Samstag, 15. April 2017

Saudische Frau: Wenn ich zurückgehe, werden sie mich töten


Thema: Saudi Arabien

Araberin am Flughafen
«Wenn ich zurückgehe, werden sie mich töten»

Der Fall einer geflohenen saudischen Frau erschüttert die Netzgemeinschaft. Dina Ali Lasloom (24) wurde gegen ihren Willen zurück in ihre Heimat gebracht.

Das Video von Dina Ali Lasloom, das seit Tagen in den sozialen Netzwerken geteilt wird, ist verstörend: Mit zitternder Stimme bittet darin eine saudische junge Frau, deren Gesicht nicht zu sehen ist, um Hilfe. Sie sei geflohen, um in Australien Asyl zu beantragen, sagt die 24-Jährige in der kurzen Aufnahme. Doch am Flughafen von Manila sei sie am Umsteigen gehindert und ihr Pass weggenommen worden. Lasloom fürchtet um ihr Leben und bittet um Hilfe.

Was seitdem geschah, kann durch verschiedene Zeugenaussagen rekonstruiert werden. Lasloom wurde gewaltsam nach Riad zurückgebracht, ihr Schicksal ist ungewiss. Unter dem Hashtag #SaveDinaAli solidarisieren sich jetzt auf Twitter Tausende mit der verfolgten Frau. Doch von vorn.

Dinas Pass wird konfisziert

Am frühen Montagmorgen landete die Maschine der in Kuwait lebenden Lasloom gemäss «The Australian» bei einem Zwischenstopp in Manila und sollte von dort weiter nach Sydney fliegen. Die junge Frau hatte sich bei der australischen Botschaft in Kuwait heimlich ein Touristenvisum beschafft – was saudischen Bürgerinnen ohne Einverständnis eines männlichen Vormunds ebenso wenig erlaubt ist wie allein zu reisen.

In Manila konfiszierten Angestellte von Philippine Airlines ihren Pass, ihr Flugticket und andere Reisedokumente. Man sagte ihr, «eine wichtige Person» habe die Mitarbeiter instruiert, sie nicht weiterfliegen zu lassen. Am Flughafen traf Lasloom die kanadische Touristin Meagan Khan, die auf Facebook ausführlich über ihre achtstündige Begegnung mit der verängstigten 24-Jährigen berichtete.

Sie sei Lehrerin, weil ihre Familie sie dazu gezwungen habe, sagte Lasloom zu Khan, anderenfalls hätte sie als Sklavin dienen müssen. Sie habe nie ohne Mann aus dem Haus oder zur Arbeit gehen dürfen.

Zwei Onkel kommen sie holen

Die Kanadierin Khan versuchte vergeblich, Menschenrechtsaktivisten und Anwälte zu alarmieren. Ein Aktivist habe gesagt, er liege im Bett und werde sich am nächsten Morgen darum kümmern. Als Khan insistierte, es sei wirklich dringend, forderte er sie auf, ihm nicht mehr zu schreiben. Am Montagnachmittag, nach mehreren Stunden des Wartens, geriet Lasloom in Panik: Zwei Männer und eine Frau tauchten auf. Die Männer seien ihre saudischen Onkel, zwei Diplomaten, die Frau komme aus der kuwaitischen Botschaft, sagte Lasloom.

Khan, die Lasloom am Flughafen unterstützte, nahm dieses Video auf und schickte es an die Aktivistin Moudhi Aljohani, die es veröffentlichte. Es zeigt Lasloom in eine blaue Decke gehüllt. Einer der Männer behauptete, der Vater der 24-Jährigen zu sein, was diese lautstark dementierte.
#SaveDinaAli this is happening now in Philippines airport they want to send her back to people who wants to kill her @hrw @UN pic.twitter.com/lwENHq6wVT
— Moudhi (@Moudhi90) April 10, 2017
Mit Khans Mobiltelefon kontaktierte Lasloom ihre Freunde und nahm das Hilfe-Video auf. Als die verfolgte Frau mit der Polizei sprach, forderte sie juristischen Beistand. Ein Anwalt, der vorgab, helfen zu wollen, war, wie sich später herausstellte, offenbar von der saudischen Familie angeheuert worden.

Wie vom Erdboden verschluckt

Laut Aktivistin Aljohani wurde Lasloom unter einem Vorwand von der Polizei ins Terminal 1 gebracht, wo sie sich schreiend dagegen wehrte, an Bord eines Saudia-Airlines-Flugzeugs gebracht zu werden. Zunächst erfolgreich. Doch dann berichtete ein Zeuge dem «Australian», dass Lasloom schliesslich am Dienstagabend gezwungen wurde, in ein Flugzeug nach Riad zu steigen: mit Klebeband gefesselt und zugeklebtem Mund. Sie habe sich derart gewehrt, dass sie aus dem Airport-Hotel getragen werden musste.

Die saudische Botschaft auf den Philippinen bestätigte gemäss BBC, dass eine saudische Bürgerin in ihre Heimat zurückgekehrt sei, und sprach von einer «Familienangelegenheit».

Am Flughafen in Riad war ein Aufgebot von Polizisten zu sehen, und eine Gruppe von Journalisten wartete auf die Ankunft des Flugzeugs, doch Dina Ali Lasloom ist seit Dienstag wie vom Erdboden verschluckt. Seitdem setzen sich unter den Hashtags #SaveDinaAli, #HelpDinaAli und #IAmDinaAli viele Unterstützer für die 24-Jährige ein.

Aufruhr auf Twitter

«Wie viele arabische Frauen müssen noch häusliche Gewalt erfahren oder einem ‹Ehrenmord› zum Opfer fallen, bevor die Leute über dieses Thema reden?», fragt Shahed.
How many more arab women have to get domestically abused or "honorably" killed for people to talk about this issue? #SaveDinaAli
— shahed (@__shahade) April 11, 2017
«Wenn Dina Ali tot ist, sind alle Menschenrechtsorganisationen dafür verantwortlich. Sie hätten wenigstens einen Anwalt zum Flughafen schicken können», beklagt Farida.
if Dina Ali is dead, all human rights organizations are responsible for it;they could've at least sent a lawyer to the airport. #SaveDinaAli
— Farida (@midnightchill_) April 12, 2017

Mit freundlicher Genehmigung von 20min.ch

Links
Emma.de
http://www.emma.de/artikel/dina-ali-sie-werden-mich-toeten-334315
The Observer
http://observer.com/2017/04/save-dina-ali-saudi-arabian-woman-detained/
Snopes.com
http://www.snopes.com/2017/04/12/save-dina-ali-lasloom/
news.com.au
http://www.news.com.au/travel/travel-updates/incidents/saudi-womans-desperate-video-message-after-being-stopped-from-seeking-asylum-in-australia/news-story/9cb2e4d6dabc28d2ea505164fdb80c1f
the australien
http://www.theaustralian.com.au/news/world/saudi-womans-desperate-claim-after-family-kidnap-her/news-story/5a1569c0a072bf395970aee81b45794f?nk=89ee312f1721f25be121194e2ace8352-1492083720

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