Sonntag, 20. Juli 2014

Amerikaner wollen die Schlinge um Putin zuziehem

Thema: Krieg in der Ukraine

Abschuss Flug MH17: Amerikaner wollen die Schlinge um Putin zuziehen

Nach dem Abschuss von Flug MH17 sind Ost und West bestrebt, die Spuren zu verwischen: Die Ukraine ließ eine Black Box verschwinden. Die Rebellen sollen Leichen der Opfer verschleppt haben. Die Amerikaner behaupten, sie seien die einzigen, die mit ihren Satelliten eine Aufklärung des Geschehens liefern. Für Putin wird die Lage unangenehm: Washingtons Strategie, den Russen den europäischen Energiemarkt abzujagen, scheint aufzugehen.

Den Angehörigen von Flug MH17 steht eine ähnliche Ungewissheit bevor wie jenen des bis heute spurlos verschwundenen Flugs MH370: Sie dürften niemals die Wahrheit darüber erfahren, wie es zu der Katastrophe gekommen ist.

Denn unmittelbar nach dem Abschuss hat der Wettlauf um die politische Instrumentalisierung des Vorfalls begonnen. Die Tatsache, dass eine der Kriegsparteien das Flugzeug irrtümlich abgeschossen hat, scheint mittlerweile ziemlich unumstritten (mehr dazu hier). Doch wer es war und vor allem, warum das Flugzeug überhaupt in den Luftraum geleitet wurde, ist völlig unklar (mehr hier).

Die Amerikaner versuchen nun, die Deutungshoheit an sich zu ziehen: Bereits am Freitag, also nur einen Tag nach der Katastrophe, meldete ARD-Korrespondentin Tina Hassel in ihren Tagesthemen, dass die Amerikaner als einzige in der Lage seien, den Fall aufzuklären. Nach „Auswertung aller bisherigen Daten“ gingen die Amerikaner davon aus, dass es sich „um den Abschuss einer Boden-Luft-Rakete des Typs SA 11 gehandelt habe“. Dieses System sei so kompliziert, dass „auch Obama davon ausgeht, dass die Rebellen ohne Training, Experten oder sogar Hilfestellung dazu nicht in der Lage gewesen seien, eine solche Maschine abzuschießen“. Obama habe dann von einer „globalen Katastrophe“ gesprochen und eine „globale Allianz gegen Putin ausgerufen“.

Auf die berechtigte Nachfrage der Moderatorin Pinar Atalay, „woher denn die Amerikaner ihre Erkenntnisse nehmen“, erklärte Hassel: „Das ist in der Tat ganz interessant. Hier (in Washington) hört man, dass die Satellitendaten ganz entscheidend sein könnten bei der Aufklärung dieses Vorfalls.“ Die ARD habe zur Gewinnung dieser Erkenntnisse „viel mit Experten telefoniert“. Die ARD schenkt den ungenannten Experten Glauben und zieht das Fazit: „Es scheint so zu sein, dass nur die USA über derart ausgetüftelte Satelliten verfügen, dass in der Höhe von 35.000 Kilometern jeden Ort dieser Welt im Grunde ausspionieren und beobachten könnte.“ In Kombination mit den US-Spionagesatelliten sei man innerhalb weniger Tage in der Lage, exakt auszuwerten, was beim Abschuss wirklich geschehen sei. Diese Satelliten seien in der Lage, sogar „das Kennzeichen eines Autos auf der Straße“ genau zu bestimmen. Die Amerikaner hatten der ARD erklärt „dass diese Daten relativ schnell ausgewertet werden könnten und dass man bereits am Wochenende sehr viel mehr und sehr viel Genaueres weiß“.

Die FT analysiert in einem Artikel die vorliegenden „Beweise“ und kommt zu dem Schluss, dass die Rebellen den Abschuss von Flugzeugen seit Wochen zu einem ihrer strategischen Ziele erklärt haben. Sie hätten mindestens 12 ukrainische Flugzeuge abschossen, darunter eine Illyushin Il-76 –Transporter mit 49 Soldaten an Bord und erst vor wenigen Tagen eine Transportmaschine vom Typ Antonow An-26. Die Antonow sei aus 6.500 Metern abgeschossen worden, wozu es ähnliche Waffen brauche wie jene, die Flug MH17 zum Absturz gebracht habe.

Was bei der Reflexion der Berichte der ARD und der FT allerdings stutzig macht: Wenn die Rebellen seit Wochen den Luftkrieg über der Ukraine ausgerufen haben und die US-Satelliten jedes Autokennzeichen am Boden erkennen können – warum in aller Welt haben dann die Amerikaner nicht bereits vor Wochen die internationale Flugsicherung gewarnt, damit diese dann dafür sorgt, dass keine zivilen Maschinen einen Luftraum durchfliegen, in dem ganz offenkundig ein Luftkrieg tobt?

Die von der ARD bemerkenswert unkritisch übernommene Darstellung lässt die Linie erkennen, die die USA verfolgen werden: Die Amerikaner werden den Abschuss dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zuschreiben. Der macht in der Affäre auch keine besonders glückliche Figur. Er zog sich in der Bewertung des Ereignisses auf einen fast sowjetisch anmutenden Formalismus zurück und sagte, die Ukraine sei für die Katastrophe verantwortlich, weil auf ihrem Territorium ein Krieg tobe. Die Regierung in Kiew spielt, wie schon bei den Vorfällen am Maidan, eine äußerst undurchsichtige Rolle. So verkündete Kiew am Freitag zunächst die Beschlagnahmung aller offiziellen Daten der Flugsicherung. Dann wurden angeblich zwei Black Boxes des Fluges gefunden, von denen eine in Kiew, die andere bei den Rebellen verschwand.

Die Rebellen wiederum versuchen nach Angaben der ukrainischen Regierung, die Absturzstelle der malaysischen Passagiermaschine zu manipulieren. Sie wollten mit Hilfe Russlands Beweise für „internationale Verbrechen“ vernichten, erklärte die Regierung in Kiew am Samstag. So hätten die Rebellen etwa 38 Leichen nach Donezk geschafft, offenbar um selbst Autopsien vorzunehmen.

Internationale Experten sollen die Absturzstelle unweit der ukrainisch-russischen Grenze unabhängig untersuchen. Dazu soll eine 20 Quadratkilometer große Sicherheitszone eingerichtet werden, doch Gespräche darüber haben nach Angaben der Rebellen bislang keine Einigung gebracht. „Es gibt keine Sicherheitszone“, sagte Sergej Kawtaradse, ein hochrangiger Vertreter der Rebellen in Donezk. „Das ist ein Gebiet in der Nähe der Front. Dort gibt es militärische Aktivität.“

Der globale Frontverlauf dürfte sich nach dem Abschuss des Passagierflugzeuges vom Typ Boeing 777 der Malaysian Airlines mit der Flugnummer MH17 weiter nach Osten verschieben. Das Flugzeug ist nicht zufällig zwischen die Fronten geraten: Beide Seiten – die USA und ihre Verbündeten wie die Russen – haben den Tod von 300 völlig unbeteiligten Zivilisten in Kauf genommen, um ihre geopolitischen Interessen zu verfolgen.

Es bleibt ein Merkmal dieses gespenstischen Krieges, dass alle Beteiligten ohne Hoheitsabzeichen kämpfen: Die Söldner am Boden ebenso wie die Großmächte. Die angeblich umfassenden Spionage-Möglichkeiten werden von Russen und Amerikanern nicht zur Aufklärung verwendet, sondern zur Verschleierung.

Das Ziel der Amerikaner ist klar: Sie wollen die Schlinge um Putin zuziehen. Die Lage des russischen Präsidenten hat sich nicht verbessert: Das hochverschuldete Russland hat sich mit dem Kriegsabenteuer in der Ukraine verrannt. Putin geht es wie vielen Geheimdienstleuten an der Spitze eines Staates: Er ist ein Meister der Taktik, hat aber keine Strategie.

Auch Obama hat keine Strategie: Er will mit der Front gegen Putin die Vorherrschaft der Russen im europäischen Energiesektor brechen (mehr zu diesem Plan hier). Die Amerikaner wollen dem russischen Staat den lukrativen europäischen Markt abjagen. Statt Gas aus Russland sollen die Europäer Energie und Fracking-Technologie aus den USA kaufen. Es geht um einen Billionen-Markt. [Bitte den Link anklicken, sehr aufschlussreich]

Die zentrale Erkenntnis des Abschusses von MH17: Wenn es um handfeste, globale wirtschaftliche Interessen geht, nimmt niemand auf Einzelschicksale Rücksicht. Das war allerding schon immer so.

Neu ist das Ausmaß der Brutalität.

Eine demokratische Kontrolle von Kriegen ist nicht mehr möglich. Die technologischen Möglichkeiten werden genutzt, um die Welt mit einem Lügengeflecht zu überziehen. Die Regierungen der Welt überschreiten tagtäglich alle Grenzen, brechen Gesetze, treten Verfassungen und Menschenrechte mit Füssen. Die Medien sind kaum noch in der Lage, den Regierungen auf die Schliche zu kommen.

Der moderne, globale Krieg trägt die Züge der gezielten Tötungen, mit denen die Amerikaner seit Jahren Weltpolitik machen (mehr dazu hier).

Die Angehörigen der Opfer von Flug Mh17 werden nie erfahren, wie die Passagiere gestorben sind.
Sie werden erst recht nicht erfahren, warum sie sterben mussten.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

» der Kommentar des Blogschreibers «

Es ist erschreckend, wie diejenigen, die sich für auserwählt halten, mit dem Rest der Welt umgehen. Ihrer Gier nach Macht und Profit hat sich alles unterzuordnen. Menschenleben, selbst das von Landsleuten, spielt für die "Global-Player" keine Rolle.
Da sie so Pleite sind wie kein anderes Land auf der Welt, versuchen sie sich mit den perfidesten Methoden nach vorne zu bringen.
Sie wollen den Krieg, mit allen Mitteln! Und die deutschen Regierungsdarsteller, wie auch ihre Hofberichterstatter, rühren fleißig die Kriegstrommel.

Hat es nicht schon den Anschein von Kadavergehorsam und Schizophrenie, dass die Ausgespähten und Abgehörten ihren Ausspähern und Abhörern noch hilfreich zur Seite stehen. Ihrem eigenem Volk gegenüber tatsächlich immer noch behaupten es seien unsere Freunde und das was sie machen, sei alles gar nicht so schlimm?

Müssen wir uns schämen dass wir von Lügnern und Kriegstreibern, die keineswegs Schaden vom Volk abwenden sondern Volkseigentum nach und nach verhökern, regiert werden?


Kommentare

Jacky Klein sagt:
Präsident Obama, der Friedensnobelpreisträger von 2009! Welch´ ein Zynismus! Begründung für diese Auszeichnung: “Für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken”.

1 Kommentar :

  1. Hallo Gerd, hallo Lesende,

    erst mal bin ich erleichtert, dass du die OP gut überstanden hast und wünsche dir weiterhin eine vollständige Genesung.

    Zum Beitrag.
    Es ist schon gut, dass es Quellen im Netz gibt, die versuchen ein einigermaßen realistisches Bild von den Ereignissen zu vermitteln.
    Das Gegenteil solcher Bemühungen bietet u.a.Michael Spreng mit seinem Blog Sprengsatz.
    Man kann auch sagen, einmal Bild – immer Bild.
    Es ist doch immer wieder das gleiche, Nachdenkende werden deklassiert und in diesem Fall als Putinversteher abgekanzelt. Leider fallen aber zu viele Mitmenschen auf einen solchen „Qualitätsjournalismus“herein.
    Für mich persönlich stellt sich folgende Tatsache, vorausgesetzt der Sachverhalt eines Abschusses mit einer BUK Rakete sollte stimmen.
    Solche Raketen haben Rußland, die Ukraine und nach Angaben Kiews wohl auch die Separatisten.
    Diese sollen sie vor etwa zwei Wochen erobert haben.
    Von der Reichweite der Raketen könnten also alle drei Parteien diese Rakete abgefeuert haben, vorausgesetzt die Separatisten haben die Experten, die eine solche Rakete überhaupt händeln können, gleich mit erobert.Wem nützt zur Zeit die bekannten oder nicht bekannten Tatsachen.Doch eher den USA, der NATO und letztendlich der Regierung der Ukraine.Diese Kreise sind doch bemüht die Kriegslust der Bevölkerung schmackhaft zu machen und Rußland weiter zu isolieren, aber vorallen ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen Ich möchte das an einen Beispiel verdeutlichen. In Kreisen EE wurde die Unabhängigkeit vom russischen Erdgas lebhaft diskutiert und Wege aufgezeigt, wie man in einen überschaubaren Zeitraum, etwa 15 Jahre, unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur, Gaspipeline, Gasspeicher, Erdgas durch Methangas, gewonnen aus Windgas, rein technisch gesehen ablösen kann.Als Antwort erhielten die Windgasbefürworter, nicht machbar, da langfristige Verträge mit Rußland existieren und die Infrastruktur teilweise mit im Besitz russischer Firmen sind. Nun plötzlich ist die Unabhängigkeit wieder Thema unserer Politikdarsteller. Nur kommt kein Windgas in Frage, sondern Fracking, sowohl in D., aber besonders durch Importe aus den USA. Seltsam, zählen nun die Verträge nicht mehr, muss D. nun nicht mehr russisches Erdgas bezahlen, selbst dann wenn es keines mehr abnimmt? Leider befassen sich viel zu wenig Menschen mit solchen Tatsachen, nur eine von vielen. Sie lassen sich auf die einfache Formel fokussieren – böser Russe guter Ami -, bedauerlich, aber leider Realität. Ist man Putinversteher, wenn man sich rein logisch gedacht mit der komplizierten Lage in der Ukraine beschäftigt? Seit zwei Wochen, nach eigenen Angaben, weiß Kiew und damit auch Obama, dass die Separatisten die Buk Raketen erobert haben. Warum haben sie den dann den Flugraum über der Ukraine nicht für den zivilen Luftverkehr gesperrt?Natürlich ist der Absturz/Abschuß mit den unschuldigen Opfern eine menschliche Tragödie, aber ist es nicht heuchlerisch die anderen Toten dieser militärischen Auseinandersetzung zu vernachlässigen, oder ist es legal wenn „Freunde“ der USA eigene Landsleute täglich in nicht mehr überschaubaren Größen töten. Noch darf man ja Nachdenken und noch sind die Gedanken frei.Mit einen spekulativen Abschuss, bezüglich der Täterzuweisung, erkauft man sich doch höchstens Glaubwürdigkeit der normalen Bild Leser, so wie sich das Spreng vorstellt, wobei man ruhig mal die Reaktionen von Foristen /innen auf seinen Blog lesen sollte, den fair ist Spreng und zensiert kaum.


    Mit freundlichen Grüßen

    Ralf Nietzschmann

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