Montag, 4. August 2014

Steuern auf Sparguthaben auch in Deutschland? - denkbar schon

Sparguthaben versteuern?
Max Otte: Steuer auf Sparguthaben ist auch in Deutschland denkbar

Mit der Steuer auf Sparguthaben hat in Spanien die direkte Enteignung der Sparer begonnen. Auch in Deutschland ist so eine Zwangsabgabe denkbar, so der Ökonom Max Otte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble habe längst vor den Lobbygruppen kapituliert. Die Bundesregierung setze offenbar darauf, dass sich die Sparer alles gefallen lassen.

In Spanien wurde erstmals eine landesweite Steuer auf Bankguthaben eingeführt. Spareinlagen werden dort ab sofort mit 0,03 Prozent besteuert. Die Regierung erhofft sich dadurch steuerliche Mehreinnahmen von rund 400 Millionen Euro. Das Gesetz tritt unmittelbar in Kraft un gilt sogar rückwirkend zum 1. Januar 2014, so dass eine Steuerflucht nicht mehr möglich ist (mehr hier). Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten sprachen mit dem Finanzexperten Max Otte.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Spanien hat eine landesweite Steuer von 0.03 Prozent auf Bankguthaben erhoben. Die Regierung begründet das damit „die Markteinheit zu stärken und zu garantieren“. Zudem sollen so die finanzschwachen Regionen gestärkt werden. Ein Art Länderfinanzausgleich oder was steckt wirklich hinter der neuen Abgabe?

Prof. Dr. Max Otte
(Foto: IFVE)
Max Otte: Einen Länderfinanzausgleich könnte man über das normale Steuersystem durchführen. Hier geht’s darum, dass tatsächlich zum ersten Mal das, was wir alle schon vor fünf, sechs, sieben Jahren befürchtet haben, nämlich die Enteignung der Sparer, offen und flagrant von einer kleinen Gruppe probiert wird. Hier geht’s darum die Sparer zu belasten, um damit andere Dinge zu bezahlen, zum Beispiel insgesamt fehlende Staatsfinanzen. Das ist eine Umverteilung von den Sparern zu anderen Sektoren. Und das haben wir schon seit bald sieben Jahren in Form der Finanzrepression, also etwas versteckter. Die Guthaben-Zinsen liegen deutlich unter der tatsächlichen Inflation, wenn man die Inflation richtig rechnet. Das ist nicht uneffektiv aus Sicht der Staaten: Die tatsächliche Umverteilung beträgt so bereits zwei bis drei Prozent pro Jahr, wenn man richtig rechnen würde. Das ist die Enteignung der Sparer. Das sind dann in zehn Jahren 25 Prozent und in 15 Jahren schon fast 40 Prozent durch den Zinseszins-Effekt. Aber in Spanien wird nun zum ersten Mal flagrant in die Vermögen der Sparer direkt eingegriffen wird.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Zinsen sind auf Rekordtief. Nun belegt die Regierung Sparguthaben mit Abgaben. Welchen Anreiz haben spanische Bürger nun noch, ihr Geld einer Bank anzuvertrauen? Ist zu erwarten, dass die Spanier ihr Geld abziehen und nach anderen Anlagemöglichkeiten suchen?

Max Otte: Das tun die Bürger in gewisser Weise jetzt schon. Zum Beispiel in Deutschland: Hier werden leider keine Aktien gekauft, was eine solide Vermögensanlage ist. Es wird etwas Gold gekauft, aber es wird vor allem konsumiert, wie lange nicht. Also man untergräbt sich selber die Zukunft der Volkswirtschaft und das sind die Spareinlagen. Das Kapital, was gesammelt wird, um es für Investitionen zu nutzen, das bauen wir sowieso schon ab. Aber ansonsten lassen die Leute alles mit sich machen. Das sehe ich keine Veränderung. Es wird gemacht, und dann kommt das nächste Land dran. Und schon sind wir einen Schritt weiter in der Planwirtschaft und im Sozialismus. Das geht im Moment in riesen Schritten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Regierung erhofft sich durch die Abgabe bis zu 400 Millionen Euro Mehreinnahmen. Steht die spanische Regierung wirtschaftlich so schlecht da, dass sie für eine so geringe Summe einen möglichen Bank-Run in Kauf nimmt?

Max Otte: Gewohnheiten ändern sich wenig. Die Amerikaner, beispielsweise, haben Schulden, Immobilien- und Aktiensparpläne. Die Deutschen haben Lebensversicherungen, Geld, Immobilien und keine Schulden. Das ist fest in der Mentalität der Leute drin. Diese – zunächst kleine – Steuer zur Enteignung der Sparer wird keinen großen Run auf andere Anlageformen auslösen. Die Leute werden sagen: „Na gut, dann nehmen wir das auch noch in Kauf“. Das ist wie mit dem Frosch, den man so langsam im Wasser kocht, und er merkt den Temperaturanstieg nicht.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Erwarten Sie, dass die spanische Regierung die Steuer auf Bankguthaben nun sukzessive erhöht? Könnte sie dadurch einen Bank-Run auslösen?

Max Otte: Zur Not, ja. Die ganzen Maßnahmen der letzten sechs Jahre sind alle gegen die Sparer, gegen den Mittelstand, gegen situierte Bürger, die einen halbwegs vernünftigen Job haben und dafür pro Staat, pro Staatssicherung, pro Finanzbranche. So läuft die Politik im Moment. Und es ist auch nicht ganz überraschend, wenn man sieht wo die Lobbymächte sitzen, dass wir letztlich keine funktionierenden und effektiven Staaten mehr haben in Europa, die das in irgendeiner Form ausgleichen oder aufhalten können.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Erst Zypern, und nun Spanien. Sind die Abgaben auf Sparguthaben nur Testläufe für ganz Europa?

Max Otte: Zypern habe ich unterstützt, weil in Zypern vor allem Fluchtgeld war. Man hat die großen Konten belastet, die wissentlich und willentlich in diesen dubiosen Bankenplatz gegangen sind. Man muss das also etwas differenzieren…

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Spanien greift man nun aber auch Konten unter 100.000 Euro an. Ist Spanien also nach Zypern ein weiterer Testballon und müssen wir uns darauf einstellen, dass solche Maßnahmen auch in Deutschland angewendet werden?

Max Otte: Ich befürchte mittlerweile ja. Ich hätte das noch vor zwei Jahren für unmöglich gehalten, aber ich habe vieles für unmöglich gehalten. Ich habe die NSA-Geschichten für unmöglich gehalten. Ich habe diesen dubiosen MH17-Abschuss für unmöglich gehalten, an dem meiner Meinung nach weder Russland, noch die pro-russischen Separatisten Interesse haben konnten. Wenn überhaupt jemand daran Interesse haben kann, dann vermutlich jemand ganz anderes. Also ich habe unglaublich Vieles für unmöglich gehalten, was mittlerweile eingetreten ist. Von daher sage ich: Auch in Deutschland ist mittlerweile nichts mehr unmöglich, gerade bei Leuten wie Schäuble, die völlig kapituliert haben vor den Lobbys und dem ausländischen Konsens und überhaupt keine deutschen Interessen mehr vertreten.

Dr. Max Otte ist Professor für quantitative und qualitative Unternehmensführung am Institut für Unternehmensführung und Entrepreneurship der Karl-Franzens-Universität in Graz. Sein Buch “Sehr geehrte Privatanleger!: Die besten Anlageweisheiten der letzten 10 Jahre” ist im FinanzBuch Verlag erschienen und hier bei Amazon erhältlich.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Kommentare

Heinz Boxan sagt:
fleißig arbeiten und sparen gelten als besonders ausgeprägte gute Eigenschaft des braven Deutschen. Das soll sich ändern. Bestraft wird der Trottel für solch Unfug. Geben soll er, schließlich brauch man die Knete für alle möglichen Fässer ohne Boden. Überteuerte, außer Kontrolle geratene Prestige-Bauten, Kampfdrohnen für Granaten Ulla, Diätenerhöhungen für notleidende Politker……wo sind wir nur hingekommen und in welch Chaos werden wir landen…..BLÖD-Michel, du hast sie gewählt, also halt gefälligst das ……

Tante Ho sagt:
Und im Vorfeld hat Schäuble mit allen wesentlichen Ländern Vertraege geschlossen um automatisch Guthaben deutscher Bürger im Ausland zu erhalten. Geld ins Ausland zu bringen um so der Zwangsabgabe zu entgehen ist keine Option! Gesetze um die bösen Steuerhinterzieher zu fassen wurden beklatscht , wie dumm und naiv ist doch der Buerger. Wir werden wir Lämmer zur Schlachtbank geführt ohne jeglichen Protest.

Eve sagt:
Der Bail in kommt, ganz sicher, weil schon beschlossen. !!! Ein größer werdender Teil der Bevölkerung, KANN nicht mehr sparen, von was ? Zum zweiten: Die Zeiten, in denen der Deutsche Ottonormalsparer auf relativ hohem Niveau jammerte sind vorbei. Der Konsumrausch den Herr Otte beschreibt, bleibt zumindestens bescheiden. Es gäbe da ganz einfache Beispiele. Der Absatz bei der Zulassung von Neuwagen geht beständig zurück, sowie bei Technischen Geräten. Auch Events haben eine zunehmende Umsatzeinbuße zu verzeichnen. Der jährliche Urlaub fällt entweder bescheiden aus, oder ganz flach. Selbst eine Autoreparatur oder kaputte Waschmasch. wird zum finanziellen Fiasco. Sehr viele Menschen drehen den Cent dreimal herum. Im Volksmund heißt das: Zum leben zu wenig, und zum sterben zuviel. Zypern 2,0.

Aleksej sagt:
wir werden doch ständig enteignet das ist jetzt auch nichts neues. Angefangen mit GEZ gefolgt von zig sinnlosen Steuern und die Banken rauben uns aus mit den ganzen Zinsen. Und wenn du keine Steuern auf dein Hab und Gut zahlen kannst, wirst du schnell sehen ob dir überhaupt etwas gehört!

Unbedingt lesen sagt:
Ein sehr guter Link zur Beschreibung der derzeitigen Kriegssituation in Europa von Prof. Dr. Otte!
http://www.f-tor.de/board/showthread.php?s=e4ceca1ed23be0dd3addb6e81e99e706&t=42342

Delinix sagt:
Gut, dass Sie wieder von sich hören lassen! DANKE !! Das Interview ist ein Genuss und es eignet sich bestens, es an Freunde weiter zu leiten, die noch immer an die Unschuld der USA glauben.

Sven Kesch sagt:
“… weil in Zypern vor allem Fluchtgeld war. Man hat die großen Konten belastet.” Da kann ich mit Prof. Otto nicht übereinstimmen, denn auch der „kleine Mann“, der ein Leben lang gearbeitet und etwas mehr als 100.000 Euro für den Lebensabend angespart und Steuern bezahlt hatte oder kleinere Händler und Unternehmer, wurden mit Oligarchen in einen Topf geworfen. Von 100.001 Euro bleiben ihm also gerade noch 62.500 Euro. 37,500 Euro sind einfach weg – vielleicht sogar 60.000 Euro. Viele Groß-Investoren (Spekulanten) waren gut beraten und hatten ihre Einlagen schon vorher, und sogar während der Bankensperren, dem Zugriff des Staates entzogen und außer Landes geschafft. Für den kleinen Sparer oder für mittelständische Unternehmer bestand diese Möglichkeit nicht.
siehe auch http://www.iYOUeu.at

Ruben sagt:
Es ist ganz und gar nicht unvorstellbar, dass Enteignung ein Mittel der Politdarsteller sein wird (in seinen Büchern beschreibt Otte ganz andere Mittel). Ziel: totale Demontage des Mittelstands, Weiterführung der Umverteilung von unten nach oben, 100% des globalen Vermögens für die Finanzelite = Feudalsystem. Alles getarnt unter Medienpropaganda, statistischen Fälschungen und Manipulationen.

Sven Kesch sagt:
… und dann sollte man auch die Aussage des Euro-Gruppenchefs Dijsselbloem vom 25.3.2013 nicht vergegessen: “Zypern taugt als Modell für künftige Rettungsschirme im Krisenfall.” Als infolgedessen Aktien und Euro absackten und Zinsen für PIGS-Staaten in die Höhe schossen, widerrief die EZB Dijsselbloem Aussage ganz schnell: “Zypern ist ein Einzelfall, Sonderfall, Einzelfall, Sonderfall ….”
aus: Kurs halten, bis zum Untergang EUropas.”

Brigitta sagt:
Ich werde regelmässig ausgelacht, wenn ich Bekannten sage, dass sie eines morgens aufwachen und feststellen werden, dass der Staat plötzlich als Gläubiger ihres abbezahlten Hauses im Grundbuch stehen wird.
Neben der Guthaben-Steuer auf dem Konto, versteht sich. Und zwar wie in Spanien, rückwirkend…

Bloody Mary sagt:
“Wir beschliessen etwas, stellen es dann in den Raum. Und wenn der Aufschrei nicht zu groß ist, weil die meisten nicht begriffen haben, was wir beschlossen haben, dann machen wir weiter. Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.! (J.C. Juncker, frischgewählter EU-Kommissionspräsident.)
Spanien begann den Probelauf mit dieser Steuer. Kein Aufschrei? Schon bei Zypern habe ich geschrieben: Zieht Euch warm an. Das wird über kurz oder lang, in der ganzen EU eingeführt! Mein Eurokonto habe ich schon längst aufgelöst.

meinung sagt:
Natürlich wird die Sparerenteignung kommen.
Genauso wie die Grundbesitzabgabe.
Vielleicht unter anderem Namen, sicherlich mit logisch klingenden, scheinheiligen Begründungen. Aber zum Glück wissen doch, wer dafür verantwortlich ist.
Diese Leute, ihre Namen und Gesichter sind bekannt.
Mal schau’n, wie schnell deren Pferde wirklich sind.

G.N. sagt: Diese Regierung schreckt vor nichts zurück! Versteuertes Geld noch einmal zu versteuern, wie bei Lebensversicherungen usw. Nun, warum sollten Sie Halt machen vor dem Sparvermögen und Immobilien. Es hält sie doch niemand auf, nein schlimmer noch, die Bürger wählen diese “Pappnasen” zum Großteil immer wieder!


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