Dienstag, 1. November 2016

Anne Will - 30.10.2016 - Schöne neue Arbeitswelt - Ist der Computer der bessere Mensch?


Sendung am 30. Oktober 2016 | 21:45 Uhr
Schöne neue Arbeitswelt - Ist der Computer der bessere Mensch?
Die Gäste im Studio

© Will Media Fotograf: Borrs/Yunck
  • Manfred Spitzer Psychiater und Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm
  • Leni Breymaier (SPD) Landesvorsitzende in Baden-Württemberg und ver.di-Landeschefin in Baden-Württemberg
  • Sascha Lobo Blogger und Buchautor
  • Christian Lindner (FDP) Bundesvorsitzender, ehemaliger Internet-Unternehmer
  • Bernhard Rohleder Hauptgeschäftsführer Bitkom e.V.

Selbstfahrende LKW, Pflegeroboter, vollautomatisierte Supermarktkassen – mehr als fünf Millionen Jobs könnten in den Industrieländern Schätzungen zufolge allein bis 2020 durch die Digitalisierung der Wirtschaft wegfallen. Wer muss wirklich um seinen Arbeitsplatz fürchten? Sollte der Staat die durch Digitalisierung entstehenden Gewinne umverteilen? Und ist künstliche Intelligenz Fluch oder Segen für die Menschheit? Darüber diskutiert Anne Will mit ihren Gästen im Rahmen der ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“.

Link zur Sendungsseite: (hier)
Link zum Anne-Will-Blog: (hier)


Kommentare aus dem Blog

Maverick
Warum scheint es so schwer zu sein Prof. Spitzer zu verstehen....Leider hat er recht. Wir können die jungen Menschen auch noch später an die Medien lassen. Wer den Faust interpretieren kann und Mathe versteht hat auch mit dem System von 0 und 1 keine Schwierigkeiten.

    Leonhardt
    Wer den Faust interpretieren kann, der weiß auch mit folgenden Worten umzugehen : "Die Geister, die ich rief, werd´ ich nun nicht mehr los!". Wenn die Eltern das für ihre Kinder schon nicht dosieren können, dann muss in den Schulen das Fach "Medienpädagogik" zum Einsatz kommen. Für Eltern UND Kinder . Ansonsten daddeln sich die nachfolgenden Generationen in die digitale Psychose. Ein Eldorado für Suchttherapeuten und Psychologen.

Strandläufer
Herr Spitzer hat recht,mit dem ,was er sagt. Der Mensch ist ein Wesen aus der Natur ,das am :Lebendigen lernt ,-die Phantasie wird nur entwickelt,wenn der Mensch diese auch entfalten kann und nicht vor einen toten Bildschirm gesetzt wird .
Wer hat denn den Computer erst erschaffen ?War das der Computer selbst oder der Mensch .Und nun soll der Mensch sich selbst seinem Werk unterordnen und es vergöttern,-wie das goldene Kalb.
Im Denkprozess des Menschen fließen unzählige Dinge mit hinein ,-wie Gefühle ,Vorstellungen und all solche Dinge .Ein Computer dagegen ist ein totes Ding und ich glaube dazu soll auch der Mensch gemacht werden ,damit er nur noch funktioniert.Das zeigt sich an den Diskussionsteilnehmern ,-Herrn Spitzer ausgenommen,-die anscheinend selbst schon jede Art von Empathie und Mitmenschlichkeit verloren haben.

    Irmgard Schw
    Sie sprechen mir aus dem Herzen. An Herrn Spitzers Stelle wäre ich aufgestanden und hätte mich von dieser unfairen, einseitigen Sendung verabschiedet. Keiner einschliesslich der Moderatorin wollte ihn verstehen. Ich bin eine Großmutter und sehe für meine Enkel keine gute Zukunft.

Ein Mensch
Klar kann man die Meinung von Herrn Spitzer nachvollziehen und er hat sogar zu einem großen Teil m. E. Recht. Die Zeiten haben sich aber gewaltig verändert! Wenn Deutschland nicht langsam den versprochenen Bildungsschirm (seit 15 Jahren redete die Politik darüber) aufspannt, ist dieses Land rettungslos abgehängt, da sind die Inder schon auf dem Mond und Frau Wanka diskutiert süffisant irgendwo auf einer Medienplattform! Auf der bpb- Site steht: “Das deutsche Bildungssystem grafisch darzustellen ist gar nicht so einfach, zumal es ein deutsches Bildungssystem genau genommen gar nicht gibt. Denn für die Bildungspolitik sind in Deutschland in erster Linie die Bundesländer zuständig. Sie haben die sogenannte Kulturhoheit, so dass die Landesregierungen weitgehend selbstständig entscheiden können, wie sie ihre Bildungssysteme ausgestalten.“ Wir brauch nicht zig Bildungssysteme, sondern ein Bildungssystem auf höchsten internationalen Niveau! Was da an finanziellen Mitteln frei wird, sofort zweckgebunden in der IT- Ausstattung einsetzen. Ein Lehrplan für ganz Deutschland, aber auf Grundlage der „Wissensbank 2016“ und den Anforderungen der Zeit! Wir hatten einmal ein Bildungssystem, wo man sagen kann: Ja, das ist ein Bildungssystem! Die Finnen haben es von uns übernommen und sind die ewigen PISA- Sieger!

Pressestimmen

FAZ.de:
TV-Kritik „Anne Will“
Wird die Würde des Menschen maschinenlesbar?
Die ARD startet mit Tatort und Anne Will die Themenwoche „Zukunft der Arbeit“. Die Talkshow startet rasant - und wird durch einen Ulmer Psychiater schnell fast zum Entgleisen gebracht.

focus.de:
"Sie haben keine Ahnung!"
Anne Will kann Krawall-Psychiater kaum bändigen
Wie wird die Arbeitswelt der Zukunft aussehen? Auf jeden Fall anders. Im ARD-Sonntagstalk geht der Psychiater Manfred Spitzer aggressiv auf die Befürworter des Digitalen los. Das endet in Krawall.

t-online.de:
TV-Kritik zu "Anne Will"
"Mitten in der zweiten industriellen Revolution"

Mit dem "Tatort: Echolot" hat die ARD die Themenwoche "Zukunft der Arbeit" eröffnet. Den Schwung wollte Anne Will für ihren Talk mitnehmen und mit den Gästen über die "schöne neue Arbeitswelt" diskutieren. Das taten die mit viel Gekreisch.

Das Thema

Eine hippe Start-up-Klitsche, etwas Virtuell-Slang und eine durchgeknallte Computersoftware: Rosig war das Bild nicht, das der Tatort von der digitalen Arbeitswelt zeichnete. Zum Glück alles nur Fiktion. Hoffentlich. Dabei war es gut, dass Will sich keiner thematischen Anleihen an den überzeichneten Film bediente, sondern ihre Sendung in der Themenwoche realistisch anging. Sie fragte nach der "schönen neuen Arbeitswelt".

"Wir sind mitten in einer zweiten industriellen Revolution", umschrieb es Lindner. Die Zahlen sind nüchterner. 500.000 Jobs könnten laut Weltwirtschaftsforum in den nächsten Jahren durch Automatisierung und Digitalisierung, in der Sendung liebevoll "Roboter" genannt, wegfallen. Da war sich auch Breymaier sicher: "Massenweise Arbeitsplätze" seien gefährdet, so die SPD-Frau.

Die Fronten

Es entstünden nicht so viele Jobs in neuen Bereichen, wie in alten verloren gingen. Klar, dass der IT-Fachmann Rohleder das anders sieht. Die Unternehmen wollten den Menschen das Leben einfacher machen, Kundennutzen stiften. Damit natürlich auch Geld verdienen. Eine "Win-win-Situation".

Auch Lindner betonte die Chance, die Roboter brächten. In Bereichen etwa, in denen es für Menschen zu anstrengend werde zu arbeiten. Zudem könnten sie die Probleme des Fachkräftemangels lösen. Das böte auch die Chance, andere Arbeitsbereiche für den Menschen zu entwickeln. Wenn man "immer nur Risiken" sehe, gingen Chancen verloren.

Lobo verteidigte die digitale Entwicklung gegen Spitzer. Der meinte, Kinder und Jugendliche profitierten nicht von digitalen Medien, Störungen in Motorik und Sprache seien die Folge der Nutzung von Smartphones und Co. Wenn man den eigenen Kindern Arbeitslosigkeit garantieren wolle, halte man sie von digitalen Medien fern, so Lobo. Allerdings sehe er die Gefahr, dass hochbezahlte Jobs in den Bereichen weniger würden, in denen viel Wissen "in die Roboter fließe". Arbeiten im Umfeld würden schlechter bezahlt, weil sie geringerer Qualifikation bedürften.

Kern der Diskussion

Erster Themenkomplex: die "zivilisatorischen Chancen" einer sich verändernden Arbeitswelt, von Lindner mit kühlem Charme, von Rohleder als Wills Sidekick, wenn es um ein Lob auf die Technik ging, vorgetragen. Lobo hob den mahnenden Finger mit Ironie.

Zweiter Themenkomplex: das soziale Gewissen, das Breymaier verkörperte. Sie sprach von digitaler Rendite und der Notwendigkeit, dass vor allem die profitieren müssten, auf deren Rücken der Umbruch im Arbeitsmarkt von statten gehen werde.

Das dritte Schlachtfeld machte Spitzer auf. Kinder und Jugendliche müssten vor der digitalen Entwicklung geschützt, dürften erst mit 15, 16 Jahren herangeführt werden. "Kinder sind keine Computer", betonte er: "Menschen machen keinen Download." Man brauche Wissen, um Informationen zu verarbeiten. Das erlerne man nicht digital. Wie man dann auf die digitale Revolution vorbereiten könne, fragte Rohleder. Die Diskussion wurde hitziger.

Aufreger des Abends

In der Tat musste man Sorgen haben, Spitzer kippe jeden Moment aus dem Sessel. Nicht nur wegen seines schrägen Sitzes. Eher wegen seines gewiss hohen Blutdrucks. Will musste gar einmal fragen: "Herr Spitzer, können sie mich hören?" - so hatte der Mann sich in Rage geredet. Aggressiv ging er die anderen an.

Will konnte da nur mit einem langgezogenen "Okay" antworten, Lindner schüttelte mitleidig den Kopf. In der Tat kam keine vernünftige Diskussion in Gang. Vor allem Lindner, Lobo und Spitzer, die gemeinsam links auf dem Podium saßen, warfen sich gegenseitig Fehlverhalten an den Kopf: falsche Studien, nicht ausreden lassen, "Sie haben keine Ahnung".

Das Tohuwabohu führte gar zu Momenten des Fremdschämens: zum Beispiel als Lobo giftete, Spitzer wolle nur Angst machen, um seine Bücher zu verkaufen, oder sich der Psychologe über Lobos rote Irokesenfrisur lustig machte.

Dabei waren die Diskutanten oft gar nicht weit auseinander, trennende Ansichten hätten schonend diskutiert werden können. Statt des gegenseitigen Vorwurfs der Schwarz-Weiß-Malerei hätten so die Zuschauer etwas mitnehmen können. Denn Spitzers durchaus einleuchtenden Ansätze widersprachen gar nicht den von Lindner und Co. propagierten Chancen.

Was schade war

Will hätte nur etwas Dampf aus dem Kessel nehmen müssen. Aber nicht nur Spitzers Einwurf "falsch" zu den Aussagen der anderen wiederholte sich zu oft. Auch die Positionen der Gäste wurden kaum weiterentwickelt. Stattdessen wurde gegen Ende über das moralische Dilemma eines automatischen Fahrzeugs diskutiert, das entscheiden müsse, wen es im Notfall totfahren würde - irgendwie unpassend.

Immerhin konnte SPD-Frau Breymaier am Ende noch einwerfen, dass das Thema Arbeit neu diskutiert werden müsse und man jetzt noch die Chance dazu habe.
Quelle: t-online.de

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