Donnerstag, 1. Juni 2017

Hat die ARD die Pfiffe und Schmährufe gegen den DFB beim Pokalfinale zensiert?

Thema: Kommerzialisierung des Sports

DFB-Pokalfinale:
Hat die ARD die Pfiffe und Schmährufe gegen den DFB zensiert?

Helene Fischer singt beim Pokalfinale und wird gnadenlos ausgepfiffen. Doch waren die Pfiffe wirklich nur gegen die Sängerin gerichtet? Oder zeigt sich da auch eine zunehmende Kommerzkritik gegen den DFB? Die ARD wehrt sich gegen den Vorwurf der Zensur.

Die ARD erklärte auf die Frage, ob die kritischen Pfiffe und Schmährufe bei der Übertragung „heruntergeregelt“ worden sind, die Halbzeitshow werde im Auftrag des DFB produziert, die ARD nehme technisch darauf keinen Einfluss.
Unabhängig davon ist es üblich, bei Musikübertragungen die Musik zugunsten der übrigen Geräuschkulisse stärker zur Geltung kommen zu lassen. Von Zensur oder ähnlichem kann also gar keine Rede sein.
Die Pfiffe seien dadurch aber keinem Zuschauer entgangen.
In einem Video auf YouTube sind die Pfiffe und Schmährufe "Scheiß DFB" und "Fußball-Mafia DFB" deutlich zu hören:
Sky zeigte in der Halbzeitpause zum Teil Werbung. Allerdings nach eigenen Angaben nicht, um die Pfeifkonzertszenen zu überblenden:
Innerhalb der Halbzeitpause wurde der von unseren Kunden gebuchte Werbeblock gesendet,
teilte Sky Deutschland mit. Besonders bitter war der Abend vor allem für die erfolgsverwöhnte Popsängerin Helene Fischer (32). Während und nach ihrem Auftritt in der Halbzeitpause des DFB-Pokalfinales gab es am Samstagabend ein lautstarkes, anhaltendes Pfeifkonzert offensichtlich entnervter Fußball-Fans. Lag es daran, dass viele Frankfurter argwöhnten, heimlich sympathisiere der Schlagerstar mit den Gegnern aus Dortmund? Oder steckt doch mehr dahinter, galten die Pfiffe dem Trend zur Inszenierung der Halbzeitpause? Der Deutsche Fußball-Bund hat am Sonntag bereits angekündigt, die Abläufe zu analysieren - Veränderungen nicht ausgeschlossen.
Mit dem Fußball ist es wie mit #Trump. Man denkt alle zwei Tage: "Schlimmer kann es nicht kommen." #dfbpokalfinale#BVBSGE@DFB_Pokalpic.twitter.com/BPISm3zx6z
— Fabian Kr (@fabiankr9) 23. Mai 2017
Helene Fischer hat sich alle Mühe gegeben, niemandem auf die Füße zu treten: Vor dem Spiel postete sie auf Facebook ein Bild von sich im weiß-gelben Shirt, das zur einen Hälfte aus einem Frankfurter, zur anderen aus einem Dortmunder Trikot bestand - und erklärte vorab schon einmal „beide zu den neuen Pokalgewinnern!“

Aber die Strategie ging nicht auf. Fischers Medley nach der ersten Halbzeit kam gar nicht gut an. Im „Sportschau Club“ nach dem Spiel ließ sie sich den Frust darüber nicht anmerken und erklärte auf die Frage, ob sie möglicherweise wegen ihrer Sympathien für den BVB von Frankfurter Fans ausgepfiffen worden sei, kein „ausgewiesener Dortmund-Fan“ zu sein.
Ich habe von ganzem Herzen beiden Mannschaften die Daumen gedrückt.
Ihre Erklärung für die vielen Pfiffe: Sie habe mitbekommen, "dass da eine Wette am Laufen war".

Dabei soll es darum gegangen sein, dass Frankfurter Wirte Freibier versprochen hätten, wenn Fischers Auftritt von Pfiffen übertönt würde.
Und ich muss sagen: Wette gewonnen. Glückwunsch dafür, die Wirte müssen jetzt ran,
sagte Fischer. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic kritisierte mit einem säuerlichen Gesichtsausdruck deutlich die umstrittene Show-Einlage:
Das hat beim Pokalfinale nichts zu suchen, weil wir Fußball spielen, und die wahren Fans des Fußballs haben in der Halbzeitpause keine Lust darauf.
Was machst Du am Samstag? Ich geh auf's #HeleneFischer Konzert in #Berlin. Blöderweise treten da als Vorgruppe die #SGE und der #BVB auf.
— Heinz Schenk (@bumbesje) 23. Mai 2017
Auch der Medienwissenschaftler Jo Groebel sieht in dem Pfeifkonzert mehr als die Aversion Frankfurter Fans gegen die vermeintliche Dortmund-Sympathisantin. Die Tradition der Show in der Pause stamme aus den USA und sei Teil eines gigantischen Event- und Kommerzerfolges, sagte er der „Heilbronner Stimme“ (Montagausgabe).
Deutschland ist nicht Amerika, da sind die Pausen viel länger, und es gibt eine andere Unterhaltungskultur. Künstlerische Darbietungen werden dann sehr schnell als störend empfunden.
Die Deutschen wollten in der Pause über die erste Halbzeit diskutieren.

Auch der Ex-Bundesliga-Profi Ansgar Brinkmann sprang der Schlagersängerin im „Sportschau Club“ zur Seite und sah ganz klar einen anderen Adressaten für die Pfiffe:
Die Pfiffe galten mehr dem DFB als Helene Fischer.
Zwei Tage nach dem Pokalfinale verdichtet sich der Eindruck, dass die Proteste sich in erster Linie gegen den DFB gerichtet haben. Wie der Focus am Montag berichtete, werde es in naher Zukunft wohl weitere Proteste dieser Art geben. Zumindest wenn es nach der Fan-Initiative „FC PlayFair!“ geht. Deren Gründer Claus Vogt sagte gegenüber MDR aktuell:
Ich glaube, das wird nicht die letzte Aktion in dieser Richtung sein. Da bin ich mir ganz sicher.
Vogt ergänzte, dass Fischer ein Opfer des ausufernden Fußball-Kommerzes geworden sei:
Ich glaube, da haben eher die Funktionäre etwas verbrochen und haben vergessen, dass bei uns doch noch mehr der Sport im Mittelpunkt steht als nur der Kommerz.
Denn sie hätten versucht, die Show des Superbowl in den USA zum DFB-Pokal-Finale zu holen.

Vogt kritisiert zudem, dass in der Fußball-Bundesliga nun auch Montagsspiele Einzug hielten. Ihm täten die jungen Fußball-Fans leid, die am Montagabend nicht ins Stadion gehen könnten, weil sie Dienstag früh zur Schule müssten, so Vogt. Der Fußball werde aufgrund von Einschaltquoten und Sponsorengeldern "zerfleddert und zerpflückt". Das sei "langfristig kontraproduktiv.“
Wenn das so weitergeht, dann werden die Spielergehälter und auch die Ablösesummen noch weiter steigen. Aber dadurch spielt leider kein einziger Spieler besser.
Viele Fans sagten, dass eine Grenze erreicht sei,
und wenn das so weitergeht, dass sie sich vom Fußball abwenden.

Quelle: RT-Deutsch

1 Kommentar :

  1. Am Fußball werden sich immer die Geister scheiden. Es gibt Fußballbegeisterte und Menschen, die diesen Sport total ablehnen..
    Es gibt dabei auch keine Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern.
    Es ist eine Tatsache, dass wir im Kapitalismus leben und Profifußball ist ein Teil davon.
    Profifußball und deren Vereine, egal in welcher Form, sind heute Wirtschaftsunternehmen und müssen die Spielregeln des Wirtschaftssystemes einhalten und mitmachen.
    Genau, wie in den anderen Wirtschaftsbereichen, produziert das System Gewinner und Verlierer.
    Der Osten kann bis heute ein Lied davon singen.
    Ich bin mit Sicherheit kein Freund von Stoiber. Was er aber bei Hart aber Fair in der letzten Sendung zum Thema Fußball gesagt hat, ist unter Betrachtung der Entwicklung des Profifußballs, vor allen auch unter den Gesichtspunkt des internationalen Fußballs, schon richtig gewesen.

    Selbst, wenn Helene Fischer ausgepfiffen wird, die Bühnenshow der Anastasia beim letzten Heimspiel der Bayern gegen Freiburg vollkommen unsportlich auf Grund ihrer Länge gegenüber der Freiburger war, denn bei denen ging es sportlich noch um etwas, die Entwicklung hin zum Kommerz ist nicht aufzuhalten. Direkt pervers waren die Bierduschen der Bayern Spieler nach dem Abpfiff gegen Freiburg. Kameras an den Gläsern, gut sichtbar dabei, dass Paulaner der Sponsor ist.
    Trotz dieser Entwicklung, werden auch in der nächsten Saison wieder die Zuschauer in die Stadien strömen.
    Was mich persönlich stört, ist die Heuchelei im deutschen Profifußball.
    Wir als Leipziger merken das ja zur Zeit ganz besonders, denn an RB Leipzig arbeiten sich ja gewisse Journalisten, Funktionäre und andere Bedenkenträger regelrecht mit den grotesken Thesen ab. Das führt dann zu solchen Ausschreitungen, wie in Dortmund zu erleben.
    Daran Schuld haben mit Sicherheit nicht nur die sogenannten Fans, sondern die Brunnenvergifter in den Chefetagen, im Fall Dortmund besonders der Geschäftsführer Watzke.
    Watzke, der gerade jetzt wieder sein wahres Gesicht im Fall des begnadeten Trainer Thomas Tuchel zeigt.
    Ich bleibe dabei, da ist mir ein Stoiber, ein Hoeneß lieber, die akzeptieren das Geschäft Profifußball für alle, egal ob sie im Konzert der Großen mitschwimmen können, oder eben untergehen, siehe aktuell München 1860, trotz der Millionen die der Sponsor in den Verein gesteckt hat.
    Ich persönlich habe meine Entscheidung zum Profifußball schon lange getroffen, werde mir nie Sky zulegen, wenn der Fußball in das Bezahlfernsehen total übergeht, schaue ich mir eben kein Fußball mehr an. Was ich aber als immer noch Fußballbegeisterter mache, ist die Entwicklung von RB Leipzig genau zu beobachten und mir das ein oder andere Spiel anzusehen.
    Ich weiß und kenne den Widerspruch vieler meiner Freunde, besonders aus Gelsenkirchen, für mich bleibt unter den Gesichtspunkten des Profifußballs RB Leipzig der ehrlichste Verein.
    Kein Mensch muss Red Bull trinken, bei Gazprom, diversen Versicherungen, bei Wiesenhof und anderen Sponsoren und Miteigentümern sieht das für den Verbraucher, egal ob Fußballanhänger oder nicht, ganz anders aus.

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