Sonntag, 5. Oktober 2014

Thema: Armut in Deutschland
Deutschland machte Euro zu stark
Lohn-Dumping in Deutschland leitet den Niedergang der Euro-Zone ein

Der Niedriglohn-Sektor in Deutschland leitete den Niedergang des Euro ein. Zudem wurde die bedingungslose Aufnahme Chinas in die WTO forciert. Beides trieb die Arbeitslosenquote in Frankreich und Italien in die Höhe.

Die große Hoffnung für eine Lösung der Euro-Krise war und ist, dass die Lohnkosten in Deutschland erheblich stärker steigen als in den Krisenländern der Eurozone und sich damit die Euro-sprengenden Unterschiede in den Handelsbilanzen und Arbeitslosenzahlen einebnen.

Doch nach den neuesten Daten von Eurostat stiegen die Lohnkosten Verbraucherpreis-bereinigt im 2. Quartal 2014 in Deutschland mit 0,9 % nur wenig stärker als in Spanien und Italien und sogar etwas geringer als in Frankreich (Abb. 18491). Lediglich in den Krisenländern Portugal und Irland kam es zu deutlich geringeren Lohnkostensteigerungen als in Deutschland und damit zu einem, wenn auch sehr begrenzten Angleichungsprozess.


Deutschland müsste für einen erfolgreichen Anpassungsprozess seine Löhne über längere Zeiträume wesentlich stärker anheben. Dagegen würden anhaltende Lohnsenkungen bei den Krisenländern, wenn sie überhaupt durchsetzbar wären, die Binnenkonjunkturen und damit die gesamte Wirtschaftsentwicklung dort noch mehr einbrechen lassen.

Es war praktisch Schröder, der seinerzeit mit den Hartz-Gesetzen und einem danach bis heute wuchernden Niedriglohnsektor Reformen zu Lasten unserer Europartner einführte und damit letztlich die Demontage des Euro einleitete, zumal er sich damals auch nicht an die Maastricht-Kriterien für die Begrenzung des Haushaltsdefizits hielt.

Mit einer über Jahre negativen Lohnentwicklung, die weit hinter der Produktivitätsentwicklung zurückblieb (Abb. 17870, 18196), trieb Deutschland seine Partner in hohe bilaterale Außenhandelsdefizite und raubte diesen damit Arbeitsplätze. Mit seinen Exportüberschüssen auf den Weltmärkten, die ebenfalls mit der stark gedrosselten deutschen Lohnentwicklung zusammenhängen, machte Deutschland außerdem den Euro für Italien und Frankreich viel zu stark.

Etwa gleichzeitig betrieb Deutschland in vorderster Linie die bedingungslose Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation mit der Folge, dass Deutschland mit seinen modernen Industrieanlagen China aufrüstet und die auf deutschen Maschinen zu rekordniedrigen Löhnen und gewerkschafts- und streikfrei in China produzierten Produkte unschlagbar viele traditionelle Produkte Italiens und Frankreichs von den Märkten verdrängen.




Eine Grafik zeigt das ganze Drama der Verwerfungen bei den Lohnstückkosten in voller Schärfe. In den Lohnstückkosten kommen die Entwicklungen bei den Löhnen und bei der Produktivität zusammen und bestimmen so die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften. Die Grafik belegt, dass die Löhne in Frankreich um 20 % und in Italien sogar um 30 % sinken müssten, um die Wettbewerbssituation wieder herzustellen, wie sie mit Deutschland im Jahre 2000 vor Einführung des Euro bestanden hat (Abb. 18487).

Korrekturen über starke Lohnverzichte sind in aller Regel sozialpolitisch nicht durchsetzbar und schon gar nicht bei so viel sozialem Sprengstoff, wie er in Frankreich und Italien bereits angehäuft wurde. Statt dessen müssten dann Korrekturen über eine Anpassung der Wechselkurse stattfinden. So verließ Italien seinerzeit in 1992 zeitweise die europäische Währungsschlange, um abwerten zu können. Heute müsste das Land für einen ähnlichen Effekt wie damals sogar um 60 % abwerten. Doch dies ist innerhalb des Euroverbundes nicht mehr möglich.

Lesen Sie im ersten Teil, warum die prekäre Entwicklung in Frankreich und Italien die Eurozone immer tiefer in die Krise treibt.

Lesen Sie im dritten Teil, wie die EBZ weiterhin ihre rechtlichen Möglichkeiten überschreitet und die deutschen Sparer zunehmend schädigt.


Joachim Jahnke, geboren 1939, promovierte in Rechts- und Staatswissenschaften mit Anschluss-Studium an französischer Verwaltungshochschule (ENA), Mitarbeit im Kabinett Vizepräsident EU-Kommission, Bundeswirtschaftsministerium zuletzt als Ministerialdirigent und Stellvertretender Leiter der Außenwirtschaftsabteilung. Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, zuletzt bis Ende 2002 als Mitglied des Vorstands und Stellvertretender Präsident. Seit 2005 Herausgeber des „Infoportals“ mit kritischen Analysen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung (globalisierungskritisch). Autor von 10 Büchern zu diesem Thema, davon zuletzt „Euro – Die unmöglich Währung“, „Ich sage nur China ..“ und „Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft“. Seine gesellschaftskritischen Analysen beruhen auf fundierter und langjähriger Insider-Erfahrung.

Sein Buch über das Ende der sozialen Marktwirtschaft (275 Seiten mit 176 grafischen Darstellungen) kann unter der ISBN 9783735715401 überall im Buch- und Versandhandel für 15,50 Euro bestellt werden, bei Amazon hier.
Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN



Thema: Armut in Deutschland
Hohes Armutsrisiko in Deutschland durch Niedriglohn
DWN am 13.05.2014
Der stark gewachsene Niedriglohnsektor und der hohe Anteil befristet Beschäftigter sind ursächlich für das hohe Armutsrisiko. Besonders gefährdet sind Minijobber und Alleinerziehende. Ihnen droht oft Altersarmut, da die Rentenansprüche in Deutschland enger als in anderen Staaten an die Einkommen gekoppelt sind, so eine Studie der OECD.

Der Aufschwung in Deutschland geht an den sozial Schwächsten vorbei. Zu diesem Ergebnis kommt die OECD in ihrem alle zwei Jahre veröffentlichten Wirtschaftsausblick. „Das relative Armutsrisiko und die Einkommensungleichheit sind in den letzten Jahren weitgehend unverändert geblieben“, heißt es darin. OECD-Generalsekretär Angel Gurria fordert die Bundesregierung deshalb zu Reformen auf. „Das Land muss jetzt handeln“, sagte er am Dienstag.


Niedriglohnsektor Deutschland Foto: pravda-tv.com
Dank der Reformen im vergangenen Jahrzehnt habe Deutschland im historischen und im internationalen Vergleich eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten, stellt die 34 Mit-gliedsländer zählende Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fest. Problematisch seien jedoch der stark gewachsene Niedriglohnsektor und der hohe Anteil befristet Beschäftigter. Besonders groß sei nach wie vor das Armutsrisiko für geringfügig Beschäftigte wie Minijobber, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose, ältere Beschäftigte und Zuwanderer.

„Mit 37 Prozent ist der Anteil der privaten Haushalte ohne Vermögen verhältnismäßig hoch“, heißt es etwa. Zugleich seien die Aufstiegschancen von Geringverdienern ge-sunken. Ihnen drohe oft Altersarmut, da die Rentenansprüche in Deutschland enger als in vielen anderen OECD-Staaten an die Einkommen gekoppelt seien.

Die OECD empfiehlt daher, der Zweiteilung des Arbeitsmarktes entgegenzuwirken – hier Arbeitnehmer mit unbefristeten Verträgen, höherem Kündigungsschutz und häufig komfortablerem Gehalt, dort jene mit befristeten Verträgen, wenig Schutz und geringerem Lohn. „Ein allgemeiner, von einer unabhängigen Expertenkommission festgelegter Mindestlohn könnte dabei helfen“, so die Organisation. „Ebenso eine Angleichung der Regeln zum Beschäftigungsschutz in befristeten und unbefristeten Verträgen.“ Langzeitarbeitslose müsse zudem durch gezielte Zuschüsse und Anreize zur Weiterbildung geholfen werden.

Mindestens ebenso wichtig sei aber, schon jungen Menschen gleich gute Startbeding-ungen für Bildung und Beruf zu ermöglichen. Neben Investitionen in die frühkindliche Bildung, fordert die OECD mehr Mittel für Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler. Der Ausbau erschwinglicher Plätze für die Kinderbetreuung „erleichtert die Arbeitsmarktintegration von Alleinerziehenden und verbessert die Verdienstaussichten, insbesondere von einkommensschwachen Haushalten“. Das könne insbesondere helfen, Frauen eine Vollzeitstelle zu ermöglichen. Nur 62 Prozent der Frauen seien in Vollzeit tätig, im OECD-Schnitt hingegen 74 Prozent.

Die OECD rät außerdem dazu, Arbeit weniger zu besteuern und die Sozialabgaben vor allem für Geringverdiener zu senken. Um keine Löcher in die Staatskasse zu reißen, könnte Immobilienbesitz stärker besteuert werden. Zudem sollten Gewinne aus dem Verkauf nicht selbst genutzter Immobilien nicht mehr von der Steuer befreit werden und Steuervorteile für Firmenwagen und die Pendlerpauschale zurückgefahren werden. „Es besteht auch Spielraum zur weiteren Steigerung der Einnahmen aus der Erbschaftsteuer durch die Abschaffung von Befreiungen.“
Quellen: dpa/Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten vom 13.05.2014

Kommentar bei DWN vom 14.05.2014

hp sagt:
Wenn ein Renteneinzahler selbst bei 40 Jahren voller Einzahlung keine auskömmliche Rente mehr bezieht. Wenn ein Normalverdiener mit 2 Ausfallzeiten je 3 Monaten schon ca 20% an Rente verliert. Wenn ein Niedriglöhner nur noch 20 Jahre zusammenbringt. Wenn ein Teilzeitbeschäftigter nur noch 1/12 der Normleistung und das nur über 7 Jahre zusammenbringt und all dies für ca 75% der gesamt-Arbeitsbevölkerung gilt, dann ist jedem klar, dass wir in 10 Jahren eine 60%ige Armuts-Rentner-Bevölkerung haben.

Wenn dann der Kindersegen und die Sozialausgaben wie jetzt gesetzlich bestimmt weiter wachsen, dann haben wir nicht nur eine Armuts-Bevölkerung, sondern auch eine Parallel- Bevölkerung, die bestens durch Staats-Alimentierung versorgt ist: die Migranten-gesellschaft, die nie gearbeitet hat, aber das drei- bis fünffache an Sozialbezügen erhält wie der Rentner.

Fazit: Merkel hat Deutschland nicht nur an die USA verkauft, sondern auch zum zukünftigen Armenhaus Europas gemacht und islamisiert! DANKE MERKEL für IHRE “weise” Voraussicht!


aktuelle Kommentare

Money Master sagt:
Frankreich, unter Mitterrand, forderte die Einheitswährung; NICHT Deutschland!
Für Frankreich galt die DM immer als eine Waffe, die gefährlicher ist als das Militär. Mit dem Euro hatte sich Frankreich auf Pump und der Rest der PFIGS saniert….. Jetzt kommt die Abrechnung!

Gegen EU-Diktatur sagt:
Die Einheitswährung war die französische Vorderung für die Zustimmung der deutschen Wiedervereinigung, da Mitterant Angst vor dem dann entstehendem Großdeutschland hatte. Die Einheitswährung hieß da noch Ecu. Jeder der damaligen Besatzungsmächte stellte Vorderungen an Deutschland für die Zustimmung zur Wiedervereinigung und Helmut Kohl hat diese Vorderungen angenommen und umgesetzt/erfüllt. Auch da wurde die deutsche Bevölkerung, weder in West noch in Ostdeutschland über den Preis den wir dann alle zu bezahlen haben, informiert. Den Preis kennen wir ja jetzt

Gegenstrom sagt:
Entweder kommt baldigst ein Bundesstaat der Eurozone mit einheitlicher Wirtschafts- Finanz- und Sozialpolitik oder den Euro zerreisst es mit Sicherheit.
Ein Film von gestern auf Servus-TV zeigt die Problematik auf:
http://www.servustv.com/at/Medien/Servus-Reportage36

Marie sagt:
In unserer Dienstleistungsbranche ist folgendes passiert : Seit 2004 begannen die Dienstleister nur noch nach Kosteneffizienz, Leistungsorientiertheit , Wettbewerbsfähigkeit und Gewinnmaximierung zu arbeiten. Das bedeutet(e),waren für einen speziellen Sektor die Unternehmen Tariflich gebunden, wurden die Arbeitszeitszeiten derart zusammengestrichen, dass am Ende trotz einiger Cents Stundenlohnerhöhung Anfang des neuen Jahres, keine reale Lohnerhöhung auf dem Lohnzettel stand,bzw.steht. Und dann kam man auf die glorreiche Idee,als man erkannte, dass es fast nichts mehr zu kürzen gab, Fremdfirmen nach D- reinzuholen, deren Arbeiter noch Kostengünstiger malochen,weil es zw.diesen Staaten keinen Tariflich verbindlichen Verträge gibt. Dies wird der Mindestlohn auch nicht ändern können.

Hans sagt:
Unmittelbar nach Einführung des Euro, als die Wechselkurse der lokalen Währungen DM/Euro , Drachme/Euro usw. feststanden, hat damals Schröder auf geheiß der dt. Exportlobby mit der Agenda 2010 den deutschen Arbeitsmarkt reformiert. Die Griechen haben genau das Gegenteil gemacht: Die haben die Löhne kräftig erhöht. Damit hat sich Deutschland vorübergehend Exportvorteile verschafft. Die Griechen waren plötzlich Kreditwürdig, die Banken haben Kredite gewährt, die deutschen haben kräftig exportiert.

jupp sagt:
Im Klartext: Deutschland soll über maßlose Lohnsteigerungen seine Wirtschaftsleistung reduzieren, seine Industrie zum Abwandern zwingen und die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit in die Höhe treiben. Dann haben wir es geschafft, dann sind wir endlich Gleiche unter Gleichen, wenn da nicht die ewige Schuld des letzten Jahrhunderts auf uns ladten würde.

trolli sagt:
Sie vergessen: Wenn der Euro an der deutschen Lohnpolitik zerreißt, ist es erst recht mit dem deutschen Exportwunder vorbei. Die Aufwertung einer neuen DM wäre enorm.


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