Mittwoch, 22. Februar 2017

Nordkorea - Attacke auf Kims Halbbruder, Kim Jong-nam, endet tödlich

Thema: Nordkorea

Attacke auf Kims Halbbruder
Es gibt ein Video von der Attacke

Zwei Frauen greifen Kim Jong-nam auf dem Flughafen von Kuala Lumpur an, wie auf Videomaterial zu sehen ist. Derweil sorgt der mutmassliche Giftmord für diplomatische Spannungen.

Ein japanischer Fernsehsender hat ein Video von dem tödlichen Angriff auf Kim Jong-nam, dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers, veröffentlicht. Das Material einer Überwachungskamera zeigt zwei Frauen, die sich Kim aus verschiedenen Richtungen nähern, wie bei Fuji TV am Montag zu sehen war. Eine von ihnen scheint ihn dabei von hinten zu umgreifen und für einige Sekunden etwas über seinen Mund zu halten. Danach entfernen sich die Frauen getrennt und in Ruhe von ihm.
«Seit sein Halbbruder 2011 die Macht übernahm, gab es den fixen Befehl zur Ermordung Kim Jong-nams», heisst es beim südkoreanischen Geheimdienst. Dabei sei es nicht so, dass Kim Jong-nam (r.) eine reale Gefahr für Kim Jong-un (l.) darstelle – vielmehr gehe der Befehl zur Exekution seines Halbbruders auf dessen Paranoia zurück. Foto: 20min.ch
Nordkoreas Botschafter warf Malaysia derweil vor, bei den Ermittlungen mit ausländischen Mächten unter einer Decke zu stecken. Ausserdem bezweifelte er, dass es sich bei dem Toten um Kim Jong Nam handelt. Die Botschaft habe den Mann als den nordkoreanischen Staatsbürger Kim Chol identifiziert, sagte der Botschafter. Die Regierung in Pyongyang hat bereits angekündigt, das Ergebnis der Obduktion nicht anzuerkennen.

Diplomatische Verstimmungen
Weiteres Videomaterial zeigt, wie Kim danach zu Mitarbeitern des Flughafens von Kuala Lumpur geht, auf seine Augen gerichtete Gesten macht und um Hilfe zu bitten scheint. Anschliessend wird er von ihnen den Videoaufnahmen zufolge zu der Klinik des Airports begleitet.

Fuji TV hat keine Angaben dazu gemacht, wie es an das Material gelangt ist. Kurze Zeit nach dem Vorfall starb Kim. Südkorea wirft Nordkorea vor, ihn zum Opfer einer Giftmord-Attacke gemacht zu haben. Beim Verhör gaben die zwei Frauen an, hereingelegt worden zu sein; sie hätten gedacht, sie würden an einer Fernsehshow teilnehmen. Der stellvertretende Chef der Nationalpolizei von Malaysia sagte, im Zuge der Ermittlungen würden derzeit noch vier Nordkoreaner gesucht.
Video allegedly taken from several CCTV's at the Kuala Lumpur Intn'l Airport shows the last moment of #KimJongNamhttps://t.co/ul2CIaMlVzpic.twitter.com/oakbBGHhKr– People's Daily,China (@PDChina) 19. Februar 2017
Botschafter abgezogen

Der Ton wird rauer: Malaysia hat nach einem diplomatischen Streit über den Fall Kim Jong-nam seinen Botschafter aus Nordkorea abgezogen. Mit diesem sollten zunächst «Rücksprachen» getroffen werden, teilte das malaysische Aussenministerium am Montag mit. Zudem habe es den Botschafter von Nordkorea in Kuala Lumpur befragt, um eine «Erklärung für die Anschuldigungen» zu bekommen, die er gegen die Regierung von Malaysia geäussert habe.

Kang Chol, der Botschafter von Nordkorea, hatte gesagt, Malaysia versuche eventuell etwas zu «verbergen». Anlass war die Autopsie des Halbbruders von Machthaber Kim Jong-un. Diese verlief nach den Worten des nordkoreanischen Botschafters «einseitig» und ohne die Anwesenheit von Vertretern seines Landes.

Das malaysische Aussenministerium verurteilte die Aussagen als «unbegründet». In einer Mitteilung erklärte es, es nehme die Versuche, den Ruf des Landes zu trüben, sehr ernst. Der mutmassliche Giftmord an Kim Jong-nam hatte bereits zuvor für Spannungen zwischen den Staaten gesorgt, da Pyongyang sich streng gegen eine Autopsie ausgesprochen hatte. Stattdessen sollte der Leichnam so schnell wie möglich überstellt werden.

«Wir ermitteln in einem Mordfall»

Die malaysischen Ermittler fuhren mit den Untersuchungen aber ungeachtet dessen fort und gaben an, das übliche Verfahren einzuhalten. «Wir ermitteln in einem Mordfall (...) und folgen unseren Regeln und Richtlinien», sagte der stellvertretende Chef der Nationalpolizei, Noor Rashid Ibrahim.

Südkorea hatte seinen Erzfeind beschuldigt, Kim mithilfe von Geheimagenten umgebracht zu haben. Eine erste Autopsie vergangene Woche war ergebnislos verlaufen. (chk/dapd)
Mit freundlicher Genehmigung von 20min.ch

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