Dienstag, 14. April 2015

Schon wieder tödliche Polizeischüsse in den USA

Thema: Westliche Werte

Zeuge wollte Videoaufnahme schon löschen

09.04.2015, 19:41 Uhr | t-online.de, dpa
Ein neuer Fall von Polizeigewalt gegen Schwarze hat in den USA Empörung ausgelöst. Am vergangenen Samstag kam es in North Charleston im Bundesstaat South Carolina zu tödlichen Schüssen eines 33-jährigen Beamten auf einen 50-jährigen Afroamerikaner. Das Video eines Passanten führte zur Festnahme des weißen Polizisten. Der Urheber des Handyvideos sagt nun, er habe eigentlich überlegt, es zu löschen.
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Foto: Screenshot vom Reuters Video
Der 23-jährige Mann dominikanischer Abstimmunger gab dem Sender NBC ein Interview. Darin erklärt er, dass der Beamte dem Mann "einfach in den Rücken geschossen" habe. Als es zu den tödlichen Schüssen kam, war der Zeuge gerade auf dem Weg zur Arbeit. Ihm sei gleich klar gewesen, welch explosives Material er mit seinem Handy-Video besitze. In einem weiteren Gespräch mit dem Sender MSNBC sagte der 23-Jährige, dass er nach dem Vorfall Angst um sein Leben hatte. "Ich habe darüber nachgedacht, das Video zu löschen und North Charleston zu verlassen", sagte er.

Dann habe er sich aber doch an Angehörige des Opfers gewandt. Er habe sich schließlich entschieden, das Video publik zu machen, nachdem er den Polizeibericht über den Vorfall in North Charleston gelesen hatte.
"Sie waren auf dem Boden"

Bevor er die Aufnahme startete, hätten der Polizist und der 50 Jahre alte Afroamerikaner eine körperliche Auseinandersetzung gehabt, sagte der junge Mann in dem NBC-Exklusivinterview weiter. "Sie waren auf dem Boden. Ich erinnere mich, dass der Polizist die Kontrolle über die Situation hatte."

Demnach war tatsächlich auch eine Elektroschockpistole im Spiel, wie der Polizist behauptet hatte. Der Afroamerikaner habe diese aber nicht gegen den Polizisten eingesetzt. Das spätere Opfer habe nur weglaufen wollen und sei keine Bedrohung gewesen, so der Zeuge. Der Polizist habe "eine falsche Entscheidung getroffen, und man bezahlt für seine Entscheidungen ein Leben lang."

Beamter entlassen und angeklagt

Nach den Todesschüssen hatte sich der Polizist auf Notwehr berufen. Er habe um sein Leben gefürchtet, weil der Mann ihm nach einer Verkehrskontrolle die Elektroschock-Waffe entrissen habe. In dem Video scheint es aber so, als habe er seinen Elektroschocker erst nach den Schüssen neben den 50-Jährigen gelegt. Mittlerweile hat auch die Bundespolizei FBI mit Ermittlungen begonnen.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Streifenpolizist bereits früher wegen exzessiver Gewalt gegen einen unbewaffneten Schwarzen aufgefallen ist. Das ergaben Recherchen der Nachrichtenagentur AP, in denen sich das Opfer und Augenzeugen äußerten und bei denen Einsicht in Polizeiakten genommen wurde.

Anklage wegen Mordes

Wie im aktuellen Fall unterscheiden sich die Angaben von Opfer beziehungsweise Zeugen und dem Beamten diametral. Gegen den 33-Jährigen wurden auch nach dem Zwischenfall im September 2013 interne Ermittlungen eingeleitet, nach einigen Wochen aber mit dem Vermerk "entlastet" wieder eingestellt.

Der Zeuge des aktuellen Vorfalls war zufällig auf die Auseinandersetzung gestoßen und hat diese auf dem Handy gefilmt. Der Polizist habe ihn nicht beim Filmen gesehen. Der Beamte wird wegen Mordes angeklagt und ist inzwischen aus dem Polizeidienst entlassen worden.

Erinnerungen an Polizeischüsse in Ferguson

Der Zwischenfall hat in den USA für Empörung gesorgt. In North Charleston versammelten sich am Mittwochabend vor dem Rathaus und am Tatort Demonstranten. Sie skandierten nach Angaben der Zeitung "Post and Courier" unter anderem "Hände hoch, nicht schießen!" Über Nacht blieb es jedoch ruhig.

In der drittgrößten Stadt South Carolinas leben etwa 100.000 Menschen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist schwarz. Zuletzt hatten in den USA mehrere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze Entsetzen und Proteste ausgelöst, unter anderem nach dem Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown im August vergangenen Jahres durch Polizeischüsse in der Stadt Ferguson in Missouri.

Mordanklage gegen US-Polizisten: Acht Schüsse auf unbewaffneten Flüchtenden

Sehen Sie das Video an:



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