Samstag, 27. August 2016

Daniel H. Simpson: USA ist ein Mörderstaat - im Inland wie im Ausland

Thema: Kriege

Frieden auf Erden?
Nicht ehe die USA aufhören Waffen zu verkaufen und Krieg zu führen
von Daniel H. Simpson
erschienen bei Voltaire Netzwerk

Daniel H. Simpson war der ehemalige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Zentralafrikanischen Republik (1990-1992), Sondergesandter zu Somalia und den Vereinigten Staaten, Botschafter in der Demokratischen Republik Kongo (1995-1998) sowie für die Durchführung weiterer Auslandseinsätze in Burundi, Südafrika, Zaire (bei drei verschiedenen Gelegenheiten) Island, Libanon und Bosnien-Herzegowina. Er diente auch als stellvertretender Kommandant der Vereinigten Staaten Army War College und war Mitglied des Board of Directors als Vice President der National Defense University in den Vereinigten Staaten Institute of Peace.
Seit 2001 schreibt er...
Im Rückblick auf die Angebote der Vereinigten Staaten zum Jahresende 2015 komme ich zu dem Schluss, dass wir ein Mörderstaat sind, im Inland wie im Ausland.

Der Teilbereich unserer Gesellschaft, der am meisten von dieser Rolle profitiert, wiederum im Inland wie im Ausland, ist die Rüstungsindustrie. Im Inland verkauft sie die Waffen, die nahezu unkontrolliert dazu benutzt werden, harmlose Menschengruppen abzuschlachten, selbst in Kirchen und Schulen. Unsere korrupten und gewissenlosen Bundes- und Landesgesetzgeber haben nicht den Mumm und Verstand, dies zu stoppen. Dabei geht es nicht nur um die National Rifle Association (NRA, dt. Nationale Gewehr-Vereinigung), sondern auch um die Waffenproduzenten und -händler, die die NRA finanzieren, damit sie Einfluss in Washington und in den Landeshauptstädten nehmen kann.

Im Ausland werden wir als Mörder angesehen. Andere Länder können nur zu ihrem auserkorenen Gott oder ihren Göttern beten, dass die Vereinigten Staaten nicht beschließen mögen, dort ihren Willen durchzusetzen, sei es durch Aufzwingen einer Regierungsform, die sie nach unserer Meinung annehmen sollten, oder indem sie ein angeblich begangenes Unrecht als Rechtfertigung dafür anführen, dass sie die Länder mit Bomben überziehen oder Drohnen aussenden, um ihre Führungskräfte zu töten.

Ob man es mag oder nicht, das ist unser Ruf. Die meisten Ausländer, die ich treffe, glauben, dass wir verrückt sind. Fast alle meinen, dass wir eine Gefahr für die Weltgesellschaft sind.

Einige unserer sogenannten Verbündeten stellen sich auf unsere Seite in dem Bestreben, etwas Kontrolle über unsere mörderischen Neigungen zu erlangen. In diese Kategorie ordne ich die Briten ein.

Einige Staaten wollen einfach auf Abstand zu uns bleiben und vor allem in keiner Weise auf uns angewiesen sein. Indien ist ein Beispiel dafür. Die US-Regierung und private Waffenhändler haben Jahre daran gearbeitet, aus Indien einen Großkunden für amerikanische Waffen zu machen. Indien hat aber den Amerikanern zugelächelt und weiterhin die Waffen in Russland eingekauft – in dem Russland, das von dem berüchtigten Wladimir W. Putin geführt wird im Gegensatz zum von dem hinreißenden Barack H. Obama geführten Amerika. Kann es sein, dass Indien weiß, dass amerikanische Waffen unweigerlich mit amerikanischen Militärberatern gekoppelt sind, die ihre ausländischen Kunden trainieren und unterstützen?

Wo also stehen wir, wenn das Jahr 2015 zu Ende geht?

Wir sind in Afghanistan, wo wir 2001, direkt nach 9/11, begonnen haben. Wir sind im Irak, wo Präsident George W. Bush uns 2003 unter falschen Prämissen hingeholt hat, um als Präsident in Kriegszeiten wiedergewählt zu werden.

Wir haben in den letzten 14 Jahren 2.332 Soldaten – und weitere sechs in der letzten Woche – in Afghanistan und 4.425 im Irak verloren. Noch immer unterhalten wir Tausende Soldaten in jedem Land – der Zoll dafür, dass wir Regierungen eingesetzt haben, die sich nicht selbst erhalten können. Soeben haben US-Spezialkräfte den Irakern geholfen, Ramadi zurückzuerobern, wofür wir schon einmal gekämpft haben, dieses Mal gegen die Gruppe Islamischer Staat. Letztes Mal waren es die Sunniten, die sich dort erhoben hatten. In Afghanistan kämpfen wir erneut, um Orte zu halten, die sonst an die Taliban fallen würden und die in der Tat, trotz unserer Anstrengungen, an die Taliban fallen könnten.

Warum tun wir das? Ich war der Meinung, Ronald Reagans Behauptung in 1986, dass wenn wir nicht die Kommunisten in Nicaragua bekämpfen, wir sie in Harlingen, Texas, würden bekämpfen müssen, sei so tot wie der Scharlatan, der uns damals regierte. Glaubt irgendjemand wirklich, dass es irgendeinen Unterschied für die Amerikaner macht, ob Ramadi im Irak oder Sangin in Afghanistan in „freundlichen“ Händen ist? Selbst diese Frage zu stellen heißt sich einzubilden, dass die Abadi-Regierung im Irak und die Regierung Ghani in Afghanistan „freundliche“ Hände sind – ein Fantasiebild Washingtons, das der Glaubwürdigkeit so nah kommt wie die Wahlkampfwerbung von Ted Cruz oder Hillary Clinton.

Ich vermute, Herr Obamas Bemühungen, seine Amtszeit zu beenden, ohne Afghanistan oder Irak im totalen Chaos zusammenbrechen zu sehen, können als eine Art besessene, zwanghafte Störung betrachtet werden oder als Wahlkampfloyalität gegenüber seiner früheren demokratischen Gegnerin Hillary Clinton. Wir hätten schon längst die Haltung einnehmen sollen, dass wir alles, was wir konnten, in Afghanistan und im Irak getan haben und unsere Truppen nach Hause bringen müssen.

Was haben wir noch getan? Wir haben Libyen zugrunde gerichtet. Muammar Gaddafi war eine egomanische Plage, auch wenn er letztendlich auf sein Atomwaffenprogramm verzichtet hat. Aber an seine Stelle sind großenteils dank der Beschlüsse von Obamas Regierung, Hillary Clinton inbegriffen, zwei emporstrebende „nationale“ Regierungen getreten und viele gesetzlose lokale Milizen, nun auch noch der Islamische Staat, und die unbeschränkte Migration nach Europa.

Zugunsten unseres Verbündeten und größten Waffenabnehmers Saudi-Arabien haben wir geholfen, den Jemen zu zerstören. Die Saudis haben ihn in die Steinzeit gebombt und ich habe im Weißen Haus und im Pentagon bisher noch niemanden sagen gehört, dass in den saudischen Cockpits nicht US-Piloten sitzen. Jemen war bereits das ärmste Land im Nahen Osten.

Die Verstrickung der Vereinigten Staaten in den Jemen-Konflikt versetzt uns genau ins Zentrum des sunnitisch-schiitischen Konflikts innerhalb des Islam. Es gibt absolut keinen Grund auf der Welt, uns in einen innerislamischen Konflikt einzumischen. Wir stecken mitten drin aufgrund der Verpflichtung der amerikanischen Waffenhersteller zur nachträglichen Betreuung der Waffen, die sie Saudi-Arabien verkauft haben. Die Schwerter, mit denen sie die Köpfe der Angeklagten abschlagen, haben wir ihnen vermutlich nicht verkauft.

Die Vereinigten Staaten haben auch das Fehlen einer Regierung in Somalia und die Käuflichkeit der Regierung von Dschibuti benutzt, um in Dschibuti einen militärischen Vorposten aufzubauen. Dort sind nun Tausende von US-Soldaten, Kampfbomber und eine Drohnenbasis ohne einen triftigen Grund. Dies ist eine unnötige, vom Pentagon betriebene Intervention in Afrika.

Wir sollten unsere Einsatzkräfte nach Hause bringen. Ehe wir das nicht tun, wird es keinen Frieden auf Erden geben. Lasst uns nicht Mörder sein.
Daniel H. Simpson

Übersetzung
Sabine

Quelle
Pittsburgh Post-Gazette (USA)

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Quelle : „Frieden auf Erden? Nicht ehe die USA aufhören Waffen zu verkaufen und Krieg zu führen“, von Daniel H. Simpson, Übersetzung Sabine, Pittsburgh Post-Gazette (USA) , Voltaire Netzwerk, 9. Juli 2016, www.voltairenet.org/article192788.html

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