Mittwoch, 28. Mai 2014

Anne Will - 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg - Wie stabil ist Europa heute?


Sendung am 27. Mai 2014 | 23:45 Uhr
100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg – Wie stabil ist Europa heute?
Die Gäste im Studio
© Will Media Fotograf Wolfgang Borrs/Marijan Murat
  • Heinrich August Winkler Historiker
  • Gesine Schwan Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance
  • Christopher Clark Historiker
  • Oskar Lafontaine Fraktionsvorsitzender der Linken im saarländischen Landtag
100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs verglich Altkanzler Helmut Schmidt die Ukraine-Krise mit den Spannungen kurz vor Kriegsausbruch 1914: Europa, die USA und Russland verhielten sich wie „Schlafwandler”. Und im künftigen Europaparlament bekommen die Eurokritiker nach derzeitigem Stand fast 20 Prozent der Sitze. Anne Will fragt deshalb direkt im Anschluss an die ARD-Doku  „14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs”: Wie stabil ist Europa 100 Jahre nach der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts? Haben Deutschland und Europa die richtigen Lehren aus dem Ersten Weltkrieg gezogen? Wie kam es 1914 zu dieser Katastrophe und muss die deutsche Schuldfrage neu bewertet werden?

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Kommentare aus dem Blog
Nr. 1 von Peter Fischer
100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg – Wie stabil ist Europa heute? Auch diese Frage der Anne Will Redaktion geht mal wieder am Kern des Problems vorbei. Die eigentliche Frage müsste lauten: Wie stabil ist der Kapitalismus?
Worum geht es eigentlich im Krieg oder warum führen Völker Krieg? Ist Krieg nicht im Kapitalismus angelegt? Worum geht es also im Kapitalismus? Die gesamte Verbalität des Kapitalismus entstammt doch schon der Kriegsterminologie. Es geht um die Eroberung neuer Märkte und es wird um Marktanteile gekämpft. Feindliche Übernahmen und Verkaufsstrategien gehören auch zum Vokabular des Kapitalismus. Für mich klingt das nicht nach Frieden und sogar der ehemalige Bundespräsident (Horst Köhler) hatte klare Worte gefunden. Auch stößt der durch das Privateigentum an Produktionsmittel und das Geldsystem ausgelöste Wachstumszwang (Wachstumswahn) regelmäßig an seine natürlichen Grenzen. Um weiter wachsen zu können, muss Angehäuftes vorher zerstört werden oder auf andere Weise (zum Beispiel Währungsreform oder Hyperinflation) reduziert bzw. neu verteilt werden. Krieg ist für Banken und Konzerne die einträglichste Lösung, was ich vielleicht in einem späteren Beitrag noch genauer heraus arbeiten werde. Fazit: Nicht Europa an sich ist Ursache für Instabilität und Kriege, sondern das in Europa vorherrschende Gesellschaftssystem mit dem Namen Kapitalismus!

Nr. 14 von Paulus
Gegenüber einer Übertragbarkeit von “Lehren aus der Geschichte” um gegenwärtige Problemlagen besser beherrschen zu können, bin ich mehr als skeptisch. Hinter dieser Vorstellung steckt ein mechanistisches Geschichtsbild (das ist zugleich eine leise Kritik am “Histomat” bei K. Marx) bzw. dem “walten” des Weltgeistes (Hegel u. L. v. Mises – bei ihm verkörpert er sich als unendliche Vernunft des Marktgeschehens).
In der EU und unserer Regierung hat man nach dem Wahlabend vom 25.05. allen Grund nicht länger von “Großeuropa” zu träumen, sondern die Frage zu beantworten, ob es mit der EU und dem Euro so weitergehen kann wie gewohnt und ob nicht doch das Ende der Brüssler Bürokratenherrschaft gekommen ist?. Sich verschärfende Disparitäten in Euroland z. B. mit Draghi`s Gelddruckmaschine begegnen zu wollen (whatever its takes….) um die Verschuldung schlingernder EU Staaten weiter auf die Spitze zu treiben? Oder aber gleichmütig die verheerenden Folgen der Euro Einführung hinzunehmen mit der tröstenden Aussicht: “Da müssen die durch”… es wird irgendwann schon wieder werden.”
Die Wahlerfolge der EU-Gegner sind ein schrilles Alarmzeichen. Wie gewohnt kann es in Brüssel auf keinen Fall weitergehen. Die Franzosen sind ja nicht urplötzlich alle zu “Fremdenhassern” und brandgefährlichen “Nationalisten” mutiert. Und für “rechtsextrem” in einem nazistischen Sinne halte ich die Partei von Marine Le Pen nicht. Die Botschaft aus Frankreich ist vielmehr: “Wir haben die Schnauze von Brüssel voll und lehnen es ab, uns durch politische Konstruktionen auf der Basis des Lissabon Vertrages länger zum Narren halten zu lassen.
Wer das nicht versteht, wird politisch überhaupt nichts mehr begreifen oder strebt eine Brüsseler Diktatur an (verbrämt durch Regierungschefs, die glauben via Brüssel auf undurchsichtige Art und Weise durchregieren zu können (siehe TTIP)). Eine solche Vorstellung würde zu Frau Merkel und Banken und Konzernen passen.
Gruß Paulus

Nr. 23 von Alisa
Muss wieder mal darauf hinweisen, dass der EURO nicht funktioniert, weil die Länder nicht “harmonisiert” wurden, wenn ich mich richtig erinnere, auch vor allem auf Druck der Wirtschaftpolitik der BRD, weil man eben nicht irgendwelche Nachteile sondern halt immer nur Vorteile will. Das ist dem System inhärent, es macht es im Wesentlichen aus. Die einen haben nur die Vorteile, die anderen den Rest. Man kann es drehen und wenden wie man will, es immer die Grundhaltung, die zum Scheitern des Friedens, der Verständigung und Zusammenwachsens, führt, es kann nicht anders sein. Die Probleme des EUROs sind eine Folge des Konkurrenzdenkens in der Union und fehlender Einsicht, dass Zusammenarbeit etwas anderes ist. So konnte sich die BRD durch ihre Hartzgesetze enorme Vorteile gegenüber den anderen EU- Länder, heißt mehr “Konkurrenzfähigkeit” erschleichen, weil diese eben leider zu teuer sind. Nur weil andere Länder dieses Runterdumpen nicht mitmachen wollten, weil ihnen der inländische soziale Frieden wichtig war, waren sie die Dummen.
Auch die Steuergesetze müßten angeglichen werden, damit die Steuerflucht nach Holland oder Luxemburg ein Ende findet.
Man sollte nicht immer den Schreihalsen auf den Leim gehen, die sagen, der EURO kann nicht funktionieren, es muss heißen, “so” nicht funktionieren, aber das fällt schon wieder unter den Tisch, dass es eine Missgeburt war, weil man es nicht richtig machen wollte. Also sollte man die Systeme angleichen und nicht noch mehr gegen den armen “EURO” hetzen.
Europa hatte noch nie eine reale Chance.

Nr. 31 von Helmut Krüger
Nicht nur zwischen Deutschland und Polen sind die Begriffe “rechts” und “links” sehr unterschiedlich belegt, auch innerhalb von Deutschland sind sie noch weit unterschiedlicher ausgeprägt. Gerade was die Frage, was “rechts” sein soll.
1. Die Konservativen, die seitdem es Parlamente gibt, aus der Sicht des Parlamentspräsidiums gemeinhin rechts sitzen
2. In einer Antifaschismusstrategie: Die Verkürzung des RechtsEXTREMISMUS PR-gängig auf “rechts” und damit faktisch eine parlamentarische “Adelung” des Rechtsextremismus
3. Als Phänomen neuerer Zeit die Definition des “rechten Randes” als sehr schillernder und damit faktisch aussageloser Sammelbegriff für so überaus Unterschiedliches und in keinster Weise Gleichzusetzendes wie NPD, Pro NRW und bspw. AfD.
“Gegen rechts” ist daher eine Verkürzung und letztlich angesichts dieser Gemengelage faktisch eine Null-Aussage, zumal auch garnicht genannt wird, was denn POSITIV sein und damit greifbar werden soll.

Nr. 41 von Egon
Von einer Stabilität Europas kann wohl niemand ersthaft sprechen. Schon der kleinste Husten u.a. im wirtschaftlichen Bereich erschüttert ganze Systeme, lässt die Börsen erzittern und lässt alles mühsam Aufgebaute auch in der Beziehung der Menschen zueinander förmlich krachen. Über Nacht können die Waffen sprechen. Genug Drohgebärde zwischen den Systemen und Völkern erleben wir täglich.
Sogar eine Fernsehdiskussion von einer Hand voll Teilnehmern kann erschreckende “Gewaltszenen des Wortes” offenbaren. Bei Plasberg erlebte man am Montag zum großen Teil ein Geschrei von “kultivierten Menschen”, durchweg eingeschworene Europäer. Aber Fehlanzeige! Alle gegen Einen! So wie überall in dem gepriesenen Europa. Die Mächtigen sind miteinander verflochten und nehmen sich relativ einzelne vor, auch auf der Basis von Staaten. Unter diesen Umständen von Stabilität zu sprechen, dürfte sehr gewagt sein, wenn nicht nur eine Wunschvorstellung. Und ob es besser wird, wenn immer mehr Staaten zur EU stoßen oder gestoßen werden, ist mehr als zweifelhaft. Ein Ringen um einen “Platz an der Sonne” wird bleiben, zumindest mit indirekter Gewalt, die aber schnell umschlagen kann.
EU und NATO interessieren sich auffallend sehr für die Ukraine und Waffenspielchen gehören bereits zum Alltag. Altkanzler Schmidt erkennt die Situation, die ihn an 1914 erinnert. Auch damals wähnten sich alle im Recht, waren siegeszuversichtlich und schlugen alle Bedenken in den Wind.
Heute? Hat man vergessen, dass sich z.B. “Chrustschows Baby” in den Händen der Russen befindet und jederzeit zum Einsatz kommen könnte, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen. Und wir wissen auch, dass wir schon mehrfach einem Atomtod mehr zufällig entgangen sind. “Stabiles Europa” ? Muss ein Gerücht sein!

Nr. 106 von Nichtbürger
Dank der sehr guten Vorredner, kann ich mir weitere Erklärungen über die ewige Frage: “Krieg oder Frieden” sparen.
Es ist systembedingt.
Ohne klares Umdenken/Umkehren, hin zu einer wirklich humanen Gesellschaft, wird es wohl noch Ewigkeiten genauso weitergehen.
Erfreuliche Nachricht von unsere Politiker:
“Dritter Weltkrieg abgesagt, jetzt geht es um die Top-Jobs in Brüssel”
Diese “Leitfiguren” haben es nach der schallende Ohrfeige zur EU-Wahl noch nicht begriffen, sondern bescheinigen Millionen Wähler Realitätsverlust!
Ein Anderer möchte gern kritische Parteien in die 2.Liga verbannen.
Zwischzeitlich brennt die Lunte aber schon lange, unsere Leitmedien gießen fleißig tagtäglich Benzin ins Feuer.
Das “Projekt EU” ist zerissener den je.
Über die exorbidanten Überschuldung sschweige ich lieber.
Richtig, den Schulden stehen auch Gewinner in gleicher Höhe gegenüber, aber ALLES nur auf dem Papier.
Reale Werte werden es nie, deshalb das Säbelrasseln, die Kriegslüsternheit. Frieden oder Friedensdemos sind unerwünscht, jedenfalls für die Leitmedien und Mächtigen. Es hat sich seit Jahren etwas zusammen gebraut, was nach Lösungen schreit. Vergessen wir dabei nicht, das real schon Krieg herrscht.
Syrien, Ukraine, u.a. verdeutlichen, das sich der Kapitalist mit JEDEN verbündet der für seine Gier tötet.
Europa und die Welt steht am Scheideweg.

“General, dein Tank ist ein starker Wagen.
Er bricht einen Wald nieder und zermalmt hundert Menschen.
Aber er hat einen Fehler:
Er braucht einen Fahrer.

General, dein Bomberflugzeug ist stark.
Es fliegt schneller als ein Sturm und trägt mehr als ein Elefant.
Aber es hat einen Fehler:
Es braucht einen Monteur.

General, der Mensch ist sehr brauchbar.
Er kann fliegen und er kann töten.
Aber er hat einen Fehler:
Er kann denken.
(Bertolt Brecht)

Meine Hoffung liegt im richtigen Denken der Menschen

Nr. 178 von K.Czechura
Moin Frau Will,
hervorragend, wie die Sendung zum Schluß zum eigentlichen Kernpunkt gekommen ist (Glückwunsch für die Dramaturgie ;-). Wenn Sie sich jetzt einen ganz dicken Orden verdienen wollen, setzen Sie diese Diskusion bei einer neuen Sendung mit den gleichen Beteiligten genau an diesem Punkt fort. Sie könnten in die Geschichte eingehen, denn wer wagt es noch, die offensichtlichen Ausgangspunkte wirklich anzugehen! Dieses Gefühl von “eingezogenen Köpfen” kam ja auch deutlich heraus (zwar in einem Nebensatz, aber klar zu hören: “Wer regiert hier wirklich…?”). Wenn wir alle hier weitermachen und die angesprochenen Bereiche der grundlegenden Ursachen in den multilateralen Konsortien endlich benennen, haben wir wirklich die Chance, aus der Pubertät heraus zu kommen, anders kann ich den Zustand unserer Zivilisation leider nicht bezeichnen. Dann könnten wir wirklich einmal erwachsen werden und “das Konsortium” müßte erkennen, wie schwierig, irgendwann auch unmöglich das Hin- und Herschieben wird.
Packen Sie das? Viel Glück, Herzlichst

wird fortgesetzt...

Lesen Sie auch hier zum Thema: http://robert-diegrossenreligionen.blogspot.de/2014/05/anne-will-100-jahre-nach-dem-ersten.html

1 Kommentar :

  1. habe auch ein paar Gedanken zu diesem Thema bei mir veröffentlicht (wollte nicht den ganzen Text als Kommentar bei Dir lieber Gerd einstellen) :-)
    http://robert-diegrossenreligionen.blogspot.de/2014/05/anne-will-100-jahre-nach-dem-ersten.html

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