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Wednesday, November 1, 2017

Der große Anfang - 500 Jahre Reformation in drei Teilen

Thema: Martin Luther

Der große Anfang - 500 Jahre Reformation (1/3)
Der Funke
Film von Ingo Helm und Andreas Sawall

Hat Martin Luther Michelangelo getroffen? Was geschah vor 500 Jahren, in einer Epoche tiefgreifenden Wandels? Moderator Harald Lesch beschäftigt sich mit Martin Luther und seiner Zeit.

In der dreiteiligen Dokumentation taucht Harald Lesch in die Welt Martin Luthers ein, in eine Zeit voller Widersprüche, ungeahnter Zusammenhänge und Weichenstellungen, die bis heute unser Leben bestimmen.



Die Welt ändert sich

Vor 500 Jahren verändert sich die Welt. Amerika wird entdeckt, der Buchdruck erfunden, Banken gewinnen an Macht, die Renaissance erreicht ihren Höhepunkt - es ist eine Zeit, in der sich der Mensch neu erfindet.

Martin Luther findet sich unerwartet auf der großen Bühne der Weltpolitik wieder, bewundert, gefürchtet und verhasst. Denn er bringt das uralte Machtgefüge der katholischen Kirche ins Wanken und bereitet den Weg für ein neues Denken. Hinter der Reformation versammeln sich mächtige Protagonisten dieser Zeit. Für sie kommt der rebellische Mönch aus Wittenberg wie gerufen. Luther wird zur Galionsfigur der Erneuerer und zum Feindbild des Papstes. Denn die Thesen Martin Luthers vom Oktober 1517 markieren den Beginn einer Revolution, durch die sich für die Menschen viel mehr ändert als nur das Verhältnis zur Kirche.

Von der Renaissance bis heute

Die Dokumentation schlägt einen Bogen von der Zeit der Renaissance bis heute. Moderator Harald Lesch zeigt, wie die Folgen der Reformation unsere Welt bis heute prägen. Warum zum Beispiel gibt es in Deutschland Bundesländer? Ist es Zufall, dass es bis heute nur einen einzigen katholischen US-Präsidenten gab? Und wieso trägt der berühmte Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. den Reformator sogar in seinem Namen?

Der Funke

Im ersten Teil der Dokumentation wandert Harald Lesch über die Alpen - wie der junge Augustiner-Eremit Martin Luther im Jahr 1510. Der junge Mönch wird in einer wichtigen Ordensangelegenheit nach Rom geschickt. Unterwegs macht er Station in Florenz, damals ein Zentrum der Kreativität. Eine Art Kulturhauptstadt Europas. Michelangelo, Raffael, Botticelli - sie prägen ein neues Bild vom Menschen. Wollen wir nicht auch heute noch aussehen wie eine Skulptur von Michelangelo? Harald Lesch trainiert in einem Fitnessstudio und stellt fest: Diese Art von vernunftbetontem Verhalten, die Vervollkommnung der eigenen Person - das ist ein Erbe des Humanismus vor 500 Jahren.
Quelle: Phoenix.de

Der große Anfang - 500 Jahre Reformation (2/3)
Die Explosion

Film von Ingo Helm und Andreas Sawall

Harald Lesch folgt der Spur des Geldes zu Luthers Zeiten. Welche Rolle spielen das Streben nach Reichtum, die Macht der Herrschenden, der Kirche und des Papstes? Und woher kommt der ganze Reichtum der Mächtigen? In einem heute fast vergessenen Bergwerk in Österreich stößt Harald Lesch auf erstaunliche Zusammenhänge.


Haben die Bauern Luthers Ideen falsch verstanden?

Die Lage der Bauern damals verschlechtert sich in weiten Teilen Deutschlands dramatisch. Sozialer Zündstoff en masse. Immer wieder flackern Aufstände im Land auf. Und nun kommen die Ideen der Reformation dazu. In vielen Gegenden regiert der Hunger. Hunderte Klöster werden um 1525 von aufgebrachten Bauern geplündert. Wer von den Mönchen nicht rechtzeitig fliehen kann, wird Opfer der zügellosen Gewalt. Die hungrigen Bauern sind empfänglich für neues Denken. Haben sie die Schriften Luthers falsch verstanden? Die Bauern haben jedenfalls Luthers Idee ernst genommen, dass jeder selbst die Bibel lesen soll.

Der Prediger Thomas Müntzer verspricht den sozialen Wandel. Ursprünglich war er ein Anhänger Luthers. Aber Müntzer will die Revolution. Am Ende werden die Bauern rücksichtslos von den Truppen der Fürsten niedergemetzelt. In Frankenhausen gibt es über 6000 Tote. Für das gesamte Aufstandsgebiet liegen die Schätzungen zwischen 70 000 und 100 000 Todesopfern. In Frankenhausen entdeckt Harald Lesch einen Weg, der bis heute "Blutrinne" heißt. Dort soll das Blut in Strömen geflossen sein. Müntzer wird grausam gefoltert und hingerichtet. Zum ersten Mal haben die deutschen Herrscher einen Massenaufstand niedergeschlagen.

Quelle: Phoenix.de

Der große Anfang - 500 Jahre Reformation (3/3)

Das Feuer
Film von Ingo Helm und Andreas Sawall

Die Weltordnung des europäischen Mittelalters ist wie ein Kartenhaus. Ein ausbalanciertes Gebilde, dessen Fundament die Kirche ist, bricht unter der Kritik Luthers zusammen. Prompt nehmen an allen Ecken selbst ernannte Prediger die Rolle der Kirche ein und füllen das Vakuum. Ein besonders abschreckendes Beispiel entdeckt Harald Lesch in Münster.


Die Taliban des 16. Jahrhunderts

Zunächst waren die Täufer eine Bewegung von unten. Sie gehorchen keiner Autorität und berufen sich dabei auf Luther. Später aber wollen sie in der westfälischen Stadt ein "Neues Jerusalem" begründen. Und sie regieren mit Gewalt. Manche nennen die Täufer heute die "Taliban des 16. Jahrhunderts".

Doch auch andere nutzen die Gunst der Stunde. So versuchen die deutschen Landesherren und zum Beispiel auch der englische König, ihre Macht zu festigen. Und in dieser politisch aufgeheizten Stimmung bekommt die Reformation auch noch ihren Sexskandal. Warum erlaubt Luther Bigamie und lässt zu, dass Landgraf Philipp von Hessen eine zweite Frau heiratet? Heute bekäme Luther dafür einen Shitstorm.

Quelle: Phoenix.de

Sunday, November 6, 2016

Papstbesuch in Schweden - An der Ökumene führt kein Weg vorbei

Thema: Ökumene

Papstbesuch in Schweden:
Allein unter Protestanten und Ungläubigen

Papst Franziskus leistet Schweden zum Reformationsjubiläum einen historischen Besuch ab und sucht die Einung der Christen weltweit. Ein Hilferuf gegen schwindende Mitgliederzahlen?

von Olga Banach

Gestern und heute, wenn der Papst zum fünfhundertjährigen Reformationsjubiläum dem Süden Schwedens einen Besuch abstattet, werden Welten aufeinandertreffen

Gestern und heute, wenn der Papst zum fünfhundertjährigen Reformationsjubiläum dem Süden Schwedens einen Besuch abstattet, werden Welten aufeinandertreffen.

Ein Aufschrei ging durch den Vatikan und die katholischen Gemeinden weltweit, als seine Pläne bekannt wurden, ist doch die lutherische Kirche Schwedens die liberalste weltweit, in der es seit 1960 Pastorinnen gibt und öffentlich schwule und lesbische Bischöfe. Martin Luther war es, der sich von der Obrigkeit Roms lossagte. Papst Franziskus scheint einer der unbequemsten Päpste zu sein, den der Vatikan bisher vorweisen konnte.

An den Toren des Protestantismus sollte der Aufenthalt eigentlich nur einen Tag andauern, um an einem ökumenischen Gottesdienst gemeinsam mit der „Lutherischen Weltorganisation“ (LWF) teilzunehmen, doch um die Gemüter zu besänftigen, wurde eine Messe an den offiziellen Termin angehängt. Die Messe soll im Malmöer Stadion stattfinden. Die Karten sind umsonst, mussten aber zuvor in den katholischen Gemeinden abgeholt werden.

Auf Twitter gab der Papst bekannt: „Ich bitte euch, dafür zu beten, dass meine Reise nach Schweden zur Einheit aller Christen beitragen wird.“


"Ich bitte Sie, beten Sie dass meine Reise nach Schweden zur Einheit aller Christen betragen möge."

Ein Hilferuf gegen schwindende Mitgliederzahlen mit der zunehmenden Säkularisierung der Europäer?

Der Vatikan als kleinste Stadt der Welt zählt gerade mal 842 Einwohner und hat eine eigene Gendarmerie. Die jungen Gendarmen müssen ledig und zwischen 21 und 25 Jahren alt sein. Die persönlichen Bodyguards des Papstes aber gehören der Schweizer Garde an. 1,25 Billionen Mitglieder zählt die katholische Kirche.

Im Mai 2016 traf Papst Franziskus auf den Großimam Ahmad Mohammad al-Tayeeb aus Kairo, den er im Geiste der Versöhnung zwischen dem Islam und dem Christentum in den Vatikan einlud. Auch dies war eine historische Geste und eine Wiedergutmachung gegen die Entgleisung seines Vorgängers Papst Benedikt, in der er den Islam verunglimpfte und es zu Protesten in der islamischen Welt kam.

Vielleicht ist dies auch im Sinne Günther Becksteins, der sich um die leeren Kirchenbänke sorgt und auch das Unwort der „Leitkultur“ in den Mund nahm, um auf die christlichen Ursprünge Europas hinzuweisen. Schweden ist als sehr säkulares Land bekannt. Hier wurde gerade erst der erste Friedhof für Atheisten eröffnet.

Papst Franziskus gilt als Versöhner. Aber die Durchsetzung wahrer Reformen in den Reihen alter Herren der heiligen Stadt, die das Zölibat für die Priester aufheben und Priesterinnen in den Dienst der katholischen Kirche stellen würden, sind auch von diesem Papst nicht zu erwarten. Der Vatikan hat gerade erst neue Regeln für Katholiken erlassen, die die Art der Bestattung im Sinne des Glaubens festlegen.

In der schwedischen Presse wurden Stimmen laut, dass der Papst wie ein Popstar gefeiert würde, obwohl er doch gegen die Gleichstellung von Homosexuellen und Frauen in der Kirche ist. Moralisch sei er so konservativ wie seine Vorgänger und man erhoffe sich von seinem Besuch auch den Beginn einer Diskussion durch die Lutheraner.

Am Montag warb er in seiner Rede für die Aufnahme von Flüchtlingen und rief zu einer Revolution der Menschlichkeit auf. Dies zielte aber auf die Empathie mit Flüchtlingen ab und nicht auf eine Revolution im Vatikan. Zu Beginn seines Auftritts sang eine engelsgleiche Schwedin das Lied von Gerry & The Peacemakers : „You will never walk alone.“ Das irdische Glück aber wird ihm und seinen Gefolgsleuten weiterhin verwehrt bleiben.
Quelle: RT-Deutsch


Der Papst zu Besuch bei Luthers Erben

Gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund begeht Franziskus den Auftakt zum Gedenken an 500 Jahre Reformation. Aber der Ökumene steht manches im Weg.
Quelle: FAZ.net

WP-Kommentar 02.11.2016
An der Ökumene führt kein Weg vorbei

Die Reformation führte einst zur Spaltung der Kirche. Zum Auftakt des 500-Jahr-Jubiläums hat nun Papst Franziskus im schwedischen Lund erstmals mit einem lutherischen Geistlichen einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert, mit Munib Younan, dem Präsidenten des lutherischen Weltbundes. Das gilt zu Recht als mutige, historische Geste. Es ist das erste Mal. dass ein Papst Martin Luther und die Reformation so symbolträchtig würdigt. Noch Benedikt XVI. hatte bei seinem Besuch in Luthers Kloster in Erfurt 2011 den deutschen Protestanten brüsk beschieden er habe keine ökumenischen Geschenke im Gepäck.

An der Frage des gemeinsamen Abendmahls macht sich die Spaltung der Christen konkret fest. Viele gemischtkonfessionelle Paare sehnen sich innig nach der Überwindung dieser Trennung. ln ihrer Erklärung untermauem auch der Papst und Munib Younan ihren Wunsch nach mehr Ökumene. Doch konkret wurden sie nicht. Theologisch steht dem gemeinsamen Abendmahl noch zu viel entgegen.

Dabei ist es höchste Zeit, dass die Christenmenschen aller Länder sich als Einheit verstehen. Seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI in Erfurt vor fünf Jahren ist die Welt eine andere geworden, böse, gewalttätig. Wer sollte denn der gegenwärtig allherrschenden Angst mit Hoffnung, mit einer frohen Botschaft begegnen können, wenn nicht die Christen mit ihren Werten wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit? Angesichts der weltweiten Bedrohungen durch Terror und Krieg scheinen die Gründe längst zweitrangig, die dem gemeinsamen Abendmahl entgegenstehen. Wenn Katholiken und Protestanten vor der Zeitgeschichte bestehen wollen, kommen sie an raschen Ökumene-Schritten garnicht vorbei.