Sonntag, 17. November 2013

Fukushima: Gefährlichste Aktion in der Geschichte der Atomkraft beginnt

Thema: Atomkatastrophe Fukushima


Am Montag beginnt in Fukushima die hoch riskante Entfernung der Brenn-Elemente aus der Atom-Ruine. Eine solche Operation hat es in der Geschichte der Atomkraft noch nie gegeben. (Screenshot: Tepco-Video)
Am Montag will Tepco mit der Entfernung der Brenn-Elemente aus der Atom-Ruine von Fukushima beginnen. Der Nuklear-Ingenieur Arnie Gundersen warnt: Die Skandal-Firma ist nicht in der Lage, die riskante Operation durchzuführen. Er habe Informationen, dass eine wichtige Dichtungs-Chemikalie zerstört sei. Ein Fehler kann zu einer verheerenden Katastrophe führen.

Am Montag beginnt die Betreiber-Firma Tepco in der Atom-Ruine von Fukushima mit der Bergung der zerstörten Brenn-Elemente. Über dem Block 4 von Fukushima Daiichi wird das Unternehmen damit beginnen, die 1.533 Brennelemente zu bergen. Tepco will zur Übung damit beginnen, die 202 unbenutzten Brennelemente zuerst zu bergen. Danach sollen die 1.331 beschädigten Elemente geborgen werden.

Die Operation soll ein Jahr dauern. Das Unternehmen will die Erfahrung nutzen, um danach die Aufräum-Arbeiten in den ebenfalls zerstörten Blöcken 1 bis 3 durchzuführen. Dort ist die Lage noch kritischer, weil es zu Kernschmelzen gekommen ist. Am Donnerstag gab Tepco bekannt, dass auch aus dem Reaktor 1 radioaktive Flüssigkeit entweicht. Offenbar sind als Folge einer Wasserstoff-Explosion Lecks in dem Gebäude entstanden, berichtet Yomiuri Shimbun. Bereits jetzt fließen täglich 300 Tonnen verseuchtes Wasser aus Fukushima in den Pazifik.

Die Japan Times schreibt, dass die Bergung aller radioaktiven Abfälle insgesamt Jahrzehnte dauern wird.

Der Nuklear-Ingenieur Arnie Gundersen warnt davor, dass Tepco mit dieser höchst gefährlichen Aufgabe betreut wird. Er habe Informationen „von einem Insider bei Tepco“, dass die wichtige Dichtungs-Chemikalie Bor zwischen den Brenn-Elementen an entscheidenden Stellen zerstört sein soll: Zwischen den Elementen befindet sich normalerweise eine Bor-Schichte, die verhindern soll, dass es zu einer Ketten-Reaktion kommt.

Gundersen, der selbst als Ingenieur solche Behälter gebaut hat, sagte in einem Interview für den Sender Coast to Coast AM, das Bor sei vermutlich dadurch zerstört worden, dass die Brenn-Elemente mehrere Wochen nicht ordnungsgemäß gekühlt worden seien. Außerdem seien die hoch radioaktiven Teile mit Salzwasser aus dem Meer gekühlt worden – eine Methode, für die die Teile nicht gebaut seien.

Gundersen fürchtet, dass der geringste Fehler dazu führen könnte, dass das Abklingbecken sofort zu kochen beginnt. Wenn es Tepco nicht gelingt, die Brenn-Elemente in diesem Fall sofort wieder in das Wasser zu befördern, droht die Gefahr einer Ketten-Reaktion. Tritt diese ein, müsste Tepco die Arbeiten sofort einstellen und die Arbeiter vom Gelände evakuieren.

Im Fall einer Ketten-Reaktion werden enorme Mengen von Radio-Aktivität freigesetzt. Die Radioaktivität kann in die Atmosphäre gelangen – mit unabsehbaren Folgen für Japan – und je nach Windrichtung, für die ganze Erde.

Das Unternehmen stellt in einem Werbe-Video die gefährliche Aktion als Kinderspiel dar: In einer bemerkenswerten Analyse hat Gundersen das Video analysiert und deckt die Märchen von Tepco schonungslos auf (Video am Ende des Artikels).

Gundersen kritisiert, dass Tepco aus finanziellen Überlegungen unzureichend für die komplexe Bergung ausgerüstet sei. Die japanische Regierung habe internationale Unternehmen, die ihre Hilfe angeboten haben, abgewiesen und will, dass das Skandal-Unternehmen Tepco die Beseitigung des radioaktiven Mülls allein durchführt.

Die Zukunft Japans, die Zukunft des Pazifik – möglicherweise die Zukunft der Menschheit liegt also ab Montag in den Händen einer korrupten und ausschließlich auf Profit orientierten Atom-Firma.

Die internationale Gemeinschaft schaut weg und hofft, dass in den kommenden Jahrzehnten kein Fehler passiert.

Verantwortung ist offenkundig kein Begriff aus dem Vokabular von Geschäftemachern und Globalisierung-Ideologen.

Mit freundlicher Genehmigung von DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN


Mitarbeiter von Fukushima-Betreiber kündigen massenweise
Foto: EPA
Mitarbeiter von Fukushima-Betreiber kündigen massenweise
STIMME RUSSLANDS berichtet
am 16.11.2013:

Mehr als 1.000 Mitarbeiter der japanischen Energieholding Tokyo Electric Power (TEPCO), des Betreibers des havarierten Atomkraftwerkes Fukushina 1, haben nach Angaben des Unternehmens ihre Kündigungsanträge eingereicht.

Die Experten halten es für möglich, dass die Zahl solcher Anträge noch weiter wachsen werde.

TEPCO kündigte außerdem an, einen Teil der Kraftwerke aus ihrem Besitz verkaufen zu wollen. Außerdem will das Unternehmen die Wiederaufnahme der Arbeit des weltgrößten Atomkraftwerkes Kashiwazaki-Kariwa durchsetzen.

Roboter entdeckt Lecks am Fukushima 1
14. November 2013


Foto: EPA
Ein ferngesteuerter Roboter hat erstmals die undichten Stellen im Reaktor des ersten Energieblocks des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1, aus denen verseuchtes Wasser austritt, entdeckt.

Der Roboter fand zwei Beschädigungen in der Sicherheitshülle des Reaktors, durch die das verseuchte Wasser in den Energieblock gelangt.

Zugleich betonten TEPCO-Ingenieure, dass sie die Wassermenge, die aus dem Energieblock ausläuft, nicht einschätzen können. Im zweiten und im dritten Energieblock gebe es ähnliche Probleme mit verseuchtem Wasser, fügten sie hinzu.

Fukushima: alleingelassen mit der Strahlung?
15 Oktober 2013

Foto: EPA
Fukushima - dieser Name steht vor allem für den Super Gau - aber eben auch für unheimlich viele Pannen und immer wieder schlimme Schlagzeilen seitdem der Tsunami das an der Küste stehende Atomkraftwerk mit voller Wucht erwischte. Wie sieht es in der Region nun aus, was machen die Menschen dort? Unsere Korrespondentin Daniela Hannemann hat mit dem Atomphysiker Heinz Smietal von Greenpeace gesprochen, der vor ein par Wochen in Japan in der Region Fukushima unterwegs war.

Seit der Katastrophe um das havarierte AKW in Fukushima im März 2011 ist eigentlich noch kein Monat vergangen, in dem nicht über weitere kleine Zwischenfälle berichtet wurde. Warum ist die Lage dort immer noch so schwierig?

Die Lage dort ist sehr schwierig und wird es auch immer sein. Die Problematik ist, dass der Betreiber Tepco und auch die Regierung von Anfang an versucht haben, die Lage herunter zu spielen. Es war von Anfang an klar, dass es ein Ereignis der Stufe sieben ist. Das wurde aber sehr spät erst als solches klassifiziert. Insofern ist man nicht mit den entsprechenden Ressourcen an die Probleme heran gegangen. Die Wasserbehälter, die man gebaut hat, sind zu einfach und entsprechen nicht dem, was man bräuchte. um stark radioaktives Material aufzubewahren. Diese nur mit Bolzen verbundenen Bleche sind da ungeeignet, insofern werden hier die Probleme noch zunehmen.

Herr Smietal, sie waren gerade vor Ort, deshalb haben sie auch so frische Eindrücke, kennen sich mit den Einzelheiten aus und sagen, es sei nicht gut umgegangen worden mit dieser Katastrophe. Inwiefern sehen sie da einen Zusammenhang mit der Olympiade in Tokio von 2020? Also wenn die japanische Regierung jetzt sagen würde, wir brauchen wirklich internationale Hilfe, würde sich das negativ auf die Ausführung der Olympiade auswirken?

Das kann ich nicht wirklich beurteilen, Japan ist hauptsächlich in der Region Fukushima betroffen, diese Region ist auch stärker betroffen, als zugegeben. Aber auch in Tokio gibt es Stellen, die eine leichte Kontaminierung aufweisen. Trotzdem wäre das kein Grund, dass man dort keine Veranstaltungen betreiben könnte. Man darf aber auch nicht so tun, als würde man keine bösen Überraschungen mehr präsentiert bekommen.

Noch einmal ganz konkret zu ihrem Fukushima-Besuch: Sie waren vor zwei Wochen da, welche Eindrücke haben Sie mitgenommen, was waren die wichtigsten Eindrücke, wenn Sie es zusammenfassen sollten?

Wir waren nicht bei den Reaktoren, es ist sehr schwer dorthin zu kommen, es ist sehr gefährlich dort und außerdem hilft ein Besuch auch nicht. Deshalb waren wir dort, wo die Menschen leben bzw. in Tamura City, wo eine Evakuierungszone wieder aufgehoben werden soll und haben uns angeschaut, wie dort die Zustände sind. Man findet dort, auch wo dekontaminiert worden ist, am Waldrand, am Flussufer, an Straßenecken, überall da wo auch Wasser herunterrinnt und in Wasserrinnen zum Teil hohe Aktivitäten. Es ist daher nicht unbedingt zumutbar, dass auch Familien mit Kindern dorthin zurückkehren, die Regierung lässt aber die Leute im Stich, also für die Leute ist sozusagen die nicht gelöste Strahlensituation ein sehr schweres Problem und lässt sie sehr alleine in einem sehr schweren Schicksal. Und darauf möchten wir aufmerksam machen.
Daniela Hannemann

Radioaktiver Fisch aus Fukushima
18 Januar, 19:53

© Collage: Stimme Russlands
Das Strahlungsniveau im Fisch, der in der Nähe von dem Havarie-AKW Fukushima-1 vor der japanischen Küste gefangen worden ist, übersteige um mehr als 2.500 Mal den zulässigen Grenzwert, teilte am Freitag ein Vertreter des japanischen Stromkonzerns TEPCO mit.

Das Strahlungsniveau im Fisch, der in der Nähe von dem Havarie-AKW Fukushima-1 vor der japanischen Küste gefangen worden ist, übersteige um mehr als 2.500 Mal den zulässigen Grenzwert, teilte am Freitag ein Vertreter des japanischen Stromkonzerns TEPCO mit.

Ihm zufolge übertraf das Niveau des Gehalts von Cäsium im Meerbarsch, der in der Nähe vom Kraftwerk gefangen worden war, 254.000 Becquerel pro 1 Kilogramm bei Norm 100 Bq/kg. Die Fischerei in den Gewässern neben Fukushima-1 wurde verboten, nach dem am 11. März 2011 Jahr ein Tsunami an der nordöstlichen Küste von Japan zu der AKW-Katastrophe geführt hatte.


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