Samstag, 22. Oktober 2016

Maybrit Illner - 20.10.2016 - "Feldherr Putin – starkes Russland, schwacher Westen?"

Thema: Doppelmoral

Talk bei Maybrit Illner
Der Westen ist in Sachen Putin ratlos

Die USA? Im Wahlkampf. Deutschland? In der Flüchtlingskrise. Russland? Nutznießer des strauchelnden Westens. Wladimir Putin war zwar nicht zu Gast bei Maybrit Illner. Er sollte aber das Thema sein. Neben zahlreichen Nebenkriegsschauplätzen, die insgesamt für einen wirren Talk sorgten.

Kategorie Nachrichten & Politik
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Die Gäste
  • Peter Altmaier (CDU), Chef des Bundeskanzleramtes
  • Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender Die Linke
  • Alexander Rahr, Putin-Biograf
  • Florence Gaub, Europäisches Institut für Sicherheitsstudien
  • Aktham Suliman, syrischer Journalist
  • Peter R. Neumann, Terrorismus-Experte am Londoner King's College

Das Thema

"Feldherr Putin - starkes Russland, schwacher Westen?", fragte die ZDF-Redaktion am Donnerstagabend. Gerade war er noch da, es sollen harte Gespräche gewesen sein mit Angela Merkel, da war der russische Präsident schon wieder weg. Doch Deutschland diskutiert weiter. Seine Rolle in der Ukraine, in Deutschland, in Syrien, im US-Wahlkampf und - wie die Bundeskanzlerin nun suggerierte - möglicherweise bald in einem anderen Land, das heute noch gar nicht im Fokus steht. Maybrit Illner allerdings entschied, dass anhand Syrien Putins Strategie erklärt werden sollte.

Die Fronten

Syrien quasi als Stellvertreter-Diskussion über Russland. So, wie Syrien der Stellvertreter-Krieg für so unglaublich viele Interessen ist, wie Dietmar Bartsch feststellte. Nichts Neues hier, genauso wenig an der neuen Kalter-Krieg-Front. Aktham Suliman bezichtigte den Westen der Arroganz gegenüber den arabischen Ländern, dabei mit falschen Karten spielend. "Der Westen vertritt seine Interessen. Das ist legitim. Die anderen aber auch, nur nennt man die dann Kriegsverbrecher." Die Worte richteten sich an Peter Altmaier, die stumpfe Allzweckwaffe der Bundesregierung in der Talkshow-Prärie. Keine Überraschung, dass der Chef des Bundeskanzleramtes Russland nicht als Teil der Lösung, sondern als Teil des Problems in Syrien bezeichnete.

Aufreger des Abends

Eigentlich ging es den ganzen Abend über um Doppelmoral. Die friedenstiftenden, aber waffenexportierenden Europäer. Die Tschetschenien-erfahrenen Russen, die aus Aleppo ein zweites Grosny machen könnten. Die inzwischen kriegsmüden Amerikaner, die Mossul bombardieren wie die Russen Aleppo, es aber für gerechtfertigter halten, weil dort der IS sitzt - und als Kollateralschaden auch Zivilisten. Und dann sind da die Syrer. Schließlich geht es um sie. Suliman forderte Altmaier und den Westen auf, sich zu entscheiden. Entweder, man sei wirklich an Frieden interessiert. Dann müsse man dementsprechend handeln und mit allen Fronten - auch mit Russland - offen sprechen. "Wenn nicht, lassen Sie unser Land in Ruhe! Die Menschen wollen keine Demokratie, sie wollen keine Wirtschaft, sie wollen nur normal leben." Das sollte man sich vielleicht mal merken.

Moderatoren-Frage des Abends

Apropos Doppelmoral: Maybrit Illner fragte Altmaier, ob es eigentlich der Ernst des Westens sei, dass "wir mit Ländern wie Saudi-Arabien und Bahrain, die selbst den politischen Islamismus befördern, zusammen um die Befreiung Syrien kämpfen". Der CDU-Politiker antwortete ohne mit der Wimper zu zucken: "Mit denen kämpfen wir gegen den IS. Diese Allianz haben wir geschlossen. Und es ist gut, gegen den IS zu kämpfen." Es war einer der schmerzlich wohltuenden Momenten des Abends, an denen Doppelmoral wenigstens offen zutage gefördert wurde. Ganz nach dem Motto: Mit dem Teufel den Beelzebub austreiben.

Tiefpunkt des Abends

Einen weiteren Satz hatte Altmaier auch noch im Gepäck an all jene Deutsche, die aktuell für den IS in Syrien kämpfen und darauf hoffen, sollten sie überleben, nach Deutschland zurückkehren zu können, potentiell dann als Attentäter. „Jeder, der plant zurückzukommen, muss wissen, dass es für ihn ein großes Risiko bedeutet, wenn er vor hat, in Deutschland Terroranschläge zu begehen.“ Gut zu wissen, dass das Risiko nur bei den Rückkehrern liegt.

Fakt des Abends

Gab es an diesem Abend auch wirklich Erhellendes? Oh ja! Dafür waren die beiden Wissenschaftlicher zuständig, mit denen alleine wohl eine spannendere Diskussion möglich gewesen wäre. Florence Gaub öffnete unter anderem dafür die Augen, wo wir rein statistisch aktuell stehen in Syrien. "Bürgerkriege dauern im Schnitt zehn Jahre. Jetzt stehen wir aktuell bei fünf Jahren, als bei der Halbzeit. Aber Bürgerkriege werden verlängert, wenn sich Drittmächte einmischen." Und davon gibt es in Syrien eine ganze Menge. Kurzum, Halbzeit dieses Konflikts dürfte noch nicht einmal erreicht sein.

Die Frage ist, was das Ende des Konflikts einläuten würde. Der Sieg über den IS? Laut Peter R. Neumann hat der IS in den letzten anderthalb Jahren auf der irakischen Seite rund 50 Prozent an Territorium verloren, auf syrischer Seite knapp 25 Prozent. Der Schlüssel zum Sieg über den IS könnte Mossul werden. "Dort wurde das Kalifat ausgerufen. Wenn Mossul fällt, könnten sich viele Anhänger die Frage stellen: War das eigentlich das richtige Kalifat? Das wäre wichtig", so der Professor des renommierten King's College.

Was offen bleibt

Neumann regte zudem an darüber nachzudenken, was passieren sollte, falls der IS tatsächlich zerschlagen würde. Denn mitnichten würde dies bedeuten, dass es keine IS-Kämpfer mehr gäbe. Nur eben keinen IS mehr. "Viele werden zurückgehen in die Nachbarländer, insbesondere in die Türkei. Das wird destabilisierend wirken", so Neumann. "Und dann ist die Frage, wohin sie als nächstes gehen."

Und dann war da ja eigentlich noch Wladimir Putin. So wirklich Erhellendes brachte die Diskussion über ihn nicht. Biograf Alexander Rahr hätte vielleicht mehr beitragen können. Aber er wurde zu selten in die Diskussion eingebunden. So stand am Ende nur seine Aussage: "Putin möchte Anerkennung als Großmacht erhalten, nachdem Russland in den Neunziger Jahren am Boden lag." Aber auch das war eigentlich schon vorher bekannt.

Quelle: t-online.de

Kommentare :

  1. Und wie immer bei t-online, bei solchen Themen keine Kommentarfunktion frei geschaltet.

    Warum wohl?

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  2. Hallo Ralf,
    ich nehme ja die Staatmedien (tagesschau.de) und stelle gleiches Vorgehen fest.

    Vornehmlich bei Syrien oder den Kurzbesuch von Putin.(z.B.)
    Gern verschweigt man hier, das Putin einen "sanktionierten Gast - mit Einreiseverbot" mitbrachte.
    Das Kanzleramt steht in Ost-Berlin...
    Ist zum selbst nachdenken,da ja eine "neue Sau durchs Dorf gejagt wird".
    Es könnte ja mal dies Wirklichkeit werden:

    "Die verfassunggebende Gewalt geht in demokratischen Staaten vom Staatsvolk aus".

    Dazu brauchste aber IQ unter 140, über 140 springt man auf`s allerletzte Brett der MSM. (Ironie)

    Gruß

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