Freitag, 22. Mai 2015

Ex-Oberbefehlshaber der NATO: Heutige US-Kriege plante Pentagon seit 1991

Thema: Kriegsplanung

Der ehemalige Oberbefehlshaber der NATO (1997-2000) und NATO-Oberbefehlshaber im Kosovo-Krieg, der Vier-Sterne-General der U.S. Army a.D. Wesley Clark über die seit 1991 geplanten Kriege der USA im Nahen Osten. Ein Ausschnitt des Vortrages beim Think Tank "Commonwealth Club of California" in 2007.


  • Die Rede von Wesley Clark beim U.S Think Tank "Commonwealth Club of California" Link
  • Diese Rede in voller Länge auf FORA.TV: Link
  • Der Chef der privaten US-Denkfabrik STRATFOR George Friedman über Geopolitik und Außenpolitik der USA am 3 Feb. 2015 (Englisch): Link
  • Mit deutschen Untertiteln (Ausschnitte): Link
  • VOX-Interview mit Barack Obama, 9 Februar 2015 (Englisch): Link
  • mit deutschen Untertiteln (Ausschnitt): Link



  • Text des Video in Deutsch:
    Und was am 11 September 2001 geschehen ist - da hatten wir keine (Handlungs-) Strategie dazu, wir hatten keine Einigung der beiden Parteien über die weitere Vorgehensweise, es herrschte keine Einigkeit dazu in der amerikanischen Gesellschaft. Stattdessen hatten wir einen politischen Staatsstreich in diesem Land, einen Staatsstreich, einen politischen Staatsstreich. Einige eiskalte, hartgesottene Leute haben die US-Außenpolitik an sich gerissen und sie haben sich nie die Mühe gegeben, uns darüber zu informieren. Zehn Tage nach 9/11 war ich im Pentagon unterwegs. Ich konnte der Mutter-Armee nicht fernbleiben. Ich ging dorthin, um Donald Rumsfeld zu sehen, ich hatte für ihn im Weißen Haus in den 1970-er Jahren gearbeitet, das alles habe ich in meinem Buch niedergeschrieben. Und ich habe zum ihm gesagt "Kommen Sie zurecht mit CNN?" und er sagte "Ja, ja, ja, alles gut." Er sagte dann "Ich denke darüber nach, ich habe Ihr Buch gelesen". In diesem Buch wird über Kosovo-Kampagne erzählt. Er sagte, "Ich wollte Ihnen nur sagen, niemand wird erzählen, wo oder wann wir bombardieren können, niemand." Er sagte dann "Ich überlege mir das als eine "Schwebende Koalition" zu bezeichnen, was denken Sie dazu?" Und ich antwortete: "Nun, Sir, Danke, dass Sie mein Buch gelesen haben..." Und er sagte: "Danke, die Zeit ist um, die ich für Sie übrig habe." Wirklich so sagte er! Dann ging ich die Treppe hinunter und war dabei das Pentagon zu verlassen, und ein Offizier vom "Vereinigten Generalstab" (Joint Chiefs of Staff) rief mich in sein Büro und sagte zu mir: "Ich möchte Ihnen sagen, Sir, wir beabsichtigen den Irak anzugreifen." Und ich sagte: "Warum?" Er sagte: "Wir wissen es nicht." Ich sagte: "Wollen sie Saddam in Zusammenhang mit 9/11 bringen?" Er sagte, "Nein". Er sagte: "Ich schätze, sie wissen nicht, was sie mit dem Terrorismus tun sollen, aber sie können Länder angreifen und sie wollen dabei stark aussehen. Ich vermute, sie glauben, dass wenn sie ein Land runterkriegen, das wird die Terroristen einschüchtern. Und, Sie kennen diesen alten Spruch, der besagt "Wenn das einzige Werkzeug, das du hast, ein Hammer ist, dann muss jedes Problem zu einem Eisennagel werden." Dann ging ich raus, ich war ziemlich durcheinander und verstimmt, und dann haben wir Afghanistan angegriffen. Ich war ganz glücklich und erfreut darüber, denn wir sollten das tun. Und dann, etwa 6 Wochen später, ging ich wieder zum Pentagon, ich traf denselben Offizier, ich sagte zu ihm: "Warum haben wir den Irak nicht angegriffen?" Er sagte: "Wir haben vor den Irak anzugreifen. Oh, Sir, es ist schlimmer als das." Und dann nahm er ein Papier von seinem Schreibtisch und sagte zu mir: "Ich habe gerade diesen Merkzettel aus dem Büro des Verteidigungsministers bekommen, und hier steht: wir werden 7 Länder angreifen und deren Regierungen innerhalb von 5 Jahren stürzen." "Wir werden mit dem Irak beginnen und dann nehmen wir uns Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, den Sudan und den Iran, sieben Länder in fünf Jahren." Ich sagte: "Ist dieses Dokument geheim?" Er sagte: "Ja, Sir." Ich sagte: "Dann zeigen Sie es mir nicht." Er war schon dabei es mir zu zeigen, weil ich darüber nicht sprechen wollte. Und ich habe diese Information für lange Zeit für mich behalten, habe davon etwa 6 oder 8 Monate mit niemanden gesprochen. Ich war wie gelähmt dadurch, ich konnte darüber mit niemanden sprechen. Und ich konnte nicht glauben, dass das die Wahrheit sein kann, aber es ist wirklich das, was später geschehen ist. Diese Leute haben die Kontrolle über die Politik in den Vereinigten Staaten übernommen. Ich habe dann begriffen, ich habe mich erinnert als ich ein Treffen mit Paul Wolfowitz in 1991 hatte. Also Sie wissen schon, er war in 2001 der Vize-Verteidigungsminister der USA, aber in 1991 war er Staatssekretär beim Verteidigungsministerium, das ist die drittwichtigste Position im Pentagon. Und ich ging zu ihm, um ihn zu sehen, damals war ich noch Ein-Stern-General und befehligte das Nationale Trainingszentrum, ich habe ihn damals einmal getroffen, und er sagte z mir: "Wenn Sie jemals in Washington sein werden, besuchen Sie mich dort." So, als ich dann in Washington war, es war Freitag nachmittags, ich besuchte Colin Powell, er nahm sich 5 Minuten von seiner wertvollen Zeit für mich, und dann ließ er mich allein. Ich habe mich im Pentagon gelangweilt, und ich habe mir gedacht, ich schaue mich dort um, mit wem ich sprechen kann. Ich habe mir gedacht, ich würde Wolfowitz sprechen. Ich habe mich bei ihm gemeldet, er war gerade zu sprechen. Lewis „Scooter“ Libby machte die Tür auf, ich lernte ihn zum ersten Mal kennen, und er brachte mich zu Paul Wolfowitz. Es ist das Jahr 1991! Und ich sagte zu Paul: "Herr Sekretär, Sie müssen sehr glücklich mit der Operation "Wüstensturm" unserer Truppen in Irak sein." Und er sagte: "Ja, eigentlich schon, aber nicht ganz. Weil die Wahrheit ist, wir sollten Saddam Hussein eigentlich loswerden, was wir aber nicht getan haben. Und das war gerade nach dem Aufstand der Schiiten im März 1991, den wir provoziert haben und dann haben wir unsere Truppen zurück gehalten und haben nicht interveniert." Und er sagte: "Aber eine Sache haben wir dabei gelernt: wir haben gelernt, dass wir unsere Truppen in der Region des Nahen Osten einsetzen können und die Sowjets werden uns nicht mehr stoppen." Er sagte: "Wir haben ungefähr fünf oder zehn Jahre Zeit bekommen, um all die sowjetischen Klientelregime zu beseitigen: Syrien, der Iran, der Irak, - bevor die nächste große Supermacht uns herausfordert." Und es war so wie... Ich kam damals aus der Mohave-Wüste, wo ich die US-Truppen trainiert habe, ich habe damals für eine Weile verlernt, geostrategisch zu denken. Und plötzlich kommt da ein Kerl mit diesem Ding! Na ja, Sie erinnern sich daran, es war ein ziemlich atemberaubendes Ding, ich meine, dass der Zweck des Militärs darin liegt, die Kriege anzufangen und die Regierungen abzusetzen, nicht Konflikte beizulegen und zu befrieden. Wir waren dabei in Länder einzufallen und wissen Sie, mir war schwindelig von all dem. Und ich habe das zur Seite gelegt. Es ist einem Goldklumpen ähnlich gewesen, an dem man festhält. Dieses Land wurde von einer Gruppe von Leuten durch einen politischen Staatsstreich übernommen. Das waren Wolfowitz und Cheney und Rumsfeld und man kann ein halbes Dutzend anderer Kollaboteure nennen von dem "Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert". (=US-Denkfabrik in Washington) Sie wollten den Nahen Osten destabilisieren, ihn auf den Kopf stellen, ihn unter unserer Kontrolle zu machen. Es ist auf jene Anmerkungen von 1991 zurück zu führen. Und jetzt, spricht irgendjemand mit Ihnen darüber? Gibt es einen nationalen Dialog über dieses Thema? Standen etwa die Senatoren und Kongressabgeordnete auf und verurteilten diesen Plan? Gab es eine ausführliche amerikanische Debatte darüber? Absolut nicht! Und es gibt sie immer noch nicht! Und das ist der Grund, warum wir im Irak scheiterten, weil der Iran uns Syrien Bescheid über diesen Plan wissen. Alles, was Sie tun müssen, ist nur The Weekly Standard zu lesen und Bill Kristol zu hören. Er hat darüber für die ganze Welt ausgeplaudert. Das gleiche gilt für Richard Perle. Sie konnten kaum abwarten, bis sie im Irak fertig sind um gleich darauf in Syrien einzufallen. Es war wie festgeschrieben: "Oh, unsere Legionen werden dort einmarschieren!" Das war nicht das, wofür die US-amerikanischen Menschen George Bush zum Präsidenten gewählt haben. Gut, sie haben ihn eigentlich auch nicht (mehrheitlich) gewählt, aber es war nicht das, was viele Menschen von ihm erwartet haben und was er versprochen hat. Bush hat in seinem Wahlkampf für bescheidene US-Außenpolitik geworben, doch mit ihm hatten wir die arroganteste US-Außenpolitik in der ganzen Geschichte der USA. Er versprach auf die US-Außenpolitik der "Nationenbildung" und "Friedensmissionen" zu verzichten. Und hier steht er mit seinen Irak und Afghanistan. Erstaunlich! So, also die Wurzel des Problems liegt nicht darin, wie viele Truppen wir im Irak stationieren, glauben Sie mir das bitte! Seien Sie nicht böse auf Ihre demokratischen Kongressabgeordnete, falls Sie selbst ein Demokrat sind - weil sie die Truppen in Irak nicht reduzieren können und damit den Präsidenten frustrieren. Es ist nicht das Problem. Und wenn Sie republikanisch sind, seien Sie nicht böse zu den Demokraten, weil sie sich wegen den vielen Truppen in Irak aufregen. Unabhängig davon, ob Sie nun ein Demokrat oder ein Republikaner sind, wenn Sie ein US-Amerikaner sind, sollten Sie um die Strategie der Vereinigten Staaten in diesem Gebiet besorgt sein. Was ist unser Ziel dort, was sind unsere Absichten dort, warum sind wir dort, warum sterben die US-Amerikaner in dieser Region? Das ist das Problem. Quelle: Deutschland - Russland

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