Kritiker wie der Ökonom Stefan Homburg als „Hobby-Epidemiologen“ bezeichnet und ihnen unterstellt, sie würden die Zusammenhänge nicht erkennen.

Tagesspiegel-Autor Sascha Karberg meint, der R-Wert sei bereits vor dem Kontaktverbot auf 1 gesunken, weil zuvor am 9. März Großveranstaltungen untersagt und am 16. März Schulen und Kindertagesstätten geschlossen wurden. Die Frage, warum dann noch schärfere Einschnitte in das gesellschaftliche Leben notwendig gewesen sein sollen und warum diese nicht spätestens Anfang April aufgrund der neugewonnenen Erkenntnisse zurückgenommen wurden, kommt bei ihm nicht vor.

Zündstoff aus der Schweiz

In der Schweiz ist festgestellt worden, dass dort ebenfalls vor dem bereits am 13. März beschlossenen „Lockdown“ der R-Wert auf 1 gesunken war. Das hat eine Wissenschaftler-Gruppe der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in einer Analyse ermittelt. Darüber berichtete der Infektiologe Pietro Vernazza vom Kantonsspital St. Gallen am 19. April auf der Website der Klinik.

Vernazza bezeichnet die Reproduktionsrate als eine „zentrale Größe zur Beschreibung einer Infektionskrankheit“, die aber von vielen Faktoren abhängig sei. Die ETH-Studie belege, „dass sich die Epidemie vor dem Lockdown schon deutlich verändert hat“, stellt er fest. Zugleich betont er, dass die RKI-Analysen das gleiche Bild ergeben würden: Nämlich, „dass es in Deutschland, wie schon in der Schweiz, nicht die Lockdown-Maßnahmen waren, welche zur wirksamen Hemmung der Ausbreitung von Covid-19 führten“. Der Schweizer Infektiologe sieht in den Erkenntnissen „Zündstoff“:

„Offenbar zeigen nun diese beiden Arbeiten mehr oder weniger identisch: Die einfachen Maßnahmen, Verzicht auf Großveranstaltungen und die Einführung von Hygienemaßnahmen, sind hoch wirksam. Die Bevölkerung ist in der Lage, diese Empfehlungen gut umzusetzen und die Maßnahmen können die Epidemie fast zum Stoppen bringen. Auf jeden Fall sind die Maßnahmen ausreichend, unser Gesundheitssystem so zu schonen, dass die Spitäler nicht überlastet werden.“

Das heißt: Der „Lockdown“ einschließlich Kontaktverbot, das nun laut Bundeskanzlerin Angela Merkel bis nach Pfingsten verlängert wurde, war und ist nicht notwendig. Doch die Politik in der Bundesrepublik macht unbeirrt weiter, von den etablierten Medien anhaltend unterstützt, und redet der Bevölkerung derzeit die Angst vor einer möglichen zweiten Welle der Pandemie ein.

Rückgang lange vor „Lockdown“?

Der Kinder- und Jugendmediziner Steffen Rabe aus München betreibt die Webseite impf-info.de, auf der er „Beiträge zu einer differenzietren Impfentscheidung“ leistet. Er hat sich die Daten des RKI zur Reproduktionszahl R ebenfalls angeschaut und kam dabei am Samstag in seinem „Coronoia-Blog“ zu einem interessanten Ergebnis: Nach den Anfang Mai aktualisierten Angaben des RKI lag der Umkehrpunkt von R etwa zwischen dem 9. und 11. März. Die Ansteckungsrate von Covid-19 in Deutschland sei demnach bereits ab etwa dem 1. März rückläufig — „10 Tage vor den ersten ergriffenen Maßnahmen“.

Rabe betont, dass auch alle anderen Daten des RKI wie die Fallzahlen nicht stichhaltig seien, weil sie nicht auf repräsentativen Testuntersuchungen beruhen. Bereits am 14. Mai hatte er auf Folgendes aufmerksam gemacht:

„Wir kennen weder die tatsächliche Anzahl der Infizierten (oder alternativ deren Prozentsatz an der deutschen Bevölkerung), noch die tatsächliche Anzahl der Neuinfektionen (oder alternativ den prozentualen Zuwachs der tatsächlichen Neuinfektionen).“

Das tonangebende Institut wie auch andere würden zentrale Punkte ignorieren, so die kontinuierliche Erhöhung der Testzahlen gerade in der Zeit, in der die Maßnahmen des Lockdowns beschlossen und verkündet wurden, sowie die zeitliche Verschiebung zwischen Infektionsdynamik und deren Abbildung in der Reproduktionszahl. Das entwerte „jede noch so aufwändige mathematische Modellierung“, so der Mediziner. Dazu zählt er auch den Versuch des Max Planck-Instituts an der Universität Göttingen, nachzuweisen, dass die Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens Covid-19 entscheidend eingedämmt hätten.

Angstmache mit Schwindel-Test

Der Lungenarzt und erfahrene Epidemiologe Wolfgang Wodarg warnt seit langem vor der Panikmache und den Folgeschäden der Corona-Kampagne der Regierenden und ihrer Helfershelfer in Medien und Wissenschaft. In einer Video-Grußbotschaft für die Grundgesetz-Mahnwache in Stuttgart am Samstag machte er erneut klar, dass Regierung und Justiz sich bei einer Rechtsgüterabwägung zwischen persönlichen Freiheiten und Gesundheitsschutz nicht auf eine außerordentliche gesundheitliche Gefahr berufen können.

Wodarg erinnerte daran, dass alleinige Grundlage aller amtlichen und bisherigen Risikoabschätzungen positive PCR-Teste sind. Diese Teste werden nach seinen Angaben in aller Welt in über 300 Variationen mit „Notfallzulassungen“ ohne amtliche Überprüfung für Milliarden an Dollar bzw. Euro verkauft und verwendet.

„Sie sagen weder etwas aus über ein Erkrankungsrisiko noch über Ansteckungsgefahren. Sie sind auch positiv bei SARS-Viren, mit denen wir Menschen in aller Welt und auch viele Tiere schon über 15 Jahre vertraut sind und die auch bisher keine Gefahr begründet haben. Die Welt fällt auf einen Schwindel rein! Das ist peinlich.“

„Es wird aber kriminell und bekommt ein anderes Gewicht, wenn solche Testerei eingesetzt wird, um die von uns anvertraute Macht zu mißbrauchen und uns mit Immunitätsnachweisen zu sogenannten Impfungen zu zwingen, die in Wirklichkeit bisher verbotene Genmanipulationen sind.“
Schon der Lockdown töte inzwischen, betonte Wodarg, vernichte längst Existenzen und beraube hierzulande die Bundesbürger ihrer Grundrechte. Der kritische Lungenarzt rief die Gerichte auf, „sich nicht nur auf parteiliche Daten der Täter zu verlassen, sondern nach Wahrheit zu suchen, um unsere Grundrechte zu schützen.“

Falsche Katastrophenszenarien

Eine ähnlich kritische und ebenso fachlich fundierte Stimme wie die von Wodarg ist die des Schweizer Kardiologen Urs Scherrer. Der stellte ähnliches fest und schrieb in einem Gastbeitrag für das Schweizer Online-Magazin Infosperber:
Die Epidemiologen seien die „Apparatschiks der modernen Medizin, die Daten sammeln, wenn die Schlacht längst vorbei ist“.
Sie würden nun zu Propheten mutieren, die die unsichere und widersprüchliche Datenlage mit Hilfe von Computerprogrammen erklären, die den „Pandemieverlauf auf die Kommastelle genau“ erklären würden. Die zu treffenden Schutzmaßnahmen würden dann als „alternativlos und kristallklar“ dargestellt und auf allen Kanälen mit Nachdruck propagiert.

Scherrer beschrieb die Lage in der Schweiz, die der in der Bundesrepublik gleicht, so:

„Die Spitäler stehen halb leer, die Intensivstationen sind nicht überlastet, die gemalten Katastrophenszenarien waren offensichtlich falsch. Verantwortliche Experten und Regierung schweigen vornehm dazu, malen stattdessen das nächste Katastrophenszenarium einer zweiten Pandemiewelle an die Wand. Gibt es stichhaltige Gründe, den neuen Szenarien mehr zu vertrauen?“

Für den Schweizer Mediziner ist die Frage, ob die „durch die Notmaßnahmen möglicherweise erreichte Verlangsamung der Ansteckungen nicht in groteskem Missverhältnis zu den induzierten Schäden medizinischer, sozialer und gesellschaftlicher Natur“ steht. Und er fügt hinzu: „... übelstes aller Übel, die Maßnahmen verlängern die Dauer der Pandemie“.

WHO-Studie bestätigt Kritik

Was die politisch beschlossenen Maßnahmen bewirken und was sie nicht leisten — unabhängig von untauglichen Testen und damit ebenso untauglichen Zahlen wie R oder anderen statistischen Werten —, das machte ausgerechnet eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits im Herbst 2019 deutlich. Auf das Material wiesen drei Wissenschaftler am 21. April im Online-Magazin Telepolis hin.

Steffen Roth, Michael Grothe-Hammer und Lars Clausen zählen zu den Kollateralschäden der sogenannten nicht-pharmazeutischen Maßnahmen (NPI) „eine globale Wirtschaftskrise, die eine halbe Milliarde Menschen in Armut stoßen könnte, sowie die massivsten Einschnitte in die Meinungs- und Versammlungsfreiheit der vergangenen Jahrzehnte“. Und:

„Wer andeutet, dass die Rosskur schlimmer sein könnte als die Virenkrankheit, der wird, wo nicht direkt zum Schweigen gebracht, konsequent übertönt oder diskreditiert, während der neuentdeckte Endzweck allen staatlichen Handelns, Lebensverlängerung, nahezu alle Mittel heiligt.“

Laut der drei Wissenschaftler kommt der Bericht der WHO zu dem Schluss, „dass sich für die Wirksamkeit der meisten aktuell implementierten Maßnahmen nur schwache bis sehr schwache wissenschaftliche Belege finden lassen“. Das Dokument lese sich „wie ein Katalog jener Massennahmen, die Regierungen im Zuge der Covid-19-Krise implementiert haben“.

Ignorierte Ergebnisse

Die WHO habe in dem Bericht im Falle einer Pandemie durch einen bislang unbekannten Influenzavirus unabhängig vom Schweregrad den Einsatz aller personenbezogenen Schutzmaßnahmen, die Isolation von Kranken und Reisewarnungen empfohlen. Bei mittelschweren Pandemien sollen der Einsatz von Gesichtsmasken, Schulschließungen und das gezielte Verhindern großer Menschenmassen hinzukommen. Arbeitsplatzschließungen und internationale Reisebeschränkungen habedie WHO nur im Falle extrem schwerer Pandemien empfohlen.

Ausdrücklich hält die WHO den Telepolis-Autoren zufolge fest, dass Contact Tracing, Screenings von Flugreisenden und Grenzschließungen unter keinen Umständen empfehlenswert sind.

„Dessen ungeachtet wurden oder werden diese Maßnahmen von vielen Regierungen weltweit implementiert oder diskutiert.“

Die Weltgesundheitsorganisation habe im Anhang des Berichts festgestellt, „dass die Qualität der Belege für die Wirksamkeit fast aller damals untersuchten Maßnahmen als niedrig oder sehr niedrig einzuschätzen ist.“ Nur die möglichen Effekte von Handhygiene und Maskennutzung würden „als moderat oder hoch“ bewertet, allerdings allein im klinischen Bereich. Es gebe dagegen laut WHO „kaum bis keine verlässlichen Hinweise für die Wirksamkeit der verbleibenden Interventionen wie Social Distancing, Reisebeschränkungen oder Ausgangssperren“.

Zu ähnlichen Ergebnissen sei bereits 2009 eine Studie des European Centre for Disease Prevention and Control's (ECDC) gekommen, so die Autoren. Auch darin sei „von geringfügigen bzw. unbewiesenen Effekten von insbesondere Social-Distancing-Maßnahmen und Reisebeschränkungen berichtet“ worden.

Keine Belege für Wirksamkeit

Die drei Wissenschaftler stellen fest, dass WHO und ECDC ungeachtet dessen in der Corona-Krise die Maßnahmen empfahlen, deren Wirksamkeit sie selbst widerlegten:

„Auch ist es in den 10 Jahren der Forschung zwischen dem ECDC- und dem WHO-Dokument nicht gelungen, die Evidenz für die Wirksamkeit der betreffenden Maßnahmen zu erhärten.“ Sie betonen mit Blick auf mögliche Einwände, dass das WHO-Dokument von 2019 von einer Influenza-Pandemie ausgehe, dass dieses sich „ausdrücklich auf ein neuartiges Virus, für das noch keine Grundimmunität in der menschlichen Bevölkerung besteht“, beziehe. Das sei bei Sars-Cov 2 und Covid-19 der Fall. Das mache die aktuellen WHO-Empfehlungen „dann noch fragwürdiger“:
„Wenn man das Coronavirus für den gefährlicheren Erreger hält, warum sollte man dann auf eine Liste von Maßnahmen setzen, deren Wirksamkeit sich nicht einmal gegen Grippe belegen lässt?“
Die drei Wissenschaftler empfehlen, sich auf die beiden Maßnahmen zu konzentrieren, „für deren Wirksamkeit die WHO wissenschaftliche Belege von zumindest moderater Qualität finden konnte. Dies wären Handhygiene und der Einsatz von Masken (in klinischen Kontexten) — möglicherweise ergänzt um Maßnahmen, die die WHO nicht untersucht hat, die sich aber im Kontext aktueller empirischer Studien als plausibel herausstellen.“

Zunehmende Kollateralschäden eines Experimentes

Wenn derzeit die dafür Verantwortlichen „auf die kombinierte Wirksamkeit einzeln wirkungsloser Maßnahmen“ hoffen sollten, handelt es sich aus Sicht der Autoren möglicherweise um „das größte, teuerste und verheerendste Sozialexperiment in der Geschichte der Menschheit“. Die Reproduktionszahl R erscheint dabei nur als eines der Werkzeuge, um dieses Experiment scheinwissenschaftlich gegenüber den Betroffenen zu begründen — selbst wenn alle Werte nur geschätzt werden und sich erst hinterher als richtig oder falsch herausstellen.

Bleibt die Frage, wer für den angerichteten Schaden haftet und haftbar gemacht wird. Und es bleibt, was der Oberregierungsrat Stephan Kohn aus dem Bundesinnenministerium in seinem Warnruf feststellte:
Der bisher angerichtete Kollateralschaden muss eigentlich zur Folge haben, dass die Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens sofort beendet werden.
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Katrin McClean Hans Springstein ist ein deutscher Journalist. In derzeit unregelmäßigen Abständen betreibt er privat den Blog „Argumente & Fakten“.


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Erschienen ist der Beitrag bei Rubikon.News

Samstag, 2. Mai 2020

Rubikon-News - Die Maskerade

Immer mehr Menschen begreifen, dass die Regierung ihnen in der Coronakrise ein X für ein U vormachen will.
von Ralf Wurzbacher

Boris Palmer sagt „brutale“ Worte und bezieht dafür „brutale“ Prügel. Aber zur Brutaliät des Corona-Lockdowns für Hunderte Millionen Menschen dieser Erde schweigen die Verantwortlichen. Sie gerieren sich als Lebensretter und nehmen in Kauf, dass eine Vielzahl mehr ihr Leben verlieren. Sie zwingen die Bürger, sich zu vermummen und fürchten selbst nur, ihr Gesicht zu verlieren. Sie sagen, wir müssen mit dem Virus leben, und verhindern genau das mit ihren Maßnahmen. Ein Streifzug durch Corona-Mania.
Was man nicht so alles tut für seine Mitmenschen. Ich stehe vorm Netto-
Markt und ringe mit meinem inneren Schweinehund. Der streckt irgendwann die Waffen. Es könne ja nicht angehen, dass sie nun wochenlang einkaufen geht, nur weil ich keine Maske aufsetzen will, hatte mich tags zuvor meine Frau gerügt. Recht hat sie. Also drehe ich meine Schirmmütze auf falsch herum, setze die Sonnenbrille auf und ziehe den Rundschal meiner Tochter über Nase und Mund. Wenn ich schon bei dieser Maskerade mitmache, dann wenigstens mit Stil. In Gedanken bei der Dalton-Bande betrete ich eine fast menschenleere Verkaufshalle.

Durch die dunklen Gläser sehe ich nicht ganz so gut, als sie von meinem gestauten Atem beschlagen, noch weniger. Luft bekomme ich auch nur schwer, irgendwann wird es mir sogar ein bisschen schummerig. Diejenigen Experten, die sagen, die Maskenpflicht sei Aktionismus, zu nichts nutze, mithin sogar kontraproduktiv und gefährlich, liegen wohl nicht ganz falsch. Einer davon ist Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery. Er hält ein Gesetz zum Tragen „nicht funktionierender Masken“ für ein „Armutszeugnis eines Staates.“ Die Leute liefen Gefahr, sich mit einem Notbehelf „wie einem Schal, selbst zu kontaminieren“. Montgomery zieht trotzdem mit beim obligatorischen Gesichtsverlust – aus „Höflichkeit“ und „Solidarität“.

Japsen für den Trigema-Boss


Nun gut, dann toppe ich das noch und vergifte mich aus reiner Nächstenliebe, um so meinen Miteinkäufern das sichere Gefühl zu geben, sie nicht mit etwas anzustecken, was ich mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht habe. Und versuche erfolglos zu verdrängen, dass selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Maskenpflicht kritisch sieht, so wie vor kurzem noch das Robert-Koch-Institut (RKI), später dann aber nicht mehr. Die Bild-Zeitung zitierte zuletzt sogar einen Vertrauten der Bundeskanzlerin mit „null Einfluss auf das Infektionsgeschehen“. Zu lesen war sogar, dass Angela Merkel (CDU) höchstselbst nichts gibt auf die Maßnahme.

Aber nun sind die Dinger halt schon mal da, auch weil findige deutsche Unternehmer eigens ihre Produktion umgestellt haben, damit wir auch alle weithin sichtbar einen Maulkorb umhaben. Will man jetzt etwa Trigema-Chef Wolfgang Grupp für seinen Geschäftssinn abstrafen oder ihm ankreiden, dass er zehn Masken für 120 Euro unters Volk bringt? Das wäre nicht fair, wo doch die Regierung aus reiner Notwehr fast die ganze Wirtschaft abschalten musste und deshalb Zehntausende, vielleicht Hunderttausende Firmen vor dem Ruin stehen. Genauso wenig kann man meinem Netto oder Aldi, Lidl, Edeka und Rewe vorwerfen, dass sie in der Krise ihre Profite gesteigert haben, so wie auch Amazon und andere Onlineriesen, und dass sie nach Corona den von lästiger Konkurrenz bereinigten Markt noch mehr beherrschen werden.

Astronomische Jobvernichtung


Meine Sorge vor Hunderttausenden Bankrotteuren könnte den Ernst der Lage verniedlichen. Später am Abend lese ich, dass die Deutsche Unternehmensbörse (DUB) „in den nächsten Monaten mit bis zu 1,4 Millionen Pleiten“ rechnet. Das wären „39 Prozent aller Unternehmen in Deutschland und 50 Prozent der Unternehmen aus besonders betroffenen Branchen“. Das schlägt auch auf dem Arbeitsmarkt ins Kontor. Aus Sicht von McKinsey sind europaweit 59 Millionen Jobs bedroht. Hierzulande werde die Arbeitslosenquote auf 5,9 Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hochschnellen. Das wiederum wirkt noch „überschaubar“ verglichen mit den Einbrüchen in den Armenhäusern der Erde. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) kalkuliert mit global 305 Millionen wegbrechenden Arbeitsplätzen im zweiten Quartal. Fast die Hälfte der 3,3 Milliarden Arbeitskräfte weltweit seien in ihrer Existenz bedroht.

Ist es bei solchen Dimensionen unmoralisch zu fragen, ob dies noch in einem Verhältnis zu dem steht, wofür der gesellschaftliche Shutdown verhängt wurde? Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer steckt wegen solcher Gedanken gerade heftige Prügel ein. „Ich sag es mal ganz brutal. Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären, aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankung.“ Der Grünenpolitiker vergleicht den Shutdown mit einem Medikament. Sobald die Nebenwirkungen den Nutzen übertreffen würden, müsse man die Arznei absetzen oder schwächer dosieren, meint er. Prompt wurde er als Angstmacher und „Brandstifter“ gegeißelt und handelte sich von seiner Landesparteispitze einen Rüffel ein. „Mit seinen kalkulierten Ausrutschern und inszenierten Tabubrüchen beteiligt er sich an einer Polarisierung und Brutalisierung der öffentlichen Debatte.“

Wer oder was ist brutal?


Man muss Palmer nicht mögen, auch nicht Wolfgang Schäuble (CDU), der geäußert hat, dass der Schutz des Lebens nicht über alles gestellt werden dürfe. Aber was wollen uns die Gesinnungshygieniker weismachen, die auf die beiden einhacken? Dass sich „brutale“ Diskussionen schwerer verschmerzen lassen als die am eigenen Leib erlittene Brutalität von Ausgangs- und Kontaktsperren.
Wo bleibt das Mitleid für jene, die seit Wochen auf ihre vielleicht lebensrettende Krebsoperation warten, die isoliert von ihren Lieben in Kliniken und Pflegeheimen hinsiechen, die ihren Job verloren haben, in Depressionen verfallen sind oder sich aus Verzweiflung umgebracht haben?
Was ist mit den Kindern, die zu Hause vor Langeweile versauern, von gefrusteten Vätern verprügelt werden und, weil „offline“, schulisch noch weiter abgehängt werden? Was mit denen, die vor lauter Panik krank werden oder wegen fehlender frischer Luft und Bewegung, die aus Angst vor Ansteckung nicht zum Arzt oder ins Krankenhaus wollen, während dort haufenweise Betten leer stehen und das Personal mangels „Kundschaft“ in Kurzarbeit geschickt wird?

Und wer denkt an die Millionen Näherinnen in Bangladesh, die ihre Familie nicht mehr ernähren können, weil Adidas, Nike und Puma ihre Treter nicht mehr verkauft kriegen? Es sei Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand, den Landesvorsitzenden der Grünen in Baden-Württemberg zugestanden, über all das hinwegzusehen, um statt dessen daran zu knabbern, dass ein „brutales“ Wort gefallen ist. Ich knabbere da nicht mit!

Aufklärung aus dem Netz


Bloß runter mit der Maske! Ich hole tief Luft, als ich den Supermarkt verlasse. Wie viele Menschen habe ich wohl gerade vor Corona verschont? Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass sich in den Lidl-Filialen weltweit bis zuletzt nur ein, zwei Dutzend Verkäuferinnen das Virus eingefangen haben. Dabei gelten die doch als besonders gefährdet. Ich glaube, es war Bodo Schiffmann, ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Sinsheim, der die Zahl in einem seiner täglichen Podcasts genannt hat. Schiffmann ist einer derjenigen, denen das Etikett Verharmloser, Besserwisser, Coronaleugner oder Verschörungstheoretiker anhaftet.

In der Schublade stecken auch Namen wie Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi, Klaus Püschel, Karin Mölling, Knut Wittowski, Martin Haditsch, Ulrich Keil und viele viele mehr. Sie sind Mediziner, Virologen, Epidemiologen, Hygieniker, verstehen alle etwas von ihrem Fach und sie verbindet, dass sie anderer Meinung sind als das RKI und Deutschlands „Topvirologe“ Christian Drosten von der Berliner Charité.

Während die SARS-coV-2 zum hochgefährlichen und massenhaft todbringenden Erreger erklärt haben, rufen Schiffmann und Co. zur Besonnenheit und dazu auf, die Ereignisse im Lichte der Fakten und nachprüfbarer Daten, also evidenzbasiert, zu betrachten. Vor allem attackieren sie das tägliche Aufsummieren von Infizierten- und Todeszahlen ohne jede Relation zur Zahl der erfolgten Tests und dem Grad der Verbreitung des Virus in der Bevölkerung. Dazu die haltlosen Vergleiche mit Italien, Spanien und den USA, weil das die kollektive Paranoia weiter schürt. Und sie klären darüber auf, dass selbst bei Berücksichtigung der verdrehten und beschränkten Zahlen des RKI die Lage weit weniger dramatisch erscheint, als die politisch Verantwortlichen und ihre Berater es den Bürgern einzuhämmern versuchen.

Am Ziel vorm Startschuss


Das Webmagazin Telepolis hat dieser Tage in seinem Beitrag „von der fehlenden wissenschaftlichen Begründung der Corona-Maßnahmen“ die ganzen Verkürzungen, Lügen und Widersprüche in Sachen Krisenmanagement und -kommunikation bloßgelegt. Die entlarvendste Erkenntnis: Die Zahl der positiv Getesteten war schon vor Einsetzen des allgemeinen Lockdowns stark rückläufig und der sogenannte Reproduktionsfaktor R, der angibt, wie viele andere Menschen ein Infizierter ansteckt, lag schon am 23. März unterhalb von eins. Dorthin zu kommen, war erklärtermaßen die Intention hinter dem rigiden Maßnahmenpaket. Faktisch waren wir am Ziel, noch ehe der Startschuss ertönt war. Das aber behielten die Entscheider für sich.

Statt dessen änderten sie nach Lust und Laune die Zielvorgaben und zwar immer dann, sobald der Ruf nach Lockerungen lauter wurde. Der Statistiker Gerd Bosbach hat den „ständigen Wechsel an Bezugsgrößen“ untersucht. Einmal sei es die Reproduktionszahl gewesen, die zählte, dann die Tage, die zwischen der Verdopplung der positiv Getesteten verstrich, neuerdings wieder die „absolute Zahl der gemeldeten Fälle“. Das sei „kein vertrauenswürdiger Umgang mit der Bereitschaft fast aller, sich stark einzuschränken“, beklagt er. Sein Appell:
„Entwickelt ein Bündel von Kriterien, an denen wir die Vorboten einer zweiten Welle erkennen können, wenn es sie denn geben sollte. (...) Und wenn Ihr keine prüfbaren Kriterien findet, kommuniziert das ehrlich und treibt nicht wieder die nächste Sau durchs Dorf!“
Zu bunt wird es inzwischen auch Wolfgang Kubicki von der FDP. Die Daten des RKI vermittelten „eher den Eindruck, politisch motivierte Zahlen zu sein als wissenschaftlich fundiert“, erklärte er am Dienstag. Ihn wundert es, dass Institutschef Lothar Wieler am Montag einen Anstieg des bundesweiten R-Werts auf eins verkündete, während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für das Bundesland mit den meisten Infektionen einen Wert von 0,57 vermeldete. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der R-Wert des RKI steigt ausgerechnet zur Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten, bei der vor weiteren Lockerungen gewarnt werden soll.“

Virus macht sich davon


Die „zweite Welle“ wird kommen, wenn wir den Lockdown zu sehr und rasch lockern, impfen uns Merkel, Drosten und Wieler ohne Pause ein. Ich habe mit einem renommierten Epidemiologen telefoniert, der früher für die WHO gearbeitet hat. Er sagt, dass sich Corona- und Influenzaviren erfahrungsgemäß ab Mitte März bis Ende April aus dem Staub machen. Sie verschwinden einfach, ohne dass die Wissenschaft genau weiß, warum. Eine naheliegende Erklärung sei die, dass die menschliche Immunabwehr mit steigenden Temperaturen, intensivierter Sonneneinstrahlung und dem Mehr an frischer Luft gestärkt wird.

Um den Viren den Garaus zu machen, brauche es gar nicht einmal eine kollektive Immunisierung. Bei der schweren Grippeepidemie von 2017/18, der nach amtlicher Statistik über 25.000 Menschen zum Opfer gefallen waren, seien damals höchstens 20 Prozent der Menschen im Land mit einem Grippevirus infiziert gewesen. Trotzdem verdünnisierten sich die Erreger im Frühjahr, so wie sie es in jedem Jahr und seit jeher tun.

Durch die Medien schwirrt immer wieder die Quote 60 Prozent. SPD-Mann Karl Lauterbach zum Beispiel führt die fehlende Durchseuchung als Holzhammerargument dafür ins Feld, den Notstand noch monate- und jahrelang durchzuziehen und zur Normalität „frühestens 2021, vielleicht sogar erst 2022“ zurückzukommen. Und Drosten warnt weiter davor, dass wir unseren „Vorsprung verspielen“, während die Zahl der gemeldeten Infektionen seit Tagen unterhalb der 2.000-Grenze bleibt, was ohnehin nur den Stand von vor zwei Wochen abbildet.

Lernverweigerer


Zurück zu Hause, wasche ich mir trotzdem gründlich die Hände. Macht man ja so. Nach allem, was man hört, soll ja wenigstens das ein probates Mittel zur Eindämmung von Krankmachern sein. Die WHO ist dem auf den Grund gegangen, in einer Studie, vorgelegt im Oktober 2019. Darin benotete sie die Qualität der wissenschaftlichen Belege zur Wirksamkeit von Handhygiene und Maskennutzung, letzteres vornehmlich in klinischen Kontexten, als „moderat“ oder „hoch“. Na also.

Die Weltgesundheitswächter wollten aber noch mehr wissen und nahmen eine Vielzahl weiterer Interventionen bei Pandemiefällen unter die Lupe, nämlich genau die, die heute die halbe Menschheit in Ketten legen: Social Distancing, Contact Tracing, Isolation von Kranken, Quarantäne von Risikogruppen, Schul- und Fabrikschließungen, Meidung von Menschenmassen, Reiseverbote und Grenzschließungen. Was fanden sie heraus? Dass es für alle diese Rezepte keine fundierten Befunde gibt, die deren Wirksamkeit belegen würden.

Von geringfügigen beziehungsweise unbewiesenen Effekten, insbesondere hinsichtlich Social Distancing und Reisebeschränkungen, hatte zehn Jahre davor auch das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) berichtet. Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Kaum trat im März der „Ernstfall“ ein, waren die Erkenntnisse vergessen und empfahlen WHO und ECDC unisono, die Gesellschaft dicht zu machen. Das nennt man dann wohl Lernverweigerung.

Ein bisschen Schule


Apropos: Lernen fällt auch meinen Kindern schwer, ganz ohne Schule und mit Papa als Aushilfspauker. Mama, die das viel besser kann, ist nächste Woche nicht mehr da, weil sie selbst zurück in den Schuldienst muss. Ihre Chefin ließ das Kollegium vorab wissen, dass alles dem Gesundheitsschutz hintangestellt werden müsse. Die Landesverordnung schreibt ständiges Händewaschen vor, dazu eine Fülle weiterer Hygieneregeln und zwischen zwei Unterrichtsblöcken muss das Klassenzimmer drei Stunden lang gereinigt werden. Für Pädagogik bleibt da nicht viel Raum. Angesichts dessen wirkt die Ankündigung der Kultusministerkonferenz (KMK), bis zu den Sommerferien würden alle Kinder – tage- oder wochenweise – in die Schule zurückkehren, wie eine Drohung.

Wobei ich meinem Nachwuchs auf Dauer dann auch auf die Nerven gehe – und umgekehrt. Schlimmer noch macht es die Ahnung, dass dies alles kompletter Unsinn ist. Ein positiv auf Covid-19 getestetes Mädchen aus Frankreich war zuvor mit 172 Kontaktpersonen zusammengetroffen und keine davon steckte sich an.

Nach den Ergebnissen einer Untersuchung in Island waren bei rund 13.000 Getesteten 0,6 Prozent der Frauen und 0,9 Prozent der Männer von dem Erreger befallen. Bei Kindern unter zehn Jahren gab es keinen einzigen positiven Befund. Warum sperrt man dann nicht schleunigst die Kitas und Grundschulen auf?

„Tragischer Irrweg“


„Der Spuk muss ein Ende haben“, schrieb jüngst die Schweizer Weltwoche und fragte, ob der Kurs der Alpenrepublik ein „tragischer Irrweg“ sei. „Wird der Corona-Frühling 2020 in die Geschichte eingehen als massenpsychologisches Hysteriephänomen, das mehr Existenzen ruiniert als die Krankheit, die allerdings ganzen Gesellschaften und ihren Regierungen vorübergehend den Verstand raubte?“

Selbst da, wo der Verstand nicht heimisch ist, in den Bild-Redaktionsstuben, fängt man an zu denken: „Es gibt keine Herdenimmunität dagegen, historisch katastrophal falsch zu liegen“, kommentierte das Klatschblatt am Montag. Und weiter: „Nahezu alle Experten, denen wir uns in dieser Krise anvertrauen (müssen), lagen mit nahezu jeder Einschätzung so falsch, dass unser Glaube an sie sich nur noch mit Verzweiflung erklären lässt.“

Verzweiflung könnte auch der Grund dafür sein, warum sich die Damen und Herren Merkel, Söder, Drosten und Wieler an der Erzählung vom Killervirus festkrallen. Fliegt der Schwindel auf, droht ihnen und ihresgleichen ein massiver Gesichtsverlust. Dann werden vielleicht auch die Menschen im Land ihren Glauben ablegen – und ihren Maulkorb dazu.

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Ralf Wurzbacher Ralf Wurzbacher, Jahrgang 1973, ist freischaffender Journalist und Diplom-Medienberater. Den Titel trägt er zur Staffage, denn schlecht beraten sind die Medien schon genug. Lieber rät er von ihrem Konsum ab, sofern sich diese – wie die meisten – der Antiaufklärung und Verblödung widmen. Als Autor schreibt er querbeet durch alle Themen, mit Schwerpunkt Bildungs- und Hochschulpolitik. Er ist Antikapitalist und bekennender Verschwörungstheoretiker nach dem Motto: Theorie ist der Boden fast jeder großen Erkenntnis, wogegen einstürzende Zwillingstürme einfach nur bodenlos sind. Eine Zeit lang schrieb er darüber hinaus Artikel für den Rubikon.
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