Mittwoch, 5. Juli 2017

Shitstorm gegen CDU-Generalsekretär Tauber im Wahlkampf

Thema: Wahlkampf

Shitstorm im Wahlkampf
CDU-Generalsekretär verhöhnt Mini-Jobber

Arrogant, neoliberal, traurig: Über CDU-Generalsekretär Peter Tauber fegt nach seinem Tweet ein Shitstorm hinweg. Auch die politische Konkurrenz greift das Thema auf.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat mit einer Äusserung zu Mini-Jobbern auf dem Onlinedienst Twitter eine Empörungswelle im Internet ausgelöst. Viele Betroffene sahen sich persönlich angegriffen und reagierten mit scharfer Kritik. Am Dienstagvormittag ruderte Tauber zurück: «Es tut mir leid, dass ich (...) so blöd formuliert und damit manche verletzt habe», schrieb er ebenfalls auf Twitter.

Hintergrund ist die Diskussion über das gemeinsame Wahlprogramm von CDU und CSU mit dem Versprechen von «Vollbeschäftigung» bis 2025. «Heisst das jetzt drei Minijobs für mich?», fragte dazu ein Twitter-Nutzer am Montagabend. Tauber antwortete umgehend: «Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.»
Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.
— Peter Tauber (@petertauber) 3. Juli 2017
Internetnutzer sprachen daraufhin von «Arroganz» und einer «Ideologie der Ungleichwertigkeit».

40 Prozent Minijobs im Gastgewerbe

Andere Nutzer wiesen darauf hin, dass viele Minijobber sehr wohl über einen Berufsabschluss verfügen – etwa Alleinerziehende und Akademiker, die wegen ihres fortgeschrittenen Alters oder anderer Lebensumstände keine reguläre Beschäftigung finden würden.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), Guido Zeitler, erklärte, dass im Gastgewerbe inzwischen 40 Prozent aller angebotenen Stellen Minijobs seien, im Einzelhandel sei es teilweise ähnlich.

«CDU hat sich selbst entlarvt»

Auch die politische Konkurrenz griff das Thema rasch auf und warf Tauber und der CDU Realitätsferne und Unkenntnis der Lebensverhältnisse von Menschen im Niedriglohnsektor vor.

«CDU hat sich selbst entlarvt. Neoliberal, verachtend den Menschen gegenüber in prekären Jobs. Wird sich hoffentlich am Wahltag rächen», twitterte der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat. «Traurig, wenn eine ‹christliche› Volkspartei den Bezug zur Lebenswelt der BürgerInnen verliert», schrieb Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir.

«Und wer keinen Anstand gelernt hat, wird CDU-Generalsekretär», erklärte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann auf Twitter. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach nannte Taubers Äusserungen in der «Stuttgarter Zeitung» (Mittwochsausgabe) «respektlos und realitätsfern». Der DGB-Bundesvorstand schrieb auf Twitter: «Es gibt mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland, mit denen sich Herr Tauber wohl mal unterhalten sollte.»
«Wollte niemandem zu nahe treten»

Tauber war ungeachtet der Kritik zunächst im Grundsatz bei seiner Position geblieben und hatte am Dienstagmorgen mit einem weiteren Tweet nachgelegt: «Fakt ist doch: Nur mit einer guten Ausbildung verdient man genug, damit man nicht drei Mini-Jobs braucht, um über die Runden zu kommen.» Später lenkte der CDU-Generalsekretär dann ein: «Ich wollte niemandem zu nahe treten, der in so einer Situation ist.» Vielmehr habe er lediglich auf die Bedeutung einer guten Ausbildung hinweisen wollen.
pic.twitter.com/1JArE7mrOS
— Peter Tauber (@petertauber) 4. Juli 2017
Doch der Spott im Netz liess sich nicht mehr so leicht stoppen. «Wenn man was Ordentliches gelernt hat, braucht man nicht CDU-Generalsekretär zu werden», lautete einer der Kommentare. Oder: «Wenn Sie ordentliche Politik machen würden, dann würde es solche Zustände in Deutschland nicht geben.» (20 Minuten/afp)
Mit freundlicher Genehmigung von 20min.ch

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