Dienstag, 3. Januar 2017

Aleppo: Augenzeugenbericht einer argentinischen Nonne

Thema: Syrien

Christliche Nonne nach Rückkehr aus Aleppo:
Westmedien lügen über Realitäten in Syrien

Veröffentlicht am 29.12.2016
María Guadalupe Rodrigo ist eine argentinische Nonne, die seit Januar 2011 in der katholischen Diözese in Aleppo lebte. Sie blieb auch während des Belagerungsrings durch dschihadistische Rebellen in der Stadt. Nach ihrer Rückkehr berichtete sie über ihre Zeit in Aleppo. Eine Abrechnung mit der Rolle westlicher Medien in dem Konflikt und tödlichem "Demokratieexport". Mehr auf unserer Webseite: https://deutsch.rt.com/


Da der Text im Video schlecht lesbar ist, dies ist er:
Als diese Demonstrationen erstmal beginnen, präsentiert die internationale Presse, präsentieren die internationalen Medien sie so, als habe das syrische Volk endlich dem "Arabischen Frühling" zugestimmt und gehe nun friedlich auf die Strasse, um Demokratie. In Wirklichkeit stimmten jedoch die Nachrichten, die wir von unseren Nachbarn aus den betroffenen Dörfern erhielten, nicht damit überein, was wir im Fernsehen sahen.

Die Einwohner dieser Dörfer sagten, dass dort bewaffnete Gruppen von ausserhalb Syriens eingetroffen waren. "Sie sprechen andere Mundarten", sagten sie. (Denn dort hat jedes Land seine Mundart.) "Sie sind nicht Syrer. Sie provozieren Unruhen im Dorf. Sie haben schon einige Christen gevierteilt." Die gevierteilten Christen lagen in Müllsäcken gepackt in einer Tonne mit der Aufschrift: "Nicht berühren: Ein Christ."
Das waren die friedlichen Demonstrationen, so die Medien.

Als sich solche Ereignisse sehr schnell im ganzen Land zu vervielfachen beginnen, während die bewaffneten Gruppierungen aus dem Ausland kamen, gehen die Menschen auf die Strasse. Die Leute gehen auf die Strasse in Damaskus, der Hauptstadt. Hier sehen sie Damaskus. Und in Aleppo, der zweitgrößten Stadt im Land, in der sich unsere Mission befindet. Tausende Menschen gingen auf die Strasse mit Plakaten, Transparenten und Flaggen, um ihren Präsidenten zu unterstützen. Um ihre Meinung gegenüber der Regierung zu äußern. Nicht weil Baschar al-Assad die beste Form der Regierung oder weil er ein herzensguter Mann wäre. Wahrscheinlich ist er es nicht. Es geht darum, dass sie es bevorzugten, alles wie vorher zu belassen anstatt in die Hände des islamistischen Fundamentalismus zu fallen. Denn das Ergebnis dieses Krieges wäre keine Demokratie. Sie sahen das voraus.

Genau dieselben Bilder, dieselben Szenen, die wir durch unsere Fenster beobachteten, (denn wir sahen von unserem Bistum aus, wie diese Menschen vorbeizogen und sangen) dieselben Bilder wurden dann von sehr wichtigen internationalen Nachrichtenkanälen übernommen und dabei auf die folgende Weise kommentiert: "Die friedlichen Demonstrationen dauern an. Das syrische Volk geht auf die Straßen, um seinen Präsidenten zum Rücktritt aufzufordern". Das war lächerlich. Klar, wer versteht schon Arabisch, um zu wissen, dass sie in Wirklichkeit den Präsidenten unterstützt haben?

Deswegen ist eines der großen Leiden dieses Volkes diese große Lüge, die um diese Geschichte konstruiert worden ist.
Das ist die Vernachlässigung durch den Westen. Deswegen handelt es sich hierbei um ein komplizenhaftes Schweigen des Westens. Als sie versucht haben, ihre wahre Meinung zu äußern, hat man ihre Stimme total verdreht.

Hören Sie nur! Das ganze Konstrukt um diesen Krieg ist offensichtlich eine riesengroße Operation, die eine Unterstützung und eine Zustimmung der öffentlichen Meinung erfordert. Das heisst, damit der Westen es billigen kann, dass sich diese "moderaten" Rebellen gegen den Diktator erheben.

Aber hören Sie! Das ist ein Fehler des Westens, den wir als westliche Menschen begehen. Denn wir beurteilen die Araber nach unseren westlichen Kriterien. Wir leben also in unseren Demokratien und versuchen dabei, sie den anderen aufzudrängen, unsere Demokratien an diese Völker zu exportieren.
Obwohl sie in Wirklichkeit seit mehreren Dutzend Jahren auf diese Weise leben. Dabei haben sie gut gelebt. Und ich kann es Ihnen versichern:
Der frühere Lebensstandard in Aleppo war so, dass die Einwohner nicht auf den Gedanken kamen, die westlichen Demokratien oder Quasidemokratien zu beneiden. Keineswegs!
Mehr noch: Obwohl die Christen eine Minderheit waren, hatten sie eine gewisse Glaubensfreiheit. Sie konnten sich zu ihrem Glauben öffentlich bekennen, die Regierung beeinflussen und Ämter in der Regierung bekleiden.

Einige syrische Flüchtlinge, die sich momentan in Europa aufhalten und mit denen ich mich persönlich getroffen habe, sagen: "Es gibt so viele Freiheiten, die die Christen hier, im durch und durch demokratischen Europa, nicht haben."
Wie kann man das also nicht bemerken, wenn man die Nachrichten hört. Wie kann man so oberflächlich sein und glauben, dass eine Demokratie vom Himmel kommt, und eine Diktatur aus der Hölle, und dass es keine Zwischentöne gibt?
Diese Menschen haben eine andere Mentalität, eine andere Kultur. Sie haben schon immer so gelebt. Und das hat funktioniert.
Welches Recht haben wir, ihre Souveränität zu missachten?
Quelle: RT-Deutsch

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